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Κandernundmehr-News lebt!

Nein, dieses Internetblatt mit diesem eben genannten Namen lässt sich nicht so einfach aus der Welt befördern!

Dieses Blatt macht trotz einiger Widrigkeiten im Umfeld weiter!

Es hat etwas Zeit in Anspruch genommen – zugegeben -, sich neuauszurichten und gewisse grundsätzliche Entscheide zu fällen, doch jetzt sind sie gefällt!

Kandernundmehr-News wird jetzt, wie gehabt, objektiv, informativ und den frommen, guten und anders gearteten An-Schein der DINGE im Dreiländereck und natürlich in Kandern und darüber hinaus hinterfragend berichten – und dies stets zur Mitte eines Monats (plus, minus einen oder zwei Tag/e), und zwar ab März 2017.

Um sich einen Überblick zu holen von dem, was hier bislang berichtet worden ist, kann dieser auf kanderundmehr.com gewonnen werden. Auf der genannten Webseite ist der Button rechts namens „Kandern“ zu klicken, bevor speziell News zum Dreiländereck gelesen werden kann.

Sich etwas bei Zypernundmehr-News einzulesen, wie kandernundmehr-News auch noch heißt, gibt Ihnen einen Einblick in Politiken und andere Ereignisse, die im südöstlichen Mittelmeer – oft auch mit Bezug zu Deutschland – gerade relevant sind oder waren!

Kandernundmehr-News, nun separat eingerichtet auf Facebook, freut sich, Ihnen ihre unabhängige Sicht der Dinge weiterhin zu Hause, oder wo immer Sie sich gerade aufhalten, zur Verfügung zu stellen.

***

Das Zentrum für Europäischen Verbraucherschutz in Kehl beschwert sich bei der EU-Kommission in Brüssel über den französischen Staat. Die Ortenauer Verbraucherschützer wollen die französischen Behörden dazu bringen, keine Sozialabgaben mehr auf Mieteinkünfte, Einnahmen aus Kapitalvermögen und Wertzuwächse von Immobilien zu verlangen, die von EU-Bürgern erzielt werden, die in einem anderen EU-Land bereits sozialversichert sind. … Das Verbraucherschutzzentrum und zwei unabhängige Vereine berufen sich dabei auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs von Februar 2015. Dieses hatte das Vorgehen des französischen Staates untersagt. … Mit einem neuen Gesetz habe der französische Staat die Abgabepflicht aber wieder widerrechtlich eingeführt. Das Geld fließe zwar nicht mehr direkt in die Sozialversicherung, sondern an Fonds für die Altersversorgung. Diese Fonds übernahmen aber indirekt Aufgaben der Sozialversicherung, lautet die Argumentation (01. März 2017, Badische Zeitung).“

Was verstehen wir, was im Grunde ja schon alle unter uns bereits intus haben, nämlich: Behörden wollen kontrolliert sein! Nachdem, was alltäglich auf Bürger einfließt an Informationen, hat sich bei vielen der Eindruck festgesetzt: „Es wird immer schlimmer!“ Die Deutschen waren und sind für ihren Bürokratismus weltbekannt. Wer sich allerdings schon mal länger im Ausland aufgehalten hat, dürfte wohl meistens die Erfahrung gemacht haben, dass zuvor erwähnter Eindruck woanders zuweilen um Längen übertroffen wird.

Und so ist wenig verwunderlich, dass es zumindest einer Stimme bedarf, die gewisse Vorgänge und Schräglagen im DREILÄNDERECK benennt und davon berichtet – wie gehabt VÖLLIG unabhängig. Letzteres ist, was uns ganz besonders auszeichnet. Wir schreiben, was wir wollen im Rahmen der gegebenen Gesetze. Keiner da, dessen Interessen wir zu bedienen oder zu berücksichtigen hätten: Uns gefällt, was gefällt und missfällt, was eben missfällt etc., egal von wem!

Kandernundmehr-News, mag hier kurz angefügt werden, nimmt Anregungen Beobachtungen und Ansichten etc. der Leser gerne entgegen!

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Wer mit dem 55er-Bus schon mal von Weil am Rhein nach Basel gefahren ist, hat gewiss nach rechts gesehen auf der Brücke vor der Erlenstrasse, schräg gegenüber vom Badischen Bahnhof. Dort entsteht auf ‚bestem‘ Parkgelände ein Einkaufszentrum und wer weiß, was noch. Auf Kanderundmehr-News wurde schon vor Monaten beklagt, dass die schönen wilden Blumen dort für immer unterm Beton versenkt werden – obgleich: derzeit klafft gerade ein tiefes Loch. Wer weiß, wo die Erde, die die Blumen und Gräser einst beherbergte, hingeschüttet wurde?

Auch in Saint-Louis im Elsass, wo man eigentlich nirgends wirklich Tee trinken gehen kann, weil die Tassen so klein sind und der Preis dafür so hoch, wird „der Ausbau der regionalen Einzelhandelsfläche … auch im französischen Teil des Dreiländerecks forciert. Aktuell konkretisiert sich das seit Jahren am Euroairport (EAP) geplanten Einkaufszentrum.“ Der französische Konzern UNIBAIL will das Projekt bis 2022 fertiggestellt haben, schreibt die Badische Zeitung vom 01. März 2017 des Weiteren. Das Projekt entsteht zwischen Saint-Louis und dem Flughafen, irgendwo an der Autobahn 35. Verheißungsvoll liest sich, dass das Projekt auch Freizeitangebote einplant: Tennis, Kino, wer weiß, vielleicht sogar Theater. Eine „Tauchanlage!“ Bis hoch nach Emmendingen und Waldshut auf deutscher Seite sollen Kunden angezogen, beziehungsweise angesprochen werden. Was am Dreiländereck bezeichnend ist, ist, dass Aufbruchsstimmung herrscht – Goldgräberstimmung ist es nicht wirklich. Zwar kann durchaus Euphorie ausgemacht werden wie bei jenem klassischen Goldrausch einst über dem großen Teich. Bei manchem blinkern nämlich in den Augen geradezu sichtbar Euros anstatt wie bei den Goldgräbern in den Staaten Dollars zu Zeiten Billy the Kid.

Doch von Menschen geschaffener Wildwuchs wird diesmal ziemlich sicher nicht in die Landschaft gesetzt. Man hat auch im Südwesten Deutschlands gelernt, im Dreiländereck. Der Umweltgedanke, und vor allem der der Effizienz, haben trotz weiterem Betreiben vom Atomkraftwerk in Fessenheim im Elsass, planerisch Fuß gefasst – dennoch werden Umweltverbände und andere gewiss zuhauf auf Mängel hinweisen können, die dazu raten, von erwähntem Projekt abzusehen.

Ja, Block 2 in Fessenheim soll mal wieder in Betrieb gehen Anfang August 2017, unweit von Breisach ist Fessenheim gelegen, also auch nicht allzu weit von Freiburg oder Basel. Dass der Reaktorhersteller Areva eine fehlerhafte chemische Verbindung in den Unterlagen getürkt hatte, scheint des Profits wegen den maßgeblichen Beteiligten im ‚Reaktor-Risiko-Spiel‘ nicht wirklich von großem Belang zu sein – ist ja ‚nur‘ ein Atomkraftwerk. Und als sei das nicht schon genug, ist die Rede davon, dass es keine Sicherheitsbedenken mehr geben würde, weil, das betroffene Teil müsse nun doch nicht ausgetauscht werden.

Wie beruhigend!

Alles untersucht, alles gecheckt im Dampferzeuger unten, wird gesagt. Präsident Hollande hat bis Ende April 2017 die Möglichkeit, dem Spuk namens atomarer Notfall am Hochrhein ENDLICH ein Ende zu setzen. Warum tut er es nicht, nur, weil ein paar Leute lieber arbeitend in die Luft mit der alten Anlage fliegen wollen oder weil der Betreiber letztens 31 Leute eingestellt hat? Und dass die Bundesregierung nichts machen kann gegen das Betreiben dieser Anlage, ist auch nicht korrekt. Man ist schließlich anteilig mit im Boot und könnte sehr wohl einen entsprechenden Druck ausüben. Interessant ist, dass die Leute – wir eingeschlossen -, sich das einfach so gefallen lassen und das Risiko mittragen – um ihre Arbeitsplätze an solchen Orten kämpfen. Sagenhaft.

Reicht doch eigentlich schon zu wissen, dass bei einem atomaren Clash wohl nicht ausbleibt, dass man sogar in Rheinfelden oder Kandern was vom atomaren Unfall abkriegen dürfte; wie kann man an so einem unsicheren Ort bloß arbeiten gehen, wo an dem Atomkraftwerk über die Jahre eh Mangel über Mangel verzeichnet wird und niemand garantieren kann, dass UNS alle Mängel berichtet werden, die da LEIDER sein könnten und bereits verbucht wurden!

In derselben, zuvor herangezogenen Ausgabe der Badischen Zeitung wird des Weiteren – einen Steinwurf entfernt von dem Projekt unweit des Flughafens EAP – davon berichtet, dass die Kleinstadt Hunningue im Elsass ihre Pforten nun auch in Richtung Rhein versucht aufzumotzen und entsprechend ausbaut. Auf 30. 000 qm sollen so um die „300 Wohnungen, ein Hotel sowie Laden- und Büroflächen“ sich dort breitmachen. Und: das „Projekt schreibt sich ein in die seit 2011 verfolgte Vision des trinationalen Stadtteils „3Land.“ Die Brücke rüber ins Deutsche besteht ja bereits (seit 2007). Es müssen voraussichtlich noch weitere 5 Jahre oder mehr ins Land ziehen, bis alles steht. Ein Radel sich zuzulegen, macht hier in der Region allemal Sinn. Seit 2016 gibt es auch bei Hunningue einen Radfahrweg entlang dem Rhein.

Sollte man inzwischen in Kandern – im nicht allzu fernen Hinterland – auf die Idee gekommen sein, sich an diese Entwicklung besser anzubinden verkehrstechnisch, dann könnte zumindest auf deutscher Seite des Dreiländerecks von einer optimalen Ausgestaltung verkehrstechnisch gesprochen werden. Ein Fahrradweg besteht bereits bis Binzen von Kandern aus. Wünschenswert wäre noch ein befestigter Weg für Fahrradfahrer bis nach Haagen und somit Lörrach – ja, da ist ein Wald, aber … – von Kandern.

In Richtung Badenweiler, unweit von Kandern, gibt es auch die Ortschaft Sitzenkirch, wo es auch keinen Fahrradweg hingibt, auf zuweilen holprigem Waldrand. Kann gut sein, dass eine Eisenbahn-Trasse nach Müllheim via Sitzenkirch nicht berücksichtigt werden kann von Kandern aus. Es ist eher davon auszugehen, dass es die nächsten 100 Jahre nicht dazu kommt. Gern täuschte man sich da.

Vielleicht lässt ja das neuentdeckte „Alleinstellungsmerkmal“ die Sitzenkirchner durchaus berechtigt hoffen, dass zumindest ein Bahngleis von Kandern bis nach Sitznkirchen verlegt wird, auf dem dann FLEISCH in die Welt geschickt werden kann. Das wäre dann in etwa so eine Bahnstation wie in Kandern, nur, dass es dort Touristen sind, die man politisch korrekter Weise ja selbstverständlich nicht nur auf ihr FLEISCH reduzieren darf. Fährt man in der Gegend von Sitzenkirch mit dem Auto herum und sieht die friedlichen Kühe – mal nur ganz schwarze, woanders nur ganz helle – auf den schönen grünen Hängen stehen, überfällt einen unweigerlich so etwas in der Perzeption, wie: ländliche Idylle – das Gefühl von heiler Welt.

Doch wie könnte es anders sein: Dahinter steckt auch Geschäft, eines sogar, welches, wie gesagt, ein Alleinstellungsmerkmal hat, das, versteht sich, ausgeschlachtet gehört. Und dieses Merkmal versucht die Stadt Kandern nun wohl auch daher zu kapern, denn Sitzenkirch ist der Ort in der Region, der ein EIGENES Schlachthaus hat.

Manchem Beobachter mag dieser Ort, der auserwählt wurde, um das Schlachten in größerem Stil zukünftig zu betreiben in der Region irgendwie passend, anderen wohl eher unpassend vorkommen – das ehemalige Benediktinerinnenkloster. Es muss allerdings noch etwas ausgebaut werden und erneuert. Immerhin, der Gemeinderat in Kandern hat schon hurra geschrien, äh, positiv beschieden, dass man dabei ist. Ja, entweder die Studie des „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes“ oder aber ganz einfach, das „Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum“ wird den Kandernern ermöglichen, das Ding zu kapern, also sich anzuhängen oder einzubringen usw. Das Gebilde, welches gerade im Entstehen ist, heißt sodann „Schlachthausgemeinschaft“, in der sogar Gemeinden etwas weiter gelegen, wie Bad Bellingen oder etwas näher, Schliengen, Mitglieder sein werden.

Die armen schönen Kühe mit den schönen Fellen und wundersamen Augen auf den Weiden, Nutzvieh? Da wäre noch der nahe Nutzwald, der um Kandern und Sitzenkirch herum ziemlich intensiv genutzt wird: „Kein Zutritt, Achtung Lebensgefahr!“ stand da heute auf einem Schild und das hing an einem rotweißen Plastikband, welches mitten im Wald ausgerechnet MEINE bevorzugte Joggingstrecke abgeschnitten hat. Bei der Gelegenheit und schön im eigenen Schweiß vom Rennen kapierte ich plötzlich, dass das Wort „Forst“ überhaupt die angebrachtere Bezeichnung als „Nutzwald“ ist für das, was ich nun vielleicht nie wieder „Wald“ nennen werde in meiner Sprache.

Eine Bahntrasse von Kandern bis nach Haltingen muss einfach her – was auch sonst? Breitere Autostraßen etwa? Das kann’s nicht gewesen sein.

***

Und unvermeidlich ist, auch wenn man sich zuweilen noch so in sein Tal verkriecht, dass halt doch etwas von der allgemeinen oben angeführten Entwicklung – und mehr – im Dreiländereck in Kandern ankommt. Wohnraum wird gebraucht. Letzteres hängt nicht nur mit den Flüchtlingen zusammen, wovon einige noch immer in Zelten vor Kandern hausen. Nein, die Region Dreiländereck wächst. Erfreulich ist, dass anscheinend auch mit zunehmend mehr Kindern gerechnet wird, die in Kandern eventuell zur Welt kommen oder mit ihren Eltern sich dort niederlassen. Die Gemeinde und ihr Gemeinderat stellen sich also darauf ein. Der Bebauungsplan „Rebacker II A“ kann als „Entwurf zur Offenlage“ auch im Netz angesehen werden. Die zweite Änderung des Plans wurde vom Gemeinderat am 27.07.2016 abgenickt. Darin steht, man habe sich für keinen Umbau des Kindergartens entschieden, sondern ein Neubau soll her. Die Voraussetzungen dafür scheinen gegeben zu sein, auch wenn auf eine Umweltprüfung verzichtet wird. Man gibt vor, es eilig zu haben. Sagen wir mal: Die steigenden Mieten für den bereits vorhandenen Wohnraum plus Flüchtlingen vor der Stadt und eben auch der Zuzug von Grenzgängern macht das alles erforderlich. Das scheint angekommen zu sein. Inwieweit im Gemeinderat auch angekommen ist, endlich die Bahngleise auszubauen, damit täglich Züge bis nach Haltingen verkehren können, ist hier noch nicht bekannt. Auch dieses Projekt, so man inzwischen dafür ein Einsehen gewonnen hat, gehört mit Volldampf umgesetzt – bestens noch gleich eine Trasse nach Müllheim verlegen; nach Rheinfelden wäre wohl doch übertrieben?

Das Plangebiet in Rede (Rebacker II) befindet sich im „historisch gewachsenen Siedlungskern der Stadt Kandern – im Bereich des Forsthausgartens, im Bereich des bestehenden Kindergartens und die Freifläche davor“ sowie im Bereich der Forstverwaltung (1,61 ha). „… Die maximal überbaubare Grundfläche liegt unterhalb des Schwellenwertes des § 13a (1) Nr. 1 BauGB. … Die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung ist nicht erforderlich. … [E]ine Beeinträchtigung der Schutzgüter nach § 1 (6) Nr. 7 BauGB [liegt auch nicht vor] etc. … Innerhalb der Grün- und Freiflächen“ sollen möglichst „naturnahe Bereiche wie zum Beispiel kleine Trockenstandorte etc.“ hergestellt werden. „Da in die Lebensräume geschützter Arten eingegriffen wird, sind Maßnahmen zur Überwachung erforderlich. (siehe genannten Entwurf)“

Die beiden oben zuletzt angeführten Punkte stehen in den sogenannten „Empfehlungen“ des Entwurfs. Und dann steht da noch etwas, was insbesondere einige Anwohner um und in der Ochsengasse etc. ganz besonders erfreuen dürfte: Zwecks Platzmangel „wurde die Anzahl der auf den privaten Flächen nachzuweisenden Stellplätze erhöht. Aus dem gleichen Grund müssen Nebenanlagen, Einfriedungen, Stützmauern, Carports und Stellplätze, etc. einen Mindestabstand von einem Meter einhalten.“

Neuerdings gibt es in Kandern ja einen Verkehrspolizisten, der Streife läuft. Ob der wohl demnächst beauftragt wird, mit dem Maßband nachzumessen, ob die Abstände auch eingehalten wurden? Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, denn in Kandern regelwidrig parken, fällt recht schwer.

Auf diesen ‚sensationell lustigen‘ Einfall von eben kommt man doch des Messens von einem Meter Abstand wegen. Weil, ja, weil nämlich auf dem nördlichen Bereich des genannten Planungsgebietes Unschönes – eventuell – aufwartet, dass nicht so richtig ge- oder vermessen werden kann, wenn überhaupt vorhanden. Wie wir noch alle erinnern: Auch in Deutschland war mal Krieg. Und, Sie werden es nicht wahr haben wollen, verehrte Leser, Reste davon liegen noch immer herum, eigentlich gar nicht so weit von dort in Kandern, eventuell, wo Kinder in einen Kindergarten gehen usw.

Was ist also los!

Kampfmittelverdachtsfläche!“

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst war im Juli 2016 ganze zwei Tage vor Ort und hat sich nach dem Zeug umgesehen, wo der neue Kindergarten hingebaut werden soll und/oder in dessen unmittelbarer Nähe. Angeblich haben die nichts von dem Zeug gefunden. So auch im Herbst des gleichen Jahres. Allerdings mag niemand ausschließen, dass da irgendwo, vielleicht weiter rechts oder doch eher links noch das eine oder andere Kampfmittel auf den nächsten Krieg wartet? Hier auf Kandernundmehr besteht EINDEUTIG die Meinung, dass das ganze Gelände, ohne Ausnahme, abgesucht wird, auch wenn nur der nördliche Teil als „Kampfmittelverdachtsfläche“ ausgewiesen wird! Vielleicht sollte man mal eine Mauereidechse lebendig ins Labor schicken, um zu sehen, ob dieser im Entwurf als schützenswerter tierische ‚Bewohner‘ des Geländes Ausgewiesene Spuren von diesem KRIEGSZEUG in oder an sich trägt – und danach setzt man ihn besser lebendig wieder dort ab, wo man ihn hergeholt hat. Er wohnt ja schließlich dort. Die Bestandssicherung dieser Eidechse ist nämlich behördlich angeordnet sowie entsprechende Maßnahmen, die es dafür zu ergreifen gilt!

Immerhin: Von sich aus prüft die Behörde, „ob einzelne Bäume mit vertretbarem Aufwand erhalten werden können.“ Nur wo fängt der „vertretbare[] Aufwand“ an und wo endet so etwas – bei 15 Euro 50 oder bei 15 Euro 60. Wer ermittelt diesen Wert und wie?

OK, man hat sich ja abgesichert, denn im Entwurf steht auch noch, was nicht übersehen werden darf: „Obwohl der Eingriff in den Baumbestand zulässig ist und keine Pflicht zu Ausgleichsmaßnahmen gemäß der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung besteht …“, kümmert man sich wie in etwa beschrieben um die Bäume. Ein Baum sollte möglichst auf jedem Grundstück stehen, wird empfohlen.

Die neuen Bauplätze werden einschließlich aller Kosten von der Stadt Kandern selbst veräußert.“

***

Sollte man vor der Wahl stehen, sich von einem der überregionalen Anbieter eines Internetanschlusses verabschieden zu wollen, dann, so man in Kandern wohnt, gibt es einen örtlichen Provider, der sozusagen den Segen vom Bürgermeisteramt und höheren amtlichen Stellen hat. Der Haken an dieser Sache ist und bleibt vorerst, dass dieser 189 € Anschlussgebühr einmalig verlangt. Kann gut sein, dass diese Info schon veraltet ist, was hier aber nicht angenommen wird, weil die Webseite der Stadt Kandern das ja noch so anführt – und die sind hier ja schließlich auf Zack, wie man sagt.

So auf Zack ist man überhaupt allgemein, dass neuerdings sogar Personen, wie auf der Webseite der Stadt Kandern des Weiteren zu lesen ist, die „in Einrichtungen zum Schutz vor häuslicher Gewalt, in Einrichtungen zur Behandlung von Suchterkrankungen, in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder sonstigen Einrichtungen, …, in einer Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber oder sonstige ausländische Flüchtlinge oder in einer Justizvollzugsanstalt wohnen, … künftig ein sogenannter bedingter Sperrvermerk im Melderegister eingetragen [wird]. … . Bei Melderegisterauskünften an Private muss die Meldebehörde dann in diesen Fällen vor einer Auskunftserteilung die Betroffenen anhören und darf keine Auskunft erteilen, wenn durch die Beauskunftigung schutzwürdige Interessen von Betroffenen beeinträchtigt würden. … . [B]ei Melderegisteranfragen für gewerbliche Zwecke … muss künftig der gewerbliche Zweck immer angegeben werden. Die erlangten Daten dürfen nur für den angegebenen Zweck verwendet werden und dürfen vom Datenempfänger nicht wiederverwendet werden (Verbot des Datenpooling). Eine strikte Zweckbindung besteht auch für so genannte erweiterte Melderegisterauskünfte, für Gruppenauskünfte und für Daten, die trotz bestehender Auskunftssperre nach besonderer Begründung und Bewertung beauskunftet worden sind.“ Für Werbung und Weiteres muss eine Einwilligung der Betroffenen vorliegen. Außerdem scheint man bei der Meldebehörde explizit einen Vermerk anbringen lassen zu können: für Werbung etc. nicht weitergeben oder wie immer das dort formuliert ist. Denn solange wir diesen Zusatz nicht anbringen lassen, können unsere Daten abgegriffen werden, versteht sich in beschränktem Umfang doch für Werbezwecke sehr wohl.

Lesen sich doch eigentlich recht gut, die neuen Verordnungen im Melderegisterwesen. Doch dürfte es recht kompliziert und vor allem aufwendig werden mit der Zeit, zweckfremden Gebrauch zu verfolgen und aufzuspüren. Denn sehr oft dürften die Betroffenen keinen Schimmer davon haben, wie gehabt, was mit ihren Daten so alles getrieben wird.

Des Weiteren ist auf der Webseite der Stadt Kandern zu lesen: „Mitwirkungspflicht des Wohnungsgebers – Bestätigung“. Das bedeutet, eine „Mitwirkungspflicht des Wohnungsgebers bzw. des Wohnungseigentümers bei der Anmeldung und bei der Abmeldung (z.B. beim Wegzug in das Ausland) [wird wieder eingeführt]. Und wie einst in fernen Tagen in Berlin, kommt einem sozusagen automatisch zurück in die Erinnerung, muss nun auch wieder bei der Anmeldung in der Meldebehörde eine „Wohnungsgeberbescheinigung“ vorgelegt werden. Bei Untermietsverhältnissen, um es gleich klarzustellen für alle jenen, sind die Hauptmieter diejenigen, die zur Meldung auf das Amt zu schreiten haben. In Zeiten des AIRBnB und Wohnungstausch auf Zeit, ganz zu schweigen von Ferienwohnungen, wartet der Wahnsinn also bereits im Detail. Den Verwaltungsakt, der folgt, lässt jetzt schon grüßen: „Die Wohnungsgeberbescheinigung kann im Rathaus Kandern, Einwohnermeldeamt, Zimmer 1, der Stadt Kandern und auf den Ortsverwaltungen abgeholt werden. Zusätzlich stellen wir Ihnen das Formular auf unserer Homepage www.kandern.de zur Verfügung.

Und damit Sie nicht zu fix aus dem staatlichen Blickfeld geraten, also zu Ihrem Schutz und dem anderer: „Die Abmeldung einer Wohnung ist wie bisher NUR bei Wegzug in das Ausland bzw. Aufgabe einer Nebenwohnung erforderlich. In diesen Fällen ist auch eine Wohnungsgeberbescheinigung über den Auszug erforderlich. Neu: gesetzlich ist hier künftig ein Zeitfenster von einer Woche vo[n] bis zwei Wochen nach dem Auszug vorgesehen. … . Die Abmeldung einer Nebenwohnung … erfolgt künftig nur noch bei der Meldebehörde, die für die Hauptwohnung zuständig ist.“ Gut zu wissen, denken hier gewiss einige, die schon auf dem Weg waren, ihre Wohnung in Kandern beispielsweise in Kandern auf dem Amt kündigen zu gehen, jetzt, wo der Hauptwohnsitz ja jetzt in die Hauptstadt der Republik verlegt wurde auf die Schnelle oder anders.

Apropos: Die Anmeldepflicht bei Bezug einer neuen Wohnung wurde von einer auf zwei Wochen verlängert. Und wer in Deutschland bereits gemeldet ist und sich für 5 Monate und 28 Tage oder 29 in Berlin niederlässt oder Bremen und andernorts in der BRD muss das nicht melden. 6 Monate dürfen also nicht überschritten werden und wenn doch, dann rechtzeitig anmelden, ansonsten drohen wohl irgendwelche Strafen, ist zu vermuten. Touristen, die sonst im Ausland leben, müssen sich nach drei Monaten melden.

Und jetzt kommt’s, und zwar unter dem Namen „vorausgefüllter Meldeschein“. Und das Ding funktioniert so:

[D]ass im Falle einer Anmeldung die eigenen Meldedaten im automatisierten Verfahren der Meldebehörde am Zuzugsort bereitgestellt werden [ab Jahr 2018].“ Der Vorausgefüllte wird dann zur allgemeinen „Erleichterung“ im Bürokratiedschungel führen, hofft man.

Bevor wir noch zu anderen Informationen aus der Region kommen, noch schnell diesen Auszug einer Pressemitteilung der Stadt Kandern:

Die Stadt Kandern muss die getrennte Abwassergebühr rückwirkend zum 01.10.2010 einführen, da der Baden-Württembergische Verwaltungsgerichtshof den Frischwassermaßstab für die Berechnung der Niederschlagswassergebühr im Urteil vom 11.03.2010 für alle Kommunen in Baden-Württemberg beanstandet hat. Mit der neuen Abwasserberechnung entspricht die Stadt Kandern den Anforderungen der Rechtsprechung. Durch die Einführung der getrennten Abwassergebühr wird keine neue Gebühr erhoben, sondern lediglich der Aufwand für die Abwasserbeseitigung nach einem zusätzlichen und neuen Maßstab verteilt. Für die Erhebung der getrennten Abwassergebühr werden die Gesamtkosten der Abwasserbeseitigung aufgeteilt nach dem Aufwand für die a) Schmutzwasserbeseitigung und für die b) Niederschlagswasserbeseitigung.

Das hat zur Folge, dass es künftig eine SCHMUTZWASSERGEBÜHR und eine NIEDERSCHLAGSWASSERGEBÜHR geben wird … Bei der zukünftigen Gebührenerhebung soll die Niederschlagswassergebühr nach den bebauten und befestigten (versiegelten) Teilflächen der an die öffentliche Abwasserbeseitigung angeschlossenen Grundstücke …“ ermittelt werden.

