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Posts Tagged ‘Reisebericht’

Wäre diese Reise nach Griechenland nicht dazwischengekommen, würden Sie nun voraussichtlich Weiteres zum Südwesten Deutschlands hier zum Lesen vorfinden – genauer: zum Dreiländereck. Doch es kam anders.
Und Sie sollen das nun ausbaden?
Hiermit bittet es Sie um Nachsicht! Unerwartetes muss ja nicht immer vom Schlimmsten sein!?
Diesmal in Griechenland unterwegs sollte es der Peleponnes sein, der besucht wird, und, von dem aus Ihnen berichtet wird. Ein Reisebericht wird folgen, der mit seiner ganz spezifischen Sicht der Dinge nicht außenvorhält. Es geschieht eigentlich alles so, wie Sie es hier auf Zypern- und Kandernundmehr gewohnt sind: Frisch von der Leber! Letzteres soll allerdings nicht darauf verweisen, dass dem Alkohol zu viel gefrönt wird unter Griechen oder, dass solch Konsum beim Essen überhandnähme … – aber geschieht halt schon öfters als sonst.
Retsina-Wein ist nun einfach immer mal wieder etwas, was beste, gute und alte Erinnerungen an das Griechenland Anfang der 1980er Jahre wiederbelebt und gut-eigenartig, eben typisch schmeckt. Ich trinke diesen Wein komischerweise nirgendwo anders als in Hellas.
Kurz am Rande: Griechen sind echte TYPEN, wie man sagt.

***

In der Voliere im Hof piepst und singt es unentwegt. Überhaupt, Vögel in kleinsten Käfigen zu halten, scheint offenbar noch immer ein Muss für viele Griechen zu sein, trotz steigendem Umweltbewusstsein und dergleichen – zumindest in dem griechischen Dorf namens “Archaia Korinthos”. Ohne Piepser nahezu überall, und diese gefangen in wenig aufwendig eingerichteten Käfigen – die Vögel sollen ja auch piepsen und nicht schlafen oder zufrieden vor sich hinstarren – geht offenbar gar nichts. Ob uns diese Vogel-Realität bereits tief in die des Landes oder lediglich des Peloponnes blicken lassen soll als Tourist unterwegs?

Nein, nein! Fernseher schalte ich hier keine ein. Auch keine Radios, und wenn, dann bitte sehr Musikprogramme. Bin politikmüde; genauer: die zyprische Politik lässt mich laut und ausgiebig gähnen. Viele, wenig geliebten Dinge bin ich bereit zu tun, anstatt den Zyprern beim Politiktreiben zuzusehen und zuzuhören derzeit – zum Beispiel französisch Vokabeln pauken.

Hier wird in die Rolle eines Touristen geschlüpft für Sie, der erstmals in Griechenland ist und auf die Schnelle gebucht hat; der sich übers Land etwas angelesen hat und wegen dem Trouble in der billigeren Türkei oder dem preiswerteren Ägypten die etwas teureren Griechen besuchen geht anstatt.

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In Athen waren wir von Zypern kommend bestens angekommen mit „Aegean“ – früh morgens, noch vor 6 Uhr. Alles lief auf dem Flug und am Zoll reibungslos ab. Alle Beteiligten gaben sich in bester Stimmung. Keine Komplikationen beim Abholen des Mietautos, diesmal bei Hertz. Wir dachten: Besser ein großer Anbieter wie Hertz als ein kleiner, der im Fall des Falles eventuell weniger endlose Diskussionen und Schwierigkeiten aufzieht.
Ein Nissan ist es geworden, auch wenn wir, genauer ich, uns auf eine Erfahrung mit einem Opel heimlich eingestellt hatten. Fuhr in Nikosia vor Jahren schon mal einen Nissan. Muss sagen, das Erlebnis blieb damals positiv. Diese japanischen Maschinen schnurren wunderbar asphaltierte Bahnen ab, als säße man in einem dicken BMW.
Gebucht hatten wir von Zypern aus. Hoffe, dass wir das nicht bereuen werden, alles vorher gebucht zu haben und uns nicht auf den Moment verließen. Da es Pfingsten ist, erwarteten wir regen Urlauberauflauf. Der blieb aber aus, kann ich Ihnen jetzt schon sagen – was natürlich sehr angenehm ist. Wir sind zu zweit.

Archaia Korinthos ist unsere erste Station. Dort hinzugelangen, ist vom Flughafen Venizelos/Athen aus kein großes Kunststück. Man fährt auf der Autobahn „A6“ einfach immer gerade aus, die dann irgendwann mal „A8“ genannt wird. Der zuvor genannte Ort, Archaia Korinthos, ist netterweise sogar auf einem Schild auf der Autobahn ausgeschildert, sodass Irrfahrten durch die nahe Stadt „Korinth“ oder anderswo gemieden werden können.
Auffallend war in der Autobahngaststätte, in der wir vor Erreichen des Zwischenziels Archaia Korinthos Halt machten nach 20 oder 30 Minuten Fahrt, dass das Personal plus Besitzer super-freundlich und sehr relaxed waren. Auskunftsfreudig sogar. Niemand versuchte, uns etwas anzudrehen oder dergleichen. Nicht überschwänglich freundlich, einfach ganz normal freundlich waren die, als wäre sich so zu verhalten oder zu begegnen, das Normalste von der Welt.
Sollte man ja eigentlich auch annehmen, dass dem so ist. Doch dem ist so nicht zwangsläufig, wie einem wieder bewusstwird, wenn man aus einer Destination wie Zypern kommt oder schon mal länger in Berlin gewohnt hat. Obgleich, auch auf Zypern hat man langsam mitbekommen, dass Unfreundlichkeit der Kundschaft gegenüber und, letztlich, sich selbst gegenüber, die Freude am Leben zu einem beträchtlichen Anteil, wenn nicht völlig, kosten könnte.
Zyprer haben mit Perfektion, sozusagen, das Wie-ein-Trottel-grußlos-durch-die-Gegend-watschen mit langgezogenem Gesicht bei sich installiert. Die Rede ist natürlich vor allem von Menschen, die auf dem Land leben. Von Städtern erwartet das schon niemand mehr, denke ich, einfach so gegrüßt zu werden. Nicht alle, aber zu viele Zyprer scheinen, wie geschildert, unterwegs zu sein. An manchen Tagen erreicht einen dieses Gehabe, anders kann es nicht bezeichnet werden, und dann ist man eigentlich auch selbst schuld, wenn es das schafft. Denn die Insulaner sind ja im Grunde nicht so, wie sie einem vorkommen oder sich geben. Also ist man selber schuld, wenn die aufgesetzten Schlaraffen aus dem Konzept bringen?!
Wir reden hier, auch, gerade von jemand, der glaubt, mit geschilderter Pose vor lauter Selbstachtung, die Achtung anderer übersehen zu können oder zu dürfen, beziehungsweise erwartet, angehimmelt zu werden – oder was immer genau in solchen Köpfen vor sich geht. Es hat auch einen Touch, finde ich, verfehlten Verständnis’ dessen, was Eleganz oder Royalität und so etwas sein sollen. Man weiß ja nie, was genau das Spiegelbild für solch Verhalten nun wirklich immer ist, eben genannte Eleganz und Royalität könnten es durchaus sein, nachdem, was so in einigen zyprischen Zeitschriften andauernd geschrieben steht. Diese Art Vorbilder scheinen recht schräger, eben zyprischer Ableitung zu oft Pate zu stehen.

Wirklich, das alte Korinth ist wirklich ein netter Ort. Wir haben uns für die “Pegasusrooms” entschieden. Ein glücklicher Entscheid: Das Zimmer „A3” ist Hort unseres Glückes geworden. Nee, Scherz bei Seite. Zwei Türen gingen auf und die Besitzerin meinte, da sei noch dieses Ehepaar gerade angekommen, ob wir nicht vielleicht doch mit jenem anderen Zimmer Vorlieb nehmen wollten. Wir hatten uns nämlich das schönere von beiden zuvor schon angesehen gehabt, waren aber gebeten worden, um 14 Uhr zurückzukommen, um es dann in Beschlag zu nehmen – wegen dem Üblichen: putzen, aufräumen etc. Wir entschieden uns natürlich für das schönere Zimmer, so zur Wahl gestellt, und es entfachte sich darum, glücklicher Weise, keine peinliche Diskussion, nur, weil ihrer Ansicht nach offensichtlich die anderen beiden, so klang sie zumindest, dort besser hineinpassten als wir.

Die Gute hatte ihren Versuch vorgetragen und der war erfolgreich abgeschmettert worden von uns. Punkt. Wir lächelten ihr nett zu dabei, als würden wir mit ihr über Deutschland, den Tourismus oder den letzten Museumsbesuch sprechen.

Wunderbar grün ist es vor Raum-A3 hin zum Hof, um dessen Balkon, wo, wie gesagt, Vögel aus einer 2x2x2m großen Voliere singen und trillern. Auch von dem riesigen Parkplatz, der umgeben ist von erfrischend viel Bäumen und Sträuchern tönt Vogel-Sound herüber, wo auch das gemietete Auto abgestellt werden konnte, ohne, dass jemand angerannt gekommen wäre, um dafür Geld zu verlangen – was in der Türkei ziemlich sicher zu erwarten ist. Allerdings sind das dann auch Art bewachte Parkplätze meist. Die Rede ist von Arbeitsplätzen, die sich arbeitslose Türken dergestalt schaffen – oder andere Interessiert, wie Nachbarn etc., die oft und gern ohne Kenntnis oder Beteiligung, oder beides, des Bürgermeisteramtes auf diese Weise unternehmerisch aktiv sind.

Beim Erkunden Alt-Korinth (Archaia) hat man selbiges eigentlich schnell durch. Ich wollte nicht durch die Ausgrabungsstätte vor Ort streifen, die wirklich über viele Quadratmeter gestreut mitten in der Stadt so manchen Hobby-Archäologen begeistern dürften. Die sah ich mir von draußen an. Irgendwie hat diese Sicht – durch einen Zaun hindurch – zufriedenstellen können. Gute Übersicht, die man von dort aus hat, wo ich saß. Man geht dazu einfach um das eingezäunte Gelände herum, links vom Eingang, und durch das Dorf hindurch, setzt sich auf ein Mäuerchen im Schatten eines der vielen grünen Bäume und liest und/oder guckt – kommt dabei innerlich schon mal etwas herunter von der Fahrt und dem Alltag, den man verließ und in Griechenland an. Beneidet jene, die auf der Ausgrabungsfläche in der Sonne Altertümer betrachtend braten, von diesem Standpunkt aus eher nicht.
Schön an diesem Ort war unter anderem, dass Einheimische durchweg vorüberkommen, die ganz ungewohnt – eben, weil gerade aus Zypern kommend – mich, den Fremden grüßten, und zwar als erste. Sahen nett dabei rüber und gingen ihres Weges, als gehörte sich das so.
Im Südwesten Deutschlands ist das Grüßen von Ortsfremden in Dörfern schon seit Längerem ins Hintertreffen gelangt. Tut man anscheinend nicht mehr so oft wie einst.
Die Menschen, die an jenem Tag an mir vorbeigingen oder fuhren in Alt-Korinth waren sich offenbar nicht zu schade dazu. Jedenfalls hat es auf Zypern oder dem Südwesten Deutschlands den Eindruck, dem könnte so in etwa sein bei den meisten, nämlich, dass sie sich zu schade für so etwas geworden sind. Man gewöhnt sich daran, alle Male dann, wenn man jahrelang in Berlin wohnte – ein Menschen-anonymisierender-Ort.
Allgemein ist im Gespräch mit Griechen in Griechenland auffällig: Griechen schauen einem irgendwie direkter in die Augen als ihre zyprischen Brüder und Schwestern. Erstere scheinen eine ausgereiftere Kommunikationsstrategie zu führen. Schwer zu beschreiben oder zu benennen.

Das Pegasusrooms ist zwar verhältnismäßig klein, dafür aber ‚fein’ – definitiv kein 5-Sterne Bunker. Der Besitzer ist ein geschäftiger Mensch, der offen über sich und seine Welt Auskunft gibt. Sein Englisch ist dazu ausreichend gut. Schön war am Tag unserer Ankunft nach dem Check-Inn ins Hotel, als wir den nahen Berg zum Schloss vor der Stadt hinauffuhren, dass das Eingangstor dort oben bereits geschlossen war, um zu den Schlossruinen näher zu gelangen. Der Vorteil dessen: kein Gegenverkehr auf der etwas engen Straße nach oben, kein Menschenauflauf, sondern Ruhe und der Sound des Windes im Überall. Die Sicht von dort ist, wie im Reiseführer versprochen, wunderschön.
Ein Blick vor die Füße eines jeden Touristen, dort oben stehend, sollte indes nicht ausbleiben. Die vielen unterschiedlichen Kräuter und Gräser am Wegesrand sind nämlich eine einzige Pracht. Das muss hier in der Gegend im Frühling das Paradies auf Erden sein. Ich empfehle mir und anderen hiermit, also genau das zu tun: im Frühjahr auf den Peleponnes zu fahren, um mit Blumen und Kräutern umgeben zu sein – das belebt gewiss den Trübsten oder sonst wie Gestimmten. Ein Shop, der Kräuter im Angebot hat, ist gleich schräg gegenüber vom Hotel angesiedelt, in den wir aber keinen Fuß setzten.

Nachmittags, nach 1-2 Stunden Schlaf, fuhren wir am Tag unserer Ankunft in Alt-Korinth doch noch runter nach Korinthos-Stadt. War gar nicht so übel. Es ist im Reisführer in etwa so ausgemalt worden – als fürchterlicher Ort. Ein nettes Städtle ist es jedoch, das ziemlich sicher ein buntes Leben haben dürfte, nachdem die Abendsonne bye-bye gesagt hat im Sommer. Nahezu unzählig viele Cafés, saubere Straßen, nett dreinschauende Leute, und alles andere als überlaufen von Touristen – derzeit jedenfalls noch nicht.
Den Kanal konnten wir nicht finden, den “Isthmus”. Haben uns allerdings auch nicht allzu sehr angestrengt dafür.

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Heute geht’s auf „die andere Seite rüber, eben, nach diesem Loutraki”, wird gerade vermeldet von meinem Reisbegleiter. Und da das Frühstück vorüber ist und wir unsere Morgentoilette hinter uns haben, gibt es mehr zu diesem Tag später. Jetzt ist erstmal Aktion angesagt – Autofahren etc.

Das Frühstück hatte am 2. Tag in Archaia Korinthos locker angefangen, oben, über unserem Zimmer nämlich ist der Frühstücksraum, und zwar auf einem interessant ausgebauten Flachdach, welches wohl einigen nassen Wind, eventuell sogar Schnee auch im Winter oder Herbst von seinen Besuchern abhalten dürfte.
Wir waren rechtzeitig früh unterwegs und konnten so einer 30-köpfigen Reisegruppe aus den USA entgehen – mit der wir den Abend davor unfreiwillig ein Restaurant teilten. Sehr laut waren die schon etwas, aber, so sind Gruppen nun mal.

