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Die Israelis hielten zusammen mit der Republik Zypern ihre jährlichen Manöver ab – und das ist wohl OK so. 3 Tage lang soll der Spuk gedauert haben. Das Manöver bezog das gesamte Territorium der Republik Zypern ein. Man ist allerdings trotzdem noch nicht so weit, den Präsidenten der Nordzyprer, Mustafa Akinci, wieder an den Verhandlungstisch zurückgeholt zu haben, OK?

Das Sich-die-Schuld-geben-Spiel ist anstatt voll im Gange. Präsident Anastasiadis weilte in New York, wo er vor dem Capital Link Forum eine Rede hielt: http://forums.capitallink.com. Am 22. März lief dort das sogenannte „Invest in Cyprus Forum“ ab: http://forums.capitallink.com/cyprus/2017/. Apropos: Zypern scheint dieses Jahr einer Touristenschwemme entgegenzulächeln. Eigentlich ist die Zeit reif, in die Infrastruktur vermehrt auch aus eigenem Säckel zu investieren. Mal sehen, was sich ergeben wird. Anastasiadis sprach in New York davon, dass Zypern eines der Länder Europas sei, welches ökonomisch schnell wächst. Zypern sei dabei, das volle Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen, meinte er. Und gern mag Zypern enger mit den USA zusammenarbeiten zukünftig. Dass die US-amerikanischen Öl-Erdgasförderriesen Noble und Exxon in Zypern nach Erdgas suchen unter anderem, zeige allen das Vertrauen, welches die USA in das Land setze. „Unser Ziel ist, den Mittleren Osten in ein Energie-Zentrum zu verwandeln.“ Anastasiadis versicherte den USA, dass Zypern seinen Part treu und aufrichtig ‚spielen‘ wird. Von Junk-Niveau sei man ja schließlich inzwischen bei BB+ angelangt in der Bewertung durch Standard & Poor.

Seit 1995 operiert die Capital Link auf dem internationalen Markt, und scheint eine Organisation zu sein, die vor allem von einem US-Amerikaner mit griechischen Wurzeln betrieben wird. Sie ist beheimatet in New York, London, Shanghai, Athen, Oslo und seit 2017 auch in Limassol. Dass die Capital Link inzwischen in Limassol ist, kriegt man auf den Webseiten der Organisation allerdings erst weit unten irgendwo mit, nachdem etwas länger heruntergescrollt werden durfte. Vielleicht ist dem ja so, weil sich Capital Link damit noch nicht groß brüsten mag – oder aber sie haben vergessen, ihren Standort in Limassol gleich zum Anfang zu erwähnen, wie die anderen in der Welt; siehe ganz unten am Ende der folgenden Webseite: http://forums.capitallink.com/cyprus/2017/pre_event_pren_v1.pdf.

Capital Link behauptet von sich, sie könne Connections für ihre Kunden in der Welt knüpfen und diese verbessern, vor allem in Sachen Schifffahrt und Transport etc.  Die Art und Weise, wie sich das Unternehmen präsentiert, erinnert stark an das, was man ansonsten so auch auf Zypern oft geboten kriegt von Offshore-Firmen, Anwaltskanzleien und dergleichen: weltweit operierend, Service-Leister, sich bestens vernetzt präsentieren und das gern und oft als one-man-show und, versteht sich, auf Hochglanzpapier etc.

Capital Link develops on a global scale its investor relations products and services, with particular focus on web-based applications, webcasting, virtual roadshows and investment conferences.“

Ja, das Unternehmen geriert sich also auch als Finanzdienstleister, und würden wir nicht in der Ära Trump leben und würde nicht Herr Ross seinen Posten in der US-Regierung innehaben – er stand zuvor der Bank of Cyprus vor -, dann würden hier auch keine AHA-Effekte entstehen im Kopf.

Interessant ist auch, sich die Mühe zu machen, auf der Website der Capital Link mal nachzusehen, wer dort alles als Kunde aufgeführt wird. Es gibt eine lange Liste, ja, ein Ableger der Deutschen Bank wird angegeben, auch einer der Credit Suisse und zu allerletzt auf der langen Liste, man staune, steht auch die türkische Yapı Kredi.

Na, ob die zyprische Regierung einem solchen Unternehmen, welches offensichtlich verspricht, auch türkische Unternehmen auf den internationalen Markt zu puschen, wirklich so viel Aufmerksamkeit geben sollte, um seinen Präsidenten plus einer kleinen Entourage von Toppolitikern der Insel (Haris Gorgiadis, Jorgos Lakkotritis, Marios Dimitriadis) seine Aufwartung derart pompös zu machen, zumal man ja doch ansonsten bemüht ist in Nikosia-Süd, möglichst Abstand zur Türkei zu halten und jene in die Schranken zu weisen versucht, die mit der Türkei auf Zypern kungeln oder mehr: http://forums.capitallink.com/about_us/our_clients.html.

Es ist leider nicht all zu leicht, an Namen zu kommen. Gemeint ist: Wer steckt hinter der Capital Link? Doch bevor ich es vergesse: Zypern hat am 21. März 2017 an der Börse in New York, die Glocke zum Schluss des Tages geläutet: https://twitter.com/anastasiadiscy/status/844298660825436127?s=08. Ist das nicht aufregend und wirklich Grund, auf der Insel zu investieren? Überzeugen Sie sich hier noch mal davon: http://forums.capitallink.com/cyprus/2017/.

Doch wer ist denn nun dieser Macher oder diese Macher von Capital Link? Konnte noch immer nicht auf einen Namen für Sie, verehrte Leser, stoßen. Das muss doch zumindest heraus zu finden sein! Unter anderem sind da in New York auf dem Forum für um in Zypern zu investieren auch so illustre Leute, wie die „WISTA CYPRUS Women’s International Shipping & Trading Association“ vertreten. Wer da wohl alles dahinter steckt?

Nun, da die Hellenic News of America eine der Unterstützer des genannten Events zur Promotion Zyperns als Investitionsziel sein soll, wollen wir doch mal sehen, ob wir auf deren Webseite etwas mehr über die Damen und Herren von Capital Link erfahren können: https://hellenicnews.com/.

Nee, deren Webseite bringt auch nicht viel weiter. Wiederholt – mehr oder minder -, was schon auf der Webseite der Capital Link steht, siehe https://hellenicnews.com/capital-links-invest-cyprus-forum-wednesday-march-22-2017-new-york/.  Doch, hurra, ein Name ist gefallen, der vielleicht doch noch etwas Licht in die Angelegenheit bringen könnte, nämlich der der Cyprus – US Chamber of Commerce: http://www.cyprususchamber.com/.

Auf was man nicht alles stößt beim Kramen nach Leuten, die sich scheinbar in der hintersten Ecke ihrer Webseiten verbarrikadieren. So zum Beispiel auf den absoluten Supermann, also den Super-Zyprioten schlechthin, die Rede ist von Theoharis David. Sagen Sie nicht, Sie hätten von dem nie was gehört! Er ist wirklich der Größte. Ok, nicht der Größte in Körpermaßen, aber einer der „großen Zyprioten“. Diesen Titel erhielt er allerdings bereits am 21. Juli 2015: http://www.cyprususchamber.com/news/theoharis-david-faia-named-a-great-cypriot/.

Tut mir leid, doch wirklich Wichtigeres als Vasilopita-Anschneiden konnte ich auf dieser Webseite der Handelskammer der Zyprer in den USA ansonsten nicht ausmachen: http://www.cyprususchamber.com/events/vasilopita-cutting/.

Vielleicht ist ja interessant, sich mal anzusehen, wer in den Staaten als Zyprer den Weg nach OBEN geschafft hat. Nach kurzer Durchsicht erscheint mir Herr Philip Christopher derjenige zu sein, der es am Weitesten von allen gebracht hat, weil wahrscheinlich ausgestattet mit viel Kontakten und dergleichen mehr; doch auch er scheint nichts ersichtlich mit Capital Link zu tun haben zu wollen: http://www.cyprususchamber.com/meet-the-chamber/nicolas-nicolaou/.

Jedenfalls zeichnet die Capital Link jedes Jahr aufs Neue gewisse Leute mit einem Preis aus. Zufällig sind darunter viele Namen, die sich, wie könnte es anders sein, auch woanders wiederfinden – zum Beispiel auf der erwähnten Investoren-Veranstaltung für Zypern in New York; genauer: um Zyperns Schifffahrt noch besser ins Geschäft zu bringen etc.: http://capitallink.com/cl_leadership_awards.php.

Der eine Mann mit Bart ist auffällig oft auf Bildern dieser Webseite zu sehen – bei Preisverleihungen. Er muss einer der Macher von Capital Link sein. Bloß, wer ist er?

TRARA, Volltreffer!

Sollten Sie die Links aufgemacht haben, wird Ihnen gewiss der zuvor erwähnte Herr Ross noch in Erinnerung sein, bzw. schon über den Weg gekommen sein. Und ich dachte: Na, den kriegst du auch anders, als in einem vorherigen Beitrag auf Zypernundmehr-News nach seinem exakten Namen und Position zu suchen. Ja, die Rede ist von Wilbur L. Ross, der in der Bank of Cyprus mal eine Zeitlang seine Kreise als finanzieller Heilsbringer, oder so, gezogen hat. Und klatsch, da ist er nun endlich, versteht sich als einer jener, die von der Capital Link geehrt wurden: http://capitallink.com/cl_leadership_awards.php.

Doch was da auch noch steht, ist, es gibt einen Präsidenten der Capital Link, der endlich mal namentlich genannt wird: Nicolas Bornozis. Sie haben es erraten, den googeln wir mal besser gleich. Und was sieht das entzückte Auge? Er ist derjenige mit dem Bart, der immer wieder zu sehen ist auf den Fotos der Webseite von Capital Link bei Preisverleihungen. Wir lesen auch noch: Er ist der Gründer, Präsident und CEO der Capital Link in einer Person. Toller Typ. Er scheint die oben bereits angesagte one-man-show zu sein, eben die namens Capital Link. Versteht sich, dass er Mitarbeiter, Angestellte und dergleichen mehr hat, doch das α-Tierchen, das ist er. Unter anderem hat er folgenden Wertegang vorzuweisen:

He also established and managed, Alexander Capital, L.P, a US broker-dealer firm, which developed brokerage and investment banking business in North America with the Greek, Egyptian and Russian markets. Sold the company at the end of 2003 to a group of US investors representing Russian interests. Between 1998 and 2002, he also established and managed Alexander Asset Management, Inc. which handled portfolios invested in the Greek and European equity markets.“

Wie dem auch sei. Die Schiffsbranche ist größtenteils noch in griechischsprachiger Hand auf der Welt. Oder anders ausgedrückt: Es sind Griechen, die in Amerika ihre Karriere machten und machen, die vorrangig dieses Feld bearbeiten weltweit. Einen guten Einblick darüber gibt folgender Artikel: https://www.bloomberg.com/news/articles/2017-03-21/how-the-u-k-has-beaten-predictions-of-a-brexit-crunch-so-far.

Und was den guten Herrn Ross angeht, der ist Trumps Handelsminister: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilbur_Ross.

***

Bleiben wir doch noch etwas beim Business.

Die Außenhandelsstatistik für 2016 Zyperns sieht folgendermaßen für die „hauptsächlich sich vollzogene Entwicklung aus:

Die kompletten Importe/Ankünfte (das deckt die gesamten Importe aus Drittstaaten sowie Ankünfte von anderen EU-Mitgliedsstaaten) im Januar 2016 bis zum Dezember 2016 betrugen 5.960,0 Millionen € gegenüber 5.141,6 Millionen € im Jahr 2015. Die kompletten Exporte/Versand (siehe vorherige Klammer) im Januar 2016 bis zum Dezember 2016 betrugen 1.736,5 Millionen € gegenüber 1.739,7 Millionen € im Jahr 2015. Das Handelsdefizit belief sich im Jahr 2016 auf 4.223,4 Millionen € gegenüber 3.402,0 Millionen € in der entsprechenden Zeitspanne des Jahres 2015 (siehe: statistical service of the Republic: Intra-Extra EU Trade Statistics (Summarised Data).“

Das obige Zahlenmaterial versetzt einen ob seiner Dimensionen nicht gerade in Staunen – oder vielleicht doch, nämlich, wegen seiner relativen Bescheidenheit. Nehmen Sie es, wie Sie wollen. Man ist hier schon fast versucht, zu schreiben: Investitionen sind mehr als erforderlich. Wollen wir hoffen, dass in New York was in diese Richtung gehend angestoßen werden konnte bei dem Forum, in dem Investoren angelockt werden sollten für Zypern.

Griechenland, war kürzlich irgendwo zu lesen, habe sich nun doch Zypern zum Vorbild genommen. Nicht erschrecken. Es geht lediglich darum, dass jemand in Athen oder Thessaloniki aufgefallen sein muss, dass auffällig viele griechische Studenten auf Zypern ihren Abschluss machen – meist an den privaten Universitäten. Überhaupt ziehen beide Teile der Insel in Sachen Bildung viele Menschen aus der ganzen Welt an. Es ist inzwischen ein nicht mehr weiter unbenannt zu lassender Industriezweig geworden, ok, sagen wir besser Wirtschaftszweig. Sonst könnte noch jemand denken, hier soll über dreieinhalb Ecken darauf angespielt werden, dass die akademischen Diplome oder Abschlüsse gewissermaßen industriell gefertigt vergeben werden. Es soll allerdings nicht ganz so schwierig sein, seinen Master oder Bachelor nicht zu bestehen, wird gemunkelt. Scheint auf Zypern also so in etwa zu sein, wie in den meisten Bundesländern der BRD, speziell Berlin, wo einem das Abitur auch nicht gerade allzu viel abverlangen soll. Doch geschenkt kriegt man es ziemlich gewiss nirgends. Ein gewisser Fleiß muss noch aufgebracht werden!

Dass die Grünen auf Zypern eifrige Verfechter der Umwelt sind, diese Aussage mag so manchen auf die Palme bringen. Wilde, kleine Müllhalden gibt es hie und da immer wieder zu sehen, vor allem auch, wenn man an schönen Orten spaziert, die nicht so von Touristen frequentiert werden. Dort erwartet man so etwas dennoch nicht und sehen mag man es erst recht nicht. Ganz schlimm, finden nicht wenige, sind die großflächigen, durchsichtigen Plastikfolien, die zuweilen riesige Felder abdecken – also in der Landwirtschaft vorrangig im Gebrauch sind. Es ist allerdings schon besser geworden damit, als noch vor ein paar Jahren, als Teile dieser Plastikmassen sehr oft irgendwo herumlagen. Doch dennoch trifft der Naturfreund immer wieder auf Plastik, gern am Straßenrand und eher landeinwärts als direkt an der Küstenstraße. Und das rottet da achtlos vor sich dahin, wenn es das nur richtig könnte. Bekanntlich braucht das Zeug ja einige Zeit seiner Beschaffenheit wegen, bis es im Plastikhimmel vollkommen ankommt. Versteht sich, dass bei dem vielen Plastik, welches gewiss auch mal schnell hie und da in die wenigen Flüsse und das schöne weite Meer vom Wind getragen wird, nicht unerwähnt bleiben darf, dass in Kaufhäusern oder einfachsten Geschäften auf Zypern mit Plastiktüten ganz freigiebig verfahren wird. Man ist schon fast versucht, seine Leinentasche Zuhause zu lassen. Wahrscheinlich outet man sich damit ausgerüstet zum Einkauf als Unverbesserlicher oder Störenfried etc.

Und doch ist der Gedanke an Umweltschutz offenbar auch auf Zypern noch nicht ganz totgeschlagen. Der Agrarminister, der auch für die Entwicklung der Provinz verantwortlich zeichnet sowie für die Umwelt, Herr Nikos Kouyalis, hat letztens die „medical waste management facility“ in Tseri eingeweiht. Die befindet sich in diesem Ort in der 42 Eleftheriou Venizelou Straße, wo die Medevents & Publishing Ltd. die sogenannte „Medwaste Treatment“ betreibt.

Nein, das ist keine verdeckte Geldwaschanlage, die Medwaste Treatment – soll es jedenfalls nicht sein. Man weiß ja nie. In Pafos und andernorts verstanden es schließlich auch einige Verantwortliche, die beauftragt waren, das Ding mit dem Abfall und/oder Abwasser zu regeln, noch ein bisschen und mehr in die eigene Tasche zu arbeiten. Die Verlockung ist halt so groß, wo das Geld doch so locker abhängt – wie beim Pflücken die Oliven am Olivenbaum; so stellt man sich das wohl besser vor. Manche Olivenbäume sind so alt auf Zypern, dass sie noch nicht mal gefällt werden dürfen.

Andere Verordnungen besagen, dass Geldwäsche von unehrlich verdientem Geld nicht – mehr – erlaubt ist, also zu Fall gebracht worden ist. Transparency International sagt so etwas jedenfalls. Die Transparency soll auch sagen, Zypern gehe dagegen am rigorosesten vor von allen – rigoroser als Deutschland, Großbritannien oder die USA. Bei sogenannten juristischen Personen sollen gar keine Hinweise auf Geldwäsche und dergleichen gefunden oder festgestellt worden sein auf Zypern. Die Kontrollen wurden auf der Insel (südlicher Teil) in den letzten Jahren hochgefahren, genauer seit 2013 – gemäß der zyprischen Wirtschaft, die anzog. Im Gegensatz zu den Jahren 2012 und/oder 2011, wo 215.000 € Strafe wegen Geldwäsche usw. bezahlt werden mussten, sind es nun so um die 170.000 €. Lediglich 1/5 der Fälle musste anderweitig bestraft werden (Knast usw.).

Die griechischsprachige, zyprische Sigmalive stellt am 12. 03. 17 dann aber in einem Artikel klar bezüglich Geldwäsche: „Daher sind gewisse unbegründete Anschuldigungen, die in manchen Fällen an verbale Verunglimpfungen erinnern [innerhalb der EU], ein Teil des [weltweit geführten] Wettstreits. Gewisse Befunde der Untersuchung [, teils oben angeführt,] legen dar, dass Zypern nicht auf der Liste der Steuerparadiese gelandet ist, welche die EU herausgibt.“ Insofern, so die Sigmalive weiter, sind solche Anschuldigungen fehl am Platz.

In welch feindlicher Umwelt man aber auch lebt auf Zypern. Alle wollen was von diesen friedliebenden Menschen, die doch eigentlich Opfer sind, Opfer der türkischen Besetzung von 1974 und eigentlich auch Opfer der Briten, zumindest etwas, die ja bekanntlich ihre Militärbasen auf der Insel haben und wahrscheinlich vorerst auch nicht vorhaben dürften, ihren Platz an der Sonne unweit von Afrodite zu räumen.

Nein, der Terrorist vor dem Parlamentsviertel in London letztens war kein Zyprer. Es soll ein Islamist gewesen sein. Zyprer machen so etwas wohl nicht, auch wenn gerade mal wieder Sprengstoff, Drogen und wer weiß noch was in einem Auto gefunden wurden – in Zusammenhang mit einem Fußballspiel. Davon wird bislang ausgegangen. Zu viele Zyprer leben schließlich auf den britischen Inseln und sind auch ansonsten in der westlichen Welt an guten Stellen immer mal wieder verankert. Ihr orthodoxer Gaube und Griechischsprechen hat das wohl vorrangig ermöglicht.

Und da sagt London doch so in etwa: Habt euch nicht so, ihr Griechischzyprer, und akzeptiert jetzt endlich mal die 4 Freiheiten, die die türkischsprachigen Nordzyprer stellen, um zum Abschluss der Wiedervereinigungsverhandlungen mit den Türken zu kommen!

So etwas bringt düstere Erinnerungen bei vielen Griechischzyprern hervor, welche die Engländer schon Mitte des vergangenen Jahrhunderts mehrfach verdächtigen mussten, eher den Türkischsprechern beizustehen. Ja, vielleicht wiederholt sich ja Geschichte doch. Denn wie die CYTATODAY sogleich schlussfolgert, haben die Engländer allen Grund, so etwas Unerhörtes in die Welt zu setzen. Denn sollte es zu einem Abschluss der Verhandlungen der beiden Teile auf Zypern kommen, stünd wohl auch die Position der Briten auf der Insel zur Diskussion.

Herr Nihat Zeybekci, türkischer Wirtschaftsminister, sagte vor ein paar Tagen beim Fernsehgespräch mit jungen Akademikern unter anderem, welches auf TRT1 ausgestrahlt wurde, dass sein Land und Großbritannien noch enger zusammenarbeiten werden. Beweis dessen sei unter anderem, dass die britische Premierministerin gleich nach dem Beschluss des Brexit ihren ersten Auslandsbesuch in die Türkei gelegt habe. Im Rahmen dieser Veranstaltung ermutigte Zeybekci seine Mitbürger bei dieser Gelegenheit, Technologie und Firmen im Ausland aufzukaufen, die profitabel und zukunftsweisend sind. Die Exim-Bank würde nahezu unbegrenzt Kredite zur Verfügung stellen und der türkische Staat würde sich finanziell an der Tilgung des Kredits beteiligen (Türkische Export Kredit Bank). Nun, es geht darum, meinte Zeybekci, die Türkei in einen Staat zu verwandeln, der als Produzent von Produkten noch stärker in Erscheinung tritt. Dass die Türkei vermehrt Investoren aus Malaysia, China und Japan anzieht, ist ein offenes Geheimnis und wahrscheinlich ein weiterer Grund, warum die EU zögert, drastische Maßnahmen gegen die Türkei zu ergreifen. Und diese Einschätzung der EU ist vielen viel zu opportunistisch und daher eher falsch. Denn die EU ist es ja, wird argumentiert, die seit Jahrzehnten von der Wertegemeinschaft, die sie darstelle, spricht. Dass die EU in Rom zum 60-Jährigen ihrerseits 2 „Gangarten“ sich vorgenommen hat, also, dass gewisse Staaten den Zusammenschluss miteinander innerhalb Europas zukünftig eventuell schneller vollziehen könnten als mit anderen, ist eine Maßnahme, die indes schon seit 20 und mehr Jahren angesagt war zur Rettung Europas nach Meinung maßgeblicher Ökonomen; nur ist sie zu diesem Zeitpunkt nicht gerade EU-zuversichtlich stimmend. Ganz im Gegenteil, eventuell. Nicht nur die Osteuropäer haben nun nämlich begründet Angst, abgehängt zu werden, sondern auch Länder wie Zypern, die ihr größtenteils hausgemachtes und durchaus, nach Ansicht vieler, auch willentlich aufrechtgehaltenes Problem der Spaltung nicht gebacken bekommen. Letztere dürften trotz angeblich guten Bilanzen und ökonomischem Aufschwung, an der Peripherie Europas noch ins Wanken geraten in einem zweigleisigen EU-Projekt, womöglich gar zu einem strategischen Spielball noch dezidierter werden, von denen es bereits in der Region eh zur Genüge gibt.