***

Denken wir an Fessenheim, denken wir auch an Wyhl. Sie erinnern noch, als vor ziemlich genau 40 Jahren das Freiburger Verwaltungsgericht zur Tat geschritten wurde vom Druck der Bevölkerung, die massiv gegen einen Atommeiler im Ländle protestierte. Nun, der in Fessenheim ist leider dennoch bedrohlich nah und wird und wird nicht abgestellt? Doch, können Sie es noch erinnern – genügend Parallelen dazu gibt es ohnehin heutzutage immer noch: Dieselgate etc. Nun, die Badische Zeitung vom 11. März 2017 schreibt also: „Die Wyhl-Urteile des Freiburger Verwaltungsgerichts hatten keinen Bestand. Die Klagen wurden im Berufungsverfahren beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim im Frühjahr 1982 abgewiesen. Der VGH kam aufgrund seiner (ebenfalls eingehenden) Beweisaufnahme zu dem Ergebnis, dass ein katastrophales Versagen des Reaktors „praktisch ausgeschlossen“ werden könne und es einer zusätzlichen Berstsicherung nicht bedürfe.“ Die Berstsicherung war damals das entscheidende Argument, welches angeführt wurde von den Atomgegnern, um den Kasten doch nicht in die Landschaft gesetzt zu bekommen. Erst 2002 „wurde schließlich ein Verbot des Neubaus von Atomkraftwerken im Atomgesetz festgeschrieben.“

Interessant ist jedoch, was Joachim von Bargen im genannten Artikel in der Badischen Zeitung noch zusammenträgt im obigen Zusammenhang:

Die Revision der Kläger – über sie entschied das Bundesverwaltungsgericht Ende 1985 – blieb erfolglos. Anders als in seiner bis zu diesem Urteil maßgeblichen Rechtsprechung, die noch von einer umfassenden Kontrollpflicht der Verwaltungsgerichte ausging (deshalb die aufwendigen Beweisaufnahmen), hieß es jetzt, dass es nicht Sache der verwaltungsgerichtlichen Kontrolle sein könne, „die der Exekutive zugewiesene Wertung wissenschaftlicher Streifragen einschließlich der daraus folgenden Risikoabschätzung durch eine eigene Bewertung zu ersetzen.“ Soll unter anderem heißen: die Behörde hat ihre Kompetenzen überschritten. Man darf mit Fug und Recht sagen, dass alle möglichen behördlichen Kompetenz-Überschreitungen leider gehäuft losgetreten werden.

Das Projekt „Leuchtturm“ wird im Landkreis Lörrach gerade losgetreten. Die Erosionsgefahr durch Starkregen soll ermittelt werden. 288 000 € Fördergeld konnten bislang bereits eingestrichen werden dafür vom Projektträger namens Jülich. Mindestens ebenso positiv klingt, dass im Breigau-Hochschwarzwald ENDLICH ein Sozialticket eingeführt werden soll – sagen wir: es wird lautstark gefordert. Das würde im Monat dann so um die 33 € kosten. Vorbild für eine derartige, finanzielle Stütze ist hier in der Region Freiburg, wo es bereits so ein Ticket gibt. In Freiburg leistete man sich, könnte manche/r denken, DAFÜR chice Abfalltonnen zu 156 000 €. Sehen aus, als seien sie aus Silber gemacht und strahlen eben POSITIV wie das gepflegte Image der Stadt: steril, sauber, futuristisch. Und Strahlkraft haben hier im Ländle nicht nur silberne Mülleimer.

Uns allen hier in der Region ist natürlich Badenweiler als ein Hort der GUTBETUCHTEN und Strahlemänner und -frauen ein Begriff. Das ist DER Ort der Schickeria, wird gesagt. Viel Prominenz und dergleichen, alles möglichst diskret und schon fast steril gehalten, wie eine Tonne, in die nur kommt, wer dafür auserwählt wurde. Kurgäste gibt es natürlich auch noch, die einfach Wellness wollen und oft nicht ganz so begütert zu sein scheinen. Doch so recht weiß man nie, wie SCHWER die Jungs oder Mädels sind, die oft hochbetagt die Cafészene, ja, wie soll man sagen, prägen. Nun, trotzdem scheint der Kämmerer der Stadt zu klagen, der Herr Berninger. Der Säckel müsse enger geschnallt werden, hat er allerdings nicht gesagt. Es hörte sich eher an, wie bei einem orientalischen Händler, der ja aus Prinzip klagt, auch, wenn die Geschäfte gut gehen. Unter vielen anderen Posten müssten für Obdachlose und Flüchtlinge in Badenweiler beispielsweise 250 000 € jährlich ausgegeben werden. Dass knapp 500.000 € für zwei Feuerwehrautos ausgegeben werden, findet Berninger, sei eine Investition in die Zukunft. Hoffen wir mal, dass diese recht teure Investition dann auch alle Winkel und Höhen der Kleinstadt im Notfall erreichen wird können. Über Herrn Berninger war auch in Erfahrung zu bringen, dass der Besuch von Badegästen von 70 000 in den achtziger Jahren auf 40 000 zurückgegangen sei. Die Initiative Bus 111.de Badenweilers kämpft gerade dafür, dass der Nahverkehr noch mehr ausgebaut wird. Sie treffen sich am 14. März um 19.30 Uhr in der Blauenstraße 15 in Badenweiler – Finiresort.

Zum Schluss eine zuversichtlicher stimmende Nachricht: In der Ortschaft Sulzburg (Luftkurort) wird man im Sommer zum Baden oder Schwimmen keine 2 € mehr abdrücken müssen. Ehrlich gesagt, war dieser Geldbetrag nicht zu viel verlangt, für das, was geboten wird. Immerhin kann dort nach einem Bad im meist etwas kalten Waldsee heiß geduscht werden, ja, sogar was zu Trinken wurde einem plus nettem Plausch mit Herrn Weschenfelder gereicht. Letzterer wird dieses Jahr zwar noch vor Ort weilen, wenn die Badesaison eröffnet sein wird, doch eben diese 2 € entfallen. Es bleibt bei den Nutzungszeiten: von 08 Uhr bis 20 Uhr.

Erfreulich und gleichzeitig unerwartet, dass ein Gemeinderat mehrheitlich dafür stimmt, dass Gebühren (der Eintrittspreis) abgeschafft werden. Die Badestelle Sulzburg ist wirklich ein kleiner Juwel. Es darf davon ausgegangen werden, dass der Wegfall des Eintrittspreises keinen starken Zustrom von Badefreudigen aufkommen lassen wird. Zum einen ist der Ort recht entlegen gelegen, was auch den besonderen Charme ausmacht, und zum anderen ist es eben halt auch ein See, wo schon mal das eine oder andere Kraut beim Schwimmen am Bauch kribbeln kann – von unten. Die Liegewiese ist dort recht groß, das Schwimmbecken hingegen recht eng und klein, was wohl auch dazu beiträgt, dass die Badestelle nur für HARTGESOTTENE ein Magnet bleiben wird.

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Was verstehen wir, was im Grunde ja schon alle unter uns bereits intus haben, nämlich: Behörden wollen kontrolliert sein! Nachdem, was alltäglich auf Bürger einfließt an Informationen, hat sich bei vielen der Eindruck festgesetzt: „Es wird immer schlimmer!“ Die Deutschen waren und sind für ihren Bürokratismus weltbekannt. Wer sich allerdings schon mal länger im Ausland aufgehalten hat, dürfte wohl meistens die Erfahrung gemacht haben, dass zuvor erwähnter Eindruck woanders zuweilen um Längen übertroffen wird.

Und so ist wenig verwunderlich, dass es zumindest einer Stimme bedarf, die gewisse Vorgänge und Schräglagen im DREILÄNDERECK benennt und davon berichtet – wie gehabt VÖLLIG unabhängig. Letzteres ist, was uns ganz besonders auszeichnet. Wir schreiben, was wir wollen im Rahmen der gegebenen Gesetze. Keiner da, dessen Interessen wir zu bedienen oder zu berücksichtigen hätten: Uns gefällt, was gefällt und missfällt, was eben missfällt etc., egal von wem!

Kandernundmehr-News, mag hier kurz angefügt werden, nimmt Anregungen Beobachtungen und Ansichten etc. der Leser gerne entgegen!

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Wer mit dem 55er-Bus schon mal von Weil am Rhein nach Basel gefahren ist, hat gewiss nach rechts gesehen auf der Brücke vor der Erlenstrasse, schräg gegenüber vom Badischen Bahnhof. Dort entsteht auf ‚bestem‘ Parkgelände ein Einkaufszentrum und wer weiß, was noch. Auf Kanderundmehr-News wurde schon vor Monaten beklagt, dass die schönen wilden Blumen dort für immer unterm Beton versenkt werden – obgleich: derzeit klafft gerade ein tiefes Loch. Wer weiß, wo die Erde, die die Blumen und Gräser einst beherbergte, hingeschüttet wurde?

Auch in Saint-Louis im Elsass, wo man eigentlich nirgends wirklich Tee trinken gehen kann, weil die Tassen so klein sind und der Preis dafür so hoch, wird „der Ausbau der regionalen Einzelhandelsfläche … auch im französischen Teil des Dreiländerecks forciert. Aktuell konkretisiert sich das seit Jahren am Euroairport (EAP) geplanten Einkaufszentrum.“ Der französische Konzern UNIBAIL will das Projekt bis 2022 fertiggestellt haben, schreibt die Badische Zeitung vom 01. März 2017 des Weiteren. Das Projekt entsteht zwischen Saint-Louis und dem Flughafen, irgendwo an der Autobahn 35. Verheißungsvoll liest sich, dass das Projekt auch Freizeitangebote einplant: Tennis, Kino, wer weiß, vielleicht sogar Theater. Eine „Tauchanlage!“ Bis hoch nach Emmendingen und Waldshut auf deutscher Seite sollen Kunden angezogen, beziehungsweise angesprochen werden. Was am Dreiländereck bezeichnend ist, ist, dass Aufbruchsstimmung herrscht – Goldgräberstimmung ist es nicht wirklich. Zwar kann durchaus Euphorie ausgemacht werden wie bei jenem klassischen Goldrausch einst über dem großen Teich. Bei manchem blinkern nämlich in den Augen geradezu sichtbar Euros anstatt wie bei den Goldgräbern in den Staaten Dollars zu Zeiten Billy the Kid.

Doch von Menschen geschaffener Wildwuchs wird diesmal ziemlich sicher nicht in die Landschaft gesetzt. Man hat auch im Südwesten Deutschlands gelernt, im Dreiländereck. Der Umweltgedanke, und vor allem der der Effizienz, haben trotz weiterem Betreiben vom Atomkraftwerk in Fessenheim im Elsass, planerisch Fuß gefasst – dennoch werden Umweltverbände und andere gewiss zuhauf auf Mängel hinweisen können, die dazu raten, von erwähntem Projekt abzusehen.

Ja, Block 2 in Fessenheim soll mal wieder in Betrieb gehen Anfang August 2017, unweit von Breisach ist Fessenheim gelegen, also auch nicht allzu weit von Freiburg oder Basel. Dass der Reaktorhersteller Areva eine fehlerhafte chemische Verbindung in den Unterlagen getürkt hatte, scheint des Profits wegen den maßgeblichen Beteiligten im ‚Reaktor-Risiko-Spiel‘ nicht wirklich von großem Belang zu sein – ist ja ‚nur‘ ein Atomkraftwerk. Und als sei das nicht schon genug, ist die Rede davon, dass es keine Sicherheitsbedenken mehr geben würde, weil, das betroffene Teil müsse nun doch nicht ausgetauscht werden.

Wie beruhigend!

Alles untersucht, alles gecheckt im Dampferzeuger unten, wird gesagt. Präsident Hollande hat bis Ende April 2017 die Möglichkeit, dem Spuk namens atomarer Notfall am Hochrhein ENDLICH ein Ende zu setzen. Warum tut er es nicht, nur, weil ein paar Leute lieber arbeitend in die Luft mit der alten Anlage fliegen wollen oder weil der Betreiber letztens 31 Leute eingestellt hat? Und dass die Bundesregierung nichts machen kann gegen das Betreiben dieser Anlage, ist auch nicht korrekt. Man ist schließlich anteilig mit im Boot und könnte sehr wohl einen entsprechenden Druck ausüben. Interessant ist, dass die Leute – wir eingeschlossen -, sich das einfach so gefallen lassen und das Risiko mittragen – um ihre Arbeitsplätze an solchen Orten kämpfen. Sagenhaft.

Reicht doch eigentlich schon zu wissen, dass bei einem atomaren Clash wohl nicht ausbleibt, dass man sogar in Rheinfelden oder Kandern was vom atomaren Unfall abkriegen dürfte; wie kann man an so einem unsicheren Ort bloß arbeiten gehen, wo an dem Atomkraftwerk über die Jahre eh Mangel über Mangel verzeichnet wird und niemand garantieren kann, dass UNS alle Mängel berichtet werden, die da LEIDER sein könnten und bereits verbucht wurden!

In derselben, zuvor herangezogenen Ausgabe der Badischen Zeitung wird des Weiteren – einen Steinwurf entfernt von dem Projekt unweit des Flughafens EAP – davon berichtet, dass die Kleinstadt Hunningue im Elsass ihre Pforten nun auch in Richtung Rhein versucht aufzumotzen und entsprechend ausbaut. Auf 30. 000 qm sollen so um die „300 Wohnungen, ein Hotel sowie Laden- und Büroflächen“ sich dort breitmachen. Und: das „Projekt schreibt sich ein in die seit 2011 verfolgte Vision des trinationalen Stadtteils „3Land.“ Die Brücke rüber ins Deutsche besteht ja bereits (seit 2007). Es müssen voraussichtlich noch weitere 5 Jahre oder mehr ins Land ziehen, bis alles steht. Ein Radel sich zuzulegen, macht hier in der Region allemal Sinn. Seit 2016 gibt es auch bei Hunningue einen Radfahrweg entlang dem Rhein.

Sollte man inzwischen in Kandern – im nicht allzu fernen Hinterland – auf die Idee gekommen sein, sich an diese Entwicklung besser anzubinden verkehrstechnisch, dann könnte zumindest auf deutscher Seite des Dreiländerecks von einer optimalen Ausgestaltung verkehrstechnisch gesprochen werden. Ein Fahrradweg besteht bereits bis Binzen von Kandern aus. Wünschenswert wäre noch ein befestigter Weg für Fahrradfahrer bis nach Haagen und somit Lörrach – ja, da ist ein Wald, aber … – von Kandern.

In Richtung Badenweiler, unweit von Kandern, gibt es auch die Ortschaft Sitzenkirch, wo es auch keinen Fahrradweg hingibt, auf zuweilen holprigem Waldrand. Kann gut sein, dass eine Eisenbahn-Trasse nach Müllheim via Sitzenkirch nicht berücksichtigt werden kann von Kandern aus. Es ist eher davon auszugehen, dass es die nächsten 100 Jahre nicht dazu kommt. Gern täuschte man sich da.

Vielleicht lässt ja das neuentdeckte „Alleinstellungsmerkmal“ die Sitzenkirchner durchaus berechtigt hoffen, dass zumindest ein Bahngleis von Kandern bis nach Sitznkirchen verlegt wird, auf dem dann FLEISCH in die Welt geschickt werden kann. Das wäre dann in etwa so eine Bahnstation wie in Kandern, nur, dass es dort Touristen sind, die man politisch korrekter Weise ja selbstverständlich nicht nur auf ihr FLEISCH reduzieren darf. Fährt man in der Gegend von Sitzenkirch mit dem Auto herum und sieht die friedlichen Kühe – mal nur ganz schwarze, woanders nur ganz helle – auf den schönen grünen Hängen stehen, überfällt einen unweigerlich so etwas in der Perzeption, wie: ländliche Idylle – das Gefühl von heiler Welt.

Doch wie könnte es anders sein: Dahinter steckt auch Geschäft, eines sogar, welches, wie gesagt, ein Alleinstellungsmerkmal hat, das, versteht sich, ausgeschlachtet gehört. Und dieses Merkmal versucht die Stadt Kandern nun wohl auch daher zu kapern, denn Sitzenkirch ist der Ort in der Region, der ein EIGENES Schlachthaus hat.

Manchem Beobachter mag dieser Ort, der auserwählt wurde, um das Schlachten in größerem Stil zukünftig zu betreiben in der Region irgendwie passend, anderen wohl eher unpassend vorkommen – das ehemalige Benediktinerinnenkloster. Es muss allerdings noch etwas ausgebaut werden und erneuert. Immerhin, der Gemeinderat in Kandern hat schon hurra geschrien, äh, positiv beschieden, dass man dabei ist. Ja, entweder die Studie des „Integrierten Ländlichen Entwicklungskonzeptes“ oder aber ganz einfach, das „Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum“ wird den Kandernern ermöglichen, das Ding zu kapern, also sich anzuhängen oder einzubringen usw. Das Gebilde, welches gerade im Entstehen ist, heißt sodann „Schlachthausgemeinschaft“, in der sogar Gemeinden etwas weiter gelegen, wie Bad Bellingen oder etwas näher, Schliengen, Mitglieder sein werden.

Die armen schönen Kühe mit den schönen Fellen und wundersamen Augen auf den Weiden, Nutzvieh? Da wäre noch der nahe Nutzwald, der um Kandern und Sitzenkirch herum ziemlich intensiv genutzt wird: „Kein Zutritt, Achtung Lebensgefahr!“ stand da heute auf einem Schild und das hing an einem rotweißen Plastikband, welches mitten im Wald ausgerechnet MEINE bevorzugte Joggingstrecke abgeschnitten hat. Bei der Gelegenheit und schön im eigenen Schweiß vom Rennen kapierte ich plötzlich, dass das Wort „Forst“ überhaupt die angebrachtere Bezeichnung als „Nutzwald“ ist für das, was ich nun vielleicht nie wieder „Wald“ nennen werde in meiner Sprache.

Eine Bahntrasse von Kandern bis nach Haltingen muss einfach her – was auch sonst? Breitere Autostraßen etwa? Das kann’s nicht gewesen sein.

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Und unvermeidlich ist, auch wenn man sich zuweilen noch so in sein Tal verkriecht, dass halt doch etwas von der allgemeinen oben angeführten Entwicklung – und mehr – im Dreiländereck in Kandern ankommt. Wohnraum wird gebraucht. Letzteres hängt nicht nur mit den Flüchtlingen zusammen, wovon einige noch immer in Zelten vor Kandern hausen. Nein, die Region Dreiländereck wächst. Erfreulich ist, dass anscheinend auch mit zunehmend mehr Kindern gerechnet wird, die in Kandern eventuell zur Welt kommen oder mit ihren Eltern sich dort niederlassen. Die Gemeinde und ihr Gemeinderat stellen sich also darauf ein. Der Bebauungsplan „Rebacker II A“ kann als „Entwurf zur Offenlage“ auch im Netz angesehen werden. Die zweite Änderung des Plans wurde vom Gemeinderat am 27.07.2016 abgenickt. Darin steht, man habe sich für keinen Umbau des Kindergartens entschieden, sondern ein Neubau soll her. Die Voraussetzungen dafür scheinen gegeben zu sein, auch wenn auf eine Umweltprüfung verzichtet wird. Man gibt vor, es eilig zu haben. Sagen wir mal: Die steigenden Mieten für den bereits vorhandenen Wohnraum plus Flüchtlingen vor der Stadt und eben auch der Zuzug von Grenzgängern macht das alles erforderlich. Das scheint angekommen zu sein. Inwieweit im Gemeinderat auch angekommen ist, endlich die Bahngleise auszubauen, damit täglich Züge bis nach Haltingen verkehren können, ist hier noch nicht bekannt. Auch dieses Projekt, so man inzwischen dafür ein Einsehen gewonnen hat, gehört mit Volldampf umgesetzt – bestens noch gleich eine Trasse nach Müllheim verlegen; nach Rheinfelden wäre wohl doch übertrieben?

Das Plangebiet in Rede (Rebacker II) befindet sich im „historisch gewachsenen Siedlungskern der Stadt Kandern – im Bereich des Forsthausgartens, im Bereich des bestehenden Kindergartens und die Freifläche davor“ sowie im Bereich der Forstverwaltung (1,61 ha). „… Die maximal überbaubare Grundfläche liegt unterhalb des Schwellenwertes des § 13a (1) Nr. 1 BauGB. … Die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung ist nicht erforderlich. … [E]ine Beeinträchtigung der Schutzgüter nach § 1 (6) Nr. 7 BauGB [liegt auch nicht vor] etc. … Innerhalb der Grün- und Freiflächen“ sollen möglichst „naturnahe Bereiche wie zum Beispiel kleine Trockenstandorte etc.“ hergestellt werden. „Da in die Lebensräume geschützter Arten eingegriffen wird, sind Maßnahmen zur Überwachung erforderlich. (siehe genannten Entwurf)“

Die beiden oben zuletzt angeführten Punkte stehen in den sogenannten „Empfehlungen“ des Entwurfs. Und dann steht da noch etwas, was insbesondere einige Anwohner um und in der Ochsengasse etc. ganz besonders erfreuen dürfte: Zwecks Platzmangel „wurde die Anzahl der auf den privaten Flächen nachzuweisenden Stellplätze erhöht. Aus dem gleichen Grund müssen Nebenanlagen, Einfriedungen, Stützmauern, Carports und Stellplätze, etc. einen Mindestabstand von einem Meter einhalten.“

Neuerdings gibt es in Kandern ja einen Verkehrspolizisten, der Streife läuft. Ob der wohl demnächst beauftragt wird, mit dem Maßband nachzumessen, ob die Abstände auch eingehalten wurden? Arbeitsbeschaffungsmaßnahme, denn in Kandern regelwidrig parken, fällt recht schwer.

Auf diesen ‚sensationell lustigen‘ Einfall von eben kommt man doch des Messens von einem Meter Abstand wegen. Weil, ja, weil nämlich auf dem nördlichen Bereich des genannten Planungsgebietes Unschönes – eventuell – aufwartet, dass nicht so richtig ge- oder vermessen werden kann, wenn überhaupt vorhanden. Wie wir noch alle erinnern: Auch in Deutschland war mal Krieg. Und, Sie werden es nicht wahr haben wollen, verehrte Leser, Reste davon liegen noch immer herum, eigentlich gar nicht so weit von dort in Kandern, eventuell, wo Kinder in einen Kindergarten gehen usw.

Was ist also los!

Kampfmittelverdachtsfläche!“

Der Kampfmittelbeseitigungsdienst war im Juli 2016 ganze zwei Tage vor Ort und hat sich nach dem Zeug umgesehen, wo der neue Kindergarten hingebaut werden soll und/oder in dessen unmittelbarer Nähe. Angeblich haben die nichts von dem Zeug gefunden. So auch im Herbst des gleichen Jahres. Allerdings mag niemand ausschließen, dass da irgendwo, vielleicht weiter rechts oder doch eher links noch das eine oder andere Kampfmittel auf den nächsten Krieg wartet? Hier auf Kandernundmehr besteht EINDEUTIG die Meinung, dass das ganze Gelände, ohne Ausnahme, abgesucht wird, auch wenn nur der nördliche Teil als „Kampfmittelverdachtsfläche“ ausgewiesen wird! Vielleicht sollte man mal eine Mauereidechse lebendig ins Labor schicken, um zu sehen, ob dieser im Entwurf als schützenswerter tierische ‚Bewohner‘ des Geländes Ausgewiesene Spuren von diesem KRIEGSZEUG in oder an sich trägt – und danach setzt man ihn besser lebendig wieder dort ab, wo man ihn hergeholt hat. Er wohnt ja schließlich dort. Die Bestandssicherung dieser Eidechse ist nämlich behördlich angeordnet sowie entsprechende Maßnahmen, die es dafür zu ergreifen gilt!

Immerhin: Von sich aus prüft die Behörde, „ob einzelne Bäume mit vertretbarem Aufwand erhalten werden können.“ Nur wo fängt der „vertretbare[] Aufwand“ an und wo endet so etwas – bei 15 Euro 50 oder bei 15 Euro 60. Wer ermittelt diesen Wert und wie?

OK, man hat sich ja abgesichert, denn im Entwurf steht auch noch, was nicht übersehen werden darf: „Obwohl der Eingriff in den Baumbestand zulässig ist und keine Pflicht zu Ausgleichsmaßnahmen gemäß der naturschutzrechtlichen Eingriffsregelung besteht …“, kümmert man sich wie in etwa beschrieben um die Bäume. Ein Baum sollte möglichst auf jedem Grundstück stehen, wird empfohlen.

Die neuen Bauplätze werden einschließlich aller Kosten von der Stadt Kandern selbst veräußert.“

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Sollte man vor der Wahl stehen, sich von einem der überregionalen Anbieter eines Internetanschlusses verabschieden zu wollen, dann, so man in Kandern wohnt, gibt es einen örtlichen Provider, der sozusagen den Segen vom Bürgermeisteramt und höheren amtlichen Stellen hat. Der Haken an dieser Sache ist und bleibt vorerst, dass dieser 189 € Anschlussgebühr einmalig verlangt. Kann gut sein, dass diese Info schon veraltet ist, was hier aber nicht angenommen wird, weil die Webseite der Stadt Kandern das ja noch so anführt – und die sind hier ja schließlich auf Zack, wie man sagt.

So auf Zack ist man überhaupt allgemein, dass neuerdings sogar Personen, wie auf der Webseite der Stadt Kandern des Weiteren zu lesen ist, die „in Einrichtungen zum Schutz vor häuslicher Gewalt, in Einrichtungen zur Behandlung von Suchterkrankungen, in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder sonstigen Einrichtungen, …, in einer Aufnahmeeinrichtung für Asylbewerber oder sonstige ausländische Flüchtlinge oder in einer Justizvollzugsanstalt wohnen, … künftig ein sogenannter bedingter Sperrvermerk im Melderegister eingetragen [wird]. … . Bei Melderegisterauskünften an Private muss die Meldebehörde dann in diesen Fällen vor einer Auskunftserteilung die Betroffenen anhören und darf keine Auskunft erteilen, wenn durch die Beauskunftigung schutzwürdige Interessen von Betroffenen beeinträchtigt würden. … . [B]ei Melderegisteranfragen für gewerbliche Zwecke … muss künftig der gewerbliche Zweck immer angegeben werden. Die erlangten Daten dürfen nur für den angegebenen Zweck verwendet werden und dürfen vom Datenempfänger nicht wiederverwendet werden (Verbot des Datenpooling). Eine strikte Zweckbindung besteht auch für so genannte erweiterte Melderegisterauskünfte, für Gruppenauskünfte und für Daten, die trotz bestehender Auskunftssperre nach besonderer Begründung und Bewertung beauskunftet worden sind.“ Für Werbung und Weiteres muss eine Einwilligung der Betroffenen vorliegen. Außerdem scheint man bei der Meldebehörde explizit einen Vermerk anbringen lassen zu können: für Werbung etc. nicht weitergeben oder wie immer das dort formuliert ist. Denn solange wir diesen Zusatz nicht anbringen lassen, können unsere Daten abgegriffen werden, versteht sich in beschränktem Umfang doch für Werbezwecke sehr wohl.

Lesen sich doch eigentlich recht gut, die neuen Verordnungen im Melderegisterwesen. Doch dürfte es recht kompliziert und vor allem aufwendig werden mit der Zeit, zweckfremden Gebrauch zu verfolgen und aufzuspüren. Denn sehr oft dürften die Betroffenen keinen Schimmer davon haben, wie gehabt, was mit ihren Daten so alles getrieben wird.

Des Weiteren ist auf der Webseite der Stadt Kandern zu lesen: „Mitwirkungspflicht des Wohnungsgebers – Bestätigung“. Das bedeutet, eine „Mitwirkungspflicht des Wohnungsgebers bzw. des Wohnungseigentümers bei der Anmeldung und bei der Abmeldung (z.B. beim Wegzug in das Ausland) [wird wieder eingeführt]. Und wie einst in fernen Tagen in Berlin, kommt einem sozusagen automatisch zurück in die Erinnerung, muss nun auch wieder bei der Anmeldung in der Meldebehörde eine „Wohnungsgeberbescheinigung“ vorgelegt werden. Bei Untermietsverhältnissen, um es gleich klarzustellen für alle jenen, sind die Hauptmieter diejenigen, die zur Meldung auf das Amt zu schreiten haben. In Zeiten des AIRBnB und Wohnungstausch auf Zeit, ganz zu schweigen von Ferienwohnungen, wartet der Wahnsinn also bereits im Detail. Den Verwaltungsakt, der folgt, lässt jetzt schon grüßen: „Die Wohnungsgeberbescheinigung kann im Rathaus Kandern, Einwohnermeldeamt, Zimmer 1, der Stadt Kandern und auf den Ortsverwaltungen abgeholt werden. Zusätzlich stellen wir Ihnen das Formular auf unserer Homepage www.kandern.de zur Verfügung.

Und damit Sie nicht zu fix aus dem staatlichen Blickfeld geraten, also zu Ihrem Schutz und dem anderer: „Die Abmeldung einer Wohnung ist wie bisher NUR bei Wegzug in das Ausland bzw. Aufgabe einer Nebenwohnung erforderlich. In diesen Fällen ist auch eine Wohnungsgeberbescheinigung über den Auszug erforderlich. Neu: gesetzlich ist hier künftig ein Zeitfenster von einer Woche vo[n] bis zwei Wochen nach dem Auszug vorgesehen. … . Die Abmeldung einer Nebenwohnung … erfolgt künftig nur noch bei der Meldebehörde, die für die Hauptwohnung zuständig ist.“ Gut zu wissen, denken hier gewiss einige, die schon auf dem Weg waren, ihre Wohnung in Kandern beispielsweise in Kandern auf dem Amt kündigen zu gehen, jetzt, wo der Hauptwohnsitz ja jetzt in die Hauptstadt der Republik verlegt wurde auf die Schnelle oder anders.