Vor 2-3 Jahren habe er das Hotel übernommen, habe 500.000 Euro abzubezahlen und noch mehr reingesteckt, habe 2 Söhne, die studierten, der 3. folge dem Beispiel seiner Brüder schon bald, erzählte uns der Besitzer des Pegasusrooms unter anderem. Ein geschäftstüchtiger Mann, ursprünglich aus Chios, den es nach Archaia Korinthos verschlagen hat.

Wir fuhren nach dem Frühstück dann doch noch mal hoch zum Schloss über der Stadt. 8 Uhr morgens, dachten wir, das müsste klappen. Und so war es auch. Nicht etwa, dass wir die ersten oder einzigen Besucher gewesen wären, doch Reisegruppen musste erst aus dem Weg gegangen und gefahren werden, als wir nach knapp 2 Stunden Aufenthalt von dort wieder herunterfuhren. Schuhe mit guter Besohlung sollte man unbedingt anhaben, wenn man nicht allzu Tretsicher ist oder schnell das Gleichgewicht verliert. Die Steine am Boden sind spiegelglatt – wahrscheinlich von den Menschenscharen drauftretend geschliffen, denen sie schon seit Jahrtausenden ausgesetzt sind. Ganz oben auf dem Berg, wo eine Mauer in den Himmel ragt, wurde gerade ein Geländer angebracht. Soll wohl Lebensmüde nochmals überlegen lassen, ob sie den Schritt wirklich wagen wollen, sich von dort herunter zu werfen und anderen und sich selbst das anzutun.
Bis so weit nach oben bin ich persönlich nicht gekraxelt. Setzte mich unweit des zweiten, schmaleren Tors der inneren Mauer in die wunderschöne Landschaft und genoss das Grün, die Vögel, den zahlreich vorhandenen knallroten Mohn und die einigermaßen spektakuläre Aussicht. Offenbar hatten wir beide was davon: er unterwegs bis zu höchsten Höhen der ehemaligen Schlossanlage und im ganzen Areal derselben herum und ich auf meinem windigen, aber sonnigen Platz sitzend.

Klar, danach fuhren wir selbstverständlich doch noch über den Isthmus, den Kanal, zumal ja auf unserem selbstentworfenen Programm stand, nach Loutraki zu gelangen, sei geradezu Pflicht.
Ob beim oben erwähnten Isthmus unbedingt ausgestiegen werden muss, um runter auf die recht enge Wasserschneiße zu gaffen, ist Ansichtssache. Die meisten tun es wohl. Wir haben es auch getan und schossen das obligatorische Bild.
Den Weg dorthin zu finden, ist nicht allzu schwer von Alt-Korinth aus. Da das Auto kein GPS eingebaut hat, wurde einfach ein Taxifahrer gefragt in einem Außenbezirk von Korinth-Stadt, der bereitwillig Auskunft gab. Wie gesagt, die Leute sind nett und freundlich. Wenn es richtig erinnert wird, fuhren wir keine 30 Minuten zum Isthmus und von dort so ungefähr noch mal 30 oder weniger Minuten nach Loutraki.

Eine schöne Stadt entlang dem Meer ist die letztere. Der Name sagt es bereits: Dort gibt es ein Thermalbad. Das besuchten wir allerdings nicht, auch, da es nicht Winter ist und wir nicht sonderlich scharf auf chlorhaltiges Wasser waren.
Man wählt in Loutraki zwecks Parken des Autos einfach eine der Straßen, die quer zur Hauptstraße nach oben, weg vom Meer, führen. Dort findet sich ziemlich sicher ein Parkplatz. Das bedingt zwar, dass man eventuell etwas mehr Fußweg hat, um runter an die Strandpromenade zu gelangen. Doch ist man nicht gekommen, etwas zu sehen?

Führen wir mal das Beurteilungskriterium „sauber” ein. Die Stadt ist, wie auch Archaia Korinthos, als sauber zu bezeichnen. Nirgends unnötig viel Müll oder Plastik oder sonst was, das den Blick verstellen könnte in Stadtmitte. Nach einem recht netten Rundgang entlang der Seefront, entschieden wir uns für das „Fünf Brüder” (ta pente adelfoi) Restaurant. Eine gute Wahl. Der Besitzer, ein Mann so um die 50 mit langem Haar und Gang eines Sheriffs war umgehend zur Stelle und schien nicht abgeneigt, uns auf Griechisch bewirten zu können. Ruckzuck war das Restaurant plötzlich voll von Leuten, als hätten die gehört, sie müssten uns die täglich herrschende Stimmung vorführen. Und die war prächtig. An den Tischen gut situierte Griechen und Griechinnen im Gespräch, die Musik dezent im Hintergrund, klassisch Griechisches sozusagen, und das Essen wirklich nicht zu verachten. Es war bombig. Eine gute Zeit unter kommunikationsfreudigen Leuten. Das Wetter draußen machte anfänglich so, als wolle es etwas Regen zulassen, doch als wir bezahlten, war die Sonne mal wieder die Siegerin über Regenschauer, sodass wir uns auf den Weg nach dem „Leuchtturm” machten, den ich persönlich nicht zu Gesicht bekam – außer im Reiseführer. Wir fuhren jedenfalls so weit, bis es gar nicht mehr weiter ging auf einer abgelegenen Straße entlang dem Meer und dann plötzlich entlang eines Sees, und zwar in Richtung Leuchtturm. Gerieten an einen Ort, wo links Süßwasser ist und rechts das Meer. Wir entschieden uns für letzteres, um endlich mal eine Kostprobe vom hiesigen Meerwasser zu nehmen badend. Das Wasser ist verwunderlicher Weise salziger gewesen als beispielsweise bei Limassol/Zypern. Sauberer als auf Zypern ist das Wasser im Meer um den Peleponnes nahezu überall, kann jetzt schon verraten werden.
Ich bin der Fahrer und kann mir solche extremen Drehungen mit dem Kopf beim Fahren nicht leisten, um einen Leuchtturm zumindest auf der Rückfahrt zu sehen, der sehr abgelegen liegen muss. Und so muss ich wohl daran glauben, dass das Ding wirklich existiert.

***

Seltsamerweise singen die Vögel in der Voliere heute Morgen nicht. Geben nicht einen einzigen Piepser von sich. Ob ein Erdbeben ansteht? Habe ich nämlich mal auf Griechenland erlebt, und zwar, als ich zum ersten Mal hier war 1979. Das war auch die erste Begegnung mit dem Phänomen, die ich damals noch ganz lustig fand, als das Bett hin und her schwankte, in dem ich lag – des Risikos und der Gefahr entweder trotzend oder nicht wirklich bewusst, eins von beiden. Ich glaube, es war eher Zweiteres.
Dafür konnte hier vom Balkon aus gerade mitangesehen werden, wie 2 Elstern Paare eine freche hellbraune Katze angingen im Flug, die auf IHREM Baum herumkletterte. Die wollte anscheinend nur aufs Dach des Nachbarhauses gelangen. Die Elstern können sich gar nicht mehr beruhigen, krächzen immer noch. Mir gefällt der raue Ton ihrer rabenähnlichen Stimmen. Ich weiß allerdings, dass die auch ganz anders klingen können. Dann erkennt man die gar nicht wieder und denkt, irgendwo im Urwald zu sein.

Heute werden wir weiterziehen. Kann gut sein, dass in Epidaurus all die Orte, die so besichtigt werden wollen, geschlossen sind, weil es soll Pfingsten sein, was hier „Kataklysmus” genannt wird. Nachdem, was noch aus einem Griechisch Lehrbuch erinnert werden kann, muss die Landschaft bei Epidaurus einen Besuch lohnen.

Was den Zustand der Straßen angeht: Der Straßenbelag der Landstraßen ist allgemein nicht auf neuestem Stand, doch verwunderlich daran ist, dass dieser keine großen, tiefen Löcher hat – die Autobahnen sind aber 1a. Außer, dass einmal ein Motorradfahrer kurz vor einem Tunnel unbedingt noch rechts überholen musste, fahren Griechen zwar flott, doch mit Augenmaß. Sie riskieren nicht das eigene Leben – und das anderer.
Berichten zufolge muss es diese Rowdys aber geben. Auf Zypern trifft man so ungefähr alle zwei-drei Tage, mindestens, einen davon.

Einen kleinen schwarzen Hund gibt es in Archaia Korinthos, den man scheinbar überall im Dorf antrifft. Bei uns entscheidet er sich stets ungefragt, mitzulaufen. So auch gestern Abend wieder. Da er so drollig aussieht, ist ihm hie und da stets ein Happen sicher, den ihm die Leute geben, wie gesehen werden kann. Die Hunde haben bunte Bänder um die Hälse. Werden offenbar von jemand betreut, jemand, wie dem Amt. Viele der Hunde sehen aus wie Kangal-Hunde aus Sivas/Türkei. Das sind recht große und meist gutmütige Hirtenhunde. Sehr dickes Fell.

Klar doch, für das „el Nino“ Café hatten wir uns zurück vom Leuchtturm, den ich nicht sah, in Loutraki entschieden. Ist OK gewesen dieser zuerst genannte Ort, doch für unseren Geschmack war die Musik dann doch etwas zu laut und zu langweilig. Durchweg amerikanischer Pop, oder wie es auch immer genauer genannt wird. Nicht unbedingt die schlechteste Auswahl, aber … . Wird einem einfach zu viel mit der Zeit. Recht interessante Einrichtung hat das el Nino, allerdings nichts Außergewöhnliches oder so. Der junge Kellner, ausgestattet mit dicken Armen, die er sich nur im Meer, doch wahrscheinlicher im Sportstudio herangezüchtet haben dürfte. war im Gesicht recht gutaussehend – die dicken Arme passten einfach nicht. Sah aus wie ein Filmsternchen im Gesicht. Ein durchmischtes Publikum umgab uns an seinem Arbeitsplatz: Frauen, Männer, junge, alte.
Cafés, also „Kafeneion“, im alten Stil sind uns bislang nur in Korinthos über den Weg gekommen. Außerhalb der Stadtzentren dürften die inzwischen mehrheitlich liegen oder zu finden sein. Das mag erwähnt werden, weil ich solche Orte bevorzuge. Heutzutage sitzen auch in Kafeneion Menschen weiblichen Geschlechts – in Griechenland allemal, denke ich.

So richtig sommerlich ist es hier jedenfalls auch noch nicht. Der Boden des steinernen Fußbodens des Hotelzimmers lässt der Kälte wegen nicht wirklich zu, dass man morgens um 6 Uhr barfuß auf dem Balkon länger stehen könnte. In Zypern war das vor 3 Tagen auch noch nicht drin. Hier ist abends aber dennoch wunderschöne Sommerstimmung. Es wird Zeit, dass wir auch in der Nacht ein bisschen unterwegs sind. Wie gehört werden konnte, war da irgendwo Musik und Gelächter weiter weg bis in die frühesten Morgenstunden. Davon kann hier nur aus der Perspektive dessen erzählt werden, der sich wenig darum kümmert und anstatt die gute Luft, das Bett und die allgemeine Ruhe in vollen Zügen genießt. Ich glaube, es ist jetzt wirklich dieses gewisse Etwas in mir eingetreten: Urlaub!

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Der Weg über Epidaurus nach der Stadt Gytheio war, als würde man durch Südwestdeutschland, das Elsass oder die Deutschschweiz fahren. Nun ja, nicht ganz so, aber… . Es war also recht grün und teils wunderschön bergig. Wir hatten uns nach dem Aufenthalt in Epidaurus nämlich entschieden, nicht am Meer entlang runter nach Gytheio zu fahren. Leute, die am Meer die meiste Zeit eines Jahres verbringen, sind eben nicht so erpicht auf Meerflash – obgleich selbiger schon unabdingbarer Bestandteil eines wöchentlichen Ablaufs geworden zu sein scheint, wenn vor Ort in Zypern. Das historische Epidaurus hat unsere Erwartungen an sich erfüllt. Das historische Theater war recht imposant. Nur, wenn man, so wie ich, schon vor und in so vielen ähnlichen davon gestanden hat, ist der Überwältigungseffekt vielleicht doch etwas dahin. Bei mir war es diesmal jedenfalls in etwa so, bei meinem Reisbegleiter keineswegs, der es sich auch nicht nehmen ließ, all die vielen, steilen Treppen nach oben zu steigen und das Theater, sozusagen, akustisch auseinander zu nehmen. Ich begnügte mich mit der Frontalansicht und zu mir gesellte sich dabei schnell eine etwas ausgehungerte graue Katzenmutter, der aber leider gar nichts angeboten werden konnte, außer Streicheleinheiten – für den Gebrauch IHRER steinernen, eventuell uralten Sitzbank unter anderem auch.
Noch wenig Touristen waren zu sehen, da wir glücklicherweise mal wieder früh am Tag unterwegs waren – hatte sich aber zum Zeitpunkt, als wir das Gelände verließen, komplett geändert – Bus über Bus rollte an und stand schon dort, wo zuvor ein großer, leerer Parkplatz uns in Empfang genommen hatte.

Auf der Karte des Tourismusbüros erscheinen die Distanzen anders, als sie denn effektiv sind. Die Strecke nach Epidaurus ist nicht zu lange, doch sollte man schon darauf eingestellt sein, so in etwa 4 Stunden unterwegs zu sein. Nach Sparta fuhren wir allerdings nicht rein. Was ich schon, als wir draußen vor der Stadt an einer Tankstelle saßen beim Kaffee, zu bereuen anfing. Doch ich wollte nicht nerven, zumal ja auch der Reiseführer, aus dem mir vorgelesen wird, angibt, dort gäbe es „nichts” mehr aus der alten ruhmreichen spartanischen Zeit zu besichtigen. Nun, die Menschen sind noch anwesend, die Nachfahren der Spartaner und deren Kultur. Das allein hätte wohl als Argument ausgereicht, um doch noch ins Städtle zu fahren, doch es regnete und, ehrlich gesagt, ich wollte endlich zurück, in Gytheio ankommen.

