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Posts Tagged ‘türkei’

Anfang April. Genauer: Der erste Tag nach Ostern.
War recht ausgleichend Ostern 2018. Jedenfalls was die Zypernundmehr-News Redaktionsräume angeht, war dem so: dort 2 viel zu große Nägel in die Wand gehauen, um den noch in Größe monströseren Spiegel an der Wand aufrechtstehend anzubringen, der kürzlich gekauft werden ‚musste‘. Woanders ein Bild aufgehängt. Mit dem Metermaß sogar den Abstand der Träger am Spiegel gemessen. So schwer ist das Ding, dass er ohne Hilfe an den beiden Ösen hängend nicht angebracht werden könnte.
Die Ösen hatte der Herr von der Lieferfirma eher widerwillig hinten am Spiegel angeschraubt, als er und sein Kollege gekommen waren, um weitere Gegenstände, wie eine Couch, einen Office-Tisch usw. abzuliefern und zu montieren. Das Büro ist inzwischen zur allgemeinen Zufriedenheit neben den Wohnräumen eingerichtet.
Wunderbar ist und war auch, heute Morgen bei Sonnenschein Richtung Süden durch das unweit von Lahr gelegene Dorf Sulz zu fahren, wo ganz viele gelbe Blumenköpfe den Straßenrand der dortigen Hauptstraße säumen und rosa blühende junge Bäume helfen, den frühlingshaften Eindruck in gesteigerte Lebenslust zu wandeln. Ja! Frühling ist gesteigerte Lebenslust, vor allem, wenn man plötzlich wieder ein Mal findet, am richtigen Ort zur richtigen Zeit zu sein.
Durch Sulz fahren, ist angesagter, weil dort ist meist weniger Verkehr anzutreffen, als wenn man sich über die B3 in Richtung Freiburg kämpft, wo eigentlich immer Was los ist, das man nicht unbedingt miterleben mag: Stau, Unfall, Hektik etc. Über Sulz gefahren, können viele noch zu erledigende Dinge wahrscheinlich gleich von Anbeginn an lässiger oder entspannter angegangen werden.
In der Gemeinde Rust, wo von Lahr über Sulz, Kippenheim etc. hingefahren wurde, ist sichtlich spürbar, dass die dortige Saison im Publikumsmagneten Euro-Park von der Besucherzahl her anzieht; also richtiger: im „Europa-Park“. Doch noch längst nicht hat die Massenwanderung in den flächenmäßig wachsenden Unterhaltungspark von Rust vollends eingesetzt. Das kommt noch. Immer mehr Hotels entstehen, ein neuer Dorfteil sogar. Es ist nicht mehr jedermann gegeben, in dieser Gemeinde eine bezahlbare Wohnung zu finden – und schon gar nicht auf die Schnelle. Beziehungen sind gefragt, Geld.
Meines Wissens sitzt man in einer der vorhandenen Bäckereien Rusts zu jenem Zeitpunkt recht gut, nachdem der sogenannte „Stammtisch“ das Feld geräumt hat. Letzterer wird von Einheimischen gebildet, durchweg Männer, die wenig Gutes an ihrer Um- oder Mitwelt mit ihrem Gemurre und An-Klagen belassen. Selten, dass da mal was Positives – unfreiwillig – zu überhören wäre, was aus deren Mündern entlassen wird. Früher hätte man darüber gesagt: „Denen geht es zu gut!“
Kann schon sein, dass all Das auch anders gesehen werden kann!
Jedenfalls so kurz vor 12 Uhr mittags sitzen die Herren vom Stammtisch, die meisten sind Rentner, wahrscheinlich Zuhause und warten, dass ihnen Teller mit Essen gefüllt gereicht werden. Wahrscheinlich kochen einige von ihnen auch selbst, weil alleinlebend oder weil andere Umstände eine ‚schrankenfreie‘ Versorgung der zuvor erwähnten Art verhindern. Und auch Ihnen, verehrte Leser, wird schon aufgefallen sein, dass Selbstkochen doch eigentlich Spaß macht? Es soll ein tägliches Wagnis sein. Ein Abenteuer. Eine künstlerische Betätigung. Der Zeitpunkt, an dem Draußen draußen ist und bleibt.
Die örtliche Verlegung der Redaktions- und Wohnräume bedingt nämlich, dass solch Koch-Wagnis neuerdings nahezu täglich angegangen wird, zumal der Markt der Stadt Lahr praktisch vor den Füßen liegt – 2 manches Mal 3 Tage die Woche stattfindet. Das Schleppen von schweren Taschen und/oder Tüten hat somit ein jähes Ende gefunden – auch sonst sind die Wege kürzer geworden. Zypernundmehr-News befindet sich neuerdings in der Mitte einer kleinen, recht freundlich pulsierenden Stadt im Schwarzwald, wohingegen sich auf Zypern selbst nichts geändert hat. Dort befinden wir uns im ungefähren Dreieck, welches die Städte Limassol, Larnaka und Nikosia bilden. Langsam lernt man sich kennen auf dem Markt von Lahr. Interessante Kunden-Käufer-Beziehungen entstehen. Das gefällt.
Die Atmosphäre ist eine wirklich andere als auf dem Markt in Kandern, wo alles so gedrängt ist. Komprimierter also – vielleicht wegen der Lage in einem Tal. Manche versteigen sich gar darin, zu behaupten, es sei eine „Täler-Mentalität“ existent, mit deren nach Innengewandtheit man umzugehen lernen müsse in Kandern. Etwa so wie hoch oben in den Alpen gilt es das zu sehen, wo die Bewohner auch lieber im eigenen Saft gebrutzelt werden wollen, wird gesagt.
Auch egal: Der Umzug, nämlich weg aus Kandern hin nach Lahr im Schwarzwald, war mehr als notwendig geworden. Zur allgemeinen Überraschung sind die häufigen Aufenthalte in Basel und somit in der Schweiz noch gar nicht groß vermisst worden. Das hat damit zu tun, dass von Lahr aus eigentlich viel bequemer nach Basel oder Zürich gelangt werden kann, und ungefähr genauso schnell und teuer oder billig, als von Kandern aus. Die neugewonnene Nähe ins nördlicher gelegene Kehl, Karlsruhe, Colmar oder Seléstat im Elsass und Straßburg ist WIRKLICH einfach DER Knaller!