Apropos: Die Anmeldepflicht bei Bezug einer neuen Wohnung wurde von einer auf zwei Wochen verlängert. Und wer in Deutschland bereits gemeldet ist und sich für 5 Monate und 28 Tage oder 29 in Berlin niederlässt oder Bremen und andernorts in der BRD muss das nicht melden. 6 Monate dürfen also nicht überschritten werden und wenn doch, dann rechtzeitig anmelden, ansonsten drohen wohl irgendwelche Strafen, ist zu vermuten. Touristen, die sonst im Ausland leben, müssen sich nach drei Monaten melden.

Und jetzt kommt’s, und zwar unter dem Namen „vorausgefüllter Meldeschein“. Und das Ding funktioniert so:

[D]ass im Falle einer Anmeldung die eigenen Meldedaten im automatisierten Verfahren der Meldebehörde am Zuzugsort bereitgestellt werden [ab Jahr 2018].“ Der Vorausgefüllte wird dann zur allgemeinen „Erleichterung“ im Bürokratiedschungel führen, hofft man.

Bevor wir noch zu anderen Informationen aus der Region kommen, noch schnell diesen Auszug einer Pressemitteilung der Stadt Kandern:

Die Stadt Kandern muss die getrennte Abwassergebühr rückwirkend zum 01.10.2010 einführen, da der Baden-Württembergische Verwaltungsgerichtshof den Frischwassermaßstab für die Berechnung der Niederschlagswassergebühr im Urteil vom 11.03.2010 für alle Kommunen in Baden-Württemberg beanstandet hat. Mit der neuen Abwasserberechnung entspricht die Stadt Kandern den Anforderungen der Rechtsprechung. Durch die Einführung der getrennten Abwassergebühr wird keine neue Gebühr erhoben, sondern lediglich der Aufwand für die Abwasserbeseitigung nach einem zusätzlichen und neuen Maßstab verteilt. Für die Erhebung der getrennten Abwassergebühr werden die Gesamtkosten der Abwasserbeseitigung aufgeteilt nach dem Aufwand für die a) Schmutzwasserbeseitigung und für die b) Niederschlagswasserbeseitigung.

Das hat zur Folge, dass es künftig eine SCHMUTZWASSERGEBÜHR und eine NIEDERSCHLAGSWASSERGEBÜHR geben wird … Bei der zukünftigen Gebührenerhebung soll die Niederschlagswassergebühr nach den bebauten und befestigten (versiegelten) Teilflächen der an die öffentliche Abwasserbeseitigung angeschlossenen Grundstücke …“ ermittelt werden.

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Denken wir an Fessenheim, denken wir auch an Wyhl. Sie erinnern noch, als vor ziemlich genau 40 Jahren das Freiburger Verwaltungsgericht zur Tat geschritten wurde vom Druck der Bevölkerung, die massiv gegen einen Atommeiler im Ländle protestierte. Nun, der in Fessenheim ist leider dennoch bedrohlich nah und wird und wird nicht abgestellt? Doch, können Sie es noch erinnern – genügend Parallelen dazu gibt es ohnehin heutzutage immer noch: Dieselgate etc. Nun, die Badische Zeitung vom 11. März 2017 schreibt also: „Die Wyhl-Urteile des Freiburger Verwaltungsgerichts hatten keinen Bestand. Die Klagen wurden im Berufungsverfahren beim Verwaltungsgerichtshof Mannheim im Frühjahr 1982 abgewiesen. Der VGH kam aufgrund seiner (ebenfalls eingehenden) Beweisaufnahme zu dem Ergebnis, dass ein katastrophales Versagen des Reaktors „praktisch ausgeschlossen“ werden könne und es einer zusätzlichen Berstsicherung nicht bedürfe.“ Die Berstsicherung war damals das entscheidende Argument, welches angeführt wurde von den Atomgegnern, um den Kasten doch nicht in die Landschaft gesetzt zu bekommen. Erst 2002 „wurde schließlich ein Verbot des Neubaus von Atomkraftwerken im Atomgesetz festgeschrieben.“

Interessant ist jedoch, was Joachim von Bargen im genannten Artikel in der Badischen Zeitung noch zusammenträgt im obigen Zusammenhang:

Die Revision der Kläger – über sie entschied das Bundesverwaltungsgericht Ende 1985 – blieb erfolglos. Anders als in seiner bis zu diesem Urteil maßgeblichen Rechtsprechung, die noch von einer umfassenden Kontrollpflicht der Verwaltungsgerichte ausging (deshalb die aufwendigen Beweisaufnahmen), hieß es jetzt, dass es nicht Sache der verwaltungsgerichtlichen Kontrolle sein könne, „die der Exekutive zugewiesene Wertung wissenschaftlicher Streifragen einschließlich der daraus folgenden Risikoabschätzung durch eine eigene Bewertung zu ersetzen.“ Soll unter anderem heißen: die Behörde hat ihre Kompetenzen überschritten. Man darf mit Fug und Recht sagen, dass alle möglichen behördlichen Kompetenz-Überschreitungen leider gehäuft losgetreten werden.

Das Projekt „Leuchtturm“ wird im Landkreis Lörrach gerade losgetreten. Die Erosionsgefahr durch Starkregen soll ermittelt werden. 288 000 € Fördergeld konnten bislang bereits eingestrichen werden dafür vom Projektträger namens Jülich. Mindestens ebenso positiv klingt, dass im Breigau-Hochschwarzwald ENDLICH ein Sozialticket eingeführt werden soll – sagen wir: es wird lautstark gefordert. Das würde im Monat dann so um die 33 € kosten. Vorbild für eine derartige, finanzielle Stütze ist hier in der Region Freiburg, wo es bereits so ein Ticket gibt. In Freiburg leistete man sich, könnte manche/r denken, DAFÜR chice Abfalltonnen zu 156 000 €. Sehen aus, als seien sie aus Silber gemacht und strahlen eben POSITIV wie das gepflegte Image der Stadt: steril, sauber, futuristisch. Und Strahlkraft haben hier im Ländle nicht nur silberne Mülleimer.

Uns allen hier in der Region ist natürlich Badenweiler als ein Hort der GUTBETUCHTEN und Strahlemänner und -frauen ein Begriff. Das ist DER Ort der Schickeria, wird gesagt. Viel Prominenz und dergleichen, alles möglichst diskret und schon fast steril gehalten, wie eine Tonne, in die nur kommt, wer dafür auserwählt wurde. Kurgäste gibt es natürlich auch noch, die einfach Wellness wollen und oft nicht ganz so begütert zu sein scheinen. Doch so recht weiß man nie, wie SCHWER die Jungs oder Mädels sind, die oft hochbetagt die Cafészene, ja, wie soll man sagen, prägen. Nun, trotzdem scheint der Kämmerer der Stadt zu klagen, der Herr Berninger. Der Säckel müsse enger geschnallt werden, hat er allerdings nicht gesagt. Es hörte sich eher an, wie bei einem orientalischen Händler, der ja aus Prinzip klagt, auch, wenn die Geschäfte gut gehen. Unter vielen anderen Posten müssten für Obdachlose und Flüchtlinge in Badenweiler beispielsweise 250 000 € jährlich ausgegeben werden. Dass knapp 500.000 € für zwei Feuerwehrautos ausgegeben werden, findet Berninger, sei eine Investition in die Zukunft. Hoffen wir mal, dass diese recht teure Investition dann auch alle Winkel und Höhen der Kleinstadt im Notfall erreichen wird können. Über Herrn Berninger war auch in Erfahrung zu bringen, dass der Besuch von Badegästen von 70 000 in den achtziger Jahren auf 40 000 zurückgegangen sei. Die Initiative Bus 111.de Badenweilers kämpft gerade dafür, dass der Nahverkehr noch mehr ausgebaut wird. Sie treffen sich am 14. März um 19.30 Uhr in der Blauenstraße 15 in Badenweiler – Finiresort.

Zum Schluss eine zuversichtlicher stimmende Nachricht: In der Ortschaft Sulzburg (Luftkurort) wird man im Sommer zum Baden oder Schwimmen keine 2 € mehr abdrücken müssen. Ehrlich gesagt, war dieser Geldbetrag nicht zu viel verlangt, für das, was geboten wird. Immerhin kann dort nach einem Bad im meist etwas kalten Waldsee heiß geduscht werden, ja, sogar was zu Trinken wurde einem plus nettem Plausch mit Herrn Weschenfelder gereicht. Letzterer wird dieses Jahr zwar noch vor Ort weilen, wenn die Badesaison eröffnet sein wird, doch eben diese 2 € entfallen. Es bleibt bei den Nutzungszeiten: von 08 Uhr bis 20 Uhr.

Erfreulich und gleichzeitig unerwartet, dass ein Gemeinderat mehrheitlich dafür stimmt, dass Gebühren (der Eintrittspreis) abgeschafft werden. Die Badestelle Sulzburg ist wirklich ein kleiner Juwel. Es darf davon ausgegangen werden, dass der Wegfall des Eintrittspreises keinen starken Zustrom von Badefreudigen aufkommen lassen wird. Zum einen ist der Ort recht entlegen gelegen, was auch den besonderen Charme ausmacht, und zum anderen ist es eben halt auch ein See, wo schon mal das eine oder andere Kraut beim Schwimmen am Bauch kribbeln kann – von unten. Die Liegewiese ist dort recht groß, das Schwimmbecken hingegen recht eng und klein, was wohl auch dazu beiträgt, dass die Badestelle nur für HARTGESOTTENE ein Magnet bleiben wird.

Klarstellung: Von Zelten ist die Rede, in denen die Asylsuchenden in Kandern wohnen. Fertighäuschen sind gemeint, die wohl stabiler und wärmer sind als ein Zelt. Der Begriff Zelt indes ist indes dennoch nicht ganz abwegig, könnten einige denken.

Lug und Trug

Lug οδερ Trug

Was ist das schon, Wahrheit? Kommen nicht alle Zahlen aus der Null. Und die Null ist doch so in etwa unwahr-wahr? Weil sie ist doch, und gibt vor, NICHTS zu sein. Oder doch: Nicht-ist ist also nichtig im Nichts?! Purer Schein?

Der Monat Februar des Jahres 2017 scheint in folgender Hinsicht eventuell nicht mein Monat zu sein dieses Jahr. Da trägt und schreibt man Material über 2-3 Wochen zusammen, um diesen Artikel Ende Monat fertig zu haben, und was ist? NICHTS. Irgendwie muss die Datei überschrieben worden sein und der Schuldige dafür, der schreibt Ihnen das gerade. Nun mal sehen, was noch alles in Erinnerung ist vom einst Geschriebenen. Und – ja, Sie glauben es nicht – die verwendeten Quellen sind auch nicht mehr zur Hand, weil sie im verlorengegangenen Text ja angegeben wurden und danach gleich in den Papierkorb gewandert sind. Das soll mir eine Lehre sein!?

Düster kann noch erinnert werden, dass in dem angefangenen Artikel kurz auf den Abbruch der Wiedervereinigungsverhandlungen auf Zypern eingegangen worden ist – ja, es war sozusagen unvermeidlich. Und düster war ja auch der Himmel über mir um 7 Uhr morgens in Südwestdeutschland – bin nämlich gerade den Tag vor besagtem Verlust des Dateiinhalts wieder aus Zypern angekommen gewesen.

Nun. Streit war und ist in Zypern darüber ausgebrochen, ob nun der Präsident der Türkisch- oder der Griechischzyprer den Verhandlungstisch mit düsterem Antlitz verlassen hat vor kurzem. Dass der türkischzyprische Präsident Akinci durchaus berechtigt Grund hat, aufzustehen und zu gehen, scheint der allseits ziemlich geschätzte Petroclus in seinem Artikel namens „Coffee-Shop“ in der Sunday Mail Zyperns, auch nicht ganz verstehen zu wollen – siehe den 19. und den 26. Februar 2017. Er schreibt in so etwa davon, dass es sich die Griechischzyprer doch sowieso gar nicht leisten könnten, es zu einer Wiedervereinigung der Inselteile kommen zu lassen, weil sonst bei zu vielen unter den Griechischzyprern sogenannte Pfründe und Vorteile ziemlich sicher den Bach heruntergingen – also ausbleiben würden. Petroclus findet, es handle sich lediglich um einen Kampf um die moralische Hoheit, der ausgefochten werde zwischen den beiden Seiten. Das stimmt zwar, doch ist das viel zu kurz gedacht – durchaus etwas zu griechischzyprerfreundlich. Denn es dürfte Akinci und vielen anderen Türkischzyprern mittlerweile allmählich ziemlich aufstoßen, andauernd und immer wieder mit der Ignoranz, der anmaßenden Arroganz und der Macke der Griechischzyprer sich einzubilden, die Besten zu sein, konfrontiert zu werden – besser jedenfalls finden die sich im Allgemeinen als die Türkischzyprer, und zwar in jeder Hinsicht.

Was war geschehen?

Also: Die Griechischzyprer verabschiedeten kürzlich im Parlament, dass in den Schulen der Republik wieder der Enosistag, die angestrebte Wiedervereinigung der Insel von einst mit Griechenland, abgefeiert wird. Stünden wir nicht vor dem angeblichen Abschluss der angeblich gut vorankommenden Wiedervereinigungsverhandlungen auf Zypern mit dem Segen und der Unterstützung der UN, könnte man ja vielleicht noch der Argumentation von Petroclus aus der Sunday Mail das OK geben. Doch nicht so! Denn die Türkischzyprer haben das anmaßend dominante Gehabe der Griechischzyprer schon einmal teuer bezahlt in der Geschichte vor 1974, als den Türkischzyprern die Türkei zur Hilfe kommen musste, um das Schlimmste zu verhindern. Zwar haben die Türken mit Beihilfe der Türkischzyprer dann auch recht ‚unverhältnismäßig zugeschlagen, aber es war vordringlich ein Reagieren und nicht ein Agieren: Vergewaltigungen, Morde, Folter eben alles, ist man schon fast verführt zu schreiben, was zu einem stinkigen Konflikt zwischen ‚besten‘ Nachbarn dazugehört. Weil interessant ist noch immer, die Beteuerungen hie und da zu hören, dass vor den Konflikten und Spannungen in den 1950 Jahren anscheinend ein geradezu freundschaftliches Verhältnis zueinander geherrscht haben soll. Manchmal hört man auch etwas von: „wie familiär“.

Es darf wohl davon ausgegangen werden, dass keiner der überwiegend türkischsprachigen Nordzyprer Lust auf eine Neuauflage der blutigen Auseinandersetzungen hat oder darauf, politisch, gesellschaftlich und ökonomisch noch mehr und womöglich noch unverhohlener in die Ecke gedrückt zu werden – wie es ihnen ja die Blockade aufzwingt, denn bekanntlich wird der Staat Nordzypern als solcher lediglich von der Türkei international akzeptiert. Auf Grund der betriebenen Politiken auf europäischer und griechischzyprischer Ebene darf aber schon bald damit gerechnet werden, dass dieser Boykott durchbrochen wird. Kandidaten dafür gibt es viele und Gründe noch mehr.

ES IST EINFACH NUR DUMM, wenn Leute wie Anastasiadis, die vorgeben, sich mit den Türkischzyprern wiedervereinigen zu wollen, auch noch dazu beitragen, dass ein Antrag der griechischzypischen Faschisten (ELAM) im Parlament nur deswegen durchgewunken wird, weil sie, die Regierungspartei DISY, der Anastasiadis, der Präsident der Republik Zypern ja angehört, sich der Stimme enthält – wohl wissend, dass als Ergebnis dieses zuvor erwähnte Gedenk-Ding aus den 1950er Jahren für Schüler rauskommt.

Irgendwie kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass solch Hahnengehabe von Politikern weltweit so eine Art Muster geworden ist, an dem es sich scheinbar auszurichten gilt – Trump, Erdogan, Netanjahu, Sisi, Orban, Duterte, Putin und der nette Herr aus Nordkorea mit der hochamüsanten Nachrichtensprecherin, die seine Großtaten im nordkoreanischen Fernsehen unnachahmlich und stets sehr aufschlussreich verkündet; von der Frauenfraktion wäre da zweifelsohne die Dame in la grand nation übern Rhein hinweg zu nennen, die zur Präsidentin gewählt werden mag – Madame Le Pen etc.

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Ist nun von Eurogate die Rede, denken Sie gewiss: aha, ein weiterer Skandal. Und das ist so schon der Fall, aber nicht irgendwo in Brüssel oder Straßburg ist dieser zu verorten, wo gewiss einige „gates“ noch aufzudecken sein dürften, sondern es ist die leidige Angelegenheit im Hafen von Limassol/Zypern gemeint. Jedenfalls steht das, was danach hier zu lesen ist, auch im Zusammenhang mit der sogenannten Privatisierung, welche ja einst von der TROIKA auch Zypern verordnet wurde, worunter unter anderem auch der Hafen von Limassol gefallen zu sein scheint. Die Privatisierungen werden und wurden in Zypern, wie auch in Griechenland, sehr widerwillig betrieben mit entsprechendem Ergebnis – eher nicht zufriedenstellend und eigentlich auch nicht wirklich zielführend.

Kürzlich in die Verlegenheit gekommen, auf die Schnelle einen Drucker kaufen zu müssen in Zypern. Geriet dabei wahrhaft in Bedrängnis. Der alte Drucker hatte nämlich den Geist aufgegeben und ein neuer musste einfach GLEICH her. Und diesmal sollte es ein Laserdrucker sein, kein billiger Tintenstrahler mit teuren Kartuschen mehr. Gern einer der neuesten aber ausgereifteren Maschinchen, der möglichst ohne Schnickschnack, also ohne Scanner, Fax, Wifi und so weiter seinen Dienst möglichst treu und ohne Widersprüche verrichtet über Jahrzehnte bestens. Leider war nichts mehr auf Lager von dem, nachdem ich fragte. Das sagte der junge Angestellte in seinem kleinen Shop mit Bedauern in der Stimme in der kleinen Stadt Kitti bei Larnaka. Und so musste Vorlieb mit dem genommen werden, was noch so herumstand. Grund dessen: Die Container im Hafen stehen womöglich immer noch voll bepackt herum (an die 3.000 waren es mal) und keiner transportierte das Zeug durchs Land in die Läden und woanders hin, denn die Transportgesellschaft, Kranarbeiter und somit ihre Gewerkschaften (Povek und Lastwagenfahrerunion) hatten gestreikt. Eurogate ist der Operator, der die Container im Hafen händelt, wie neuerdings schon bald auf Neudeutsch geschrieben werden wird dürfen.

Die Eurogate bedauerte, dass die Transporter und Kräne im Hafen streiken. Ja, 21 weitere Fahrer aus Deutschland wurden angefordert, um die Kapazitäten der Firma zu verstärken, verkündet Eurogate. Dann gebe es weitere 7 Cargo-handling-Maschinen. Die Streikenden trauen Eurogate wahrscheinlich auch jetzt noch nicht über den Weg. Die versprechen nämlich und halten nichts, war zu vernehmen von den Streikenden. „Ersatz!“, das wollen die Streikenden. Und der gehört ihnen von Eurogate gezahlt – und keine Hinhalterei mit Worten. Eurogate hatte diese Ersatzzahlungen bereits versprochen, doch dann wieder zurückgenommen. Kompensation für die Zeit, wurde und wird gefordert, welche die Transporter am Hafen stehend vergeudeten. Dafür wird Eurogate verantwortlich gemacht und nun zur Rechnung gebeten. Schnellverderbliches wurde dem Vernehmen nach aber wegtransportiert: Gemüse, Früchte etc. Eurogate ihrerseits drohte: „Wenn die Kranführer ihren Streik demnächst nicht aufhören, werden sie Kompensationszahlungen zahlen müssen!“

Klar doch, es gibt einen Minister, der eigentlich die Dinge regeln sollte, Marios Demetriades. Dem wird vorgeworfen, beim Streik nicht rechtzeitig und professionell genug eingeschritten zu sein. Der Vorwurf lautet, er habe beim Abschluss des Vertrags zwischen dem Staat und Eurogate verpasst – obwohl er im Jahr 2015 ein paar Monate vor Abschluss des Vertrages ausdrücklich darauf hingewiesen worden war von dem obersten behördlichen Aufseher -, eine Klausel einzubauen, die besagt, dass wilde Streiks und dergleichen, ganz einfach nicht vorkommen dürfen und können – dass also ein Minimum an Aktivität aufrecht zu halten ist im Hafen und nicht alles aus dem Ruder laufen darf und kann, wie es kürzlich eigentlich schon der Fall gewesen ist. Als gutes Beispiel dient durchaus die Firma Hermes am Flughafen von Larnaka, wo solch eine Klausel besteht. Ministerien, wie das Beispiel auch in Londons Hafen mit Rothschild & Sons Ltd. oder der Dubai Hafen zeigt, erheben vermehrt solche Klauseln, was durchaus Sinn macht. Es muss einer Regierung in Fällen von Streik an neuralgischen Punkten, die Möglichkeit offengehalten werden, sich notfalls einen anderen Vertragspartner suchen zu können, um nicht erpressbar zu sein oder es zu werden.

Nun, wenn man sich das Bauspar-Urteil in Germany anguckt, wo Bausparer von Seiten des BGH, wenn nicht geprellt, so doch eindeutig gegen das gemeingültige Vertragsrecht verstoßend ihrer Ansprüche auf Prämienzahlung enthoben werden, indem den Bausparern von Seiten der Bausparversicherung der Vertrag gekündigt werden darf neuerdings, scheint manchem genau so etwas als weitere Verschärfung der Lebensumstände zu sein, die darüber hinaus mit einer geminderten Vertragssicherheit behaftet ist, was nun wohl auch in Deutschland im Entstehen zu sein scheint. Letzteres beklagenswerter Weise ist zumindest für jene, die die sogenannt Schwächeren sind bereits ein hängendes Demoklesschwert. Ähnliche Beispiele scheinen weltweit vermehrt Fuß zu fassen.

Nun, weil wir schon dabei sind: die Abschiebung von Afghanen nach Afghanistan lässt sich in eben Gesagtes durchaus gut einreihen, zumal offenbar auch das Asyl- und Menschenrecht zukünftig gefährliche Blessuren erleiden soll müssen, und das eben auch in Deutschland, ausgerechnet in Deutschland, wo die Bundesrepublik in Afghanistan durchaus noch EINIGES gutzumachen hat. Gerade hat sich ein zum Polizisten ausgebildeter Afghane 11 seiner ‚Kollegen‘ in den Tod gehen lassen. Er hat sie erschossen und ist dann geflohen. Wahrhaft, kein sicheres Land!

Apropos: Eurogate glänzte zudem auch noch mit Fehlern in der verwendeten Software im Hafen von Limassol. Mal abgesehen davon, sollen der Hafen und die Marina in Larnaka weiter ausgebaut werden. Anscheinend ist das auch der Fall in der Gegend um Mari und dieser Ort liegt ungefähr in der Mitte von Limassol und Larnaka. In Mari ist nämlich ein neues und größtes Industriegebiet Zyperns im Entstehen; und was an Industrieanlagen des Hafens in Larnaka bislang stand, soll nach Mari umgesiedelt werden und MEHR – vollständig. Es wurden dazu 893.000 Euro 2017 bereitgestellt. Dieser Entscheid war bereits am 18. Januar 2017 vom Transportministerium, genauer, von der Mehrheit im griechischzyprischen Parlament beschlossen worden. Bis Ende 2017 dürften sich die Kosten aber auf 1.137.339 Euro belaufen. Kann also gut sein, dass ein Kredit von 2.029.000 Euro aufgenommen werden muss, schreibt am 18. Februar 2017 die griechischsprachige POLITIS Zyperns, die eigentlich das Sprachrohr der DISY-Regierung Zyperns genannt werden kann.

Bleibt noch zu erwähnen, wie man in Deutschland sagen würde, dass die Angelegenheit im Hafen von Limassol zur „Chefsache“ erhoben wurde. Das heißt: Präsident Anastasiadis intervenierte. Und das tat er, indem er die Schuld zuerst einmal auf „die ausländischen Investoren“ schob. Mancher fragte sich schon, ob Herr Anastasiadis den Vertrag mit den von ihm beklagten „Ausländer“ etwa wieder unterschrieben hat, ohne zu lesen, was drin steht – so wie es vorgekommen sein soll, als er einen Vertrag mit der Zentralbank Zyperns unterschrieb.

Es ist also die DISY-Regierung, die den Vertrag mit der Firma am Hafen (Eurogate) letztlich unterschrieb und somit ist sie auch verantwortlich für das Desaster. Und auch am Hafen haben sie – wie in Nikosias Mitte – eine Zweiteilung vorgenommen, das heißt, zwei Firmen eingespannt, die Dinge zu richten und durchzuführen. Die Regierenden der Republik Zypern wussten auch, dass die deutsche Firma (Eurogate) im Hafen längst nicht ausreicht, um den Hafen zu betreiben, auch, dass bereits Millionen Euros ausgegeben worden waren, das DING zusammenzuhalten, sodass das Management des Hafens keinesfalls in zwei Hälften geteilt werde. Es dürfte wohl so in etwa 1 Monat und ein paar Tage mehr oder weniger ins Inselland gezogen sein, in denen gestreikt wurde. Die „EHRE“ Zyperns als „marine Großmacht“ steht und stand auf dem Spiel!

Am Rande:

Die berühmt berüchtigte „Liste Lagarde“ und die „Panama-Papers“ werden von den Regierenden in Nikosia nicht berücksichtigt. Als gebe es sie nicht. Erwiesenermaßen kann in diesen Dokumenten nachverfolgt werden, dass die Steuerhinterziehung im Land sogar zugenommen hat: im Jahr 2015 waren es 1.743 Millionen Euro und das Jahr davor 1.579 Millionen Euro. Die auffälligen Geldbewegungen vor der Krise von 2013, schreibt Konstaninou Zachariou in der Charavgi vom 22. Dezember 2016, scheinen auch niemanden zu interessieren wollen in der Regierung. Zachariou resümiert: „Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man laufen!“

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Von Stillstand an einem anderen, zuvor schon kurz erwähnten neuralgischen Ort in Zypern, kann derzeit nicht gesprochen werden. In Berlin hat man kürzlich den Verantwortlichen aus seinem Posten gekickt, weil der Flughafen in Schönefeld 2017 noch immer nicht in Betrieb genommen werden kann. Von solchen Maßnahmen hat in Zypern niemand was vernommen in Sachen „Elefteria-Square“ von Nikosia, der seit langer, langer Zeit wie eine offene Wunde das so benannte Zentrum der Hauptstadt ‚ziert‘. Schneckentempo träfe es wohl schon eher anstatt Stillstand, um den Fortschritt der Arbeiten für das neue Herz der zyprischen Hauptstadt zu bezeichnen.

Halten wir es kurz: Bis Ende 2017 müssten die Arbeiten eigentlich beendet sein. Diese Bedingung stellt der EU Strukturfond. Eigentlich könnte dieses Ziel, jetzt, wo sich vor Ort endlich etwas – wieder – sichtlich bewegt, geschafft werden; also so, dass mal erkennbarer als jetzt Häuser, Treppen, Parks, Parkplätze und dergleichen mehr im früheren Grün stehen. Letzteres, das Grün dort, dürfte wohl von den meisten Hauptstädtern nur noch in bitterer Erinnerung (wegen seines Verschwindens) existieren. Viel Beton wird demnach zukünftig ein paar Bäume umgeben, die den Kahlschlag überleben dürfen. Irgendwelche naiven Menschen hatten das Gesamtprojekt am Eleftheria Square einst mit 23 Millionen Euro projektiert.

Ha-Ha!

Zwar hat das Rathaus in Nikosia schon 2014 erkannt, dass das Ding ein finanzielles Monster werden wird und deswegen zwei ‚kleinere‘ Projekte daraus gemacht. Jetzt sind also zwei Firmen installiert, das Mögliche möglich zu machen – das dem Betrachter lange Zeit unmöglich erschien. Eine der Firmen hieß Miltiades Neophytou und eine der jetzigen ist die Lois Builders. Zu erwähnen, dass Streit zwischen Architekten und einer der Firmen (Contractors) ausgebrochen war, ist Schnaps von gestern; oder dass sich das Rathaus bei einer weiteren Ausschreibung des Projekts gehörig verzockt hatte. Anscheinend hat Nikosias Bürgermeister, Konstantinos Yiorkadjis, die involvierten Contractors darauf festgenagelt, gar nicht vorstellbar, wie er das geschafft hat, das DING bis März 2017 fertigzustellen.

Nach dem, was derzeit vor Ort zu sehen ist, müsste dann wohl noch ein GROßES Wunder geschehen, um den Termin im März 2017 zu halten. Ein Rohbau ist auf dem Gelände noch nirgends ersichtlich angefangen, man scheint dafür aber einigermaßen viel Aufwand zu betreiben, das Untergeschoss plus Parkplätzen vorzubereiten.