Anekdote am Rande: Dass Anastasiadis bei seinem Besuch in Rom zur gewissermaßen Neuauflage der Römischen Verträge durch die Mitgliedsstaaten der EU seinen Namen in offenbar riesengroßen Lettern verewigte, soll Kanzlerin Merkel einen kleinen Lachanfall beschert haben – und verdeutlicht durchaus, wie die Dinge in Zypern mental gestrickt sind. Nikosia-Süd erwartet derzeit, jeden Tag stellen Journalisten gespannt die Frage, ob Präsident Anastasiadis, wie einst Kleridis den Us-amerikanischen Präsidenten Clinton, Donald Trump bald treffen wird? Vom Selbstverständnis her ist die nicht ganz nachvollziehbare Dringlichkeit und positive Beantwortung dieser Frage offenbar von großer Wichtigkeit – eine weitere Trophäe, mit der es sich möglichst zu schmücken gilt? Herr Trump soll in der Vergangenheit sogar schon mal in Zypern gewesen sein – als Tourist. Nun, das Selbstverständnis vieler Zyprer beruht unter anderem auch darauf, dass Zypern für die EU ja schließlich DER Gewinn sondergleichen ist, siehe Energiesektor oder die Rolle als Mittler im Nahen Osten.

 Zur mentalen Befindlichkeit der Zyprer gibt es bei Amazon gute Lektüre von Herrn Kaisar V. Mawratsas, einem zyprischen Soziologen, der die mentale Befindlichkeit der Insulaner eingängig und trefflich ins Wort fasst: „Gesellschaft der Proleten“.

Dass das Selbstverständnis mental im Norden der Insel ähnlich vor sich hindämmert wie im Süden, mag manchem die neueste Forderung von Präsident Akinci sein, der fordert, dass die Anastasiadis-Regierung sich für ihr Fehlverhalten bei der Abstimmung im Parlament zur Einführung der Feier eines Enosis-Tages in Schulen entschuldigt, bevor er, Akinci, sich wieder an den Verhandlungstisch setzt. Und so lange werden dann wohl auch, oder noch länger, die 4 Freiheiten ein Thema sein vonseiten der Türkischzyprer.

Die EU hat aber schon wissen lassen, dass sie diese 4 Forderungen der türkischzyprischen Seite entschieden zurückweist. Das beruhigte Präsidenten Anastasiadis und seine Mitstreiter doch wirklich immens. Von denen da in Brüssel auch noch Eins aufs Dach zu bekommen, wäre nun wirklich nicht mehr auszuhalten gewesen. Dann hätte man sich womöglich noch mit Israel in irgendeinem schlecht vorstellbaren Staatenkonstrukt wiederfinden müssen?

Wie dem auch sei: die Manöver mit den Israelis sind heldenhaft beendet worden vor ein paar Tagen. Alle in der Region (Griechenland, Jordanien, Ägypten ausgenommen) haben gewiss gezittert vor Angst und Zypern–Süd glaubt nun wohl weiterhin, und das vorerst zurecht, mit diesem Rückhalt, in der Welt weiterhin Türen in ihrem Sinne aufstoßen oder aufhalten zu können.

Das ist gelungene Diplomatie!?

Also wirklich, dieser britische Außenminister Boris Johnson, na, der soll noch mal auf die Insel kommen! In New York ist er allerdings auf Anastasiadis getroffen, noch bevor das Investors-Ding für Zypern stattgefunden hat, doch scheint der ihn wegen seiner Vorstellungen, dass man sich auf die 4 Freiheiten einlassen solle, nicht angefahren zu haben. Hier ist leider nicht bekannt, was sich die Herren Johnson und Anastasiadis zu sagen hatten. Wahrscheinlich so in etwa das Übliche, wenn sie im vorherigen Belang nicht Klartext miteinander sprachen.

Obgleich: Das geht ja jetzt nicht mehr so richtig. Der Austritt der Briten aus der EU macht die zyprische Angelegenheit, sagen wir mal anstatt komplizierter, spannender; und das macht gewiss einige mehr Worte erforderlich, die über das üblich verwendete Vokabular hinausgehen dürften. Herr Anastasiadis ist im Englischen, nachdem, was die Bilder im Fernseher zeigen, recht wortgewandt. Die Grammatik sitzt, wie man sagt. Er wird sich doch nicht etwa in diese Gefilde begeben haben? Und warum erfahren wir nichts davon? Es wird schon rauskommen. Schon bald. Irgendwann wird die News herausgelassen.

Ja, ja: Es wird ja schon geliefert. Etwas Geduld, bitte. Die 4 Freiheiten, von denen die Rede war, beinhalten also:

A – dass nach der Wiedervereinigung alle Türken im Norden, also alle, den gleichen Status haben werden

B – dass Türken der Türkei sich einfach mal so auf dem wiedervereinten Zypern niederlassen können, und zwar ohne vorherige Bewilligung, ohne erforderlichen Beschäftigungsnachweis und ohne eine Zeitlang dort zuvor präsent gewesen zu sein

C – freie Bewegung sowie Niederlassung auf der Insel und Arbeitssuche. So erhalten Türken dieselben Rechte wie Bürger der EU

D – dass also auch Geschäfte überall für und von Türken eröffnet werden können, dass auch Studenten und Saisonarbeiter kommen und gehen können, wie es gefällt

Wenn diese Angaben der Philnews vom 13. 03. 17 so auch nur annähernd stimmen, habe etwas frei übersetzt, kann man zu den 4 Freiheiten doch eigentlich nur noch sagen: CHAPEAU! Die wären dann definitiv Kandidaten für Friede, Freude, Erdogan auf der Nord- und Südseite der Insel der Afrodite, die dann wohl schon bald das allgemeine Gedenken an sich mit einem osmanischen Sultan teilen müsste; was der Dame vielleicht nicht ganz widerstrebte, nachdem, was man so liest und hört über sie.

Also so geht’s ja nicht!

Ja, wo kämen die Griechischzyprer denn dann wohl hin?

Der arme Erzbischof! Ich sehe ihn jetzt schon weniger im Fernsehen oder mit Politikern, in seinen Fabriken und zukünftig noch öfters in einer der vielen Kirchen auf Zypern, um zu tun, was ein frommer Mensch nun mal hauptsächlich tut, beten.

Und wissen Sie, was auf dem Dokument, in dem die 4 Freiheiten formuliert sind, drauf gestanden haben soll der PhilNews zufolge: „Dieses Gesuch der Türkei ist nicht neu!“

Daraufhin ging dann auch am 11. März 2017 nichts mehr bei der JCC. Keine Überweisungen konnten mehr getätigt werden, es war, als seien die 4 Freiheiten schon im Anmarsch.

Scherz bei Seite.

Der Black-out bei der JCC hatte ziemlich sicher nichts mit dem Gesuch, die 4 Freiheiten für Türken auf der Insel zu berücksichtigen, zu tun. Ein Techniker bei der JCC ließ wissen, der Ausfall sei allerdings nicht die Schuld der JCC, sondern habe mit einer Überbelastung des Servers der Abteilung fürs Straßenwesen (τμήματος οδικών μεταφορών) zu tun.  

Nun, dieses Problem scheint vorerst gelöst zu sein.

Das Problem der etwas hohen Arbeitslosigkeit ist noch nicht gelöst. Im letzten Viertel des Jahres 2016 existierten 438.167 Personen, also 62,9% (68,2% männlich, 57,9% weiblich), die Arbeiten hätten können. Im Jahr 2015, waren es im selben Zeitraum 427.489 Personen, also 61,2%. Einer Arbeit gingen auf Zypern 374.651 Personen nach (68,1% männlich, 49,9% weiblich). Arbeitslos waren 55.516 Personen, also 12,9%. Als arbeitsfähig wird angesehen, wer 15 Jahre und älter ist. Von Menschen, die zwischen 15 und 24 Jahren alt sind, waren in Zypern 29,8% arbeitslos (22,5% männlich, 36,2% weiblich). Anscheinend haben davon 39,6% weniger als 6 Monate nach Arbeit gesucht. 16% suchten 6 bis 11 Monaten. 44,4 % müssen als Langzeitarbeitslose verbucht werden.

Das Zahlenmaterial kommt auf Grund einer von Brüssel vorgeschriebenen Erhebung zustande, die nach Vorschrift 577/98 des EU-Rates durchzuführen ist. Die Erhebung wurde in 3.800 zyprischen Hauseinheiten in allen Provinzen Süd-Zyperns durchgeführt. Das hat bestimmt etwas gestresst.

Die Türkei macht neuerdings auch wieder Stress. Sie ist dagegen, dass die Republik Zypern weiterhin nach Erdgas vor ihrer Küste sucht. Somit scheint die Aussicht, mehr Arbeitslose zukünftig von der Couch zu Hause herunterzuholen sich eventuell einzutrüben, bzw. eingetrübt zu verbleiben. Dass diese Angelegenheit des Streits um die Erdgasförderung noch längst nicht bereinigt ist für das EU-Mitglied Zypern, dafür dürften, wenn es dumm läuft, durchaus auch noch andere, und nicht nur die Republik Türkei sorgen.

 Fehlt also nur noch, dass wieder verhandelt wird zwecks Wiedervereinigung. Nicht falsch verstehen. Immer weniger Leute dürften damit rechnen, dass die Verhandlungen auch mal einen – wie soll man sagen – zivilisierten Abschluss finden, je länger sich das Ding zeitlich in die Länge zieht vor dem Hintergrund der Entwicklungen ringsum. Letzteres weist durchaus daraufhin, dass auf Zypern anstatt sich zu einigen, verhandelt wird, bis es knallt, also bis irgendein einschneidendes Ereignis dieses recht gut eingespielte ‚Spiel‘ beendet.

Wie auch immer das Ereignis aussieht, zu befürchten bleibt, es könnte eher ein etwas wenig zivilisiertes Aussehen haben. Ende April 2017 werden sich voraussichtlich Unterhändler, oder wie man sie besser nennt, treffen und dann wird die Leier der Wiedervereinigungsverhandlungen wahrscheinlich wieder von Neuem los- oder weitergehen – sollte Akinci auf seine Entschuldigung bestehen und sollte Anastasiadis sich entschuldigen.

Wie hier bereits erwähnt worden ist – auch in anderen Beiträgen -, hat der türkischzyprische Präsident Akinci auch ein Problem damit, dass in südzyprischen Schulen plötzlich wieder ein Erinnern an den Enosis-Tag eingeführt werden soll – ganz zu schweigen vom eher selbstherrlich vorgetragenen Anspruch Nikosia-Süds bezüglich der „Reichtümer“, die im Meer vor der Insel liegen.

Wir hier auf Zypernundmehr bleiben dabei: Das Abstimmungsergebnis im Parlament der Republik Zypern, um ein Erinnern an die Vereinigung mit Griechenland (Enosis) von Schülern wiederzubeleben, welches mit Hilfe der Regierungspartei nur zustande kommen konnte, ist nicht nur sehr fragwürdig, sondern bereits eher alarmierend.

Präsident Anastasiadis dreht seither Schleifen in der Welt, um alle davon zu überzeugen, dass es mal wieder die Türkischzyprer sind, die nicht verhandeln wollen, doch auch wenn der zyprische Nationalrat nachträglich „anonym“ bekundet bzw. beschließt, dass Enosis, also das Zusammengehen mit Griechenland Zyperns, nie wieder Thema sein wird, ist das wenig vertrauenseinflößend für Türkischzyprer. Dies, zumal jeder weiß, dass das Wort in Nikosia-Süd nicht immer gehalten wird. Es ist einfach schon zu oft der Fall gewesen, dass dem so war.

Und in diesem Zusammenhang ist die recht gewagte Forderung der 4 Freiheiten durch Nordzypern auch zu sehen. Außerdem ist zu vermuten, dass Nikos Anastasiadis bereits Wahlkampf betreibt und ihm der Affront mit dem Norden gerade zu Pass kommt. Zwar hat man 22 Monate Verhandlungen hinter sich. Und wenn Eide, der Sondergesandte der UN für Zypern, davon spricht im Zusammenhang mit dem Enosis-Gedenken in Schulen, dass diese Angelegenheit „außerhalb der Verhandlungen“ sei, hat er sich derart einmal mehr, wie eigentlich alle seine Vorgänger es auf ihre Weise taten bei der UN, ersichtlicher auf die Seite der Griechischzyprer gestellt.

Er ist parteiisch und nichts Anderes ist eigentlich zu erwarten in einer Welt der Double-Standards. Leider ist das Ding inzwischen sehr offensichtlich geworden für viele, scheinbar überall. Nicht umsonst schreit Erdogan neuerdings unverblümt von „Faschismus“, der ihm begegne – „Rassismus“.

Nur so viel dazu: Recht dumm von Präsident Erdogan, die Dinge so zu benennen, wie er es tut. Von Double-Standards zu sprechen, wäre wirklich ausreichend. Hörte sich einfach diplomatischer an. Und noch das:

Ja, die Politiken Herrn Erdogans und Co sind nicht weiter zu unterstützen. Er läuft geradezu in Richtung Diktatur namens Türkei. Es gilt daher, den Handel und die Zollunion der EU mit der Türkei besser gleich als später größtenteils auszusetzen, wenn man glaubwürdig erkennen lassen will als EU, dass man nicht an einem neuen kriegerischen Brandherd interessiert ist und seine WERTE wirklich meint. Es scheint inzwischen eventuell schon egal, ob Erdogan die Verfassungsreform durchbringt oder nicht – ein Konflikt steht bevor, der allerdings gemäßigt werden kann, noch kann man das veranlassen. Der türkischen Bevölkerung wird es allerdings mittelfristig nicht egal sein, ob der kurze ökonomische Höhenflug des Landes und die relative Sicherheit (vorwiegend im Westen der Türkei und den ersten 8 Regierungsjahren der AKP) nur ein Intermezzo ist oder war oder ob dieses Land ENDLICH dahin gelangt, wo Erdogan es voraussichtlich vergeblich verspricht hinzubringen. Der Kleptokrat Erdogan und sein Anhang müssen gestoppt werden und seine Flucht nach Pakistan oder Qatar jetzt schon unterbunden werden – auch wenn Mubarak in Ägypten skandalöser Weise wieder auf freiem Fuß sein darf seit letzter Woche. Unerhört! Und mit solchen Regimen macht die EU Geschäfte und die BRD zeichnet noch immer Verträge mit dem Ägypter SISI, wie vor kurzem wieder geschehen.

Auch das ist die Aufgabe von guten Freunden, als die sich die EU zuweilen ausgibt, zu kritisieren und der Kritik auch spürbare FOLGEN zukommen zu lassen – auch Deutschland ist da in der Pflicht. Und das Szenarium Brandherd Türkei ist allemal düsterer als vielleicht nochmals 2 oder 3 Millionen Flüchtlinge aufzunehmen, die Zuflucht in Europa suchen. Und die wirtschaftlichen Beziehungen mit der Türkei temporär einzufrieren und vielleicht auch mal gerechter zu gestalten, wäre wirklich von Nöten – denn der, wie Zeybekci auf seine Art sagte, Knebelvertrag der Zollunion der Türkei mit der EU, sei für die erstere nicht weiter so fortzuführen. UNMÖGLICH.

Letzteres, also gerechtere Verträge aufzusetzen und ein klares STOP-Zeichen zu setzen, wäre durchaus auch eine humanistische und eher keine kriegerische Maßnahme. Doch das heißt nicht, dass man bei Demonstrationen, wie geschehen vor ein paar Tagen in Bern auf dem Parlamentsplatz, Plakate ungehindert durch die Straßen tragen lässt, die zum „Mord“ Erdogans aufrufen. Und da ein Revolver in Richtung des auf dem Plakat abgebildeten Kopf Erdogans zu sehen ist, wo darunter „Kill Erdogan“ steht, kann kein Mord auf diplomatischem Parkett gemeint sein, sondern „Mord“. UND DAS GEHT ECHT ZU WEIT. Haberler.com meldet am 28.03.17, dass die anarchistische Devrimci Gençlik Bern dafür verantwortlich ist. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen, bislang ohne Verhaftungen vorgenommen zu haben, beklagt die Haberler.com.

Dass Erdogan, abgesehen von der Todesstrafe, die er durch Referendum eventuell wiedereinführen lassen will, auch über den Beitritt zur EU abstimmen lassen mag, erscheint aus erdoganscher Sicht gewiss folgerichtig – auch wenn die Schweiz nicht zur EU gehört, aber indirekt halt doch schon irgendwie.

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Trump ist politisch am Taumeln, eigentlich auch Erdogan; und dies trifft auch wirtschaftlich zu. Beide könnten sich als letzten Strohhalm an kriegerischen Auseinandersetzung im südöstlichen Mittelmeer über Wasser halten wollen (Russland, Großbritannien). Es ist auch daher höchste Zeit, dass der Opposition in der Türkei ersichtlich eine Chance gegeben wird von der EU, der demokratischen Opposition im Lande, und deshalb: größtenteils aussetzen des Handels und der Zollunion mit der Türkei, now, plus gerechteren Verträgen!!!

Dass die Republik Zypern nicht spürbarer auf die Bedürfnisse der Türkischzyprer eingeht, hat eben auch solche Forderungen wie die angesprochenen 4 Freiheiten zum Ergebnis, was den Stand der Dinge recht trefflich reflektiert auf seine Weise. Die instabile gesellschaftspolitische Lage auf Gesamtzypern gibt nicht nur Anlass zu Verschwörungstheorien der Art, dass das Versagen beim Verhandeln von langer Hand von gewissen Mächten geplant sein soll, sondern sie bietet vor allem ein Einfalltor oder Austragungsort für alle unerwünscht möglichen Entwicklungen, die sich bereits abspielen in der Region. Und da hilft auch nicht, dass sich anscheinend der Papst in Rom zu Wort meldete. Anscheinend hat der den Türken geraten, mit NEIN abzustimmen. Offenbar können türkische Staatsbürger auch in Italien ihre Stimme abgeben, was nun auch in Deutschland seit 2-3 Tagen der Fall ist. Erdogan schimpft entsprechend und meint zur abgegebenen Meinung des Papstes: „Da zeigt sich das Wesen der Kreuzritter gegen die Muslime aufs Neue!“

Insofern ist es recht unklug von der Republik Zypern, sich diesen ‚Luxus‘ zu leisten und darauf zu bauen, dass im Ernstfall jemand in Brüssel, Washington oder Moskau sich zu ihren Gunsten regen wird, wenn beispielsweise der Norden Zyperns für die Republik Zypern als zugehöriger Teil für eventuell länger als die bereits verstrichenen 40 und mehr Jahre weiterhin ‚verloren‘ gehen wird!

Die letzte Meldung, die hier reinflatterte und so in etwa von Belang sein könnte, zu dem, was bislang geschrieben steht: Anastasiadis und Akinci werden sich nun doch schon früher als von Akinci angekündigt, treffen. Den kommenden Sonntag wird es so weit sein. Akinci lässt vorweg wissen, dass das ein Treffen (2.April) sein wird, welches nichts mit den zuvor geführten Wiedervereinigungsverhandlungen direkt zu tun hat. Man trifft sich lediglich zum Lunch und um auszuloten, ob man sich noch einig werden kann, um dann eventuell ein Treffen im Rahmen der genannten Verhandlungen anzuberaumen.

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Lug und Trug

Lug οδερ Trug

Was ist das schon, Wahrheit? Kommen nicht alle Zahlen aus der Null. Und die Null ist doch so in etwa unwahr-wahr? Weil sie ist doch, und gibt vor, NICHTS zu sein. Oder doch: Nicht-ist ist also nichtig im Nichts?! Purer Schein?

Der Monat Februar des Jahres 2017 scheint in folgender Hinsicht eventuell nicht mein Monat zu sein dieses Jahr. Da trägt und schreibt man Material über 2-3 Wochen zusammen, um diesen Artikel Ende Monat fertig zu haben, und was ist? NICHTS. Irgendwie muss die Datei überschrieben worden sein und der Schuldige dafür, der schreibt Ihnen das gerade. Nun mal sehen, was noch alles in Erinnerung ist vom einst Geschriebenen. Und – ja, Sie glauben es nicht – die verwendeten Quellen sind auch nicht mehr zur Hand, weil sie im verlorengegangenen Text ja angegeben wurden und danach gleich in den Papierkorb gewandert sind. Das soll mir eine Lehre sein!?

Düster kann noch erinnert werden, dass in dem angefangenen Artikel kurz auf den Abbruch der Wiedervereinigungsverhandlungen auf Zypern eingegangen worden ist – ja, es war sozusagen unvermeidlich. Und düster war ja auch der Himmel über mir um 7 Uhr morgens in Südwestdeutschland – bin nämlich gerade den Tag vor besagtem Verlust des Dateiinhalts wieder aus Zypern angekommen gewesen.

Nun. Streit war und ist in Zypern darüber ausgebrochen, ob nun der Präsident der Türkisch- oder der Griechischzyprer den Verhandlungstisch mit düsterem Antlitz verlassen hat vor kurzem. Dass der türkischzyprische Präsident Akinci durchaus berechtigt Grund hat, aufzustehen und zu gehen, scheint der allseits ziemlich geschätzte Petroclus in seinem Artikel namens „Coffee-Shop“ in der Sunday Mail Zyperns, auch nicht ganz verstehen zu wollen – siehe den 19. und den 26. Februar 2017. Er schreibt in so etwa davon, dass es sich die Griechischzyprer doch sowieso gar nicht leisten könnten, es zu einer Wiedervereinigung der Inselteile kommen zu lassen, weil sonst bei zu vielen unter den Griechischzyprern sogenannte Pfründe und Vorteile ziemlich sicher den Bach heruntergingen – also ausbleiben würden. Petroclus findet, es handle sich lediglich um einen Kampf um die moralische Hoheit, der ausgefochten werde zwischen den beiden Seiten. Das stimmt zwar, doch ist das viel zu kurz gedacht – durchaus etwas zu griechischzyprerfreundlich. Denn es dürfte Akinci und vielen anderen Türkischzyprern mittlerweile allmählich ziemlich aufstoßen, andauernd und immer wieder mit der Ignoranz, der anmaßenden Arroganz und der Macke der Griechischzyprer sich einzubilden, die Besten zu sein, konfrontiert zu werden – besser jedenfalls finden die sich im Allgemeinen als die Türkischzyprer, und zwar in jeder Hinsicht.

Was war geschehen?