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Bin kein Freund von zu langen Strecken, wie wir sie vielleicht auch heute wieder bewältigen werden, nämlich von Gytheio an die Spitze der Mani und dann nicht etwa denselben Weg zurück, sondern auf der anderen Seite dieses Halbinselzahnes hoch, bis zur Abzweigung nach Gytheio.
Gytheio ist wirklich ein nettes Städtchen. Wir haben Pfingsten und keine Massen von Touristen sind unterwegs. Die Strandpromenade ist noch so in etwa erhalten, wie sie wahrscheinlich die letzten 50 Jahre aussah: keine Flo-Cafes, keine Lidl, keine high-Flyer-sonst wie Imitationen.
Die Straße hinter der Strandpromenade ist recht romantisch. Wäre mehr Zeit eingeplant, würde eine Erkundung der oberen Stadt gewiss lohnend sein. Schön gemütlich die Atmosphäre in dieser Stadt. Kein Stress weit und breit. Die Leute – relaxed.
Gegessen haben wir am Abend unserer Ankunft und den Tag danach in dem Restaurant gegenüber am Hafen, wo die Zöllner sind – im „90 Moires”. Die haben dort Aufreißer vor ihrem Restaurant beschäftigt. Die vom Moires scheinen die einzigen zu sein, die das in Gytheio so tun. Man sitzt dort ganz nett: weißes Tischtüchle, alles schön geordnet und sauber, die Musik im Hintergrund dezent und griechisch, der Besitzer, der seinerseits an den Tischen vorbeischaut und manchen Gast in ein kleines Gespräch verwickelt etc., einigermaßen erträglich. In diesem Restaurant war auffällig, dass wir stets (2 Mal) eine von Hand ausgestellte Quittung erhielten. Als wir den Tag danach nach einem offiziellen Beleg fragten, den wir auch erhielten, war es dann aber auch aus mit der Freundlichkeit.
Unser Hotel hier in Gytheio ist das „Aktaio“-City. Wie wir sehen konnten, gibt es außerhalb der Stadt noch ein Aktaio-Beach, oder wie genau es heißt. Das City-Hotel ist wirklich OK. In der ungefähren Mitte der Beach-Promenade der Stadt ist es gelegen. Wir sind im ersten Stock untergebracht worden mit Blick aufs Meer. Das Zimmer hat ein Balkönchen nach draußen zum türkis-blauen Viel aus Wasser. Ja, es ist zuweilen etwas laut auf der Straße, doch da kein Massenverkehr herrscht und kein Massentourismus, hält sich das alles wunderbar in Grenzen. Die Angestellten im Aktaio sind sehr zuvorkommend. Das Frühstück ist nicht ganz so gut wie davor in Archaia Korinthos: die Marmelade, doch vor allem der Orangensaft, der nicht frisch gepresst ist, sondern definitiv mit Pulver gemacht wurde, sind zum Abgewöhnen. Die rührten wir nicht an. Sowieso komisch, dass kein frischgepresster Saft ausgegeben wird, wo im Peleponnes oft, wie wir sehen sollten, Orangen in großen Säcken zum Kauf angeboten werden am Straßenrand – einige Bäume damit vollhängen. Es liegen anstatt Marmelade vom Bauern oder einer Nachbarin gemacht, diese wenig appetitlichen, jedermann bekannten, in Alu eingeschweißten Marmelade-Rund auf dem gerade och so ausreichend großen Tischchen des Frühstückraumes. Nein, es gibt nichts zu meckern. Alles wunderbar, auch wenn man wegen jeder Tasse Kaffee oder Tee die Angestellten bitten muss, sich nochmals zu bemühen.

Bin gespannt auf die Mani und vieles mehr. Abends sind wir noch sehr nett in jener kleinen Straße, die hinterm Hotel in die obere Stadt führt, nur für Fußgänger, gegangen, haben flotten Jazz gehört, südamerikanische Musik und einen Drink oder zwei gehabt. Uns hat es dort prächtig gefallen. Ziemlich sicher werden wir den Laden heute Abend wieder ansteuern, nachdem wir vielleicht woanders etwas zu uns genommen haben zum Abendbrot.

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In Ladia war das Essen nach einem schönen Schwimm in der Bucht von Marmari wirklich von guten Eltern. Ein wirklich netter älterer Herr mit guten Englischkenntnissen bediente und kochte, kochte und bediente, zusammen mit seinem Sohn, oben irgendwo in den Bergen. Herrlich. Wie man Gespräche anbändelt, muss diesem Herren jedenfalls nicht noch erklärt werden. Kann gut sein, dass er der Pfarrer der Kirche von gegenüber, auf der anderen Straßenseite, war. Hatte so was in diese Richtung gehend überhört am anderen Tisch. Kann mich aber täuschen, und fragen, wollte ich ihn nicht. Mit Leichtigkeit bewegte er sich wie ein guter Geist von Tisch zu Tisch und findet anscheinend immer gleich den richtigen Ton mit seinen Gästen – so auch mit uns.
Die Bucht bei Marmari ist sehr empfehlenswert, und zwar für all jene, die wirklich mal etwas abseits vom Gewimmel der Leute etc. sein wollen. Der Sandstrand ist dafür groß genug; und wenn das nicht reicht, dann einfach in die nahen Berge abwandern oder entlang dem Strand.

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Einen sehr positiven Eindruck auf uns hinterließ auch „Aeropolis“, wo wir schon recht früh am Tag ankamen. Das Stadt-Innere dürfte gewiss den Geschmack vieler Mittel- und Nordeuropäer treffen, sagen wir vor allem jener, die nett und gepflegt irgendwo sitzen wollen und auf kommunikationsbereite Menschen durchaus bereit sind, zu treffen. Recht bunt gehalten, nicht zu viel davon, und vieles in der Stadt ist möglichst in Holz gehalten. Es fehlt eigentlich an nichts. Sogar das Kafeneion ist leicht auffindbar – in Stadt Mitte. Man kann es sich aussuchen, welchen Typ Café man gerade bevorzugt, weil das Angebot groß ist. Griechinnen jedes Alters ins Gespräch zu verwickeln, geht zumindest in Aeropolis mühelos. Die Landschaft auf dem Weg dorthin war teilweise einfach bestechend grün. Der Ginger ist an manchen Stellen noch gelb auf den Hängen der Berge, Malven überall im Rot oder Rosa und noch häufiger sind wahrscheinlich Olivenbäume zu sehen. Im Gegensatz zu Zypern, stehen die nicht so irgendwie exponiert oder isoliert in der Landschaft. Sie kommen einem eingebetteter vor, als gehörten sie schon seit IMMER dazu, als seien sie nicht NUR zum Geldverdienen da. Was nicht heißen soll, dass das in Zypern so und lediglich nur so der Fall ist. Manchmal, allerdings, kommt es einem schon so vor.
Griechenland, es wurde bereits erwähnt, ist auffallend gut sauber gehalten, jedenfalls dort, wo wir uns bewegten. Und das ist eher auf touristischen Trails. Das Meerwasser ist eindeutig sauberer als in Zypern, jedenfalls hier um den Peleponnes. Was verwunderlich war, da im Reiseführer zu lesen ist, die See sei um Korinthos-Stadt nicht mehr in Ordnung.

Mir kam es irgendwie ganz in Ordnung vor und nicht sonderlich neu, dass in der Mani Steinhäuser das Siedlungsbild prägen. Sehen halt sehr ähnlich aus von Weitem und in den Bergen der Mani wie jene im Jemen bei Taiz oder Ibb, wo ich mich länger aufhielt – einst. Hatte einiges über die Mani gelesen und war, ich muss es gestehen, erstaunt, nun so etwas Bekanntes dort zu sehen. Die Erzählungen über die Mani hatten wahrhaft und wirklich andere Bilder in mir aufleben lassen. Ich wage sogar zu behaupten, dass der Landstrich von Aeropolis bis nach der Marmari-Beach-Gegend wenig zu bieten hat, längst nicht zu wenig indes. Das was danach kommt oder davor zu sehen war, ist landschaftlich allerdings spitzenmäßig für die Optik, oder so.
Wir sind bislang nur auf ausgesprochen freundliche Leute getroffen, sogar auf Deutsche aus Mainz und Schweizer aus Bern, auf Belgier, die herzlich und bester Stimmung schienen.
Das Auto wollte inzwischen aufgetankt werden. Noch brummt es zufrieden dorthin, wo wir es hinhaben wollen. In den zuweilen engen Straßen der Mani, sollte jedenfalls jemand am Steuer sitzen, dem es nichts oder wenig ausmacht, oft mal im ersten Gang einen Anhang hochfahren zu müssen oder bis an den Rand einer etwas steil abschüssigen Straße heranzufahren, um entgegenkommendem Verkehr Platz zu machen.

Griechische Touristen vom Festland sind auch viele unterwegs. Die scheinen sich keinen Sonderbonus, oder dergleichen, einzubilden und geben sich offen, herzlich und gern bereit, die eine oder andere Geschichte zu erzählen aus ihrem Leben – und sei es auf Englisch. Auch am Straßenzustand hat sich nichts geändert in unserer Beurteilung – alles claro damit! Bin gespannt, wo wir heute Abend hingehen werden. Die Auswahl erscheint groß. Mein Bauch ist allerdings schon zur Genüge gefüllt. Wäre dieser Geburtstag nicht, mein Reisepartner hat Geburtstag, würde ich heute das Abendessen auslassen und auch das Mittagessen am anderen Tag.
Wo es morgen hingehen wird, ist noch nicht verkündet worden. Sieht aber ganz danach aus, als würden wir anstatt nochmals in den Süden der Mani vorzustoßen, einen Tag hier in Gytheio einlegen. Das letzte Wort dazu ist noch nicht gesprochen. Könnte aber gut sein, dass ich dahingehend Überzeugungsarbeit leisten werde, also in der Stadt zu bleiben. Irgendwas sagt mir, dass Gytheio der RICHTIGE Platz sein dürfte, vielleicht sogar der Platz, an dem es sich lohnt, auch im Herbst oder gar im Winter zurückzukehren. Warum immer nach Athen oder Thessaloniki? Korinthos machte zu diesem Zweck wahrscheinlich auch gute Figur. Da Aeropolis im Landesinneren liegt, dürften später Herbst, Winter und früher Frühling eher keinen Besuch zulassen, um dort sich Land und Leute mal noch etwas TIEFER anzusehen. Hätte wirklich Lust darauf!
Erneut: Im Gegensatz zu Zypern erkennt man beim Kommunizieren auf Anhieb, dass hier in Griechenland die Chance besteht, außerhalb von Instituten, in 2-3 Monaten die Hürde, Griechisch einigermaßen fließend zu sprechen, für Gut-und-Immer übersprungen werden kann. In Zypern sehe ich diese Chance eher nicht. Und schon wieder in einen Sprachkurs an der Uni von Nikosia oder sonst wo auf Zypern zu gehen, ist mir jetzt schon zu blöde. Vermutlich war es eine Deutsche, die ich in Aeropolis im Café sitzend im Gespräch mit einem Griechen sah und hörte, die mich so schlussfolgern lässt.
FLIEßEND sprach diese Frau mit leichtem Akzent. Es war wunderbar.
Ihretwegen kam ich eigentlich darauf, diese Befindlichkeit hier mal mir selbst und Ihnen zu verdeutlichen. Kann mir gut vorstellen, dass die Preise der Hotels in Herbst und Winter auf das Drei- oder Zweifache in den Keller purzeln auf dem Peleponnes. Sodass ein Zimmer pro Tag mit Frühstück eventuell für 15 oder 25 Euro zu haben ist. Das wären im Monat dann immer noch 450 beziehungsweise 750 Euro, was ich indes vertretbar finde, sollte solch ein Preis in einem einigermaßen guten Hotel wie beispielsweise dem Aktaio, ausgehandelt werden können – die 450 Variante ist aber eher gemeint. Klar, man kann auch Zimmer mieten oder bei Leuten unterkommen. Zimmer mieten ja, bei Leuten unterkommen eher nein! Zu viel Nähe kann leicht und schnell ins Auge gehen. Da bin ich halt doch etwas Nordeuropäer?

Tipp:
Fahren Sie nach Elathonissi von Gytheio aus, dorthin geradewegs an die eine Spitze eines Zahns der drei Zähne der Halbinsel, sonst nirgendswohin! Setzen Sie mit der Fähre auf die Insel über und fahren Sie danach nach „Limnitissa Beach” (keine 10 Minuten) – und Sie werden hier in wirklich paradiesisch klarem Wasser schwimmen. Es ist so klar, dass man schon fast gehemmt ist, hineinzutreten. Und dieser Sand dort, unglaublich … !
Bei dem Anblick all dessen weiß ich gar nicht mehr, wie sich bei all den Leuten entschuldigen, denen von klarem, sauberen Wasser in Zypern vorgeschwärmt wurde. Vergessen Sie all das Vorgeschwärmte: Dreckbrühe im Vergleich! Hellbrauner Sandstrand, ganz fein erwartet Sie anstatt an erwähntem paradiesischen Ort. Kein Industrieprojekt in der Nähe, welches die Idylle bedrohen könnte, keine BAD-Vibes, die Leute ausstrahlten, nur: Sonne, Strand und Meer. Punkt!

Das Beste Badeerlebnis seit Langem.

Irgendwie hatte ich mich schon so an zyprische Verhältnisse als das Non-Plus-Ultra gewöhnt – forget it! Kein Vergleich zu diesem Beach auf dem Peleponnes – nie und nimmer! Die Wahrheit wird man ja wohl noch schreiben dürfen. Oder? Und dazu noch dies: Mit unterschiedlichsten Leuten kommt man in Griechenland so mal kurz ins Gespräch, so wirklich ins Gespräch, als sei es nichts Weiteres, unglaublich. Solche Begebenheiten kenne ich im griechischsprachigen Kontext leider auch nur aus Griechenland. In Zypern passiert so etwas nicht – so gut wie nie. Jedenfalls nicht mir. Und wenn so etwas annäherungsweise passiert, dann ist es so zäh und sonst wie verstellt – anders.

Der Weg dorthin, ans Paradies auf dem Peleponnes, war gesäumt mit zigtausenden von Orangen- oder Mandarinenbäumen. Die Straßen waren auch diesmal wieder OK. Auch am Ausschildern gibt es wenig zu motzen. Gegessen hatten wir nichts, außer Frühstück im Hotel an jenem Tag, weil wir die letzten Tage doch schon recht viel in uns geschlungen hatten – was nun irgendwie wieder wettgemacht werden muss.

Sitze gerade wieder auf dem Balkönchen des Hotels in Gytheio. Es ist schon fast, wie nach Hause kommen, wenn Gytheio in Sicht kommt von Weitem oder wenn hier auf dem Balkon gesessen wird – 4 Übernachtungen machen es schon möglich? Versteht sich: Die Sonne scheint. Wir schaffen es irgendwie immer, vor 18 Uhr ins Hotel zurückzukommen.