Dass der Stand der Dinge am Eleftheria-Square von Nikosia eigentlich zu keinem weithin hörbaren Aufschrei der Bevölkerung bislang führte, kann man sich offenbar bestens durch die vielen Rohbauten erklären, die sogenannte „Developers“ in die Landschaft und in Dörfer bauten und gerne bei Bedarf weiterhin bauen, um Wohnsiedlungen für Menschen mit (zu) viel Geld hochzuziehen. Manche dieser Rohbauten sehen der Akropolis in Athen von weitem nicht unähnlich, werden vielleicht auch deshalb seit über 10 Jahren so kahl in der Landschaft antiquiert? Zukünftige Touristikattraktion?!

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Pafos und seine Umgebung sind teils durchaus auch mit solchen Bauten, die auf Antik machen, ‚gesegnet‘. Pafos ist ja eine der beiden Kulturhauptstädte Europas dieses Jahr. Auch in dieser Stadt – davon darf ausgegangen werden, zumal die Bauarbeiten vor knapp 2 Monaten von mir selbst inspiziert – sind bauliche Maßnahmen in Pano-Pafos gewiss noch immer nicht abgeschlossen. Die Sunday Mail titelte am 10. Februar 2017: „Museen sind im Jahr, wo man Kulturhauptstadt ist, geschlossen!“ Welch Skandal! Konkret ist die Rede vom Byzantinischen und dem Archäologischen Museum. Ersteres ist noch immer nicht nach Geroskipou/Pafos umgezogen worden – in eine ehemalige Grundschule. Einen Bus dorthin gibt’s aber bereits von der Touristenmeile am Beach vor der Stadt – immerhin. Zwei weitere Gebäude, die von Bedeutung wären, um Pafos ehrwürdiger zu repräsentieren zum gegebenen Anlass, sind auch noch nicht renoviert, ist zu lesen. Man hat es in Pafos offenbar geschafft, das eine der eben erwähnten beiden Gebäude zu säubern und notdürftig bereitzustellen für den großen Event. Es wird also sogar schon benutzt, um Pafos als Kulturhauptstadt mit zu repräsentieren: von der Shelley Residence ist die Rede. Ihren Namen hat das Gebäude von einem britischen Doktor, der darin 1955 – 1959 lebte. Die alte Sodap Eisfabrik soll bis Ende Jahr ausgeräumt und notdürftig für denselben Zweck bereitgemacht worden sein. Beide Orte werden anscheinend danach – 2018 oder noch später – ENDLICH renoviert werden.

Nun ja, die EU-Fonds wurden ja schließlich bereits ausgezahlt für den großen Anlass. Das Geld ist also im Säckel. Sollen die Besucher von Pafos als Europäische Kulturhauptstadt anstatt ins Museum doch an den Strand gehen oder zum Einkaufen in Pano-Pafos, wo teils noch immer Baugerüste den Weg zum Markt verstellen. Das ist doch eigentlich genug Ersatz für die Museen und Kultur, oder? Museumsbesuche strengen den Kopf und die Augen doch eh zu sehr an. Stimmt’s?

Gut, ich verspreche es: Ende der Häme!

Das Archäologische Museum gehört der orthodoxen Kirche Zyperns. Da drin ist auch die bislang älteste Ikone Zyperns beheimatet, diejenige der Aghia Marina aus dem 07. oder 08. Jahrhundert. Wer bei der peinlichen Verspätung der Bereitstellung der Kulturhauptstadt Zyperns für den Rest der Welt schon an eine der Vorstufen von Korruption denkt oder gar an typischen Schlendrian (was immer das „typischen“ besagen mag), der bekreuzige sich aber besser sofort – 3 Mal und nicht etwa Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand hinten auf dem Rücken liegend währenddessen kreuzen!

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Überhaupt sollen zyprische Angestellte und vor allem Beamte, die in Korruptionsfälle verwickelt sind, härter bestraft werden. Das kündigte Justizminister Ionas Nikolaou mal wieder an. Nun, so eine Reform der Polizei-Verordnungen ist gewiss nicht das Dümmste, schon allein wegen der auffällig zunehmenden Verstöße innerhalb der Polizeiorganisation Zyperns – siehe den mehrfachen Mord in Aghia Napa zum Beispiel (der Fall Kalopsidiotis). Eine Kontrollstelle soll eingerichtet werden, meint Herr Minister. Etwas spät kommt ihm und seinen Vorgängern diese Idee schon, oder? Doch besser endlich mal als noch immer nicht! Bis zu 50.000 Euro Strafe sollen demnach einem/r Beamten/in aufgebrummt werden können, wenn er oder sie beim Schummeln und dergleichen erwischt wird. Jemand unter den Beamten, der oder die in Millionenhöhe abgreift, wird sich von dieser relativ niederschwelligen Strafe wahrscheinlich wenig beeindrucken lassen, vor allem auch dann, wenn er oder sie weiterhin im Amt bleiben kann. Letzteres ist so, außerdem, in Zypern geregelt, nämlich, dass ein/e korrupte/r Polizist/in, beispielsweise, nicht um ihren/seinen Posten bangen muss, wenn er oder sie bei einer Straftat erwischt worden ist.

Was sagte der Justizminister Nikolaou bezeichnender Weise noch: „Jene, die in Korruptionsfälle verwickelt sind, richten dem Ansehen [des Landes] nicht so viel Schaden an als vielmehr der polizeilichen Arbeit (Quelle: Cyprus Mail 18. Febr. 2017, Evie Andreou). Man höre und dann, dann staune man!

Die neuen Anordnungen, von denen eben die Rede war, sollen allgemein gültig sein unter und für Polizisten. Das heißt, es darf nicht mehr vorkommen, dass verschiedene Beamte für die gleiche Tat unterschiedliche Strafen ausgesprochen bekommen.

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Werden wir doch etwas konkreter: Rikko Erotokritou, Andreas Kiprisoglu, Panagiotis Neokleous und das Anwaltsbüro Neokleous sind die Angeklagten in einem aufsehenerregenden Prozess – zumindest für zyprische Verhältnisse ist dem so. Am 01. März um 10 Uhr 30, schreibt die Politis am 18. Februar, werden ihre Urteile gesprochen – also morgen. Die Anwälte der Angeklagten geben bereits Auskünfte und sagen, dass keiner ihrer Mandanten ins Gefängnis soll, und zwar jeweils aus unterschiedlichstem Grund. Bei dem einen ist es der Gesundheitszustand, beim nächsten, dass er in einer Art Abhängigkeitsverhältnis zu einem der Angeklagten stand (eine Art Sohn – Vaterverhältnis) usw. Es geht zumindest um 630.000 Euro, die im Rahmen der Untersuchungen der ‚Geschäftchen‘ wegen der „Providencia“ irgendwie versickerten. Dieser Fall hält die zyprische Presse schon seit einigen Jahren in Schwung.

Noch etwas genauer: Rikkos Erotokritou ist der vormalige Stellvertretende General-Staatsanwalt Zyperns. Er ist also nicht nur irgendein Richter oder Anwalt. Und dieser hohen Person hat man zwischenzeitlich schon klargemacht, er habe Schmiergelder eingestrichen, korrupt gehandelt, sein Amt missbraucht und konspirativ sich eingebracht.

Bei was?

Nun, folgendes lief im Jahr 2003 unter anderem in etwa so ab: Erotokritou, behauptet das Gericht, habe 2013 die Strafverfolgung von fünf russischen Staatsbürgern angeordnet, die im Streit mit der zyprischen Neocleous Anwaltsfirma über den Besitz des Multi-Millionen-Trust-Fond namens Providencia Ltd waren – in Russland, wie auch in Zypern. Für diese ‚kleine‘ Gefälligkeit ließ man Erotokritou einen Gerichtsstreit gewinnen, den er seinerzeit gegen die inzwischen (seit 2013) bankrotte zyprische Laiki Bank führte. Die hatte er nämlich darum gebeten, seine eingezogenen, nicht abgesicherten Depots mit Darlehen (des haircut wegen) zu verrechnen, die er wiederum mit dem Kreditgeber herausgenommen hatte (500.000€). Zufällig ist oder war der Anwalt der Laiki Bank auch die Neocleous Anwaltsfirma gewesen, die Anwaltskanzlei ihrerseits gibt an, irgendwie den Gerichtstermin verschlafen zu haben – also den Termin zur Anhörung von Erotokritou. Derart gelang der Anwaltsfirma, das Urteil aufzuheben.

Wir verstehen also, verehrte Leser: Auf diese Weise haben die eben Genannten konspirativ zusammengearbeitet und der gerichtlichen Gerechtigkeit im Jahr 2013 versucht, ein Schnippchen zu schlagen. Denn da die Anwaltsfirma nicht zum Termin erschienen war, profitierte Erotokritou ja entsprechend davon – das Urteil gegen ihn wurde aufgehoben.

Jemand, der beispielsweise mit 10 Gramm Marihuana vor einer hippen Disco Limassols angetroffen wird von der Narkotic-Polizei, säße sehr wahrscheinlich einige Zeit und umgehend im Knast, wenn er nicht gerade Sohn oder Tochter einer ‚guten‘, das heißt reichen und daher angesehenen Familie ist. Und so ist wenig verwunderlich, dass Erotokritou, Kiprizoglou und Neocleous vorerst bis zum 01. März 2017 weiterhin auf freiem Fuße sind. Angeblich haben sie gewisse Auflagen zu befolgen.

Welche?

Immerhin, Erotokritou ist bereits verurteilt gewesen wegen Korruption in der genannten Sache. Somit ist er bereits der höchste Beamte Zyperns, dem solch Missgeschick je passiert ist. Wir werden also sehen, ob die Herren Angeklagten am 01. März in den Knast gehen oder nicht. Das Bauchgefühl sagt einem irgendwie: Kiprizoglou könnte vielleicht der einzige sein, der absitzen geht, denn er scheint einem irgendwie prädestiniert als Sündenbock, weil er eventuell der ‚Schwächste‘ unter den Angeklagten ist. Wir werden es abwarten müssen; und man kann sich ja auch täuschen in seinen Einschätzungen, gell?

Jedenfalls meinte der Verteidiger von Erotokritou bei Gericht vor ein paar Monaten: „Vor Ihnen steht ein finanziell ruinierter Mann, der nie wieder im Stande sein wird, juristisch zu arbeiten. Seine Karriere hat wegen finanzieller Überbelastung geendet.“ Auch habe sein Mandant nicht systematisch Korruption betrieben. Eine einmalige Angelegenheit sei es lediglich gewesen, diese Sache da mit den Russen. „Seine Frau und sein Sohn werden zu Opfern, wenn man ihn inhaftiert!“

Zu erwarten ist am 01. März 2017, was die Cyprus Weekly einen „Marathon-Prozess“ nennt. Ach ja, und des Weiteren sagte Erotokritous Anwalt noch: Eine Freiheitsstrafe ist gefährlich wegen der Arbeit, die sein Mandant betrieben habe (Staatsanwalt). Solche Argumente geben wir von der Presse gern weiter. Sie beleuchten und durchleuchten den HOHEN Stand der Dinge – zuweilen auch recht sarkastisch.

***

Was verkündete Präsident Anastasiadis, der sich in einer psychiatrischen Klinik medienwirksam ableuchten ließ vor ein paar Tagen, wo kein Wasser derzeit fließt: „Wir bauen eine neue Klinik!“ Hört sich gut an, bringt den ‚Insassen‘ aber im Moment schrecklich wenig. Und so könnte wohl die folgende Spekulation nicht ganz fehlgehen, nämlich, dass der Präsident noch einen weiteren Konflikt löst, und zwar den um Erotokritou und seine kriminellen Kumpanen, wo man den Präsidenten der Republik womöglich sagen hören könnte: Wir bauen dem Erotokritou und anderen hochstehenden Persönlichkeiten, die noch folgen könnten, einen Extraknast!

Apropos: Der Streik im Hafen von Limassol ist für einen Monat auf Eis gelegt worden. Nicht der Transportminister konnte es etwa regeln mit den LKW-Fahrern, Gewerkschaften und Kranführern, sondern, man glaubt es kaum, ein Auftritt von dem vermeintlichen Strahlemann Präsident Anastasiadis genügte, und schon war die Sache fürs Erste behoben. Auch was die abgebrochenen Verhandlungen mit den Türkischzyprern angeht, scheint Herr Anastasiadis – endlich wieder – sich auf moralisch höherem Stand als sein türkischer Gegenspieler Akinci fühlen zu dürfen.

Warum?

Letzterer weigerte sich einfach, zum letzten vereinbarten Treffen zwecks Wiedervereinigungsverhandlungen zu gehen. Er weilt anstatt in Pakistan auf einer Konferenz der Islamischen Gemeinschaft und spricht wiederholt davon, dass er sich um Wiedervereinigungsverhandlungszeug erst wieder zu kümmern gedenkt, wenn die Wahl in der Türkei zur Verfassungsänderung vorüber ist. Wirklich pragmatisch dieser Ansatz. Das finden nicht wenige. Der Präsident Nordzyperns, Akinci, soll derart sogar gegen Anordnungen Ankaras gebockbeint haben, Ankara hätte ihn gern an dem Tisch der Wiedervereinigungsverhandlungen sich weiterhin langweilen gesehen. Ja, oft kommt er einem sehr gelangweilt vor, der Herr Akinci. All das Händehalten und -drücken und die selben Fragen und Extravaganzen und das seit Jahren. Ach, manch einer kann ihn gut verstehen.

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Und natürlich ist im zuvor erwähnten Fall Erotokritou und Co auch irgendwie die Bank of Cyprus nicht außer Acht zu lassen, zumal diese ja die Laiki Bank, sagen wir, schlucken durfte – doch nicht nur deshalb. Der US-Milliardär Wilbur Ross hatte nämlich mit anderen Investoren 2014 dafür gesorgt, dass sich das Kapital der Bank of Cyprus erhöhte – der gute Mensch. Präsident Trump hat ihn ja bekanntlich als „US Secretary of Commerce“ berufen. Nun, auch Ross scheint Kontakte zu dem Russen Viktor Vekselberg zu unterhalten. Und Derartiges hat bekanntlich den einstigen Sicherheitsbeauftragten Trumps, Herrn Michael Flynn, seinen Posten gekostet kürzlich. Noch soll Ross allerdings nicht als einer der Secretary‘s of Commerce bestätigt worden sein. Ross, ein Spezialist darin, Unternehmen zu restrukturieren und billig aufzukaufen, die womöglich bei Null angekommen sind, hat sich also damals der Bank of Cyprus angedient und wurde in deren „board of directors“ aufgenommen. Da saß auch Josef Ackermann, der ja zuvor bei der Deutschen Bank sein Werk vollbracht hatte als oberster Chef. Kann gut sein, dass Herr Ackermann noch zu seinen Verbindungen zum Trump-Imperium befragt werden wird, als er die Deutsche Bank ‚regierte‘. Trump schuldet der Deutschen Bank nämlich an die 3 Milliarden US-Dollars, schreibt Stelios Orphanides in der Cyprus Mail vom 18. Februar 2017. Irgendwie hatte das Trump-Imperium zur Zeit Ackermann bei der Deutschen Bank einige Unpässlichkeiten finanzieller Art, die noch nicht aus der Welt geräumt worden sind– in Völle.

Kurz: Ross hat seinen Posten (Stellvertretender Präsident) bei der Bank of Cyprus aufgegeben, denn dort hat er vermutlich direkt oder über Umwege auch Kontakte mit dem Russen Vekselberg gehabt, was nicht gut für den Karriere-Verlauf derzeit ist. Hierzu schreibt Orphanides: „lediglich eine Stunde“ habe Ross sich mit dem Russen getroffen. Doch keiner weiß bislang, was die Herren miteinander besprochen haben. In einer Stunde kann man durchaus einiges besprechen. Nennen wir das Phänomen auch daher Trump-Klüngel. Das trumpsche Geklüngel der Reichen aus dem Westen mit den Reichen aus dem russischen Osten hat sich also nachweislich auf Zypern etwas miteinander verbunden oder zumindest ausgetauscht – und die BRD war wohl auch irgendwie als Zaungast dabei; oder sagen wir, sie dürfte so in etwa über vieles im Bilde sein (siehe Ackermann, Deutsche Bank).

Am Rande: Um kleine und mittelgroße Unternehmen auf Zypern mit Kapital ausstatten zu können, hat die Bank of Cyprus nach der Unterzeichnung neuer Verträge mit der Europäischen Investitionsbank einen Geldbetrag von 134 Millionen Euro zugebilligt bekommen vor ein oder zwei Wochen. Das ist das erste Vertragsabkommen dieser Art im Jahr 2017. Der genannte Betrag wird an verschiedene zyprische Banken verteilt werden. Insgesamt erhielt die Bank of Cyprus jedoch den Zuspruch für 230 Millionen. Viel Geld scheint auch dieser Betrag nicht zu sein.

Die Betragshöhe ist eher atypisch für zyprische Verhältnisse (was auch immer das „atypisch“ bedeutet).

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Jetzt haben Sie noch immer nichts zum „Allgemeinen Gesundheitsplan“ auf Zypern gehört, den „GESI“. Nun: Nichts bewegt sich dort wirklich. Viel Hin- und Herrücken von Positionen. Keine wahren Entscheide. Alles offen, wie gehabt, um die Vorgänge im GESI sehr grob zu umschreiben. Die Unsicherheit in Krankenhausverwaltungen auf Zypern bleibt also bestehen vorerst, keine wirkliche Planungssicherheiten etc.

Zu 444 Millionen Euro wird ein Strom-Kabel verlegt, welches unter anderem von Israel über Zypern nach Griechenland reichen wird, von wo es dann weiter nach Nordeuropa gehen wird. Das Projekt läuft unter dem Namen „EuroAsia Interconnector!“ Zahlen wird Brüssel dafür. Die BRD ist mit 40 Millionen beteiligt. Das Verlegen des Kabels von Israel bis nach Griechenland wird mit 14.5 Euro veranschlagt (siehe Connecting Europe Facility).

Das Profil von zyprischen – und wohl auch woanders beheimateten – Nerds soll angehoben und wahrscheinlich auch irgendwie abgeschöpft werden. Immerhin wurde die GeekOtopos von der Stelios Foundation 2016 ausgezeichnet als ein gutes, bikommunales Projekt etc. Mehr dazu: www.geekotopos.org

Recht lesenswert ist ein kurzer, aber auskunftsstarker Artikel von Rainer Hermann in der Frankfurter Allgemeinen zum Treiben in der Türkei. Er heißt: „Die Etappen einer Kaltstellung.“ Lesenswert, auch vor dem Hintergrund, dass endlich mal jemand die Klappe aufgemacht hat wegen Erdogans Treiben. Der junge Außenminister Österreichs musste es mal wieder richten. In Deutschland hatte man ja bereits damit begonnen, den Leuten einzutrichtern, dass von Seiten des Staates gar nichts gegen die frechen Auftritte türkischer Politiker in Deutschland gemacht werden könne. Herr Kurz aus Österreich zeigt, dass man diesen Leuten aus Ankara sehr wohl Einhalt gebieten kann. BRAVO! Wer sich die Rede von Ministerpräsidenten Yildrim in Oberhausen vor kurzem angehört hat, der kann wirklich nicht mehr nachvollziehen, wie so etwas geduldet werden kann und warum?

Dass in der Türkei vermehrt Menschen, die öffentlich bekennen, bei den anstehenden Wahlen mit NEIN zu stimmen, kurz und klein gemacht werden – in allen erdenklichen Weisen -, also mit Terroristen in ein Bett gesteckt werden unter anderem, lässt die Kuscherei der Verantwortlichen in Berlin vor Erdogan und seinen Drohungen schon längst nicht mehr angebracht erscheinen. Auch in der BRD sollte Erdogan demnächst schon klar angesagt werden: Du kannst kommen, aber nur zu offiziellen Gesprächen mit offiziellen Stellen und ohne Abtauchen in eine Sporthalle oder woanders hin, um die Leute mit türkischen und anderen Wurzeln im Kopf noch mal kräftig abzufucken!

Wer Kurden und andere Leidtragende der türkischen Innen- und Außenpolitik radikalisieren will auf deutschem Boden, der lässt den Sultan aus – und wie es scheint auch eventuell nur für – Kasim Pascha/Istanbul nicht in europäischen Großstädten nach Belieben gewähren.

Und dann wäre da noch jemand namens Giannis Politis. Er ist Zypriote und soll Bücher schreiben, soll damit die Zyprer ansprechen. Bekanntlich greifen Zyprer nicht unbedingt zu einem Buch, wenn es nicht gerade sein soll müssen. Und wenn dieser Mensch es schafft, solch Wunderwerk zu schaffen, die Liebe zum Lesen von Büchern, dann sollte man mal direkt was von ihm lesen, was hiermit für Sie im Jahr 2017 getan werden wird. Eine Buchbesprechung wird also schon bald folgen. Der Titel des Buches heißt übersetzt: „Ausgewählte Momente!“ (neolaiacy.com, 26-27.11.2016 (24/7), von Georgias Pappouta – „Talk to me!“) Pappouta konfrontiert uns in ihrem Artikel mit einem Zitat, welches wahrscheinlich aus dem Buch stammt, und das übersetzt heißt: „Wenn das Richtige, wie auch das Falsche, zwei Worten ähneln, die unbekannt sind, ohne Sinn, kommt der Instinkt und rettet alles.“

Die www.24h.com.cy (Mariou Dimitriou) berichtet am 26. November 2016 über Einkind-Familien. Ein Thema, welches ansonsten eher untergeht im Tagespolitischen Zyperns. Anscheinend scheinen die Betroffenen praktisch keine staatliche Hilfe in Anspruch nehmen zu können auf Zypern. Es gibt allerdings eine Organisation, die sich „Panzyprischer Verbund von Einkind-Familien und Freunde“ nennt. Die Vorsitzende heißt Argentoula Ioannou. Als einzige staatliche, finanzielle Quelle erhalten die Betroffenen E.E.E. (eine Art Mindesteinkommen für Schwangere). Wir sprechen von einem Betrag, der zwischen 140 und 240 Euro zu liegen scheint und der anscheinend auch nach einer Schwangerschaft weiterhin ausbezahlt wird. Die erwähnte Organisation leistet Hilfe auf allen erdenklichen Ebenen – auch finanziell. Eine Politik von Seiten der Regierung betreffend der Lage von Einkind-Familien ist nach den Darstellungen Ioannous nicht sichtbar in Zypern. Der Anspruch auf das Geld vom Staat erlischt, wenn der Partner oder Ehegatte mit jemand anders zusammenlebt oder sich scheiden lässt. Auch hat der Ex danach keinerlei gesetzlich geregelte Verpflichtung, sich um sein Kind kümmern zu müssen, schreibt Dimitriou. NICHTS. Lug oder Trug?

 

Es ist mal wieder so weit, denn es ist Ende Monat. Diesmal, wie versprochen, werden Sie etwas mehr aus dem zyprischen Norden erfahren, aus und von der Nordzyprischen Türkischen Republik. *** In der…

Quelle: Nordzypern, Januar 2017

Es ist mal wieder so weit, denn es ist Ende Monat. Diesmal, wie versprochen, werden Sie etwas mehr aus dem zyprischen Norden erfahren, aus und von der Nordzyprischen Türkischen Republik.

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In der nördlichen Hafenstadt Girne/Kyrenia Zyperns läuft gerade (25.01.17) ein Prozess vor der Strafkammer. Ein Arzt des dortigen Akçiçek Hospitals wird mit weiteren 5 oder 6 Personen beschuldigt, in den 1990er Jahren, menschliche Föten im Müll des Unternehmens entsorgt zu haben. Der Name des Arztes lautet Fahri Karagözlü. Seine Anwältin ist Frau Güneş Menteş. Um die Aussage von Karagözlü vor Gericht zu bekräftigen, nämlich, dass an seinem Arbeitsplatz so etwas nicht vorkommt, wie Föten in den Müll geben, wurde auch Herr Beyoğlu als Zeuge vom Verteidiger des Angeklagten, Karagözlü, vor die Stzrafkammer zitiert. Herr Beyoğlu ist ebenfalls im zuvor genannten Krankenhaus tätig.

Beyoğlu: „Wenn eine Schwangerschaft über 10 Wochen hinausgegangen ist und die Gesundheit der Frau und/oder des Kindes in Frage steht, wird auf Grundlage einer Analyse, die bei uns im Labor gemacht wird, festgestellt und von 2 Doktoren unterschrieben, dass ein Baby eventuell abgetrieben wird. Vor dem Jahr 2011 gab es einen Ofen, indem solch ‚Material‘ vernichtet wurde. Im Zuge eines Projekts der EU wird ab 2011 dieses ‚Material‘ mit einem speziell aus Kupfer angefertigten Müllcontainer in einem Laster weggebracht. Solches ‚Material‘ wird seit jenem Zeitpunkt auf diese Weise im Krankenhaus gesammelt [und entsorgt].

Also: Es werden nur jene Babys begraben, welche zwangsläufig aus dem Inneren einer Frau entfernt werden mussten sowie Totgeburten. Diese werden nicht in die erwähnten, kupfernen Müllcontainer gegeben. Da es in den Moscheen keinen Ort gibt, in welchem Waschungen vorgenommen werden könnten, werden diese Babys in der Leichenkammer des Krankenhauses gewaschen und dann zu Grabe getragen. Schriftlich nicht Festgehaltenes passiert im Krankenhaus nirgends! Das ist außer Frage!“

Das Gericht hat den Prozess auf den 26.01.17 verschoben.

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Dass im Norden die Uhren stillstehen, das dürfen Sie sich nun wirklich nicht einreden lassen, verehrte Leser. Es gibt durchaus ein Leben nach und neben den Wiedervereinigungsverhandlungen der Zyprer. Ja, und das zeigt sich unter anderem darin, dass die Gewerkschaften mal wieder zu Streiks aufgerufen haben im Norden. Wer von Ihnen am 24.01.17 im Norden von Nikosia unterwegs war, wird das wahrscheinlich bestätigen können.

19.58 Uhr ging an jenem 24.en Januar 2017 ein Mitglied des Führungsstabes der KTÖS, Herr Kemal Güçveren, davon aus, die Polizei habe ihm eine Rippe gebrochen. Umgehend wurde er ins Krankenhaus gebracht. Die konnten dort so etwas aber nicht feststellen. Das heißt, es waren gut 5 Stunden vergangen, denn die Aktionen der Streikenden vor dem Präsidentensitz in Nikosia Nord sollen um 14:45 Uhr beendet worden sein und Güçveren war ja erst um 19.58 Uhr zur Untersuchung. Und dass die Demonstration um 14:45 Uhr beendet wurde, soll nur deswegen der Fall gewesen sein, weil an jenem Tag in Gewahrsam genommene Streikende von der Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt worden sind – alles Frauen: Davita Günbay, Faika Deniz Paşa, Havva Güleş.

Hier angekommen, mag kurz erwähnt sein, dass die KTÖS die Gewerkschaft der Lehrer im Norden Zyperns ist, und somit ist der erwähnte Herr Güçveren also ein Lehrer. Und Lehrer streiken bekanntlich oft und viel im Norden. Herr Güçveren scheint sich mit der Polizei etwas mehr als gerauft zu haben, wie viele andere auch an jenem Tag. Auch 3 Polizisten sollen verletzt worden sein, die ebenfalls ins Krankenhaus gebracht wurden, um sich untersuchen zu lassen. Insgesamt wurden sogar 7 Beamte verwundet bei den Auseinandersetzungen, nach Angaben der Staatsmacht. Apropos: Die KTAMS (Kıbrıs Türk Amme Memurları Sendikası = Öffentlicher Dienst), Bay-Şen, Dev-İş und die BES Gewerkschaften waren auch anwesend – natürlich! Und: Die KTAMS verteidigt seit geraumer Zeit die Ansicht in der Öffentlichkeit, dass ein Mindestlohn von 2.760 TL eingeführt gehörte! Und dann wäre da noch kurz einzuflechten, dass angeblich ein entscheidender Schritt in Richtung der ‚Versicherung für alle‘ gesetzt worden sein soll im Norden Zyperns, und zwar am 01. Januar 2017. Der Gesundheitsminister hatte da so eine Bemerkung gemacht gehabt, Herr Sucuoğlu, die hoffen lässt. Anscheinend sollen einige Ärzte, die in Privatkliniken des Nordens arbeiten, sich dagegen ausgesprochen haben, schreibt Prof. Dr. Vedat Yorucu am 27.01.17 in der Kıbrıs Gazetesi. Dem nicht genug ruft die Konföderation der Verbraucherorganisationen im Norden Zyperns neuerdings dazu auf, ab Montag dem 30.01.17 eine Woche das Handy nicht mehr zu gebrauchen. Der Grund? Die beiden türkischen Anbieter auf dem Markt haben die Preise unverhältnismäßig angezogen.