Also: Die Griechischzyprer verabschiedeten kürzlich im Parlament, dass in den Schulen der Republik wieder der Enosistag, die angestrebte Wiedervereinigung der Insel von einst mit Griechenland, abgefeiert wird. Stünden wir nicht vor dem angeblichen Abschluss der angeblich gut vorankommenden Wiedervereinigungsverhandlungen auf Zypern mit dem Segen und der Unterstützung der UN, könnte man ja vielleicht noch der Argumentation von Petroclus aus der Sunday Mail das OK geben. Doch nicht so! Denn die Türkischzyprer haben das anmaßend dominante Gehabe der Griechischzyprer schon einmal teuer bezahlt in der Geschichte vor 1974, als den Türkischzyprern die Türkei zur Hilfe kommen musste, um das Schlimmste zu verhindern. Zwar haben die Türken mit Beihilfe der Türkischzyprer dann auch recht ‚unverhältnismäßig zugeschlagen, aber es war vordringlich ein Reagieren und nicht ein Agieren: Vergewaltigungen, Morde, Folter eben alles, ist man schon fast verführt zu schreiben, was zu einem stinkigen Konflikt zwischen ‚besten‘ Nachbarn dazugehört. Weil interessant ist noch immer, die Beteuerungen hie und da zu hören, dass vor den Konflikten und Spannungen in den 1950 Jahren anscheinend ein geradezu freundschaftliches Verhältnis zueinander geherrscht haben soll. Manchmal hört man auch etwas von: „wie familiär“.

Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass keiner der überwiegend türkischsprachigen Nordzyprer Lust auf eine Neuauflage der blutigen Auseinandersetzungen hat oder darauf, politisch, gesellschaftlich und ökonomisch noch mehr und womöglich noch unverhohlener in die Ecke gedrückt zu werden – wie es ihnen ja die Blockade aufzwingt, denn bekanntlich wird der Staat Nordzypern als solcher lediglich von der Türkei international akzeptiert. Auf Grund der betriebenen Politiken auf europäischer und griechischzyprischer Ebene darf aber schon bald damit gerechnet werden, dass dieser Boykott durchbrochen wird. Kandidaten dafür gibt es viele und Gründe noch mehr.

ES IST EINFACH NUR DUMM, wenn Leute wie Anastasiadis, die vorgeben, sich mit den Türkischzyprern wiedervereinigen zu wollen, auch noch dazu beitragen, dass ein Antrag der griechischzypischen Faschisten (ELAM) im Parlament nur deswegen durchgewunken wird, weil sie, die Regierungspartei DISY, der Anastasiadis, der Präsident der Republik Zypern ja angehört, sich der Stimme enthält – wohl wissend, dass als Ergebnis dieses zuvor erwähnte Gedenk-Ding aus den 1950er Jahren für Schüler rauskommt.

Irgendwie kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass solch Hahnengehabe von Politikern weltweit so eine Art Muster geworden ist, an dem es sich scheinbar auszurichten gilt – Trump, Erdogan, Netanjahu, Sisi, Orban, Duterte, Putin und der nette Herr aus Nordkorea mit der hochamüsanten Nachrichtensprecherin, die seine Großtaten im nordkoreanischen Fernsehen unnachahmlich und stets sehr aufschlussreich verkündet; von der Frauenfraktion wäre da zweifelsohne die Dame in la grand nation übern Rhein hinweg zu nennen, die zur Präsidentin gewählt werden mag – Madame Le Pen etc.

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Ist nun von Eurogate die Rede, denken Sie gewiss: aha, ein weiterer Skandal. Und das ist so schon der Fall, aber nicht irgendwo in Brüssel oder Straßburg ist dieser zu verorten, wo gewiss einige „gates“ noch aufzudecken sein dürften, sondern es ist die leidige Angelegenheit im Hafen von Limassol/Zypern gemeint. Jedenfalls steht das, was danach hier zu lesen ist, auch im Zusammenhang mit der sogenannten Privatisierung, welche ja einst von der TROIKA auch Zypern verordnet wurde, worunter unter anderem auch der Hafen von Limassol gefallen zu sein scheint. Die Privatisierungen werden und wurden in Zypern, wie auch in Griechenland, sehr widerwillig betrieben mit entsprechendem Ergebnis – eher nicht zufriedenstellend und eigentlich auch nicht wirklich zielführend.

Kürzlich in die Verlegenheit gekommen, auf die Schnelle einen Drucker kaufen zu müssen in Zypern. Geriet dabei wahrhaft in Bedrängnis. Der alte Drucker hatte nämlich den Geist aufgegeben und ein neuer musste einfach GLEICH her. Und diesmal sollte es ein Laserdrucker sein, kein billiger Tintenstrahler mit teuren Kartuschen mehr. Gern einer der neuesten aber ausgereifteren Maschinchen, der möglichst ohne Schnickschnack, also ohne Scanner, Fax, Wifi und so weiter seinen Dienst möglichst treu und ohne Widersprüche verrichtet über Jahrzehnte bestens. Leider war nichts mehr auf Lager von dem, nachdem ich fragte. Das sagte der junge Angestellte in seinem kleinen Shop mit Bedauern in der Stimme in der kleinen Stadt Kitti bei Larnaka. Und so musste Vorlieb mit dem genommen werden, was noch so herumstand. Grund dessen: Die Container im Hafen stehen womöglich immer noch voll bepackt herum (an die 3.000 waren es mal) und keiner transportierte das Zeug durchs Land in die Läden und woanders hin, denn die Transportgesellschaft, Kranarbeiter und somit ihre Gewerkschaften (Povek und Lastwagenfahrerunion) hatten gestreikt. Eurogate ist der Operator, der die Container im Hafen händelt, wie neuerdings schon bald auf Neudeutsch geschrieben werden wird dürfen.

Die Eurogate bedauerte, dass die Transporter und Kräne im Hafen streiken. Ja, 21 weitere Fahrer aus Deutschland wurden angefordert, um die Kapazitäten der Firma zu verstärken, verkündet Eurogate. Dann gebe es weitere 7 Cargo-handling-Maschinen. Die Streikenden trauen Eurogate wahrscheinlich auch jetzt noch nicht über den Weg. Die versprechen nämlich und halten nichts, war zu vernehmen von den Streikenden. „Ersatz!“, das wollen die Streikenden. Und der gehört ihnen von Eurogate gezahlt – und keine Hinhalterei mit Worten. Eurogate hatte diese Ersatzzahlungen bereits versprochen, doch dann wieder zurückgenommen. Kompensation für die Zeit, wurde und wird gefordert, welche die Transporter am Hafen stehend vergeudeten. Dafür wird Eurogate verantwortlich gemacht und nun zur Rechnung gebeten. Schnellverderbliches wurde dem Vernehmen nach aber wegtransportiert: Gemüse, Früchte etc. Eurogate ihrerseits drohte: „Wenn die Kranführer ihren Streik demnächst nicht aufhören, werden sie Kompensationszahlungen zahlen müssen!“

Klar doch, es gibt einen Minister, der eigentlich die Dinge regeln sollte, Marios Demetriades. Dem wird vorgeworfen, beim Streik nicht rechtzeitig und professionell genug eingeschritten zu sein. Der Vorwurf lautet, er habe beim Abschluss des Vertrags zwischen dem Staat und Eurogate verpasst – obwohl er im Jahr 2015 ein paar Monate vor Abschluss des Vertrages ausdrücklich darauf hingewiesen worden war von dem obersten behördlichen Aufseher -, eine Klausel einzubauen, die besagt, dass wilde Streiks und dergleichen, ganz einfach nicht vorkommen dürfen und können – dass also ein Minimum an Aktivität aufrecht zu halten ist im Hafen und nicht alles aus dem Ruder laufen darf und kann, wie es kürzlich eigentlich schon der Fall gewesen ist. Als gutes Beispiel dient durchaus die Firma Hermes am Flughafen von Larnaka, wo solch eine Klausel besteht. Ministerien, wie das Beispiel auch in Londons Hafen mit Rothschild & Sons Ltd. oder der Dubai Hafen zeigt, erheben vermehrt solche Klauseln, was durchaus Sinn macht. Es muss einer Regierung in Fällen von Streik an neuralgischen Punkten, die Möglichkeit offengehalten werden, sich notfalls einen anderen Vertragspartner suchen zu können, um nicht erpressbar zu sein oder es zu werden.

Nun, wenn man sich das Bauspar-Urteil in Germany anguckt, wo Bausparer von Seiten des BGH, wenn nicht geprellt, so doch eindeutig gegen das gemeingültige Vertragsrecht verstoßend ihrer Ansprüche auf Prämienzahlung enthoben werden, indem den Bausparern von Seiten der Bausparversicherung der Vertrag gekündigt werden darf neuerdings, scheint manchem genau so etwas als weitere Verschärfung der Lebensumstände zu sein, die darüber hinaus mit einer geminderten Vertragssicherheit behaftet ist, was nun wohl auch in Deutschland im Entstehen zu sein scheint. Letzteres beklagenswerter Weise ist zumindest für jene, die die sogenannt Schwächeren sind bereits ein hängendes Demoklesschwert. Ähnliche Beispiele scheinen weltweit vermehrt Fuß zu fassen.

Nun, weil wir schon dabei sind: die Abschiebung von Afghanen nach Afghanistan lässt sich in eben Gesagtes durchaus gut einreihen, zumal offenbar auch das Asyl- und Menschenrecht zukünftig gefährliche Blessuren erleiden soll müssen, und das eben auch in Deutschland, ausgerechnet in Deutschland, wo die Bundesrepublik in Afghanistan durchaus noch EINIGES gutzumachen hat. Gerade hat sich ein zum Polizisten ausgebildeter Afghane 11 seiner ‚Kollegen‘ in den Tod gehen lassen. Er hat sie erschossen und ist dann geflohen. Wahrhaft, kein sicheres Land!

Apropos: Eurogate glänzte zudem auch noch mit Fehlern in der verwendeten Software im Hafen von Limassol. Mal abgesehen davon, sollen der Hafen und die Marina in Larnaka weiter ausgebaut werden. Anscheinend ist das auch der Fall in der Gegend um Mari und dieser Ort liegt ungefähr in der Mitte von Limassol und Larnaka. In Mari ist nämlich ein neues und größtes Industriegebiet Zyperns im Entstehen; und was an Industrieanlagen des Hafens in Larnaka bislang stand, soll nach Mari umgesiedelt werden und MEHR – vollständig. Es wurden dazu 893.000 Euro 2017 bereitgestellt. Dieser Entscheid war bereits am 18. Januar 2017 vom Transportministerium, genauer, von der Mehrheit im griechischzyprischen Parlament beschlossen worden. Bis Ende 2017 dürften sich die Kosten aber auf 1.137.339 Euro belaufen. Kann also gut sein, dass ein Kredit von 2.029.000 Euro aufgenommen werden muss, schreibt am 18. Februar 2017 die griechischsprachige POLITIS Zyperns, die eigentlich das Sprachrohr der DISY-Regierung Zyperns genannt werden kann.

Bleibt noch zu erwähnen, wie man in Deutschland sagen würde, dass die Angelegenheit im Hafen von Limassol zur „Chefsache“ erhoben wurde. Das heißt: Präsident Anastasiadis intervenierte. Und das tat er, indem er die Schuld zuerst einmal auf „die ausländischen Investoren“ schob. Mancher fragte sich schon, ob Herr Anastasiadis den Vertrag mit den von ihm beklagten „Ausländer“ etwa wieder unterschrieben hat, ohne zu lesen, was drin steht – so wie es vorgekommen sein soll, als er einen Vertrag mit der Zentralbank Zyperns unterschrieb.

Es ist also die DISY-Regierung, die den Vertrag mit der Firma am Hafen (Eurogate) letztlich unterschrieb und somit ist sie auch verantwortlich für das Desaster. Und auch am Hafen haben sie – wie in Nikosias Mitte – eine Zweiteilung vorgenommen, das heißt, zwei Firmen eingespannt, die Dinge zu richten und durchzuführen. Die Regierenden der Republik Zypern wussten auch, dass die deutsche Firma (Eurogate) im Hafen längst nicht ausreicht, um den Hafen zu betreiben, auch, dass bereits Millionen Euros ausgegeben worden waren, das DING zusammenzuhalten, sodass das Management des Hafens keinesfalls in zwei Hälften geteilt werde. Es dürfte wohl so in etwa 1 Monat und ein paar Tage mehr oder weniger ins Inselland gezogen sein, in denen gestreikt wurde. Die „EHRE“ Zyperns als „marine Großmacht“ steht und stand auf dem Spiel!

Am Rande:

Die berühmt berüchtigte „Liste Lagarde“ und die „Panama-Papers“ werden von den Regierenden in Nikosia nicht berücksichtigt. Als gebe es sie nicht. Erwiesenermaßen kann in diesen Dokumenten nachverfolgt werden, dass die Steuerhinterziehung im Land sogar zugenommen hat: im Jahr 2015 waren es 1.743 Millionen Euro und das Jahr davor 1.579 Millionen Euro. Die auffälligen Geldbewegungen vor der Krise von 2013, schreibt Konstaninou Zachariou in der Charavgi vom 22. Dezember 2016, scheinen auch niemanden zu interessieren wollen in der Regierung. Zachariou resümiert: „Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen!“

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Von Stillstand an einem anderen, zuvor schon kurz erwähnten neuralgischen Ort in Zypern, kann derzeit nicht gesprochen werden. In Berlin hat man kürzlich den Verantwortlichen aus seinem Posten gekickt, weil der Flughafen in Schönefeld 2017 noch immer nicht in Betrieb genommen werden kann. Von solchen Maßnahmen hat in Zypern niemand was vernommen in Sachen „Elefteria-Square“ von Nikosia, der seit langer, langer Zeit wie eine offene Wunde das so benannte Zentrum der Hauptstadt ‚ziert‘. Schneckentempo träfe es wohl schon eher anstatt Stillstand, um den Fortschritt der Arbeiten für das neue Herz der zyprischen Hauptstadt zu bezeichnen.

Halten wir es kurz: Bis Ende 2017 müssten die Arbeiten eigentlich beendet sein. Diese Bedingung stellt der EU Strukturfond. Eigentlich könnte dieses Ziel, jetzt, wo sich vor Ort endlich etwas – wieder – sichtlich bewegt, geschafft werden; also so, dass mal erkennbarer als jetzt Häuser, Treppen, Parks, Parkplätze und dergleichen mehr im früheren Grün stehen. Letzteres, das Grün dort, dürfte wohl von den meisten Hauptstädtern nur noch in bitterer Erinnerung (wegen seines Verschwindens) existieren. Viel Beton wird demnach zukünftig ein paar Bäume umgeben, die den Kahlschlag überleben dürfen. Irgendwelche naiven Menschen hatten das Gesamtprojekt am Eleftheria Square einst mit 23 Millionen Euro projektiert.

Ha-Ha!

Zwar hat das Rathaus in Nikosia schon 2014 erkannt, dass das Ding ein finanzielles Monster werden wird und deswegen zwei ‚kleinere‘ Projekte daraus gemacht. Jetzt sind also zwei Firmen installiert, das Mögliche möglich zu machen – das dem Betrachter lange Zeit unmöglich erschien. Eine der Firmen hieß Miltiades Neophytou und eine der jetzigen ist die Lois Builders. Zu erwähnen, dass Streit zwischen Architekten und einer der Firmen (Contractors) ausgebrochen war, ist Schnaps von gestern; oder dass sich das Rathaus bei einer weiteren Ausschreibung des Projekts gehörig verzockt hatte. Anscheinend hat Nikosias Bürgermeister, Konstantinos Yiorkadjis, die involvierten Contractors darauf festgenagelt, gar nicht vorstellbar, wie er das geschafft hat, das DING bis März 2017 fertigzustellen.

Nach dem, was derzeit vor Ort zu sehen ist, müsste dann wohl noch ein GROßES Wunder geschehen, um den Termin im März 2017 zu halten. Ein Rohbau ist auf dem Gelände noch nirgends ersichtlich angefangen, man scheint dafür aber einigermaßen viel Aufwand zu betreiben, das Untergeschoss plus Parkplätzen vorzubereiten.

Dass der Stand der Dinge am Eleftheria-Square von Nikosia eigentlich zu keinem weithin hörbaren Aufschrei der Bevölkerung bislang führte, kann man sich offenbar bestens durch die vielen Rohbauten erklären, die sogenannte „Developers“ in die Landschaft und in Dörfer bauten und gerne bei Bedarf weiterhin bauen, um Wohnsiedlungen für Menschen mit (zu) viel Geld hochzuziehen. Manche dieser Rohbauten sehen der Akropolis in Athen von weitem nicht unähnlich, werden vielleicht auch deshalb seit über 10 Jahren so kahl in der Landschaft antiquiert? Zukünftige Touristikattraktion?!

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Pafos und seine Umgebung sind teils durchaus auch mit solchen Bauten, die auf Antik machen, ‚gesegnet‘. Pafos ist ja eine der beiden Kulturhauptstädte Europas dieses Jahr. Auch in dieser Stadt – davon darf ausgegangen werden, zumal die Bauarbeiten vor knapp 2 Monaten von mir selbst inspiziert – sind bauliche Maßnahmen in Pano-Pafos gewiss noch immer nicht abgeschlossen. Die Sunday Mail titelte am 10. Februar 2017: „Museen sind im Jahr, wo man Kulturhauptstadt ist, geschlossen!“ Welch Skandal! Konkret ist die Rede vom Byzantinischen und dem Archäologischen Museum. Ersteres ist noch immer nicht nach Geroskipou/Pafos umgezogen worden – in eine ehemalige Grundschule. Einen Bus dorthin gibt’s aber bereits von der Touristenmeile am Beach vor der Stadt – immerhin. Zwei weitere Gebäude, die von Bedeutung wären, um Pafos ehrwürdiger zu repräsentieren zum gegebenen Anlass, sind auch noch nicht renoviert, ist zu lesen. Man hat es in Pafos offenbar geschafft, das eine der eben erwähnten beiden Gebäude zu säubern und notdürftig bereitzustellen für den großen Event. Es wird also sogar schon benutzt, um Pafos als Kulturhauptstadt mit zu repräsentieren: von der Shelley Residence ist die Rede. Ihren Namen hat das Gebäude von einem britischen Doktor, der darin 1955 – 1959 lebte. Die alte Sodap Eisfabrik soll bis Ende Jahr ausgeräumt und notdürftig für denselben Zweck bereitgemacht worden sein. Beide Orte werden anscheinend danach – 2018 oder noch später – ENDLICH renoviert werden.

Nun ja, die EU-Fonds wurden ja schließlich bereits ausgezahlt für den großen Anlass. Das Geld ist also im Säckel. Sollen die Besucher von Pafos als Europäische Kulturhauptstadt anstatt ins Museum doch an den Strand gehen oder zum Einkaufen in Pano-Pafos, wo teils noch immer Baugerüste den Weg zum Markt verstellen. Das ist doch eigentlich genug Ersatz für die Museen und Kultur, oder? Museumsbesuche strengen den Kopf und die Augen doch eh zu sehr an. Stimmt’s?

Gut, ich verspreche es: Ende der Häme!

Das Archäologische Museum gehört der orthodoxen Kirche Zyperns. Da drin ist auch die bislang älteste Ikone Zyperns beheimatet, diejenige der Aghia Marina aus dem 07. oder 08. Jahrhundert. Wer bei der peinlichen Verspätung der Bereitstellung der Kulturhauptstadt Zyperns für den Rest der Welt schon an eine der Vorstufen von Korruption denkt oder gar an typischen Schlendrian (was immer das „typischen“ besagen mag), der bekreuzige sich aber besser sofort – 3 Mal und nicht etwa Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand hinten auf dem Rücken liegend währenddessen kreuzen!

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Überhaupt sollen zyprische Angestellte und vor allem Beamte, die in Korruptionsfälle verwickelt sind, härter bestraft werden. Das kündigte Justizminister Ionas Nikolaou mal wieder an. Nun, so eine Reform der Polizei-Verordnungen ist gewiss nicht das Dümmste, schon allein wegen der auffällig zunehmenden Verstöße innerhalb der Polizeiorganisation Zyperns – siehe den mehrfachen Mord in Aghia Napa zum Beispiel (der Fall Kalopsidiotis). Eine Kontrollstelle soll eingerichtet werden, meint Herr Minister. Etwas spät kommt ihm und seinen Vorgängern diese Idee schon, oder? Doch besser endlich mal als noch immer nicht! Bis zu 50.000 Euro Strafe sollen demnach einem/r Beamten/in aufgebrummt werden können, wenn er oder sie beim Schummeln und dergleichen erwischt wird. Jemand unter den Beamten, der oder die in Millionenhöhe abgreift, wird sich von dieser relativ niederschwelligen Strafe wahrscheinlich wenig beeindrucken lassen, vor allem auch dann, wenn er oder sie weiterhin im Amt bleiben kann. Letzteres ist so, außerdem, in Zypern geregelt, nämlich, dass ein/e korrupte/r Polizist/in, beispielsweise, nicht um ihren/seinen Posten bangen muss, wenn er oder sie bei einer Straftat erwischt worden ist.

Was sagte der Justizminister Nikolaou bezeichnender Weise noch: „Jene, die in Korruptionsfälle verwickelt sind, richten dem Ansehen [des Landes] nicht so viel Schaden an als vielmehr der polizeilichen Arbeit (Quelle: Cyprus Mail 18. Febr. 2017, Evie Andreou). Man höre und dann, dann staune man!

Die neuen Anordnungen, von denen eben die Rede war, sollen allgemein gültig sein unter und für Polizisten. Das heißt, es darf nicht mehr vorkommen, dass verschiedene Beamte für die gleiche Tat unterschiedliche Strafen ausgesprochen bekommen.

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Werden wir doch etwas konkreter: Rikko Erotokritou, Andreas Kiprisoglu, Panagiotis Neokleous und das Anwaltsbüro Neokleous sind die Angeklagten in einem aufsehenerregenden Prozess – zumindest für zyprische Verhältnisse ist dem so. Am 01. März um 10 Uhr 30, schreibt die Politis am 18. Februar, werden ihre Urteile gesprochen – also morgen. Die Anwälte der Angeklagten geben bereits Auskünfte und sagen, dass keiner ihrer Mandanten ins Gefängnis soll, und zwar jeweils aus unterschiedlichstem Grund. Bei dem einen ist es der Gesundheitszustand, beim nächsten, dass er in einer Art Abhängigkeitsverhältnis zu einem der Angeklagten stand (eine Art Sohn – Vaterverhältnis) usw. Es geht zumindest um 630.000 Euro, die im Rahmen der Untersuchungen der ‚Geschäftchen‘ wegen der „Providencia“ irgendwie versickerten. Dieser Fall hält die zyprische Presse schon seit einigen Jahren in Schwung.

Noch etwas genauer: Rikkos Erotokritou ist der vormalige Stellvertretende General-Staatsanwalt Zyperns. Er ist also nicht nur irgendein Richter oder Anwalt. Und dieser hohen Person hat man zwischenzeitlich schon klargemacht, er habe Schmiergelder eingestrichen, korrupt gehandelt, sein Amt missbraucht und konspirativ sich eingebracht.

