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Archive for the ‘Türkei’ Category

Der Parlamentarier der türkischen CHP, Herr Aytuğ Atıcı, hat sich was ganz besonders ‚Perfides‘ einfallen lassen. Er hat es offensichtlich geschafft, dass sich ein Teil der Erdoğan-Katze in den eigenen Schwanz beißt: miäauuu!

Bekanntlich hat der turkische Minister für Energie und natürliche Ressourcen so seine ‚eigenen‘ Vorstellungen, und zwar darüber, wie und dass die Türkei ein Atomkraftwerk braucht. Hurra! Schrien da vorrangig die Griechischzyprer laut und vor wachsender Begeisterung gen Brüssel und natürlich New York.

Noch froher, Scherz bei Seite, machte sie, als vor kurzem die Russen aufhörten, an dem Atommonster unweit von Zypern auf türkischem Festland zu bauen.

So ganz nebenbei sei bemerkt, dass der Minister für Energie und natürliche Ressourcen Berat Albayrak heißt. Er hat sich sogar einen Doktortitel erworben davor. Seine Doktorarbeit hatte Atomkraftwerke und das Für und Wider für die Türkei, will ich es mal grob benennen, zum Thema. Herr Albayrak ist ein Teil des Erdoğan-Clans, sollten Sie noch erfahren, denn er ist zufällig der Schwiegersohn von Präsident Erdoğan selbst.

Als der vorherige Ministerpräsident der Türkei Ahmet Davutoğlu von seinem Amt zurücktrat, oder zurückgetreten wurde, waren nicht wenige besorgt, dass Herr Albayrak diesen Posten ausfüllen könnte. Wahrscheinlich war es dem Schwiegervater Herrn Albayraks doch zu heiß, den Schwiegersohn auf so hohen Posten jetzt schon zu setzen. Wer die Doktorarbeit des Letzteren liest, die in Auszügen im Parlament in Ankara verlesen wurde von dem bereits erwähnten CHP-Abgeordneten Atıcı, versteht, dass sich der ‚Junge‘ wohl noch etwas bewähren muss. Er ist noch nicht ganz ‚oben‘ angekommen. Wie sollte er auch, so lange der Alte, also Erdoğan selbst, noch auf dem Thron thront.

Immer langsam!

Dass der jetzige türkische Präsident ein Hang zur Größe und Superlativen zu haben scheint, wird wohl bereits aufgefallen sein. Und da gehört selbstverständlich ein Atomkraftwerk in die Landschaft der Türkei gesetzt, genau so wie in Naturschutzgebiete ein Regierungschloss (Saray) oder in der Provinz Artvin auf Teufel komm raus ins schönste, fruchtbare Grün Goldgräber anscheinend entlassen gehören.

Money, money, PARA!

Gott ja, Ramadan 2016. Kein Hinderungsgrund in Sachen Gelderwerb zwecks eingebildeter oder tatsächlicher Macht. Nur, was in der Doktorarbeit des Herrn Schwiegersohns steht … .

OK, es ist und war eine Jungendsünde?

Der arme Herr Schwiegersohn.

Wie konnte er auch nur solch unpassende Positionen beim Doktorwerden vertreten. In der türkischen Cumhurriyet-Tageszeitung vom 06. Juni 2016 schreibt jemand http://www.cumhuriyet.com.tr/haber/siyaset/546629/_Damat_in_Meclis_teki_zor_anlari…__Sikintiya_girdi__cevap_veremedi_.html , was der CHP-Abgeornete Atıcı so alles in der Doktorarbeit beispielsweise auf S. 19 zum Thema Atomkraftwerke gefunden hat.

Herr Albayrak ist ja scharf darauf, seinem Auftraggeber, also dem Schwiegervater, es Recht zu tun. Und da steht in seiner Arbeit geschrieben:

„Der wichtigste Nachteil der nuklearen Energie ist, dass die Überreste des Spaltprozess‘ für viele Jahre irgendwo auf sichere Art und Weise eingelagert werden müssen. Was dem Reaktor als Brennmaterial gegeben wird, wird lediglich zu einem Prozent verwertet, der Rest wird zu Asche und in dieser Phase muss sein hoch-radioaktives Überbleibsel auf sichere Art und Weise gelagert werden.“

Albayrak wirft im Parlament zu Ankara daraufhin ein, dass er in seiner Doktorarbeit ja von einem Reaktor ausgegangen sei, der dem Metsamor-Reaktor in Armenien gleicht und der wirklich bedenklich sei. Außerdem habe er doch gar nichts gegen die Verwendung von Nuklearenergie. Man werde aber in Akku (ein Ort unweit Zyperns also) die neueste und beste Technologie in Anwendung bringen anstatt.

Doch Herr Atıcı von der oppositionellen CHP ließ sich offenbar nicht aus der Spur bringen und schlug in der Doktorarbeit einfach die Seite 20 auf und darin steht unter anderem:

„Was an dieser Technologie das Furchterregendste ist, ist, dass im Falle eines Unfalls die Umwelt ziemlich wahrscheinlich keinesfalls mehr gesäubert werden kann. … . Die [türkische] Gesellschaft ist gegen diese Technologie, weil sie zum einen die [landwirtschaftliche] Produktion tangiert und zum anderen wahrscheinlich nicht dazu verwendet werden wird, damit friedlich umzugehen.“

Gong! Knock Out-Analyse!

Jedenfalls hat Herr Schwiegersohn daraufhin nichts mehr einzuwenden gehabt im Parlament. Schwiegerpapa wird begeistert sein von solch heiklen Details und Denke.

Der ist derzeit ja eh damit beschäftigt unter anderem, Ende dieses Monats seine Drohungen wahr zu machen? Wir werden es also schon bald sehen, ob er den Flüchtlingsstrom wieder gen Norden ziehen lässt. Deutsche Politiker und andere signalisierten bereits, dass sie diesmal nicht kleinbeigeben werden.

In gewisser Weise passt zu eben Geschildertem ganz gut das, was Şener Levent am 06.06.2016 in der griechischzyprischen Politis-Tageszeitung schreibt und auch, was hier auf Zypernundmehr-News im Artikel vor diesem geschrieben steht.

Levent beschwert sich seit einigen Tagen in der Politis, dass bitte sehr mit wem in Sachen Wiedervereinigung von Seiten der Griechischzyprer verhandelt wird? Er findet nämlich, die Türkei habe in letzter Zeit alle wichtigen Firmen, Posten etc. besetzen lassen von Festlandtürken ın Nordzypern. Sogar im nationalen Fernsehsender BAYRAK sei nun ein Türke der Chef.

Die kaufen allen Grund und Boden auf, der einigermaßen gut gelegen ist, meint Levent. Könnt ihr denn nicht sehen, dass wir bereits zu einem Teil der Türkei geworden sind? Diese Frage seinerseits ist gewiss etwas überspitzt, doch ganz unangebracht scheint sie denn auch wieder nicht zu sein. Im letzten Jahr hätten sich die Türken auf Zypern breiter gemacht, denn jemals zuvor, findet Levent. Einerseits wird verhandelt und andererseits wird abgeräumt.

Mit wem glaubt ihr eigentlich zu verhandeln, fragt Levent. Alle Hügel mit Aussicht haben sich türkische Hotels gekrallt. In Morfou, also der Stadt Güzelyurt, hat sich eine neue Uni eingerichtet, die aus der Türkei kommt. Jetzt nehmen sie sich den Hafen. 15 Unis gibt’s bereits ım Land. Die schreiben, sagt Levent, wir hätten hier 85.000 Studenten. Doch 55.000 davon sind taktische Studenten, meint Levent. Die anderen, die sich einschreiben, beschäftigen sich mit anderen Dingen. Man produziert eine Art Schwarzmarkt-Dynamik dergestalt, findet Levent und beschwert sich darüber.

„Bei uns herrscht eine türkische Identität und keine zyprische!“

Die Europäer sehen nicht, wie heutzutage die Kurden in der Türkei abgeschlachtet werden. Die gucken anstatt 100 Jahre zurück – zu den Armeniern. Das interessiert. Total blind für das, was gerade abgeht. So ungefähr mag Levent vielleicht ausgedrückt werden – frei übersetzt.

Die Türken werden im Norden nie zu einer Einigung kommen, schreibt er. Die haben sich da eingerichtet. Nichts drin mit Wiedervereinigung. Vergesst es!

Şener Levent scheint sich über Letzteres inzwischen im Klaren zu sein.

Und Präsident Anastasiadis?

Herr Akinci?

Was soll das Spiel, das außerdem genau so seit mehreren Jahrzehnten abgezogen wird. Jedes Jahr und mit jeder Regierungsübernahme werden Wiedervereinigungs-Hoffnungen in die Welt gesetzt, an deren Realisation gar niemand wirklich interessiert ist. Hoffnungen bleiben hier auf Zypern bezüglich Wiedervereinigung Hoffnungen. Vielleicht hat es ja damit zu tun, dass in türkischen Volksliedern wie auch griechischzyprischen sogenannte Vergebliche-Liebe das Thema Nummer 1 ist: „ … ich schließ Dir Deinen Mund mit tausenden Küssen …“, dieser Refrain eines populären Liedes wird auf Griechisch beispielsweise gern und oft gesungen. Ich weiß nicht so recht, ob das auch noch zur Wiedervereinigungsproblematik passt?