Well, der Knaller wird, wie in TRT-Türk zu hören war, dass nun anscheinend doch noch gebaut wird, und zwar in der Nähe der Stadt Mersin. Die sogenannte Grundlage für das schon seit längerem anvisierte Projekt zwischen der Türkei und Russland ist gemeint. Die Basis ist also leider gelegt worden – kein Aprilscherz.
Der erste Gedanke, als von dem türkisch-russischen Projekt gehört wurde: „Aha, nun haben die Israelis wieder zu tun.“ Die haben ja schon über die Medien wissen lassen, allerdings in anderem, aber ähnlichem Zusammenhang, nie wieder zu erlauben, dass in ihrem unmittelbaren Umkreis tödliche Gefahr entsteht. Die Israelis sind ja, wie Sie wissen, deshalb schon vor einiger Zeit in Syrien ‚eingeritten‘, damit ein Mehren von Plutonium für Nordkorea und andere Interessierte unterbunden bleibt. Und was jetzt bei Mersin entstehen soll, welches unweit von Adana liegt und eine weitere türkische Millionenstadt ist, ist mindestens so unschön wie das, was man einst in Syrien vor knapp 10 Jahren in die Luft sprengte per israelischen Flugangriffen.
Man müsse selbstständig werden in Sachen energetischer Versorgung, säuselt Erdoğan und seine ministerialen Hampelmänner. Irgendwie konnte nach geschlagenen 4 Stunden TRT-Türk-Gucken nirgends vernommen werden, wo denn bitte sehr die Reste einer solchen Anlage sicher untergebracht werden sollen in der Türkei? Entschuldigen Sie, wenn hier etwas zynisch bemerkt wird als Antwort auf die gestellte Frage: Vielleicht in den Höhlengängen der frühen Christen nahe der Stadt Kayseri, also in Kappadokien. Oder nach Afrika damit? Letzteres, weil türkische Exporte nach Afrika, wie gerade praktisch jeden Tag verkündet wird auf TRT-Türk oder Int, scheinen exponentiell zu steigen. Hoffen wir mal, dass die Rechnungen für die vorgeblich hohen türkischen Exporte nach Afrika auch wie gewünscht beglichen werden von den afrikanischen Geschäftspartnern.
Nein, nein! So unsensibel, wie das gerade Geäußerte, sind Herr Erdoğan und sein Außenminister Çavuşoğlu nun doch nicht. Beide geben im Verbund mit dem Rest der AKP-MHP-Regierung vor, begriffen zu haben, dass der Islam Vorläufer hat: nämlich das Christentum, doch vor allem das Judentum. Dennoch fühlt man sich als Muslim und Türke zu oft missverstanden und so handelt und redet man anscheinend auch in Ankara. Und deswegen, und manche behaupten nur deswegen, muss die Türkei zukünftig ausgerechnet dieses Atomkraftwerk in Akkuyu betreiben, welches ja in einer Gegend liegen wird, die nicht nur auf Grund ihrer Geologie problematisch ist, sondern auch, weil dort bekanntlich Konfliktzonen verlaufen – West-Südosttürkei, genauer: die Kurden-Türkenfrage; doch auch die wenig erwähnte Frage der türkischen Araber. Armenier, Jeziden, Sinti und Griechen könnten auch noch genannt werden, doch die sind noch immer zu dezimiert von ihrer Anzahl her, und dies seit Beginn des letzten Jahrhunderts, bzw. seit den 20er Jahren.
Derartige Grenzverläufe im Land mag Ankara nicht erwähnen. Das sei schlichtweg Humbug, dort von Grenze zu sprechen: PKK-Propaganda, Fetö-Unterstützung, armenische Lügen, unislamisch, west-imperialistisch etc.
Von der Stadt Mersin war oben kurz die Rede. Ja, dort ist einer der Häfen der Türkei, aus denen sogar Fähren regelmäßig und auch im Winter nach Zypern-Nord in See stechen. Zypern liegt also in unmittelbarer Nähe des geplanten Projekts in Akkuyu, wie allerdings auch Israel und Teile Syriens – und die Saudis zählen sich da auch dazu gehörig, und würden zu gern der Welt zeigen, dass sie mit der Türkei und Israel in Konkurrenz stehen und begriffen haben, dass allein Öl-Verkaufen zukünftig nicht ausreicht, um das Glück der Herrschenden in Riad weiterhin gepachtet zu haben. Sie betteln derzeit (20. April 18) geradezu darum in Washington, sich offiziell als weiteren Player in den Wirren in Syrien einführen zu dürfen – und das möglichst von Gnaden der USA.
Putin sieht sich offenbar getrieben, strategisch ausgefeilt einen Keil zwischen sich und dem sogenannten Westen mit Beihilfe der AKP-Regierung der Türkei etwas tiefer zu verankern – siehe Akkuyu. Wahrscheinlich laufen im Geheimen schon Verhandlungen der Türkei mit Ländern, wie Nordkorea, Pakistan oder China, damit einer von ihnen im Falle, dass Putin und Erdoğan sich schon bald wieder in den Haaren liegen, das Projekt Atomkraftwerk-Akkuyu weiterführt, um einen türkisch atomaren Stern am anatolischen Himmel und auch endlich über dem Mittelmeer erleuchtet zu sehen – zum Schrecken und zur Warnung all jener/n, die es über die Jahre aus Ignoranz und Arroganz usw. nicht verstanden haben, den türkischen Player in die gesamteuropäische Masse einigermaßen ebenbürtig mit einzubinden. Anastasiadis und Co. auf Zypern sind hier die Ersten, die es für dieses Versagen zu nennen gilt. Brüssel und Berlin, Merkel, Seehofer & Co. gilt es dann sowieso gleich nach den Zyprern zu nennen.
Yusuf Ünsal?
Stuttgart?
08. 04. 2018?
Genau. Ungefähr an jenem Wochenende muss es in Stuttgart eine Demonstration von Kurden und ihren Unterstützern gegeben haben. Nichts weiter Verwunderliches. Doch dass Recep Tayyıp Erdoğan einen türkischen (vielleicht auch deutschen) Staatsbürger im Raum Stuttgart telefonisch anruft und diesen als Art Helden in den türkischsprachigen Medien feiern lässt, ist genau die Art und Weise, und somit auch die Bestätigung dessen, dass auf europäischem Boden von Ankara im Ausland befindliche türkische Bürger nicht nur geführt, sondern auch aufgestachelt werden. Der zuvor erwähnte türkischstämmige große Held, den sogar Binali Yıldrım als gutes Beispiel eines aufrechten Türken im Munde führt neuerdings, ist also jemand, der eventuell in Deutschland dauerhaft lebt und sich den demonstrierenden Kurden auf den Straßen Stuttgarts in den Weg stellte, und gegen diese angeschrien haben soll, dass die Türkei in Afrin keine Morde begehe und dass die PKK eine terroristische Organisation sei. Anstatt dass die deutschen Polizisten gegen die Kurden einschritten, wurde berichtet, die wieder mal verbotene Symbole mit sich trugen und Erdoğan einen Mörder schrien, wie immer, wurde Ünsal, wie ausgestrahlte Aufnahmen zeigen, eher unsanft in Gewahrsam genommen. Unsanft, wie zu erkennen war, weil sich der Herr gegen seine Festnahme heftig zur Wehr gesetzt hat. Er soll mit einem Gerichtsverfahren rechnen müssen, wurde berichtet.
Gerade vorhin war nun ein Interview auf TRT-Int zu sehen, wo Bürger Ünal sich angesichts des Telefonates stolz gibt, da ihn sein „Oberkommandierender“ Erdoğan persönlich angerufen habe in der Sache. Was braucht es mehr, um vaterländische/n Ruhm und Ehr als Türke im Ausland zu erlangen?
Deutschland, und wenn es noch so heruntergespielt wird von Politikern und den großen Medienanstalten Deutschlands, ist schon längst zum Austragungsort des von Erdoğan & Co. angeheizten innertürkischen Konflikts geworden. Was auch zu erwarten war. Fehlt eigentlich nur noch diese eine traurige Nachricht von einem ersten Opfer der Hetze via Ankara in Deutschland gegen jene, die andere politische Überzeugungen haben – oder einfach, weil man eine ungeliebte Volkszugehörigkeit hat. Zwar können TRT-Türk & Co. nicht verboten werden, doch es könnten durchaus Maßnahmen ergriffen werden, die sicherer stellten, dass bei Demonstrationen in Deutschland gewisse extremistisch (angehauchte) Gruppen mit Nulltoleranz rechnen müssen vonseiten der Polizei. Für die involvierten Polizisten ist das gewiss kein Zuckerschlecken. Doch die türkisch-nationalistische Welle gehört endlich ausgebremst. Sie birgt nämlich eine gewisse Ansteckungsgefahr in sich. Außerdem müsste mal eruiert werden, inwieweit die Polizisten Deutschlands – im hier angesprochenen Fall jene Polizisten türkischer, kurdischer, arabischer etc. Herkunft – sich überhaupt befähigt sehen, in solchen völkisch gefärbten Einsätzen, möglichst unparteiisch nach geltendem deutschen Recht für Ordnung zu sorgen. Eines der Dilemma der Beamten: Die einen, die auf der Straße randalieren, beispielsweise, sollen eingesperrt werden und die anderen, die in Vereinen und Moscheen agieren, werden vom Staat sogar mit Art Sonderrechten ausgestattet usw. Denn wie bereits in vorherigen Artikeln hier geschrieben wurde: Die Macht der türkischen Religionsbehörde DITIP in der BRD gehört umgehend eingeschränkt. Prediger in deutschen Moscheen dürfen nicht weiterhin Abgesandte der religiös-faschistisch orientierten AKP-Regierung der Türkei sein. Wie Kamera-Aufnahmen letztens bezeugten, werden kleine Jungs dazu angehalten, in Soldatenuniformen durch Moscheeräume zu marschieren – oder wie Leichen in eine türkische Fahne gewickelt auf dem Boden zu liegen etc.
Und von vaterländisch erlegten Leichen haben wir nicht nur in Deutschland zur Genüge die Nase voll seit 1945. Bei vaterländisch kommt einem natürlich auch gleich jemand wie Herr Bahçeli in den Kopf, der mit Erdoğan in der Türkei die Regierung bildet. Der erstere hat letztens zwar nicht unbedingt eine Leiche gelegt oder vergraben. Aber er versuchte, dabei zu helfen. Denn: Dieses Frauenzimmer muss/te doch in die Schranken gewiesen werden! Man stelle sich mal vor: Schon wieder eine Frau als Premierministerin der Türkei. Geht’s noch! Die Çiller hat allen Beteiligten damals gereicht: Bahçeli, Erdoğan und den anderen.
Diesmal heißt die Feindin Meral Akşener. Sie ist von der IYI-Partei, Partei-„Gut“. Man ist in dieser Partei also gut, wahrscheinlich besser als die anderen. Jedenfalls nicht schlecht und gemein, eben gut, wie der Name es ja eingibt. Der Generalsekretär der Partei, Herr Dr. Aytun Çıray, scheint ein kluger Kopf zu sein. Genauer: Die Söszcü-Tageszeitung schreibt davon, dass es der Inspiration seiner Frau zu verdanken sei, dass der Anmeldungstermin der Partei im Kalender etwas zeitlich später den Medien und anderen Interessierten verabreicht wurde. Die AKPler haben sich offensichtlich nicht die Mühe gemacht, nachsehen zu gehen, ob dieses Datum so überhaupt stimmt, als sie vor Kurzem den Wahltermin zu der Präsidentenwahl bekanntgaben. Es soll im Dezember 2017 passiert sein, dass die IYI ihre Formalitäten anging und erledigte.
Offenbar war in Insider-Kreisen der Türkei schon immer das Thema vorgezogene Wahlen ein Thema. Auch bei dieser einen Oppositionspartei zur AKP. Die AKP hatte ja bislang immer brav alle Legislaturperioden zu Ende gebracht. Dennoch ging das Gespenst vorgezogener Wahlen um. Und so geschah, was geschah: Da hat also der Präsident der Republik Türkei seinen Gehilfen und Regierungskoalitionspartner von der MHP ans Mikrofon geschickt. Er solle Neuwahlen fordern. Das tat der Bahçeli glatt und bestimmte einen Wahltag im August 2018. Doch nachdem die beiden den folgenden Tag nochmals zum Tee zusammengekommen waren, meinte Erdoğan danach höchstpersönlich: „Neuwahlen werden am 24. Juni 2018 sein.“
Wie kam’s?
Alle sind sich einig darin, dass die Regierenden von der AKP-MHP-Koalition die Iyi-Partei aus dem Weg schaffen wollten. Sie haben dazu wohl einfach 6 Monate von dem Datum an gerechnet, welches die Iyi-Partei als den Zeitpunkt den Medien verkündet hatte, an dem alle Formalitäten zur Wahlbeteiligung erfüllt waren. Ja, und dann haben die Herren offensichtlich noch ein Wöchlein oder zweie großzügig draufgeklatscht, sodass die Partei dieser Frau nicht zu den Wahlen zugelassen werden kann – glaubten sie.
Doch die Frau Akşener hat ja, wie erwähnt, eine Helferin mit gutem Instinkt. Und wegen letzterer sitzt die regierende Männerriege der AKP jetzt etwas oder mehr in der Klemme. Denn wir alle wissen, sogar der einsamste Bauer in Ostanatolien wird es inzwischen wissen, dass Bahçeli und Erdoğan sich selbst ausgetrickst haben mit Bekanntgabe des Wahltermins. Ihr Stern ist eventuell am Sinken und vielerorts hebt das die Stimmung – noch – insgeheim. Denn die Weitsicht und Menschenkenntnis Frau Çırays ermöglicht der IYI-Partei ihres Mannes, an den Präsidentschaftswahlen teilnehmen zu können, wenn sich alle an die Regeln halten bis zum Schluss. Mancher traut der Richterschaft indes zu, dass wieder einmal Recht nicht gesprochen werden könnte, und noch schlimmer, dass am Wahltag Manipulation hoch drei, wie man sagt, stattfinden könnte.
In der Yeni Özgür Politika vom 23. April 2018 finden Demir und Seçkin, dass der wahre Grund für die vorgezogenen Wahlen ist, dass 2019 sich eine nicht mehr zu vermeidende Krise am Horizont abzeichnet, die vor allem die Türkei in Beschlag nehmen wird. Alle verschuldet in der Türkei, doch besonders die staatlichen Banken, was zum Resultat haben dürfte, dass die Gesellschaft, die Sparer und Anleger, – mal wieder – die Zeche blechen werden, und nicht nur die. Einiges aus dem Ausland stammendes Kapital, 2/3 des Geldes in der Türkei basiert auf Schulden gemacht im Ausland, auf Darlehen. Das sind ungefähr 230 Milliarden US-$ etc. -, die die Türkei mit in den Strudel reißen könnten. Oder falls die erwartete Krise von außen angestoßen wird, was wahrscheinlicher zu sein scheint, dann, dass diese hohe Schuld mächtig am Kragen der Türkei zu würgen beginnen wird – wie einst in den 90er Jahren und davor.
Ja, türkische Politiker und Wirtschaftskünstler sind solch finanzpolster-enge Zeiten schon fast gewohnt. Bislang hat man mit Good-Will der westlichen und/oder östlichen Player stets das Beste oder Zweitbeste pickend, sich durchschlagen können, sogar zuweilen etwas profitieren können. Das eben gezeichnete Finanz-Drama, finden nicht wenige, spielt sich im Grunde schon jetzt sichtbar, ja, merklich ab: Über 2 Millionen Kinder werden nach Angaben der Yeni Özgür allein in der Türkei als ‚Arbeiter‘ ausgebeutet – vor allem Kinder von Flüchtlingen aus Syrien etc. Ein 15-Stundentag ist für die kleinen Verlierer, entschuldigen Sie, die Regel. Auch dieser traurige Umstand scheint in Berlin und Brüssel niemand groß zu jucken. Anscheinend hat man höhere Ziele. Nur welches Ziel kann höher sein, als die Gegenwart von Schutzbefohlenen an der Grenze zur EU zu sichern, und um sie zukünftig nicht mit Bomben und Raketen bewaffnet gen die Union ziehen zu sehen? Und dann noch dies: In türkischen Knästen und/oder Polizeistationen wird wieder, und das nachweislich, gefoltert!!!
Eine scheinbar positive Nachricht gibt es aber dennoch aus der Region zu vermelden, genauer aus Rojava, welches bekanntlich an der türkischen Grenze im Osten Syriens liegt. Noch haben dort Kurden das Sagen. Berichtet wird, dass zum Andenken an eine argentinische und britische „Kämpferin“ die für die Sache der Frauen und der Kurden gefallen sind, sich inzwischen eine Art Labor Rojava formiert haben soll, ein Etwas also, in dem Frauen vordringlich das Sagen haben sollen und neue progressive Formen des Zusammenlebens eingeübt werden – und das wird offenbar vordringlich unter der Führung von Frauen in die Praxis umgesetzt.
Doch: Solange keine Frau als kurdische Führerin verehrt wird – so wie Öcalan in etwa -, so lange mag hier nicht so recht an die (schein-)feministisch orientierte Entwicklung oder Propaganda in Kurdistan geglaubt werden. Wahrscheinlich haben ein Paar Leute in Rojava und andernorts in Kurdistan erkannt, dass die Frauenfrage international Pluspunkte einbringt, das Image bessern kann. Hoffen wir mal, dass eben geäußerte Annahme der Realität nicht entspricht, entsprechen wird.