Bei was?

Nun, folgendes lief im Jahr 2003 unter anderem in etwa so ab: Erotokritou, behauptet das Gericht, habe 2013 die Strafverfolgung von fünf russischen Staatsbürgern angeordnet, die im Streit mit der zyprischen Neocleous Anwaltsfirma über den Besitz des Multi-Millionen-Trust-Fond namens Providencia Ltd waren – in Russland, wie auch in Zypern. Für diese ‚kleine‘ Gefälligkeit ließ man Erotokritou einen Gerichtsstreit gewinnen, den er seinerzeit gegen die inzwischen (seit 2013) bankrotte zyprische Laiki Bank führte. Die hatte er nämlich darum gebeten, seine eingezogenen, nicht abgesicherten Depots mit Darlehen (des haircut wegen) zu verrechnen, die er wiederum mit dem Kreditgeber herausgenommen hatte (500.000€). Zufällig ist oder war der Anwalt der Laiki Bank auch die Neocleous Anwaltsfirma gewesen, die Anwaltskanzlei ihrerseits gibt an, irgendwie den Gerichtstermin verschlafen zu haben – also den Termin zur Anhörung von Erotokritou. Derart gelang der Anwaltsfirma, das Urteil aufzuheben.

Wir verstehen also, verehrte Leser: Auf diese Weise haben die eben Genannten konspirativ zusammengearbeitet und der gerichtlichen Gerechtigkeit im Jahr 2013 versucht, ein Schnippchen zu schlagen. Denn da die Anwaltsfirma nicht zum Termin erschienen war, profitierte Erotokritou ja entsprechend davon – das Urteil gegen ihn wurde aufgehoben.

Jemand, der beispielsweise mit 10 Gramm Marihuana vor einer hippen Disco Limassols angetroffen wird von der Narkotic-Polizei, säße sehr wahrscheinlich einige Zeit und umgehend im Knast, wenn er nicht gerade Sohn oder Tochter einer ‚guten‘, das heißt reichen und daher angesehenen Familie ist. Und so ist wenig verwunderlich, dass Erotokritou, Kiprizoglou und Neocleous vorerst bis zum 01. März 2017 weiterhin auf freiem Fuße sind. Angeblich haben sie gewisse Auflagen zu befolgen.

Welche?

Immerhin, Erotokritou ist bereits verurteilt gewesen wegen Korruption in der genannten Sache. Somit ist er bereits der höchste Beamte Zyperns, dem solch Missgeschick je passiert ist. Wir werden also sehen, ob die Herren Angeklagten am 01. März in den Knast gehen oder nicht. Das Bauchgefühl sagt einem irgendwie: Kiprizoglou könnte vielleicht der einzige sein, der absitzen geht, denn er scheint einem irgendwie prädestiniert als Sündenbock, weil er eventuell der ‚Schwächste‘ unter den Angeklagten ist. Wir werden es abwarten müssen; und man kann sich ja auch täuschen in seinen Einschätzungen, gell?

Jedenfalls meinte der Verteidiger von Erotokritou bei Gericht vor ein paar Monaten: „Vor Ihnen steht ein finanziell ruinierter Mann, der nie wieder im Stande sein wird, juristisch zu arbeiten. Seine Karriere hat wegen finanzieller Überbelastung geendet.“ Auch habe sein Mandant nicht systematisch Korruption betrieben. Eine einmalige Angelegenheit sei es lediglich gewesen, diese Sache da mit den Russen. „Seine Frau und sein Sohn werden zu Opfern, wenn man ihn inhaftiert!“

Zu erwarten ist am 01. März 2017, was die Cyprus Weekly einen „Marathon-Prozess“ nennt. Ach ja, und des Weiteren sagte Erotokritous Anwalt noch: Eine Freiheitsstrafe ist gefährlich wegen der Arbeit, die sein Mandant betrieben habe (Staatsanwalt). Solche Argumente geben wir von der Presse gern weiter. Sie beleuchten und durchleuchten den HOHEN Stand der Dinge – zuweilen auch recht sarkastisch.

***

Was verkündete Präsident Anastasiadis, der sich in einer psychiatrischen Klinik medienwirksam ableuchten ließ vor ein paar Tagen, wo kein Wasser derzeit fließt: „Wir bauen eine neue Klinik!“ Hört sich gut an, bringt den ‚Insassen‘ aber im Moment schrecklich wenig. Und so könnte wohl die folgende Spekulation nicht ganz fehlgehen, nämlich, dass der Präsident noch einen weiteren Konflikt löst, und zwar den um Erotokritou und seine kriminellen Kumpanen, wo man den Präsidenten der Republik womöglich sagen hören könnte: Wir bauen dem Erotokritou und anderen hochstehenden Persönlichkeiten, die noch folgen könnten, einen Extraknast!

Apropos: Der Streik im Hafen von Limassol ist für einen Monat auf Eis gelegt worden. Nicht der Transportminister konnte es etwa regeln mit den LKW-Fahrern, Gewerkschaften und Kranführern, sondern, man glaubt es kaum, ein Auftritt von dem vermeintlichen Strahlemann Präsident Anastasiadis genügte, und schon war die Sache fürs Erste behoben. Auch was die abgebrochenen Verhandlungen mit den Türkischzyprern angeht, scheint Herr Anastasiadis – endlich wieder – sich auf moralisch höherem Stand als sein türkischer Gegenspieler Akinci fühlen zu dürfen.

Warum?

Letzterer weigerte sich einfach, zum letzten vereinbarten Treffen zwecks Wiedervereinigungsverhandlungen zu gehen. Er weilt anstatt in Pakistan auf einer Konferenz der Islamischen Gemeinschaft und spricht wiederholt davon, dass er sich um Wiedervereinigungsverhandlungszeug erst wieder zu kümmern gedenkt, wenn die Wahl in der Türkei zur Verfassungsänderung vorüber ist. Wirklich pragmatisch dieser Ansatz. Das finden nicht wenige. Der Präsident Nordzyperns, Akinci, soll derart sogar gegen Anordnungen Ankaras gebockbeint haben, Ankara hätte ihn gern an dem Tisch der Wiedervereinigungsverhandlungen sich weiterhin langweilen gesehen. Ja, oft kommt er einem sehr gelangweilt vor, der Herr Akinci. All das Händehalten und -drücken und die selben Fragen und Extravaganzen und das seit Jahren. Ach, manch einer kann ihn gut verstehen.

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Und natürlich ist im zuvor erwähnten Fall Erotokritou und Co auch irgendwie die Bank of Cyprus nicht außer Acht zu lassen, zumal diese ja die Laiki Bank, sagen wir, schlucken durfte – doch nicht nur deshalb. Der US-Milliardär Wilbur Ross hatte nämlich mit anderen Investoren 2014 dafür gesorgt, dass sich das Kapital der Bank of Cyprus erhöhte – der gute Mensch. Präsident Trump hat ihn ja bekanntlich als „US Secretary of Commerce“ berufen. Nun, auch Ross scheint Kontakte zu dem Russen Viktor Vekselberg zu unterhalten. Und Derartiges hat bekanntlich den einstigen Sicherheitsbeauftragten Trumps, Herrn Michael Flynn, seinen Posten gekostet kürzlich. Noch soll Ross allerdings nicht als einer der Secretary‘s of Commerce bestätigt worden sein. Ross, ein Spezialist darin, Unternehmen zu restrukturieren und billig aufzukaufen, die womöglich bei Null angekommen sind, hat sich also damals der Bank of Cyprus angedient und wurde in deren „board of directors“ aufgenommen. Da saß auch Josef Ackermann, der ja zuvor bei der Deutschen Bank sein Werk vollbracht hatte als oberster Chef. Kann gut sein, dass Herr Ackermann noch zu seinen Verbindungen zum Trump-Imperium befragt werden wird, als er die Deutsche Bank ‚regierte‘. Trump schuldet der Deutschen Bank nämlich an die 3 Milliarden US-Dollars, schreibt Stelios Orphanides in der Cyprus Mail vom 18. Februar 2017. Irgendwie hatte das Trump-Imperium zur Zeit Ackermann bei der Deutschen Bank einige Unpässlichkeiten finanzieller Art, die noch nicht aus der Welt geräumt worden sind– in Völle.

Kurz: Ross hat seinen Posten (Stellvertretender Präsident) bei der Bank of Cyprus aufgegeben, denn dort hat er vermutlich direkt oder über Umwege auch Kontakte mit dem Russen Vekselberg gehabt, was nicht gut für den Karriere-Verlauf derzeit ist. Hierzu schreibt Orphanides: „lediglich eine Stunde“ habe Ross sich mit dem Russen getroffen. Doch keiner weiß bislang, was die Herren miteinander besprochen haben. In einer Stunde kann man durchaus einiges besprechen. Nennen wir das Phänomen auch daher Trump-Klüngel. Das trumpsche Geklüngel der Reichen aus dem Westen mit den Reichen aus dem russischen Osten hat sich also nachweislich auf Zypern etwas miteinander verbunden oder zumindest ausgetauscht – und die BRD war wohl auch irgendwie als Zaungast dabei; oder sagen wir, sie dürfte so in etwa über vieles im Bilde sein (siehe Ackermann, Deutsche Bank).

Am Rande: Um kleine und mittelgroße Unternehmen auf Zypern mit Kapital ausstatten zu können, hat die Bank of Cyprus nach der Unterzeichnung neuer Verträge mit der Europäischen Investitionsbank einen Geldbetrag von 134 Millionen Euro zugebilligt bekommen vor ein oder zwei Wochen. Das ist das erste Vertragsabkommen dieser Art im Jahr 2017. Der genannte Betrag wird an verschiedene zyprische Banken verteilt werden. Insgesamt erhielt die Bank of Cyprus jedoch den Zuspruch für 230 Millionen. Viel Geld scheint auch dieser Betrag nicht zu sein.

Die Betragshöhe ist eher atypisch für zyprische Verhältnisse (was auch immer das „atypisch“ bedeutet).

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Jetzt haben Sie noch immer nichts zum „Allgemeinen Gesundheitsplan“ auf Zypern gehört, den „GESI“. Nun: Nichts bewegt sich dort wirklich. Viel Hin- und Herrücken von Positionen. Keine wahren Entscheide. Alles offen, wie gehabt, um die Vorgänge im GESI sehr grob zu umschreiben. Die Unsicherheit in Krankenhausverwaltungen auf Zypern bleibt also bestehen vorerst, keine wirkliche Planungssicherheiten etc.

Zu 444 Millionen Euro wird ein Strom-Kabel verlegt, welches unter anderem von Israel über Zypern nach Griechenland reichen wird, von wo es dann weiter nach Nordeuropa gehen wird. Das Projekt läuft unter dem Namen „EuroAsia Interconnector!“ Zahlen wird Brüssel dafür. Die BRD ist mit 40 Millionen beteiligt. Das Verlegen des Kabels von Israel bis nach Griechenland wird mit 14.5 Euro veranschlagt (siehe Connecting Europe Facility).

Das Profil von zyprischen – und wohl auch woanders beheimateten – Nerds soll angehoben und wahrscheinlich auch irgendwie abgeschöpft werden. Immerhin wurde die GeekOtopos von der Stelios Foundation 2016 ausgezeichnet als ein gutes, bikommunales Projekt etc. Mehr dazu: www.geekotopos.org

Recht lesenswert ist ein kurzer, aber auskunftsstarker Artikel von Rainer Hermann in der Frankfurter Allgemeinen zum Treiben in der Türkei. Er heißt: „Die Etappen einer Kaltstellung.“ Lesenswert, auch vor dem Hintergrund, dass endlich mal jemand die Klappe aufgemacht hat wegen Erdogans Treiben. Der junge Außenminister Österreichs musste es mal wieder richten. In Deutschland hatte man ja bereits damit begonnen, den Leuten einzutrichtern, dass von Seiten des Staates gar nichts gegen die frechen Auftritte türkischer Politiker in Deutschland gemacht werden könne. Herr Kurz aus Österreich zeigt, dass man diesen Leuten aus Ankara sehr wohl Einhalt gebieten kann. BRAVO! Wer sich die Rede von Ministerpräsidenten Yildrim in Oberhausen vor kurzem angehört hat, der kann wirklich nicht mehr nachvollziehen, wie so etwas geduldet werden kann und warum?

Dass in der Türkei vermehrt Menschen, die öffentlich bekennen, bei den anstehenden Wahlen mit NEIN zu stimmen, kurz und klein gemacht werden – in allen erdenklichen Weisen -, also mit Terroristen in ein Bett gesteckt werden unter anderem, lässt die Kuscherei der Verantwortlichen in Berlin vor Erdogan und seinen Drohungen schon längst nicht mehr angebracht erscheinen. Auch in der BRD sollte Erdogan demnächst schon klar angesagt werden: Du kannst kommen, aber nur zu offiziellen Gesprächen mit offiziellen Stellen und ohne Abtauchen in eine Sporthalle oder woanders hin, um die Leute mit türkischen und anderen Wurzeln im Kopf noch mal kräftig abzufucken!

Wer Kurden und andere Leidtragende der türkischen Innen- und Außenpolitik radikalisieren will auf deutschem Boden, der lässt den Sultan aus – und wie es scheint auch eventuell nur für – Kasim Pascha/Istanbul nicht in europäischen Großstädten nach Belieben gewähren.

Und dann wäre da noch jemand namens Giannis Politis. Er ist Zypriote und soll Bücher schreiben, soll damit die Zyprer ansprechen. Bekanntlich greifen Zyprer nicht unbedingt zu einem Buch, wenn es nicht gerade sein soll müssen. Und wenn dieser Mensch es schafft, solch Wunderwerk zu schaffen, die Liebe zum Lesen von Büchern, dann sollte man mal direkt was von ihm lesen, was hiermit für Sie im Jahr 2017 getan werden wird. Eine Buchbesprechung wird also schon bald folgen. Der Titel des Buches heißt übersetzt: „Ausgewählte Momente!“ (neolaiacy.com, 26-27.11.2016 (24/7), von Georgias Pappouta – „Talk to me!“) Pappouta konfrontiert uns in ihrem Artikel mit einem Zitat, welches wahrscheinlich aus dem Buch stammt, und das übersetzt heißt: „Wenn das Richtige, wie auch das Falsche, zwei Worten ähneln, die unbekannt sind, ohne Sinn, kommt der Instinkt und rettet alles.“

Die www.24h.com.cy (Mariou Dimitriou) berichtet am 26. November 2016 über Einkind-Familien. Ein Thema, welches ansonsten eher untergeht im Tagespolitischen Zyperns. Anscheinend scheinen die Betroffenen praktisch keine staatliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können auf Zypern. Es gibt allerdings eine Organisation, die sich „Panzyprischer Verbund von Einkind-Familien und Freunde“ nennt. Die Vorsitzende heißt Argentoula Ioannou. Als einzige staatliche, finanzielle Quelle erhalten die Betroffenen E.E.E. (eine Art Mindesteinkommen für Schwangere). Wir sprechen von einem Betrag, der zwischen 140 und 240 Euro zu liegen scheint und der anscheinend auch nach einer Schwangerschaft weiterhin ausbezahlt wird. Die erwähnte Organisation leistet Hilfe auf allen erdenklichen Ebenen – auch finanziell. Eine Politik von Seiten der Regierung betreffend der Lage von Einkind-Familien ist nach den Darstellungen Ioannous nicht sichtbar in Zypern. Der Anspruch auf das Geld vom Staat erlischt, wenn der Partner oder Ehegatte mit jemand anders zusammenlebt oder sich scheiden lässt. Auch hat der Ex danach keinerlei gesetzlich geregelte Verpflichtung, sich um sein Kind kümmern zu müssen, schreibt Dimitriou. NICHTS. Lug oder Trug?

 

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Es ist mal wieder so weit, denn es ist Ende Monat. Diesmal, wie versprochen, werden Sie etwas mehr aus dem zyprischen Norden erfahren, aus und von der Nordzyprischen Türkischen Republik.

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In der nördlichen Hafenstadt Girne/Kyrenia Zyperns läuft gerade (25.01.17) ein Prozess vor der Strafkammer. Ein Arzt des dortigen Akçiçek Hospitals wird mit weiteren 5 oder 6 Personen beschuldigt, in den 1990er Jahren, menschliche Föten im Müll des Unternehmens entsorgt zu haben. Der Name des Arztes lautet Fahri Karagözlü. Seine Anwältin ist Frau Güneş Menteş. Um die Aussage von Karagözlü vor Gericht zu bekräftigen, nämlich, dass an seinem Arbeitsplatz so etwas nicht vorkommt, wie Föten in den Müll geben, wurde auch Herr Beyoğlu als Zeuge vom Verteidiger des Angeklagten, Karagözlü, vor die Stzrafkammer zitiert. Herr Beyoğlu ist ebenfalls im zuvor genannten Krankenhaus tätig.

Beyoğlu: „Wenn eine Schwangerschaft über 10 Wochen hinausgegangen ist und die Gesundheit der Frau und/oder des Kindes in Frage steht, wird auf Grundlage einer Analyse, die bei uns im Labor gemacht wird, festgestellt und von 2 Doktoren unterschrieben, dass ein Baby eventuell abgetrieben wird. Vor dem Jahr 2011 gab es einen Ofen, indem solch ‚Material‘ vernichtet wurde. Im Zuge eines Projekts der EU wird ab 2011 dieses ‚Material‘ mit einem speziell aus Kupfer angefertigten Müllcontainer in einem Laster weggebracht. Solches ‚Material‘ wird seit jenem Zeitpunkt auf diese Weise im Krankenhaus gesammelt [und entsorgt].

Also: Es werden nur jene Babys begraben, welche zwangsläufig aus dem Inneren einer Frau entfernt werden mussten sowie Totgeburten. Diese werden nicht in die erwähnten, kupfernen Müllcontainer gegeben. Da es in den Moscheen keinen Ort gibt, in welchem Waschungen vorgenommen werden könnten, werden diese Babys in der Leichenkammer des Krankenhauses gewaschen und dann zu Grabe getragen. Schriftlich nicht Festgehaltenes passiert im Krankenhaus nirgends! Das ist außer Frage!“

Das Gericht hat den Prozess auf den 26.01.17 verschoben.

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Dass im Norden die Uhren stillstehen, das dürfen Sie sich nun wirklich nicht einreden lassen, verehrte Leser. Es gibt durchaus ein Leben nach und neben den Wiedervereinigungsverhandlungen der Zyprer. Ja, und das zeigt sich unter anderem darin, dass die Gewerkschaften mal wieder zu Streiks aufgerufen haben im Norden. Wer von Ihnen am 24.01.17 im Norden von Nikosia unterwegs war, wird das wahrscheinlich bestätigen können.

19.58 Uhr ging an jenem 24.en Januar 2017 ein Mitglied des Führungsstabes der KTÖS, Herr Kemal Güçveren, davon aus, die Polizei habe ihm eine Rippe gebrochen. Umgehend wurde er ins Krankenhaus gebracht. Die konnten dort so etwas aber nicht feststellen. Das heißt, es waren gut 5 Stunden vergangen, denn die Aktionen der Streikenden vor dem Präsidentensitz in Nikosia Nord sollen um 14:45 Uhr beendet worden sein und Güçveren war ja erst um 19.58 Uhr zur Untersuchung. Und dass die Demonstration um 14:45 Uhr beendet wurde, soll nur deswegen der Fall gewesen sein, weil an jenem Tag in Gewahrsam genommene Streikende von der Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt worden sind – alles Frauen: Davita Günbay, Faika Deniz Paşa, Havva Güleş.

Hier angekommen, mag kurz erwähnt sein, dass die KTÖS die Gewerkschaft der Lehrer im Norden Zyperns ist, und somit ist der erwähnte Herr Güçveren also ein Lehrer. Und Lehrer streiken bekanntlich oft und viel im Norden. Herr Güçveren scheint sich mit der Polizei etwas mehr als gerauft zu haben, wie viele andere auch an jenem Tag. Auch 3 Polizisten sollen verletzt worden sein, die ebenfalls ins Krankenhaus gebracht wurden, um sich untersuchen zu lassen. Insgesamt wurden sogar 7 Beamte verwundet bei den Auseinandersetzungen, nach Angaben der Staatsmacht. Apropos: Die KTAMS (Kıbrıs Türk Amme Memurları Sendikası = Öffentlicher Dienst), Bay-Şen, Dev-İş und die BES Gewerkschaften waren auch anwesend – natürlich! Und: Die KTAMS verteidigt seit geraumer Zeit die Ansicht in der Öffentlichkeit, dass ein Mindestlohn von 2.760 TL eingeführt gehörte! Und dann wäre da noch kurz einzuflechten, dass angeblich ein entscheidender Schritt in Richtung der ‚Versicherung für alle‘ gesetzt worden sein soll im Norden Zyperns, und zwar am 01. Januar 2017. Der Gesundheitsminister hatte da so eine Bemerkung gemacht gehabt, Herr Sucuoğlu, die hoffen lässt. Anscheinend sollen einige Ärzte, die in Privatkliniken des Nordens arbeiten, sich dagegen ausgesprochen haben, schreibt Prof. Dr. Vedat Yorucu am 27.01.17 in der Kıbrıs Gazetesi. Dem nicht genug ruft die Konföderation der Verbraucherorganisationen im Norden Zyperns neuerdings dazu auf, ab Montag dem 30.01.17 eine Woche das Handy nicht mehr zu gebrauchen. Der Grund? Die beiden türkischen Anbieter auf dem Markt haben die Preise unverhältnismäßig angezogen.

Zurück zum 24.01.2017 und den Demonstrierenden vor dem Sitz des Präsidenten im Norden:

Die Demonstranten riefen unter anderem: „Uns haben sie hier alleine gelassen!“ Oder: „Freund Husein Pabuçu komm raus, spielen wir draußen!“ Und natürlich sangen sie, wie wahrscheinlich immer den dortigen Demonstrationshit: „ciao bella ciao … !“ Zu hören waren allerdings auch Töne, wie: „Die Mörder werden ihre Rechnung noch begleichen!“ Ja, die „Çevik Kuvvet“-Einheit der nordzyprischen Polizei war sogar auf den Plan gerufen worden – also die ganz harten Jungs und Mädels des Staates, die Schnelle Eingreiftruppe.