Klar doch, wir haben natürlich Monenvassia besucht. Ein herrliches kleines Städtchen. Es soll hier sehr mondän sein. Noch ist der Ansturm von Touristen überschaubar – Anfang Juni. Wir waren recht früh am Tag auch diesmal unterwegs -wie immer. Nachdem ein Blick über die Dächer und durch einige Gassen geworfen wurde, entschied ich mal wieder, im Café hängen zu bleiben. Nicht etwa, um mit dem Handy herumzumachen. Doch das war dann dennoch in der Mache. Nichts wirklich Wichtiges, das es zu erledigen gab damit. Einfach nur dasitzen, mein Ding tun und die Welt in Monenvassia genießen von wo ich mich befand. Alles an mir vorbeiziehen lassen – ALLES.
Mit der Bedienerin des Cafés ergab sich ein recht nettes, kurzes Gespräch. Es ging um eigentlich Belangloses. Uns beiden alten Herren war nämlich das Wort für „Oleander” entfallen. Der steht nämlich mindestens so häufig und spektakulär wie die endlos vielen Olivenbäume in der Landschaft und diesmal unweit vor uns auf dem Platz vor einer Kirche. Sie benannte ihn auf Griechisch und unsere zuvor erwähnte Maschine spuckte die deutsche Entsprechung für „Pikrodafni” aus.
***
Wissen Sie was? Mir ist folgendes klargeworden: Nichts mehr mit noch hier und noch da hin in der Welt, sondern: Griechenland öfters besuchen! Hier besteht ja Hoffnung, die griechische Sprache aktivieren zu können, sodass fließender gesprochen werden kann. Das wiederum hilft, in Zypern dann ENDLICH ansprechendere Türchen aufmachen zu können als derzeit. Zyprer (es gibt definitiv Ausnahmen) öffnen sich eher, wenn sie auf Griechisch angesprochen werden, und zwar so, dass sie nicht versucht werden, ‚netterweise’ auf Englisch oder auf Kipriaki zu schalten. Dieses Niveau muss erreicht werden. Bin vielleicht gar nicht so weit davon entfernt? Manchmal beschleicht einen schon der Eindruck, der „Kipriaki”-Dialekt wird zur Verschleierung und/oder als Mittel, den Diskurs zu beherrschen eingeflochten – und weniger, weil man es nicht anders kann oder vergessen hat, es mit einem Ausländer zu tun zu haben, der zwar etwas Griechelt, aber Kipriaki nicht draufhat und gefälligst draufhaben soll.
Grauzone.
In Griechenland ist generell angesagt: Bitte sehr, quasseln Sie mal!
I love it!

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Erlauben Sie, dass ich Sie mit solch persönlichem Zeug aufhalte. Doch der Einen oder dem Anderen mag es ähnlich gehen – und sei es mit Orten wie der Schwäbischen Alp, New Mexico oder eben Zypern. Es muss nicht immer Griechenland sein!

Morgen werden wir wahrscheinlich den anvisierten Gytheio-Tag einlegen. Mal so richtig abhängen in dieser Stadt und einfach nur hier herum sein. Es ist wirklich höchste Zeit geworden. Zum Schwimmen werden wir allerdings außerhalb der Stadt einen Platz finden gehen. Das soll es dann aber auch gewesen sein in Sachen Autofahren und Aktion-an-den-Tag-legen.

Und so geschah es auch: wir blieben in Gytheio an jenem Tag. Das war wirklich OK. Ein Bad nahmen wir weiter oben, unweit des Aktaion Resorts. Zwischen durch regnete es, so wie auch jetzt wieder. Der Beach dort ist nicht schlecht. Wir sind offenbar noch außerhalb der Saison. In den Gärten bereitet man sich auf den Menschenansturm vor, wie zu sehen war. Unser Abendessen nahmen wir schon vorgestern nicht mehr im 90 Moires ein, sondern im “Saga”. An beiden Restaurants, die wahrscheinlich die besten der Stadt sein dürften, war bestechend, dass, wie bereits erwähnt im ersten Fall, eine korrekt ausgestellte Rechnung von alleine nie vorgelegt wurde. Den zweiten Tag danach wurden wir jedenfalls nicht gebeten, ins Moires rein zu kommen, wahrscheinlich, weil wir nach einer Rechnung gefragt hatten. OK, vielleicht war es auch, weil wir aus der Richtung des Saga kamen und der Aufreißer vor dem Moire 90 sich gedacht haben könnte: Aha, die sind offenbar hintenherum dorthin gegangen, sodass sie nicht an mir vorbeigehen mussten und haben wohl schon im Saga oder im Boheme gegessen.

Im Museum von Gytheio waren wir auch noch kurz. Es nennt sich „Culture …” sonst was. Liegt mitten in der Stadt, umringt von mehreren Cafés und kostet keinen Eintritt. Das Gebäude ist ein sehr kleiner Ort, an dem nichts sehr Kostbares scheinbar ausgestellt wird. Es war nämlich niemand für längere Zeit anwesend, der Notiz davon genommen hätte, dass Touristen eventuell die Paar vorhandenen Habseligkeiten aus dem Haus schleppen könnten.
Wie immer waren wir auch an jenem Abend nach dem Essen auf der Treppe, die eigentlich keine Treppe ist, sondern ein schmaler Weg, der hoch in die Stadt führt, genauer, in die Straße mündet, die hinter dem Aktaion City verläuft. Man sitzt auch in dem Laden neben jenem vom Tag davor recht entspannt da oben. UNSER Laden war geschlossen. Die Musik ist in dieser zweiten Bar vielleicht ein Tick zu laut abgespielt worden, doch dann kam ja eh der Regen vom Himmel. Wir nahmen das nach einer Stunde, oder so, Aufenthalt zum Anlass, den Tag zu beschließen.

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Auf dem Weg nach Kalamata haben wir Kardamyli entdeckt. Ganz klar touristisch diese Ortschaft, aber dennoch wunderschön. Wir genossen es, dort einen Halt einzulegen, etwas zu essen und unsere dort neu gekaufte „Die Zeit” Wochenzeitung zu lesen – die wir uns nur im Ausland befindlich leisten, wenn überhaupt. Danach gondelten wir mit dem schwarzen Nissan noch langsamer als sonst durch die schöne Landschaft und ließen es uns gutgehen dabei.

Den Tag davor hatten wir ja „home-day“ eingelegt in Gytheio. Es regnet heute zwar auf der Fahrt, doch Schwimmen gingen wir trotzdem, nachdem wir in Kalamata angekommen waren. Die Sonne war nämlich wieder zu sehen am Himmel – zum richtigen Moment. Angenehm ist inzwischen, dass der Regen, wie auch der Wind nicht mehr so schlotterig kalt sind, wie in den ersten Tagen. Von daher ist es schon fast unerheblich, ob es regnet oder die Sonne scheint. OK, dem ist nicht ganz so. Ein Tag ohne Sonne wäre schon recht seltsam. Dass die Sonne weg ist, fällt einem eigentlich immer als eines der ersten Dinge zurück in Deutschland oder in der Schweiz auf. Mehr als 3 Tage hintereinander ohne Sonnenschein kommt einem dann plötzlich mal Spanisch vor und man denk: Etwas stimmt hier nicht!

Die Altstadt von Kalamata entsprach nicht meinen Vorstellungen davon oder was der Reiseführer darüber ausspuckte. Sie war dennoch OK: Die machen die Läden hier erst um 17.30 Uhr wieder auf am Nachmittag. Auch das ist OK. Gegessen haben wir nichts mehr an jenem Abend. Irgendwie fühlten wir uns wie abgefüllt vom vielen Fisch und anderem Essbaren aus dem Meer in den Tagen davor. Griechenlands Städte, auch die auf dem Peleponnes, erscheinen einem zuweilen wie eine einzig große Bar, Café oder eben Restaurant. Sogar der Retsina blieb heute aus. Ein “Alfa”-Bierchen kam anstatt dran. Gar nicht so schlecht, diese einheimische Marke.
Auch in Kalamata begegnen wir unglaublich netten und redefreudigen Leuten. Am Tag unserer Abreise setzte sich der US-amerikanische Besitzer des Hotels zu uns an den Tisch, der vielleicht europäische Politik mit uns im Gespräch durchgehen wollte, den wir aber schneller als uns es selbst klar wurde, mit dem Phänomen Trump konfrontierten. Der Besitzer des Osteria Hotels scheint kein Anhänger der Trumps zu sein. Auch hatte er Kenntnis vom Koch-Clan, der in der Trump-Administration die Fäden hinter der Bühne zieht u.a.

Die Preise für die jeweiligen Unterkünfte, das habe ich noch gar nicht erwähnt, sind super-erträglich auf dem Peleponnes. Auch hier kostet das Zimmer knapp über 50 Euro. Wir wohnen also im Ostria, genau an der Beach-Front und das Zimmer ist wunderbar. Komischerweise kam es nicht dazu, dass wir vor dem Hotel auch mal ins Meerwasser gingen. Wie gesagt, die Strandpromenade ist hüben wie drüben mit Restaurants bestückt. Wahrscheinlich war das unausgesprochen zwischen uns beiden das Hauptargument, besser irgendwo außerhalb unser Glück zu versuchen. Eine gute Wahl ist das Ostria als Hotel jedenfalls. Parkplätze findet man in den Seitenstraßen, wenn nicht sogar direkt vor dem Haus.
Dieses Hotel Kalamatas liegt am Wasser im Gegensatz zur sogenannten Altstadt, die wir uns gleich nach Ankunft ansehen gingen. Jetzt haben wir sie also mal durchgangen. Am Hauptplatz der Altstadt hatten wir in einer Bäckerei/Konditorei Kaffee und Kuchen gehabt.
Sollte man vielleicht tun, das ist, die Altstadt von Kalamata besuchen, doch im Nachhinein kann gesagt werden, dass man sich diesen Besuch auch sparen kann und anstatt Zeit und Energie darauf verwendet, unmittelbar in Beach-Nähe sich den Tag einzurichten oder halt doch in die Umgebung von Kalamata ausweicht.
Das Ostria hat alles, was ein Hotel bereitzustellen hat. Sogar einen Parkplatz konnten wir vor dem Hotel ergattern, der nichts kostet bei erster Ankunft. Man darf gespannt sein, wie das Frühstück sein wird. Das Frühstück in Gytheio war nun nicht gerade der Renner. Länger als 4 oder 5 Tage mag man das wahrscheinlich nicht unbedingt haben.

Gemäß der Wetterprognose soll morgen Sonnenschein sein – den ganzen Tag über. Wir werden eine kleine Rundreise von Kalamata ausmachen, von der erzählt werden wird. Ach ja, wir besuchten erneut Aeropolis heute Morgen. Kam uns diesmal sehr nahe gelegen vor von Gytheio aus. Tranken einen Sketto-Kaffee und fuhren in Richtung Kalamata gut gelaunt davon. Beim Friseur habe ich mir vor der Abfahrt aus Kalamata noch schnell das Haar so kurz wie noch nie zuvor scheren lassen. Der Friseur gab vor, Friseur zu sein. War allerdings auch jahrelang als Klempner, Elektriker und so weiter in Australien unterwegs, wie er erzählte. 10 Euro bezahlte ich für die Rasur mit der Maschine. Ich hatte keine Lust, den Preis zu verhandeln, was ich manchmal tu, um zu sehen, mit wessen Geistes Kind ich es eigentlich zu tun habe.

Den zweiten Tag in Kalamata gingen wir nach Korony – an der Spitze eines weiteren Fingers des Peleponnes gelegen. War nicht so unsere Sache, obgleich mir das Schwimmen unterhalb der Burg gefiel. Der Sohn des Besitzers des „Kangelarios” Restaurants ist ein wirklich komischer Kauz. Als wir gingen, drehte er uns den Rücken zu, sodass wir uns ins Leere verabschieden durften. Keine Ahnung, was dem nicht gepasst hat an uns. Vielleicht hat er verstanden, dass wir den „Kanzler”-Salat nicht sonderlich gustierten. Doch der Retsina war gut, der Rose-Wein nicht.
Der im Reiseführer beschriebene Sandstrand, der nicht allzu weit entfernt sein soll von dort, wo die kleinen Restaurants wie das Kangelarios auf Besucher warten, konnte nicht gesehen werden von weitem.

Was soll ich Ihnen sagen: Wir durchfuhren Gegenden mit unzählig vielen Olivenbäumen auf dem Peleponnes. Fruchtbares Land. Den Griechen scheint es einfach sehr gut zu gehen, auch wenn Roma manchmal bettelnd an den Tisch treten und Basilikumpflanzen in kleinen Töpfen verkaufen wollen. Abends, da sitzt man, wenn nicht Zuhause, dann halt im Restaurant und lässt den Wein oder den Ouzo fließen. Gegessen wird meist reichlich und Musik spielt auch so gut wie immer aus einem Radio oder vom Band etc. Wir fuhren nach Koroni, Methoni über Pilos zurück nach Kalamata. Von Kalamata über Gastouni nach Kyllini, wo wir wunderbar gut aßen. Das Restaurant in Gastouni befindet sich unweit eines Denkmals zu Ehren der Gefallenen Griechen in Zypern. Sogar die zyprische Flagge weht dort neben der griechischen. Man wähnt sich schon fast zurück auf Zypern. Geschwommen haben wir in Neochoro, wo es einen riesigen Beach mit feinkörnigem Sand gibt und bester Wasserqualität. Das Meerwasser ist inzwischen erträglich warm. Man schreckt nicht mehr zusammen beim Hineingehen. Kyllini ist ein wirklich kleiner, aber etwas lauter Ort. Sogar morgens um 2 oder 3 Uhr rasen Mopeds durch die Straßen. Anscheinend ist es in Griechenland Mode, Mopeds so laut wie nur möglich dröhnen zu lassen, als würde eine große Maschine vorfahren, so, muss ein Moped offenbar klingen. Tagsüber findet man das ja vielleicht noch lustig, aber nachts vor dem Hotelfenster eher weniger. „Glarentza” heißt hier unser Hotel. Wir können vom Balkon aus sehen, wie die Fähren nach Zakynthos mit Autos und Menschen be- und entladen werden. Es scheinen 3 Schifffahrtsgesellschaften im Geschäft zu sein. Unter anderem fährt eine Fähre von hier aus auch direkt Piräus/Athen.
Die Sonne mag heute eventuell nicht rauskommen – tat sie dann aber doch noch. Es ist viel zu schade, hier zu sitzen und zu schreiben. Da draußen herum zu sein, macht scheinbar mehr Sinn. Ich erlaube uns daher, Sie erstmal mit dem, was hier geschrieben steht, zur Genüge versorgt zu sehen und bitte – wieder einmal – um Nachsicht.
Auf einem Markt fuhren wir vorbei. Der Name der Stadt ist leider untergegangen, irgendwo hinter Myrsinni. Ein riesen großer Sonntagsmarkt. Das Auffälligste daran war, die vielen jungen Männer aus Pakistan und wahrscheinlich auch Bangladesch – hunderte, vielleicht tausende. Die waren wie wir als Gäste dort. Viele andere von ihnen sahen wir auf unserem Roundtrip in den Feldern arbeiten oder auf den Straßen gehend. Es hatte einen kolonialen Touch. Die relative Nähe zur Stadt Patra ist also spürbar, nur, ob wir dort morgen schnell noch vorbeifahren werden, steht bislang noch auf einem anderen Blatt. Verlockend wäre nämlich auch in die Berge zu fahren, um dann in ein Tal mit einer Zahnradbahn zu fahren. Morgen früh werden wir wissen, welcher Entscheid gefällt wurde. Und da wir schon in Richtung Myrsinni unterwegs sind, könnte und sollte ein kurzer Swim im Meer doch wohl drin sein, denke ich.
***
Morgen werden wir zurück in Athen sein. Abends so um 21 Uhr 30 spätestens soll das Auto am Flughafen wieder abgegeben werden. Hoffe, das gelingt ohne Kratzer oder Unfall etc. Von dort aus werden wir dann mit der Bahn in die Stadt fahren, da ich mir nicht wirklich zutraue, mit einem Auto heil durch den Verkehr von Athen zu kommen.