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Türkei und das Erdgas

OK, dass Zypern davon träumt, auf dem Energiesektor eine Art Global Player zu werden wegen seiner Lage zwischen Europa und dem Nahen Osten, ist ja hinlänglich bekannt – vor allem jetzt gerade, wo vor Ägypten anscheinend wirklich eine große Menge Erdgas ausgemacht wurde. Doch wie sieht es damit eigentlich in der Region aus? Dass in Libyen Erdöl gefördert wird, das weiß man, doch weniger bekannt und durchsichtig scheint zu sein, welche Rolle die Türkei spielt. Und das was folgt, wird einigen verständlicher machen, warum der Präsident Erdogan so selbstherrlich auftritt. Die zyprische Alitheia-Tageszeitung hatte am 02. August 2015 eine interessante Beilage zum Thema. Hier also eine weitere Übersetzung aus einer griechischsprachigen Zeitung Zyperns, wie meistens in Auszügen:

„Ökonomische und politische Entwicklungen in den Staaten, die dem Kaukasus nahe sind!

Diplomatie der Pipelines

Beim Treffen der Schwergewichte in Sachen Energie, ist eine häufige Frage gewesen: Wer ist eigentlich der Außenminister Russlands? Die Antwort darauf ist: Gazprom. Das Unternehmen mit dem meisten Kapital in der Welt. Es gilt hinzuzufügen, der ehemalige Bundeskanzler Deutschlands, G. Schröder, ist leitender Berater dieses russischen Unternehmens für Erdgas und Petrol. Daran können wir seine politische und ökonomische Größe ermessen. Parallel kämpfen Länder wie Aserbaidschan, Kazakistan, die Türkei, die USA, Deutschland, andere Förderländer, und nicht nur die von Erdgas und Erdöl, mit Russland um die Hauptrolle, während überstaatliche Organisationen wie die EU versuchen, mit allen Mitteln zu nutznießen. Jedenfalls ist sicher, dass die Energie als Mittel funktioniert, seine Pläne positiv zu realisieren, die zu anderen Zeiten entweder einer vertraglich festgelegte Außenpolitik bedurft hätten oder aber des Einsatzes von Waffen … .

Russland

Der Entscheid Russlands, die Erneuerung des Verlaufs der Pipeline namens South Stream zu planen – über die Türkei -, tut vielen europäischen Staaten weh. Jenen, die ihre Hoffnung auf die South Stream zwecks Stabilität in der EU in Sachen Energie gelegt hatten, wurden enttäuscht. Obgleich dieser Schritt Moskaus aus vielen Perspektiven betrachtet werden kann, erzeugt er in Wirklichkeit viel Spannung in der russischen Strategie im weiteren Sinne.
Die Idee, andere Mächte in der Region zu stärken – überlebenswichtig -, um eine multipolare Lage zu kreieren, gibt der russischen Agenda jetzt Zeit. Das ergibt sich aus den Kontakten und den Vereinbarungen, die Russland einging mit China, Indien und der Türkei. Um mit den starken Mächten zu verhandeln, braucht Russland eine Art Ergänzungsmannschaft. Russland ist eine Energie Supermacht. Und die Förderung von diesen Rohstoffen hat Auswirkungen auf die Außenpolitik auch angesichts des Preisverfalls vor kurzem von Petrol und Erdgas.
Die Richtungsänderung der South Stream gibt der Türkei strategische Wirkkraft auf dem Balkan, im Kaukasus und gegenüber der EU. Durch den Vertrag [mit der Türkei] gewann Russland einen großen Markt mit all dem, was es für seine Wirtschaft mit sich bringt, wobei die Türkei das Erforderliche dazu sicherstellt. Sie erhält Erdgas und gewinnt Einfluss im Gegenzug. Der [zuvor bezeichnete] Schritt Russlands wird erregt und negativ diskutiert im Ausland. Die Kritik konzentriert sich auf die Tatsache, dass es Putin nicht nützen wird, den traditionellen Feind, die Türkei, zu stärken, den geostrategischen Antagonisten. Darüber hinaus gibt es noch Syrien, die Krim, die konfliktreiche Armenien – Aserbaidschan Angelegenheit, wo Russland und die Türkei sich gegenüberstehen, wo alles offen ist [so auch, was Zypern angeht, wo zur Regierungszeit von Xristofias die Republik Zypern durchaus einige Schritte auf Russland zugegangen war, wovon gewiss der eine oder andere noch aktiv wirkt – politisch und/oder in der Diplomatie].

Die Türkei

Erdogan, der bei der Einweihung der Pipeline TANAP eine Rede hielt, die nur eine der Energie führenden Wege ist und dienlich dazu, die Türkei zu einem Energie-Hub zu machen, sagte unter anderem das Folgende: „Die Türkei hat in der letzten Dekade eine vorsichtige Vertiefung ihrer Politiken bezüglich der Pipelines verfolgt … .“ Und wir fügen hinzu: mit vielfachen Auswirkungen in der türkischen Wirtschaft. Es wurde errechnet, dass allein für die Erforderlichkeiten der TANAP in den kommenden Jahren 1,1 Millionen Tonnen Stahl in Rechnung stehen, die gebraucht werden. Die türkische Presse betont unter anderem das Folgende: „Die Annullierung des South Stream Plans durch Russland und die Hinwendung zum geplanten Turkish Stream, hat die strategische Zusammenarbeit auf dem Energiesektor der Türkei mit Aserbaidschan, mit Russland und nahe gelegenen Gouverneuren im Irak (Irakisch Kurdistan) ziemlich autonom Fahrt aufnehmen lassen. … . TANAP vertritt einen wahren, internationalen Plan mit wichtigen Abzweigungen für den weltweiten Energiezweig; er ist eben auch eine hervorragende Chance für den Reifeprozess der BOTAS ( das ist die staatliche Unternehmung der Türkei, die hauptsächlich im Bereich Beförderung von Erdgas und Petrol tätig ist) zu einem internationalen Player im Energiesektor aufzusteigen (Sabah-Tageszeitung 20/03/2015).
Der Plan der Beförderung der Türkei zu einem wichtigen Player in Sachen Energie in der Region bringt neue Tatsachen zur Welt. Das schon charakteristisch zu bezeichnende Beispiel ist der Turkish Stream, der vielleicht die Notwendigkeit der russisch-türkischen Zusammenarbeit signalisiert. Und das in der Region, wo der Bruch der Beziehungen Russlands mit dem Westen weitreichende Folgen hat. Auch wird untersucht, ob eine Unterwasserleitung, israelisches Erdgas über die Türkei nach Europa bringen kann, wo bereits die Rede von einer Vereinbarung auf 25 Jahre ist, das Erdgas-Abkommen, welches die Beziehungen der beiden Länder miteinander verbessern wird.
Auf der 14. Internationalen Türkischen Konferenz für Petrol und Erdgas, die letzten März in Ankara stattfand, wurde sichtbar, dass ¾ der weltweiten Vorkommen von Petrol und Erdgas in Gebieten liegen, die in der Nachbarschaft der Türkei sich befinden, also in Ländern Zentralasiens, dem Kaukasus und im Mittleren Osten.
Abgesehen von der Turkish Stream und der Pipeline TANAP (die Erdgas von Aserbaidschan au der Bohrstelle Schah Deniz nach Europa via der Türkei und Georgien als Abzweiger des South Stream Corridor bringen soll, das unter anderem auch den Pipeline-Verlauf bekannt als TAP beinhaltet) durchziehen die Türkei noch weitere Pipelines, die entweder bereits arbeiten oder in Planung sind. Es gibt zum Beispiel die Blue Stream, die das Kaspische Meer durchzieht und seit Jahren Erdgas in die Türkei bringt. In der Türkei endet auch die Süd-Kaukasus-Pipeline, welche aserbaidschanisches Erdgas vom Schah Deniz anbringt (die Türkei deckt 26% ihres Energiebedarfs aus eigenen Quellen). Gleichzeitig laufen Verträge mit dem irakischen Kurdistan, um dem autonomen kurdischen Gebiet zu ermöglichen, 20 – 30 Millionen Kubikmeter Erdgas über die Türkei abzuleiten. Im Dezember 2014, als die auf 50 Jahre festgesetzte Zusammenarbeit mit der Türkei bekanntgegeben wurde, sagte der Minister für Entwicklung des Irakischen Kurdistans, dass „das Ziel ist, das Erdgas bis 2017 anfängt zu fließen. Nun, viele schätzten, dass das dynamische Erscheinen des irakischen Erdgas auf dem Markt einige Kettenreaktionen verursachen wird. Die Erklärung dessen ist: Das irakische Erdgas ist billiger als das iranische (um 50%). Im gleichen Monat schreibt die arabische Internetzeitung Al Monitor, dass der Iran und Türkmenistan Interesse bekundet haben, sich an die TANAP-Pipeline anzuschließen – auf der Suche nach Netzen zum Vertrieb ihres Erdgases auf die Märkte angesichts der neuen Tatsache, nämlich, einer möglichen Wiederannäherung des Irans mit dem Westen.