Zurück zum 24.01.2017 und den Demonstrierenden vor dem Sitz des Präsidenten im Norden:

Die Demonstranten riefen unter anderem: „Uns haben sie hier alleine gelassen!“ Oder: „Freund Husein Pabuçu komm raus, spielen wir draußen!“ Und natürlich sangen sie, wie wahrscheinlich immer den dortigen Demonstrationshit: „ciao bella ciao … !“ Zu hören waren allerdings auch Töne, wie: „Die Mörder werden ihre Rechnung noch begleichen!“ Ja, die „Çevik Kuvvet“-Einheit der nordzyprischen Polizei war sogar auf den Plan gerufen worden – also die ganz harten Jungs und Mädels des Staates, die Schnelle Eingreiftruppe.

Die Polizei hatte zu einem recht frühen Zeitpunkt, nämlich um 11:59 Uhr folgende Warnung ausgegeben, bevor es dann, sozusagen, richtig losging mit dem sich körperlich Näherkommen, euphemistisch gesagt: „Die Demonstrierenden haben sich von der Polizeikette fernzuhalten. Sollte weiter vorgedrungen werden, werden wir nicht davor zurückschrecken, Gewalt zu gebrauchen!“ Nun ja, die Aktivisten wollten ja schließlich auch in den Sitz des nord-zyprischen Präsidenten eindringen. Sie war insofern wohl nicht ganz unbegründet, diese Warnung der Polizei. Auch waren zeitlich davor Steine, Plastikflaschen, Tomaten und anderes Zeug in Richtung Polizei geschleudert worden von Seiten der Demonstranten. Außerdem hatten die demonstrierenden Aktivisten auch noch im Vorfeld vollmundig angekündigt, sie seien nicht gekommen, um groß Worte zu verlieren, sondern um Aktionen (Randale?) abzuziehen.

Ausgangspunkt der Demonstration war unter anderem die Rede des Türk-Şen Generalsekretärs, Herrn Arslan Bıçaklı. Die soll recht bissig gewesen sein. Kurz: Die gewerkschaftlich organisierten Menschen und andere waren und sind angefressen und das wohl zu Recht, zumal Schüler ihr Leben verloren hatten. „Wo ist die Regierung?“ fragte Bıçaklı in diesem Zusammenhang provokant vor dem Präsidentensitz stehend. 90% der Nordzyprer hätten sich dafür ausgesprochen, rief er, die Uhrzeit Nordzyperns um eine Stunde zurückzustellen. „In wessen Namen hängt ihr hier rum?“, fragte er des Weiteren in Richtung Präsidentensitz gewandt. „Ihr werdet die Rechnung politisch schon bald bezahlen! Jeder soll wissen, solange die Zeit nicht zurückgedreht wird und die Verantwortlichen dafür zurückgetreten sind, werden wir hier stehen!“ Vor ihm hatte bereits ein Schüler gesprochen, der den Regierenden zurief: „Ihr kümmert euch nicht um eure Kinder und um euer Land!“ Das war so um die 11: 04 Uhr morgens der Fall gewesen.

Und warum das alles nun?

Na ja, weil auf der Straße nach Değirmenlik die Woche davor bei einem Unfall eben Jugendliche tödlich verunglückten. Würde mich ja auch mit der Zeit nerven als Bürger Nordzyperns, zu sehen, dass das Land verfällt, die Straßen immer tiefere Löcher ziehen und der Präsident noch immer – scheinbar sinnloser Weise – zwischen Genf, Brüssel, Istanbul und New York etc. pendelt und darüber hinaus währenddessen immer größere Flächen des recht limitiert vorhandenen Erdreichs zubetoniert werden, meist mit protzigen Anlagen für Touristen, Reiche usw. Weil die kosten ja bares Geld, diese glamourösen, wenig effektiven Auftritte des Präsidenten und seiner Entourage in der Schweiz und andernorts. Warum sich auf einem neutralen Ort in der Schweiz oder in den USA treffen, wo man doch sozusagen vor der Haustür solch einen Ort besitzt: die Grüne Linie, den Flughafen von Nikosia etc. Warum also nicht dort auf neutralem Terrain verhandeln und die große Biege wirklich erst dann machen, wenn die Verträge wirklich unmittelbar vor dem Abschluss stehen? Und Letzteres ist vor allem erst dann gegeben, wenn das sogenannte Volk (türkisch- griechischzyprisch) entsprechend den Verhandlungsverlauf in einer Volksabstimmung abgesegnet hat. Alles andere, denken nicht wenige, ist Protzerei und Hahnengehabe – auch wenn die Chinesen gerade das Jahr des Feuerhahns eingeläutet haben. Hinzukommt nämlich: Geld ist in diesen Tagen angeblich eh Mangelware im Norden Zyperns. Doch nicht nur das.

Die Energien der Regierenden Nordzyperns (UBP-DP-Koalition) sollten sich vordringlich mal erkennbarer auf die Bewältigung von Problemen vor Ort konzentrieren (Wasser- und Stromversorgung, die hohe Kriminalitätsrate, Umweltsünden, Frauenhandel, Geldwäsche, Schlendrian in den Behörden, den Sturzflug der Türkischen Lira bei Löhnen und Gehältern auffangen usw.) und nicht darauf, ein gutes Bild für die Kameras der internationalen Presse abzugeben – nicht auf Weltpolitiker machen und in höchst wichtiger Mission unterwegs sein, wo Zuhause der Laden lichterloh brennt. Anastasiadis und Akinci wird von Teilen der beiden Bevölkerungen von daher durchaus zu Recht vorgeworfen, dass sie ihre politische Wichtigkeit in der Welt maßlos übertreiben, und dass darunter vor allem die Bevölkerungen beider Seiten vermehrt leiden. Denn nur eine gewisse Schicht – hüben wie drüben – zehrt gut von den schleppend geführten Wiedervereinigungsverhandlungen seit Jahren finanziell: einige Politiker, Banker, Anwälte, die Engländer mit ihren Basen, Off-shore-Konstrukte, Schmuggler von Frauen, Drogen, Waffen usw.

„Weg mit der Regierung!“ Das schrien die Demonstranten an jenem Morgen bereits um 10: 30 Uhr im Norden Zyperns. Und dieser Meinung ist auch die so genannte Halkın Partisi (Volkspartei).

Wenn hier die ganze Zeit von Schülern die Rede ist, dann sind damit vor allem Gymnasiasten aus dem Norden Nikosias gemeint. Und deren Vertreter meinten – sozusagen im Zentrum der Demonstration stehend – um 09:30 Uhr vor dem Präsidentensitz: „Wir sind hier aus freiem Willen!“ und: „Im Dunkeln kann nicht zur Schule gegangen werden!“ oder: „Wer die Klappe hält, der kommt als Nächster dran!“ Sie waren es auch, die den Protestmarsch sozusagen starteten. Die Schüler marschierten unerschrocken los, auch wenn die Zahl der Polizisten bedrohlich angeschwollen war im Vergleich zu einer Woche davor: ums doppelte. Um 9:40 Uhr hatte man sich auf den Weg zum Sitz des Präsidenten gemacht (Quelle: www.kibrisgazetesi.com/kibris/lefkosada-gergin-miting/7863).

Gerade eben, sozusagen, und im Lichte der zuvor geschilderten Ereignisse hat die Regierung für Baumaschinen und andere unfallträchtige, weil schwere Fahrzeuge die Erlaubnis erteilt, auf der Straße zwischen Nikosia/Lefkoşa und Girne fahren dürfen, genauer: ab dem Ort namens Çiklos.

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Wie, Sie kennen Herrn Rıfat Feyziç nicht, verehrte Leser? Stimmt! Der Familienname klingt nicht ganz Zyprisch oder Türkisch. Klar, gewiss gibt es Feyziç-Ableger in der Türkei, vielleicht auch auf Nordzypern, doch oft zu hören ist der Name nicht. „Müftü“? Sagt Ihnen gewiss schon eher was. Hört man schließlich immer mal wieder: „Mufti!“ So einer ist der Herr Feyziç nämlich. Das besondere an seinem Auftritt in Nordzypern ist, dass dieser Mufti aus der Region Karadağ kommt, die ähnlich wie Nordzypern auch ein Problem hat, international anerkannt zu werden. Ja, und eine Teilung ist dort auch gegeben. Bekanntlich streiten sich ja die Armenier und die Aserbaidschaner darum, wem das Berglein Karadağ (Karabağ) denn nun eigentlich gehört. Dem Vernehmen nach bestehen ‚gute‘ Aussichten, dass die beiden Kontrahenten (Aserbaidschan und Armenien) demnächst – vernehmlicher hier in Europa – wieder aufeinander eindreschen. Scharmützel, die dort an der Grenze ja andauernd passieren sollen, sind hier in Europa schon längst keine Nachricht mehr wert.

Dieser gute Mann, der Herr Feyziç, kam also nach dem Norden Zyperns und traf sich mit dem Minister für Religiöse Angelegenheiten, Herrn Prof. Dr. Talıp Atalay. Da waren selbstverständlich noch ein paar andere Herren mit von der Partie. So alleine reist sich bekanntlich nicht allzu unterhaltsam im Ausland. Ganz glücklich sei er, sagte Herr Atalay, Herrn Feyziç auf Zypern begrüßen zu können. Herr Feyziç erwiderte daraufhin, er habe Grüße von seinen Brüdern im Glauben für die Glaubensbrüder in Zypern mit sich gebracht. Er lade Herrn Atalay zudem ein, doch auch mal sein Land besuchen zu kommen. Am Freitag dem 26.01.17 hat Herr Feyziç Zypern wieder verlassen.

Und wir dürfen uns nun ausmalen, was die beiden denn nun wohl alles zu bereden hatten und warum solch ein Besuch unbedingt durchgeführt werden musste und das gerade jetzt. Vielen, mit denen darüber gesprochen wurde, sind einhellig der Auffassung, dass die Sache von Ankara gesteuert ist und einmal mehr den einfachen Leuten demonstrieren soll, dass die Türkei für sie sorgt. Dass sogar bislang gescheiterte, staatliche Existenzen wie Nordzypern oder Karadağ vom großen Bruder Türkei nicht im Stich gelassen werden; und dass die Islamisierung in türkischsprachigen Gebieten der Welt in vollem Gange ist. Ja, dass der gemeinsame Glaube geradezu ein geeignetes Bindemittel untereinander war, ist und/oder sein soll. Apropos: Gerade wurde beschlossen, dass 5 weitere religiös orientierte „Imam Hatıp“ Schulen im Norden Zyperns eröffnet und gebaut werden. Das sind die Art Schulen, in denen zum Beispiel auch Recep Tayyıp Erdoğan großgezogen wurde.

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Wie gesagt: Es wird viel und offensichtlich auch gern und schnell gestreikt im Norden Zyperns. Mehmet Levent fragt sich in der Afrika Gazetesi des Nordens von Zypern, warum die Gewerkschaft der Landwirte letztens den Landwirtschaftsminister über Stunden zum „Kaffee-Plausch“ bei sich in seinem Ministerium unfreiwillig fest-hielten und nicht den Finanzminister Serdar Denktaş? Schließlich sei es letzterer, der dafür verantwortlich zeichnet, dass die versprochenen Gelder den Bauern nicht ausbezahlt wurden, die wegen der Trockenheit, die Zypern überzogen hatte, noch immer nicht überwiesen sind. Levent spricht von „Schock-Aktion“, die durchgezogen worden ist. Nun, ein Schock war es für den nordzyprischen Landwirtschaftsminister ganz bestimmt, der von den eindringenden Gewerkschaftlern total unvorbereitet und allein in seinem Amtsraum angetroffen wurde: Keine Security oder sonst wer weit und breit in Sicht, um Herrn Minister aus den Händen der gewerkschaftlich organisierten Aktionisten zu ‚befreien‘. Der Autor Levent findet, die nordzyprischen Gewerkschaftler hätten ihrem Landwirtschaftsminister „etwas Unrecht“ angetan.

Und wir dürfen nun eventuell verstehen, dass der Familienname DENKTAŞ für Zyprer aus dem Norden offensichtlich so furchteinflößend oder unantastbar ist, dass sie sich lieber – auch als sich allmächtig gebärdende Gewerkschaft – an einem – sagen wir – unbedeutenden Minister ‚vergreifen‘. Das ist wirklich interessant, vor allem, wenn das zutrifft!

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Apropos Denktaş. Vorgestern vor dem Fernseher sitzend, „APO MERA SE MERA“, ein griechisch-zyprisches Politmagazin wurde ausgestrahlt auf RIK1, wie nahezu jeden Tag, da glaubte wohl nicht nur ich, den Ohren nicht trauen zu können. Aberof Neofytou, Vorsitzender der regierenden DYSI, lancierte nämlich einen langen Angriff auf die sogenannten Rejektionisten im Lande. Das sind jene auf Zypern, die offenbar alles Mögliche tun und erzählen, um den Status Quo zu erhalten – die Teilung der Insel.

Nein, auf Zypern, wie Sie vielleicht eben dachten, verehrte Leser, ist es keine Selbstverständlichkeit, dass ein Politiker und seine Partei, die vorgeben, einer Lösung der Zypernfrage sich zu widmen, diejenigen aufs Korn nimmt verbal, die ganz offensichtlich gegen eine Vereinigung seit Jahren arbeiten, und dies und diese dann auch als solche/s benennt.

Der gute Herr Rauf Denktaş, der schon seit einigen Jahren in den ewigen Jagdgründen weilt, war in gewisser Weise der nordzyprische Vorläufer einer solchen rejektionistischen Person auf der südöstlichen Mittelmeerinsel, der anscheinend größten im Mittelmeer. Auf der griechischsprachigen Seite des geteilten Landes strengte sich jemand namens Tassos Papadopolous an – der jetzt wahrscheinlich dieselben Jagdgründe beackert wie sein einstiger, irdischer politischer Widersacher Denktaş senior -, es Rauf gleich oder vor zu machen, nämlich, rejektionistisch zu agieren. Hierüber sind sich Historiker anscheinend noch nicht ganz einig, wer wem ein Beispiel war. Auch Herr Papadopolous senior hat einen Sohn, den Nikos, der griechisch-zyprischen Politik zurückgelassen, der mehr recht als schlecht seinen extremen gesellschaftspolitischen Standpunkt in der Welt vertritt. Auch Herrn Denktaş senior ist also ein Nachfolger ‚gelungen‘, der sein politisches Vermächtnis in die Jetztzeit transferiert, wie also an Serdar gesehen werden kann.

Sohn Serdar, von dem auch schon weiter oben kurz die Rede war, darf also als ein Rejektionist bezeichnet werden und Tahsin Eroğlu schreibt in der Cyprus Mail vom 01. Januar 2017:

… „Der Führer der Hardliner im Norden, Ministerpräsident Hüseyin Özgürgün, und sein Stellvertreter, Serdar Denktaş, heizen nationalistische Gefühle in der Türkei gegen Zypern an. Das tun die beiden, indem die Allianzen des Annanplans wiederaufgenommen werden.

Denktaş’s Schwiegervater, Salıh Boyacı, ein Geschäftsmann und Bankier, dessen Geldgeber im Jahr 2000 Bankrott ging, dabei habe er so um die 50 Mill britische Pfund verloren in Form von Spareinlagen der Leute, lud einige Journalisten und Politiker aus der Türkei ein, um deren Unterstützung zu erhalten, Tayyıp Erdoğan unter Druck zu setzen, jedwede Formel [bei den Wiedervereinigungsverhandlungen] zu verweigern, die die Zypernfrage aus der Welt schaffen könnte.

Abgestiegen [sind die eben erwähnten Herren] in einem Hotel eines im Norden gut bekannten Geschäftsmanns, des Herrn Besin Tibuks. Tibuk besitzt auch die Dialog Media Gruppe. Das ist das Flaggschiff der Rejektionisten im Norden der Insel.

Der pensionierte Botschafter Onur Öymen, sowie der Pensionär Soner Polat, ehemaliger General sowie Journalistin Saygı Öztürk und Sabahattin Önkibar befanden sich ebenfalls unter den Eingeladenen. Nicht eingeladen war der Vorsitzende der Vatan Partisi, Doğu Perinçek, ein türkisch-nationaler Sozialist, der auch ein Bewunderer Erdoğans inzwischen geworden sein soll. Immerhin: Letzterer verfasste einen Artikel in seiner Zeitung „Aydınlı“, nachdem er sich mit den zuvor erwähnten Besuchern im Norden Zyperns unterhalten hatte. Er spricht in seinem Beitrag unter anderem über die strategische Wichtigkeit Zyperns und setzt das Risiko, welches die Insel darstelle, mit dem eines kurdischen Staates in Nordsyrien gleich. Die Türkei fürchtet, Zypern zu verlieren, könnte ihre Marine schwächen.

Agah Oktay Güner, ein weiterer Kolumnist, der allerdings für die Yeniçağ schreibt, das ist ein Antiregierungsblatt mit ultra-nationalistischer Linie, kritisiert die regierende AKP der Türkei schwer wegen ihrer Politik in der Ägäis und auf Zypern und behauptet, dass „Griechischzyprer noch nicht mal husten können, ohne die Erlaubnis von Athen!“ Des Weiteren findet er, der Annanplan sei wiederauferstanden, in dem den Griechischzyprern „unvorstellbare Konzessionen“ gemacht wurden. Insofern ‚lustig‘, so etwas zu hören oder zu lesen, da sich diese Kritik auch aus Mündern gewisser Leute auf der anderen Inselseite nahezu täglich vernehmen lässt.

Güner sagt, die Zunahme der Bevölkerung im Norden sei limitiert worden und fügt hinzu, dass Griechischzyprer, die 1974 ein Alter von 10 Jahren hatten, berechtigt sein werden, rüber in den Norden zu kommen, wie es ihnen passt und „sich an Besitz nehmen könnten, was immer ihnen dann auch gefällt!“ Güner lässt auch nicht unerwähnt, dass Akıncıs älteste Tochter mit einem amerikanischen Griechen verheiratet ist und seine Frau, Meral Akıncı, habe für ihre NGO Hilfe von 309 000€ in Anspruch genommen von der EU – und dass zwei Mitglieder des Beraterteams Akıncıs bei den Verhandlungen auf der Gehaltsliste eines griechisch-zyprischen Instituts stehen. Güner befürchtet, Zypern könne, wie einst Kreta, der Türkei verloren gehen. Saygı Öztürk steht den Aussagen Güners in nichts nach als Kolumnistin der türkischen Sözcü Tageszeitung. Güner argumentiert: Akıncı habe eine „Aufgabe-Haltung“ mit an den Verhandlungstisch gebracht, auch, dass türkisch-zyprische Jugendliche einer Gehirnwäsche unterzogen würden und er verlocke sie dazu, ihren Staat aufzugeben, indem ihnen verschiedenste Versprechen gemacht werden. Güner veröffentlichte eine Liste von NGOs im Norden Zyperns, wobei diejenige NGO von Meral Akıncı rot umrundet dargestellt wird: „KAYAD.“ Ebenso beschuldigt er eine weitere Person, die vorherige Außenministerin und Vorsitzende der Human Rights Foundation, Frau Emine Çolak, über 90 000€ von der EU entgegengenommen zu haben mit dem Ziel, „die türkisch-zyprischen Jugendlichen von ihrem Staat zu entfremden.“

„… [Eine Delegation der türkischen national-faschistischen MHP, die derzeit gerade mit Erdoğan sich daranmacht, die türkische Verfassung nach dem Willen Erdoğans zu ändern], besuchte Nordzypern. Eingeladen hatte sie die Wiedergeburtspartei (YDP), die gerade vor kurzem auf die politische Bühne im Norden Zyperns stieg und nahezu komplett aus [ehemaligen] Festlandtürken besteht. Die Delegierten der MHP trafen Premierminister Özgürgün. Einer der Journalisten schrieb nach dem Treffen in sein Facebookkonto: Özürgün: „mutiges Herz!“; Akıncı: „Kollaborateur!“ Die Delegation der MHP aus der Türkei hatte auch den Präsidenten im Norden Zyperns, Akıncı, aufgesucht. Berichten zufolge soll Akıncı während des Treffens Özdağ „zensiert“ haben, da er Ideen zum Verhandlungsprozess [zwischen dem Norden und dem Süden] vorbrachte, ohne wirklich Ahnung davon zu haben. Zurück in der Türkei beschuldigte dieser den Präsidenten Nordzyperns unerfahren zu sein, und seinen nordzyprischen Regierungssprecher als „dönerci!“

Verehrte Leser zur Klärung des Begriffs dönerci: Er ist zweideutig, wenn nicht gar ‚dreideutig‘. Der dönerci ist zum einen derjenige, der Ihnen an der Dönerbude den Döner vom sich drehenden Grill schneidet. Man kann das Wort aber auch als Wendehals verstehen. Und dann gibt es da noch die etwas heiklere Variante, die auf jene Männer Bezug nimmt, die sich passiv stellend herumdrehen, um dann sexuelle Handlungen von einem Mann an sich vollziehen zu lassen.

„Es war also schon immer Teil der Rhetorik von Seiten der Rejektionisten gegen die Führerschaft Akıncıs zu maulen, und zu behaupten, er sei ein Verräter und unerfahren. Auch ist wohl bekannt, dass der so bezeichnete Kreis der EU nicht sonderlich freundlich gesinnt ist. Im September letzten Jahres veröffentlichte Serdar Denktaş eine Liste von NGOs und fragte, wo denn die EU-Gelder an diese Organisationen bitte sehr hin verschwunden seien? Etwas später, im Dezember 2016, gab er der türkischen Milliyet Tageszeitung ein Interview, worin er die NGOs in Nordzypern beschuldigte, sie würden Geld ausgeben, ohne Buch darüber zu führen – und dass einige daran arbeiteten, einen Spalt zwischen die Türkei und die Nordzyprische Türkische Republik zu treiben. Obgleich die NGOs sich über seine Behauptungen hermachten, indem sie sagten, sie seien disziplinierter beim Buchführen als die Türkischzyprische Führung [in der die DP von Denktaş ja mitregiert], beharrte Denktaş darauf, dass niemand von den NGOs Belege vorweisen könnte, um sich zu rechtfertigen.“

Der Autor des eben teils zitierten Artikels in der südzyprischen Cyprus Mail, Tahsin Eroğlu, resümiert, dass sich ‚die‘ Papadopoulos‘ von ‚den‘ Denktaş‘ in ihrem Rejektionismus eigentlich noch immer sehr wenig voneinander unterscheiden inhaltlich. Es gibt also Gemeinsamkeiten, und dies anscheinend sogar über Generationen. Wer hätte das Gedacht! ENDLICH!?

Bei zuletzt Gesagtem denken gewiss einige von Ihnen schnell an Sahra Wagenknecht von der Partei die Linken in Deutschland und an die Frauke Petri von der AFD, die ebenfalls auffällig oft gewisse Ansichten teilen – auch wenn die beiden das ungern so lesen oder zugeben wollen.

Zuletzt, Denktaş junior: „Hiermit bringe ich meine Zweifel hervor [bezüglich der Zeit nach einer eventuellen Wiedervereinigung der beiden Inselteile], … , auch wenn mir gesagt wird: mach dir keine Sorgen!

Selbstverständlich bin ich besorgt um die Zukunft meiner Leute! Wie kann ich jenen vertrauen, die ihre Versprechen während des Referendums zum Annanplan 2004 nicht gehalten haben?“

Dieser nordzyprische Politiker sieht also bereits Zustände, wie sie einst in den 1960er Jahren heraufgezogen waren, wo Türkischzyprer in Enklaven leben mussten. „Wir wollen so eine Zukunft nicht!“, sagt Serdar dazu. Seiner Meinung nach besaßen die Türkischzyprer schließlich einst ganz Zypern. Sie hatten danach die Hälfte abzugeben, schreibt Tahsin über Denktaş’s Ansichten des Weiteren. Und diese Hälfte werden sich die Türkischzyprer nicht nehmen lassen. Zum Abkommen aus dem Jahr 1960, welches die Garantie-Mächte betrifft, sagte Denktaş offenbar: „Das Garantie-Abkommen schützt nicht nur meine Sicherheit, es garantiert auch das Recht der Türkei und die Sicherheit im östlichen Mittelmeer.“ Und: „Im Moment, wo die Türkei einen Schritt zurück setzt von der Insel, ist ihre Stimme im Mittelmeer Gott überlassen!“

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  1. Januar 2017: Im griechisch-zyprischen Radiosender PROTOS wird in den Nachrichten erwähnt, dass der türkische Staatspräsident unter anderem damit gedroht haben soll, die Wiedervereinigungsverhandlungen zwischen dem Norden und dem Süden der Insel Zyperns platzen zu lassen, wenn die nach dem angeblichen Putschversuch im Juni oder Juli 2016 in der Türkei mit Helikoptern nach Griechenland geflüchteten türkischen Soldaten nicht umgehend an die Türkei ausgeliefert werden.

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Eine Kommission ist zusammengetreten [www.kibrisgazetesi.com/kibris/basin-karti-komisyonu-toplandi/11571]. Ja, in Nordzypern werden Presseausweise offensichtlich verteilt, oder wie man dazu sagen soll. Jedenfalls hat diese Kommission, deren Gesichter auf dem Bild gesehen werden kann, wenn der Link oben angeklickt wird, beschlossen, dass 26 Journalisten die begehrte Gelbe Karte des Nordens erhalten, allerdings hatten 13 Personen diesmal nicht das auserwählte Glück. Da in der Kommission offensichtlich nur Männer sitzen – siehe Bild -, wäre es schon recht interessant zu erfahren, ob unter jenen, die den Presseausweis diesmal nicht erhielten, womöglich sozusagen überdurchschnittlich weibliche Journalisten zu verzeichnen sind. Es ist wirklich sehr befremdend, so etwas zu sehen: eine Kommission, die über die Ausgabe von Presseausweisen befindet und NUR aus Männern besteht. AKP aus der Türkei lässt grüßen? Ist es etwa schon so weit oder war es schon immer so?

Mit den Herrschaften von der Presse im Norden in Kontakt zu treten, wäre wirklich von Nöten, um das mit dem Frauenanteil bei den Ablehnungen zu eruieren.

Allerdings wurde bereits vor Jahren etwas näher Bekanntschaft gemacht mit einigen dieser Herren. Kurz: Sich da weiter hineinzubegeben erschien damals schon sehr schnell als ziemlich sinnlos und zeitraubend – „morgen“, „übermorgen“, „ich rufe Sie zurück!“ usw. Die sind abgehoben bis zum Anschlag, wahrscheinlich an irgendeiner imaginären Decke, die, es kann nicht anders sein, aus Zeitungspapier gemacht wurde mit Goldrand, wo draufsteht: Wir von der nordzyprischen Presse sind unfehlbar, unantastbar und die Größten – die Avantgarde schlechthin, auserlesen.

Sie können sich also denken, welchen Weltuntergang die 13 Journalisten gerade durchleben: keine Pressekarte mehr! Oh, wie schlimm! Der Gesichtsverlust, den hier keiner jenen wünscht – dürfte wohl entsprechend schlimm sein!

Womöglich wird demnächst im Norden Zyperns auch nicht mehr der eventuell nötige Alkohol zum Trösten um die Ecke bei Ahmet oder Fatma gekauft werden können. Denn bis zum 28. Februar 2017 müssen all jene, die Alkohol verkaufen, ihre Erlaubnis dafür erneuert haben. Und diesmal scheint es die Behörde ernster zu meinen als sonst. Wie gesagt: Die Regierungspartei AKP der Türkei und ihr Verständnis vom Zusammenleben der Muslime lässt offensichtlich grüßen! Mal sehen, wer da alles seine Lizens nicht erneuert bekommen wird. Die Auflagen zum Vertreib von unislamischem Alkohol scheinen nicht OHNE geworden zu sein: Fotokopie hier, Fotokopie dort, Mietvertrag vorzeigen, Betriebserlaubnis, Bestätigung vom Arbeitsamt, Einkommenssteuernachweis, Steuersicherheitsbrief ??? und natürlich der Nachweis, dass man auch schon 2016 solch ein Gewerbe betrieben hat usw.

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Kommen wir nun zu jemand, der sich Orhan Ismailoğlu nennt. Sein Artikel stammt bereits vom 18.12. 16. Er schrieb in der Kıbrıs Gazetesi aus dem Norden in seinem Jahresrückblick unter anderem:

Dass Ebru Gündeş sich von ihrem Partner trennte, wurde den Nordzyprern in entsprechenden Beiträgen nahezu das ganze Jahr über um die Ohren geschlagen. Auch hat im Fernsehen eine Nostalgie-Welle eingesetzt, stellt er fest. Also nicht etwa, dass alte Filme gezeigt wurden. Vielmehr wurde aus Titeln von alten Gassenhauern aus der Türkei neue Fernsehserien kreiert. Einige davon schafften es auf 11 Folgen. Dann war aber auch für diese schluss. Die Serien sind alle durchweg türkische Produktionen gewesen. Soaps werden in der Türkei gern konsumiert.