Jetzt sitze ich gerade im Hafen Café von Kyllini. Die Sonne ist heute den ganzen Tag nicht herausgekommen – jetzt ist sie aber wieder da. Wir haben uns trotzdem auf den Weg gemacht und sind über Myrsinni nach Karegori gefahren, wie beschrieben. Wieder einmal sind wir an Feldern voll mit Kräutern und Sträuchern vorbeigefahren. Alles immer noch sehr fruchtbar und längst nicht so gebändigt dastehend wie in Deutschland das Grün – meist. Hier darf Wild noch einigermaßen wild wachsen. Der Beach in Karegori hat gehalten, was im Reiseführer versprochen wurde: weit, klar, sauber. Allerdings stehen unweit davon 2-3 Hotels herum, die überhaupt nicht in die Landschaft passen.
Das Frühstück im Glarenza war recht lecker und hat einigermaßen viel Auswahl. Morgens um 08 Uhr waren wir die Einzigen, die frühstückten. Zu viele wunderschöne Vögel hinter Käfigen sollen uns dort den nötigen Appetit oder Kurzweil verschaffen. Ich weiß es nicht. Was ich aber weiß, ist, dass es schmerzt, so viele Vögel in lieblos gestalteten Käfigen sitzen zu sehen. Die Hinterlassenschaften der armen Viecher – leider – muffeln durchs ganze Haus und somit auch durch den Frühstücksraum – stinken. Schade. Sonst wäre der Laden nicht schlecht als Absteige! Richtig heißes Wasser zum Duschen war nur hier zu haben in all den Hotels, in denen wir untergekommen sind auf dieser Reise. Richtig kochend heißes!

Wir hielten noch irgendwo an zwischen Patras und Athen. Lasen auf unseren Maschinen ausführlich und schlugen so etwas Zeit nützlich tot. Überall, wo wir anhielten, gab es den Code fürs Internet immer ohne Probleme. Das war immer vorhanden. In Athen am Flughafen gaben wir das Auto ohne Kratzer ab, und zwar mitags um 14 Uhr bereits. Allerdings hat mein Reisebegleiter sich keine Bescheinigung darüber geben lassen, dass wir das Auto abgegeben haben: „Der hat was in eine Maschine getippt und sagte, es ist alles in Ordnung!” Also dürfen wir hoffen, dass da nicht noch ein juristischer Eiertanz hinterherkommt. Wir werden es sehen.
Wohnen tun wir im Emporikon Athens. Das liegt in der Aiolou 27. Auf unserem Reservierungsausdruck stand allerdings 27a. Drei Polizisten kamen gerade vorbei, als wir hilflos nach dem Hotel suchten in der Aiolou, denn eine Hausnummer 27a gibt es dort nicht. Komischerweise hat das Hotel auch kein Schild irgendwo angebracht, wo sein Name draufstehen würde. Doch wie aus dem Nichts tauchte ein gut beleibter Mann auf, der uns 10 Meter weiter mit den Polizisten im Schlepptau zur 27 brachte. Wir bedankten uns, und die zogen ihres Weges.
Und ja, das Emporiko ist sehr schön. Ein älteres, vornehmes Wohnhaus aus dem 20. Jahrhundert, dass in eine Art Boutique Hotel umgebaut wurde. Das Zimmer ist wohl als eine Suite mit Balkon zu bezeichnen, der auf die belebte Straße hinausgeht. Gut daran ist, dass ein kleiner Park und eine Kirche rechts und links vor dem Gebäude sich befinden, so dass niemand eine Chance hat, einem in der Unterhose zu sehen – oder sehen zu müssen. Eine vornehme Gegend für innerstädtische Verhältnisse mit recht schönem Ausblick. Eine teilweise ausgemalte, hohe Decke gibt dem Ganzen einen leicht aristokratischen Touch im Zimmer – gut 5 Meter hoch. Die Damen, die das Haus führen, sind ausgesprochen nett, noch netter als es eh bereits all die Tage hindurch der Fall war. Daher wollen wir auch nicht darüber sinnieren, ob das Hotel womöglich am Fiskus vorbei betrieben wird oder nicht. Es soll uns egal sein. Es besiegelt einen wunderschönen Abschluss der Tour. Es ist etwas teurer als sonst – 175 € pro Tag. Gleich unten drin im Gebäude und überhaupt in der ganzen Gegend gibt es viele, viele wunderschöne Cafés, Restaurants und Shops, die vergessen lassen, dass es morgen zurück nach Larnaka geht, wo Alltag wartet – und durchaus auch Meer, nette Leute und so weiter.
Natürlich haben wir auch einen Teil der nach Athen ausgelagerten Documenta besucht. Wir waren zu diesem Zweck in der Kallirrois Straße gegangen, wo ja das National Museum für gegenwärtige Kunst sich befindet. Ein Gebäude, welches uns durchaus etwas an das „Tate Modern“ in London erinnerte. Das Museum war pünktlich um 11 Uhr aufgemacht worden und wir wurden in das oberste Stockwerk geschleust – es führte eine Rolltreppe dorthin. Aus meiner Sicht gab es dort enttäuschend wenig zu sehen. Es war höchst seltsam. Ein Typ stand da herum und saß an einem Tisch, performte. Große monofarbige Flächen hingen an den Wänden. Bilder, die wie Zeichnungen von Kindern aussahen. Das war es. Typisch, dachte es da in mir automatisch. Und da wir schon im 4. Stock waren, wagten wir einfach, im dritten ebenfalls eingelassen zu werden. Und siehe da, das war möglich. Der Herr vor der Tür, der sie zum Hineingehen öffnete und aufhielt, lächelte freundlich und dann wurde das, was es zu sehen gab auch endlich interessant: ein alter Film aus Sri Lanka, der irgendwann mal einen Preis gewonnen hatte (schwarz-weiß), ein weiterer aus dem Iran aus einem Lepralager, der auch von vor langer Zeit war und ebenfalls in schwarz-weiß zu sehen war und eine weitere Performance auf Zelluloid eines Arabers, der im alten Flughafen von Athen einen recht interessanten Monolog hielt. Irgendwann war er dort mal für mehrere Tage festgehalten worden und nun zurückgekehrt, um der Welt sein DING zu schildern.

Athen ist eine Reise wert! Schade, dass es schon zurückgeht – so auch der Peleponnes. Bislang gab es nur eine Stadt in Griechenland, aus der ich sozusagen umgehend floh noch in den 80er Jahren: Alexandropolous. Dahin sollte ich mich mal als nächste Destination auftun und endlich die Insel davorliegend besuchen gehen.

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Der Flug nach Salalah war OK. Eine kleine Maschine ist es gewesen, wo 2 Personen nebeneinander sitzen, nicht 3e wie sonst als. In knapp 70 Minuten waren wir dort angekommen. Ein Taxi oder Shuttle, wie in Aussicht gestellt wird auf der Internetseite des Hilton, wartete allerdings nicht auf uns. Wir durften am Telefon erfahren, ein Shuttle hätte rechtzeitig anfgeordert werden müssen und koste zudem auch Geld. Keiner da, also, der uns abholte. Die Dame an der Information in der Flughafenhalle von Salalah war so nett, uns einen Telefonanruf ans Hilton von ihrem Apparat machen zu lassen, womit schon ein erster Eindruck sich abzuzeichnen begann.

Die Flughafenhalle hat ein recht offenes Ambiente, super-neuer Baustil. Man hat es erst gar nicht versucht, zu orientalisieren, was dem Auge irgendwie gut tat und hoffen lässt. Das wir den Anruf an der Information des Flughafens tätigen konnten, ist nichts Selbstverständliches, hatte ich den Eindruck. Die recht nette junge Frau am Schalter der Info sagte, das Taxi zum Hilton Hotel würde 15 Rial kosten. Die Stimme aus dem Hilton am Telefon sprach indes von 10 Rial und der Herr am Flughafen, der die Taxifahrer einteilt, schrieb auf die Quittung, die er ausgestellt hatte, „7 Rial“. Wie sich herausstellen sollte, schien ihn eventuell die Tatsache zu begeistern, dass ein Deutscher Arabisch mit ihm spricht: „Deutsche sind unsere Freunde!“ Das sagt er vielleicht auch auf Englisch zu dem einen oder anderen Touristen. Kann ja sein, dass der Preis fürs Taxi dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen wird wie bei uns?

Wir fuhren los und kamen nach etwas längerer Fahrt im Hilton an. Gerade hatten wir eine Art Fabrik oder Hafenanlage hinter uns gelassen, als  der Taxifahrer zu unserem Erstaunen dennoch nach rechts abbog. Das Auto fuhr eine Schleife auf einer kleinen Straße in die Richtung, aus der wir gekommen waren.

Zum Hafen wollen wir nicht, war ich drauf und dran zu sagen, als um die Ecke, wir fuhren an einem recht hohen Blechzaun entlang, hinter dem offensichtlich ein Gebäude hochgezogen wird, plötzlich etwas gepflegtes Grün erschien und weiter links dahinter so etwas, wie eine Auffahrt, die nach Hotel aussah – nach etwas chickerem.

Nichts nennswert Schönes, was die Landschaft auf dem Weg ins Hilton bereitgehalten hätte fürs Auge. Keine interessante Architektur weit und breit und auch keine Landschaft, die den Betrachter zumindest anfänglich in ihren Bann zieht.

Dass das Hilton von Salalah unmittelbar an einer Hafenanlage liegt, kann leider auch auf keinem Prospekt der Reiseveranstalter (zum Beispiel FTI oder Sonneklar) gesehen werden – auch nicht, dass man von Transportschiffen geradezu eingekreist ist, die den Blick übers Meer etwas verstellen. 19 Schiffe haben wir in einem ungefähren Abstand von sagen wir 500 Metern zum Ufer gezählt – meistens Frachter.

Unweit des Hiltons, zur rechten, wenn aus dem Hotel getreten wird in Richtung Meer, gibt es eine Art Meeresbusen, auf dessen im Meer gelegenen Rand viele viele Kräne stehen, die wie von Künstlerhand nachempfundene riesen große Krähen aussehen. Nachts leuchten viele Scheinwerfer an ihnen in Richtung Strand, also auch in Richtung Hilton. Es verseucht den schönen Sternenhimmel zwar etwas, doch irgendwie kann diesem Ereignis etwas abgewonnen werden komischerweise. Es hebt den Eindruck auf, in der Einsamkeit des Hiltons nicht so alleine zu sein. Die Scheinwerfer an den eindrücklichen Krähnen strahlen ein gelbliches Licht aus. Erinnerungen an Weihnachten werden unweigerlich wieder wach.

Unmittelbar neben dem Hilton wird also anscheinend ein weiteres Hotel hochgezogen – Baulärm herrscht zwar, doch der scheint gerade in einer Phase zu sein, in der der Lärmpegel der Bauarbeiten nicht so hoch ist. Wie zu erfahren war, können auch Wohnungen hier in der Umgebung gemietet werden. Unweit des Hiltons ist so eine Anlage, von der wir zuerst dachten, Soldaten oder Beamte wohnten dort. Doch einige Tage danach erfuhren wir auf der Fahrt nach Salalah, dass statt des Hiltons durchaus auch diese Option der Unterbringung Sinn machen könnte. Nur, so richtig nahe an Salalah gelegen ist auch dieser Ort noch längst nicht. Soll heißen, ohne Taxi kommt man da nicht wirklich weiter. Auto mieten?

Bevor man ins Hilton kommt, fährt man allerdings auch an einer riesigen Anlage vorbei, aus der einem ganz früh morgens seltsame Düfte in die Nase hunderte Meter entfernt und vor dem Hilton stehend am Meer steigen, bevor man ins Wasser springt. Dort soll Zement hergestellt werden. Im Hilton zu wohnen, bedeutet durchaus, wirklich in der Pampa, das heißt auch, in den Händen des Hilton, seines Personals und in den Händen der Taxifahrer zu sein. Kein Supermarkt weit und breit. Kein kleiner Laden. Nichts, nur Hilton und Taxifahrer, die wie Haie vor der Hotelanlage auf Kundschaft lauern.

Salalah soll die zweitgrößte Stadt im Oman sein und liegt 10 Rial entfernt – Hin- und Zurückfahrt plus der Option, den Fahrer ein oder zwei Stunden auf sich warten zu lassen, kostet dieser Spaß. Salalah ist in etwa 5 km vom Hilton entfernt gelegen.

Der Taxifahrer, den wir am Flughafen von Salalah zugewiesen bekommen hatten, bestand auf 10 Rial, obgleich auf der Quittung ja „7“ stand. Wir gingen ins Hilton und bezahlten den Taxifahrer vorerst nicht, der die 7 Rial nicht akzeptieren wollte, die wir mehrmals beabsichtigten, ihm zu geben. Er nähme „immer“ 10 Rial. Dem Rezeptionist erklärten wird, dass da noch ein Taxifahrer auf sein Geld draußen vor der Tür wartet, der unseren Beleg über 7 Rial nicht anerkenne. Bei der Gelegenheit baten wir gleich darum, dass das Hilton Hotel bestens gleich diese Angelegenheit erledigte, indem es die Kosten für das Taxi übernimmt, da ja im Internet von Shuttle die Rede sei, der angeblich andauernd hin und her fahre. Und ein Shuttle bedeutet ja wohl nicht, dass dafür gezahlt werden muss als Gast des Hotels. Sogar der Shuttle vom Golden Tulip in Muskat war wie selbstverständlich umsonst.

Ja, wir hätten uns doch rechtzeitig anmelden müssen für den Shuttle, wiederholte der Rezeptionist, und überhaupt wäre uns dieser Service eh teurer gekommen als ein Taxi. Das stünde so aber nicht im Internet, sagten wir.

Es ging dann noch etwas hin und her und ich dachte, bevor der Taxifahrer mit seinem womöglich kriegerischen Stamm zurückkehrt wegen 3 Rial oder eine Knarre zieht und uns abknallt, und bevor ich die Lust an allem verliere, mich verschaukelt fühle, zahlen wir halt, so dass endlich Ruhe herrscht.