Pipelines und Griechenland

Inmitten des großen Durcheinanders bei den Verhandlungen Griechenlands mit seinen internationalen Gläubigern begab sich der [ehemalige] griechische Ministerpräsident nach Moskau zu einem offiziellen Treffen mit Wladimir Putin. Im Verlauf des Treffens mit der Presse, welches folgte, kam heraus, dass Russland Griechenland eine engere Zusammenarbeit angeboten hat in Sachen Erdgas. Dieser Vorschlag wurde von Putin als großer Player gemacht, der die Situation der griechischen Ökonomie [aufs Mal] änderte. Putin sagt, Griechenland könne hunderte von Millionen Euro verdienen durch das Weiterleiten von Erdgas, jährlich. Er fügte hinzu, dass Griechenland dieses Einkommen benutzen könnte, seine Kredite an die Gläubiger zurück zu zahlen. Putin sagte auch, dass Russland die Möglichkeit untersuche, Griechenland Geld zu leihen, um die Arbeit im großen Maßstab in Sachen Erdgas zu schultern – durch die Allgemeinheit. Das war eine Anspielung auf die Turkish Stream, die Pipeline, die im Dezember 2014 der Präsident Russlands verkündet hatte, die eine Pipeline ist, von der erwartet wird, dass sie einen wichtigen Anteil russischen Erdgases nach der Türkei und Europa bringt – die Ukraine ab dem Jahr 2019 umgehend.
Der russische Präsident hatte verkündet, die türkisch-griechische Grenze solle derart Ende 2016 erreicht werden (es wird mit 40 Mill. $ veranschlagt). Ziel ist 2019 russisches Erdgas zu liefern, welches heutzutage über die Ukraine fließt (40% insgesamt der 140 Kubikmeter, die nach Europa exportiert werden) wird entsprechend anstatt an der türkisch-griechischen Grenze sich einstellen. Ein Plan, der nicht nur Bedeutung im Energiebereich besitzt, sondern auch diplomatisch, da derart die Fördermengen der Gazprom nicht mehr abhängen von der feindlichen Ukraine und gleichzeitig der Fluss hunderte Millionen Dollars nicht mehr wie heute von der Regierung in Kiew verschlungen werden. Russland versucht ebenso den europäischen Markt von den amerikanischen LNG – Produkten zu lösen, von denen erwartet wird, dass sie 2016 dort aufkommen, sowie von der Entwicklung neuer Netze, die die Lieferung von Erdgas nach Europa aus Aserbaidschan, Türkmenistan und wenn es die politischen Umstände erlauben, aus dem Iran fördern.
Nach Aussagen des [ehemaligen] griechischen Ministerpräsidenten kann der Bau einer Pipeline, die die Pipeline an die türkisch-griechische Grenze mit der nach Skopje anbindet (von wo das Erdgas nach Österreich durch Mazedonien und Serbien sowie Ungarn fließen könnte), wird großen Einfluss nehmen, bezüglich der Kreation von Arbeitsplätzen in Griechenland.
Darüber hinaus hofft Griechenland, dass eine Vertiefung der Zusammenarbeit des Erdgassektors mit Russland zu einem gehörigen Fluss von russischem Erdgas führen dürfte – auf einem Niveau von 10%. … .Vergleichen wir das russische Paket mit dem der Kreditgeber Griechenlands ist das Ergebnis“ … , dass das Angebot der Russen eigentlich wesentlich günstiger ist, was das Geld angeht.
„Zuletzt. Es gilt darauf zu verweisen, dass Putin ein weiteres Mal nach den 15 Jahren Abenteuer mit der Pipeline von dem bulgarischen Bourgas nach dem griechischen Alexandropoulos in den Wunsch Griechenlands investiert, eine wichtigere Rolle als Knotenpunkt beim Weiterleiten von Energie nach Europa zu spielen, was ja sein Vorschlag an Herrn Tsipras war. … .“

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Die Hitze der letzten Tage ist gerade etwas gedämpft. Mag sein, dass das auch im Politischen zutrifft. Was die Türkei indes angeht, scheint die Politik der AKP unter Erdogan gerade an die Wand gefahren – das Vehikel brennt lichterloh.
Um Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, was so in etwa gerade abgeht in der Türkei, wurde ein Artikel vom 24.07.2015 in der Sözcü von dem ‚guten‘ alten Herrn Cölasan für Sie herausgefischt – weil der konnte schon damals, als er noch für die Hürriyet schrieb, die Regierenden unmissverständlich bekritteln.

„Liebe Leser! In der Türkei ist nirgendwo Sicherheit übriggeblieben. Den Platz des Staates haben Terrororganisationen eingenommen. Die sind jetzt für Sicherheit zuständig. Jede dieser Organisationen hat ihre eigene Sicherheit. Ein Abgeordneter der AKP hat vor ein paar Tagen die Lage in seiner Region beschrieben: „Wir werden hier von der PKK regiert. Es gibt hier Gerichte der PKK. Zum Beispiel ist deren normales Gericht in Van und das der Ebene darüber in Diyarbakir. Die Urteile, die die fällen sind zulässig. Berufung gibt es nicht … . Nur weil die Urteile schnell gefällt werden, ist die Bevölkerung zufrieden!“

In der Region nimmt der Terror zu und die Polizei kreuzt lediglich auf, wenn etwas passiert ist. Die Soldaten sind in den Kasernen. An der Grenze nach Syrien laufen die lediglich auf. An der Grenze hören Sie, [verehrte Leser], täglich von schwerem Kriegsgerät, Konvois, Rotmützen, Schützengräben, die ausgehoben werden. Dass etwas getan wird, doch was, das weiß niemand.

Nicht nur im Osten und dem Südosten der Türkei herrscht Unsicherheit. Das ist auch der Fall in Istanbul. Null-Sicherheit! Die Grenzen gleichen einem Sieb.

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Nun werde ich die Darstellungen eines Kollegen von gestern wiedergeben. Er berichtet von der Lage im Land. Die Sabah-Tageszeitung berichtet also folgendermaßen: „ … Seltsame Gestalten sind den Mord in Suruc ausnutzend wieder aufs Trapez gekommen. Von Istanbul nach Mersin, von Diyarbakir nach Van haben dunkle Mächte die Straßen in ein Schlachtfeld verwandelt. Vermummte haben bis in den Morgen um sich geschossen, Bomben platzen lassen, Parteibüros und -häuser in Brand gesteckt. Provokative Kräfte haben sich mit der Polizei ein Shoot-Out geliefert. Molotof-Cocktails, Feuerwerkskörper und Steine flogen. Genau so sieht Vandalismus aus, den sie darstellten.“

Die geschilderte Sachlage der Kollegen der anderen Zeitung ist zwar unvollständig, aber sie stimmt. Was halt stimmt, das stimmt! Und wer verantwortet das?
Wo ist der Staat, wo die Regierung?

Gewiss haben Sie diejenigen im TV gesehen, die wegen der Angelegenheit in Suruc auf die Straßen in Istanbul gingen, um zu protestieren: im Parka, vermummt… . Und in ihren Händen halten sie automatische Schusswaffen. Die marschierten so durch Stadtmitte.

Nun, wo war die Polizei?
Die war nirgends!

Offensichtlich wurde ihnen angeordnet, sich dort nicht blicken zu lassen, damit nicht noch Schlimmeres passiert.

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Wegen dem Vorfall in Suruc wurden in Ceylanpinar, Provinz Urfa, aus Rache 2 Polizisten zu Märthyrern. Im Osten, Südosten und verschiedenen anderen Regionen gibt es einen großen Tumult. Ein Terroranschlag nach dem anderen. Nun gerade noch einen Beitrag eines Kollegen von gestern, aus der Yeni Safak der Titelseite entnommen, wo auch ein Foto zu sehen ist: „Der Bandit wurde rasend. 13 Vehikel setzten sie in Brand. In Kagizman, Provinz Kars, haben so um die 30 bewaffnete Terroristen 8 LKW, einen LPG-Tanker, 2 Pick-Up und 2 PKW angesteckt. Die Busse, die gerade vorbeikamen, wurden angehalten und den Insassen die Handys abgenommen … .“

Fahrzeuge wurden also angezündet. Bis ins kleinste Detail gibt es Fotos davon.

Nun, wo ist die Polizei, wo der Staat?
Gibt’s nirgends!

Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass das lediglich von Kollegen Berichtetes ist [, was er wohl besser dazu sagt, wo die Erdogan Administration immer rigoroser Journalisten und andere missliebige ‚Nörgler‘ wegstecken lässt. Die zitierten Kollegen sind eigentlich als AKP-nah verschrien].

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Überall Terror in der Türkei. Was in der Presse darüber erscheint, macht vielleicht 1% aus – solange es nicht um Verbrechen geht. Die IS-Islamisten arbeiten verdeckt und geräuschlos. Erst wenn eine Bombe hochgeht, machen sie ein Geräusch. Die PKK hingegen operiert hörbar. Die haben sogar noch nicht mal mehr ein Problem damit zuzugeben, dass sie das Verbrechen in Ceylanpinar begangen haben. Die IS-Milizen sind bislang noch nicht auf den Straßen [offen] anzutreffen. Die PKK aber überall. Zusammen mit den beiden Terrororganisationen sind wir Nachbarn an der syrischen Grenze und begnügen uns damit, deren Künste zu begucken. Was anderes fällt [niemand offensichtlich] ein. Unsere großen Herren haben scheinbar einen leichteren Weg gefunden. Sie halten Reden gegen den Terror. Wir werden die Rechnung verlangen! Unser Land ist sehr stark usw.