Was den Musikmarkt angeht, sind einige neue Namen auch in Nordzypern aufgetaucht 2016. So zum Beispiel die 16-Jährige Aleyna Tilki, die groß rausgekommen ist. Anscheinend gefällt dem Autor des Artikels, Ismailoğlu, was Tilki bislang an Songs auf den Markt geworfen hat, wie er schreibt. Und was immer sich Arda Turan und Ebru Şallı an Nachrichten zugesendet haben mögen, deren Inhalt hat im Jahr 2016 in der türkisch-zyprischen Welt hohe Wellen geschlagen, berichtet Ismailoğlu des Weiteren. Serdar Ortaç war natürlich auch auf Zypern. Niemand, der den nicht kennt. Ein, nein ‚der‘ türkischer Superstar. „Gıybet“ ist ‚der‘ Hit schlechthin derzeit. Ortaç hat auf Zypern schon an die 50 Konzerte gegeben.

Hier hilft es zu wissen, liebe Leser, dass zu Feiertagen oder wenn jemand besonders gelangweilt ist, die türkischen Stars und Sternchen sich gern nach Nordzypern begeben, wo man ihnen bereitwillig und mit großen, bewundernden Augen die roten Teppiche ausrollt. Klar doch, in dieselbe Kategorie wie Ortaç gehört natürlich auch Sibel Can, und die war 2016 auch wieder da. HURRA! Ismailoğlu schreibt: „Und Funda Arar hat uns mit ihrem Konzert auf Zypern „entflammt!“ Doch auch Serkan Kaya muss die Türkischzyprer letztes Jahr im Sturm erklommen haben. Man liegt ihm noch immer zu Füßen. „Und soll bloß keiner sagen,“ schreibt Ismailoğlu, „er mag Arabesk-Musik nicht.“ DENN: „In uns allen schlägt ein Herz arabesk!“

Doch kein Zweifel besteht daran, dass DİE größte aller Klassen in Sachen Pop aus der Türkei derzeit Hande Yener ist, die im Sommer mit ihrem Album namens „Alles Hits“, übersetzt, und dem Song „mor“ (dunkelviolett) die Hitliste anführte. „Gut zum Tanzen geeignet“, meint Ismailoğlu.

Eigentlich ist da kein Artist von Rang in der Türkei, der Zypern noch nicht abgeklappert hätte. Mal kurz so zum Vergleich oder zur Erinnerung: Deutschsprachige Künstler aus der Schlagerwelt oder dem Neuen Deutschen Sound lassen es sich auch nicht nehmen, mal auf Mallorca oder vermehrt auch in Zürich aufzutreten. Und so ist es in etwa mit Nordzypern für türkische Künstler.

 

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Die türkisch-zyprische Bevölkerung im Norden wartet ungeduldig auf eine Lösung des Problems mit den Eseln. Ja, Sie lesen richtig. Es gibt nicht nur viele Eseleien, sondern auch noch ein Eselproblem im Norden Zyperns – Eseleien gibt es, das gleich hinzugesetzt, überall. Man nennt es halt von Platz zu Platz verschieden, zum Beispiel Schildbürgerstreich usw.

Ja, in der Region Karpaz, Dipkarpaz, Kaleburnu, Kuruova, Avtepe, Derince, Boltaşlı, Gelincik und Ziyamet ist wahrhaft der Esel los. Wilde Esel erfreuen sich dort ihrer Freiheit. Doch das gefällt den Bauern nicht, deren frisch Angepflanztes die Tiere offensichtlich gern zur Abwechslung in sich aufnehmen. So viele Esel sollen inzwischen herum sein, dass von „Herden“ gesprochen wird, die durch die Täler und Felder ziehen. Der Bürgermeister von Dipkarpaz Herr Suphi Coşkun:

„Früher gab es 15 Eselaufseher. Wenn es nur noch ein Paar davon gäbe, hätten die Leute keine Beschwerden mehr. Doch die Eselaufseher haben sie abgeschafft und jetzt machen sich die Esel über die Felder her. Es ist zum Heulen. Alles haben sie aufgefressen, fressen und fressen. Die Leute versuchen, ihre Felder zu schützen, doch wann hat das ein Ende? Dem Volk ist das eine wahre Last. 50 Abgeordnete gibt es im Parlament. Und die sollten dem Volk nicht solch eine Last auferlegen. Doch das Volk belasten DIE schon seit 40 Jahren.“

Ein anderer berichtet zum Thema Esel, dass es durchaus auch zu Unfällen kommt, wenn die Tiere beispielsweise nachts mal kurz so vor einem Auto auftauchen, das angefahren kommt. Auch fressen die Tiere Bäume an, sagt ein weiterer Befragter aus der Region. Sogar in die Vorgärten der Leute kommen die Tiere bei Nacht oder wenn niemand zu Hause ist. Ein weiterer hat allerdings auch einen angeschossenen Esel vor seinem Haus im Gras liegend angetroffen, der ihm sehr leid getan hat!

 

Kurz:

Die UBP-DP Koalitionsregierung im Norden Zyperns soll bis zum 20. Januar 2017 genau 198 Staatsbürgerschaften ausgegeben haben. Die Opposition spricht hier von einer „ungesetzlichen“ Verfahrensweise.

Die Cumhuriyetçi Türk Partisi hat in ihrem Ableger in Türkmenköy am 27.01.17 als Vorsitzenden Herrn Ali Özdalı gewählt. Türkmenköy liegt in der Provinz Famagusta/Gazimağusa/Ammochostos.

Die UNFICYP (die UN Friedenstruppe auf Zypern) hat ihren Auftrag und/oder Aufenthalt erneut zeitlich verlängert, und zwar bis zum 31. Juli 2017. Die UNFICYP ist eine der Einheiten der UN, die von allen ihren Einheiten auf Zypern am längsten tätig sein soll.

Im Februar 2017 findet vom dritten bis zum zehnten des Monats der „GROßE Kinder-Karneval“ (Büyük çocuk karnavalı) in der so genannten „City Mall“ statt. Auftreten wird unter anderen auch das berühmte „Turnagöl“ Theater. Die City Mall in Famagusta hat als weitere Attraktion auch noch die „Elektrokur LTD.“ Letztere macht von sich ihrer modernen architektonischen Entwürfe wegen Aufsehen. Jetzt im Winter, wird des Weiteren geworben, soll es in der Mall zu Preisreduktionen von 80% kommen. Also: Jeden Tag wird dort im Februar was los sein!

Sollten Sie auf der Suche nach Parfüm, Likör oder Seife sein und sich zufällig nach Nikosia Nord begeben wollen, dann gehen Sie vielleicht mal in den BANDABULYA. Unmittelbar neben der großen Moschee finden Sie den Markt mit diesem Namen, also im Stadtteil Sulariçi. Herr Doğa Bağlarbaşı, der neue Besitzer des Ladens, hat unter anderem an der Bilkent Universität/Istanbul Politikwissenschaften studiert, doch befindet er sich jetzt im Bandabulya im Laden Nr. 40. Somit scheint er also wirklich geeignet, weil bestens ausgebildet, um seinen eigenen Likör zu brennen, der in seinem Laden bereits seit Generationen von seiner Familie vertrieben wird.

Am 28.01.2017 diese Meldung: Eine Lehrkraft der Östlichen Mittelmeer-Universität (DAÜ) in Nikosia behauptet, dass bei dem Brand in der Pharmazeutischen Fakultät lebensbedrohliche Stoffe freigesetzt wurden. Frau Assistenz Dozentin Dr. Aybike Yektaoğlu sagt, dass im Staatlichen Chemie-Labor der Schaden in einem erschreckenden Umfang geschehen ist. Tiere, Menschen und Pflanzen in der unmittelbaren Umgebung des Brands werden auf Jahre in Mitleidenschaft gezogen sein, Aybike Yektaoğlu zufolge. Sie warnt davor, dass die Chemikalien mit dem Regen und dem Wind über Kilometer weit weg getragen werden und somit auch andernorts Schaden anrichten dürften – nicht zuletzt im Grundwasser.

Verwunderlich und gleichzeitig auch etwas bedenklich stimmt ihre Aussage, dass auf der Insel, also im Norden, viele Menschen in diesem Sektor tätig seien. Da erwächst – entschuldigen Sie – schon die Frage, ob etwa die Türkei GEWISSE Projekte nach Nordzypern ausgelagert hat, wo niemand so etwas Fortschrittliches und für alle möglichen Dinge zu gebrauchendes Material und Forschung vermutet?

Offen bleibt, was genau als Gas in die Luft entwichen sein soll. Die Dozentin will sich darüber offensichtlich nicht auslassen oder aber sie macht sich wichtig. Denn wenn sie sagt, das Zeug sei hochgefährlich, dann muss sie schon so in etwa wissen, was sich da eventuell mit dem Regenwasser usw. verbunden haben dürfte. Andernfalls wird sie noch Besuch bekommen, ist zu vermuten, und zwar von Leuten, die solch voreiliges Geplapper einer Assistenz Ärztin auf Kosten der Regierung und dem ANSEHEN der Türkei nicht allzu lustig finden.

Es könnte aber dennoch, wird geschrieben, radioaktives Material darunter gewesen sein. Über 20 Jahre sei in das Depot solches und anderes Material verstaut worden, welches nun in Flammen hoch ging. Keiner könne einen wirklichen Überblick geben, wer was, wann, wieviel und wie dort gelagert hat – und wozu!!!

Der Anfang vom Ende

Das erhoffte Ende vom Anfang

 

2013-03-05-12-30-28

 

Was fällt Zypernundmehr-News spontan zu 2017 ein, fragen Sie sich das etwa? Nun, gewiss nicht in erster Linie die Wiedervereinigungsverhandlungen auf Zypern oder noch gruseliger: das Desaster in Syrien vor der zyprischen Haustür. Hier fällt auch nicht etwas vielleicht eher gar nicht so weit Hergeholtes dazu ein, wie die folgende Schlagzeile, die womöglich temporär noch die Runde im Jahr 2017 machen könnte: AFD erhält Direktiven von Putin und Trump?

Wie Ihnen schon bald ersichtlich wird, ist dieser letzte Beitrag im Jahr 2016 bereits ein paar Tage vor Weihnachten begonnen worden. Das bringt den Vorteil, dass zum Jahresbeginn nicht noch redaktionell gewirbelt werden muss, zumal der Entscheid fiel, den Jahreswechsel in Pafos zu begehen; und dass man das Ganze eventuell nochmals in Ruhe durchlesen kann und dergleichen mehr.

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Die Handwerker sind gerade im Haus. Ein Wunder, dass es die noch so nahe zu besehen gibt. Sollte es in der Mitte Europas Handwerker geben, die womöglich arbeitslos sind oder finden, sie werden nicht anständig bezahlt, denen kann nur empfohlen werden, sich nach Zypern zu begeben, um hier zu wirken – bestens gleich selbständig machen! Englischkenntnisse können nicht schaden, sind aber nicht unbedingt nötig, weil einen Sprachmittler gibt es zum einen immer, den man auftreiben kann, und zum anderen sieht der Fachmann oder die Fachfrau meist schnell, wo das jeweilige Problem eines Kunden auf ihn oder sie wartet. Es mangelt hier auf Zypern an verlässlichen und mit professionellen Kenntnissen ausgestatteten Handwerkern, Klemptnern und wahrscheinlich auch an Leuten, die Computer wieder anschmeißen oder gar zusammenbauen können. Man muss schon fast auf die Knie gehen, dass sich mal einer von DENEN sehen lässt, obwohl man sie anständig – und immer gleich – bezahlt oder bezahlen will. Kurz: Um die einfachsten Dinge erledigt zu kriegen im und ums Haus, bedarf es zu oft eines zu großen zeitlichen Aufwands – eines nervlichen sowieso, weil niemand von DENEN immer dann, wenn Hilfe erforderlich ist, sich auf den Weg macht, um mal nachzusehen. Oder noch schlimmer: Die kommen Nachsehen, sagen Dies und Das und sie würden wieder anrufen und dann wartet man – zu oft zu lange und zu oft auch vergebens.

Bei uns hier auf Zypern am Haus ist, unter anderem, gerade die Dachrinne das Problem, an der ein Abflussrohr beim letzten etwas stärkeren Regen einfach abgefallen ist. „Platsch“, da lag die Röhre im Garten, wahrscheinlich auf dem Rücken, und keiner wollte sie wieder an die Dachrinne anbauen. Das geschieht jetzt aber, hurra! Glücklicherweise sind wir mit dem Herrn, der das tut, eigentlich TREUEST schon seit Jahren ergeben in Kontakt. Endlich hat er sich nun bereitwillig erklärt, in Aktion zu treten, nachdem er uns schon 5 Mal versetzt hat. Wir sind also mehr als dankbar, dass endlich etwas geschieht und dass es – mal wieder – gelungen ist, den Kontakt zu diesem eigentlich netten Menschen zu er-halten.

Ach ja, noch eine Besonderheit an der Handwerkerschaft hierzulande: Manche holen sich ihren Lohn nicht ab. Den muss man ihnen dann geradezu hinterher tragen. Dass ungern Quittungen ausgestellt werden, nun, das ist inzwischen wirklich schon verinnerlicht von uns. Ja, man kommt sich geradezu schon blöde vor, einen Quittungsblock zu zücken. Das haben uns schon seit wirklich Längerem die Blicke der jeweiligen Handwerker abgeschminkt. Man will den meist einheimischen Handwerkern gegenüber ja nicht als Erbsenzähler oder Spielverderber im Kabinett der Hierhergezogenen auffallen. Oder?

Unser Handwerker, von dem eben die Rede war, muss wohl noch Mal nachbessern kommen. Denn leider wurde das Abflussrohr so gelegt beziehungsweise ‚ausgebessert‘, dass das Wasser vom zweiten in den ersten Stock des Hauses gesammelt in einem senkrecht angebrachten Rohr hinunterstürzt bei Regen, was ja auch OK ist. Doch da das Anschlussrohr unten im rechten Winkel angeschlossen ist, ist ab einem bestimmten Zeitpunkt nach einem Regenfall, wie wir seit gestern wissen, da es geregnet hat, ein ‚wunderbares‘ stundenlang andauerndes Konzert zu hören. Mich erinnerte es gleich an Erzählungen über Foltermethoden, wo dem Gefolterten unablässig das gleichmäßig laute Geräusch von Wassertropfen, die in ein Metallbecken fallen, zugemutet wird als Geräuschkulisse – endlos. Zwar wachte ich mit lediglich einem ganz leichten dicken Kopf auf, kann aber erinnern, anscheinend dennoch oder gerade deswegen? ganz tief geschlafen zu haben damit. Vielleicht ist diese Art Installation ja als so etwas wie die vom Stein der Weisen zu betrachten? Der letztere mag als Transmitter zu höherer Erkenntnis bestimmt auch kontemplatives IN-sich-Kehren, das die-Welt-vergessen, nur auf das eine Ding konzentriert zu sein. Also behalten wir das Getropfe vom Dach in einer ungenügend angebrachten Rinne so!?

Es kann also gesehen werden, dass das mit dem Ausbessern und dem lauten Tropfen seine Ursache auch und vor allem – ja, wie soll man es nennen – in einem ganz erheblichen Mangel bei den ausgeführten ‚Arbeiten‘ liegt – einer 2 cm gr0ßen Spalte. Diese wurde erst zeitlich später von uns ausgemacht! Weil, das so etwas produziert werden kann beim Ausbessern, darauf kommt man ja gar nicht. Wenn man bedenkt, dass es ein kleiner Aufwand ist, solch einen Herrn überhaupt ins Haus zu bekommen, um dann für solch ‚Leistung‘ – inzwischen leicht säuerlich – lächelnd im Cafe vom Dorf 70 Euro auf die Kralle zu bezahlen den Tag danach, bleibt die Frage an sich selbst einfach nicht aus, ob man es nicht vielleicht doch etwas mit der Handwerkerschaft hierzulande zu übertrieben hält – mit der Nachsicht gegenüber denselben.

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Erhalten blieb uns hier auf Zypern, wie nicht anders zu erwarten, der Eiertanz um die Verhandlungen zur Wiedervereinigung der Insel – und auf die soll hier auch gar nicht groß im Detail eingegangen werden. Schließlich mag das Neue Jahr ja nicht gleich in alten, stinkenden Socken begangen werden. Oder?

Die vor dem Parlament in Athen patroullierenden Soldaten, am Syntagma Square, in den chicen Uniformen mit Art Kleidchen auf den schlanken jung-männlichen Hüften, dürften auch keine stinkenden Socken tragen, ist doch wohl anzunehmen. Schließlich sind sie eines der meist geschossenen Fotomotive von Griechenland- oder Athentouristen. Dennoch war der griechische Ministerpräsident Tsipraz anscheinend etwas stinkig, als er auf den zyprischen Präsidenten Anastasiadis kürzlich traf. Hatte sich letzterer ganz anders vorgestellt, dieses Treffen. Die Treffen sich heute den 29. Dezember 2016 seltsamer Weise nochmals. Der Grieche hatte nämlich zwischenzeitlich ‚eigene‘ Ideen für das anberaumte mehrköpfige Treffen in Genf – in Sachen Zypern und Wiedervereinigung – entwickelt. Demnach soll beim Treffen in Genf am 12. Januar 2017 plötzlich nur noch das Ende der Schutzmachtfunktion der drei Schutzmächte Zyperns (Türkei, Großbritannien, Türkei) und der Abzug türkischer Truppen verhandelt werden – vorerst. Doch etwas anderes war eigentlich vorgesehen thematisch, fand Anastasiadis (angeblich). Außerdem sollten nach Lesart Griechenlands vor dem Treffen erst alle anderen Kapitel bei den Verhandlungen abgeschlossen worden sein, bevor es dann überhaupt zu diesem Treffen kommen könnte. Das Kapitel Sicherheit und die Angelegenheit mit der Schutzmachtfunktion stünden einfach im Vordergrund, meinte Tsipraz also plötzlich. Gemunkelt wird, dass er die von der zyprischen AKEL vorgeschlagene Teilnahme Chinas an einem gesonderten Treffen zu Zypern durch die 5 Vetomächte der UNO vorbereiten will auf diese Weise.

Ehrlich gesagt, das macht durchaus Sinn, was der Linke, Tsipraz, von Athen da sagt. Dass man monatelang verhandelt, indem dann immer noch nicht über die wahren Brocken, wie Sicherheit und die Schutzmächte Zyperns, gesprochen worden ist, fanden viele schon immer, sei Blödsinn beim Verhandeln der Zypernfrage. Falsch an der Position von Tsipraz ist jedoch, dass er mit der Sprache erst jetzt herauskommt, was einfach nur unzeitgemäß ist und auch so wirkt. Das angesprochene Argument hätte er früher einbringen müssen, schließlich trifft er sich doch eh alle Nase lang mit Anastasiadis. Anderen ist dieser Zug Athens durchaus auch ein Zeichen dessen, dass die Griechen eine Lösung Zyperns zu hintertreiben suchen. Die Spekulationen darüber, warum Athen so etwas tun könnte, reichen bis ins Reich der griechischen Mythen und gewiss darüber hinaus.

Der Mann, der Tsipraz so etwas, wie das zuvr Gesagte, eingeredet haben könnte, ist mit ziemlicher Sicherheit sein Außenminister, Nikos Kotzias. Zum Kotzen, mit Verlaub, mögen manche gerade denken, ist das. Ein Professor der Universität Piraeus ist Herr Kotzias ansonsten eigentlich – Politologe. Ein ehemaliger Stalinist soll er auch noch sein, der auf Polens Jaruzelski steht. „Wir und Polen“ ist eines seiner Bücher.

Verwundert brauch folglich niemand zu sein, dass der griechische Außenminister auch sogenannte gute Kontakte nach Moskau unterhält – wie einst in Zypern Dimitris Xristofias und seine Truppe von der AKEL, als die dort regierten vor Anastasiadis von der DYSI. Und zwar werden diese Kontakte nach Russland zu keinem Geringeren als Herrn Aleksandr Dugin geführt. Der Herr Dugin in Moskau soll es wiederum gewesen sein, der Herrn Putin sozusagen auf die Krim 2014 ansetzte. Und anscheinend unterhält der Herr durchaus auch gute Beziehung zu den faschistischen Neonazis Griechenlands, der Goldenen Morgenröte – die auch in Zypern einen Ableger haben, der neuerdings im zyprischen Parlament sogar Flagge zeigt. Also: zwei Ultranationalisten sondergleichen, Dugin und Kotzias.

Ach ja, und jemand von der AKEL, genauer Herr Tomazos Tsielebis, spricht im Zusammenhang mit dem erwähnten 5er-Treffen in Genf neuerdings von „Nicht-Anerkennung“, womit er darauf verweist, dass Zypern am Verhandlungstisch zu sitzen habe, wenn die 5 Großen in der Welt über das Schicksal der kleinen Insel verhandeln – da ansonsten eine Nicht-Anerkennung der Republik Zypern sich abzuzeichnen beginne. Patroclus in seinem „Coffee-Shop“ in der Sunday Mail vom 18. Dezember 2016 schreibt dazu: „Dann könnten die Zyprer die US-Amerikaner bei jedem Vorschlag, den diese unterbreiteten, fragen: „Und, habt ihr schon die Chinesen dazu befragt?“

Dass die Griechen ihren Standpunkt etwas geändert haben auf die Plötzliche und wie beschrieben, darf also offenbar dem Einwirken Moskaus zugeschrieben werden, so, dass die Wiedervereinigung Zyperns brav weiter in Schwebe verweilt, wo sie leichter in gewünschte Richtungen geboxt oder getreten werden kann als auf dem Boden angekommen – zu jedem x-beliebigen Zeitpunkt.

Vielleicht hier angekommen soviel vorerst zum Kontakt-Halten, von dem zuvor die Rede war. Ach nee, noch das dazu: Dem russischen Botschafter in Zypern, Herrn Stanislav Osadchiy, ist den Tag nach dem Tsipraz seine Bedingungen fürs Treffen in Genf gestellt hatte, in einem langen Beitrag auf CyBC nicht gelungen, die zuvor aufgezeigten Hintergründe für den griechischen Sinneswandel zu verschleiern – im Gegenteil. Herr Osadchiy ist, davon abgesehen, auffällig oft im zyprischen TV zu sehen, auch auf RIK. Er beherrscht das Griechische relativ gut. Auch wenn Herr Osadchiy davon spricht, er wolle sich in keinster Weise in innerzyprische Angelegenheiten einmischen, tut er genau das mit und in seinen medialen Auftritten, nämlich, sich unbeteiligt-geben-einzumischen.

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Nun ja, demnächst bricht ja das Trump-Ding endgültig aus: die Trump-Ära! Und der russischen Tass zufolge hat der neue CIA-Chef, Michael Flynn, schon mal posaunt: „Wir müssen unsere Außenpolitik überprüfen, die Türkei als Etwas von höchster Wichtigkeit sehen; und die Welt aus türkischer Sicht begreifen!“

Tra-ra!!!

Und Erdogan trifft sich gerade – immer mal – wieder mit Putin, hat ‚Frieden‘ mit dem Kreml geschlossen – auch wenn Dezember 2016 der russische Botschafter in Ankara von einem türkischen Extremisten ermordert worden ist. Dieses neue Bündnis verhindert auch nicht die Tatsache, dass Putin bereits seit langer Zeit mit Erdogans Rivalen Assad in einem politischen Bett liegt und Iran dabei zugucken darf, ja, sogar ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger dabei liegt. Bleibt eigentlich nur noch zu fragen, wie sich die EU zu diesen neu aufkommenden Männerklüngeln verhält? Frau Merkel ist die da noch die Richtige, auch wenn sie ausschließlich und nur Hosen trägt? Vielleicht doch besser den Herrn Gabriel zum Kanzler wählen im Jahr 2017, der immerhin ein Mann ist, Kinder haben soll und dann in besagter Klüngelrunde eher oder besser mit-kungeln könnte? Er ist sogar ‚Sozial’demokrat!

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Gerade aus Nikosia zurück. Die Handwerker haben ihr Werk am Haus also trotzdem, das heißt ohne mein Dabeistehen, zuende gebracht – vielleicht hält das Rohr diesmal länger als ein Jahr. Länger dürfte eventuell der ansteigende Zorn gegen alle möglichen sogenannten Ausländer in Deutschland anhalten. Berlin – Breitscheidtplatz. Ein Pakistaner soll es gewesen sein. Der war es nun wohl doch nicht. Der Täter wird noch gesucht. Ein Tunesier soll der Täter anstatt sein, der seine Papiere ausgerechnet im Tatfahrzeug verloren haben soll.

Nikosias Zentrum, wir berichteten bereits darüber, ist geradezu überschwemmt mit Männern aus Pakistan?, Bangladesch?, Indien?, Nepal?, Afghanistan? Afrika? Irgendwie wirkt die Gegend um den Eleftheria-Square schon seit Längerem so ‚anders‘. Als hätte die Präsenz der zuvor Erwähnten die Pontis (Griechischzyprer mit türkischen Wurzeln geflüchtet aus der Schwarzmeergegend nach dem I. Weltkrieg) von dort vertrieben. Ja sogar vertraute Gesichter von ‚originaleren‘ griechischzyprischen Bürgern, meist alten Herren, sind dort kaum noch zu sehen auf den paar Sitzbänken vor dem Beginn zur Ledra Straße und ihrer kleinen Parallelstraße, so auch am Salamon Square, dem neuen Busbahnhof.

Apropos: Das Gelände vom Elefteria Square bis zum Salomon Square ist ’natürlich‘ nicht wie versprochen zu Weihnachten 2016 derart fertiggestellt von der Baubehörde der Stadt, dass Herr und Frau Zyprer dort auf der neuen City-Meile mal spazieren gehen könnten, wie vom Bürgermeister vor Monaten noch in Aussicht gestellt wurde für diese Weihnachten. Wahrscheinlich darf sich darüber gefreut werden, dass derzeit überhaupt Arbeiter auf der Baustelle zu sehen sind, die das schöne Grün von einst gewiss nach Plan, leider ganz offensichtlich und un-typisch gründlich, nahezu komplett mit Beton und Stahl zupflastern. Das Zentrum Nikosias scheint seine schönste Seite vom ehemalig bereits etwas verstellten Gesicht endgültig verloren zu haben. Schade. Es ist schwer vorstellbar, dass das neue Gesamtgesicht des Eleftheria Squares gefällt. Vielleicht muss man dazu wirklich aus der sogenannten Dritten Welt kommen, um die baulichen Entwicklungen vor Ort so zu sehen – positiv. Vielleicht auch nicht.

Nach Jahren in dieser Stadt unterwegs, bin ich zum ersten Mal in so etwas wie eine Heroinszene zufällig getreten, heute. 12 Schuhgeschäfte nach Sportschuhen durchkämmt, die keine hohe Sohle haben sollen, auf Leder dürften die neuen Schuhe sogar machen und möglichst schwarz in der Farbe sollten sie sein. Eben ungefähr so aussehen, wie mein jetziger Sportschuh. Nichts Derartiges zu finden. Die Marke wird anscheinend auch in Deutschland nur noch in Weil am Rhein vertrieben. Zumindest war das mein Eindruck vor einem Jahr vor den Auslagen der Schuhgeschäfte stehend. An der Faneromeni-Kirche/Nikosia hat sich die angesprochene Szene also offenbar etwas etabliert. Seltsamer Weise sah ich – die Abkürzung vom Grenzübergang an der Ledra-Straße zum Fußballplatz an der Stadtmauer nehmend – auch erstmals einen Transvestiten hier auf der Insel. Den sah ich bei Tageslicht und ungeschminkt mit Stoppeln im Gesicht sowie hinten zusammengebundenem Haarschopf plus sehr schwungvollem Gang. Es war kein Priester. Da bin ich mir sicher. Die tragen nämlich schwarz und schaukeln ihr Gesäß nicht so von links nach rechts, haben zwar auch langes Haar, aber, glaube ich, haben immer einen langen Bart.

Homosexualität ist auf Zypern eigentlich kein Thema. Und Transsexualität muss noch etwas ganz Neues sein? Wahrscheinlich bin ich da nicht informiert genug. Mir ist plötzlich, als verpasste ich etwas an der Küste. Als durchlaufe die Altstadt von Nikosia einen absolut rasanten Wandel, und zwar in alle erdenklichen Richtungen, von dem in Limassol, Pafos oder Larnaka, wo ich mich hauptsächlich aufhalte, praktisch nichts mitbekommen werden kann.

Der Wandel, der sich speziell in Deutschland vollzieht, ich wiederhole mich hier auf Zypernundmehr-News, ist teils hausgemacht. Hierauf muss leider weiterhin hingewiesen werden. Auch wenn es ungern so gelesen wird. Der Kern vom Kern der Probleme mit dem Islam, in Syrien, Palästina, Saudi Arabien usw. ist vorrangig das schlechte Beispiel, welches der Westen im Umgang mit Israels Politik vorgibt – ganz zu schweigen von den betriebenen Außenpolitiken. Ein Staat Palästina muss dringend her – 2017!