Vielleicht war die Aussicht auf solch unerfreuliche Diskussion mit dem Fahrer auch der Grund, warum dieser die ganze Fahrt über äußerst düster drein blickte und kein Wort sprach hinter seiner tief schwarzen Sonnenbrille. „Bitte sehr“, dachte ich da nur.

Unsere Ruhe, die hatten wir dann aber noch nicht ganz gefunden oder erworben, als wir endlich im Zimmer tiefer zu schnaufen begangen. Denn im Internet steht auf der Seite des Hilton Hotels auch etwas von „Free Wifi“. Doch wenn der von freien Zugängen verwöhnte Browser unseres Laptops mit der Webseite des Hilton Hotels zusammenrasselt, ist plötzlich zu lesen, dass das Hotel knapp 20 Euro am Tag für eine Internetverbindung abknöpfen möchte.

Das wir von „freiem Internetzugang“ gelesen hatten, erklärten wir den Herrschaften von der Rezeption vom Zimmer aus. Das Zimmer ist eigentlich gar nicht so schlecht, ebenerdig. Und wenn nicht gerade fünf Minuten nachdem wir dort eingezogen waren, jemand in einer Staubwolke aus Gift gehüllt vor unserem Raum vorbeigekommen wäre, wäre die Ruhe gewiss schneller eingezogen. Der Giftverspritzer sah irgendwie aus, als wäre er aus Utopia angekommen, als würden die zu erledigenden Stechmücken so groß sein wie einst, als noch Mammuts oder Dinosaurier lebten. Wie in einem Schreiben der Hotel-Direktion steht, welches den Gästen in den jeweiligen Zimmern seine Aufwartung macht, geschieht diese Giftverspritzzeremonie jeden Tag um diese Zeit, also in etwa um 17 Uhr.

Wie wir später sehen konnten, ist unter anderen auch der Ort unter Stechmückengift-Beschuss, an dem danach gegessen und getrunken wird, das Restaurant und die Bar, die, wie sich herausstellt, wird die letztere immer interessanter nachts. Wahrscheinlich ist sie etwas wie ein wichtiger Teil des hiesigen Nachtlebens, wo Mensch sich trifft. Bis morgens um 3 Uhr geht dort die Post ab. Viele der Besucher dieser beiden Orte dürften sich dessen nicht bewusst sein, dass Stühle, Tische und die Pflanzen, die die Terrassen dieser beiden Orte zieren, sozusagen tröpfchenweise ihre giftige Fracht in die Nasen, auf die Hände und in die Getränke und Essen auf die eine oder andere Weise abgeben. Gruß an die Leber, oder ist die Milz dafür mehr zuständig?! Jedenfalls ist die Bar gut besucht von bis nachts um Drei lärmenden Einheimischen. Die Fenster der Zimmer scheinen aber einigermaßen gut gedichtet zu sein, so dass der Lärm wahrscheinlich für alle Beteiligten erträglich zu sein scheint. Sogar Alkohol wird ausgeschenkt, auch an die Omanen.

Nun, die Herrschaften von der Rezeption hatten uns wohl noch in Erinnerung, als wir des freien Interenetzugangs wegen anriefen und zeigten sich entgegenkommend. Da muss man doch vor Dankbarkeit eigentlich schon in den Boden sinken.

Wir sollten doch bestens Mitglieder des Blue- SonstwasClub des weltweiten Hilton Imperiums werden und dann könnten wir Wifi „umsonst“ haben. Versteht sich, dass einer von uns ob der Mildtätigkeit nochmals zurück an die Rezeption musste, um die Mitgliedschaft, die angeblich nichts kosten soll, klar zu machen. Später erfuhren wir, andere Reisende erhielten ihren Anschluss ohne Heck-Meck an der Rezeption. Das waren allerdings auch diejenigen, die in Gruppe unterwegs sind. Die können offenbar auch bis 20 oder 21 Uhr ihr Zimmer behalten, bevor sie an den Flughafen fahren, wahrscheinlich plus Shuttle ohne Zusatzkosten. Uns wurde schon mal die Auskunft gegeben, dass ab 15 Uhr das Zimmer geräumt sein müsse am Tag unseres Abfluges, ansonsten müsste „leider“ pro Stunde ein Aufschlag von umgerechnet knapp 20 Euro einkassiert werden.

Dass die zuvor erwähnte Mitgliedschaft im Blue Club des Hiltons wirklich nichts kostet und keine derartigen Folgen hat, glaube ich erst, wenn die Abrechnung der Kreditkarte in 1 oder 2 Monaten oder am Ende des Jahres 2016 nichts dergleichen ausweist.

Den Weg zum nahen Strand fanden wir am Tag unserer Ankunft irgendwie nicht mehr. Zwar war die Sonne noch anwesend, doch leider kann die Tür, die von unserem Zimmer direkt raus zum Strand führt, nicht so zugezogen werden von außen, dass sie niemand anders aufmachen kann, wenn man sich entfernt hat. Es gilt den Umweg über die Rezeption und vorbei an den Läden und den Restaurants zu machen etc. Wir entschieden uns – wohl auch daher – für das Gym.

Die Geräte im Fitness-Raum sind nicht schlecht. Ich versteh davon leider wenig. Die Geräte scheinen technisch jedenfalls so toll zu sein, dass ich die Knöpfchen meist nicht so gestellt oder gedrückt bekomme, dass dabei so ungefähr das raus kommt, was ich mir vorstelle. Anscheinend sind im Fitness auch ein oder zwei junge Männer angestellt, die beim Gewichtetraining etc. helfen. Sah gewaltig nach Stress und Zwang aus, was die anzubieten hatten. Und dass da mal jemand rüber gekommen wäre von denen und uns beim einstellen der Elektronik geholfen hätte, war offensichtlich nicht drin.

Ich kenn mich in Sachen Sport jedenfalls gut aus, insbesondere beim Sport für Ungeübte oder Ältere. Habe die verschiedensten Sportarten hinter mir. Diese Helfer oder Trainer im Gym des Hilton von Salalah, sagen wir mal, sind von der alten Schule. Armes Kreuz, arme Gelenke, arme Fitnessfreunde höherer Semester. Zwei ältere Herren hatten die beiden in der Mangel, als wir dort waren. Ein Wunder, dass nicht schon vor Ort was geschehen ist. Gern hätte ich die beiden den anderen Morgen danach mal befragt, wie es ihnen geht.

Ja, irgendwie ist der Gym dennoch OK. Wirkt etwas beengend, hat kleine Fenster, die nicht geöffnet werden. Warum? Vielleicht damit die verschleierten Frauen, die an diesem Ort von außen zufällig vorübergehen könnten, die (werdenden) Muskelmänner nicht stöhnen hören?

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Gut geschlafen. Ein relativ weiches Bett scheint vor steifem Rücken früh morgens zu schützen. Immer mehr Zweifel ich daran, dass der Kauf meines Futon eine gute Idee war, denn ich wache recht häufig steif wie ein Stock nahezu auf – egal, wie viel ich mich den Tag davor bewegt habe. Das Frühstück war ganz OK im Tulip. Die Bediensteten, zum Beispiel einer aus Kamerun, sind im Restaurant, der auch gleichzeitig Frühstückssaal ist, recht freundlich.

Die Fahrt mit einem Taxi vom Hotel in die Stadt kostete 10 Rial, war an der Rezeption zu erfahren. Die Frau, mit der wir sprachen, war eventuell die Besitzerin, und sie wies den Taxifahrer auch an, uns in die Altstadt zu fahren. Der Rial steht bei etwa einem Euro zu 0, 25 Rial. Vor diesem Hintergrund kommt mir die Taxifahrt schon etwas teuer vor, obgleich die Strecke in die Stadt nicht gerade kurz war. Der Spritpreis ist indes scheint noch immer erträglich gering. Er dürfte so bei 30 Cent pro Liter liegen.
Und dann kamen wir im Bezirk Mattrah an, diesem sagenumwobenen Stadtteil von Muskat. Das ist ‚der‘ Ort in Muskat. Mattrah sei tausend und eine Nacht. 3.000 v. Chr. soll es bereits menschliche Siedlungen im Oman gegeben haben. Keine Angst, davon liegt im Suq von Mattrah gewiss nichts zum Kauf herum. 630 n. Chr. Wurde der Oman islamisiert. Es wurde zu einem Teil des Khalifat. Eine islamische Sekte namens Ibaditen gründeten ein unabhängiges Imamat. Das war im 9. Jahrhundert. Dann kamen die Perser, danach die Portugiesen. Zwischenzeitlich behaupten sich die Omanen etwas als Seemacht auf dem Indischen Ozean. Einge Stätten des Landes wurden zu wichtigen Handelsstätten. Der Sultan entstammt der Said-Dynastie, die das Land seit ungefähr 1750 beherrscht. 1958 machen sich die Briten breit. Die letzteren helfen, das Land 1958 zu vereinigen. Schon 1961 wird die Erdölförderung zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor. 1973 werden diplomatische Beziehungen zur Schweiz aufgenommen. Die Eidgenossen spielen heute keine ausschlaggebende Rolle im Lande. Ihre Chance scheinen sie offenbar nicht genutzt zu haben. Wahrscheinlich ist den Schweizern der Oman ökonomisch zu unbedeutend gewesen und das politische System, wer weiß, zu undurchsichtig und zu anstrengend. Jedenfalls machten sich die Deutschen bereits 1973 etwas breit im Oman. Zum Beispiel in Sachen Luftverkehr etc. Seit 1970, schreibt ein Merkblatt für Touristen, welches im Hilton von Salalah – Oman ausliegt „[regiert der] absolutistische Herrscher Sultan Qabus … das Land … .
Was wir indes im Suq von Mattrah sahen, war ausgiebig Plastik und nochmals Plastikartikel zum Kauf feil geboten sowie überwiegend kleine Geschäfte, die voll mit Goldschmuck waren und eher wenig alte Kultur. Im Grunde ist das, was dort geboten wird, recht eintönig und einfallslos im Gegensatz zu dem, was das Alte Arabien einst aufzuweisen hatte: Kultur, Kunst, Wissenschaft.
Wer fährt schon in den Oman solches Geklumber zu kaufen? Wahrscheinlich reicht meine Phantasie und Menschenkenntnis nicht, um mir diesen Touristen, meinetwegen aus Deutschland kommend, vorstellen zu können.
Der sogenannte Suq in Mattrah – Muskat ist architektonisch absolut unspektakulär. Es handelt sich um ganz banale einstöckige Betonhäuschen, die ihn umstellen. Deren Wände sind einst weiß gewesen. Die Dächer sind flach wie das, was womöglich den kulturellen Istzustand von heute bezeichnet?
Eine große Enttäuschung.
Lediglich im Zentrum des dürftig großen Suq ist eine wahrscheinlich alte hölzerne Decke zu sehen, die so dunkel gehalten ist, dass sie uns erst beim dritten Durchgang aufgefallen ist. Weil die Augen kleben halt doch auf dem, was angeboten wird und auf den Gesichtern der Menschen.
Wenn in diesem Suq herumgelaufen wird, versteht man aufs Mal, dass die Bilder im TV und in Broschüren gekauft sein müssen. Anders kann es einfach nicht (mehr) sein. Das soll bedeuten: Die Leute, die diese tollen Berichte von dem angeblich tollen Markt in Mattrah machen, filmen diese Einöde dort so ab, dass man in der europäischen Ferne wirklich ins Träumen gerät von Tausend und Einer Nacht, die im Oman noch existiert.
Somit steht fest: Das alte, schöne Arabien ist wahrscheinlich nur noch in Sanaa, Jemen, zu sehen, wenn die Saudis und ihre Verbündeten noch was davon übriglassen. Teheran und Istanbul sind ja bekanntlich nicht Arabisch. Nur teilweise.

Dass Teile der Presse und der Medien, die ihre angebliche Unabhängigkeit so gern hervorheben, einem einfach nicht sooo unabhängig erscheinen, beweist also die Tatsache, dass der Suq von Muskat – Oman ein schlechter Witz ist im Vergleich zu dem, was man sonst darüber so liest und sieht.
An dem Vorwurf “Lügenpresse“ haben die Herren und Damen von der Presse und den Medien kräftig mit gezimmert und tun es immer noch. So ein Lämplein ging mir schon mal auf, doch schnell war es wieder verdrängt, als ich in den Iran fuhr in den 90er Jahren. Dort stellte ich äußerst verwundert immer wieder fest, dass meine vorgefertigten Bilder über Land und Leute und dem schrecklichen Regime, welches dort herrschen soll, einfach nicht zutreffend sind. Sogar auf Grund meines Studiums der Iranistik war ich nicht befreit von dieser Indoktrination. Persisch, dachte ich gerade, könnte hier in Oman durchaus ein weiteres, wichtiges Mittel sein, um tiefer in die Gesellschaft Einblick zu erhalten. Arabisch etwas zu sprechen, scheint es definitiv zu sein. Es öffnet den Zugang immens. Das zeigt sich in ihren Gesichtern, die von versteinert zu warmherzige dreinschauend sich wandeln.
Dennoch:

Es kann doch nicht sein, dass niemand diese Plastikartikel, wahrscheinlich made in China, in Dokumentarfilmen nicht zeigt. Diese Geschäfte sind dort im Zug fast gar genau so Zentral gelegen wie diejenigen, die Schmuck aus Gold verkaufen.
Und dass niemand den Dreck unmittelbar hinter dem Suq, an diesen angrenzend, mit seiner Kamera aufnimmt, der beinahe schon an Orte erinnert, wo man solchen Unrat ansonsten verortet und weiß, dass es dort so aussieht, bestätigt schon geradezu, dass verfälschend berichtet wird. Anstatt wird ein Bild von diesem Suq und dieser Stadt verbreitet und aufrecht gehalten, welches einfach nicht der Realität entspricht.
Und wenn der Sultan tausend Mal in die Medien setzen lässt, er habe angeordnet, die Straßen seien sauber zu halten!
OK, das ist wohl auch der Fall, nur es gibt eben die Bereiche neben den Hauptstraßen vordringlich, wo Fremde durchaus auch Geld ausgeben gehen und sich, wie ich, wundern dürften.
Am Rande des Suq in Mattrah gibt es zum Beispiel eine öffentliche Toilette, die stinkt bis in den Bereich des Suq, wo Gold verkauft wird an jener Abzweigung. Männer stehen vor der total versifften Toilette an, um sich zu entleeren. So erging es auch mir. Doch je näher ich der vor Schmutz stehenden Tür kam, desto weniger Lust überkam mich, die Tür demnächst anfassen zu sollen und dann in der Toilette selbst, womöglich noch was vorzufinden? So genau wollte ich es dann doch nicht wissen, früh morgens. Ich zog vor, mich etwas zusammen zu reißen und kehrte unverrichteter Dinge um. Bevor wir einen Kaffee in einem der Cafés davor bestellten, fragte ich nach einer Toilette. Die war im zweiten Stock. Im Vergleich zu dem, was ich davor gesehen hatte, na ja. Ging so. Doch wenn man bedenkt, dass da Männlein und Frauen drauf gehen, wo unten am Boden der Toilette, innen, schon alles ekelig braun in der Farbe von Sch… ist, dann fragt man sich unweigerlich: Muss das so sein?
Uuaah!
Die Altstadt von Jemen ist wahrscheinlich der einzige verbliebene Ort, der das alte Arabien genannt werden kann. Es ist allerdings zu befürchten, dass das eventuell nicht mehr viel länger der Fall sein wird. Die Auseinandersetzungen dort scheinen anstatt ihr Ende zu haben, gerade erst so recht in Aufschwung zu geraten.