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Die PKK hat in Istanbul einen von der IS umgebracht. Hat niemanden interessiert. Die PKK ist mit langläufigen Waffen auf den Straßen … . Die Polizei in Istanbul ist abgetaucht [wahrscheinlich dorthin, wo sie aus den Huren, Zuhältern und anderen noch ein paar Lira rausschlagen kann, sagen wir, als Trostpflaster]. Wenn die nicht angegriffen werden, sind sie nirgends zu sehen.

Als ein Teil derjenigen, die in Suruc starben, in Istanbul beerdigt wurden, hat der Gouverneur von Istanbul eine Rede gehalten, die wahrhaft gehört werden muss:
„Die Bewegung, die dem Gesetz nach ungesetzlich ist, gegen die wird im Rahmen der geltenden Gesetze entsprechende Maßnahmen unternommen sowie Bestrafungen. Daran soll niemand zweifeln.“

Bravo! Solche Verlautbarungen werden wahrhaft prächtig werden… . Der Terrorist, der davon erfährt, wird auch sofort seine Waffe fallen lassen und sich verstecken, sich danach ergeben. Also, das bedeutet: Nirgends herrscht so was wie Sicherheit in der Türkei.

Die Aussichten sind düster, und der Staat und die Regierung, die gerade dran sind, haben nichts Wichtigeres zu tun, als sich um das Aufkommen von Neuwahlen zu kümmern.

Allah gebe uns Ruhe. Amen!“

K. Gürsel von der Milliyet wurde entlassen. Er hatte Erdogan kritisiert. Auf Twitter meinte er: „Das Erdogan-Davutoglu-Gespann hat die Sicherheit der Türkei durch ihre Syrienpolitik gefährdet. Und das habe ich schon immer gesagt. In Suruc wurde diese Bedrohung nun zur Tat. Der Verantwortliche für die Toten in Suruc ist die Syrienpolitik der AKP … Die ausländischen Führer, die aufgrund der Angelegenheit in Suruc mit der IS anrufen, um ihr Beileid bei dem auszudrücken, der dafür verantwortlich ist, ist eine Schande.“

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Auf den Dörfern in Deutschland scheinen sogenannte Beach Party’s der Renner zu werden.

Von Party-Machen der anderen Art haben viele Türken aber die Nase gestrichen voll. Sie finden, dass die Party der Geldraffer, wie Erdogan & Co es sind im Lande, jetzt auch mal zu ihrem Ende kommen müsste. Ein wesentlicher Teil dieser Dauerparty wurde nun sogar offiziell als rechtswidrig erklärt – der Bau des Präsidentenpalastes mitten im ehemaligen Naturschutzgebiet zum Beispiel.

Dass diese Raubbau-Party noch weiter gehen soll dürfen, bezeugt, dass in der im Palast installierten Moschee Volk nun auch beten gehen darf. War ursprünglich wohl nicht vorgesehen, dass das Volk da auch hinkommen kann, denn es gibt längst nicht genügend Parkplätze, geschweige denn Waschgelegenheiten, um sich vor dem Gebet zu reinigen, wie es im Glauben vorgeschrieben ist. Immerhin, die bessere Gesellschaft, also die mit viel Geld und Macht, hat extra Räume zugewiesen bekommen in der Moschee, wo seidene Teppiche ausliegen, die aufgrund des Andrangs auch nicht verunreinigt werden, wie die anderen, die anscheinend auch nicht gerade billig gewesen sein dürften.
Und so wurde kurzerhand der Frauentrakt einfach etwas verkleinert – sollen die doch anstehen. Sind ja ’nur‘ Frauen.
So jedenfalls klingt diese Maßnahme im Palast Erdogans, äh des türkischen Volkes, bei wohl manchem im Ohr und erinnert womöglich noch an die Tradition des Brautraubs. Jedenfalls lässt es sich die Sözcü nicht nehmen, sogleich solch Nachricht zu verbreiten. Die Sözcü ist eine türkisch-sprachige Zeitung, die auch in Deutschland vertrieben wird, und in der sich alle ex und immer noch kemalistisch angehauchten Akteure, die schreiben in der Türkei, vereint haben: Ugur Dündar, Bekir Coskun, Yilmaz Özdil und natürlich Emin Cölasan.
Bekir Coskun hat ja nun schon seit Längerem ein grünes Mäntelchen über seinen Kemalismus gestreift und so ist wenig verwunderlich, dass er den Raubbau an der geliebten Heimat, der von Nesseln in der Gesellschaft und Verantwortlichen der Regierung betrieben wird, sofort aufs Korn nimmt in seinem Artikel. In der Provinz Artvin, wo wahrscheinlich noch die meisten Bäume als Wald zusammen stehen in der Türkei, will Erdogan mal wieder nach Gold baggern lassen unter der Zuhilfenahme von Zyanit. Die Bewilligung dazu wurde von den Behörden bereits gegeben. Dagegen wird nun anscheinend massiv vorgegangen von Aktivisten und der dortigen Bevölkerung: gegen die Gier, wie Coskun meint. Mehr dazu unter dem Twitterkonto: #ArtvindeMadeneDurDe.

Die zuvor genannten Journalisten schreiben auch davon, dass Davutoglu diese Woche durch die Lande ziehen wird, um nun endlich eine Koalitionsregierung angeblich bilden zu wollen mit einer der Oppositionsparteien. Niemand glaubt wohl so richtig an den Ernst dieser Absicht. Wahrscheinlich ist der Regierungspartei AKP eine Neuwahl lieber. Jedenfalls beklagen die zuvor genannten Journalisten der Sözcü, dass der mit den Sondierungsgesprächen beauftragte Ministerpräsident der Türkei Davutoglu schon im Vorfeld meint: Ja, wir sind für alle offen. Aber die in der Vergangenheit begangenen Verbrechen von Erdogan dürfen kein Thema sein! Und in Erdogans Umfeld greifen inzwischen viele sehr tief in die Taschen des Staates und ihre Machtbefugnis.

In diesem Zusammenhang mag noch kurz erwähnt werden: Der Oppositionspolitiker Kilicdaroglu von der CHP kann sich streng genommen mit Davutoglu von der Regierungspartei AKP gar nicht mehr treffen nach dem, was sich beide Seiten die letzten 6 Monate an den Kopf geworfen haben, finde ich. Und dass sie sich anscheinend dennoch treffen, zeigt, dass Kilicdaroglu auch nur eines insbesondere ist – machtbesessen.

Xxx

Es sieht nicht gut aus in der Türkei, und daher auch im Hinblick auf Zypern ebenfalls eher weniger gut. Dass es aber nun so weit käme, dass Ankara dazu ansetzte, Archipele oder gleich Inseln im Mittelmeer zu verschachern, so weit ist es mit der Türkei offenbar noch nicht. Die Sözcü schreibt nämlich, dass der griechische Nachbar vor dem Hintergrund der Sorgen mit Brüssel in Erwägung gezogen habe, die bulgarische und die türkische Währung zu übernehmen, genauer, mit zuverwenden anstatt dem Euro, aus dessen Verbund man sich eventuell schon demnächst verabschiedet. Des Weiteren wird berichtet in der Söscü vom 11. Juli 2015, dass folgende Inseln und/oder Archipele der Griechen bereits zu diesem Preis zum Kauf stehen: Patroklos 45 Millionen Euro, Nafsika 6.9, Kardioztissa 6.5, Nissos Sofia 5.5, Kythnos 5, Stroggili 4.5, Lihnari 3, St. John 2.8, Tragonisi 2.6, Vouvalos 2.5, Kato Antikeri 2.2. Mir erschienen die Preisangaben viel zu gering. Vielleicht sind ja Milliarden von Euros gemeint gewesen und jemand hat irrtümlich Millionen geschrieben?

Im Gegensatz dazu spricht ein Griechischzypriote in einem Kommentar in der Fileleftheros Tageszeitung von insgesamt 80 Milliarden Euro, die Nordzypern zurückzuzahlen hätte im Falle einer Wiedervereinigung. Davon gut die Hälfte – wenn es denn langt – an die Türkei. Bekanntlich hält Ankara die Türkische Republik Nordzypern seit ihrem Bestehen aus: finanziell, administrativ, militärisch etc. Dennoch lassen sich die Nordzyprer von so etwas offensichtlich nicht all zu sehr aus der Ruhe bringen. Man ist dort noch immer nicht so weit, eine Regierung seit den Wahlen vor ein Paar Wochen zu bilden. Immerhin, es drang nun durch, dass die CTP (Republikanische Türkische Partei) und die UBP (Nationale Einheitspartei) vereinbart haben, eine Koalitionsregierung zu formen. Die CTP ließ über den ehemaligen Präsidenten Nordzyperns, Ali Talat, schon mal verkünden, dass die ins Auge gefassten Privatisierungen bei ihnen kein Thema sind. Auch ist noch immer nicht ausgewürfelt, wenn so gesagt werden darf, welche Partei welches Ministerium einnehmen wird.