Die Polizei hatte zu einem recht frühen Zeitpunkt, nämlich um 11:59 Uhr folgende Warnung ausgegeben, bevor es dann, sozusagen, richtig losging mit dem sich körperlich Näherkommen, euphemistisch gesagt: „Die Demonstrierenden haben sich von der Polizeikette fernzuhalten. Sollte weiter vorgedrungen werden, werden wir nicht davor zurückschrecken, Gewalt zu gebrauchen!“ Nun ja, die Aktivisten wollten ja schließlich auch in den Sitz des nord-zyprischen Präsidenten eindringen. Sie war insofern wohl nicht ganz unbegründet, diese Warnung der Polizei. Auch waren zeitlich davor Steine, Plastikflaschen, Tomaten und anderes Zeug in Richtung Polizei geschleudert worden von Seiten der Demonstranten. Außerdem hatten die demonstrierenden Aktivisten auch noch im Vorfeld vollmundig angekündigt, sie seien nicht gekommen, um groß Worte zu verlieren, sondern um Aktionen (Randale?) abzuziehen.

Ausgangspunkt der Demonstration war unter anderem die Rede des Türk-Şen Generalsekretärs, Herrn Arslan Bıçaklı. Die soll recht bissig gewesen sein. Kurz: Die gewerkschaftlich organisierten Menschen und andere waren und sind angefressen und das wohl zu Recht, zumal Schüler ihr Leben verloren hatten. „Wo ist die Regierung?“ fragte Bıçaklı in diesem Zusammenhang provokant vor dem Präsidentensitz stehend. 90% der Nordzyprer hätten sich dafür ausgesprochen, rief er, die Uhrzeit Nordzyperns um eine Stunde zurückzustellen. „In wessen Namen hängt ihr hier rum?“, fragte er des Weiteren in Richtung Präsidentensitz gewandt. „Ihr werdet die Rechnung politisch schon bald bezahlen! Jeder soll wissen, solange die Zeit nicht zurückgedreht wird und die Verantwortlichen dafür zurückgetreten sind, werden wir hier stehen!“ Vor ihm hatte bereits ein Schüler gesprochen, der den Regierenden zurief: „Ihr kümmert euch nicht um eure Kinder und um euer Land!“ Das war so um die 11: 04 Uhr morgens der Fall gewesen.

Und warum das alles nun?

Na ja, weil auf der Straße nach Değirmenlik die Woche davor bei einem Unfall eben Jugendliche tödlich verunglückten. Würde mich ja auch mit der Zeit nerven als Bürger Nordzyperns, zu sehen, dass das Land verfällt, die Straßen immer tiefere Löcher ziehen und der Präsident noch immer – scheinbar sinnloser Weise – zwischen Genf, Brüssel, Istanbul und New York etc. pendelt und darüber hinaus währenddessen immer größere Flächen des recht limitiert vorhandenen Erdreichs zubetoniert werden, meist mit protzigen Anlagen für Touristen, Reiche usw. Weil die kosten ja bares Geld, diese glamourösen, wenig effektiven Auftritte des Präsidenten und seiner Entourage in der Schweiz und andernorts. Warum sich auf einem neutralen Ort in der Schweiz oder in den USA treffen, wo man doch sozusagen vor der Haustür solch einen Ort besitzt: die Grüne Linie, den Flughafen von Nikosia etc. Warum also nicht dort auf neutralem Terrain verhandeln und die große Biege wirklich erst dann machen, wenn die Verträge wirklich unmittelbar vor dem Abschluss stehen? Und Letzteres ist vor allem erst dann gegeben, wenn das sogenannte Volk (türkisch- griechischzyprisch) entsprechend den Verhandlungsverlauf in einer Volksabstimmung abgesegnet hat. Alles andere, denken nicht wenige, ist Protzerei und Hahnengehabe – auch wenn die Chinesen gerade das Jahr des Feuerhahns eingeläutet haben. Hinzukommt nämlich: Geld ist in diesen Tagen angeblich eh Mangelware im Norden Zyperns. Doch nicht nur das.

Die Energien der Regierenden Nordzyperns (UBP-DP-Koalition) sollten sich vordringlich mal erkennbarer auf die Bewältigung von Problemen vor Ort konzentrieren (Wasser- und Stromversorgung, die hohe Kriminalitätsrate, Umweltsünden, Frauenhandel, Geldwäsche, Schlendrian in den Behörden, den Sturzflug der Türkischen Lira bei Löhnen und Gehältern auffangen usw.) und nicht darauf, ein gutes Bild für die Kameras der internationalen Presse abzugeben – nicht auf Weltpolitiker machen und in höchst wichtiger Mission unterwegs sein, wo Zuhause der Laden lichterloh brennt. Anastasiadis und Akinci wird von Teilen der beiden Bevölkerungen von daher durchaus zu Recht vorgeworfen, dass sie ihre politische Wichtigkeit in der Welt maßlos übertreiben, und dass darunter vor allem die Bevölkerungen beider Seiten vermehrt leiden. Denn nur eine gewisse Schicht – hüben wie drüben – zehrt gut von den schleppend geführten Wiedervereinigungsverhandlungen seit Jahren finanziell: einige Politiker, Banker, Anwälte, die Engländer mit ihren Basen, Off-shore-Konstrukte, Schmuggler von Frauen, Drogen, Waffen usw.

„Weg mit der Regierung!“ Das schrien die Demonstranten an jenem Morgen bereits um 10: 30 Uhr im Norden Zyperns. Und dieser Meinung ist auch die so genannte Halkın Partisi (Volkspartei).

Wenn hier die ganze Zeit von Schülern die Rede ist, dann sind damit vor allem Gymnasiasten aus dem Norden Nikosias gemeint. Und deren Vertreter meinten – sozusagen im Zentrum der Demonstration stehend – um 09:30 Uhr vor dem Präsidentensitz: „Wir sind hier aus freiem Willen!“ und: „Im Dunkeln kann nicht zur Schule gegangen werden!“ oder: „Wer die Klappe hält, der kommt als Nächster dran!“ Sie waren es auch, die den Protestmarsch sozusagen starteten. Die Schüler marschierten unerschrocken los, auch wenn die Zahl der Polizisten bedrohlich angeschwollen war im Vergleich zu einer Woche davor: ums doppelte. Um 9:40 Uhr hatte man sich auf den Weg zum Sitz des Präsidenten gemacht (Quelle: www.kibrisgazetesi.com/kibris/lefkosada-gergin-miting/7863).

Gerade eben, sozusagen, und im Lichte der zuvor geschilderten Ereignisse hat die Regierung für Baumaschinen und andere unfallträchtige, weil schwere Fahrzeuge die Erlaubnis erteilt, auf der Straße zwischen Nikosia/Lefkoşa und Girne fahren dürfen, genauer: ab dem Ort namens Çiklos.

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Wie, Sie kennen Herrn Rıfat Feyziç nicht, verehrte Leser? Stimmt! Der Familienname klingt nicht ganz Zyprisch oder Türkisch. Klar, gewiss gibt es Feyziç-Ableger in der Türkei, vielleicht auch auf Nordzypern, doch oft zu hören ist der Name nicht. „Müftü“? Sagt Ihnen gewiss schon eher was. Hört man schließlich immer mal wieder: „Mufti!“ So einer ist der Herr Feyziç nämlich. Das besondere an seinem Auftritt in Nordzypern ist, dass dieser Mufti aus der Region Karadağ kommt, die ähnlich wie Nordzypern auch ein Problem hat, international anerkannt zu werden. Ja, und eine Teilung ist dort auch gegeben. Bekanntlich streiten sich ja die Armenier und die Aserbaidschaner darum, wem das Berglein Karadağ (Karabağ) denn nun eigentlich gehört. Dem Vernehmen nach bestehen ‚gute‘ Aussichten, dass die beiden Kontrahenten (Aserbaidschan und Armenien) demnächst – vernehmlicher hier in Europa – wieder aufeinander eindreschen. Scharmützel, die dort an der Grenze ja andauernd passieren sollen, sind hier in Europa schon längst keine Nachricht mehr wert.

Dieser gute Mann, der Herr Feyziç, kam also nach dem Norden Zyperns und traf sich mit dem Minister für Religiöse Angelegenheiten, Herrn Prof. Dr. Talıp Atalay. Da waren selbstverständlich noch ein paar andere Herren mit von der Partie. So alleine reist sich bekanntlich nicht allzu unterhaltsam im Ausland. Ganz glücklich sei er, sagte Herr Atalay, Herrn Feyziç auf Zypern begrüßen zu können. Herr Feyziç erwiderte daraufhin, er habe Grüße von seinen Brüdern im Glauben für die Glaubensbrüder in Zypern mit sich gebracht. Er lade Herrn Atalay zudem ein, doch auch mal sein Land besuchen zu kommen. Am Freitag dem 26.01.17 hat Herr Feyziç Zypern wieder verlassen.

Und wir dürfen uns nun ausmalen, was die beiden denn nun wohl alles zu bereden hatten und warum solch ein Besuch unbedingt durchgeführt werden musste und das gerade jetzt. Vielen, mit denen darüber gesprochen wurde, sind einhellig der Auffassung, dass die Sache von Ankara gesteuert ist und einmal mehr den einfachen Leuten demonstrieren soll, dass die Türkei für sie sorgt. Dass sogar bislang gescheiterte, staatliche Existenzen wie Nordzypern oder Karadağ vom großen Bruder Türkei nicht im Stich gelassen werden; und dass die Islamisierung in türkischsprachigen Gebieten der Welt in vollem Gange ist. Ja, dass der gemeinsame Glaube geradezu ein geeignetes Bindemittel untereinander war, ist und/oder sein soll. Apropos: Gerade wurde beschlossen, dass 5 weitere religiös orientierte „Imam Hatıp“ Schulen im Norden Zyperns eröffnet und gebaut werden. Das sind die Art Schulen, in denen zum Beispiel auch Recep Tayyıp Erdoğan großgezogen wurde.

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Wie gesagt: Es wird viel und offensichtlich auch gern und schnell gestreikt im Norden Zyperns. Mehmet Levent fragt sich in der Afrika Gazetesi des Nordens von Zypern, warum die Gewerkschaft der Landwirte letztens den Landwirtschaftsminister über Stunden zum „Kaffee-Plausch“ bei sich in seinem Ministerium unfreiwillig fest-hielten und nicht den Finanzminister Serdar Denktaş? Schließlich sei es letzterer, der dafür verantwortlich zeichnet, dass die versprochenen Gelder den Bauern nicht ausbezahlt wurden, die wegen der Trockenheit, die Zypern überzogen hatte, noch immer nicht überwiesen sind. Levent spricht von „Schock-Aktion“, die durchgezogen worden ist. Nun, ein Schock war es für den nordzyprischen Landwirtschaftsminister ganz bestimmt, der von den eindringenden Gewerkschaftlern total unvorbereitet und allein in seinem Amtsraum angetroffen wurde: Keine Security oder sonst wer weit und breit in Sicht, um Herrn Minister aus den Händen der gewerkschaftlich organisierten Aktionisten zu ‚befreien‘. Der Autor Levent findet, die nordzyprischen Gewerkschaftler hätten ihrem Landwirtschaftsminister „etwas Unrecht“ angetan.

Und wir dürfen nun eventuell verstehen, dass der Familienname DENKTAŞ für Zyprer aus dem Norden offensichtlich so furchteinflößend oder unantastbar ist, dass sie sich lieber – auch als sich allmächtig gebärdende Gewerkschaft – an einem – sagen wir – unbedeutenden Minister ‚vergreifen‘. Das ist wirklich interessant, vor allem, wenn das zutrifft!

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Apropos Denktaş. Vorgestern vor dem Fernseher sitzend, „APO MERA SE MERA“, ein griechisch-zyprisches Politmagazin wurde ausgestrahlt auf RIK1, wie nahezu jeden Tag, da glaubte wohl nicht nur ich, den Ohren nicht trauen zu können. Aberof Neofytou, Vorsitzender der regierenden DYSI, lancierte nämlich einen langen Angriff auf die sogenannten Rejektionisten im Lande. Das sind jene auf Zypern, die offenbar alles Mögliche tun und erzählen, um den Status Quo zu erhalten – die Teilung der Insel.

Nein, auf Zypern, wie Sie vielleicht eben dachten, verehrte Leser, ist es keine Selbstverständlichkeit, dass ein Politiker und seine Partei, die vorgeben, einer Lösung der Zypernfrage sich zu widmen, diejenigen aufs Korn nimmt verbal, die ganz offensichtlich gegen eine Vereinigung seit Jahren arbeiten, und dies und diese dann auch als solche/s benennt.

Der gute Herr Rauf Denktaş, der schon seit einigen Jahren in den ewigen Jagdgründen weilt, war in gewisser Weise der nordzyprische Vorläufer einer solchen rejektionistischen Person auf der südöstlichen Mittelmeerinsel, der anscheinend größten im Mittelmeer. Auf der griechischsprachigen Seite des geteilten Landes strengte sich jemand namens Tassos Papadopolous an – der jetzt wahrscheinlich dieselben Jagdgründe beackert wie sein einstiger, irdischer politischer Widersacher Denktaş senior -, es Rauf gleich oder vor zu machen, nämlich, rejektionistisch zu agieren. Hierüber sind sich Historiker anscheinend noch nicht ganz einig, wer wem ein Beispiel war. Auch Herr Papadopolous senior hat einen Sohn, den Nikos, der griechisch-zyprischen Politik zurückgelassen, der mehr recht als schlecht seinen extremen gesellschaftspolitischen Standpunkt in der Welt vertritt. Auch Herrn Denktaş senior ist also ein Nachfolger ‚gelungen‘, der sein politisches Vermächtnis in die Jetztzeit transferiert, wie also an Serdar gesehen werden kann.

Sohn Serdar, von dem auch schon weiter oben kurz die Rede war, darf also als ein Rejektionist bezeichnet werden und Tahsin Eroğlu schreibt in der Cyprus Mail vom 01. Januar 2017:

… „Der Führer der Hardliner im Norden, Ministerpräsident Hüseyin Özgürgün, und sein Stellvertreter, Serdar Denktaş, heizen nationalistische Gefühle in der Türkei gegen Zypern an. Das tun die beiden, indem die Allianzen des Annanplans wiederaufgenommen werden.

Denktaş’s Schwiegervater, Salıh Boyacı, ein Geschäftsmann und Bankier, dessen Geldgeber im Jahr 2000 Bankrott ging, dabei habe er so um die 50 Mill britische Pfund verloren in Form von Spareinlagen der Leute, lud einige Journalisten und Politiker aus der Türkei ein, um deren Unterstützung zu erhalten, Tayyıp Erdoğan unter Druck zu setzen, jedwede Formel [bei den Wiedervereinigungsverhandlungen] zu verweigern, die die Zypernfrage aus der Welt schaffen könnte.

Abgestiegen [sind die eben erwähnten Herren] in einem Hotel eines im Norden gut bekannten Geschäftsmanns, des Herrn Besin Tibuks. Tibuk besitzt auch die Dialog Media Gruppe. Das ist das Flaggschiff der Rejektionisten im Norden der Insel.

Der pensionierte Botschafter Onur Öymen, sowie der Pensionär Soner Polat, ehemaliger General sowie Journalistin Saygı Öztürk und Sabahattin Önkibar befanden sich ebenfalls unter den Eingeladenen. Nicht eingeladen war der Vorsitzende der Vatan Partisi, Doğu Perinçek, ein türkisch-nationaler Sozialist, der auch ein Bewunderer Erdoğans inzwischen geworden sein soll. Immerhin: Letzterer verfasste einen Artikel in seiner Zeitung „Aydınlı“, nachdem er sich mit den zuvor erwähnten Besuchern im Norden Zyperns unterhalten hatte. Er spricht in seinem Beitrag unter anderem über die strategische Wichtigkeit Zyperns und setzt das Risiko, welches die Insel darstelle, mit dem eines kurdischen Staates in Nordsyrien gleich. Die Türkei fürchtet, Zypern zu verlieren, könnte ihre Marine schwächen.

Agah Oktay Güner, ein weiterer Kolumnist, der allerdings für die Yeniçağ schreibt, das ist ein Antiregierungsblatt mit ultra-nationalistischer Linie, kritisiert die regierende AKP der Türkei schwer wegen ihrer Politik in der Ägäis und auf Zypern und behauptet, dass „Griechischzyprer noch nicht mal husten können, ohne die Erlaubnis von Athen!“ Des Weiteren findet er, der Annanplan sei wiederauferstanden, in dem den Griechischzyprern „unvorstellbare Konzessionen“ gemacht wurden. Insofern ‚lustig‘, so etwas zu hören oder zu lesen, da sich diese Kritik auch aus Mündern gewisser Leute auf der anderen Inselseite nahezu täglich vernehmen lässt.

Güner sagt, die Zunahme der Bevölkerung im Norden sei limitiert worden und fügt hinzu, dass Griechischzyprer, die 1974 ein Alter von 10 Jahren hatten, berechtigt sein werden, rüber in den Norden zu kommen, wie es ihnen passt und „sich an Besitz nehmen könnten, was immer ihnen dann auch gefällt!“ Güner lässt auch nicht unerwähnt, dass Akıncıs älteste Tochter mit einem amerikanischen Griechen verheiratet ist und seine Frau, Meral Akıncı, habe für ihre NGO Hilfe von 309 000€ in Anspruch genommen von der EU – und dass zwei Mitglieder des Beraterteams Akıncıs bei den Verhandlungen auf der Gehaltsliste eines griechisch-zyprischen Instituts stehen. Güner befürchtet, Zypern könne, wie einst Kreta, der Türkei verloren gehen. Saygı Öztürk steht den Aussagen Güners in nichts nach als Kolumnistin der türkischen Sözcü Tageszeitung. Güner argumentiert: Akıncı habe eine „Aufgabe-Haltung“ mit an den Verhandlungstisch gebracht, auch, dass türkisch-zyprische Jugendliche einer Gehirnwäsche unterzogen würden und er verlocke sie dazu, ihren Staat aufzugeben, indem ihnen verschiedenste Versprechen gemacht werden. Güner veröffentlichte eine Liste von NGOs im Norden Zyperns, wobei diejenige NGO von Meral Akıncı rot umrundet dargestellt wird: „KAYAD.“ Ebenso beschuldigt er eine weitere Person, die vorherige Außenministerin und Vorsitzende der Human Rights Foundation, Frau Emine Çolak, über 90 000€ von der EU entgegengenommen zu haben mit dem Ziel, „die türkisch-zyprischen Jugendlichen von ihrem Staat zu entfremden.“

„… [Eine Delegation der türkischen national-faschistischen MHP, die derzeit gerade mit Erdoğan sich daranmacht, die türkische Verfassung nach dem Willen Erdoğans zu ändern], besuchte Nordzypern. Eingeladen hatte sie die Wiedergeburtspartei (YDP), die gerade vor kurzem auf die politische Bühne im Norden Zyperns stieg und nahezu komplett aus [ehemaligen] Festlandtürken besteht. Die Delegierten der MHP trafen Premierminister Özgürgün. Einer der Journalisten schrieb nach dem Treffen in sein Facebookkonto: Özürgün: „mutiges Herz!“; Akıncı: „Kollaborateur!“ Die Delegation der MHP aus der Türkei hatte auch den Präsidenten im Norden Zyperns, Akıncı, aufgesucht. Berichten zufolge soll Akıncı während des Treffens Özdağ „zensiert“ haben, da er Ideen zum Verhandlungsprozess [zwischen dem Norden und dem Süden] vorbrachte, ohne wirklich Ahnung davon zu haben. Zurück in der Türkei beschuldigte dieser den Präsidenten Nordzyperns unerfahren zu sein, und seinen nordzyprischen Regierungssprecher als „dönerci!“

Verehrte Leser zur Klärung des Begriffs dönerci: Er ist zweideutig, wenn nicht gar ‚dreideutig‘. Der dönerci ist zum einen derjenige, der Ihnen an der Dönerbude den Döner vom sich drehenden Grill schneidet. Man kann das Wort aber auch als Wendehals verstehen. Und dann gibt es da noch die etwas heiklere Variante, die auf jene Männer Bezug nimmt, die sich passiv stellend herumdrehen, um dann sexuelle Handlungen von einem Mann an sich vollziehen zu lassen.

„Es war also schon immer Teil der Rhetorik von Seiten der Rejektionisten gegen die Führerschaft Akıncıs zu maulen, und zu behaupten, er sei ein Verräter und unerfahren. Auch ist wohl bekannt, dass der so bezeichnete Kreis der EU nicht sonderlich freundlich gesinnt ist. Im September letzten Jahres veröffentlichte Serdar Denktaş eine Liste von NGOs und fragte, wo denn die EU-Gelder an diese Organisationen bitte sehr hin verschwunden seien? Etwas später, im Dezember 2016, gab er der türkischen Milliyet Tageszeitung ein Interview, worin er die NGOs in Nordzypern beschuldigte, sie würden Geld ausgeben, ohne Buch darüber zu führen – und dass einige daran arbeiteten, einen Spalt zwischen die Türkei und die Nordzyprische Türkische Republik zu treiben. Obgleich die NGOs sich über seine Behauptungen hermachten, indem sie sagten, sie seien disziplinierter beim Buchführen als die Türkischzyprische Führung [in der die DP von Denktaş ja mitregiert], beharrte Denktaş darauf, dass niemand von den NGOs Belege vorweisen könnte, um sich zu rechtfertigen.“

Der Autor des eben teils zitierten Artikels in der südzyprischen Cyprus Mail, Tahsin Eroğlu, resümiert, dass sich ‚die‘ Papadopoulos‘ von ‚den‘ Denktaş‘ in ihrem Rejektionismus eigentlich noch immer sehr wenig voneinander unterscheiden inhaltlich. Es gibt also Gemeinsamkeiten, und dies anscheinend sogar über Generationen. Wer hätte das Gedacht! ENDLICH!?

Bei zuletzt Gesagtem denken gewiss einige von Ihnen schnell an Sahra Wagenknecht von der Partei die Linken in Deutschland und an die Frauke Petri von der AFD, die ebenfalls auffällig oft gewisse Ansichten teilen – auch wenn die beiden das ungern so lesen oder zugeben wollen.

Zuletzt, Denktaş junior: „Hiermit bringe ich meine Zweifel hervor [bezüglich der Zeit nach einer eventuellen Wiedervereinigung der beiden Inselteile], … , auch wenn mir gesagt wird: mach dir keine Sorgen!