Diese eine nun folgende Sicht der Dinge soll und darf Ihnen nicht vorenthalten sein: „Hakikat“ (Wahrheiten) titelt es im Beitrag von Soner Yalcın, der in der Sözcü vom 20. April 2018 schreibt. Einleitend dazu kurz dies: Der Autor war unterm Messer im Krankenhaus und wacht gerade aus der Narkose auf.
„War gerade drauf und dran, vom Dusel der Narkose mich zu entfernen, als ich eine mir bekannte Stimme hörte. Öffnete meine Augen. Im TV sprach Präsident Erdoğan. Alle im Raum Anwesenden blickten nicht etwa zu mir, sondern zu ihm. Offensichtlich gab er gerade was Wichtiges von sich. Wie auch immer die Wirkung der Narkose beschaffen sein mag, zwischen meinem Zustand und Erdoğan begann ich nun Parallelen zu ziehen. So dachte ich: Die Last der Politik und der Ökonomie sind zu etwas Unaushaltbarem geworden. Erdoğan möcht sich davon befreien.
Erst daraufhin begann ich, mich von der Wirkung der Narkose zu lösen.
Erdoğan zählte gerade die Gründe auf, an die er selbst nicht glaubt, die dazu bewegten, die Wahlen 1 Jahr und 5 Monate vorzuziehen. Die Personen um mich herum fingen an, das von Erdoğan Gesagte zu interpretieren. Auf einmal: Nicht die Worte Erdoğans, sondern sein Gesicht und die Stimmlage fielen mir auf.
Erdoğan ist ermüdet, fertig, ausgelaugt. An das von ihm noch vor zwei-drei Tagen geäußerte „Hey Leute!“ erinnerte DAS jetzt wirklich zuletzt. Dachte bei mir: Vielleicht ist es ja deine Narkosenachwirkung.
ERDOĞAN MÖCHTE SICH ENDLICH VON DIESER SCHWEREN LAST BEFREIEN!
Er will abtreten. Lasst-mich-endlich-ziehen mäßig war der drauf.
Sie könnten jetzt einwerfen: Um die Wahl zu gewinnen, greift er zur vorgezogenen Wahl [wie einst Özal und andere]. Auf ersten Blick sieht es so aus. Doch ich rate dazu, Erdoğan nicht zuzusehen, sondern ihn anzusehen. Zweifellos. Er selbst würde so etwas nie sagen, ja, das wird er nie zugeben. Aber … . Auch wenn er sich dessen nicht bewusst ist, er schreit uns mit seiner Körpersprache und über den Bildschirm hinaus zu: „Ich bin müde. Kann nicht mehr!“
Mal ehrlich: Zeigt sich Erdoğans Gemütszustand nicht etwa? Andererseits … . Warum sonst sollte er sich jetzt Wahlen antun, die erst im November 2019 anstehen? Vorgezogene Wahlen beseitigen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten nicht – machen sie auch nicht unsichtbar. Das Gegenteil davon nimmt dadurch eher zu. … Erdoğan schreit am Bildschirm: „Nehmt mir die Last ab! Ich pack es nicht mehr, weil das System kriegt ansonsten bleibende Macken ab!“
Was willst du da noch sagen? Das eben Gesagte ist also der wahre Grund, warum die Wahlen 1 Jahr und 5 Monate vorgezogen werden. Der möchte sich jetzt wegretten. Er, der 15 Jahre lang DER Mann in der Wirtschaft war. Dass er es nicht mehr draufhat, wie sonst noch soll er uns das zeigen? Für viele geht ein Traum in Bruch. So viel zur Lage. Das ist alles. Schlussendlich: Mich hat man unterm Messer von meinen Sorgen befreit. Hoffe, dass am 24. Juni 18 auch die Türkei befreit wird, [auch wenn der gerade wieder verlängerte Ausnahmezustand in den Ostprovinzen der Türkei gewiss noch bestehen wird]. Andernfalls … .“
Jedenfalls wurde bereits gleich einige Stunden nach Bekanntgabe des Wahltermins diskutiert, ob womöglich die CHP mit der HDP sowie der IP (IYI) zusammengehen könnten, also einen gemeinsamen Kandidaten für den Präsidentensessel kreieren. Aus hiesiger Sicht wäre es schon recht klug, das zu tun und sich nicht etwa hinter dem ausgedienten und abgenagten Kılıçdaroğlu von der CHP zu vereinen oder hinter jemanden von der HDP, sondern die durchaus streitbare Frau Akşener von der IyI Partei sollte ins Rennen geschickt werden. Sie ist eine Frau, und die Türkei ist erneut reif, einer Frau ihr nicht uneingeschränktes Vertrauen für ein Spitzenamt zu geben – nach 15 Jahren AKP sowieso. Das wäre wirklich fantastisch. Da nutzt auch nicht, dass die Erdoğan treue Medienlandschaft der Türkei den Vorsitzenden der CHP Kılıçdaroğlu bereits anstachelt, nicht genug Mumm in den Knochen zu haben für solch einen Job. Die wissen, dass dieses Argument sehr tiefreichend wirkt. Macho kennt eben die Schwächen eines Machos. Frau Akşener hat am 30ç April in einer Rede in ihrer Heimatstadt am Schwarzen Meer trefflich darauf hingewiesen, dass Bahçeli sich ja auch nicht zum Kandidaten aufstellen ließe. Soll heißen: Hört auf zu stacheln, weil sonst mach ich euch den Bahçeli noch auf eine Kandidatur fürs höchste türkische Amt heiß.
Und man bedenke, mit welcher Machtfülle ausgestattet dann Frau Präsidentin der Türkei – dank der Vorkehrungen, die Erdoğan bereits getroffen hat fürs Amt – ausgestattet wäre. Die Vorstellung lässt Bäume sprießen, womit wir, was Mitteleuropa betrifft, mitten im Frühling wären und dem frühlingshaften Beginn dieses Beitrages. Der Frühling ist hier auf Zypern, zum Ende des Monats April, inzwischen seinem Frühlings-Ende bereitwillig entgegentreten.
Bis zum 24. Juni 2018 kann im Hexenkessel namens Türkei noch viel passieren. Ein Hexenkessel indes soll durchaus auch positive Ergebnisse zeitigen (können) – wenn da nicht der Osten und der Westen, die Araber und die Israelis, die EU und die Chinesen wären!? Die Armenier. Deren Machthaber macht Erdogan nämlich gerade vor, wie man sein Amt missbraucht! Schade, hat Armenien nicht verdient. Welche Folgen dieser Stilbruch noch haben wird für das zuvor gezeichnete Bild Nahost-Türkei-Zypern ist noch gar nicht so recht absehbar. Und in Aserbaidschan haben die Leute auch keine Lust mehr auf die korrupte Herrscherriege, so auch die Georgier in Georgien und die meisten der Bevölkerung Moldawiens.
Es braut sich was zusammen, und keiner da, der von Zusammengebrautem so richtig etwas versteht!? Die italienische Eni-Firma findet, dass sie an die 800.000 € in die Förderung von Gas vor Zypern gesteckt habe und jetzt, nur weil die Türkei es anders sehe, nicht bereit sei, mit ihren Nachforschungen unterm Meeresgrund aufzuhören. Israel, war zu lesen, soll sich inzwischen nicht mehr so ganz im Klaren sein, ob das Gas im zyprischen Feld namens Afrodite, welches zwischen Israel und Zypern liegt, nicht vielleicht doch eher andere Vereinbarungen bräuchte als jene, die irgendwann mal getroffen wurden mit Nikosia etc. etc.

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Der Parlamentarier der türkischen CHP, Herr Aytuğ Atıcı, hat sich was ganz besonders ‚Perfides‘ einfallen lassen. Er hat es offensichtlich geschafft, dass sich ein Teil der Erdoğan-Katze in den eigenen Schwanz beißt: miäauuu!

Bekanntlich hat der turkische Minister für Energie und natürliche Ressourcen so seine ‚eigenen‘ Vorstellungen, und zwar darüber, wie und dass die Türkei ein Atomkraftwerk braucht. Hurra! Schrien da vorrangig die Griechischzyprer laut und vor wachsender Begeisterung gen Brüssel und natürlich New York.

Noch froher, Scherz bei Seite, machte sie, als vor kurzem die Russen aufhörten, an dem Atommonster unweit von Zypern auf türkischem Festland zu bauen.

So ganz nebenbei sei bemerkt, dass der Minister für Energie und natürliche Ressourcen Berat Albayrak heißt. Er hat sich sogar einen Doktortitel erworben davor. Seine Doktorarbeit hatte Atomkraftwerke und das Für und Wider für die Türkei, will ich es mal grob benennen, zum Thema. Herr Albayrak ist ein Teil des Erdoğan-Clans, sollten Sie noch erfahren, denn er ist zufällig der Schwiegersohn von Präsident Erdoğan selbst.