Anastasiadis, Präsident der Republik Zypern, antwortete auf Nachfrage, dass die Arbeitslosenzahlen inzwischen stagnieren auf seiner Seite der Insel, der griechisch-sprachigen. Soll heißen: seit den letzten 6 Monaten ist ein Trend in die gewünschte Richtung zu verzeichnen. Auf die Frage, ob man sich rächen werde an den Griechen, die Zypern mit in die Krise zogen, antwortet der Präsident, dass diese Frage völkisch sei. Das Land entwickle sich gut und der Rahmen für mehr Investitionen sei mehr oder minder inzwischen gesetzt. Die betriebene Spar- und Stabilitätspolitik der letzten Zeit trage erste Früchte.

Letzte Meldung: Dass griechische Banken, die auf Zypern operieren sich demnächst dazu entschließen könnten zyprisch zu werden, scheint nicht ausgeschlossen – auch dass diese 4 Banken sich in der Summe auf 2 reduzieren: Die Eurobank, die Piräos, die Alfa und die Ethniki. Sie haben 58 Zweigstellen auf Zypern und 1520 Angestellte.
Und zum koalieren noch so viel: Tsipras scheint vermehrt Schwierigkeiten mit dem Koalitionspartner, den extremen Rechten, zu haben – Neuwahlen scheinen nicht mehr ausgeschlossen, demnächst!

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Taksim

Istanbul schlief noch. Zumindest im Bezirk Elmadag. Wir kamen recht spät in die Stadt, so um 22 Uhr 30. Im Internet waren wir davon in Kenntnis gesetzt worden, dass der Havas-Bus, der den Flughafen Atatürk mit dem Taksim und anderen Orten in der Stadt verbindet, nicht mehr verkehrt. Was tun, um einigermaßen preiswert von diesem entlegenen Ort in der Stadt nachts nach Taksim zu gelangen, sollte unser Flugzeug so viel Verspätung haben, dass diese Frage relevant wird? Denn das Internet hatte auch noch ausgespuckt, dass die letzte Metro um 0 Uhr 30 am Flughafen abfährt.

Der Atatürk-Flughafen ist eigentlich ganz gut mit der Stadtmitte, wo immer das genau Ihrer Meinung nach eigentlich ist, mit der Metro und eben dem Havas erreichbar ist. Information darüber zu finden, ob es eine Abzweigung gibt im Metronetz, die zum Taksim bringt, sodass nicht bis nach Aksaray gefahren werden muss, ist auch in türkischer Sprache nicht gerade leicht zu finden.
Man könnte natürlich auch ein Taxi bis nach Yesilköy fahren lassen, um mit der alten Stadtbahn bis nach Yenikapi zu gelangen. Die T1-Linie war uns gleich ins Auge gestochen auf dem einen Plan, den wir dann endlich fanden. Die T1 scheint mit dem Metronetz in Verbindung zu stehen. Es ist keine Metro und heißt wohl auch daher T1. Es gibt auch noch eine T2 und T3.
In der Metrostation Zeytinburnu muss zur T1 gewechselt werden, um dann schon fast bis nach Taksim zu gelangen. Die Straßenbahn von dort zum Taksim galt es wegen dem Feiertag zu vergessen, war in den Tageszeitungen zu lesen. Alles zugesperrt. Die Frage war: Wie weit ist der Weg in der Umsteigestation Zeytinburunu? Muss etwa so weit herumgehetzt werden darin, wie durch den Frankfurter Flughafen, wenn zu den Flügen der Lufthansa nach Zypern gelangt werden will? Und bis wieviel Uhr fährt das T1-Ding überhaupt?
Fragen, zu denen wir zu unserem Erstaunen ums Verrecken, wie man sagt, keine Antwort auf den Internetseiten des Betreibers von der Metro finden konnten.

Mit 10-minütiger Verspätung kamen wir dann nachts in Istanbul am 1. Mai an. In Ercan/Zypern hatte es nach allem anderen ausgesehen als danach, nach Plan anzukommen. Kurz vor dem Einstieg ins Flugzeug hatte es noch geheißen durch die Lautsprecher, es würde noch 45 Minuten dauern, bis das Flugzeug bestiegen werden könnte, als wir auch schon aufgefordert wurden, am Flugsteig 4 einzusteigen.
Die Menschenmenge vor den Passkontrollen in Atatürk-Airport/Istanbul ließ wie immer das Schlimmste erwarten. Viele Reisende aus arabischen Ländern, wahrscheinlich Iraker und Ägypter der Sprachfärbung nach, standen in der Schlange. Viele von ihnen schienen die wenig freundlichen Polizisten nach irgendwohin im Flughafengebäude zurückzuschicken. Wir hatten an jenem Abend dennoch einen guten Lauf. Schon nach ungefähr 20 Minuten waren wir durch die Passkontrolle und standen nach wenigen Minuten am Koffer-Band nur kurz an, um das eine Gepäckstück in Empfang zu nehmen, welches aufgegeben worden war.
Die Zuversicht wuchs, noch rechtzeitig auf einen Zug in die Stadt zu kommen, da es noch mindestens eine Metro nach Aksaray geben musste, wenn der Zoll das nicht verunmöglicht. Der blieb glücklicherweise auf passiv gestellt. Wir hatten dazu wie immer die Pässe nicht in unsere Taschen gesteckt, sondern hielten sie gut sichtbar in der Hand beim Durchgehen der Zollsperre. Das hat mal wieder gut geklappt.

Inzwischen war der Entschluss gefasst worden, den Trip an den Taksim doch nicht über Zeytinburunu bis nach Macka oder Karaköy zu wagen, sondern vorsichtshalber besser bis nach Aksaray zu fahren und dafür aber ohne Umsteigen einigermaßen nahe sich dem Taksim zu nähern. Notfalls wollten wir von dort dann mit einer Taxe möglichst weit vorstoßen. Wegen des ersten Mais war gewiss Rambazamba am Taksim angesagt, wie die Presse hinlänglich geschrieben hatte.
Zeitungen waren im Flug nach Istanbul selbstverständlich wie immer großzügig verteilt worden. Bei Turkish Airways kann man das als Fluggast durchaus erwarten, so auch ein Essen, welches sogar mit einigermaßen gutem Appetit gegessen werden kann. Auch die englischsprachige Daily News war zu haben, die alles andere als regierungstreu ist, wie neuerdings auch die Hürriyet. Die Cumhuriyet-Tageszeitung und andere, wahrscheinlich unliebsame Blätter, gab es aber nicht. Der mächtige Mann im Lande, der ja nur die Konstitution ändern will, um die Befugnisse eines türkischen Präsidenten in wenig zu verstärken, hat so etwas gewiss unterbinden lassen; und hatte lapidar davon gesprochen, war zu lesen, dass ein Präsident ja schließlich kein Sultan ist. Letzteres soll besagen: Sorgt euch nicht! Ich beabsichtige nicht, der kommende Pascha oder Sultan zu werden.

Dieser ‚gute‘ Mensch und die Crew um ihn herum, hatten nämlich ein totales Verbot der Mai-Feierlichkeiten am Taksim – mal wieder – angeordnet. Alle Zufahrtswege dorthin wurden mit tausenden von Polizisten versperrt und daher konnte die eine oder andere Bahn nicht genommen werden, ja, es bestand Aussicht, nicht an den Taksim gelangen zu können, weil der sogenannte Arbeitertag gewöhnlich nachts so richtig in ‚Schwung‘ kommt – und sogenannte Chaoten oder Schwarze Blöcke, die gibt es bekanntlich ja auch in Istanbul.
Klar doch, das sind „Kriminelle“. Diese Kriminellen, nach Lesart der türkischen Regierung, wurden also mit ganz ‚normalen‘ Bürgern, die sich dort zeigen wollten als der eigentliche Souverän, davon abgehalten: „Der Taksim ist ungeeignet für Demonstrationen. Das legt den ganzen Verkehr in der Stadt lahm!“ Und um dies zu unterstreichen, gab es wohl Polizeisperren, Wasserwerfer etc.
Nicht, dass hier die Position der Regierung unterstützt wird, doch wäre schon damit zu rechnen, dass ansonsten schnell nahezu jeden Tag eine andere Demo dort ablaufen würde. Das wäre nicht schön anzusehen, denken da einige eventuell. Dass die Stadt lahmgelegt würde, deren Verkehr, ist aber eher ein Witz. Istanbul ist sooo riesig, es wäre eben nur ein Teil der Stadt, und nicht unbedingt ein sehr, sehr wichtiger, der betroffen wäre.
Eine andere Art von Demonstration dort, fand ich viel berührender.