Die Rechnung geht so, wie die Lage ist, offenbar nicht auf, siehe: Paris, Nizza, München, Brüssel, Berlin usw.!

Wir im Westen müssen uns bekennen und kapieren, dass sich etwas ändern muss. Eigentlich kann nur gehofft werden in diesem Zusammenhang, dass das Durchmischen der Eliten und alten, oft sonderlichen Bündnisse, welches Trump bereits vollmundig ankündigt, als Resultat ein Palästina, ein Kurdistan, ein Nordzypern, wenn sie sich nicht bald einig werden können, ein Ende in Navgorni Karabach, ein Ende des Streits um den Golan, den Sinai, Dafur, Westsahara usw. bringt.

Sie finden, dass klingt so unwahrscheinlich wie dass die Korruption im zyprischen Fußball (Omonia) beendet werden kann (match-fixing)? Wahrscheinlich haben Sie da Recht. Indikator für das letztere: Die Zyprische Fußball-Assoziation hat erneut den bereits schwer, a la Blatter angeschlagenen Geschäftsführer, Herrn Kastakis Koutsokoumnis, wiedergewählt. Die UEFA dürfte sich entsprechend gefreut haben?!

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Bekanntlich können die Zyprer auch noch anders. Stichwort: Off-shore-Business! Als sich die Sowjetunion auflöste, strömten die Rubel geradezu Richtung Zypern aus Russland und verschwanden größtenteils in erwähntem Geschäftsmodell. Nicht gerade mit Ruhm hat man sich in Zypern bekleckert zu Zeiten des Krieges in Jugoslawien, als der Vorwurf erwuchs, Zypern habe Millionen von Dollars angezogen und auch noch angelegt, die Slobodan Milosevic außer Land gebracht haben soll – 2002. Dem nicht genug hat Zypern derart einfach UN-Sanktionen übergangen und einen Großteil dieser Gelder sogar benutzt, um für Milosevic Waffen zu kaufen. Wir sprechen sowieso besser von 2 Milliarden, anstatt von Millionen, die da GEDEALT wurden. Wer sich bei dieser Aktion unter anderen ganz besonders verdient machte, war kein anderer auf Zypern als der gute, alte ehemalige zyprische Präsident, Tassos Papadopoulos, dem ja auch nachgesagt wird, er habe seinerzeit als junger Mann einen ihm nahestehenden EOKA-Kampfgenossen, der ihm im Weg stand, in einen offenbar zu gefährlichen Einsatz geschickt, um so an dessen Frau zu gelangen. Die Witwe heiratete er dann sozusagen barmherziger Weise – oder anders, wird gemunkelt.

Papadopolous senior und junior sind also klar mit von der Party, wenn es ums Geteilthalten der Insel geht. Beide veranschaulich/t/en diese politische Kunst schon fast mit Bravur im Realen und seit Jahren. Dass sich der türkischsprachige Norden besser ganz offiziell abspaltet und ein eigener Staat gründet, scheint deren Meinung zu sein. Beide verneinen zwar vehement solch Absicht, obgleich immer wieder Aussagen in diese Richtung von ihnen zu hören sind und waren. Inzwischen ist Senior ja tot, sodass Junior, Nikos, sich nun auf eigene, chauvinistische Instinkte verlassen muss. Auch darauf gilt es sich zu verlassen, dass damit zu rechnen ist, dass Junior schon demnächst ausholt, Präsident der Insel zu werden. Das ist keinesfalls abwegig. Im Gegenteil. Seine Lehrzeit im Parlament als Führer der DIKO dürfte doch nun wohl mal bald vorüber sein. Es gilt sich zu bewähren, sozusagen die Familientradition fortzuführen und dergleichen mehr. Die Initiation Juniors läuft also demnächst zeitlich ab.

Ach ja: Wie Papadopolous junior allerdings an die Reichtümer gelangen will, die offenbar eindeutiger als jemals davor Berichten zufolge vor Zypern in Form von Erdgas und anderem Zeug ausfindig gemacht worden sein sollen, ist eher schleierhaft. Denn die Türkei hat da gewiss doch noch ein Wörtchen mit zu reden, auch wenn Nikos, wie auch Papa Tassos, imgrunde der Zweiteilung der Insel die Steigbügel hält. Denn warum sollte ein eigener Staat Nordzypern seine Reichtümer vordringlich mit Südzypern teilen, wo doch jahrelang am Tropf der Türkei – und anderer – gehängt wird?

Doch das stimmt so vielleicht auch nicht wirklich. Böse Zungen behaupten nämlich, die Papadopolous‘ und andere gleichen Schlages lebten doch teils gut davon, die Teilung ihres „Vaterlandes“ zu betreiben und die angesprochenen Reichtümer im Meer vor Zypern eigneten sich für sie hervorragend, diese Position bis an Sankt Nimmerleinstag einigermaßen gehaltvoll zu halten.

Zwar hat Donald Trump in seiner Regierungsmannschaft, war vor kurzem mal in der griechischen Kathimerina Tageszeitung zu lesen, recht viele Amerikaner griechischen Ursprungs eingespannt, doch hat eine weitere Berufung, nämlich die zum US-Außenminister eines Mannes, der für Exxon Mobile arbeitet, nicht zwangsläufig die Bedeutung, die ihm von griechischer Seite scheinbar mehrheitlich gegeben wird. Denn ja, es stimmt, auch Exxon ist vor Zypern teils mit im Boot, um die Reichtümer zu heben. Doch nicht vergessen werden darf, dass es in Washington als viel lukrativer erachtet werden könnte, der Türkei EINFACH den Vorzug zu geben. Mit einem kleinen strategischen Schwenk Exxons könnte – schlechtestenfalls – an der Seite der Türkei ins Reichtumförder-Spiel vor der Küste Zyperns mit entsprechenden Forderungen teils ‚überlaufen‘. Die lange Rede des türkischen Ministerpräsidenten Yilmaz vor der Jungunternehmerschaft des Landes, die am 28. 12. 2016 auf TürkInt ausgestrahlt wurde, lässt solche Manöver eines us-amerikanischen Multis durchaus vorstellen. Überhaupt ist Herr Yilmaz, finde ich, überraschend eloquent. Mit seiner bedachten, ja, strukturierten Art des Vortrags bringt er wahrscheinlich das Quantum Zuversicht und Vertrauen der türkischen Bevölkerung aufs AKP-Trapez, was die Herrschaft der Regierungspartei der Türkei letztlich zu verlängern helfen wird. Er wirkt sehr motivierend und lässt schon fast all die seltsamen Dinge, die um Herrn Erdogan – und mit diesem – passieren, ins Hintertreffen treten. Man mag Herrn Yilmaz abnehmen, wenn man ihm zuhört, dass die Türken den Schritt zu einer Art Groß-Mittelmacht demnächst bewältigen, wenn sie noch etwas zusammenhalten und wenn sie noch mehr Produkte made in Turkey zukünftig kaufen – und dass Kurden und Türken FREUNDE sind. Irgendwie inspirieren diese Ausflüge in den Reden des Herrn Yilmaz, auch, dass er aufruft, sich auf eigene, ja sogar alte Werte zu besinnen etc.

Nun: Schließlich ist Exxon kein Staatsbetrieb und schließlich ist die Route über die Türkei nach Europa billiger und zuguterletzt, doch nicht nur, könnten die angeschlagenen Beziehungen der Israelis und der Türken derart etwas verbessert und gesichert werden: „win-win“ und so. Und gewiss ist da auch noch etwas Reichtum vor Syrien und dem Libanon im Boden. Was liegt daher näher für die Trump-Administration, als dass sich Russland da netterweise für Syriens Reichtum engagiert und diesen dann ganz ‚uneigennützig‘ alleine oder besser mit den US-Amerikanern ‚hilft‘ zu fördern und zu vermarkten mit Hilfe der geschäftstüchtigen Türken?

Man wird sehen, wie der Hase schon demnächst laufen wird im GROßEN Ölbusiness, von welchem in Nikosia-Süd anscheinend schon alle politischen Akteure träumen. Manchmal kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass diese Aussicht so eine Art neues Opium der Süd-Zyprer ist – siehe auch: http://in-cyprus.com/exxon-mobile-takes-block-10/.

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Ich sage ihnen: Geld ist auf Zypern wirklich kein Thema. Und wer keines hat, der oder die muss wohl was falsch gemacht haben? Anscheinend ja! Doch auch hier auf Zypern, das wollen wir unbedingt wissen lassen, gibt es einige Suppenküchen und Menschen, die mit weniger als 500 Euro im Monat zurechtkommen sollen. Ob jene Zyprer im Süden, die gerade noch so über die Runde kommen finanziell, wirklich noch eine Minderheit sind?

Dem Eindruck, dass dem so ist, wollen wir uns hier fürs Erste gönnen. Genaueres dazu hier: http://cyprus-mail.com/2016/12/24/wealth-inequality-rise-euro-zone-net-wealth-drops-almost-40-per-cent-cyprus/

Auch gilt es sich zu gönnen oder besser, daran zu erinnern, dass die Deutschen es waren, die sich 2012 ungnädig gegenüber Zypern gezeigt hatten und fanden, dass das Land eher eine russische „Geldwaschmaschine“ sei und daher ein Bail-out für Zypern nicht in Frage käme. Zwar wurde seither sauber gemacht in Zyperns Bankensektor und die Zentralbank der EU soll ganz zufrieden sein mit der Entwicklung bislang. Doch: So ganz daran glauben, fällt einem einfach schwer. Denn das Saubermachen hat doch wohl auch zur Konsequenz, unter anderem, dass noch mehr und sorgfältiger gearbeitet werden muss, schon allein um den gesetzten Standards zumindest minimal zu entsprechen: „kenne deinen Kunden“ und/oder „Sorgfaltspflichtprüfungen“, heißen die Gespenster neuerdings unter Bankern in Zypern unter anderen. Eine der Fragen, die sich da ergeben, ist: Wird aufgrund dieser ‚gespenstischen‘ Anforderungen etwa bereits überreguliert von Seiten der TROIKA und anderer Interessierten, wie der EU-Zentralbank beispielsweise? Weil seit April 2016 müssen Bankkunden von Angesicht zu Angesicht ihre Geschäftchen mit zyprischen Banken tätigen. Das kann allerdings auch über Skype geschehen oder mit anderen Anbietern wie Skype. Dazu bedarf es aber stets eines dazwischen geschalteten Vermittlers. Und das ist eigentlich das Geschäft, mit dem man hier auf Zypern ganz besonders gern Geld verdient – vermitteln und beraten: consulting. Interessant ist, dass bei solchen neuen Geschäftsbedingungen auch alle Klienten – beispielsweise auf Skype – gleichzeitig anwesend zu sein haben. Und das ist recht viel Arbeitsaufwand, wird gesagt.

Solche Verfahren werden gern von Institutionen, wie der Moneyval oder, um noch eine zu nennen, der Financial Action Task Force, Ländern aufgebrummt, die schon mal ‚auffällig‘ geworden sind, so wie Zypern. Die griechische Hellenic Bank, die in Zypern viele Geldautomaten aufgestellt hat, da kann man problemlos 500 Euro rauslassen, was an den Automaten der Bank of Cyprus unmöglich ist, lässt wissen, dass der zu betreibende, zusätzliche Aufwand zwar mühsam sei seit April 2016, aber mit technologischem Know-how und besserer Kooperation zu managen ist. Versteht sich, dass dieser Aufwand sich auch etwas in den Gebühren niederschlägt, die erhoben werden müssen; oder aber, dass andernorts im Betrieb sich etwas ändert, beispielsweise, indem weniger Personal eingesetzt wird und die Abläufe eventuell noch mehr computergesteuert ablaufen als davor. Konstantinos Petrides, Staatssekretär des Präsidenten Zyperns spricht indes von „Schock“, der dem zyprischen Finanzsystem zugefügt worden sei mit diesem Verfahren seit April 2016, schreibt Angelos Anastasiou am 20. November 2016 in der Sunday Mail. Der Schock wird allerdings auch gern benutzt, die neue weiße, zyprische Weste in der Welt der Finanzen auszuhängen: Wir sind sauber!, soll sie den Kunden und anderen Interessierten sagen.

Es gibt neuerdings auch zertifizierte, zyprische Anti-Geldwaschexperten, die „Association of Certified Anti-Money Laundering Specialists“ ist einer davon. „Neocleous“ ist eine weitere Anwaltskanzlei, dieses sich auf das Geschäftsmodell spezialisiert hat: www.neocleous.com. In solchen Firmen ist uns allen natürlich klar, was vorne ansteht: aufspüren und entsprechend labeln. Allerdings ist es nicht unbedingt leicht, alle möglichen Arten von Fonds immer gleich als unstatthafte zu eruieren. Das heißt, ihre Transaktionskette nach zu verfolgen und der dergleichen mehr, ist zuweilen schwierig, weil gern und oft verdeckt operiert wird beim Transferieren: wer ist wer, wann und wie?

„Mokas“ wird die Stelle der zyprischen Regierung genannt, die demselben Geschäft nachgeht: Geldwaschmaschinen ausfindig machen. Die Anzahl jener, die beim Schummeln aufgedeckt werden von Mokas, schreibt Stellios Orphanides in der Sunday Mail, sei in letzter Zeit angestiegen. Die berühmt berüchtigten Panamapaper sind dabei offenbar sehr hilfreich. Mehr dazu hier: http://www.law.gov.cy/law/mokas/mokas.nsf/index_en/index_en?OpenDocument.

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Dennoch herrscht anscheinend auf Zypern eine Art Selbstzufriedenheit, die sich beispielsweise auch in einer laxeren Verfahrensweise beim Budget der Regierung für 2017 zeigt, welches geradezu vollmundig und etwas dreist in Brüssel vorgelegt wurde. Zwar hat der Finazrat der Europäischen Kommission dem Finanzminister Zyperns, Herrn Harris Georgiadis, gewarnt, die Erwartungen im Budget doch bitte sehr etwas herunterzuschrauben für 2017 – vergebens. Georgiadis, und mit ihm im Boot wahrscheinlich der größte Teil der Regierungspartei DYSI, will halt auf Strahlemann machen und allen zeigen, dass man es geschafft hat, wieder REICH ist – wieder. Auch wenn erst gerade vor kurzem eine drei lange Jahre unter einem Hilfsschirm für Zyperns Finanzwelt beendet worden sind. Zypern setzt also gleich wieder kompromisslos, schon fast traditionell, auf Risiko – und das bedeutet: es setzt hemmungslosen Wachstum.

Die Bewertung des Stabilitäts- und Wachstumspaktes (SWP), der ein Risiko im angegebenen Budget für 2017 Zypern durchaus erkennen kann im Gegensatz zum zyprischen Finanzministerium, ist für die Regierenden in Nikosia erst mal Luft. Die fiskale Steuererleichterung, die sich Zypern für 2017 daraufhin sogleich verpasst hat, wird klar vom SWP kritisiert. Die Tendenz scheint also durchaus die zu sein, sich auf seinen Lorbeeren in Nikosia erst mal richtig auszuruhen und das Leben auf der Insel zu genießen, oder so was in diese Richtung gehend.

Vorsichtshalber meckert Georgiadis schon mal an der gestellten Prognose des SWP von der Europäischen Kommission herum. Diese sei nämlich nicht konform mit anderen Bewertungen anderer Institute usw.

Doch um das geht es eigentlich nicht. Das sind Ablenkungsmanöver des zyprischen Finanzministers, die sich kommenden Februar beim sogenannten Eurogroup-Meeting als solche erweisen dürften, schreibt die Sunday Mail.

Spätestens hier angekommen, zeige sich, dass die schlechten Angewohnheiten, die auf Zypern besonders im Bankensektor herrschten, noch längst nicht überwunden sind. „Opinion“ vom 20. November 2016 der Sunday Mail Zyperns schreibt: „Innerhalb von wenigen Monaten, gerade als das Hilfsprogramm losgetreten worden war, wurde [vonseiten der zyprischen Regierung gleich] angekündigt, man beabsichtige 3.000 Privatpersonen der Nationalgarde einzuverleiben; und das Budget für 2017 entfernte dieses Jahr den sogenannten „speziellen Beitrag“, den Gutverdiener dem öffentlichen und privaten Sektor beizusteuern hätten und drastisch wurde die Besitzsteuer gesenkt, die in der Folge vom Gesetzgeber sogar gestrichen wurde.“

Dass die Löhne im öffentlichen Bereich wieder ansteigen, dürfte nach Gesagtem nicht mehr all zu sehr verwundern. Egal, ob sich die Arbeitgeber- und Industriellenföderation dagegen wehrt. Herr Georgiadis bedient sein Klientel, in dem Fall den Öffentlichen Dienst. Lohnsteigerungen bis zu 5% stehen dort bevor ab Januar 2017, wenn nicht noch das eine oder andere verfahrenstechnische Hindernis kurzfristig erstellt wird von Seiten des zuständigen Ministeriums, was wohl nicht zu erwarten ist. Egal scheint auch zu sein, dass diese Lohnsteigerungen Unmut im privaten Sektor unweigerlich ankicken. Die wollen dann gewiss auch was vom Kuchen abhaben und werden ihren Unmut wohl schon bald kundtun.

Der Rückschritt Nikosias, was die Finanzreform etc. angeht, besteht folglich darin, dass der Öffentliche Dienst und dessen Versorgung mit entsprechenden Geldern wieder seine bevorzugte Stellung für die Regierung eingenommen haben zu scheint. Bye-bye ökonomisches und umsichtiges Verwalten der Steuerbeiträge, was unter anderem die TROIKA versuchte, mit Nikosia und den südzyprischen Banken einzuüben – ein paar Jahre lang. Noch etwas mehr zum Thema, und zwar aus anderer Sicht, hier: http://cyprus-mail.com/2016/12/24/view-authorities-act-auditor-generals-findings/

Interessant ist in diesem Zusammenhang durchaus auch zu sehen, wie die Sache denn eigentlich mit den Co-ops auf Zypern zu beurteilen ist und läuft. Lesen Sie hierzu folgendes von Alexander Michaelides: http://cyprusbusinessmail.com/?p=36092.

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Schauen wir uns im obigen Zusammenhang stehend mal an, wie beispielsweise der Hase in Sachen Pensionen hier auf Zypern läuft:

Wie gesagt: Handwerker sollten sich nach Zypern auf den Weg machen, Handwerker, die ihre Arbeit verstehen und noch etwas Unternehmergeist mitbringen -und ZUVERLÄSSIG sind. Ansonsten wäre es angebracht, sollte die Situation so bleiben, im nächsten Leben als Zyprer auf die Welt zu kommen, als Griechischzyprer. Ja, auch hier muss man durch die Penne und womöglich noch an die Uni, doch dann angelt man sich bestens einen Job irgendwo beim Staat, macht vielleicht aufgrund seiner Mitgliedschaft in einer der im Parlament vertretenen Parteien Karriere, so dass man als Volksvertreter tätig wird, und schon kann man beruhigt alt werden – wenn keine Kriege und anderes Ungemach ausbrechen. Weil man wird mindestens 2 deftige Pensionen erhalten auf Lebenszeit, die als Staatsangestellter und die als Parlamentarier beispielsweise. Dabei spielt es keine Rolle, wie lange man gedient hat. Oftmalige Versetzungen im Amt machen sich durchaus bezahlt, da dann als Pensionär sogar eine dritte oder gar vierte etc. Pension eingestrichen werden kann – je nach Posten. Der ehemalige Finanzminister Zyperns, Herr Afxentis Afxentiou, macht diese nette Arithmetik gerade vor, nein, er lebt sie unverfroren aus. Er muss es ja schließlich wissen, wie der Hase in Sachen Finanzieren des Lebensunterhalts durch Einstreichen von Pensionen läuft aufgrund seiner beruflich gesammelten Kenntnisse – und vor allem wegen mitgetragenen politischen Entscheiden im Finanzsektor. Recht praktisch ist auch, dass so jemand ab 60 in den Ruhestand gehen kann. Dann hat man mindestens noch was von seiner Müh als einst verbeamtete Person.

Das Oberste Gericht Zyperns hat Urteile, die 2011 und 2012 gefällt wurden zum Thema, gerade vor kurzem nichtig gemacht, in denen die Praxis des Multi-Pensionenerhaltes abgeschafft worden war. Dass dieses Urteil des Obersten Gerichts mit den von der TROIKA vorgegebenen Vorstellungen zur weiteren Gesundung der Finanzlage Zyperns konform läuft, ist nicht anzunehmen.

Was mit dem eben erwähnten Beispiel gesagt werden will: Viele Reformen werden wieder ganz oder teilweise rückgängig gemacht, und zwar so wie die ‚Ausländer‘, in diesem Fall die TROIKA, außer Landes sind und mit anderen, anscheinend wichtigeren Dingen beschäftigt zu sein scheinen. Das eben aufgezeigte Muster erinnert in etwa an den Umgang mit dem kostbaren Gut Wasser. Ist die Gefahr einer Dürre auf Zypern einigermaßen gebannt, dann spucken wieder alle Wasserhähne weit und lustig geöffnet Wasser aus! Bis zum nächsten eventuell bevorstehenden und unabwendbaren Wassermangel.

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Wie das nun alles immer so zustande kommt, fragt man sich da. Wie fällen die Zyprer eigentlich ihre Entscheide? Prinzipiell – und bitte immer etwaige Ausnahmen dabei ins Auge fassen – kann gesagt werden, dass die politischen Akteure in Zypern ein Etwas zu laufen haben, meist unter sich, dass man vielleicht doch bestens mit „Übereinkunft“ bezeichnet. Übereinkünfte zu treffen, ist ja nichts Verwerfliches. Allerdings wenn dieselben letztendlich an den Interessen derer vorbei gehen, deren Interessen die involvierten Politiker eigentlich vertreten sollten, dann ist da was am Anbrennen. Nun: Übereinkünfte trifft die zyprische politische Elite zu gerne in sogenannten Komitees. Da sitzen Politiker, Berater und Experten dann und kungeln Dies und Das aus. Leider muss bei solch getroffenen Übereinkünften sehr oft auch der Wille der Regierung oder der jeweiligen Partei, für die jemand an solch Treffen teilnimmt, ganz oder teilweise auf der Strecke bleiben – der Wille des ‚Volkes‘ zu oft sowieso.

Insofern wird durchaus so etwas wie eine politische Führung Zyperns durch oder in Komitees in Frage gestellt, weil ja Art kollektive Beschlüsse gefasst werden in Übereinkünften, die ’nötigenfalls‘ auch an den strategischen Zielen einer Partei, eines Landes, vorbeischießen können. ‚Lustig‘ soll es bei solchen Komitees anscheinend werden, wenn Gewerkschaftsvertreter mit am Kungel-Tisch sitzen. Komischerweise kommen die dann zu oft mit ihren Vorstellungen durch, da niemand sich mit denen auf Zypern in die Nesseln setzen mag. Die letzten drei Regierungen haben das im Bereich Bildung versucht, also, durch Übereinkunft etwas zu erneuern. Keine Chance. Die Lehrergewerkschaft hat beispielsweise jedwede anberaumte Reform weggedrückt. Überhaupt zieht sich diese erwähnenswerte Tatsache gegenüber gewerkschaftlichem Einfluss in Zypern durch eigentlich alle Branchen und gesellschaftlichen Bereiche – so auch im Gesundheitsbereich. Stichwort hier ist: „Gesy“. Ähnlich ist die Angelegenheit gelagert mit der Privatisierung des Flughafens von Larnaka, die bis zum 03. Februar 2017 vollzogen sein soll. Die Regierung schafft es offenbar nicht, eine Consulting Firma anzuheuern, nicht, weil es keine gebe, sondern, so hat es den Anschein, weil diese womöglich Klarheit in die verfahrene ‚Struktur‘ am und um den Flughafen bringen könnte. Es könnten also Steuergelder gespart werden und vielleicht auch der eine oder andere Betrug an das Tageslicht geraten – wohin letzterer eh mal ankommen wird, ist zu vermuten. Diese Suppe hat allerdings vor allem die Opposition der Regierung eingebrockt, namentlich die kommunistische AKEL, deren derzeitiger Sprecher, Stefanos Stefanou, meinte, eine Privatisierung würde die Ausgabenseite dramatisch erhöhen – ein Argument, welchem das Finanzministerium Zyperns allerdings lautstark widerspricht. Wie so oft, scheinen die Abgeordneten auch in diesem Belang mit Unkenntnis der Sachlage zu glänzen und entsprechend ihre Stimme abzugeben.

In Zypern gibt es auf Grund dieser erwähnten Übereinkünfte so etwas wie eine wirklich eindeutigere politische Führerschaft nicht. Das meiste, was angegangen wird, läuft in einer langwierigen Kreisbewegung, die durch Übereinkünfte in Kommissionen und dergleichen dann nicht selten an ihrem Ausgangspunkt ankommen im Ergebnis – und das oft und immer wieder aufs Neue.

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Da waren sie also wieder, die Wahlen ins Bürgermeisteramt, diesmal im Dezember 2016. Gut und schön; und wer es von den Kandidaten ins Amt geschafft hat und wer nicht, soll uns im Detail nicht interessieren. Sollte dem doch so sein, empfehle ich, die Cyprus Weekly sich mal zu holen http://in-cyprus.com/turnout-54-in-local-elections/. Dort steht etwas detaillierter was dazu. Zum einen auch dieser seltsame, ja, wie soll man es nennen, typische Witz gibt es zu den Wahlen auf Zypern noch zu lesen? http://in-cyprus.com/kampos-election-wins-causing-police-major-headache/

Vorweg: Die Wahlbeteiligung ist nicht gerade hoch gewesen. Das Interesse an dem ganzen Ding war ebenso hoch, nämlich gering. Auch in den Medien war vergleichsweise wenig zu lesen darüber. Außerdem: Eine Woche vor Weihnachten hat Familie doch wohl Wichtigeres zu erledigen als Kommunalwahlen, oder? Auch ist das allgemeine Ansehen der politischen Elite nicht gerade toll im Allgemeinen. Und die Rathäuser haben nun auch nicht eben DIE Entscheidungskompetenz, die sie meist andernorts auf der Welt haben, sodass sie nicht so richtig voll genommen werden vom zyprischen Wähler. Ja, die lokalen Regierungen, also die Bürgermeisterämter, existieren vorwiegend, um die politischen Parteien zu bedienen. Gegebene Versprechen vor Wahlen der Kandidaten fürs Bürgermeisteramt sind auch daher wie Luftblasen, die schon gleich nach der Wahl zu zerplatzen drohen. Wird von einem Kandidaten versprochen, er oder sie werde die Lebensqualität verbessern, sollte nur genügend Stimmen erhalten werden, fragt sich gewiss so mancher Wähler: Und wie willst du das alles durchboxen? Denn jeder weiß inzwischen, dass Bürgermeister zumeist nur dekorative Arbeiten verrichten, wie einen Weihnachtsmarkt zu organisieren oder zu Ostern die öffentlichen Plätze entsprechend zu schmücken. OK, sie überwachen auch den Zustand der Straßen sowie die Wasserversorgung und den Müll, das Spritzen von Gift gegen Stechmücken und sogar dass im Gesundheitssektor vor Ort möglichst alles glatt läuft. Große Städte agieren zudem gern als Akteure bei der Stadtplanung, wenn es hoch kommt (Quelle: Sunday Mail, 18. Dezember 2016 – Opinion, Seite 11).

Doch eigentlich operieren die Rathäuser als Anstellungsagenturen. Jene Mitglieder einer regierenden Partei, nämlich, die keine Arbeit bekommen können, werden dann gern im Zivilen Dienst einer Gemeinde angestellt. Das hat auch nicht all zu schlecht bezahlte Jobs zur Folge. Egal ist da anscheinend, wie hoch die Gemeinde, die Provinz, inzwischen verschuldet ist – was so überwiegend der Fall zu sein scheint. Bei dieser Art der Verwendung öffentlicher Gelder ist eine recht hohe Verschuldung der Kommunen auch wenig verwunderlich. Versteht sich, dass auch hier wieder die zuvor beklagte Praxis der Auszahlung von Pensionen noch das Ausgabenkonto einer Gemeinde belastend ins Spiel kommt, zumal neue Bezieher geradezu zwangsläufig auf den, wie man im Griechischen inzwischen sagt, „Berufspensionärs“-Markt geraten, eben weil sie neu in ein Amt gewählt wurden.

Da bleibt nun mal wenig Geld übrig, um all die Löcher in den Straßen zu flicken, um Dies oder Jenes endlich anzugehen oder auszubessern zum Wohl der Gemeinschaft. Eigentlich grenzt es an ein Wunder, dass die Zyprer überhaupt noch auf so hohem Niveau existieren. Den ersten Schuldigen für davor Gesagtes, der hier ausgemacht werden kann, ist die EU selbst. Die schießen weiterhin Milliarden in das eher als korrupt zu bezeichnende zyprische gesellschaftspolitische System, egal, ob sich dort was wesentlich ändert. Hauptsache, DIE fallen nicht total aus dem Rahmen, scheint die Devise in Brüssel zu sein. Das heißt, Brüssel muss offenbar im Geld schwimmen, auch wenn immer wieder das Gegenteil behauptet wird und man gern bei den Geringverdienern diese angebliche Tatsache zum Vorschein treten lässt. So ein zyprischer Gemeinderat – schreibt die Sunday Mail – verdient im Schnitt monatlich 800 Euro, wohingegen ein ausgewachsener Bürgermeister nicht nur ein hohes Gehalt erhält, sondern eben auch fette Pensionen einstreichen wird, wenn es altersbedingt so weit sein wird.