Als der vorherige Ministerpräsident der Türkei Ahmet Davutoğlu von seinem Amt zurücktrat, oder zurückgetreten wurde, waren nicht wenige besorgt, dass Herr Albayrak diesen Posten ausfüllen könnte. Wahrscheinlich war es dem Schwiegervater Herrn Albayraks doch zu heiß, den Schwiegersohn auf so hohen Posten jetzt schon zu setzen. Wer die Doktorarbeit des Letzteren liest, die in Auszügen im Parlament in Ankara verlesen wurde von dem bereits erwähnten CHP-Abgeordneten Atıcı, versteht, dass sich der ‚Junge‘ wohl noch etwas bewähren muss. Er ist noch nicht ganz ‚oben‘ angekommen. Wie sollte er auch, so lange der Alte, also Erdoğan selbst, noch auf dem Thron thront.

Immer langsam!

Dass der jetzige türkische Präsident ein Hang zur Größe und Superlativen zu haben scheint, wird wohl bereits aufgefallen sein. Und da gehört selbstverständlich ein Atomkraftwerk in die Landschaft der Türkei gesetzt, genau so wie in Naturschutzgebiete ein Regierungschloss (Saray) oder in der Provinz Artvin auf Teufel komm raus ins schönste, fruchtbare Grün Goldgräber anscheinend entlassen gehören.

Money, money, PARA!

Gott ja, Ramadan 2016. Kein Hinderungsgrund in Sachen Gelderwerb zwecks eingebildeter oder tatsächlicher Macht. Nur, was in der Doktorarbeit des Herrn Schwiegersohns steht … .

OK, es ist und war eine Jungendsünde?

Der arme Herr Schwiegersohn.

Wie konnte er auch nur solch unpassende Positionen beim Doktorwerden vertreten. In der türkischen Cumhurriyet-Tageszeitung vom 06. Juni 2016 schreibt jemand http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/siyaset/546629/_Damat_in_Meclis_teki_zor_anlari…__Sikintiya_girdi__cevap_veremedi_.html , was der CHP-Abgeornete Atıcı so alles in der Doktorarbeit beispielsweise auf S. 19 zum Thema Atomkraftwerke gefunden hat.

Herr Albayrak ist ja scharf darauf, seinem Auftraggeber, also dem Schwiegervater, es Recht zu tun. Und da steht in seiner Arbeit geschrieben:

„Der wichtigste Nachteil der nuklearen Energie ist, dass die Überreste des Spaltprozess‘ für viele Jahre irgendwo auf sichere Art und Weise eingelagert werden müssen. Was dem Reaktor als Brennmaterial gegeben wird, wird lediglich zu einem Prozent verwertet, der Rest wird zu Asche und in dieser Phase muss sein hoch-radioaktives Überbleibsel auf sichere Art und Weise gelagert werden.“

Albayrak wirft im Parlament zu Ankara daraufhin ein, dass er in seiner Doktorarbeit ja von einem Reaktor ausgegangen sei, der dem Metsamor-Reaktor in Armenien gleicht und der wirklich bedenklich sei. Außerdem habe er doch gar nichts gegen die Verwendung von Nuklearenergie. Man werde aber in Akku (ein Ort unweit Zyperns also) die neueste und beste Technologie in Anwendung bringen anstatt.

Doch Herr Atıcı von der oppositionellen CHP ließ sich offenbar nicht aus der Spur bringen und schlug in der Doktorarbeit einfach die Seite 20 auf und darin steht unter anderem:

„Was an dieser Technologie das Furchterregendste ist, ist, dass im Falle eines Unfalls die Umwelt ziemlich wahrscheinlich keinesfalls mehr gesäubert werden kann. … . Die [türkische] Gesellschaft ist gegen diese Technologie, weil sie zum einen die [landwirtschaftliche] Produktion tangiert und zum anderen wahrscheinlich nicht dazu verwendet werden wird, damit friedlich umzugehen.“

Gong! Knock Out-Analyse!

Jedenfalls hat Herr Schwiegersohn daraufhin nichts mehr einzuwenden gehabt im Parlament. Schwiegerpapa wird begeistert sein von solch heiklen Details und Denke.

Der ist derzeit ja eh damit beschäftigt unter anderem, Ende dieses Monats seine Drohungen wahr zu machen? Wir werden es also schon bald sehen, ob er den Flüchtlingsstrom wieder gen Norden ziehen lässt. Deutsche Politiker und andere signalisierten bereits, dass sie diesmal nicht kleinbeigeben werden.

In gewisser Weise passt zu eben Geschildertem ganz gut das, was Şener Levent am 06.06.2016 in der griechischzyprischen Politis-Tageszeitung schreibt und auch, was hier auf Zypernundmehr-News im Artikel vor diesem geschrieben steht.

Levent beschwert sich seit einigen Tagen in der Politis, dass bitte sehr mit wem in Sachen Wiedervereinigung von Seiten der Griechischzyprer verhandelt wird? Er findet nämlich, die Türkei habe in letzter Zeit alle wichtigen Firmen, Posten etc. besetzen lassen von Festlandtürken ın Nordzypern. Sogar im nationalen Fernsehsender BAYRAK sei nun ein Türke der Chef.

Die kaufen allen Grund und Boden auf, der einigermaßen gut gelegen ist, meint Levent. Könnt ihr denn nicht sehen, dass wir bereits zu einem Teil der Türkei geworden sind? Diese Frage seinerseits ist gewiss etwas überspitzt, doch ganz unangebracht scheint sie denn auch wieder nicht zu sein. Im letzten Jahr hätten sich die Türken auf Zypern breiter gemacht, denn jemals zuvor, findet Levent. Einerseits wird verhandelt und andererseits wird abgeräumt.

Mit wem glaubt ihr eigentlich zu verhandeln, fragt Levent. Alle Hügel mit Aussicht haben sich türkische Hotels gekrallt. In Morfou, also der Stadt Güzelyurt, hat sich eine neue Uni eingerichtet, die aus der Türkei kommt. Jetzt nehmen sie sich den Hafen. 15 Unis gibt’s bereits ım Land. Die schreiben, sagt Levent, wir hätten hier 85.000 Studenten. Doch 55.000 davon sind taktische Studenten, meint Levent. Die anderen, die sich einschreiben, beschäftigen sich mit anderen Dingen. Man produziert eine Art Schwarzmarkt-Dynamik dergestalt, findet Levent und beschwert sich darüber.

„Bei uns herrscht eine türkische Identität und keine zyprische!“

Die Europäer sehen nicht, wie heutzutage die Kurden in der Türkei abgeschlachtet werden. Die gucken anstatt 100 Jahre zurück – zu den Armeniern. Das interessiert. Total blind für das, was gerade abgeht. So ungefähr mag Levent vielleicht ausgedrückt werden – frei übersetzt.

Die Türken werden im Norden nie zu einer Einigung kommen, schreibt er. Die haben sich da eingerichtet. Nichts drin mit Wiedervereinigung. Vergesst es!

Şener Levent scheint sich über Letzteres inzwischen im Klaren zu sein.

Und Präsident Anastasiadis?

Herr Akinci?

Was soll das Spiel, das außerdem genau so seit mehreren Jahrzehnten abgezogen wird. Jedes Jahr und mit jeder Regierungsübernahme werden Wiedervereinigungs-Hoffnungen in die Welt gesetzt, an deren Realisation gar niemand wirklich interessiert ist. Hoffnungen bleiben hier auf Zypern bezüglich Wiedervereinigung Hoffnungen. Vielleicht hat es ja damit zu tun, dass in türkischen Volksliedern wie auch griechischzyprischen sogenannte Vergebliche-Liebe das Thema Nummer 1 ist: „ … ich schließ Dir Deinen Mund mit tausenden Küssen …“, dieser Refrain eines populären Liedes wird auf Griechisch beispielsweise gern und oft gesungen. Ich weiß nicht so recht, ob das auch noch zur Wiedervereinigungsproblematik passt?

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Völkermord

So, so! Da haben sich die Deutschen also „hinter“ den Verbrechen der Türken, genauer, des Osmanischen Reiches, an den Armeniern versteckt. So in etwa klingt der Sprecher des Präsidenten, Herr Ibrahim Kalın, der auch Botschafter zu sein scheint. Soll bedeuten, Herr Kalın findet, dieser Entscheid im Bundestag beruhe unter anderem darauf, dass die Deutschen in der Welt damit klar stellen wollen und wollten, dass sie nicht die einzigen Massenmörder seien, sondern da gäbe es ja auch noch solche Übeltäter wie die Osmanen, sprich: die Türken.

Bei all den Massenmördern, die es inzwischen leider zu verzeichnen gilt global, denke ich persönlich nicht, dass man Herrn Kalın in seiner Art Analyse zustimmen sollte. Immerhin hat er es darin geschafft, zu bemerken, dass „die Deutschen“, Nachfolger des NS-Regimes, es schaffen, die Schuld derer auf sich zu beziehen, die in ziemlich klarer Weise ihre Vorläufer waren. Und auch, dass man am Völkermord an den Armeniern beteiligt war.

Nun, die Türken könnten – obgleich sie offiziell mit ihrer Republik Türkei der Nachfolger des Osmanischen Reiches sind – dennoch daran erinnern, dass beim Morden und Vertreiben der Armenier aus den meisten ihrer ursprünglichen Siedlungsgebiete Kurden und Araber durchaus mitgeholfen haben (Teile derselben alle Male). So auch Perser.

In wie weit kurdische Verbände diese Mitschuld eingestehen, ist hier nicht bekannt. Es wäre also durchaus interessant, Herrn Demirtaş diese Frage mal zu stellen.

Was die Mitschuld der Araber am Völkermord der Armenier in Anatolien angeht, ist es schon schwieriger, hier einen Ansprechpartner wie beispielweise Herrn Demirtaş ausfindig zu machen.

Im Gegenteil zu den Kurden verhalten sich die Arabischsprecher in der Türkei ziemlich ruhig und einigermaßen angepasst. Bekanntlich leben diese an den Grenzen der Türkei zum Iran, dem Irak und natürlich Syriens. Zypern war vielen Armeniern Zufluchtsort. Im griechischen Teil Zyperns leben viele Armenier. Sie scheinen gut integriert zu sein, und sollte es eine Diskriminierung ihnen gegenüber geben, so kann diese wohl eher als sogenannter Einzelfall bezeichnet werden. Die Integration der Maroniten und Armenier in die südzyprische Gesellschaft darf also durchaus als gelungen bezeichnet werden. Die der sogenannten Pontis, den Griechen, die nach dem ersten Weltkrieg aus dem Schwarzmeerraum in Zypern wie auch in Griechenland sich ansiedelten und noch immer untereinander Türkisch wie auch Russisch sprechen, ist vielleicht nicht ganz so gelungen, doch eigentlich schon – irgendwie.

Dumm nur, dass Herr Kalın, und mit ihm auch andere türkische Politiker, im Zusammenhang mit dem Entscheid im Bundestag zu den Armeniern und ihrer Ermordung in Anatolien 1915 offensichtlich nicht davon ablassen können, versteckt zu drohen. „Unser Präsident“, meint Kalın, sei doch in den letzten Jahren auf die Armenier im Lande zugegangen. Das ist „Völkermordspropaganda“.