Und was sieht das Auge vor dem Entscheid, die Rolltreppe Richtung Metro nach unten zu nehmen noch in der Eingangshalle des Flughafens stehend? Es sah, dass da draußen Havas-Busse verkehrten, entgegen der Meldung im Internet! Also entschlossen wir uns geschwind, an der Ausgangstür einen Beamten zu fragen, ob die Busse etwa wirklich und noch immer nach Taksim fahren. Ja, sie fuhren genau dort hin und am Gesichtsausdruck des Gefragten konnte eventuell abgelesen werden, dass ihn die Frage langweilte.
Diese Variante nach Taksim zu gelangen, erschien uns als die Einfachere. Weil wenn jemand durch Polizeisperren kommt und von Demonstranten wahrscheinlich nicht angegriffen wird, dann musste dies der Bus der Havas sein. Schon saßen wir in ihm und die Fahrt verlief ohne Zwischenfälle. Wir waren gewiss so schnell am Taksim wie als wenn der unsichere Umstieg auf die T1 in Zeytinburunu gewagt worden wäre oder die Variante über Aksaray – und dann eventuell mit dem Taxi weiter.

Nach dem sich kurz abgeduscht worden war im Hotelzimmer, warfen uns ins Nachtleben – unweit des Taksims. Der Brustkorb vibrierte, so laut war die Musik, sie war noch immer so fürchterlich wie vor vielen Jahren. Das Efes-Bier ist hingegen ganz ok, und wie zu sehen war, feuerte der seltsame Beat die jungen Menschen dennoch an. Viel Arabisch war zu hören, viele gut angezogene Leute unterwegs – und viele kleine, braune Händchen ohne Schuhe an den Füßen in den Straßen, die bettelnd sich uns entgegenreckten.
Lang blieben wir nicht, weil die Müdigkeit halt doch in die Knochen kroch, vor allem aber, weil die lausige Musik ihren Tribut an unseren Fluchtinstinkt einforderte – und die Händchen mit den großen, schönen dunklen Augen streckten sich noch immer unvermittelt hin zu uns zurpck auf der Straße.

Die Buchmesse wird ausgerechnet an einem Montag eröffnet. Des Weiteren steht auf dem Plan, noch einen alten Freund zu bessuchen. Vielleicht geht es sogar noch runter nach Antalya, zur Außenminister-Konferenz der NATO. „Phantom der Opera“ und Jazztage am Rande etc. waren auch noch dran.

Unser Hotel, das gibt es vom Namen her gleich 2 Mal. Leider habe ich diesmal aus Versehen das andere gebucht, das mit dem Zusatz „Prestige“. Unseren Wunsch bei der Reservierung via Internet, ganz oben ein Zimmer zu erhalten, wurde offensichtlich nicht ernst genommen. Im 3. Stock war die Lage, sagen wir mal, wenig amüsant. Vor uns die Fenster eines weiteren Hotels. Das Zimmer recht eng und einfach langweilig eingerichtet vom Geschmack her. Als ich das letzte Mal im anderen Hotel untergekommen war, erhielt ich ein Zimmer ganz oben und das war super originell geschnitten und ausgestattet. Tolle Aussicht über den Taksim und den Bosporus, geräumiges Zimmer, wofür der Preis ohne Frühstück gern bezahlt wurde. Aber dieses ‚Loch‘ hier…. .

Nachdem in der Stadt ein paar teure Schuhe ausnahmsweise gekauft wurden, das Ticket für das Phantom der Opera abgeholt, bei meinem jahrelangen Friseur noch schnell die Haare geschnitten worden waren, wie es inzwischen Tradition geworden ist, war der Rezeptionist im Hotel diesmal freundlicher als den Abend davor, dienstbeflissen gar und bereit, das Möglichste zu unternehmen, um uns im 10. Stock unterzubringen, obgleich der Lift nur bis in den 9. fährt. Es brauchte etwas Überredung, ihm klarzumachen, dass eine Treppe zufuß Gehen, wirklich kein Hindernis darstellt. Schöne Aussicht in Richtung Kasim Pasa gab es dann mit riesengroßer Terrasse vor dem Zimmer, was die unattraktive Einrichtung des Zimmers schon fast vergessen ließ. Unsere Hoffnung, den anderen Tag an der Rezeption noch was drehen zu können, wurde also nicht enttäuscht. Das Hotelzimmer war aber dennoch langweilig ausgestattet, der Strom fiel ein-zwei Mal aus und die Betten wurden nur gemacht, nachdem am Telefon Druck gemacht wurde. Das Frühstück war ok. Die Matratzen waren jedoch wirklich gut. Kein Aufwachen morgens mit dem inzwischen wohl bekannten hölzernen Gefühl im Rücken. Wer sich extra ein nicht gerade preiswertes Futon hat anfertigen lassen wie ich, kriegt da schon so seine Überraschungsmomente der besonders positiven Art geliefert. Doch all das ist ja wohl kein Thema, wenn man sich ansieht, wie manche Leute um die Ecke am Taksim unterkommen.

Bei den Derwischen unweit des Tunnels waren wir natürlich auch, um die Veranstaltung zu sehen. Die drehen sich nahezu 1 Stunde unweit des sogenannten Tunnels für inzwischen 50 Lira pro Person. Mir gefällt diese Vorstellung aber noch immer. Sie hat sich im Ablauf geändert. Der ist irgendwie meditativer geworden, soll heißen, es wurde weniger dreh-getanzt, was vielleicht den einen oder anderen Touristen überforderte oder langweilte.
Und obwohl nicht gefilmt werden durfte, waren einige da, die dieses wiederholt ausgegebene Verbot missachteten. Doch beim Gebrauch des Flashs eines Fotoapparates war die Geduld der einen Wachfrau dann doch an ihr Ende gelangt. Frau Aufseherin plärrte laut in die sich langsam und leise entfaltende Aufführung der Sufi-Mönche durch den schön dekorierten Saal: „NO FLASH!“
Unschön wars zwar, aber dann wohl doch nötig. Ja, sogar die Türkische Republik wurde gelobpreist in der Rede des Scheichs. Immerhin ersparte er uns in der Abfolge all der großen Sufinamen aus Konya und dem Iran, die er erwähnte, den Namen von Tayyip Erdogan. Ob das so bleiben wird oder kann?

Wenn ich es mir überlege, sind das eigentlich alles Geschehnisse am Rande. Inzwischen sind weitere 4 oder 5 Tage ins Land gezogen. Doch gestern habe ich gut ausgeschlafen unbedingt ein Billet nach Basel geradezu kaufen müssen – 125 Euro mit Pegasus. Was mir den Entscheid ‚erleichterte‘, waren die schlafenden, verwahrlosten Kinder mit den schönen, aber schmutzigen Gesichtern, der sonnengebräunten Haut und den Lumpen am Körper, wovon einige gleich neben dem Restaurant, in dem ich eigentlich gern essen gehe, auf noch schmutzigeren Decken in eine Ecke gefercht auf dem Trottoire schlafen.

Mein Reisebgleiter war schon ein paar Tage vorher weitergezogen, sodass das Phänomen zwar bereits dann wahrgenommen wurde, doch nicht wirklich in mich dringen konnte, dank seiner Anwesenheit.

Diese 6 Jungs, die dort tagtäglich morgens auf den Decken liegend zu sehen waren, und das von den Strapazen der Nacht sichtlich gezeichnet, so im Alter zwischen 6 und 14 vermute ich, die ohne Schuhe durch die Straßen Istanbuls gehen, ohne ersichtlichen Schutz, ums Überleben kämpfen und allem Möglichen und wahrscheinlich erst recht Unmöglichen ausgesetzt sind, gaben den Ausschlag zum Ticketkauf. Hinzu war gekommen, dass inzwischen schon die eine oder andere Geschichte gehört und überhört worden war in Cafes und Restaurants etc. sitzend: „Denen gibst du 5 Lira und die machen dir alles, der da zum Beispiel, den hat xy gehabt!“ Oder: „Schmutzig sind die auch im Wesen, die gehören dort hin, wo sie jetzt sind!“

Klar doch, da gibt es gewiss viele Menschen in Istanbul, die sich kümmern. Doch das, was in der Stadt diesbezüglich abläuft, ist einfach zu wenig – da bleibt einem der Bissen im Hals stecken. Da will man was tun. Zu wissen, dass man in einem Hotel wohnt, das über 70 Euro kostet, um sicher zu stellen, dass der Tresor im Zimmer nicht ausgeräumt wird von Hotelangestellten oder ihrem Anhang, dass die Kamera etc. einigermaßen abgesichert sind, bringt wirklich in einen scheinbar unlösbaren inneren Konflikt.
Auch übers Klauen kursieren viele Geschichten. Vielleicht kann der Araber ein Geschichtlein darüber erzählen, der gestern Abend an der Rezeption meines Hotels drohte auszurasten, als ich vorbei ging und er meinte, da wäre mehr Geld und Schmuck im „security“ gewesen. Aus Erfahrung weiß ich, es ist nicht leicht in solchen Fällen, zu seinem Recht zu kommen. Die Mühlen der Justiz mahlen langsam, und die Polizei scheint noch langsamer zu reagieren; doch im Vergleich mit den Kindern in den Straßen, dürfte es da wohl um herzlich wenig gehen.

Nee echt. Und so konnte und wollte ich auch nicht mehr zur Buchmesse oder zur Außenministerkonferenz. Dass mir in Istanbul passiert, die Stadt fluchtartig zu verlassen, hätte ich auch nie geträumt.