Selbstverständlich bin ich besorgt um die Zukunft meiner Leute! Wie kann ich jenen vertrauen, die ihre Versprechen während des Referendums zum Annanplan 2004 nicht gehalten haben?“

Dieser nordzyprische Politiker sieht also bereits Zustände, wie sie einst in den 1960er Jahren heraufgezogen waren, wo Türkischzyprer in Enklaven leben mussten. „Wir wollen so eine Zukunft nicht!“, sagt Serdar dazu. Seiner Meinung nach besaßen die Türkischzyprer schließlich einst ganz Zypern. Sie hatten danach die Hälfte abzugeben, schreibt Tahsin über Denktaş’s Ansichten des Weiteren. Und diese Hälfte werden sich die Türkischzyprer nicht nehmen lassen. Zum Abkommen aus dem Jahr 1960, welches die Garantie-Mächte betrifft, sagte Denktaş offenbar: „Das Garantie-Abkommen schützt nicht nur meine Sicherheit, es garantiert auch das Recht der Türkei und die Sicherheit im östlichen Mittelmeer.“ Und: „Im Moment, wo die Türkei einen Schritt zurück setzt von der Insel, ist ihre Stimme im Mittelmeer Gott überlassen!“

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  1. Januar 2017: Im griechisch-zyprischen Radiosender PROTOS wird in den Nachrichten erwähnt, dass der türkische Staatspräsident unter anderem damit gedroht haben soll, die Wiedervereinigungsverhandlungen zwischen dem Norden und dem Süden der Insel Zyperns platzen zu lassen, wenn die nach dem angeblichen Putschversuch im Juni oder Juli 2016 in der Türkei mit Helikoptern nach Griechenland geflüchteten türkischen Soldaten nicht umgehend an die Türkei ausgeliefert werden.

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Eine Kommission ist zusammengetreten [www.kibrisgazetesi.com/kibris/basin-karti-komisyonu-toplandi/11571]. Ja, in Nordzypern werden Presseausweise offensichtlich verteilt, oder wie man dazu sagen soll. Jedenfalls hat diese Kommission, deren Gesichter auf dem Bild gesehen werden kann, wenn der Link oben angeklickt wird, beschlossen, dass 26 Journalisten die begehrte Gelbe Karte des Nordens erhalten, allerdings hatten 13 Personen diesmal nicht das auserwählte Glück. Da in der Kommission offensichtlich nur Männer sitzen – siehe Bild -, wäre es schon recht interessant zu erfahren, ob unter jenen, die den Presseausweis diesmal nicht erhielten, womöglich sozusagen überdurchschnittlich weibliche Journalisten zu verzeichnen sind. Es ist wirklich sehr befremdend, so etwas zu sehen: eine Kommission, die über die Ausgabe von Presseausweisen befindet und NUR aus Männern besteht. AKP aus der Türkei lässt grüßen? Ist es etwa schon so weit oder war es schon immer so?

Mit den Herrschaften von der Presse im Norden in Kontakt zu treten, wäre wirklich von Nöten, um das mit dem Frauenanteil bei den Ablehnungen zu eruieren.

Allerdings wurde bereits vor Jahren etwas näher Bekanntschaft gemacht mit einigen dieser Herren. Kurz: Sich da weiter hineinzubegeben erschien damals schon sehr schnell als ziemlich sinnlos und zeitraubend – „morgen“, „übermorgen“, „ich rufe Sie zurück!“ usw. Die sind abgehoben bis zum Anschlag, wahrscheinlich an irgendeiner imaginären Decke, die, es kann nicht anders sein, aus Zeitungspapier gemacht wurde mit Goldrand, wo draufsteht: Wir von der nordzyprischen Presse sind unfehlbar, unantastbar und die Größten – die Avantgarde schlechthin, auserlesen.

Sie können sich also denken, welchen Weltuntergang die 13 Journalisten gerade durchleben: keine Pressekarte mehr! Oh, wie schlimm! Der Gesichtsverlust, den hier keiner jenen wünscht – dürfte wohl entsprechend schlimm sein!

Womöglich wird demnächst im Norden Zyperns auch nicht mehr der eventuell nötige Alkohol zum Trösten um die Ecke bei Ahmet oder Fatma gekauft werden können. Denn bis zum 28. Februar 2017 müssen all jene, die Alkohol verkaufen, ihre Erlaubnis dafür erneuert haben. Und diesmal scheint es die Behörde ernster zu meinen als sonst. Wie gesagt: Die Regierungspartei AKP der Türkei und ihr Verständnis vom Zusammenleben der Muslime lässt offensichtlich grüßen! Mal sehen, wer da alles seine Lizens nicht erneuert bekommen wird. Die Auflagen zum Vertreib von unislamischem Alkohol scheinen nicht OHNE geworden zu sein: Fotokopie hier, Fotokopie dort, Mietvertrag vorzeigen, Betriebserlaubnis, Bestätigung vom Arbeitsamt, Einkommenssteuernachweis, Steuersicherheitsbrief ??? und natürlich der Nachweis, dass man auch schon 2016 solch ein Gewerbe betrieben hat usw.

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Kommen wir nun zu jemand, der sich Orhan Ismailoğlu nennt. Sein Artikel stammt bereits vom 18.12. 16. Er schrieb in der Kıbrıs Gazetesi aus dem Norden in seinem Jahresrückblick unter anderem:

Dass Ebru Gündeş sich von ihrem Partner trennte, wurde den Nordzyprern in entsprechenden Beiträgen nahezu das ganze Jahr über um die Ohren geschlagen. Auch hat im Fernsehen eine Nostalgie-Welle eingesetzt, stellt er fest. Also nicht etwa, dass alte Filme gezeigt wurden. Vielmehr wurde aus Titeln von alten Gassenhauern aus der Türkei neue Fernsehserien kreiert. Einige davon schafften es auf 11 Folgen. Dann war aber auch für diese schluss. Die Serien sind alle durchweg türkische Produktionen gewesen. Soaps werden in der Türkei gern konsumiert.

Was den Musikmarkt angeht, sind einige neue Namen auch in Nordzypern aufgetaucht 2016. So zum Beispiel die 16-Jährige Aleyna Tilki, die groß rausgekommen ist. Anscheinend gefällt dem Autor des Artikels, Ismailoğlu, was Tilki bislang an Songs auf den Markt geworfen hat, wie er schreibt. Und was immer sich Arda Turan und Ebru Şallı an Nachrichten zugesendet haben mögen, deren Inhalt hat im Jahr 2016 in der türkisch-zyprischen Welt hohe Wellen geschlagen, berichtet Ismailoğlu des Weiteren. Serdar Ortaç war natürlich auch auf Zypern. Niemand, der den nicht kennt. Ein, nein ‚der‘ türkischer Superstar. „Gıybet“ ist ‚der‘ Hit schlechthin derzeit. Ortaç hat auf Zypern schon an die 50 Konzerte gegeben.

Hier hilft es zu wissen, liebe Leser, dass zu Feiertagen oder wenn jemand besonders gelangweilt ist, die türkischen Stars und Sternchen sich gern nach Nordzypern begeben, wo man ihnen bereitwillig und mit großen, bewundernden Augen die roten Teppiche ausrollt. Klar doch, in dieselbe Kategorie wie Ortaç gehört natürlich auch Sibel Can, und die war 2016 auch wieder da. HURRA! Ismailoğlu schreibt: „Und Funda Arar hat uns mit ihrem Konzert auf Zypern „entflammt!“ Doch auch Serkan Kaya muss die Türkischzyprer letztes Jahr im Sturm erklommen haben. Man liegt ihm noch immer zu Füßen. „Und soll bloß keiner sagen,“ schreibt Ismailoğlu, „er mag Arabesk-Musik nicht.“ DENN: „In uns allen schlägt ein Herz arabesk!“

Doch kein Zweifel besteht daran, dass DİE größte aller Klassen in Sachen Pop aus der Türkei derzeit Hande Yener ist, die im Sommer mit ihrem Album namens „Alles Hits“, übersetzt, und dem Song „mor“ (dunkelviolett) die Hitliste anführte. „Gut zum Tanzen geeignet“, meint Ismailoğlu.

Eigentlich ist da kein Artist von Rang in der Türkei, der Zypern noch nicht abgeklappert hätte. Mal kurz so zum Vergleich oder zur Erinnerung: Deutschsprachige Künstler aus der Schlagerwelt oder dem Neuen Deutschen Sound lassen es sich auch nicht nehmen, mal auf Mallorca oder vermehrt auch in Zürich aufzutreten. Und so ist es in etwa mit Nordzypern für türkische Künstler.

 

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Die türkisch-zyprische Bevölkerung im Norden wartet ungeduldig auf eine Lösung des Problems mit den Eseln. Ja, Sie lesen richtig. Es gibt nicht nur viele Eseleien, sondern auch noch ein Eselproblem im Norden Zyperns – Eseleien gibt es, das gleich hinzugesetzt, überall. Man nennt es halt von Platz zu Platz verschieden, zum Beispiel Schildbürgerstreich usw.

Ja, in der Region Karpaz, Dipkarpaz, Kaleburnu, Kuruova, Avtepe, Derince, Boltaşlı, Gelincik und Ziyamet ist wahrhaft der Esel los. Wilde Esel erfreuen sich dort ihrer Freiheit. Doch das gefällt den Bauern nicht, deren frisch Angepflanztes die Tiere offensichtlich gern zur Abwechslung in sich aufnehmen. So viele Esel sollen inzwischen herum sein, dass von „Herden“ gesprochen wird, die durch die Täler und Felder ziehen. Der Bürgermeister von Dipkarpaz Herr Suphi Coşkun:

„Früher gab es 15 Eselaufseher. Wenn es nur noch ein Paar davon gäbe, hätten die Leute keine Beschwerden mehr. Doch die Eselaufseher haben sie abgeschafft und jetzt machen sich die Esel über die Felder her. Es ist zum Heulen. Alles haben sie aufgefressen, fressen und fressen. Die Leute versuchen, ihre Felder zu schützen, doch wann hat das ein Ende? Dem Volk ist das eine wahre Last. 50 Abgeordnete gibt es im Parlament. Und die sollten dem Volk nicht solch eine Last auferlegen. Doch das Volk belasten DIE schon seit 40 Jahren.“

Ein anderer berichtet zum Thema Esel, dass es durchaus auch zu Unfällen kommt, wenn die Tiere beispielsweise nachts mal kurz so vor einem Auto auftauchen, das angefahren kommt. Auch fressen die Tiere Bäume an, sagt ein weiterer Befragter aus der Region. Sogar in die Vorgärten der Leute kommen die Tiere bei Nacht oder wenn niemand zu Hause ist. Ein weiterer hat allerdings auch einen angeschossenen Esel vor seinem Haus im Gras liegend angetroffen, der ihm sehr leid getan hat!

 

Kurz:

Die UBP-DP Koalitionsregierung im Norden Zyperns soll bis zum 20. Januar 2017 genau 198 Staatsbürgerschaften ausgegeben haben. Die Opposition spricht hier von einer „ungesetzlichen“ Verfahrensweise.

Die Cumhuriyetçi Türk Partisi hat in ihrem Ableger in Türkmenköy am 27.01.17 als Vorsitzenden Herrn Ali Özdalı gewählt. Türkmenköy liegt in der Provinz Famagusta/Gazimağusa/Ammochostos.

Die UNFICYP (die UN Friedenstruppe auf Zypern) hat ihren Auftrag und/oder Aufenthalt erneut zeitlich verlängert, und zwar bis zum 31. Juli 2017. Die UNFICYP ist eine der Einheiten der UN, die von allen ihren Einheiten auf Zypern am längsten tätig sein soll.

Im Februar 2017 findet vom dritten bis zum zehnten des Monats der „GROßE Kinder-Karneval“ (Büyük çocuk karnavalı) in der so genannten „City Mall“ statt. Auftreten wird unter anderen auch das berühmte „Turnagöl“ Theater. Die City Mall in Famagusta hat als weitere Attraktion auch noch die „Elektrokur LTD.“ Letztere macht von sich ihrer modernen architektonischen Entwürfe wegen Aufsehen. Jetzt im Winter, wird des Weiteren geworben, soll es in der Mall zu Preisreduktionen von 80% kommen. Also: Jeden Tag wird dort im Februar was los sein!

Sollten Sie auf der Suche nach Parfüm, Likör oder Seife sein und sich zufällig nach Nikosia Nord begeben wollen, dann gehen Sie vielleicht mal in den BANDABULYA. Unmittelbar neben der großen Moschee finden Sie den Markt mit diesem Namen, also im Stadtteil Sulariçi. Herr Doğa Bağlarbaşı, der neue Besitzer des Ladens, hat unter anderem an der Bilkent Universität/Istanbul Politikwissenschaften studiert, doch befindet er sich jetzt im Bandabulya im Laden Nr. 40. Somit scheint er also wirklich geeignet, weil bestens ausgebildet, um seinen eigenen Likör zu brennen, der in seinem Laden bereits seit Generationen von seiner Familie vertrieben wird.

Am 28.01.2017 diese Meldung: Eine Lehrkraft der Östlichen Mittelmeer-Universität (DAÜ) in Nikosia behauptet, dass bei dem Brand in der Pharmazeutischen Fakultät lebensbedrohliche Stoffe freigesetzt wurden. Frau Assistenz Dozentin Dr. Aybike Yektaoğlu sagt, dass im Staatlichen Chemie-Labor der Schaden in einem erschreckenden Umfang geschehen ist. Tiere, Menschen und Pflanzen in der unmittelbaren Umgebung des Brands werden auf Jahre in Mitleidenschaft gezogen sein, Aybike Yektaoğlu zufolge. Sie warnt davor, dass die Chemikalien mit dem Regen und dem Wind über Kilometer weit weg getragen werden und somit auch andernorts Schaden anrichten dürften – nicht zuletzt im Grundwasser.

Verwunderlich und gleichzeitig auch etwas bedenklich stimmt ihre Aussage, dass auf der Insel, also im Norden, viele Menschen in diesem Sektor tätig seien. Da erwächst – entschuldigen Sie – schon die Frage, ob etwa die Türkei GEWISSE Projekte nach Nordzypern ausgelagert hat, wo niemand so etwas Fortschrittliches und für alle möglichen Dinge zu gebrauchendes Material und Forschung vermutet?

Offen bleibt, was genau als Gas in die Luft entwichen sein soll. Die Dozentin will sich darüber offensichtlich nicht auslassen oder aber sie macht sich wichtig. Denn wenn sie sagt, das Zeug sei hochgefährlich, dann muss sie schon so in etwa wissen, was sich da eventuell mit dem Regenwasser usw. verbunden haben dürfte. Andernfalls wird sie noch Besuch bekommen, ist zu vermuten, und zwar von Leuten, die solch voreiliges Geplapper einer Assistenz Ärztin auf Kosten der Regierung und dem ANSEHEN der Türkei nicht allzu lustig finden.

Es könnte aber dennoch, wird geschrieben, radioaktives Material darunter gewesen sein. Über 20 Jahre sei in das Depot solches und anderes Material verstaut worden, welches nun in Flammen hoch ging. Keiner könne einen wirklichen Überblick geben, wer was, wann, wieviel und wie dort gelagert hat – und wozu!!!

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Die Herren Akıncı und Anastasiadis verhandeln immer noch. Noch wird von einmaliger Chance gesprochen, die bestehe und noch hängen sich die Verhandlungspartner nicht am Kragen: „Du bist schuld!“ schreiend.

In der Alitheia vom Sonntag schreibt jemand davon, dass sollten die Wiedervereinigungsverhandlungen der beiden zyprischen Inselteile wieder einmal ins Leere laufen, es diesmal wohl nur eine Frage der Zeit sein wird, bis der Norden Zyperns dann wirklich eine Provinz der Republik Türkei wird.

Die Aussichten stehen dafür gar nicht so schlecht, betrachtet man sich den weiteren Kontext: Syrien, Kurdistan (iranisch, irakisch und türkisch), und durchaus muss hier die ewig dauernde Auseinandersetzung der EU mit der Türkei genannt werden, und zwar auch, doch nicht nur, im Hinblick auf den Osten Griechenlands, Trakien. Denn auch dort wohnen Türken und nicht zu wenige. Es stimmt allerdings, dass die Türkei unter Erdogan und seinen Leuten diese Angelegenheit vorerst aussetzt und anstatt in Ländern wie Bosnien, allgemein auf dem Balkan, wo einst Türken lebten und immer noch leben, ihre Wirkkraft entfaltet. Das geschieht durchaus mit einigem Erfolg. Die EU lässt Ankara noch gewähren, weil beschäftigt mit sich selbst.

Kurz: eine weitere Aufteilung der Machtsphären ist im Gange. Jeder packt sich das, dessen er habhaft werden kann. Derart erscheinen die kriegerischen Abläufe in Syrien, Libyen etc. dann plötzlich gar nicht mehr so chaotisch, wie man sie über die meisten Medien ansonsten verabreicht und erklärt bekommt. Nein, die innere Logik all dessen folgt einem Verteilungskampf, der von statten geht.

Dass Zypern nun der Juwel ist, um den es dabei geht, wäre bestimmt die Ansicht vieler Zyprer ausgesprochen, die ihre Nation eh überhöhen und als den Nabel der Welt betrachten. Doch vielleicht zeigt sich ja bereits im kommenden November 2016 anhand des Ausgangs der Wiederverhandlungsgespräche der Zyprer in New York – der finale Count-Down – zumindest Experten, was sich in der Region auftun könnte: Die Amerikaner erhalten dann Das, weil die Russen Jenes kriegen und die Türken müssen daher So, weil die EU Dies und Das etc.

Das recht blutige Geschacher näher zu bestimmen, wäre vermessen, denn die Akteure agieren wie Kartenspieler: keiner weiß, welche Karte ihm noch in die Hand gespielt wird, wenngleich auch alle mit gezinktem Blatt über und unterm Tisch spielen.

Angeblich haben sich die Verhandlungsführenden in wichtigen Punkten angenähert, vermeldet Nikosia schon fast stolz. Wir von Zypernundmehr-News wollen das hiermit dennoch stark in Zweifel ziehen, weil so ähnlich klangen DIE 2004 auch – schon fast euphorisch. Nachdem, was nämlich über den Verhandlungsverlauf im Detail zu lesen ist, bleiben einfach zu viele Fragen unangesprochen – und die Verlautbarungen der beiden zyprischen Führer und ihrer Entourage sind teils viel zu widersprüchlich.

Bleibt noch zu erwähnen, dass das viele Verhandeln zwar gute Hotels und besten Service mit sich bringt, sozusagen berufsbedingte Urlaube, aber da wäre ja noch das sogenannte Referendum. Manchmal könnte man schon fast denken, die haben beim vielen Verhandeln, als die nächste Flasche guter Wein in bestem Restaurant aufgemacht wurde, eine Lösung zumindest dafür gefunden, nämlich, wie das den beiden Bevölkerungsgruppen in Aussicht gestellte Referendum doch noch umgangen werden kann.

Na, ob da die Kirche im griechischsprachigen Süden mitspielen wird? Ob Ankara das besonders einfallsreich findet?

Fragen über Fragen.

Denn das Referendum des sogenannten zyprischen Volkes muss ja noch eingeholt werden auf Zypern – komischerweise nach dem Verhandeln. Eigentlich ein Witz, dass die politischen Führer all das schöne Geld mit Verhandlungen und Diesem und Jenem verbrauchen, wenn ihre ‚Bemühungen‘ dann vom Volk zunichte gemacht werden – sollten beide Führer wirklich und ganz ehrlich an einer Wiedervereinigung je interessiert gewesen sein. Man weiß ja nie! Wir erinnern da bestens nur: Papadopolous, Xristofias, 2004, Annan Plan!

Alles klar?

Sener Levent kolportierte neulich die Geschichte, von der er gelesen habe irgendwo im Netz, in der Putin bei Erdogan angerufen haben soll und diesem gesagt: Du hältst dich gefälligst aus Syrien heraus oder ich rupfe dir deine Marionette auf Nordzypern! Das heißt, dass Putin gedroht haben könnte, sich andernfalls im Norden Zyperns breit/er zu machen. Sener lässt uns in der Politis wirklich nicht im Unklaren darüber, dass die Meldung höchst wahrscheinlich eine Finte ist, von der er las – von wem auch immer in die Welt gebracht. Interessant ist daran der Blick hinter die Kulissen, wenn er denn stimmte. Ähnliche Dialoge könnten sich hinter verschlossenen Türen der Diplomatie durchaus abspielen. Man ist in dieser Branche zuweilen auch sehr direkt, wollen wir den Umgangston mal nennen.

Dass Zypern, der griechischsprachige Teil, sich auf B- im Ranking irgendeiner Finanzkontrollbehörde gemausert haben soll, ist Ihnen gewiss schon zur Genüge mitgeteilt worden. Und dass diesen Erfolg der Tourismus insbesondere bewerkstelligt haben soll, auch. Wolkenkratzer werden neuerdings an Limassols Küste hochgezogen – immer mehr. Viele denken, das müsse so sein, damit die Stadt endlich einen weltläufigeren Anblick erhält. Und solche Riesenbunker bei so wenig Wasser?

Wie bereits in anderen Artikeln geschrieben, hat Zypern ein zunehmendes Problem mit dem vorhandenen Wasser. Morgen schon wird voraussichtlich das Interview mit der Firma stattfinden, die das Wundermittel zur Hand hat, auf biologischer Basis ist es gemacht, welches Ölflecken im Meer wegfressen soll.

Dass Wasserprobleme in einem Land wie Zypern gelöst gehören, denn die Sonne scheint lang und viel und das Grün ist nun nicht gerade ausufernd viel, sollte man doch wohl annehmen. Allerdings ist von Wasserschäden landauf-landab zu lesen und zu hören. So auch vor kurzem wieder, und zwar in einem kleinen Dorf namens Psematismenos. Sener Elçi, der vor ein Paar Tagen eine Medaille als ‚der‘ Europäische Bürger erhalten hat, kommt zwar nicht aus Psematismenos, doch wie er in seiner Dankesrede schilderte, die in der Afrika Gazetesi in voller Länge am 01. Oktober 216 zu lesen ist, floh er auf einem Esel mit seinen türkisch-zyprischen Eltern wenige Monate nach seiner Geburt in Kalavasos nach Psematismenos, um dort vorerst Unterschlupf zu finden, bevor die Familie in den Norden weiter fliehen musste.

Ein Nest, eben ein kleines Dorf, Psematismenos.

Oberhalb des Dorfs stehen von Weitem bereits ersichtlich Villen. Im Dorf selbst gibt es recht chice alte Häuser, die zumeist von Ausländern aus dem englischsprachigen Raum liebevoll renoviert wurden, und die man dort auch auf zweiten Blick gar nicht erwarten würde.

Teile des Baulands mussten wohl mit Erde aufgefüllt werden, da der Grund darunter ziemlich felsig zu sein scheint – und keiner weiß so recht, was da noch alles auf der kleinen Anhöhe über dem Dorf unter dem Boden lauert. Die Häuser stehen jetzt jedenfalls – auch einige Bauruinen. Erbaut hat sie ein sogenannter Developer, die Santa Marina Villas, Idea Home Finder LTD. Man kann nicht sagen, dass die sogenannten Eigentumsbelege zügig beschafft werden konnten durch die LTD. Die meisten Hausbesitzer warteten Jahre.

Jetzt sind für die meisten dieser Hausbesitzer 10 oder 15 Jahre ins Land gezogen, die Behörden haben allen die Papiere ausgestellt und es könnte nun Friede, Freude, Eierkuchen herrschen. Die Garantien sind anscheinend definitiv abgelaufen inzwischen und siehe da: Wasserschäden, von denen wohl niemand gedacht hätte, dass es die in solch trockenem Umfeld überhaupt geben kann – nicht in dieser Art, wie im Folgenden beschrieben wird.