Schon allein die Ausdrucksweise Herrn Kalıns klingt in unseren deutschsprachigen Ohren merkwürdig: Völkermordpropaganda.

Mit diesem Entscheid, sagt Kalın des Weiteren, wollen sie die Türkei unter Druck setzen. „Doch wird die Türkei gegenüber derartigen Anschuldigungen und Verleumdungen nicht ohne Reaktion verharren. Das kann so nicht gedacht werden. Was dabei herauskommen wird, darüber müssen sich nicht die Türken, sondern jene, die diese unverantwortlichen, unverständlichen und beziehungslosen Dinge auf den Plan bringen einen Kopf machen. Es kann nicht erwartet werden, dass die über 3 Millionen Türken, die in Deutschland leben, gegenüber diesem Entscheid sich passiv verhalten werden. Dieser Entscheid wird die Integration der Türken in die Bundesrepublik, aber auch die Beziehungen der Türkei mit Armenien nicht positiv beeinflussen.“

Der Entscheid im Bundestag war so, wie er gefällt wurde, überfällig! Der Zeitpunkt ist allerdings etwas seltsam gewählt.

Was genau steckt dahinter?

Man darf wohl so weit gehen, zu behaupten, dass sich Präsident Erdogan dieses Ei, also den Entscheid im Bundestag, auch wenn Merkel und andere auf abwesend machten, selbst ins Nest gelegt hat.

Nordeuropäer sind eventuell langsam, ja zuweilen behäbig, und man könnte manches Mal fast glauben, sie sind schwächlich, degeneriert und womöglich nur noch käuflich, doch dann überraschen sie – glücklicherweise noch – zum anscheinend richtigen Moment.

Die Türkei ist es doch eigentlich, und das scheint man unter Staatsobhäuptern mehrheitlich wieder erkannt zu haben, und sich darüber offensichtlich untereinander abgestimmt zu haben, die die EU braucht. Wenn letztere die Tore hochzieht, ist Erdogan nämlich schneller weg vom Fenster wie ihm lieb wäre. Ihm diese ‚lustige‘ Realität mal kurz vor Augen geführt zu haben, war also wichtig. Noch wichtiger wäre indes, dass die Türken sich von diesem Mann verabschiedeten.

Er hat ausgedient!

Es ist Zeit, ihm seine Verfehlungen im Inneren wie auch im Äußeren endlich vor zu halten – vor allem die seiner Familie und engsten Vertrauten. Die Zeit der Abrechnung hat begonnen.

Was Zypern angeht, ist Erdogan auch inzwischen eher ein Störfaktor geworden. Insgeheime Hoffnungen, dass er Nordzypern entlässt, um dafür so etwas wie Regionalmacht spielen zu können, womöglich im Verbund mit Israel, haben sich schon seit Längerem erledigt.

Der ehemalige Ministerpräsident Davutoglu hat diese Erledigung sozusagen mit seinem Abtritt aus dem Amt als Ministerpräsident klar angezeigt.

Ich wünschte mir Herrn Davutoglu auf einem Posten an einer namhaften Universität, zum Beispiel an der Universität von Basel.

Beim Votum im Bundestag zur Armenienfrage musste ich unweigerlich an all die türkischstämmigen Bekannten von einst denken, die ich in Berlin Neukölln, dem Wedding, Charlottenburg und Kreuzberg etc. kenne und kannte. Zu meiner Verwunderung waren eigentlich nahezu alle der Meinung, dass es die Armenier waren, die die Türken angegriffen hätten damals. Und die Türkei habe sich „nur verteidigt“. Und zu Misshandlungen sei es schon mal gar nicht gekommen: „Propaganda“.

Ja, und überhaupt, was ich denn frage. „Glaubst du vielleicht auch an diese Lügen?“ Und ob ich … .

Ja, viele dieser Leute kürzen derartige Diskurse ab, und zwar indem sie sich in Drohgebärden ergingen, in Beschimpfungen etc.

Es ist gut, dass all diese teils gewaltbereiten Leutchen, die glauben, die Osmanen seien Engel gewesen und der Rest Barbaren, nun unverblümt auch von deutscher Seite ins Gesicht gesagt bekommen haben: Armenier sind auch Menschen, denen man nicht einfach mal schnell so das Land unterm Arsch (Verzeihung) wegziehen kann und dann noch nicht mal dazu steht – und wenn dazu gestanden wird, das habe ich in Berlin durchaus auch hin und wieder mit anhören dürfen, war man stolz darauf, meinetwegen in Kahrman Maraş oder andernorts auf armenischem Besitz sich seine WELT erbaut zu haben. Es ist und war zuweilen unerträglich, was ich mir anhören durfte.

All DAS ist jetzt zumindest etwas, wie soll ich sagen, mit einer Art Salbe zur gelindert worden, auf deren Packung steht: „Völkermord!“

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Die Buchbesprechung von Andreas Kourios in der griechischzyprischen Tageszeitung Alitheia haben wir uns heute vorgenommen. Gefunden habe ich seinen Beitrag aber auf der alfanews.com.cy Seite, heute am 03. Mai 2016. Das Buch von Ranias Bouboury mit dem Titel „der verstimmte Zwerg“ ist das Thema heute.

Es ist ein Schelm, der oder die das Folgende als Metapher auf die Insulaner Zyperns versteht:

In der Welt der Sänger leben gigantische Baritone und poltergeistliche Tenöre, hoch tönende Nymphen und weibliche Magiers der modernen Musik. Und alle singen mit Gefallen daran und mit Schmackes. Einer allein, ein verstimmter Zwerg, versucht nicht, den Mund auch nur zu öffnen. Er schämt sich sehr. … .

Stell dir vor, du singst und die anderen, klatschen und jauchzen nicht. Stell dir vor, sie halten sich die Ohren mit Ohrschützern zu, und zwar schon dann, wenn du allein schon den Mund aufmachst.

Du überwindest den Berg oder du überwindest ihn nicht.

Natürlich überwindest du anderes, besser ist es, du beginnst mit den Tälern, wo das Gelände bequemer zu durchgehen ist und dann begibst du dich in eine Einrichtung, wo du erstmals dein Leben begreifst. Von einem Gewächshaus ist hier die Rede. Ein Gewächshaus, welches dich warmherzig aufnimmt, besonders warm, eben auf Grund seiner Beschaffenheit, doch da ist gleichzeitig dieser Widerspruch: verwelkte Tulpen, die Köpfchen hängen, farblos sind sie geworden ohne Esprit.

Du nun, du verstimmter Zwerg, zumal du die gewünschte Zuhörerschaft gefunden hast, nutze die vorteilhaften Bedingungen und fange zu singen an – kannst es eh nicht verhindern, das Lied. Und auch wenn deine Stimme „rauscht wie erster Regen, wie Hagel erschüttert, streichelt wie verrückt und blitzt wie ein Blitz,“ spende Tulpen dennoch Atem und Leben, rufe beim Besitzer des Gewächshauses Verwunderung hervor, der, unter uns gesagt, keinen Cent auf deine Stimmbänder gibt. Es reicht ihm, dass seine Blumen, endlich, mit Leben erfüllt werden, und wer weiß, morgen oder übermorgen schon, werden Choreografen gar beginnen, dem Rhythmus deines Liedes zu folgen. … .

Wenn er in der Badewanne sang, rosteten die Rohre. Sang er im Bus, kreischten die Bremsen auf. Auf der Straße, wenn er sang, drehten sich die bebilderten Flächen um. Und was soll ich dir schon sagen, wie die Leute um ihn herum reagierten. Mancher versiegelte seine Höreingänge mit den Händen und rannte davon. Andere verdrehten die Augen und blieben mit offenem Mund stehen, als hätte sie der Blitz getroffen.

In jener grauen Stadt hat niemand sein Lied gefallen.

Wirklich, so verstimmt kam all jenen das vor?“

Das fragen Sie sich wohl insgeheim. Ja so, und noch ganz anders.

Er sagte nur „na na na“, der Zwerg. Schnell und intensiviert wie ein wilder Hagel, der das Gezappel beendet oder langsam und mit Flackern wie starker Regenfall, der zwischen Erde und Himmel sich auftut, war sein Ton. Ein andermal schnarrend wie angerostete Pfeile und ein weiteres Mal dröhnend wie ein schrecklicher Donner.

Der Zwerg weiß, dass niemand sein seltsames Lied wertschätzt, dass es ihnen Leid tut. Er versucht, sich zusammenzunehmen. Und wenn immer es ihm nach singen war, verschloss er sich den Mund mit der Hand. Doch derart fühlte er sich gar nicht gut. Zumal ihm doch so nach Singen zumute war.

Eines Tages entschloss er, sein Glück auf dem Lande zu probieren. Die graue Stadt ließ er für immer hinter sich. Als er auf grünem, schlangenartig gewundenen Weglein ging, kam ihm das Lied wieder auf die Lippen: „Na na …“ Doch ein drittes „na“ brachte er einfach nicht heraus und verschloss sich daraufhin mit der Hand den Mund.

Stunden vergingen und die Natur welkte um ihn und wegen ihm dahin.

Ohjajöj!

Schweigend ging er auf dem Weg, auf dem er an einem schönen Holzhäuschen vorbeikam. Blieb stehen und betrachtete es verwundert. Weshalb hatte es so große, runde Fenster rundherum? Woraufhin er sich näherte. Und was er sah, verblüffte ihn. Mit Tulpen war das Haus angefüllt: weiße, rote, gelbe rosane, violette … .

Ein Gewächshaus.

Da er niemanden sah, der gefragt hätte werden können, beschloss der Zwerg, einzutreten, um die Tulpen von Nahem zu bestaunen. Weil von allen Blumen auf dieser Welt liebte er die Tulpe am meisten. Ihre biegsamen Stängel, hoch und aufrecht im Stand, wagemutig, als versuchten sie, ihn in der Körpergröße zu übertreffen. Lange Blätter wie kurze Lanzen. Schön schmückten sie den Hof. Ihre Blüten sind kleinen, frischen Pokalen gleich, verleiben der wilden Natur doch Freude ein.

Doch hier die Tulpen, die waren irgendwie anders. Ja, jetzt wo er sie sich näher betrachtete, war sich der Zwerg sicher. Wo war der Stängel, die voll-grünen Blätter, wo die schönen Blüten? Diese Tulpen waren ausdruckslos, farblos und schlichtweg krank.

Der Zwerg lief im Hof zwei Mal auf und ab, doch die Ansicht war stets dieselbe. Irgendwas war hier nicht in Ordnung mit den Tulpen. Sie waren alle krank. Wurde denn ihr Boden je gelockert? Nein, der schien fest und bedeckt mit Dünger. Brauchen sie Wasser? Oh, sie waren gegossen worden.

Und was geschah wohl danach?

Na na na“, begann der Zwerg zu singen, wie er es immer tat, wenn er nachdachte, kniete sich nieder zu einer gelben Tulpe.