Im Hamam war es dies Mal auch nur komisch. Wir gehen immer in das, welches in Kasim Pasa an der Moschee liegt. Auffällig war in den Straßen dieses Bezirks, dass außer AKP-Fähnchen, die über die Straßen gespannt werden vor Wahlen, auch viel CHP, ja sogar HDP-Fähnchen hingen, wo ja der mächtige Mann im Lande, Tayyip Erdogan, hier aufgewachsen ist. Dass dem so ist, bezeugt unter anderem das Fußballstadion im Bezirk, wo früher nett Tee und Bier im Grünen getrunken werden konnte, sogar eine Art Rummelplatz gab es da mal. Alles vorbei, alles weg. Selbiges ist auch der Fall mit der Metro, die zwar wirklich gut ist und auch nötig, doch man hätte das Begrünen nicht vergessen dürfen. Weil Istanbul hat nun zwar die Metro, doch in ihrem Dunstkreis ging recht viel Grün drauf. Die Menschen im Bezirk Kücük Pazar, Haltestelle Halic und Vezneciler, zum Beispiel dürfen nun bis nach Unkapani gehen, um unweit einer Schnellstraße mindestens noch ein bisschen Grün am Halic, wo manchmal sogar Delfine gesichtet werden können, abzubekommen.
Vom Plattmachen der letzten Grünflächen von seiten des Rathauses ist jetzt gerade unter anderen der Bezirk Yenikapi betroffen.

Zurück zum Hamam. Vielleicht waren es 4 oder 5 Kunden im Hamam, die anwesend waren uns beide inbegriffen. Auf die kamen jedoch mindestens 9 Wäscher oder Masseure (keseci). Es herrschte eine sonderbare Stimmung. Wir blieben nicht lange und der Preis verriet, warum der Laden so leer ist – knapp 10 Euro pro Person. Für einen türkischen Arbeiter dürfte dieser Preis schon zu hoch sein – und wir hatten keine Anwendungen erhalten, lediglich einen Tee danach.

Das Viertel Karaköy scheint ebenfalls an der Reihe zu sein. Hier wird das bisschen Grün hoffentlich überleben, auch weil es ein touristischer Spot werden soll, beziehungsweise geworden ist. Alles, was offenbar Rang und Namen hat, verkehrt jetzt dort, war in der Hürriyet zu lesen. So viele Boutiquen und Geschäfte machen dort täglich auf, dass Frau gar nicht mehr weiß, wo noch einkaufen gegangen werden soll und kann – und dann erst die vielen, vielen neuen tollen Restaurants, so ungefähr las sich der Artikel.
Karaköy ist ein weiterer Bezirk unterhalb von Beyoglu in Richtung Eminönü gelegen. Einst war hier eine zeitlang das Bordell.
Über mich selbst verwundert wie einst, als ich 1980 das Bordell betrat, um diesen eigentümlichen Ort zu inspizieren, kaufte ich nun morgens kurz entschlossen zu meiner Verwunderung das Ticket nach Basel – und dann ging es mir wieder etwas besser.

Die Türkei tut bereits einiges für die syrischen Flüchtlinge oder die kurdische Minderheit im Lande. Doch sie muss noch mehr tun und zwar gezielter. Zum Beispiel darf nicht in Kauf genommen werden, dass Menschen unter 15 Jahren in einer solchen Notlage über den Weg laufen und leben. Das ist nicht hinnehmbar!!!
Es kann nicht genügen, als Präsident der Republik Reden über den Islam und Menschenrecht zu schwingen, während die Lage am Taksim – und andernorts in der Türkei – so unmenschlich ist.

Herr Erdogan! Bleiben Sie in der Türkei! Kommen Sie um Allahs Willen nicht bereits Morgen nach Karlsruhe, sondern kümmern Sie sich, meinetwegen erneut mit auf Kurdisch geschriebenem Koran in der Hand, um die Leute, die das Geld dringend brauchen, das Sie verplämpern für Auftritte, um Ihrer Partei bei den anstehenden Wahlen im Juni einen Vorteil zu verschaffen – wie Sie besser wissen, den Unparteilichkeits-Auftrag eines türkischen Präsidenten missachtend!!!

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Zypern

Zu Zypern noch so viel: Akinci ist jetzt also Präsident im Norden. Alle träumen von einer Vereinigung der Inselteile, die angeblich demnächst passieren soll. Anscheinend hat Akinci das Rennen gemacht, weil er Varosha im Programm hatte bei den Wahlen. Das ist die Stadt vor Famagusta gelegen, die nur von türkischen Soldaten und wahrscheinlich auch einem Ableger der UNO etc. betreten werden darf. Diese will Akinci öffnen. Das hätte natürlich unweigerlich zur Folge, dass der einst größte Hafen der Insel, Famagusta, dann wohl auch wieder zu mehr Leben erweckt würde.
In den Zeitungen steht, dass die Menschen das Zypernproblem über haben. Ja, sogar von Politikern kann solch Rede vernommen werden. Präsident Anastasiadis soll sogar zugesagt haben, endlich mit den Plänen herauszurücken, die die Minenfelder anzeigen, die noch vor dem Konflikt der beiden Volksgruppen 1974 im Fünffingergebirge gelegt worden sind von den Griechischzyprern – genauer, den EOKA-Faschisten.

Wir waren vor dem Flug nach Istanbul noch unterhalb des Hillarius-Schloss auf dem Fünffingergebirge eingeladen gewesen. Das Gebiet zählt zum türkischsprachigen Norden von Zypern. Tolle Ansicht auf das Schloss. Noch immer ist von dort aus, wo wir uns befanden, alles wundersam grün anzusehen. Die Ortschaft heißt Karaman, das frühere Karmi also. Vor 74 sollen hier Griechen und Engländer gewohnt haben. Jetzt wohnen in dem wirklich schönen Ort, der eine der wenig gut erhaltenen orthodoxen Kirchen beheimatet, eben Engländer und andere Europäer, anscheinend auch einige Deutsche und nur wenige Türkischszyprioten. Sie wohnen zumeist auf geleastem Land oder in geleasten Häusern. Ein Buch wurde uns gezeigt, welches den Ort nach den Kriegswirren 1974 in Bildern zeigt und wie die Häuser heutzutage aussehen.

Kurz: Hier glaubt auch niemand daran, dass der angebliche politische Aufwind, den die Wahl Akincis gebracht haben soll, etwas an dem herrschenden Status ändern wird, weil, wurde gesagt, die Türkischzyprer mit den griechischsprachigen Zyprern ja gar nicht zusammen wollten. Weil es sei ausgemachte Sache, dass die Griechischsprecher noch immer denken, die Creme der Menschheit zu sein, und hier – also im Norden – sehr gut ohne die hochtrabenden Griechen ein Leben geführt werden könne, das wenn überhaupt, dann nur schleichend von der Islamisierung etwas eingefärbt werde. Doch das sei verkraftbar. Schließlich habe Zypern schon früher mit so etwas zu tun gehabt, als unter den Osmanen gelebt wurde.

Ja, die Aussicht war wirklich schön, dort von diesem Haus in Karaman. Leute sind dort angesiedelt, die beruflich alle Höhen erklommen haben in ihrem Metier und nun den Ort scheinbar gefunden haben, indem sie die restlichen Jahre ihres Lebens in Frieden und zufrieden verbringen wollen. Dürfte ihnen dort oben gelingen.

Nur das schöne Grün vor dem prächtigen Haus, welches angeblich niemand betritt, weil Schlangen und andere wilden Tierchen drin leben sollen, wie erzählt wurde, das könnte vielleicht in der Karte, die der griechisch-zyprische Präsident Anastasiadis übergibt verzeichnet sein, um die im Boden vebliebenen Minen endlich räumen zu können?

Denn wenn man sich besieht, wie das schöne Land im Norden unweit der Küste zersiedelt wird durch die Gier nach Geld und Exklusivität – wie auch im Süden der Insel -, kommt man nicht umhin zu fragen, warum ausgerechnet dieses weite, schöne grüne Fleckchen Erde dort oben in Karaman in äußerst attracktiver Lage ausgespart wurde? Die Schlangen sind vielleicht nur eine Art Ammenmärchen.

Akinci war inzwischen in Istanbul. Sogar Erdogan spricht davon, dass das Zypernproblem unter gewissen Bedingungen noch dieses Jahr gelöst werden könnte – was tut man nicht alles, um eine Wahl zu gewinnen. Er spricht sogar vom Bruder, nicht mehr vom StaatsKind. Er gesteht Akinci insofern ein, dass Zypern aus den Kinderschuhen gewachsen ist und als etwas Gleichwertiges erachtet wird, wie von Akinci vor dem Treffen mit Erdogan angekündigt worden war. Insofern ist das, was in der Badischen Zeitung von heute steht, schlicht falsch – nämlich dass Erdogan noch immer auf der früheren Formulierung beharrte, der des Kindes.

Ein Tipp: Vermeiden Sie möglichst, Ihren Laptop in einem Hotel in der Türkei zu benutzen. Abgesehn von den lästigen Updates, die Microsoft bei Windows 7 ungefragt durchführt, darf gern davon ausgegangen werden – wahrscheinlich wie auch in Deutschland -, dass der türkische Geheimdienst (MIT) mitliest und seine Marker hinterlässt – vielleicht nicht immer, aber eventuell immer öfter.