Das Haus ist also eines dieser Häuser über dem Dorf. Wie alle Villen hier, umgibt selbstverständlich auch diese ein Garten und es ist wie viele andere Häuser in der Art Siedlung nicht auf dem höchsten Punkt des Gipfels des wenig hohen Hügels angesiedelt. Die Straße führt auch vor diesem Haus vorbei, welches an den Hügel angebaut worden ist, abschüssig, wie man sagt. So schön, so gut. Doch seit geraumer Zeit breitet sich Feuchtigkeit aus. Lange haben die Besitzer dieses Hauses versucht so einigermaßen darüber hinwegzusehen. Vor zwei Jahren war allerdings schon jemand da, beklagen sie, der im Keller alles in Ordnung brachte an den Wänden, wo bereits die Farbe abblätterte. Feuchtigkeit.

Wie inzwischen zweifelsfrei festgestellt werden konnte, hat der oben erwähnte Developer und mit ihm ein Architekt, der den Bauverlauf seiner Zeit gut und extra bezahlt observierte, gepennt oder aber Geld sparen wollen – womöglich doch nicht so genau, extra bezahlt und dafür abgestellt, hingesehen. Denn es wurde am Boden und somit ums Haus herum keine Isolierung angebracht oder verlegt. Soll in Zypern so oft passieren, ist zu hören. Das rächt sich nun, denn unter den Fliesen fließt in winzigen, aber stetigen Mengen Wasser: ganz fein. Und keiner hat einen wirklichen Plan, der zeigt, wie und wo Rohre verlegt wurden. Man weiß es einfach nicht hundert Prozent, auch wenn man sich bislang eigentlich darüber sicher war. Das Verrückte daran ist eben, dass nun keiner weiß, woher das Wasser kommen könnte. Zwar gab es in der Hauptleitung vor einigen Monaten einen Wasserschaden, die unter der Straße verläuft. Der Schaden ist ganz sichbar aus unter dem Straßenbelag fast einen Meter hoch gespritzt für einige Tage – wie eine Fontäne. Nach Tagen wurde die Stelle dann zugemacht, bloß wie? Noch heute kann im Straßenbelag gut erkannt werden, wo das gewesen sein muss. Sehr fachmännisch sieht das Alles nicht aus.

Die Nachbarn sagen, sie hätten keinen Wasserverlust, auch nicht die, die über dem Grundstück, noch höher auf dem Hügel, wohnen. Ja, sogar diese Hausbesitzer können sich diesbezüglich nicht beklagen. Der Muchtar, Bürgermeister, erzählte ‚beruhigender Weise‘ von einem Wasserschaden woanders, bei dem 1000e Liter Wasser in das Haus und die Wohnung einer alten Frau geflossen seien, weil der Wassertank der Gemeinde einen Riss hatte – oder was genau der Grund war. Er war nämlich so frei, sich die Mühe zu machen und mit dem Auto mal kurz hochzufahren. Den Herrn, von dem er sprach, dass er ihn noch vorbeischicken wolle, um nochmals alles zu prüfen, kam allerdings nie an. Und die Arbeiter, die man angestellt hatte, den Schaden zu beheben, blieben auch mit dem ihnen im voraus bezahlten Geld auf der Strecke. Jemand versprach aber, er könne den Betrag zurückholen. Doch das ist lediglich ärgerlicher Nebenschauplatz.

Kurz: Man solle sich nicht so haben, ließ der Muchtar durch die Blume gesprochen wissen. Ist doch eigentlich alles OK. „Pflanzen sie doch Limonettengras, das saugt die Feuchtigkeit auf“, gab er zum Rat – und verschwand.

Händeringend sucht man nun nach der Quelle des Übels. Der Muchtar Psematismenos scheint vorerst nicht darauf ansprechbar zu sein. Es ist sogar zu befürchten, dass ihn das verstimmen könnte, sollte gar gefordert werden, dass er sich von amtswegen in Bewegung setzt in dieser Angelegenheit. Ausgerechnet er, dem doch eigentlich daran gelegen sein müsste auf Grund seiner Funktion im Dorf, solchen Schaden möglichst zu begrenzen, scheint der Wasserverlust nicht weiter zu jucken. Es steht wohl ein langer Weg durch Büros und Wohnstuben vermeintlicher Experten bevor; und vor Gericht ziehen, da sind sich die Hausbesitzer allerdings schon jetzt im Einklag drüber:

„Kannst du als Nicht-Zyprer vergessen!“

Hoffen wir also, dass die Wiedervereinigung zumindest klappt! Und wer regelt all die Dinge, die dann anstehen, etwa hiesige Behörden? Und die im Norden sollen noch abenteuerlicher unterwegs sein, ist zu hören von Hausbesitzern im Norden.

Die erste Republik Zypern, in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gegründet, die nach Ansicht einiger noch Bestand hat, ist nach Ansicht anderer 1974 spätestens den Bach herunter gegangen. Und keiner scheint Lust aufs Nachsehen zu haben, wohin die Republik – oder Teile/Ruinen davon – eigentlich wirklich gingen!

In besagtem Hügel in der Höhe über Psematismenos stehen noch einige ’schöne‘ Ruinen-Objekte, und das seit Jahren, die versprochener Maßen schon längst hätten fertig gestellt werden müssen vom oben erwähnten Developer. Gott, bei solch Namen ist das vielleicht nicht verwunderlich. Auf Türkisch hieß der Ort, gemäß dem Preisgewinner Elçi, ja bereits so, wie jetzt auch im Griechischen in etwa: Lügnerdorf.

Das eine bauruinliche Objekt auf dem Hügel erinnert so besonders schön an die Akropolis von Athen. Wie zu hören ist, kann dieses Reiseziel auf Tour in der Hauptstadt der Griechen also gestrichen werden. Das hat man ja schließlich tagtäglich so in etwa in Sicht vor dem Haus, wird gesagt im etwas verbittert klingenden Scherz.

Ach ja. Und dann wären da noch die Spielplätze für die Kinderlein, welche die Gemeinde angelegt hat. Und ebenso gibt es auch als Bauland ausgewiesene Flächen seit Jahren, wie an vielen anderen Orten auf Zypern auch, wo bereits geteerte Straßen hinführen und die Straßenbeleuchtung schon seit Jahren, jeden Tag aufs Neue, den Hasen und den Paar Singvögeln, die noch nicht in die Netze gegangen sind, spätestens dort angekommen heimleuchten! Häuser mit und ohne Wasserschäden im Land der prognostizierten Wasserknappheit stehen auf diesen Flächen noch keine.

Zuletzt: Die Jagdsaison ist wieder eröffnet worden und gejagt wird offiziell mittwochs und sonntags. Passen Sie gut auf sich auf und kommen Sie bloß nicht auf die Idee, unterwegs in den Felder zum Spazieren, eventuell in Netzen festgeflogene Singvögel befreien zu wollen. Das kann handfesten Ärger einbringen! Die Briten auf ihrer Basis in Dhekelia können da seit vorgestern ein Lied dazu singen. Im zyprischen Fernsehen konnte nach den Vorfällen bei Xylofago/Dhekelia eine Diskussion verfolgt werden, wo sich ein junger, etwas muskulöser Herr entrüstete, was diese Europäer und Fremden denn eigentlich auf Zypern noch alles wollen. Schließlich sei das Verspeisen von Singvögeln Recht, weil eine Jahrhundert alte Tradition auf Zypern!

Überhaupt publizieren wir alle möglichen Inhalte zu Zypern und Mehr auch auf Facebook, so auch mehr Details zu dem Vorfall in Xylofaga: https://www.facebook.com/w.b.secondchancepublications

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Präsident Anastasiadis trifft sie gerade alle.

Endlich angekommen in der Welt der politisch Großen?

Gewiss! Gewiss!

Sogar mit Palästina will er sich jetzt ins Benehmen setzen, und zwar wegen der viel gepriesenen Brückenfunktion, die zwischen Europa, Asien und Afrika unbestreitbar einzunehmen ist für die Republik Zypern. Mit Jordanien trifft man sich sowieso, unterzeichnet kräftig Abkommen und mancher Leser könnte sich wundern wegen so viel Engagement mit Amman, wo Jordanien ja nicht unbedingt am Mittelmeer liegt. Gleiches gilt in etwa auch für Ägyptens Führung, welche den EU-Rechtsnormen nun wirklich nicht entspricht. Fehlt eigentlich nur noch, dass die Türkei ins Boot zyprischer Diplomatie kommt – Israel, Griechenland und Libanon sind sowieso schon diplomatisch versorgt in der Region mit dem Notwendigsten aus Sicht Nikosias; ja, sogar Nordzypern selbst und womöglich auch kurdische Verbände und Organisationen wären da durchaus noch dazu zu zählen, vielleicht sogar der ‘gute’, ‘nette’ Herr Assad? Letztere Verhandlungspartner sollen möglichst nicht in die Medien, also weg mit angeblichem Syrien- und Kurden-Kontakt der zyprischen Diplomatie?

Die Kurden könnten auf Zypern womöglich mit ihren Forderungen nach einem freien Kurdistan stillhalten, bis Ende 2016 die Wiedervereinigung auf Zypern ausbricht. Nach Berichten der deutschen Tagezeitung Welt sollen Öcalan-nahe Organisationen der Kurden ja sogar in Berlin–Reinickendorf neuerdings ein Büro eröffnet haben. Der ‘Botschafter’ darin ist Herr Sipan Ibrahim.

Dass die Kurden noch immer nicht miteinander können, also diejenigen aus Syrien und dem Irak, wie Herr Ibrahim dem Journalisten der Welt erzählt haben muss, bezeichnen nicht wenige als typisch. Dass Herr Ibrahim nicht all zu diplomatisch geschult oder beschlagen zu sein scheint, zeigt folgendes: Zuerst leugnet er, dass ein kurdisches Staatsgebilde in Rojava entstehen soll und dann erzählt er im Verlauf des Interviews, dass es schon schön wär, so ein eigener kurdischer Staat mit Flagge, einer nationalen Fluglinie etc.

Typisch.

Gewiss sind auf Zypern vermehrt Politiker anzutreffen, die finden, die kurdische Botschaft in Berlin gehörte eigentlich nach Nikosia oder zumindest nach Limassol verlegt. Bei so viel diplomatischem Engagement der Zyprer in der unmittelbaren Region fragt man sich wirklich, was Herr Siban Ibrahim davon halten würde. Die Kurden, wird gemunkelt, hätten prinzipiell und seit Jahrhunderten ein Problem, welches da ist: Letztendlich, und egal wie bescheiden und moderat sie auftreten mögen, schaffen sie es irgendwie nie – unter sich -, sich mit dem Spatzen in der Hand zufrieden zu geben! Den Zyprern könnte eine Einigung des Landes da doch schon eher gelingen, wenn … .

Allerdings spricht der Türkischzyprer Akinci, Präsident von Nordzypern, bereits ohne Rot im Gesicht zu werden davon, dass ein wieder-vereintes Zypern Ende 2016 dann wohl doch in den Frühling 2017 verschoben werden wird.

Vielen erscheint diese zeitliche Verlegung dieses Events, oder wie dazu gesagt werden darf, durchaus nachvollziehbar; und man stellt sich daher wahrscheinlich besser weiterhin auf St. Nimmerleinstag ein, der ja immer im Frühjahr sein soll.

Der Zusammenschluss britisch-türkischer Zyprer hat den folgenden offenen Brief an Präsident Akinci geschrieben:

Lieber Präsident Akinci!

Der Zusammenschluss britisch-türkischer Zyprer unterstützt die von der UN unterstützen Verhandlungen und deren Ziel, eine Lösung zu finden, die lebensfähig sein wird für Zypern. Doch im Licht der derzeit gegebenen Zerrissenheit bei den Verhandlungsgesprächen haben wir einige wirkliche Bedenken, die als Bedrohung des Friedens und der Prosperität der Türkischzyprer gesehen wird – und daher Zweifel am Bestand irgendwelcher getroffener Vereinbarungen, danach, aufwirft.

Vor dem Hintergrund, dass die Türkischzyprer letztlich ihren Entscheid an der Wahlurne abgeben werden, am Tag des Referendums nämlich, lässt unsere Abwesenheit und zu vermissende Repräsentation während der Gespräche diese als komplett undemokratischen und unfairen Prozess ausmachen. Den Türkischzypren war 2004 wenig Zeit gegeben worden, den Annan Plan zu absorbieren. Ebenso diesmal. Unsere Leute wurden und sind nie Teil einer verlässlichen Information, oder Teilnehmer bei einer Entscheidung gewesen, die ihre Zukunft angeht und ihre Sicherheit. Daher können sie sich nur jenen Politikern anschließen, über welche Sie sich kürzlich beschwerten, [Herr Akinci], diejenigen [nämlich], die ein NEIN wegen der Intransparenz des Verhandlungsprozess’ und der Unsicherheit formulieren – diese [Art Anschluss] auch wegen der widersprüchlichen Medienberichte der Griechischzyprer, [welche die von Ihnen an uns gegebenen, spärlichen Informationen nicht widerspiegeln].

Was die letzte Volkszählung angeht, beträgt die Anzahl von Turkischzyprern in Nordzypern 286,257 Personen. Es wurde allerdings verkündet, es seien 220,000, die die Obergrenze für ein Recht aufs Bürgerrecht hätten sowie an Wahlen teilzunehmen. Diese Angelegenheit stattet den Anfang einer vollzogenen Vereinigung mit Limits aus, welche die Entwicklung und Zukunft der Türkischzyprer beschneiden. Außerdem ist nicht verständlich genug dargelegt, wer denn nun bitte sehr das ‘Glück’ erhält, ein Bürgerrecht zu erhalten und wer sich erneut darum zu bemühen hätte. Letztere werden unter den gesetzten Limits voraussichtlich einen demoralisierenden Kampf aufzunehmen haben. Und wir betrachten diese Angelegenheit als ziemlich feindlich von Seiten der griechischzyprischen Administration, die über unser Erbe und Recht an Teilhabe entscheidet.

Wen schlagen Sie denn vor, den oder die es von Wahlen und Bürgerrecht auszuschließen gilt?

Wie können Sie [es wagen], ihre eigenen Leute vom Rückkehrrecht zu beschneiden, um in ihrem eigenen Land zu investieren?

Nun, schließen Sie die türkisch-zyprische Diaspora etwa ganz bewusst aus, die wahrhaft ein wirkliches Interesse am Verlauf des ganzen Verhandlungsprozess hat?

Wir haben zwei Pässe und haben Eigentum in Nordzypern. Wir versehen weiterhin unseren Militärdienst und zahlen Steuern in Nordzypern.

Ist das fair?

Wir verlangen, dass die Griechischzyprer denselben Prinzipien folgen!

Haben Sie das Vermögen der religiösen Stiftungen (Evkaf), welches von Griechischzyprern, während der Herrschaft der Briten auf Zypern, illegal angeeignet wurde, auch diskutiert am Verhandlungstisch sitzend oder wird dieses Vermögen einfach so an die Griechischzyprer übergeben werden?

Der klar größte Sorgenpunkt der Türkischzyprer geht das Eigentum an, in dem sie selbst leben oder wohnen. Im Gegensatz zum Annanplan, ist es jetzt so, dass unsere Leute mit eigentumsrechlichen Klagen der Griechischzyprer rechnen müssen, wenn sie mit Ja stimmen. Letzteres würde die Wirtschaft Nordzyperns zu einem Halt bringen und ein nahezu endloses Prozessieren vor Gericht folgen lassen. Wenn dieses Szenario aufs Trapez kommt, wer wird dann die “Kompensation” für diese Rechtsansprüche finanzieren?

Das alles wird zweifellos zivilen Unmut entfachen und ökonomische Verluste nach sich ziehen.

Und dann: Wurden die Verluste der Türkischzyprer, während der Periode 1963 – 1974, die erlitten wurden, beziffert und erwähnt am Verhandlungstisch?

Wird es eine permanente Ausnahmeregelung vom EU-Gesetz geben, um die Kontinuität der Bi-Zonalität [des neuen Staatsgebildes] zu konsolidieren und zu bestätigen?

Vor dem Hintergrund der Unsicherheit des EU-Status, wegen dem Brexit, können Sie da auch nur den Verzicht auf den Anspruch der Türkei eine Garantiemacht zu sein ansprechen?

Des Weiteren: Die Zunahme des Nationalismus unter den Griechischzyprern und das global entstandene Anti-Muslim-Sentiment werden unsere Leute völlig ungeschützt lassen und isoliert.

Wir brauchen eine Vereinbarung, die Stabilität und den Türkischzyprern eine Zukunft bietet. Wir müssen fühlen, dass ein Ja oder Nein, welches in letzter Minute für einen Deal abgegeben werden soll, an dem wir gar nicht eingebunden sind, kein Teil eines stabilen Systems sein kann. Und so etwas gehört den Leuten aber – eigentlich – angeboten!”

Das schreibt Ersu Ekrem in der LGC online.

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Für all diejenigen, denen es was sagt oder gar bedeutet: Der wenig umweltfreundliche Freizeitpark in Rust am Rhein, dessen Vergrößerung noch aussteht, weil unbedingt noch eine monströs große Badelandschaft irgendwie angeschlossen werden soll als weitere Megaattraktion, soll der Welt “bester” Freizeitpark sein. Diesen Titel hat man – wer auch immer – diesem, wie gesagt, wenig umweltfreundlichen Projekt namens Europa Park Rust verpasst.

Russland und die USA scheinen den Kurden, vordringlich dieser Volksgruppe, auch etwas Zeit des Leidens verpasst zu haben und Baschar al Assad – dem Schlächter von Damaskus – eine Ruhepause. Letzterer strahlt gewiss über beide Arschbacken darüber, ich vermute so, wie auch sein wahrscheinlich zukünftiger Wieder-Freund, Receb Tayyip Erdogan, der Dorfislamist vom Bosporus.

Und wie jetzt bloß thematisch den Sprung nach Zypern erwischen?

Vielleicht über die Erwähnung, dass in Kandern bei Basel letztes Wochenende auf dem sogenannten Budenfest man sich mühen musste, wird geschrieben, einen Sitzplatz zu ergattern. So viel Andrang war da, wahrscheinlich, um sich von den Sorgen und Nöten in der Welt und im Alltag abzulenken.

Klar, nicht nur, aber dann halt doch auch!

Die Badische Zeitung tönt, es war ein großes, tolles Fest. Alle Stände verzeichneten einen guten Umsatz – allseitige Zufriedenheit!?

Marios Adamou tönte in der griechischsprachigen Antinews-Zeitung bereits groß, der türkischzyprische Präsident Akinci und der griechischzyprische Präsident Anastasiadis hätten sich in der Frage geeinigt, wie das vereinte Zypern denn regiert werden würde, käme es zustande. Liest man dann allerdings den Artikel mit der reißerischen Überschrift “Neue Übereinstimmungen in Sachen Regierungsform” weiter, ist zu erkennen, dass sich wenig bis gar nichts bewegt haben dürfte.

Es hätte alle Beteiligten wohl auch sehr verwundert, wenn da was Wesentliches gelaufen wäre zwischen Akinci und Anastasiadis. Akinci, schreibt Adamou, habe zum Ausdruck gebracht, “dass die Türkischzyprioten von den Griechischzyprern erwarten, den Verhandlungsprozess in realistischen und logischen Grenzen zu führen.” Adamou zitiert Akinci, nach dem er ausgeführt hat, dass Akinci auf die “4 Freiheiten” verwiesen habe: “Zum Beispiel die Freiheit”, sagt Akinci, “auf dem Markt; und die beim Verkauf von Immobilien, die fallen darunter und es gilt, dieselben entsprechend anzupassen. Ebenso ist das auch der Fall für andere Freiheiten. Es geht nicht an, dass es Beseitigungen von Rechten gibt, massenhaft Verbote; sondern Gerechtigkeit bei den Anpassungen hat zu herrschen. Und das ist uns wichtig! Unsere Empfehlung ist, es bleibt besser bei einem Staat mit zwei Gemeinschaften und Staatsgebieten. Das Letztere soll keinesfalls unter den Tisch fallen.”

Akinci glaubt indes noch an einen positiven Ausgang der Verhandlungen, schreibt Adamou.

In einer weiteren griechischzyprischen Tageszeitung, der Politis, ebenfalls von letztem Sonntag, wird die zuvor geschilderte Angelegenheit noch etwas klarer gestellt für den Leser. Akinci habe nämlich gegenüber der türkischzyprischen Presse gesagt: “Ich kann sagen, dass sich ein kleiner Fortschritt (in den Verhandlungen mit den Griechischzyprern) aufzeigt. Neue Übereinstimmungen zeichnen sich ab.” Des Weiteren: “Das wirkliche Ziel an jenem Tag war, einen Text zu verfassen, den wir so dann mit der (jeweiligen) Öffentlichkeit teilen.”

Na toll! So ähnlich dürften Sie darauf eventuell regieren, verehrte Leser. Glückwunsch! Manche unter Ihnen mögen denken: Das hätten Die auch billiger haben können, zumal zu befürchten ist, dass das, was da verlesen wird, eh schon 1000 und 1 Mal in den Zeitungen und Fernsehbeiträgen der Insulaner zu hören und zu lesen war.

Jedenfalls zitiert die Politis von letztem Sonntag an anderer Stelle erneut Akinci, der auf die Frage nach Neuerungen in Sachen Übereinstimmung, zu denen es gekommen sein soll in puncto Regierungsform, folgendermaßen Antwort gab: “Für uns ist es ein unverbrüchlicher Teil unserer Politik, (so auch) unserer Gleichheit. Es gab heute keine irgendwie geartete Übereinkunft bei diesem Thema!”

Eine wirklich interessante Frage, welche die Politis im Gespräch mit Akinci aufwirft, ist indes die nach der Umstellung auf Winterzeit. Bekanntlich wird die Türkei dieses Jahr die Zeitumstellung nicht mitmachen. Der kleine Bruder namens Nordzypern wäre dann doch wohl aufgefordert, dem großen Bruder unzweideutig zu folgen, der ihn schließlich nährt und anerkennt? Akinci antwortete aber, dass mit Blick auf den Wiedervereinigungsprozess, der ja unterwegs sei mit den Griechischzyprern, es ausgeschlossen ist, die Umstellung nicht mitzuvollziehen wie der Rest Westeuropas. Schließlich sei Zypern auch in einer anderen Gegend gelegen als die Türkei, es sei etwas Eigenes.