Na, na, na“, nahm er eine Hacke in die Hand, um ihr ein bisschen den Boden zu lockern.“

Die Moral von der Geschichte, verehrte Leser, und diese auf Zypern bezogen:

Jammern ist gut, anpacken ist besser, auch besser als vordringlich in Reden, vom Wandel und Handeln zu schwadronieren! Es reicht nicht, dass Anastasiadis immer wieder betont, wie gut sich die Wirtschaft entwickelt, wenn vermehrt Zyprer mit niedrigen Einkommen in Nöte geraten, wenn vermehrt die Jugend im Ausland ihr Glück suchen geht. Wenn der Tourismus retten soll, was mit Zupacken und auf die Leute zugehen, sehr wohl schon längst hätte bewerkstelligt werden können: die Wiedervereinigung im sicheren, warmen Glashaus unweit des kalten, groben und todbringenden Krieges im Nahen Osten und darüber hinaus. Auch an zyprischen Küsten soll der eine oder andere Flüchtling mit dem Überleben ringen.

Griechischzyprer brauchen neuerdings keine Visa mehr, um in die Türkei zu fliegen oder zu fahren. Das wurde gestern in Brüssel beschlossen. Aber zuerst müssen noch die Visaerleichterungen für die türkischen Staatsbürger in die EU durchgewunken werden, wie verabredet im Sommer 2016. Und das scheint wohl demnächst wirklich der Fall zu sein.

Das alles bedeute aber nicht die Anerkennung der Republik Zypern als ein Staat, sagte der zuständige türkische Minister.

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Kobane II

Die schweizerische bz-basel-Tageszeitung schreibt zum Thema am 21. Oktober 2014: „Noch kurz vor der US-Waffenlieferung in Kobane hatte Erdogan eine solche Unterstützung für die Kurden durch den Nato-Partner ausdrücklich als ’sehr, sehr falsch‘ bezeichnet. Aber die USA sind offenbar nicht mehr bereit, auf die Türkei Rücksicht zu nehmen. US- Außenminister John Kerry sagte, es wäre verantwortungslos und ‚moralisch schwierig‘, den Kurden in Kobane amerikanische Hilfe zu verweigern. Präsident Barack Obama rief Erdogan an, um ihn darüber zu informieren, dass sich die USA mit dem Abwurf der Waffen über die türkischen Bedenken hinwegsetzen würden.
Das Ziel Washingtons sei die Vernichtung des IS, kommentierte die Kolumnistin Amberin Zaman auf Twitter. Dieses Ziel bestehe unabhängig davon ‚ob die Türkei nun mitmacht oder Zuschauerin bleibt‘.

Angesichts dieser Haltung der USA entschloss sich die türkische Führung offenbar zu einer abermaligen Kursänderung und machte den Weg für die ‚Korridorlösung‘ frei. Der regierungskritische Journalist Oguz Karamük schrieb, Erdogan sei bei Obamas Telefonat eingeknickt und tue jetzt das genaue Gegenteil von dem, was er bis zum Wochenende vertreten habe.
Die Türkei hatte sich bisher aus der aktiven Bekämpfung des IS herausgehalten. Als Gegenleistung für eine aktive Teilnahme fordert Erdogan, dass die Alliierten auch gegen die Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vorgehen müsse. Das lehnen die USA aber ab (Th. Seibert).”

Kommentar dazu auf gleicher Seite, ebenfalls von Thomas Seibert:

„…Erdogan hat sich nicht durchsetzen können, dafür das Kunststück fertiggebracht, in kurzer Zeit wichtige Akteure im In- und Ausland zu vergrätzen. Mit seinem Stillhalten an der Grenze hat er Verbündete und die Kurden im eigen Land gegen sich aufgebracht. Die türkische Position ist unhaltbar geworden. Und Erdogan hat seine aussenpolitischen Ambitionen schwer beschädigt.

Deshalb ändert er jetzt erneut schlagartig seinen Kurs und erlaubt den Kurden aus Nordirak, über türkisches Territorium Waffen und Soldaten nach Kobane zu schicken. Das hätte die Türkei auch schon vor Woche tun und damit den Kampf gegen den IS unterstützen und so den Westen und die eigenen Kurden beruhigen können. Erdogan hat es zugelassen, dass die Verlässlichkeit der Türkei als Partner der USA und des Westens in Zweifel steht. In Kobane liegen nicht nur etliche Gebäude in Trümmern, sondern auch die unrealistischen Machtansprüche Ankaras [und viele Tote und Verletzte].”

In der NZZ vom 21.Oktober 2014 steht von Jürg Bischoff, Beirut, verfasst: „… Dass die Amerikaner ihre Unterstützung für Kobane nochmals verstärkten, liegt aber auch daran, dass die PYD dem Wunsch Washingtons nach einer Einheitsfront gegen den IS entgegengekommen ist. Einerseits veröffentlichte sie eine Erklärung, in der sie sich zur Zusammenarbeit mit den Rebellengruppen der Freien Syrischen Armee bekennt, welche die Amerikaner gegen den IS einsetzen wollen. Andererseits beteiligte sie sich an Versöhnungsgesprächen mit syrisch-kurdischen Rivalen, die letzte Woche in Dohuk im Nordirak stattfanden. Daran nahmen der PYD-Chef Saleh Muslim und der irakische Kurdenführer Masud Barzani teil. Ein Grund für die plötzliche Bereitschaft der Türkei, Peschmerga aus dem Nordirak nach Kobane reisen zu lassen, dürfte darin liegen, dass Barzani mit den ihm ergebenen Kämpfern die Macht der PYD in Nordsyrien einzugrenzen verspricht.”

Ein weiterer Grund der Reaktion Ankaras, also der Richtungswechsel in der Politik gegenüber den Kurden, könnte durchaus auch etwas mit der folgenden dpa-Meldung in der NZZ vom 21. Oktober 14 zusammenhängen:

“Die Präsenz eines türkischen Forschungsschiffes südlich von Zypern führt zu Spannungen zwischen der Republik Zypern und der Türkei (in den zyprischen Medien wird auch von einem Kriegsschiff gesprochen, welches die türkische Explorationsmission begleiten soll). Die Bewegungen des Schiffes untergrüben die Stabilität in der Region und seien eine Verletzung des internationalen Seerechts, erklärte der zypriotische Verteidigungsminister Christoforos Fokaides am Montag. Am Montagmorgen hatte das türkische Schiff die Region südwestlich der Insel Zypern erreicht und auf der Suche nach Öl und Gas seismische Forschungen des Meeresbodens innerhalb der von Zypern beanspruchten sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone gestartet, hiess es aus Kreisen der Regierung in Nikosia. In der Region war im Auftrag Nikosias bereits ein italienisch-koreanisches Konsortium aktiv gewesen (gleichzeitig führt Russland zusammen mit Syrien gerade Manöver in der Region durch).”

Ja, und wenn wir schon dabei sind, dann noch das, was die Basler Zeitung vom 21. (Jan Keetman, Istanbul) vermeldet: „… Doch während es in den letzten Wochen so aussah, als stehe der Fall der Stadt [Kobane] unmittelbar bevor, sprechen nun alle Anzeichen für eine Niederlage des IS. Grund sind die verstärkten Luftangriffe der USA, und dass diese Luftangriffe nun [endlich] mit kurdischen Beobachtern am Boden koordiniert werden, was die Treffpunktquote erheblich gesteigert hat. Die abgeworfenen Waffen stammen indessen nicht aus US-Beständen, sondern wurden von den nordirakischen Kurden bereitgestellt [die wiederum vorher an sie von den USA oder anderen gegeben wurden]. Gegen direkte Waffenlieferungen der USA an die kurdische Miliz YPG [die hier zuvor PYD genannt wurde], die Kobane verteidigt, sperrt sich offensichtlich die Türkei. … Der stellvertretende [türkische] Ministerpräsident Yalcin Akdogan hat es auf den Punkt gebracht: ‚In Kobane kämpfen doch nur Terroristen gegen Terroristen‘.“

In diesem Zusammenhang fährt der Autor fort und Folgendes spiegelt die herrschende Geisteshaltung der Führung in Ankara einigermaßen anschaulich wider.

„Anfang Oktober ermächtigte … das türkische Parlament die Regierung zu einem Eingreifen im Irak und Syrien. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte beruhigend, dass die Regierung alles, was sie könnte, tun werde, damit Kobane nicht fällt. Darauf fuhr man in die Ferien zum islamischen Opferfest. Wahrscheinlich nahm man in Ankara an, das Problem werde sich in den nächsten Tagen von selbst lösen. Erdogan meinte, Kobane sei ohnehin ’so gut wie gefallen‘. Anscheinend meinte auch der IS, er könne das Opferfest mit der Einnahme der Stadt und schaurigen menschlichen Opfern feiern. … Für die türkische Regierung bedeutet der Umstand, dass Kobane wohl nicht fallen wird, sowohl eine Erleichterung als auch eine Hypothek. Ein weiterer Kurdenaufstand im Osten nach dem Fall von Kobane findet nicht statt, der Friedensprozess kann weitergehen. Andererseits wird es immer schwieriger, der Welt zu vermitteln wie dieser Friedensprozess abläuft.
Und das geht so: Seit zwei Jahren führt der [türkische] Geheimdienst Gespräche mit dem gefangenen PKK-Chef Abdullah Öcalan, aber keine offiziellen Verhandlungen. Dabei herausgekommen sind mittlerwele ein einseitiger Waffenstillstand und Rückzug der PKK auf der einen Seite und die in diesen Tagen erneuerte Aussicht auf Hafterleichterungen für Öcalan. Zuätzlich zu seiner Zelle soll Öcalan nun auch ein kleines Büro und einen kleinen Garten auf der Gefängnis-Insel Imrali erhalten [siehe weiter unten]. Auf der anderen Seite darf die [türkische] Armee die PKK weiter angreifen; das gilt auch für den syrischen Arm der PKK, inklusive der YPG-Miliz, die ‚als Terroristen‘ Kobane verteidigt. Kurdische Parteien in der Türkei werden von Mitgliedern der Regierung und regierungstreuen Medien aufs Schärfste augegriffen.
Dieser Spagat zwischen dem Garten für Öcalan und Bomben auf dessen Leute ist in der Tat immer schwerer zu vermitteln. Seitdem die US-Luftwaffe die Waffentransporte für die ‚Terroristen‘ erledigt, ist es noch ein Stück schwieriger geworden. Es wäre an der Zeit, in Ankara umzudenken, so wie man sich auch mit der Autonomie der irakischen Kurden einmal abgefunden hat. Doch das war leichter, weil die Türkei nicht direkt betroffen war.”