Und weil dieser Markt oder Suq in Mattrah so schräg und komisch war und wir bei der Gelegenheit feststellten, dass uns der Taxifahrer nicht in der „Old Town“ abgesetzt hatte, wie wir es angefragt hatten, sondern eben in Mattrah, machten wir uns zu Fuß auf den Weg dorthin. Knapp 45 Minuten an der sogenannten Cornich in der Sonne galt es zu gehen. Das Wasser im Meer schien sauber zu sein. Und dann standen wir vor einer weiteren, angeblich sehenswerten Anlage, dem Palast des Sultans. In der Stadt Salalah, wurde uns Tage später vom Taxifahrer gesagt, soll der Sultan schon volle 15 Jahre nicht mehr in seinen dortigen Prachtbauten vorbeigeschaut haben.
Gestaunt habe ich dort in der Old Town von Muskat über die Dreistheit, einem so etwas als Attraktion heiß zu machen, wie auch die Pforte zur Altstadt, die nicht älter als 50 Jahre sein kann. Kann ja sein, dass der Palast von drinnen wunderschön ist. Doch was wir Fußvolk sehen dürfen, ist so viel wie Nothing davon von außen! „Der Untertan“, wie in Heinrich Mann in seinem gleichlautenden Roman zeichnete, lässt grüßen?

Außerdem war es dann an diesem zweiten Tag schon 12 Uhr geworden, als wir dort angekommen waren, und von 13 Uhr bis 16 Uhr ist ja bekanntlich „alles“ geschlossen, also auch der Suq und die Altstadt, wahrscheinlich das ganze Land. Niemand scheint groß unterwegs zu sein, außer den Bediensteten und Taxifahrern.

Wir nahmen dann ein Taxi nach Ruwi von der Altstadt aus, die wir davor auf der Suche nach etwas Altem durchgangen waren. Im Stadtteil Ruwi soll das Handelszentrum von Muskat sein und Restaurants. Unsere Vorstellung von Restaurant wurde jedenfalls auch hier vernichtet. Handys und noch mals Handys zum Verkauf gab es anstatt. Eine arabische Tastatur für den Computer oder gar einen tragbaren Drucker oder aber ein Restaurant waren nirgends aufzutreiben. Kein Restaurant, welches – sagen wir es doch offen – höherklassig wirkte.
Wie auch in Mattrah waren die Seitenstraßen und die Straßen hinter den Hauptsraßen in wüstem Zustand und die eine Hauptstraße, wie auch die andere, nicht wesentlich besser. Und überall, sagen wir zu 88 % trifft man auf Asiaten. Nicht, dass ich was gegen Menschen aus Indien, Pakistan oder Nepal etc. hätte, doch als Arabischsprecher möchte man halt schon gern mal Arabisch reden. Außerdem kam ich nicht allein des in Aussicht gestellten 1001-Feelings nach dem Oman, welches ja, wenn überhaupt, offenbar nur vermittels der Kleidung der Leute eingeholt werden kann.
Die Architektur vor Ort bietet das gewiss nicht befriedigend. Was geboten wird, kann man gewiss auch irgendwo in Mexiko sehen – die Moscheen ausgenommen. Ähnlich zumindest.

Wie zu erfahren war, müsste eigentlich die ganze Zeit Taxi gefahren werden, um Omanis live zu erleben und überhaupt zu treffen – lediglich Männer, versteht sich. Nur Omanis dürfen nämlich als Taxifahrer tätig sein, im Gegensatz zu Dubai, wo uns stets Pakistaner durch die Gegend kutschierten, als wir vor ein paar Jahren dort waren und schon bald, sehr bald, den Sopping-Palast-Koller schoben. Auch nur Omanis dürfen weiße Galabia tragen, nach dem, was mir ein Taxifahrer sagte, mit dem typischen Hütchen der Omanen oder der braun-weißen Kopftuchbedeckung auf. Dolche wie die Jemeniten tragen sie in Muskat nicht.
Der Kontakt zu zwei omanischen Taxifahrern ist indes recht vielversprechend und angenehm gewesen, doch die Art und Weise, wie Muskat wirkt, die Öde im Suq, der Dreck dahinter, der Weg zur Stadt, ist optisch eher ein Flopp.

In Ruwi aßen wir dann auch in einem indischen Restaurant. Ansonsten gibt es anscheinend nur Imbissbuden. Wir wollten gar nicht erfahren, ob die dort auch arabisches Essen anbieten. Selten ist uns nach Snacks stehend am Rande einer Straße unweit zivilisatorischen Drecks, der angehäuft in Ecken zu sehen ist, zumute, der mal näher, mal etwas weiter das Panorama in Richtung der Slums von Kalkutta zieht. Die steuerten wir also nicht an, auch, weil wir nicht tagelang auf der Toilette verbringen wollen und außerdem sind wir nicht zum sparen gekommen. Nein, wir kommen hier im Gewand eines ganz ’normalen‘ unbedarften Touristen an und wollen von unseren Erlebnissen möglichst uneinvorgenommen berichten und das Land, von dem wir glaubten, es fließe Milch und Honig, genießen.
Es schmeckte wirklich gut bei dem Inder. Der Besitzer des Restaurants war sehr nett und äußerst zuvorkommend. Er sprach sogar Englisch, dem Arabischen war er aber nicht mächtig. Auffallend sauber war es in seinem Restaurant. Es gab nur indische Küche, mit der wir kein Problem haben – im Gegenteil. Das Ding mit der Sauberkeit muss betont werden, da die unmittelbare Umgebung des Restaurants, die Straße, in dem es lag, entsprechend schmutzig und unaufgeräumt wirkte – lediglich ein Straßenzug hinter der einen Hauptstraße in Ruwi.

Ein ganz ’normales‘ Café in Muskat zu finden, scheint zumindest in Ruwi, der Old Town und Mattrah nicht gegeben. OK, in Mattrah gibt es ein Café, unweit der vor Anker liegenden Protzjacht des Sultans, in das man reinsitzen kann. Versteht sich, betrieben von Indern oder Pakistanern, die aber recht unfreundlich dreinschauen. Wahrscheinlich werden auch die mies bezahlt und haben wilde Arbeitszeiten (16 Stunden?).
Wie ich abends im omanischen Fernsehen auf dem Bett liegend sehen konnte, als ein Reporter einem arabischsprachigen Publikum erklärte, wie reizvoll doch Mattrah sei, dass er sich in dem Restaurant befand, wo die Treppe ein Stockwerk hoch gegangen werden muss, unweit von dort, wo wir gesessen haben, um in jenes Restaurant zu gelangen. Interessant war, dass er von der tollen Aussicht sprach und dem schönen Restaurant, dem unvergleichlich schönen Suq und Aussicht, jedoch die Kamera, die ihn aufnahm, machte keinen Schwenk von ihm weg, sondern blieb beeindruckend lang und brav auf sein Gesicht geheftet.
Da ich zeitlich davor in Mattrah gewesen war, war mir unvermittels klar, dass auch hier gerade Hirne gewaschen wurden, und zwar mit manipulierten Bildern und unerfüllten Sehnsüchten.

Man hat nicht nur dort auf den Plastikstühlen unweit dieses Restaurants das Gefühl, es mit Menschen zu tun zu haben, die halt ihren Job tun im Servicebereich – dich abfüttern und dann ist aber auch bitte sehr fertig und genug mit lustig, wie man sagt. Selten mal ein freundliches Lächeln, der Eindruck, man würde irgendwo exklusiv oder netter sitzen.
OK, damit kann ich leben, dass es nicht so obertoll ist, wenn da nicht die Preise wären und nicht die Frage aufkäme: Was verdienen die hier? Unter welchen Bedingungen arbeiten die eigentlich?

Eine Deutsche, auf die wir wenig später im Hilton von Salalah trafen, sagt, sie hätte „ihren Boy“ gefragt, der die Etage anscheinend allein sauber hält (25 Zimmer), er verdiene blank auf die Kralle genau 100 Rial im Monat, also 250 Euro. Das Essen und Schlafen sind ‚frei‘, ob die Flugtickets nach Bangladesch oder Pakistan vom Hilton bezahlt werden, wusste sie leider nicht zu berichten. Des Weiteren meinte sie, der Etagenboy habe ihr geklagt, dass seit Sonnenklar die Flüge nach dem Oman vorrangig aus Deutschland bedient, kämen Touristen, die auf Halbpension gebucht, den absoluten Anspruch hätten, ohne jedoch wie einst dafür entsprechend ein Trinkgeld liegen zu lassen. An der Rezption des zuvor genannten Hilton fragte ich um 20 Uhr einen jungen Mann, der schon morgens um 8 da gestanden war, wieviel Stunden er denn noch hier stehen wolle. Er meinte, er würde täglich 16 Stunden abreisen. Der Arme.

Das Café-Leben für Europäer oder Touristen in Muscat spielt sich scheinbar an Plastiktischen und auf Plastikstühlen ab, unweit einer Hauptstraße an der sogenannten Cornich, wo der eine oder andere Service-Leister aus Asien Hosen anhat, die er vielleicht schon länger als ein paar Wochen trägt. Alles, was hinter den Hauptstraßen gelegen als Café operiert in den Teilen Muskats, die wir besuchten, lässt gewiss zweimal fragen, ob man da reingehen will. Und wie gesagt, der Suq in Mattrah ist ein schlechter Witz – ein Hype sondergleichen.

Außer Weihrauch müsste doch eigentlich auch der Kaffee im Oman eine Rolle spielen. Der schmeckt dort aber, nun ja, gerade mal so. Wird unter dem Namen „Türkischer Kaffee“ verkauft. Im Jemen hieß der ganz selbstbewusst und selbstverständlich „Kaffee“. Sogar die griechischsprachigen Zyprer im Süden der Insel sagen zu ihrem Kaffee „Kipriako“. Es ist der, den man also auch in der Türkei trinkt oder im Libanon, versteht sich unter anderen Namen, wo er mir persönlich am besten schmeckt. Der Kaffee, der in Oman die Runde macht, erinnert an das Gebräu, welches ich glaube manchmal in der Altstadt von Sanaa verabreicht bekommen zu haben. Den arabischen Namen dafür habe ich vergessen. Mir wurde damals erklärt, dieser Kaffee sei aus den Schalen des Kaffees gewonnen worden. Schlecht schmeckt der auch nicht, aber er ist halt nicht wirklich das, was man so unter Kaffee versteht. Obgleich, in Südamerika soll der schlechte, eigentlich nicht verkäufliche Kaffee ja eh vorwiegend nach Deutschland verkauft werden, da die vor lauter „Geiz ist geil“ meist diesen für ihre Bevölkerung kaufen, die so daran gewöhnt, das Gebräu inzwischen richtig gut findet. Der viel verkaufte „Jacobs Kaffee“ ist in einem Beitrag, der die Qualität der Kaffees in Deutschland maß, der Negativ-Renner gewesen.

Abends, das Essen im Hotel Golden Tulip war dann irgendwie OK. Büffet. Das Bier danach konnten wir vor der Rezeption sitzend nicht zu Ende trinken. Wir mussten uns – noch immer im Vorraum der Rezeption – in eine Ecke nahe dem Restaurant setzen, um den Schein zu wahren. Welchen Schein? Gute Frage.

Morgens beim Frühstück kam es zu keinen Höhe- oder Tiefpunkten. Das Gym war einigermaßen gut. Ich finde es besser als das hier in Salalah im Hilton. Der Transfer vom Golden Tulip zum Flughafen verlief reibungslos. Wir lernten, dass die ausgewiesenen Preise in omanischen Hotels noch längst nicht die sind, die letztendlich zu bezahlen sind. Da gibt es nämlich noch allerhand Steuern, die im Nachhinein draufgeklatscht werden. Daher gilt es, eventuell, mit den Trinkgeldern sparsamer umzugehen, die da irgendwie mit drin sein sollen?! Und beim Bezahlen mit Kreditkarte immer schön darauf achten, dass man Ihnen keine Service-Gebühr von 2,5 % abzieht, weil die müssen nämlich nicht Sie, sondern derjenige, der Ihnen zum Beispiel eine Rundreise oder Tagestrip verkauft, bezahlen.

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Auf dem Weg nach Oman. In das Land also, wo im Arabischen ein kleines schräges „e“ über dem Anfangsbuchstaben steht, so dass kein Zweifel daran besteht, dass ein U oder O-Laut ausgesprochen werden muss über dem Buchstaben „AIN“.
Es fiel uns wirklich nichts Besseres ein, nach Durchsicht der Länder, die man besuchen kann, und die nicht gleich erforderlich machen, dass man 10 Stunden und mehr in einem Flieger sitzt. Wir empfanden es beide – wahrscheinlich zum ersten Mal in unseren Leben – recht angenehm, dass in Doha, der Hauptstadt von Qatar, ein Umstieg weitere 3 oder 4 Stunden unserer Reisezeit beanspruchte. Beinchen vertreten. Sehen, was es so in den Flughafen-Shops gibt. Alles Mögliche gibt es zu kaufen, aber leider keine arabischsprachige Tastatur für den Computer.
Kann auch nicht wirklich erwartet werden, so etwas in einem Duty Free zu finden, wurde mir gesagt. Recht angebracht hätte ich aber gefunden, mindestens ein zweisprachiges, literarisches Buch kaufen zu können: Arabisch – Deutsch oder Arabisch – Englisch. Stimmt, Arabisch – Griechisch wäre mir am liebsten.
Glücklicherweise habe ich ein solches Buch auf Arabisch – Englisch dabei, noch aus der Zeit, als ich im Jemen war – lang, lang ist es her, Jane Austen’s: „Stolz und Vorurteil“. Ein Klassiker der englischen Literatur, der, finde ich, atmosphärisch recht gut in den Arabischen Gulf passen könnte?
Wir werden sehen.