800.000 meist griechischzyprische Einwohner werden von 30 Rathäusern versorgt. Einige Rathäuser, wie Kyrenia, Famagusta (besetzt) oder Morfou, die drüben im Norden liegen, haben im Süden ihr Rathaus mit entsprechendem Apparat. Die sitzen darin wahrscheinlich den ganzen Tag und trinken Kaffee oder spielen Karten, weil sie ja im Realen praktisch gar keine Arbeit zu bewältigen haben, da diese Städte, wie gesagt, im Norden liegen, dort, wo die türkischzyprische Administration unanerkannter Weise Realpolitk nach ihren Maßstäben und Erforderlichkeiten betreibt – die Arbeit erledigt.

Die Türkischzyprer sprechen von „befreit“, anstatt von „besetzt“, soll noch kurz erwähnt sein.

Kann gut sein, dass der Bezirk Neukölln von Berlin schon fast die zuvor erwähnte Anzahl der Einwohnerschaft Zyperns hat und bedient – 800.000. OK, es sind in Neukölln dann doch lediglich so um die 330.000 Neuköllner. Was hier aber derart gesagt werden mag, ist: Es gibt viel zu viele Rathäuser auf Zypern, die locker, könnte man denken, die zyprische Bevölkerung mit ihren Diensten zufriedenstellen können, doch genau das ist zu oft nicht der Fall. Viele Angestellte gehen nämlich weiteren Jobs nach, wird gesagt, und der Stand der Krankschreibungen ist ebenfalls sehr hoch – aus von Ihnen hier gewiss vermutetem Grunde. Hinzukommt die zuvor beschriebene Macht der Gewerkschaften, die ein Verschlanken und Effektivermachen der Institutionen brav und mit aller Regelmäßigkeit meist verhindert.

Lokale Autoritäten auf Zypern haben also wenig Macht, was wiederum bewirkt, dass auch der demokratische Prozess – von unten nach oben zu regieren -, sich geradezu von vorne herein in sein Gegenteil verkehrt (hat). Dass die EU sich das sehenden Auges anguckt, ist zumindest genau so katastrophal wie die Art und Weise, mit der das Flüchtlingsproblem angegangen wird und wurde. Man schaut in Brüssel offenbar schon systembedingt weg, so lange bis es knallt!?

In der Sunday Times vom 18. Dezember 2016 wird vorgeschlagen, lediglich 5 Rathäuser in Gesamtzypern (griechischsprachiger Teil) zu unterhalten. Wie zu lesen ist, muss dieser Vorschlag in etwa so utopisch sein, wie dass die CSU (SVP, FPÖ) demnächst mit den Linken (Kommunisten) sich zu einer Regierung zusammenschließt. Schon allein die Idee, die vorhandenen Rathäuser auf Zypern von 30 auf 22 zu reduzieren, triggerte einen Sturm des Entsetzens von Seiten gewisser Leute, die anscheinend sehr gut mit den jetzigen Gegebenheiten leben. Der zyprische Staat finanziert den ‚Spaß‘ mit Steuergeldern, unter anderem, wobei die Rathäuser am Säckerl der jeweiligen regierenden Parteien hängen und daher hüten werden, eigene Schritte zu gehen – wenn sie nicht ‚untergehen‘ wollen.

315.000 Einwohner Nikosias werden von nicht weniger als 7 für sie zuständige Rathäuser ‚versorgt‘.

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Um es auf Bayrisch zu sagen: Es ist ein insulanischer Sauladen, der vor allem in Amtsstuben herrscht! Die Herren und Damen im Parlament scheinen größtenteils so abgehoben oder mit anderen Dingen beschäftigt, dass sie im Parlament – nicht nur neuerdings – sogar gegen ihre eigenen Interessen abstimmen. Und wenn ihnen irgendwann auffällt, was sie da wieder angestellt haben, wie kürzlich, als AKEL und DIKO alles bezüglich der COOP-Bank und deren Kontrolle durchwinkten, kommen sie im Anschluss und wollen, dass das rückgängig gemacht wird. Man musste die beiden dann allerdings auf ein einzuhaltendes Prozedere des hohen Hauses verweisen. Zumindest das scheint noch zu funktionieren?!

Ein weiterer ‚Fehler‘ passierte den hohen Häuptern kürzlich, als sie dafür stimmten, dass ihnen knapp 200 Euro weniger Einkommen bezahlt werden soll.

Das heißt: Verschleiert man gewisse Anliegen auf möglichst komplizierte Weise in einer Rede – mit Fachausdrücken voll gepackt usw. -, kann in Zyperns Parlament offenbar durchaus ein Erfolg erwartet werden bei einer Abstimmung zum Thema, da jene, die vermutlich dagegen stimmen würden, sich ja wahrscheinlich eh nicht genug informieren und folglich von der Materie nichts verstehen. Es lebe die Cafeteria im Parlament und die Unantastbarkeit der ‚Vertreter des zyprischen Volkes‘?!

Guten Rutsch!

Noch keine 5 Tage ist es her, da konnte im Meer noch geschwommen werden, hier auf Zypern. Der Wind war etwas kälter als das Wasser, doch die Sonne schien, brav jeden Tag hindurch. Damit ist seit 3 Tagen Schluss. Es regnet. Das heißt. Jetzt ist die Sonne wieder da und wenn dem morgen, Samstag, noch so sein sollte, wird gewiss der Versuch unternommen, in die Wellen zu springen. Vermutlich kann man das noch tun, ohne vor Kälte zu erstarren.

Gelegentlich kann sogar von heftigem Regen gesprochen werden, der wie aus einem Wasserhahn entlassen, auf die Erde niederprasselte in diesen 3 Tagen. Außer den meisten Touristen, dürften hierzulande sich alle riesig freuen, dass die Erde endlich nass ist und es auch noch etwas so bleiben könnte – wahrscheinlich halbwilde und ganz verwilderte Katzen ausgenommen. Da das Phänomen alljährlich auftritt, dürfte auch immer dasselbe Problem aufkommen. Mal abgesehen von einigen Straßenzügen und Kellern, die im Lande mit aller Regelmäßigkeit gewiss auch jetzt wieder unter Wasser stehen – in Larnaka vor allem -, durfte gestern auf einer Fahrt von Zygi nach Limassol (Germoseia) – in gegengesetzter Richtung wurde die Autobahn benutzt –gleich 4-Mal die Erfahrung gemacht werden, dass es sehr gefährliche Stellen in den Straßen gibt, wo sich Wasser angesammelt hat. Plötzlich – auch wenn man nur 50 oder 60 km/h fährt – kommt von vorne eine Wasserfontäne über die Frontscheibe des Autos gefegt, die verhindert, dass etwas gesehen werden kann. „Bloß nicht auf die Bremse treten!“, sagt man sich da, obgleich, weil irgendwie unvorbereitet, der Fuß im Reflex schon auf der Bremse ist – „nicht durchtreten!“. „Vom Gas runter und abwarten!“. Man erinnert eventuell plötzlich die Fahrschulzeiten. Wer den Führerschein allerdings in Zypern gemacht hat, könnte im Nachhinein erkennen, dass die Erinnerungen irgendwie gar nicht zutreffend sind, da diese Lektion irgendwie nie Thema war.

april2011 041

Bekanntlich fließt Wasser. Das Ungeheuer aus Wasser verschwindet so schnell wie es kam von der glasigen Fläche vor den Augen im Auto und dem Lenkrad. Doch die paar Sekunden, wo die Sicht genommen ist, kann halt schon einiges geschehen. Bei Herrn Hollande muss es in etwa so abgelaufen sein. Der hatte gewiss bei einem Bericht über ihn auch eine Art Brett vor dem Kopf, die ihn – finde ich, kluger Weise – sagen ließen: Nichts wie runter vom Gas und in den Ruhestand. Wollen wir doch die Freuden des Lebens genießen, anstatt im politischen Straßengraben ums politische Überleben zu kämpfen. Und das gegen Mächte, die mindestens so schlüpfrig sind wie eine Wasserlache es unter dem Reifen eines Autos werden kann.

Nordeuropäer würden größtenteils bei dem Wetter letztens gewiss von Schlechtem Wetter sprechen. In Limassol gestern unterwegs stellte sich erfreulicher Weise heraus, dass die ansonsten eher zurückhaltenden Zyprer plötzlich sehr gesprächig sein können gegenüber sogenannten Fremden. So viele zufälligen Bekanntschaften wie gestern habe ich nun wirklich noch nie an einem Tag gemacht – als sei ich einer von ihnen. Ja, jemand fragte sogar – das geschah das erste Mal und ich bin noch immer eitler Weise etwas stolz – , ob ich etwa Zypriote sei? Stellen Sie sich mal vor: Ich mit meinem kläglichen Griechisch-aktiv-Kenntnissen darf mir so etwas anhören. Und dann noch Zypriote! Bekanntlich sprechen Letztere ja eigentlich gar kein Griechisch mehr. Das ist jedenfalls meine Erkenntnis diesbezüglich.

Dass hier nicht sonderlich tief auf den Stand der sogenannten Wiedervereinigungsverhandlungen der Zyprer eingegangen wird, dürfte die Leser auf Zypernundmehr-News nicht weiter verwundern. Wenn es richtig mitbekommen wird, quasseln die Verhandlungsführenden gerade über ein 5er-Treffen, welches auch noch 5 Tage dauern soll und dass die Verhandlungen auf jeden Fall weitergeführt werden müssten. Inzwischen haben sie sich auf den 09. Januar festgelegt – in Genf. Wie ich bereits in anderen Artikeln zum Ausdruck brachte, stört mich ungemein, dass diese Leute andauernd in der Schweiz verhandeln müssen. Wie, ihr sucht nach einem neutralen Ort? Der alte Flughafen von Nikosia ist dafür bestens geeignet. Viele stören sich an diesen Extravaganzen, die nichts Weiteres sind als lästige, Geld verschlingende Aufenthalte im Ausland, die die eigene Unwichtigkeit kaschieren helfen sollen. Denn, ja, es kräht fast kein Hahn nach dem, was die dort verhandeln, weil sowie kaum jemand die Sache als ernsthaft betrieben ansieht. Ein bisschen mehr Bescheidenheit muss nun endlich mal jemand von den Verhandlungsführern verlangen. Doch wahrscheinlich wächst Geld inzwischen wirklich schon auf Bäumen und wir haben es nur noch nicht mitgekriegt. Wo dieser Steuergelderbaum wohl steht?

Doch wer gibt schon gern einen großen Teil seiner Daseinsberechtigung auf? Und ja, das Zypernproblem ist für die meisten Beteiligten, die von der UNO nicht zwangsweise ausgeschlossen, zur Gelderwerbsquelle verkommen. Hierzu kann ich nur wiederholt auf die am kommenden Dienstag bei Amazon.com inzwischen in 2. Auflage erscheinende Übersetzung des Buches von Kaisar V. Mawratsas verweisen: „Gesellschaft der Proleten!“ In der Redaktion hoffen indes dennoch alle inständig, dass die eher pessimistische Haltung des Autors und seines Übersetzers, die im Buch zum Ausdruck kommt bezüglich des Ergebnisses der Wiedervereinigungsverhandlungen auf Zypern, sich nicht bestätigen wird – schließlich konnte jemand wie Trump ja auch US-Präsident werden. Da vor dem Schlafengehen in letzter Zeit die griechisch-orthodoxe Variante der Bibel gelesen wird, geht anscheinend der verloren geglaubte Glaube an Wunder irgendwie gestärkt aus dieser Nachtlektüre hervor – sprich: Die Hoffnung stirbt zuletzt, dass Zypern sich vereinigt. Das erwähnte Buch Herrn Mawratsas‘ zeigt also die Gründe auf, nämlich: Warum schaffen es die Zyprer nicht, sich zu vereinigen? Und die eventuell demnächst von Trump durchgeboxte Bestellung des US-Verteidingungsministers mit dem Spitznamen Mad Dog – vielleicht schreibt man besser gleich Kriegsminister –, lässt jetzt schon alle Katzen hier auf Zypern in Deckung gehen. Bleibt zu hoffen, dass sich hoffentlich schon bald richtig dicke reiche, so richtig reiche Leute hier auf Zypern einkaufen kommen. Kommt, bitte bitte! Die sind wahrscheinlich ein großer Garant dafür, dass die Bomben weiterhin woanders hinfallen und leider auch Tod bringend explodieren. Zu diesem recht einfachen Schluss kommt, wer sich ansieht, wie die US-Administration bestellt sein wird, vorwiegend von anscheinend Superreichen. Nur reich zu sein, reicht wahrscheinlich nicht.

april2011 019

Dass es derzeit hin und wieder keine Bombenanschläge auf Zypern gibt, kann nicht gesagt werden. Bislang haben die meisten dieser Anschläge aber lokalen Charakter – Abrechnungen in der Unterwelt oder irgendein verärgerter Mitbürger etc. sind offenbar vorrangig der Grund.

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Erneut soll hier angekommen, daran erinnert sein, dass all diejenigen, die halt doch etwas mehr über und um Zypern wissen wollen, gut beraten sind, sich über unseren Facebook-Auftritt zu allen möglichen Themen, aber vor allem zur Zypernfrage, auf dem Laufenden zu halten (www.facebook.com/w.b.secondchancepublications). Nicht erschrecken, wenn da was mit webskip wbscp steht. DAS ist in gewisser Weise auch Zypernundmehr-News. Beide sind geläufige Kürzel für den zyprischen Verlag, mit dem UNABHÄNIG zusammen gearbeitet wird!

Zum nahenden Ende des Jahres 2016 machen wir Sie darauf aufmerksam, verehrte Leser, dass der oben erwähnte Facebook-Auftritt zu unserer ‚Schaltstelle‘, sozusagen, umgebaut wird. Dort können auf nahezu täglicher Basis Stellungsnahmen schon jetzt gelesen werden und im Jahr 2017 und folgenden. Auf Zypernundmehr-News wird einmal im Monat ein Artikel erscheinen, der dann den Charakter eines Kommentars oder einer Analyse haben wird. Inzwischen ist Info über Zypern auf so vielen deutschsprachigen Portalen zu finden, dass hier sich folgende Meinung Platz gemacht hat: Den Lesern ist eher geholfen und gedient, wenn der ganze Info-Wust – nicht allein zu Zypern, aber irgendwie stets im Fokus – so an die Frau und den Mann etc. gebracht wird und einmal monatlich kenntnisreich ein Artikel erscheint zu dem, was in, um und über Zypern ‘produziert‘ wird. Geplant ist für 2017, vermehrt Interviews einzustreuen sowie einen oder den anderen visuellen und/oder akustischen Beitrag! Ihnen ein schönes Fest und einen guten Rutsch ins Jahr 2017. Nicht vergessen: www.facebook.com/w.b.secondchancepublications.

Redaktion

aliiskenderr

Regen, der reinwäscht

CYP-November 2016

Erster richtiger Regen fällt gerade hier auf Zypern. Nicht all zu dauerhaft, aber früh morgens den 01. November 2016 ist das Geplätscher doch ziemlich präsent. Sogar blitzen tut’s, irgendwo da draußen über dem weiten dunklen Meer. Vom Mond keine Spur, zumindest nicht über dem Meer das von hier aus betrachtet vor Syrien liegt. Libanon?

Die Uhren wurden hier jedenfalls der Winterzeit angepasst. Und somit ist klar, der Verfasser dieses Artikels sitzt im griechischsprachigen Süden der Republik Zypern, denn im Norden wollen sie, wie in der Türkei, nie wieder Gottes Räder der Zeit vor- oder nachdrehen. Ob auf Grund der Verhaftungswelle in der Türkei sozusagen instinktiv der Norden der Insel eher gemieden wird von mir? Das frag ich mich jetzt gerade, wo der Regen und das Blitzen im Gegensatz zu den Verhaftungen, die Erdogan vornehmen lässt im Land, eine Pause einlegen.

Es ist ganz still hier am frühen Morgen. Zu weit vom Meer entfernt, um bei zu viel Flut, bei zu viel Zorn, der womöglich vom Himmel kommt (oder von Menschen, die was auf dem Kerbholz haben), in den Sog des Wassers gezogen zu werden. Das hoffen wir hier oben, oberhalb des Meeres jedenfalls, auf knapp 100m.

Ja, das Argument mit dem Kerbholz, sollten Sie die Klammer vorhin mit gelesen haben, hat mich kürzlich überzeugt, als eine Journalistin zur Lage in der Türkei so in etwa meinte: Das Regime von Ankara ist so grimmig und erbarmungslos, weil zu viele Politiker der Regierungspartei und andere, die das System Erdogan stützen, was ausgefressen haben. Die versuchen nun mit allen Mitteln, ihren begangenen Schmutz unterm Tisch zu halten. Und daher auch das Gerede, schlussfolgere ich, von „Reinigung!“, die durchgeführt gehörte – Erdogan zufolge. So ausgeprägt sollen diese Reinigungsmaßnahmen in der Türkei inzwischen sein, dass kürzlich der Weg zum Mausoleum Atatürks in der Hauptstadt Ankara von LKW’s in der Stadt versperrt gewesen sein soll. Straßen waren plötzlich umgeleitet oder gesperrt worden aus fadenscheinigem Grunde. So als ob jemand das Erinnern an den einstigen Supermann in der Türkei, Kemal Atatürk, verhindern wollte.

Zum großen Reinemachen kommt es nun endlich auch in der Zypernfrage. Endlich! Anscheinend treffen sie sich dazu am 07. November 2016 in der Schweiz, in einem Ort namens Mont Pelerin. Schön in den Alpen gelegen dürfte der sein. Dass der Griechischzyprer Anastasiadis, wie zuvor geplant, die Parteiführer der zyprischen Parteien nun doch nicht dorthin mit nimmt, lässt schon fast glauben, dass die Wiedervereinigung Verhandelten mit einer Lösung der Frage namens Zypern vom alpinen Berg steigen könnten.

Wahrscheinlich werden sie von Helikoptern dort hoch geflogen. Und sollten die Verhandlungen unfruchtbar sein und bleiben, wünschte man sich wohl, die Herren – und auch einige Damen? -, die da zu einer Einigung kommen sollen, wären dazu angehalten worden, den Weg nach dort oben mit einem Schweizer Führer hochzuklettern. Schön langsam und beschwerlich. Solche Touren oder Trips sind es ja doch meist, die die Teilnehmer daran etwas zusammenschweißen.

Vielleicht hätte man das plus gemeinsamem Abstieg organisieren sollen für Die, werden wir vielleicht im Nachhinein sagen, wenn NICHTS sich geändert haben wird an der Aufteilung der Insel. Und womöglich wäre so ein Aufstieg auch noch billiger gekommen, als mit Helikoptern dort hochgeflogen zu werden. Oder glauben Sie etwa, dass die erlesene Entourage von Herrn Anastasiadis und Herrn Akinci – in besten Hotel gastierende Verhandlungsführer einer Wiedervereinigung, an die so recht niemand wirklich glaubt, dass sie beim Verhandeln wirklich herauskommen wird am 11. oder 12. November 2016 – mit dem Bähnchen nach dort oben fahren? Anscheinend soll das Bähnle von Vevey aus diese gewiss schöne Reise auf den Mont Pelerin anbieten. Die zyprischen Politiker müssten gewiss auch keine einigermaßen erschwinglich teuren Tickets lösen fürs Bähnle, wie der Rest der Besucher dieser Gegend. Denn die Schweiz übernimmt ja netterweise die Organisation dieses Events.

Gehen wir mal davon aus, dass ‚das Gewerbe‘, wie man sagt, trotz der Höhe und trotz der relativen Distanz zu Genf seine Stellung gerade am Beziehen ist in Mont Pelerin, und das eventuell auf eigene Kosten. Letzteres dürfte gewiss so normal sein, wie eben der Umstand, dass wie beim letzten Mal, als in Bürgenstock die Wiedervereinigung Zyperns verhandelt wurde, die Herren und Damen aus Zypern, den Ort, wie auch jetzt wieder, mehr oder minder nicht verlassen konnten. Es soll halt eine Art Klausur-Stimmung herrschen, die so manchem an Genf gewöhnten Verhandler die Lust am Verhandeln genommen haben mag damals – siehe das Ergebnis von einst: OXI, also NEIN. Ja, es dürfte manch Teilnehmer an den Verhandlungen dort oben auf dem Berge recht dröge sein oder werden, so weggeschlossen wie ein Strafgefangener, ein einsamer Kuhhirte oder ein Mönch.

Wir dürfen also gespannt sein, welche Kuhhandel ausgehandelt werden bezüglich Zypern. Bekanntlich gibt es in den Schweizer Bergen Kühe, die allerdings zu dieser Jahreszeit schon längst ins Tal abgetrieben wurden.

Und ob die schönen Tierchen je so hoch ins Gebirge kommen?

Doch zu einem Kuhhandel unter Zyprern wird es dennoch kommen müssen in Mont Pelerin, egal, wie die Qualität des Grases draußen vor den Konferenzräumen dann auch sein mag. Man wird dort also den Boden einer zukünftigen zyprischen Realität vorerst endgültig und gemeinsam ausloten, ja sogar, wenn der Boden zwar grün wie Gras ist, aber künstlich wie manche grüne Fläche, auf die man neuerdings mal hie, mal da treten soll, wissend, es ist kein Gras, sondern plumpes Stück Plastik, auf welches man gerade tritt.

Hier genau darüber die üblichen Spekulationen aufzureißen, nämlich, ob man sich darauf einigen wird, dass die Stadt Güzelyurt (Morfou) auf Zypern wieder an die Griechischzyprer übergeben wird, ebenso wie Gazimagusa (Famagusta), damit werde ich Sie nicht langweilen. Ebenso die Frage nach dem Verbleib der sogenannten türkischen Siedler oder ob man sich nun doch noch einigen kann, die Präsidentschaft sozusagen jeweils im Turnus passieren zu lassen: einmal ein Türkischzyprer und einmal ein Griechischzyprer. Und was wird sein, wenn in vielleicht nicht all zu weiter Zukunft ein Türkischzyprer mit eindeutig festlandtürkischen Wurzeln unbedingt das Präsidentenamt anstreben soll? Was, wenn ein, sagen wir, auf Zypern lebender Schweizer oder Franzose sich zum Präsidenten machen lassen will, weil auch er (oder sie) wie der Türke inzwischen Zyprer ist? Schweigen wir doch vorerst bestens gleich zum Thema Schutzmächte und warten ab, was Die da oben in Mont Pelerin dazu auskaspern werden. Die Türken wollen die Schutzmacht jedenfalls, die anderen angeblich nicht.

Viel zu weit gedacht. Das haben Sie richtig erkannt, verehrte Leser. Viel zu kompliziert, die zuvor aufgeworfene Frage der Präsidentschaft eines Festlandtürken oder Schweizers in der zukünftigen Republik Zypern? Doch noch so viel zu diesem Thema, wozu uns Pambou Charalambous in der Alitheia-Tageszeitung vom 30. Oktober 2016 weiterhilft:

„… Von 1964 bis heute besitzt Zypern ein Wesen [Existenz] als Staat, es hat jedoch seine griechische Identität verloren.“

Und Letztere soll bereits in etwa dem 11. und/oder 12. Jahrhundert sich hier auf der Insel festgemacht haben. Vor den Griechen waren Ägypter, Perser, Römer usw. diejenigen, die sich womöglich „Zyprer“ nannten.

„Seit 1974 hat sich die demografische Situation Zyperns dramatisch geändert“, schreibt Charalambous des Weiteren.

„40% der Insel haben inzwischen keine griechischen Bürger, sondern Türken. Zu solch demografischem Phänomen kam es im Lauf der Zeit zum ersten Mal, und zwar innerhalb 33 Jahren. Und diese Entwicklung geschieht zum Zeitpunkt, wo die Griechsichzyprer ein Staatswesen haben.“

***

Die letzte Phase der Verhandlungen zur Wiedervereinigung Zyperns wird also demnächst in der Schweiz angebrochen. Wollen wir mal hoffen, dass es nicht zu einer Art wallonischen Lösung kommt – siehe CETA. Und genau das ist womöglich zu befürchten. Sollte das der Fall werden, wäre es vielleicht doch angebracht, denken nun gewiss einige, die sogenannten Schutzmächte verharrten noch ein Weilchen auf der Insel (England, Griechenland und die Türkei) – denn die allgemeine Stimmung unter Zyprioten ist nun nicht gerade so toll auf der Insel, dass man die beiden Bevölkerungsteile mit nicht ganz ausgehandelten, womöglich sonder-rechtlichen Abkommen aufeinander ‚loslassen‘ sollte. Die bewaffneten Auseinandersetzungen in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf Zypern sind doch hoffentlich jedem, der in Mont Pelerin verhandelt und zu gerne sich mit einer Wiedervereinigung in die Annalen der Historie eingehen sehen würde, noch bewusst?

Ja, manchmal ist dieser Gedanke schon präsent, dass beispielsweise der Generalsekretär der UN, Ban Ki Moon, das ‚Ding‘ einfach abgeschlossen haben will, um sich damit – und sei es auch nur für einen Tag – zu schmücken. Barak Obama würde gewiss auch nicht „Nein!“ Sagen zu solch Schmuckstückchen wie einer ‚gelungenen‘ Wiedervereinigung Zyperns.

Beide verlassen bekanntlich schon demnächst ihre Posten oder Ämter.

Ob es also ein Nehmen und Geben sein wird, welches das Treffen in Mont Pelerin auszeichnen wird oder aber, dass jede verhandelnde Partei doch eher versucht, ihre Interessen durchzuboxen, anstatt eine Art Konsens zu suchen, werden uns die Geschichtsbücher schon demnächst lehren.

Und da wäre, hier angekommen, ja auch noch Moskau zu erwähnen. Dorthin hat sich nämlich der zyprische Außenminister, Kasoulidis, auf den Weg gemacht, wahrscheinlich, um von Herrn Putin Inspiration zu erhalten für Mont Pelerin.

Ein gewisser Kostas Melakopidis soll gerade ein Buch herausgebracht haben, welches sich der russisch-zyprischen Beziehungen widmet. Es wird allerdings von einem Journalisten der Alitheia, Alekou Konstantinidis, völlig zerrissen. Das Buch heißt: „A pragmatic idealist perspective!“

Der Autor Melakopidis schreibt in seiner Analyse der angesprochenen Beziehung von einer Art fundamentalen Beziehungsgeschichte, die bestehe. Das Letztere soll etwas sein, wo nicht allein die Interessen eines Landes vertreten und durchgeboxt werden, sondern wo eher so etwas wie eine religiöse und noch anders geartete gleiche Gesinnung den Ton angeben. Wahrscheinlich nimmt der Autor auch Bezug darauf, dass der Hellenismus und somit die Hellenen den Russen eigentlich gar nicht so kulturell entfernt seien – und man in seinen politischen Beziehungen darauf Rücksicht nehme.

Alekou Konstantinidis, der Journalist der Alitheia, spricht sich gegen solche Auffassung aber klar aus und meint, dass Russland sich stets gemäß seiner Interessen verhalten habe gegenüber Zypern, siehe 1978:

„als Moskau den westlichen Rahmen ablehnte, um die Zypernfrage zu begleichen …“.

Konstantindis findet, dass der Wissenschaftler Melakopidis, der an der Universität Zypern forscht, mit seinen Positionen zum Verhältnis Zypern-Russland maßlos übertreibt – auch, was die Zeit nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion angeht.

Dass Russland aber ein Wörtchen mit zureden hat auf Mont Pelerin, kann nicht von der Hand gewiesen werden, auch wenn man sich in die Schweizer Berge versteckt.

Putin ist überall!

Ungefähr so, wie Erdogan es gerne im Nahen und Mittleren Osten sein würde – und wenn es irgendwie geht, dann mindestens auch noch in Südosteuropa, zumal der Islam doch eh ein Teil beispielsweise deutscher Kultur inzwischen ist! Der deutsche Präsident hat es schon verordnet oder verkündet, die Kanzlerin zumindest nachgesprochen, also leben wir es besser schon gleich? Gern, aber nicht so, wie sich Herr Erdogan den Islam vorstellt, mögen Sie denken!?

Inzwischen scheint die Sonne. Alles klar, noch einmal Schwimmen gehen im Meer, muss schon sein, bevor der Flieger bei Basel heute Nacht aufsetzt und Regen wohl was ganz was Gewöhnliches für einige Zeit wieder sein wird.

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