Nun etwas detaillierter zu den Vorgängen innerhalb einiger kurdischen Gruppen oder Organisationen:

„In der türkischsprachigen Cumhuriyet vom 22. Oktober 2014 steht auf Seite 5 unter „Tirmik“ von Aydin Engin zu lesen im Bezug auf die Aussicht auf einen entstehenden kurdischen Staat: …

Jedoch hat sich in der Balistik Kobanes einiges geändert:

1) Die USA verkündeten, Militärhilfe nach Kobane zu leisten und danach droppten sie 24 Tonnen Waffen und Munition als Hilfe für Kobane [und wie wir inzwischen wissen, auch scheinbar unfreiwilig für die IS]
2) Die USA verkündeten offiziell, dass sie die in Rojawa herrschende Kraft, die [kurdische] PYD, nicht als terrotistische Organisation ansieht
3) die Führung im irakischen Teil von Kurdistan verlegt ihre Peschmerga-Einheiten nach Kobane zu der die Kobane verteidigenden PYD
4) Im Bezug auf die Hilfe für Kobane hat sich der Streit der beiden [kurdischen] Kräfte in Irakisch Kurdistan gelegt. Talabani meint, dass die 24 Tonnen Waffen und Munition, die verschickt wurden auf das Konto seiner Kurdistan Heimatliebenden (KYB) gehe; Barzani sagte umgehend, dass diese Hilfe eine Hilfe des kurdischen Volkes des Iraks für Kobane ist
5) Mesud Barzani und seine IKBY, die dazu aufriefen, die Probleme der Kurden untereinander zu lösen und daher einen Gipfel in Dohuk einberiefen, haben mit der PYD im Syrisch-Kurdischen National-Kongress (ENKS) bislang noch keine Vereinbarung erreicht seit einer Woche. Im Zentrum der Unvereinbarkeiten steht das Kantonssystem in Rojawa. Barzani und seine Leute bestehen darauf, dass auf dieses System zukünftig verzichtet wird. Die Fraktion aus Rojawa selbst indes sagt, dass das Kantonssystem das Herzstück der „Realität Rojawas“ ist. Doch zu einer Zusammenlegung des Militärs erklärt man sich bereit. Die Peschmerga sind eine Hilfe für Kobane
6) In der Türkei hat der „Lösungsprozess“ [zwischen Kurden und Türken] plötzlich an Fahrt gewonnen. Einerseits setzten sich die Thinktanks [beider Seiten] wieder zusammen. Mit dem Ministerpräsident [Davutoglu] hat man sich 6 Stunden lang getroffen. Danach hat der Ministerpräsident seine „Roadmap“ eröffnet, die von Öcalan wie auch von Kandil [Name der Berge, in denen sich der kurdische Widerstand vor allem formiert] angenommen wurde, was offiziell verkündet wurde. Ebenfalls wurde verkündet, dass Öcalan in Imrali [das ist der Knast, in dem er sitzt] ein Sekretariat eröffnet werde…. .

Verstanden werden muss also, dass die USA und mit ihr Deutschland, England, Frankreich und all die Vorreiter in der EU, die unter der Regie Washingtons operieren, übereingekommen sind, dass im Nahen Osten eine neue [geopolitische] Karte entworfen wird – die Grenzen neu gezogen gehören. Das bedeutet für die Kurden, die über 4 Länder verstreut leben (Iran,Irak, Syrien und die Türkei), dass was Neues, was ganz Neues im Entstehen ist. Der [Verhandlungs-]Prozess, der in der Türkei läuft, geht jedoch in seine Endphase. Wer letztendlich glücklich daraus hervorgeht, wer Widerstand leisten wird? All das kann heute noch nicht gesagt werden, wäre nicht ok, das zu tun. Das ist eine Frage, welche [lediglich] die kurdische politische Bewegung beantworten und beurteilen kann.
Und das, was wir [gerade] als kurdische Bewegung bezeichneten, ist das Dreieick aus Kandil, Imrali und der HDP, die zum Thema kurdischer Nationalstaat jeweils an ihren sie bindenden Prinzipien hängen. Kurz: Die auf 4 Länder verstreuten Kurden, und ihr Ziel, sich unter ein Dach zu bringen, wird als ein Schritt angesehen, der im Jahrhundert ausgeblieben ist [also schon längst fällig wäre], und daher müssen die 4 Grenzen, in denen gelebt wird, aufgehoben werden, doch muss das in einer Art und Weise getan werden, die den ökonomischen, politischen etc. Austausch dieser Länder nicht behindert, wird vorgeschlagen. Dies [also] verbirgt sich hinter dem Terminus „Demokratische Konföderation“. Doch Ihnen [verehrte Leser] ist wohl auch nicht entgangen, dass Barzani sich eine Lösung [der Kurdenfrage] nicht so wie die PKK-PYD vorstellt, sondern eher gegenteilig. Und das ist gewiss kein Widerspruch, der leicht zu überwinden sein wird. …. Ich wollte heute lediglich die Frage und das Thema beleuchten, nämlich ob der USA-Imperialismus einen Kurdenstaat errichten wird, dafür von Syrien, dem Irak und der Türkei teile her- oder wegnehmen wird und an diesen neu zu errichtenden Staat weitergibt. Das sollte in einer blitzblanken Analyse der Gegebenheiten betrachtet werden, eine komplizierte und undurchsichtige Aufgabe.“

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Verehrte Leser!

‚Leider‘ kann nicht ausbleiben, dass Sie hin und wieder mit Info konfrontiert werden, die den Verhandlungsprozess der Nord- und Südzyprer betrifft (in Sachen Wiedervereinnigungsabsicht). Dieser Prozess wurde hier bereits wiederholt als für vorläufig überflüssig angesehen, und zwar solange sich gewisse Einstellungen in den Köpfen nicht ändern.

Das folgende Factsheet, welches von der Press and Information Cyprus zugestellt wurde netterweise, verschafft Ihnen einen Einblick in die sozusagen andere Sichtweise – nämlich die der Anastasiadis-Regierung. Wie zuvor bereits angedeutet wurde, wird die Politik der Republik Zypern in dieser Frage eher kritisch beobachtet und als unzureichend eingestuft. Doch man kann sich ja täuschen, und daher sollte denjenigen, denen man Dies und Das abspricht unbedingt auch mal – wieder – Platz zur Rede zugestanden werden. Erlauben Sie also, dass das nun in englischer Sprache geschieht. Der Bericht im Factsheet stammt vom 18. Oktober 2014.

„The National Council, the top advisory body to the President on the Cyprus issue, adopted a number of m easures in response to Turkey’s provocative m ove to enter Cyprus’ Exclusive Economic Zone following the maritime order (NAVTEX) illegall y issued by the Turkish government reserving areas south of Cyprus for seismic surveys from October 20 to Decem ber 30. It should be noted that block 2, 3 and 9 have been assigned by the government of Cyprus to the Eni and Kogas companies, which are currently conducting expl orations for possible hydrocarbon reserves in Block 9 of Cyprus’ EEZ.
Immediately after the meeting a package of 8 measures with immediate effec t was announced by the Government Spokesman, Mr Nicos Christodoulides:

The National Council convened at the Presidential Palace on 20-21 October 201 4.

1. Denunciation of Turkey by the President of the Republic at the European Council, which convenes on October 23 and 24, for the purpos e of the condemnation of Turkey’s illegal activities and the violation of the sovereign rights of the
Republic of Cyprus in its Exclusive Economic Zone.

2. The Repu blic of Cyprus will make use, in various international fora, of its s tatus as a member state of the European Union, through the adoption of measures, which will bring about a cos t to Turkey for its illegal activities.

3. The Repu blic of Cyprus will not consent to the opening of an y new chapter in Turkey’s accession process.

4. Study of the possibility of recourse to the Security Council of the United Nations.

5. Study by the Attorney General an d International Firms, for the adoption of specific legal measures against all those who are involved in any way in the Turkish illegal activities.

6. Continuation of diplomatic demarches and best use of rel ations with specific states.

7. Denunciation of Turkey, for its illegal activities, to the Division for Ocean Affairs and the Law of the S ea of the United Nations.

8. Denunciation of Turkey, for its illegal reserve of and illegal surveys within the Exclusive Economic Zone of the Republic of Cyprus, to the International Maritime Organization.

According to the Government Spokesman the Republic of Cyprus will make use of the comparative advantages it has over Turkey, s o that it will cause a political and diplomatic cost to Ankara. These specific actions will not be announced. At the same time the National Council has before it a s eries of other measures which will be adopted depending on devel opments.
In further statements to the press the Government Spokesman stressed that Cyprus is not in a weakened position against Turkey and that,under the current circumstances, Cyprus cannot agree to the opening of any new chapters in Turkey’s negotiations for full EU membership.

In the meantime the President of the Republic suspended his participation in the UN backed negotiations to reunify the island and sent a letter dated 6 October 2014 to UN Secretary-General, Mr Ban Ki-moon, regarding the Turkish provocations in the Republic of Cyprus’ Exclusive Economic Zone (EEZ) and their repercussions on the intercommunal talks for a solution to the Cyprus problem.
In his letter to the UN Secretary General, the President s tresses that these developments in Cyprus’ EEZ have the potential to destroy the efforts of creating a good and positive environment and to actuall y derail the whole negotiating process. “It is regrettable that these developments come at a time when your new Special Adviser on Cyprus is trying to set the necessary conditions and framework for the resumption of the talks and for substantial negotiations,” he s tates.
The President refers to the Turkish Government’s illegal interference in the exclusive economic zone of the Republic of Cyprus, and specifically to the fact that the Turkish scientific ship Barbaros Hayreddin Pasa, accom panied by two other support vessels, will carry out a seismic survey from 20 October to 30.December 2014 in the s outhern sea of Cyprus and more specifically in blocks 1, 2, 3, 8 and 9
of the exclusive economic zone of the Republic of Cyprus. H e expl ains that Blocks 2, 3 and 9 have been assigned by the Government of the Republic of Cyprus to the Eni and Kogas companies for ex ploration and expl oitation of possible hydrocarbon reserves in the s eabed subsoil and that Eni an d Kogas have al ready commenced a drilling operation in Block 9, in accordance with an agreement they signed with
the Government of the Republic of Cyprus.
“This is the culmination of a continued provocative policy of disputing and interfering with the sovereign rights of the Republic of Cyprus in its exclusive economic zone through the expl oration and exploitation of this zone’s
natural resources in accordance with international law, including the United Nations Convention on the Law of the Sea,” the President adds.
The President recalls that this provoc ative policy included, apart from continued verbalthreats and rhetoric, the harassment of vessels performing lawful activities authorized by the Government of the Republic of Cyprus, by Turkish warships and military aircraft, and unlawful seismic surveys within the western exclusive economic zone of Cyprus by Turkish vessels.
Expressing grave concern over Turkey’s aggressive actions in areas in the eastern Mediterranean under the jurisdiction of the Republic of Cyprus, President Anastasiades notes that their timing, in the midst of a process aiming to
reunify the island, serves only to undermine the process and to raise more doubts as to Turkey’s commitment to it and contributes towards the increase of the overall tension in the eastern Mediterranean and the Middle East.”