Als wir via Internet den Flug und Hotel buchten, waren wir noch ziemlich davon überzeugt, das Richtige zu tun. Mit den wachsenden, kriegerischen Spannungen in der Region, insbesonders seit Saudi Arabien und der Iran sich anblaffen – vorerst? –, sind wir uns da schon nicht mehr so sicher. Als einstiger Nahostexperte habe ich noch nicht so ganz abgepeilt, wo sich der Oman in diesem Konflikt zwischen dem Iran und Saudi Arabien eigentlich wirklich verortet. Denke, den Nahostexperten werde ich nochmal auffrischen in nächster Zeit. Die Zeit dazu scheint wirklich gekommen.

Gestern stand in der englischen Ausgabe einer omanischen Zeitung, die im Hotel auslag, dass vom omanischen Sultan und seinen Beratern beachsichtigt wird, die Flüge nach dem Iran zu erhöhen, demnächst auf 40 in der Woche. Das wäre so um das Doppelte mehr. Ähnliches wollten die Jemeniten ja auch mal tun. Wir alle wissen inzwischen, was ihnen das eingebracht hat: saudische Bomben auf den Kopf. Leider halten sich die USA und ihre Verbündeten im Jemen auch nicht gerade zurück mit ihren Bomben, wahrscheinlich aber eher wegen der al Qaida und der IS etc. US-Militär im Oman anzutreffen, scheint nicht schwer zu sein – in Hotels, in Restaurants. Eben wurden 10 Jemeniten aus Guantanamo nach Jahren der Haft nach dem Oman ausgeflogen. Möchte nicht wissen, was passiert, wenn die hier locker sich vergnügenden Amis auf einen von denen treffen irgendwo in einer Straße.

Wie dem auch sei, mit Gastfreundschaft gegenüber den mehrheitlich schiitischen Iranern dürfte das politische Verhalten der omanischen Regierung wohl wenig zu tun haben. Eher damit, dass die Iraner im Oman recht viel Geld liegen lassen und man sowieso Handel miteinander treibt – vermutlich noch immer rege. Und die Übernahme der Jemeniten aus Guantanmo ist wohl als Art Good Will Geste gegenüber den USA zu verstehen und anderen Staaten, die sich weigern, solche, eventuell gefährlichen, Leute aufzunehmen. Bekanntlich haben nicht wenige europäische Staaten ein Problem damit.
Eine schiitische Moschee, die im Viertel Mattrah von Muscat genau da steht, wo noch eine Fassade von vielleicht 20 Metern Länge einstiger, schöner orientalischer Architektur des Oman übrig geblieben ist, scheint das Gesagte zu bestätigen – vor dem Hafen unweit des Fischmarktes. Von dort will ein deutscher Tourist, den wir trafen, Schnellboote in Richtung Iran los saussen gesehen haben, so schnell, dass er die nicht mal rechtzeitig auf einem Foto festhalten konnte.

Einig sind wir uns darin, verehrte Leser, und weil gerade die Rede von Gastfreundschaft war, dass die Typen, die die Gastfreundschaft der gemerkelten Deutschen vor dem Hauptbahnhof von Köln und andernorts missbrauch(t)en, eine klare Ansage brauchen. So klar, dass sie genötigt sind zukünftig, ihr wahres Gesicht besser gleich rechtzeitiger, nämlich an der Grenze meinetwegen zu Lesbos, aber spätestens zu Österreich zu zeigen. Vergewaltigung geht nämlich gar nicht. Und vergewaltigen, ist ja eh so eine Frage der Auffassung.
Vergewaltigt man tendenziell beispielsweise auch jemanden, der in einer Hotelanlage sich eingekauft hat als Tourist und für das Nötigste – im Falle eines Aufenthaltes in der Wüste ist das Nötigste wohl Wasser – teuer bezahlen soll müssen?

Nun, wir alle waren außerdem gewarnt. So um das Jahr 1976 hatten wir in Deutschland eine Zeit lang vorwiegend libanesische, aber auch syrische und vor allem palästinensische Flüchtlinge, die ins Land kamen. Meistens junge Männer, Alleinreisende. In Stadtteilen wie Neukölln und Schöneberg von Berlin können die Polizisten und Kriminalbeamten gewiss noch immer ein Liedchen über einige, längst nicht alle, arabischen Familienclans singen, die mit jener Welle ins Land kamen. Hinzu kommt, viele von ihnen haben gern auch noch eine kurdische Komponente aufzuweisen, oder wie man dazu eleganter sagte. Diese Komponente soll den Umgang und die sogenannte Integration nicht unbedingt erleichtern, was hier allerdings auch nicht besagen soll, dass Kurden besonders schwierige Menschen seien. Es ist hier eher indirekt der Verweis darauf formuliert, dass viele Fliehende die gerade in Deutschland angekommen sind oder noch ankommen, im wahrsten Sinne etwas wie Staatszugehörigkeit eigentlich nicht kennen, sich lieber in Clanzugehörigkeiten definieren. Der eine oder andere Pass, den sie bei sich tragen, wenn überhaupt, ist für viele, längst nicht alle, so etwas wie Zierwerk lediglich. Insofern verwunderte mich nicht zu lesen, dass in Köln einige dieser angeblichen Syrer, die von der Polizei aufgefordert worden sind, das Gelände zu verlassen, ihre Pässe verbrandt oder verrissen haben sollen vor den Augen der Staatsmacht. Oder das einer sogar an die 7 Identitäten angegeben haben soll.
Diese Dokumente sagen also vielen unter den Geflüchteten eher wenig. Vielen ist das Papierzeug eh etwas von außen ihnen seit Jahrhunderten Aufgedrängtes. Nicht wenige unter ihnen glauben inzwischen zu wissen, dass es ihnen wenig dienlich ist und sein wird, erfasst zu sein.
Kurz: Man lässt sich nicht gerne festlegen von einem System, welches einen eh, wie die Geschichte zeigt, letztlich im Stich lässt und reinlegt. Das denken viele derer, die nicht im verbarrikadierten Europa aufwuchsen. So ungefähr und noch ganz anders muss man sich das, was in einigen vielen Flüchtlingsköpfen vorgeht, vergegenwärtigen, wenn die in den angesprochenen Clanstrukturen Steckenden und im Rausch sich durch ein fremdes Land ‚Schlagenden‘ mit Flaschen nach Uniformen werfen, Mädchen begrabbschen, und viele dieser Jugendlichen der Ehre wegen in den Knast gehen.
Meine Fahrt in den Oman wird dabei helfen, eventuell das Eine oder Andere in diesem Zusammenhang zu klären?
Wir werden sehen.

Angekommen in Oman, ging alles eigentlich ganz passabel. Das Flugzeug von Qatar Airways hat sein Versprechen gehalten und war insoweit abgedichtet, dass ich beim Landeanflug nicht wieder Druckausgleichsprobleme im Ohr erhielt. Wir sind von Larnaka aus an den Arabischen Golf geflogen. Sogar die Sitze waren angenehm breiter und weiter bei der Qatar als sonst. Ohrenschmerzen hatten mich auf der Hinreise nach Larnaka mit Easyjet fast aus dem Flugzeug springen lassen. Fürchterlich. Die Tipps, die ich aus dem Internet zog, scheinen geholfen zu haben. Daher sitze ich jetzt ohne Kopfschmerz und ohne viertel- oder halbstündige Folter beim Landeanflug durchlebt zu haben in einem Hotel in Muscat. Der Name des Hotels : Golden Tulip.

Es sieht im Internet wesentlich besser aus, als es in Wirklichkeit ist. Der Herr Rezeptionist namens Khalil, der grimmig dreinschaut, als wäre er gerade in Russland aus der Lehre entlassen worden (Entschuldigung, doch meine Reiseendrücke aus Russland sind überwiegend so), ließ uns auch erstmal vor sich an der Rezeption stehen und warten. Wahrscheinlich, dachte ich, um uns klar zu machen, wer er ist und wer wir sind. Als er dann Lust hatte, sah er auf und ich konnte es mir nicht verkneifen, ihm zu sagen: „Ich dachte Sie sind beschäftigt! Lassen Sie sich nicht stören.“

Das ist der Vorteil am Nicht-alleine-Reisen. Der andere kann die Wogen dann glätten und einfach das ‚Gespräch‘ übernehmen. Der Kasten namens Tulpe, die wohl eher dahinwelkt als golden zu sein, ist also etwas heruntergerammelt. Für 2 Übernachtungen berappt man knapp 300 Euro für ein Doppelzimmer mit Frühstück. Für diesen relativ stolzen Preis darf man das Hotel ruhig Kasten nennen und sagen, es sei heruntergerammelt.
Wie im Internet versprochen wird, gibt es am Ausgang des Flughafens von Muscat wirklich einen Schalter, wo so etwas wie „Taxi“ drauf steht. Der Typ, der in einem Art Kasten dort drin sitzt, der große Fenster hat und vielleicht aus Hartplastik hergestellt ist, sagte etwas gelangweilt: „Stellt euch raus und das Taxi wird kommen. Es kostet 6 Rial.“ Und da hatte er sich auch schon in etwas anderes, das vor ihm lag, vertieft.
Draußen, am Rande der Straße, wo die Taxis abfahren sollen, lief uns dann auch gleich ein Mann im arabischen Gewandt (Galabia) entgegen, der meinte, wir sollten mitkommen, er habe ein Taxi. Da war ich etwas misstrauisch geworden, weil wer garantiert mir, dass der Typ ein Taxifahrer ist? Der drin in dem Kasten hatte ja gesagt, das Auto würde unmittelbar dort, wo wir jetzt standen, vorbeikommen. Er hatte seine Nase noch immer in andere Angelegenheiten gesteckt, wie zu sehen war, anstatt sich um unser Wohlbefinden oder darum zu kümmern, dass Taxifahrer Geld verdienen – dass die vom Sultan verordnete Service-Leistung an den ausländischen Gästen einigermaßen zufriedenstellend erbracht wird.

Wir gingen nach kurzem zögern trotzdem mit diesem Menschen mit, nachdem vorsichtshalber geklärt wurde – wie im Internet geraten wird -, den Fahrer nach dem Preis, trotz der Auskunft des Menschen in jenem Kasten, zu fragen. Außerdem war kein anderes Taxi in Sicht. Und siehe da, der Mann sagte, er wolle 7 Rial haben. Ich zeigte ihm mit dem Fingern die 6 und sagte es dann auf Englisch: „six“. „O.K, six“, sagte er und schon waren wir auf dem Weg zu seinem Auto, wo auch wirklich das Zeichen für Taxi auf Arabisch draufstand.
Gewagt war es mit ihm zu gehen, da wir über die Straße mussten, und um eine Ecke zu biegen hatten, wo nur noch Autos unter einem Schutzdach standen, welches den Ort in etwas düsteres Licht tauchte und wo es einer Mauer wegen keinen Blickkontakt mehr mit der Straße oder gar dem Menschen, der die Taxis einteilen soll, gab. Und man weiß ja bekanntlich nie, was um die nächste Ecke lauert. Ein eigentlich geeignetes Plätzchen, mal eine schnelle Mark zu machen.

Wir fuhren gar nicht so lange und dann waren wir im Hotel.
Auf dem Stadtplan, den das Hotel im Internet zur Verfügung stellt zum Draufklicken, erscheint das Golden Tulip – auch von der Beschreibung her – sehr nahe an der Altstadt gelegen. Schon den nächsten Tag bewahrheitete sich, dass dem nicht so ist.

Das Zimmer war OK, aber halt irgendwie abgelebt. Ein Balkon in Richtung Norden gab es sogar, kahl und leer wie die eine große touristische Attraktion im Lande, die Wüste Rub al Hali, das Leere Viertel. Unter uns, links vom Balkon aus in Richtung Swimming-Pool, war das stetige Geräusch einer Anlage zu hören, die wohl das gesamte Haus mit kalter Luft versorgt – und uns eventuell mit dem Klang der dem des Windes in der Rub al Hali gleicht.
Wir schalten Klimaanlagen in den Hotelzimmern, die wir in südlichen Weltregionen bewohnen, egal wo wir reisen, meist gleich aus. Reicht doch, dass man im Restaurant und an der Rezeption sitzend frieren ‚darf‘.

Zwei Flaschen Wasser gibt es von der Direktion des Hotels täglich ins Zimmer gestellt, immerhin umsonst. Eine nette, aber inzwischen allgemein gebräuchliche Geste weltweit. In Deutschland stehen die Wasserflaschen meist aber nur am Ankunftstag frei verfügbar gut sichtbar in den Räumen. Das stimmt schon mal etwas versöhnlich, sollte dem Gast bis dorthin etwas Mühsal abverlangt worden sein. Allerdings schmeckte das Wasser in den Flaschen, die das Golden Tulip hinstellt, verdächtig nach Plastik. Zum Befeuchten des Gaumens mitten in der Nacht scheint es geeignet genug zu sein, befanden wir. Wahrscheinlich hat man die Flaschen in der prallen Sonne gelagert gehabt.
Mir ging sogleich der Beitrag im Fernsehen von vor ein paar Tagen durch den Kopf, wo die Belastung des Meeres durch Plastik thematisiert worden ist, die gewaltig sein muss. Es wurde schon fast geraten, keine Meerestiere, doch vor allem keine Muscheln mehr zu essen, da die alle kleinste Plastikteile in sich tragen, die bei ihrem Verzehr unweigerlich in unsere Körper gelangen.

Im Tulip kann anscheinend Tee oder Kaffee im Zimmer selbst zubereitet werden. Auch das ist ja eigentlich Standard. Ungewöhnlicher Weise gibt es keine Hausschuhe, die es sonst überall gibt in Hotels dieser Preisklasse – wie wir später im Hilton von Salalah feststellen durften, gibt es die dort auch nicht.
Das Klima in Muscat, oder sollte ich schreiben bei Muscat, ist angenehm, wenn die Klimaanlage ausgestellt ist.
Wir haben gerade 23 Uhr. Es ist der 08. Januar 2016.

Dass Oman in einer wirtschaftlichen Krise steckt, haben wir der englischsprachigen Oman Times schon zwei Wochen vor Abflug entnommen. Dass Betriebe, die im Oman ansässig geworden sind, noch vor Anfang des mitteleuropäischen Sommers in ihre Chefetage einen Omani gesteckt bekommen, wird die Investitionsfreudigkeit vieler Ausländer wahrscheinlich nicht befördern, und konnte der genannten omanischen Webseite auch entnommen werden.
Gestern war ein Bericht über Oman im deutschen Fernsehkanal Phoenix, eindeutig zwecks Werbung, also zwecks Geld verdienen. Was ich davon noch erinnere, ist, dass Omaninnen segeln lernen und an der nächsten Olympiade im Jahr 2020 teilnehmen wollen – „die Nachfolgerinnen von Sindbad“. In dem Beitrag sah alles Gezeigte irgendwie so bizarr vermischt aus: 1001 Nacht Atmosphäre plus der Anordnung des Sultans, die Straßen sauber zu halten, meinetwegen wie in der Schweiz.

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