Mal sehen, wie lange Herr Akinci daran festhalten wird. In der Türkei laufen inzwischen Ermittlungen gegen den einstigen Präsidenten der Türkischen Republik, Gül, und den letzten türkischen Ministerpräsidenten, Davutoglu. Verseht sich, dass Letzteres noch nicht offizielle Lesart in Ankara ist. Doch, da enge Mitarbeiter der beiden erwähnten türkischen Politiker bereits ‘eingesackt’ wurden und werden vom Regime, und die Gerüchteküche auch munkelt, dass Akinci auf dem Radar erdoganscher Säuberungen stehen soll, ist da vielleicht doch mehr als ein Funke Wahrheit dran, nämlich, dass in Bezug auf Akinci, sich seine Meinung bezüglich der Winterzeit doch noch umformen lassen könnte – ferngesteuert aus Ankara und mit, sozusagen, fethulla-gülschem Druck, den Erdogan & Co dann vielleicht ausgeübt haben könnten. Wir werden uns überraschen lassen dürfen. Es soll ja so manchem Politiker gelingen, von einer Haltung zu einer komplett entgegengesetzten zu gelangen – in Sekunden zuweilen!

Zuletzt: Dass die EU scheinbar (mal wieder) vorhat, zuzusehen, wie in den nächsten paar Monaten Kurden in der Türkei – überwiegend schuldlos – getötet werden, ist dieses Zu- oder Wegsehen wohl auch wegen ihrer betriebenen Politik im Jemen, Palästina, Irak, Afghanistan, Libyen etc. inzwischen wirklich und somit mit Schrecken als symptomatisch zu bezeichnen.

Gestern am 11. September müsste nach mindestens 15 Jahren politischen Versagens – nahezu – hoffentlich mal jemand klar geworden sein in Brüssel, dass sich sooo verhaltend, die nächste Generation Freiheitskämpfer, die andere Leute Terroristen nennen, geradezu und zwangsläufig hochgezogen wird.

Und was wär eigentlich, wenn irgendjemand demnächst erforscht haben will, dass der zunehmende Rechtsradikalismus in Europa nicht mit den Flüchtlingen allein zu tun hat, sondern vor allem darauf fußt, dass – wie gerade wieder in Syrien seit gestern – vorrangig jene Politiken betrieben werden, die auffällig viel (kriegerischen) Materialverbrauch haben und nahe an gewissen Ressourcen gelegen so stattfinden?

Die Umweltministerin Deutschlands, die neuerdings und endlich hörbar fordert, dass ihr Ressort in den ‘großen’ Entscheidungen, die gefällt werden in Berlin, mit einbezogen wird – gern federführend, finde ich -, gehört in ihrem Unterfangen unbedingt unterstützt!

Irgendjemand muss den Raubbau an Menschen, Flora und Fauna in verträglichere Bahnen lenken! Der Freie Markt wird es jedenfalls nicht tun. Und frei ist dieser Markt sowieso nicht. Er ist das langweiligste Gebilde überhaupt: vertikal. Also unten arbeitet nach oben und oben teilt nach unten, nach belieben bestens, wie es zunehmend den Anschein hat, aus!

Europa Parks und Budenfeste sind manchem in der derzeitig verzwickten, weltpolitischen Lage der I-Punkt der Dekadenz! Wie jemand zuvor am Nebentisch reklamierte, der aus Kroatien stammt, und sagte: “Die Leute hier, die saufen sich zu bis oben hin am Budenfest. Man kann sich gar nicht durch die Menge auf dem Marktplatz wagen, weil andauernd wird man angehalten, ein Bier, ein Gläschen Wein oder sonstwas mitzutrinken. Bei uns in Kroatien, wir tanzen, wir reden, wir lassen uns nicht so ungehemmt volllaufen!”

Auch das Volllaufenlassen an Festtagen dürfte seine Gründe haben, eben wohl auch darin, dass die betriebenen Politiken, irgendwie verarbeitet werden müssen, dass die Menschen spüren und erkennen, dass sie als Deutsche – zumindest in Europa, Afrika und Asien – längst nicht mehr so gern gesehen werden; und das alles zu einem Preis, der vermehrt schlechte Arbeitsverhältnisse und Löhne etc. für sie bedeutet.

Schon blöd, wenn (vermeintliche) ‚Größe‘ erreicht und gehalten wird, indem man an sich selbst nagt – zunehmend!

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Zeichen der Zeit

oder:

Die da oben

Dass die Ereignisse in der Türkei spurlos an Zypern vorbeigingen, kann so nicht gesagt werden. Sie schreiben und reden auf Zypern von der sogenannten Praxikomita, der Besetzung des Nordens von Zypern durch die Türkei 1974. Der Putsch, der in der Türkei vor kurzem misslang, erinnert die Insulaner offenbar an jene Ereignisse von 1974 sehr stark in diesen Tagen.

Anscheinend hat es keiner der türkischen Putschisten im Jahr 2016 versucht, sich auf die zyprische Insel zu retten. Offensichtlich sind die – nicht gerade von der Anzahl her wenigen – türkischen Armeeeinheiten in Nordzypern nicht in den Putschversuch involviert gewesen. Daraus kann geschlossen werden, dass die türkische Armee im Norden Zyperns inzwischen bereits mit Erdogan-treuen Obristen und Generälen bestückt ist mehrheitlich. Folglich darf es bereits als gewagt gelten, wenn der jetzige Präsident im Norden, Mustafa Akinci, öffentlich davon spricht, wie letztens, es mögen in der Türkei anstatt einer Islamisierung der Gesellschaft, das Besinnen auf die Grundprinzipien Atatürks beim politischen Handeln und Entscheiden voranstehen.

Bekanntlich haben acht türkische Piloten mit Hubschraubern die Flucht ins griechische Alexandropoulos unternommen, als klar wurde, dass ihr Putsch scheitert. Versteht sich, dass die Türkei deren Auslieferung fordert und versteht sich, dass die Flüchtenden einen Asylantrag in Griechenland stellten. Mal sehen, welchen Strick Herr Erdogan daraus drehen wird, wenn Griechenland sich weigert, die Flüchtenden auszuliefern oder gar die Hubschrauber zurückzugeben. Die Geflüchteten können ihrerseits eventuell heikle Details aus dem türkischen Armee-Innenleben berichten, welche Herrn Erdogan womöglich doch noch das Genick politisch, versteht sich, brechen könnten. Wir werden also gespannt abwarten, ob die EU mit derartig heiklen Informationen ausgestattet, gleich an die Öffentlichkeit geht, oder aber dem türkischen Präsidenten solche Details auf die Brust setzt, damit der endlich einlenkt, um an der Macht zu bleiben.

Vielen ist ja so ein Alfatierchen, wie es Herr Erdogan versucht darzustellen, eigentlich auch in Teilen Europas oder den USA gerade recht. Vor allen Dingen ist dem so, wenn dieses Tierchen so in etwa tut, was den Interessen dienlich ist. Es fällt einem dann auch leichter, das eine oder andere Auge mal zuzudrücken. Doch so?

Ob, also, die Türkei in der Folge dieser Ereignisse um den missglückten Putsch eher geneigt sein wird, die Forderungen der EU umzusetzen, zum Beispiel bezüglich der effektiven Anerkennung der Republik Zypern, ist zwar weiterhin fraglich, doch nicht ganz ausgeschlossen ist, dass Ankara sich etwas bewegen könnte. Wie sich nämlich zeigt, braucht die türkische Regierung offenbar einen gehörigen Druck zum Sich-Bewegen auf politischem Terrain – und schon scheinen sich sogenannt Rote Linien Ankaras sogar in Luft auflösen zu können. Die verwunderliche Annäherung der Türkei mit Israel vor kurzem, soll ja aufgrund des us-amerikanischen Drucks geschehen sein und ist durchaus ein Beispiel für eben Gesagtes. Und der Druck, der sich innerhalb des Landes aufgebaut hat/te, weil die russischen Touristen fernblieben – und noch immer mehrheitlich bleiben, ließ den türkischen Präsidenten sich mit Herrn Putin wieder annähern. Das ist ein weiteres Beispiel für Druck, der etwas bewegt in der Türkei. Plötzlich kann man wieder miteinander. Putin und Erdogan, wird ja gesagt, seien Seelenverwandte.

Seltsam eigentlich, dass Brüssel sich eines effektiven Druckmittels nicht endlich ersichtlich bedient. Schließlich ist die türkische Industrie nicht unwesentlich von den Kontakten zur EU abhängig. Ähnliches kann am 20. Juli 2016 sogar in der konservativen Badischen Zeitung gelesen weden.

Reiseverbote in die Türkei gehörten vor dem Hintergrund der derzeitigen Gefahrenlage und wegen dem verstörenden Verhalten Erdogans ausgesprochen, finden viele. Das Geschrei wird nämlich groß sein, wenn zig Nordeuropäer irgendwo an einem türkischen Strand oder in einer türksichen Stadt ihre Leben lassen wegen eines Terroranschlags. Vor allem das Geschrei nach den Verantwortlichen wird erneut ertönen. Und dass die sogenannte Parlamentsarmee der Deutschen in Incirlik nicht von Mitgliedern des deutschen Parlaments besucht werden darf, weil Erdogan dagegen ist, ist nicht zuletzt ein weiterer Indiz dafür, dass die Zeit des Herumkasperns nach Erdogans Maßgaben vorüber sein sollte in Brüssel. Und ist Notstandsgesetze zu erlassen, nicht das Machtmittel gewesen, welches Adolf an die Macht brachte. Erdogan greift gerade darauf zurück. Die Verantwortung für verunfallte Terroropfer und zu langes Zusehen beim eindeutigen Formen einer Diktatur, die man sogar noch protegiert durch zögerliches Verhalten etc., dürfen sich, was Deutschland angeht, die Koalitionsregierung im Bundestag jetzt schon ans Revier heften. Ohne Wenn und Aber!

Reicht doch wohl, dass die Briten ausgeschert sind und allen vormachen, und weiterhin vormachen werden, wie man Brüssel am Gängelband hält? Das zu befürchtende Szenarium ist nämlich das Folgende: Das britische Parlament könnte, zu einer Abstimmung – angeblich oder wirklich – getrieben, plötzlich befinden, dass Großbritannien doch nicht aus der EU austritt.

Was dann?

Schätzungsweise wird das gesteigerte Chaos, welches danach entstehen wird, von einigen, die britische Regierung inbegriffen, genutzt, nach Manier des Teile und Herrsche-Systems, welches die Briten bekanntlich seit Jahrhunderten verfeinern, erst Mal die Positionen auf Gewinn, was auch sonst, für die Briten zu stellen – und für all jene gleich mit, denen das britische Establishment wirklich am Herzen liegt.

Jedenfalls hat die Türkei bislang wenig Engagement gezeigt, ihre Verpflichtungen gegenüber der EU und somit auch Zyperns einzugehen. Manche sprechen ja von folgendem Kalkül, welches vorliege: Erdogan und seine Leute treiben es jetzt, nachdem verunglückten Putschversuch, auf die Spitze mit ihren undemokratischen Politiken, so lange das halt noch geht. Es geht ihnen ja schließlich darum, die türkische Verfassung zu ändern – komme, was wolle -, und zwar im Sinne Erdogans. Dafür könnte Zypern eine Teilvereinigung erhalten, also eine zyprische Lösung der über 40 Jahre bestehenden Teilung der Insel stünde demnach bevor, bei der ein Abzug der türkischen Soldaten auf Zypern in Gänze zwar nicht zu erwarten ist, doch dass Ankara Nikosia anerkennt und man zukünftig versucht, sich irgendwie kooperativer zu begegnen, könnte drin liegen. Wie ja auch in der Republik Zypern seit Jahren beteuert wird, dürfte eine Wiedervereinigung – auch unter den eben aufgezeichneten Bedingungen – sehr wohl noch mehr Reichtum und Wachstum generieren; und vor allem mehr Sicherheit in einer geostrategisch schwierigen Lage.

Wohl auch daher besteht die Türkei neuerdings bei der Uno seit 2014 (Turkuno DT/4513427) ausdrücklich darauf, dass doch mal bitte sehr klar gestellt gehört, dass die Republik Zypern sich in der See vor Zypern ein Gebiet anzueignen sucht, welches sie “AOZ” nennt, das zu einem großen Teil in den See-Bereich der Türkei und somit auch und vor allem den Bereich Nordzyperns fällt. Das Gebiet, welches der Republik Zypern zustehe als AOZ, liege aber eher irgendwo zwischen Griechenland und der Insel und nicht so nahe an dem der Bereich der Ägypter, die zufällig auf richtig große Mengen Erdöl/Erdgas vor noch nicht all zu langer Zeit gestoßen sind.

Als Laie in diesen Dingen kann beim Betracht der Karten nicht gesagt werden, diese Feststellungen der Türken sind völlig aus der Luft gegriffen. Letzteres trifft insbesondere auch dann zu, wenn eine Art Wiedervereinigung Zyperns kommt, die von einem Staat bestehend aus zwei föderativen Teilgebieten ausgeht; wo jeder Teil seinen Bereich verwaltet und man versucht, in einer gemeinsamen Regierung die politischen, ökonomischen und anderen Geschäfte zu koordinieren – gerecht und gleich.

Doch dass es in absehbarer Zeit zu so etwas kommt, kann bei dem herrschenden Nationalismus unter den Griechischzyprern wirklich nicht erwartet werden. Die Türkischzyprer dürfte noch immer das Wahlverhalten der Griechischzyprer beim Annanplan 2004 daran hindern, und auch daran, an einen mentalen Umschwung der griechischzyprischen Brüder und Schwester wirklich und ganz fest zu glauben, sodass man entsprechend wiedervereinigungsfreundlich sich geben würde oder gar abstimmte. Eine Blamage in 30 Jahren, oder so, genügt, dürften nicht wenige unter den Nordzyprern denken. Denn ihr Abstimmungsverhalten beim Annanplan wird von vielen als schämenswert erachtet. Als wolle man sich wie eine Klette an die Griechischzyprer hängen. Diesen Eindruck möchten viele nicht ein weiteres Mal von sich in die Welt gestreut sehen. Dann lieber mit den Türken weiterhin im Boot bleiben. Es kann unter Griechischzyprern ja noch nicht mal laut ausgesprochen werden, dass in diesem neuen Staatsgebilde ein Türkischzyprer für eine vereinbarte Zeit als Präsident vorstehen könnte. Griechischzyprische Nachrichtensender schreiben und sprechen noch immer vom “Attila”, wenn sie die Türken meinen. Nordzypern wird als Pseudostaat bezeichnet und seine politischen Vertreter, beispielsweise der Präsident, als Führer der Türkischzyprer: “Sogenannte …”.

Des Weitern gibt es noch ein Abkommen zwischen Nordzypern und der Türkei, seit 2011, welches Erdogan mit dem damaligen Präsidenten Nordzyperns, Eroglu, festsurrte. Es besagt, dass die Türkei im Falle der Fälle des Erdgas- oder Erdölreichtums, um es mal so zu bezeichnen, mehrheitlich an der türkischzyprischen AOZ beteiligt sein wird.

Vor dem Hintergrund, dass Eroglu eh türkeifreundlich ist und war, und aufgrund der Tatsache, dass die Türkei seit Jahrzehnten Milliarden Dollar zum Überleben der türkischen Zyprer aufwendet, ist diese Handlungsweise Eroglus durchaus nachvollziehbar. Sisi in Ägypten hat Saudi Arabien vor kurzem schließlich auch ein-zwei Inselchen im Roten Meer aus ähnlichen Beweggründen hinterlassen. Und amerikanische Militärbasen sind auch noch immer irgendwo in der BRD anzutreffen. Aus Dankbarkeit. Dankbarkeit kann nicht selten auch mit Geld oder/und politischem Einfluss beziffert werden.

Am 15. Juli vor einigen hundert Jahren soll das erste Papiergeld in Umlauf gekommen sein. Und am selben Datum im Jahr 2016 hatten die Türken eben ihren misslungenen Putsch, der ihnen allerdings 42 Jahre davor in Zypern zu ungefähr dem selben Tag gelungen ist.

Am 16. Juli 2016 dachte ich mir, ach gehst mal schwimmen, und zwar dort, wo es erlaubt ist und das Wasser ersichtlich rein: zwischen Sasbach und Wyhl. In Zienken, kann ja jetzt anscheinend niemand mehr schwimmen gehen, weil es keine Parkplätze mehr gibt, die wurden kurzerhand entfernt. Diese Gemeinde ist offensichtlich nicht in der Lage, sich mit dem Kiesgrubenbesitzer so zu einigen, dass man auch dort, wie zwischen Sasbach und Wyhl, einen Teil des Sees als Badesee ausrichtet. Andernorts nennt man das Bürgernähe.

Kalt war das Wasser, aber dennoch gut. War letzten Sonntag früh morgens um 08 Uhr bereits dort, so auch heute wieder. Im Wasser schön gemächlich schwimmend kam mir in den Sinn, einen alten Schulfreund nach dem Schwimmen mit meinem Besuch zu überraschen. Den habe ich seit über 30 Jahren nicht mehr gesehen. Er wohnt dort in der Gegend, wie ich von seiner Mutter schon vor Monaten erfahren habe. Kaum an seinem Haus vorüber gefahren, stand er wie bestellt am Tor seines Vorhofes zum Angesprochen-werden bereit. Er spielte gerade mit seinem kleinen Hund. Zwei Kaffee getrunken, gute alte Zeiten aufleben lassen im Gespräch, kurz die Etappen seines und meines Wertegangs uns vorgetragen – und wir vermieden mit Bravur, dass er mir bei unserem letzten Treffen meine Framus-halbelektrische Guitarre, die ich ihm zum Aufbewahren gelassen hatte, nicht mehr zurückgeben wollte, und auch nicht zurück gegeben hat. Bis zum heutigen Tag.

Zur Strafe, sozusagen, habe ich mir danach am Auto die rechte Seite aufgerissen, nur, weil ich möglichst korrekt im Parkbereich einer Straße in Freiburg einparken wollte. Da war nämlich noch dieser Pfosten und obwohl ich gehörig aufpasste, ging das Einparken schief – schief wie der Putsch in der Türkei.

Vor knapp zwei Wochen dachte ich noch so bei mir: Ist doch eigentlich mal wieder Zeit zu einem kleinen Putsch am Bosporus. Dass man diesen dann gleich so diletantisch umsetzt, erinnert schon stark an meine Vorgehensweise, die Guitarre wieder zurückzuerhalten. Zugegeben, die waren bei ihrem Putschversuch nicht ganz so zurückhaltend wie ich, doch wahrscheinlich mindestens genau so doof?

Kann gut sein.

Kann aber auch sein, und irgend etwas will mich das einfach glauben lassen, mehr, als all die anderen Begründungen, dass der Putschversuch sehr wohl von Erdogan und seinen Gesellen ferngesteuert passiert ist. Schließlich bin ich ja auch, trotz besseren Wissens und nur wegen der Aussicht, einen Strafzettel zu erhalten, weil der hintere Reifen 10 cm über den auf dem Boden gezogenen weißen Strich ragte, sozusagen ferngesteuert in die Falle gefahren, also, mit der rechten Seite des Autos schön am Pfosten entlang geschrammt.

Obristen der türksichen Armee sollen den Putsch verschrammt haben, vielleicht auch einige Generälchen, ja, und natürlich der Herr Gülen im fernen US-Amerika, der sich gleich verdächtig laut von einer Mittäterschaft distanzierte. An seiner Stelle hätte ich gar keine Stellung bezogen. ‘Auf so etwas antworte ich nicht mehr’, hätte ich gesagt und gelangweilt weg vom Objektiv der Kamera geschaut. Bekanntlich wohnt der Gute in den USA.

Nun, unser guter Herr Receb Tayyip Erdogan hat nicht versäumt, dennoch gleich volle Kanne auszuholen nach dem angeblichen oder wirklichen Putschversuch: Die USA stecken hinter dem Putschversuch, sagt er. In dem man mit der großen Keule auf diese Weise verbal ausholt, kann man die kleineren Übel zwischenzeitig real wegräumen: unliebsame Richter, Staatsanwälte, natürlich Anwälte und, wie immer, noch schnell ein Paar Journalisten plus Notverordnung.

Bravo!

Doch Herr Obama wird sich mit Herrn Erdogan treffen, morgen oder übermorgen soll es so weit sein. Dass die beiden sich nicht grün sind, dürfte allen Beteiligten schon längst aufgefallen sein. Versteckt, wie alle seine Vorgänger, wird auch Erdogan unterm Tisch mit einem Abrücken der Türkei in Richtung Russland drohen. Insofern ist seine Annäherung mit Putin schon fast verdächtig gut in der Zeit gelegen. Es lässt vermuten, dass der Putsch, der so diletantisch ablief, die Annäherung an Russland und Israel davor bedingte und daher das Werk gewisser Thinktanks der besonderen Art ist.

Erdogan wird wohl Federn lassen müssen, um sein Ziel, Alleinherrscher, zu erreichen. Die Frage ist, wird er sie beim Kurden-, Israel-, Armenien-, Irak-, Iran- oder aber beim Zypernproblem lassen?

Was bleibt da noch zu hoffen, folglich? Dass Griechenland – nicht schon wieder – als ein weiteres Problem der Türkei in den Vordergrund gerät. Dass das Pro und Contra Erdogan zu sein, den Frieden in nordeuropäischen Ländern, in denen viele türkischstämmige Menschen leben, durch kluge Politiken im europäischen Inneren abgefedert werden kann. Und da habe ich so meine Zweifel, wenn zum Beispiel das sogenannte Weißpapier der deutschen Verteidigungsministerin inhaltlich angesehen wird. Es liest sich eher wie ein recht plumper Aufruf zur endgültigen Militarisierung – in letzter Konsequenz – des zivilen Lebens und/oder Bereichs. Nach dem Motto: Kontrolle ist gut, mehr Konrolle ist noch besser! Wer sich und anderen vertraut, scheint wohl selbst schuld zu sein. Das scheint die Denke dahinter zu sein.

Ja, die Schuldfrage ist wahrhaft kein Grund, die Schuldigen an der Misere auf die leyensche Weise noch mehr abzudecken. Die Regierungen Europas sind gut beraten, den Obersuperreichen Europas für den Zeitraum von 5 Jahren, beispielsweise, einen Schnitt von 50% der Einnahmen zuzumuten. Damit die Löcher in den Straßen endlich gestopft werden europaweit. Damit den Frauen ein gleichwertiges Gehalt für gleiche Arbeit bezahlt wird europaweit. Damit vor allem jungen Flüchtlingen eine ganz intensive Betreuung zugute kommt europaweit, gern mit der Perspektive, danach in der einstigen Heimat als Spezialisten und dergleichen zurückkehren zu können.

Ohne diese Kohle der Superoberreichen Europas darf man sich nicht groß wundern, wenn einige am anderen Ende der sozialen Hühnerleiter sich ähnlich radikalisieren Wie Die Da Oben!

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