The President further states that he has provided the Secretary General so far with ample proof of his goodwill and good faith in pursuing the negotiations for the settlement of the Cyprus problem and the efforts for a negotiated solution, as soon as possible.
But, in order to be successful in that endeavour, all sides should be able to show the same kind of com mitment and determination.
“Unfortunately, this does not seem to be the case with the Turkish side, as proven by the above-mentioned latest decisions and intended actions,” he adds. Moreover, he says that negotiating under constant threat and blackmail that undermine all
efforts to create the good environment necessary for a successful outcome of the negotiations for the settlement of the Cyprus probl em is not just counterproductive.
It also has a negative effect on public opinion, which should be able to support our effort for a settlement and needs to be convinced that confidence and trust between the sides could and should be restored.
“Given the Turkish threats and blackmail, I am obliged to suspend my participation in the meetings with Mr Eroglu, under the aegis of Espen Eide, on 9 and 10 October, to allow time for you and other Governments, friends of your good offices mission, to convince Turkey to reconsider,” he points out.
Finally, President Anastasiades calls upon the Secretary General to intervene in an effort to convince the Turkish Government not to go ahead with the realization of the intended seismic survey or any other interference and violation of the sovereign rights of Cyprus in its EEZ, as such a realization would strike a heavy
blow against the negotiations for the settlement of the Cyprus problem. “Moreover, your success in convincing Turkey to refrain from carrying out its intentions will be a great contribution towards decreasing tension and creating conditions of stability in the already volatile region of the eastern Mediterranean and
the Middle East”, he concludes.
President Anastasiades’ letter was circulated on 20 October as a document of the UN General Assem bly, under agenda item 74, and of the Security Council.“
[Die Frage ist, wer hat den Brief dort letztendlich gelesen?]

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Kobane

Inzwischen ist der 13. Oktober. Einige deutsche Journalisten sollen in Diyarbakir/Türkei in Haft geraten sein. Die Sabah von heute schreibt, die Journalisten hätten Jugendliche und Kinder dazu angestiftet, Autoreifen zu verbrennen. Wenn das stimmt, darf man sich denken: Wahrscheinlich der ’schönen‘ Bilder wegen, die dann geschossen werden können – und dann geschieht es ihnen schon fast recht im Knast etwas zu schmoren. Dass die deutsche Presse alles andere als frei ist, stand heute auch noch in der Sabah. Ein Journalist, Udo Ulfkotte, der bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung jahrelang in der Auslandsredaktion arbeitete, hat dazu offensichtlich ein Buch herausgebracht, “Gekaufte Journalisten”. Selbstzensur und von den Geheimdiensten vorgefertigte Artikel seien nicht ungewöhnlich in der Branche. Noch ist Kobane nicht gefallen.

2014-10-11 15.10.56

Am 11.10. 2014 hat eine Demonstration in Basel stattgefunden. Kurdische Organisationen, unter anderen, hatten dazu aufgerufen, gegen den sogenannten Terror der IS zu protestieren. In Basel ist es nicht zu Krawallen wie in einigen Städten Deutschlands gekommen. Am vorigen Freitag wurde bereits in Weil am Rhein demonstriert von Kurden und ihren Sympathisanten. Der Alevitische Kulturverein in Weil hatte dazu eingeladen, sich an der Demonstration zu beteiligen.

Auch am 11. 10. 2014 war unklar, ob die umkämpfte Stadt Kobane im Norden Syriens an der türkischen Grenze von den kurdischen Verbänden gehalten wird – zur Hälfte war sie da schon eingenommen. Seltsam ist an dieser Auseinandersetzung, wenn man es sich genauer durchdenkt, dass diese Stadt für die IS wichtig sein soll, weil diese Organisation dann ihren Verkauf von Rohöl etc. besser betreiben kann – bzw. weiterhin ungestörter betreiben wird, und zwar in die Türkei. Letzteres ist insofern widersprüchlich, da die Türkei ja neuerdings sagt, wir sind gegen den sogenannten Terror der IS und werden dagegen vorgehen. Das heißt, sie müsste dann auch den Handel mit Rohöl über die Grenze strikt unterbinden. Offensichtlich wird aber von beiden Seiten (der Türkei und der IS) stillschweigend davon ausgegangen, dass das keinesfalls der Fall sein wird, nachdem Kobane gefallen wäre.
Das heißt, die Kurden, die in der Region leben auf der türkischen Seite, tragen also eine gewisse Mitschuld, denn viele ihrer Bewohner bereichern sich ganz selbstverständlich an dem Rohstoff ‚geschmuggelt‘ aus Syrien, der sozusagen um die Ecke gelegen von ihnen Familien, Landschaften und eventuell ferne Verwandte im syrischen Teil von ‚Kurdistan‘ killt. Und von einem geeinten und unabhängigen Kurdistan träumen gewiss einige von ihnen seit Jahren – einem Staat Kurdistan.

Klar, ein Hauptschuldiger ist natürlich auch Ankara, da es schon seit Jahrzehnten versäumt, im Süden und Osten der mehrheitlich von Kurden bevölkerten Provinzen der Türkei Industrie, eine Infrastruktur nach Maßgabe dessen, was man zum Beispiel im Westen des Landes in den Großstädten für geboten hält, den Großstädten in besagter Region ebenfalls angedeihen zu lassen. Und so sind diese Menschen durchaus irgendwie dazu gezwungen, sich an diesem (in vielerlei Hinsicht) grenzüberschreitenden Handel zu beteiligen – der sich letztendlich in den Daten zum sogenannten Wirtschaftsaufschwung des Landes positiv verbuchen lässt. Die Politiker der Türkei bringt längst nicht genug Kraft und Willen auf, den angeblich herrschenden ökonomischen Erfolg ohne solche versteckte Helfer zu bewerkstelligen.

Ja, die Türkei, wird geschrieben, betreibe derzeit eine Politik, die undurchsichtig sei. Nun, welches Land tut das denn bitte sehr nicht? Außerdem hat sich die Türkei bereits klar positioniert, als sie ihre frischen, freundschaftlichen Banden mit dem Assad-Regime abbrach. Nicht dass hier jemand daran gelegen wäre, Positionen Herrn Erdogans, dem neugewählten Präsidenten der Republik Türkei, zu vertreten, doch sich besonnen gebend (stand in der türkischen Sabah (10.10.14) mehr oder minder aus seinem Munde), dass er das türkische Volk wissen lässt, nicht gewillt zu sein, in die nächste, ihm gestellte Falle zu tappen. Denn diejenigen, die schreien: Warum macht die Türkei denn nichts gegen diesen Terror der IS? Genau die sind es dann nämlich, die im Handumdrehen, wenn was getan wurde, jene werden, die von Großmacht-Allüren Ankaras reden und von türkischem Militarismus und Imperialismus. Engin Ardic schrieb in der Sabah (10.10) bezüglich der Demonstrationen, deretwegen einige Menschen starben in der Türkei und viel Sachschaden entstand: “Ziel ist, Erdogan zu stürzen. Doch wie soll das gehen, den Präsidenten der Republik, der durch Volkes Stimme gewählt wurde, nach bereits 2 Monaten stürzen zu wollen. Geht das überhaupt? Wenn er auch bockbeinig ist, er ist der Träger gewisser Hoffnungen… . Das Militär wird kommen, die Türkei wird in den Stand der 80er und 90er Jahre zurückversetzt, bewaffnete Auseinandersetzungen werden zunehmen, und in diesem Gemenge von Ideen wird in der beschriebenen Notlage eine kurdische Unabhängigkeit entstehen… SO GEHTS NICHT WEITER, ist der Spruch, der diesen Wunsch [nach Unabhängikeit] stets begleitet…. . Wie die HDP, [eine kurdisch-stämmige Partei in der Türkei, die im Parlament ein Paar Sitzchen hat], die wie in einem fiktiven Manga bereit ist, mit dem Feuer zu spielen… . Die hat die Regierung zum einen beschuldigt, Kobane nicht zu retten, und zum anderen, dass so eine Aktion auf keiner juristisch fundierten Grundlage basiert und stimmte daher im Parlament mit NEIN [zum Einmarsch der türkischen Truppen]. Was ist denn das für ein widersprüchliches Verhalten?“, fragt Ardic zurecht.

In einem Interview mit dem Generalsekretär der Hüda-Par, Herrn Zekeriya Yapicioglu, sagt dieser, dass die HDP, wie auch die BDP, beides Parteien, die ihre Legitimation aus der Verteidigung der Rechte insbesondere der Kurden in der Türkei beziehen und daher von diesem Bevölkerungsteil der Türkei hauptsächlich gewählt werden, findet, dass diese beiden Parteien schon längst nicht mehr die kurdischen Interessen im Parlament von Ankara vertreten würden. Seine Partei spielte da zunehmend eine Rolle. Dass die Hüda-Par die Nachfolgepartei der türkischen Spielart der Hizbullah ist, ist vielleicht noch nicht jedermann klar, von daher sei es kurz erwähnt. Ebenso soll noch daran erinnert werden, dass die Hizbullah der Türkei seinerzeit (80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts) zusammen mit dem türkischen Militär, als dessen ‚Frontschweine‘ sozusagen, Kurden abmetzeln ging, und das als eine Organisation – inzwischen Partei – , die hauptsächlich Kurden in ihren Reihen hat. Zekeriya Yapicioglu gibt sich im Interview zahm wie ein Lamm. Nein, nein, was die ISIS tut, sei gar nicht gut und werde überhaupt nicht gutgeheißen. Und die PKK, die sind “vom Teufel” getrieben. Dass der smarte kurdische Politiker Selahettin Demirtas (HDP) vor kurzem verlautbarte vor laufenden Kameras: “Wenn Kobane fällt, ist überall Kobane”, wird den Guten wahrscheinlich demnächst noch hinter Schwedische Gardinen bringen. Das wird gewiss als Volksverhetzung demnächst geahndet, wenn das Anstiften zum Verbrennen von Autoreifen schon als Akt von Spionage und womöglich demnächst noch als Bildung einer terroristischen Einheit eingestuft wird. Wir werden sehen. Jedenfalls findet Yapicioglu in diesem Moment des Interviews sogleich Gelegenheit, in das Feuer noch etwas Brandbeschleuniger reinzuwerfen, indem er bezüglich der Aussage von Demirtas zurückfragt, die er gefragt war zu kommentieren: “Ist das nicht ein Aufruf zur Gewalt?”

Die Kurdenfrage sei jedenfalls nicht alleine eine Angelegenheit der PKK, wie es von den Medien andauernd transportiert werde, meint Yapicioglu. Es gebe einfach zu viele Akteure, versteht sich, seine Partei inbegriffen, die allerdings meistens in diesem Zusammenhang kaum erwähnt wird, weil sie sich bislang noch nicht mit Aktionen wie einst als Hizbullah hervortat. Doch am Schluss des Interviews muss es einfach raus aus ihm: “Wir haben noch niemanden angegriffen, aber von nun an werden wir es niemand mehr erlauben, uns wie Opferschafe am Hals aufzuschlitzen!” (Sabah, 13 Oktober 14)

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