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Die Türkei und die Kurden

Endlich die ersehnte Waffenbrüderschaft?

So langsam fügt sich das Bild in Sachen Türkei mit ihren Kurden, Türken, Arabern und anderen Volksgruppen in diesem Land etwas verständlicher im Hinblick auf die bevorstehende Zukunft zusammen. In wie weit sich das auf Zypern auswirkt, wird vorerst und weiterhin Objekt von Spekulationen sein und bleiben. Doch unberührt bleibt die Insel davon keinesfalls. Bevor also zum eigentlichen Thema gekommen wird, dem scheinbar seltsamen Einsatz der türkischen Armee kürzlich, als die Gebeine des Großvaters von Osman, dem Begründer des Osmanischen Reichs, geborgen wurden und das Gebäude, in dem diese ruhten, zerstört zurückgelassen wurde, wobei mindestens ein türkischer Soldat gefallen ist, sollen zuerst geschwind noch einige weitere Informationen zur Türkei durchgegeben werden, die interessieren dürften.

Würde sich die Türkei unter Erdogans AKP nicht so deutlich in Richtung islamischer Staat, also einem Kalifat, entwickeln, könnte die Nachricht, dass in der Stadt Ercis, welche in der Provinz Van liegt, wo sich der erste Scharia-Verein gründet hat, nicht all zu sehr aufhören lassen. Der Verein gibt vor, religiöse Studien zu betreiben. Recep Caliskan ist der Initiator und Vorsitzende dieses Vereins. Er spricht davon, schon bald in der gesamten Türkei Ableger des Vereins einrichten zu wollen. Seltsam daran ist schon mal, dass ihn niemand daran zu hindern gedenkt von Seiten der Regierenden, und zwar vor dem Hintergrund, dass Caliskan die französichen Terroristen verteidigt, nach Darstellungen der türkischsprachigen Aydinlik-Tageszeitung vom 26. Februar 2015, die die Journalisten von der Charlie Hebdo mordeten. Das tut er u.a. folgendermaßen: „Wenn der Staat nicht gegen Personen eintritt, die den Propheten der Muslime angreifen, dann hat diese Arbeit die Bevölkerung zu tun“.
Außerdem würden die Türken das Gebet nicht mehr richtig verrichten, findet Caliskan. Sein Familienname bedeutet übersetzt „fleißig“ und hat ihn vielleicht auch deswegen, wer weiß, dazu gebracht, sich für die Scharia breit machen zu wollen in der noch kemalistisch laizistisch geprägten Türkei. In der Scharia wird dem Cihad (das fleißige Arbeiten am inneren Schweinehund eines jeden u.a.) ja bekanntlich eine wichtige Rolle zugewiesen. Jedenfalls findet Caliskan, dass die Muslime zersplittert seien, womit er wohl die verschiedenen Strömungen dieser Religion meint. Und es ist zu vermuten, dass neue Ansichten, die vor allem im Westen entwickelt werden unter Muslimen und andernorts da auch darunter fallen. Caliskan: „Früher wurden Kinder in Europa mit Folgendem Angst gemacht, die zu Bett gebracht wurden und nicht schlafen wollten: „Schlaf, sonst kommen die Türken dich holen“!
Die Europäer hatten die Türken also als diejenigen ausgemacht, die Köpfe abschneiden. Und auf gleiche Weise wird heutzutage die Scharia bekanntgemacht, sagt Caliskan. „Wir werden alles tun, um den Menschen die Scharia beizubringen“.

Des Weiteren wird berichtet, dass die AKP-Regierung mit der neuen Änderung der Strafgesetzgebung der Türkei eindeutig die Verfassung des Landes aushebeln wird. Prof. Dr. Adem Sözüer von der Istanbul Universität (Rechtswissenschaften) sagt, dass die Polizei mit diesem neuen Erlass praktisch von jedermann grundlos verlangen kann, die Hose runter zu lassen, egal, wo das ist und wer dabei steht. Und wer der Aufforderung nicht folgt, darf sich nicht wundern, wenn er danach als Leiche daliegt. Inzwischen bereut der Professor offenbar, an der Ausarbeitung des sogenannten „Inneren Sicherheits-Paketes“ als der „Regierung nahe stehende Person“ mitgewirkt zu haben. Denn die Vollmachten, die der Polizei mit diesem Gesetz eingeräumt würden, bedeuteten im Grunde die Einführung der „Todesstrafe“ durch die Hintertür.

Die Aydinlik Tageszeitung der Türkei fragt in ihrer gestrigen Ausgabe auch nach Belegen, die belegen, dass der ehemalige Präsident der Republik, Gül, den HUBER aus eigener Tasche bezahlt habe. Ein Huber ist zu vermuten, ist ein Hover Craft Boot, die in der Türkei als öffentliche Transportmittel im Einsatz sind. Die Aydinlik mag auch wissen, was denn nun mit den 55 Polizisten ist, also den insgesamt 100 Personen und deren Gehalt, die Herrn Gül noch immer umgeben? Und wer bezahlt die 18 Autos, die zu seiner Verfügung stehen und deren Spritverbrauch? Die Aydinlik erinnert auch daran, dass die Kosten, die entstehen beim Warmhalten und Führen des Hauses des Präsidenten, in dem er noch immer lebt, dem Kösk, ebenfalls auflaufen. Wer soll das bezahlen?
Zwei Dinge würden daher von Gül jetzt endlich erwartet: Dass er aus der Kösk ausziehe, wo er doch bereits geäußert habe, ausziehen zu wollen. Und dass er die Belege vorlegt, die belegen, dass er für die entstandenen Kosten bezahlt hat.

Irgendwie soll es Tayyip Erdogan in letzter Zeit immer öfters so drehen, dass ausgerechnet dann, wenn eine Übertragung einer Rede des Oppositionsführers Kilicdaroglu vorgesehen ist, just zu diesem Zeitpunkt auch Erdogan irgendwo eine Rede hält, die dann – selbstverständlich – von den Sendern übertragen wird, anstatt der von Kilicdaroglu.

Ansonsten gibt es noch etwas Streit mit den USA und den NATO-Partnern, da die AKP-Regierung erneut Waffen aus Russland (zuvor S 300) orderte. Es wurde ihr bereits nahegelegt, den Deal zurückzuziehen und dass diese Waffen auf keinen Fall in die bereits vorhandenen Waffensysteme der NATO eingebunden werden könnten – was auch für die aus China stammenden Waffen (davor CPMIEC) gelte.

Doch nun zu dem Artikel in der Aydinlik, der in Auszügen übersetzt wird für Sie:

2014-10-11 15.10.56

„Die PKK-Kanton Anerkennungsoperation

Die Diskussion darüber, ob die Schah Firat Operation erfolgreich war oder nicht, wird weiterhin von Beobachtern dieser Operation fern gehalten. Also die politische Dimension der Angelegenheit… .

Die Operation, bei der das Mausoleum aus 37 km Entfernung an unsere Grenze gezogen wurde, ist keine Sache. Die Schah Firat Operation ist:

1) ein Glied innerhalb der Strategie der USA

2) ein Anzeichen dafür, dass eine Zusammenarbeit mit der PKK-PYD (syrischer Ableger der PKK) bevorsteht

3) dass der kurdische Korridor der Peschmerga aus Kobane einen größeren Einflussbereich erhalten soll

4) dass anstelle des syrischen Staates ein PYD-Staat errichtet wird

1.1) Die Unterzeichnung des Ausbildungs-Ausstattungsprogramms bedeutet, dass die AKP-Regierung die Strategie der USA übernimmt und an der Front umsetzt.

1.2) Dass die Strategie der USA in Sachen IS die ist, dass in den Gegenden, in denen die IS im Irak und Syrien geräumt wird, die PKK und die KDP ihre Herrschaftsgebiet errichten werden. Von Basra bis zum östlichen Mittelmeer wird ein kurdischer Korridor errichtet auf Wunsch der USA, und um das zu erreichen, wird das Gebilde namens Nordirak mit dem syrischen Norden an den Hafen von Iskenderun/Türkei angeschlossen.

1.3) Die USA-Strategie sieht vor, dass die Koalitions-Mächte aus der Luft, und die Terroristen, welche die USA und die Türkei ausgebildet haben, auf dem Boden Operationen ausführen werden. Daher wurde das Ausbildungs-Ausstattungsprogramm ja unterzeichnet.

2.1) Bei dieser Strategie kommt letztlich heraus, dass die PKK und die Türkei an gleicher Front miteinander kämpfen (via den syrischen Arm der PKK, der PYD und deren Kampfeinheiten namens YPG). Zu guter letzt wird der türkische Generalstab nicht etwa von der PYD sein Einverständnis (für Operationen) erhalten, sondern die PYD lediglich (davon) unterrichten; was in den AKP-Medien als „passive Kooperation“ bezeichnet wird… .

2.2) Am 21. März soll von der kurdischer Seite das, was bis dahin zustande gekommen ist, veröffentlicht werden. Das heißt, die Partnerschaft der AKP mit der PKK ist im Grunde eine Vereinbarung, nach der die PKK an Stelle der Türkei in Syrien Waffen gebrauchen wird. Es sieht also rein gar nicht nach Entwaffnung (der PKK) aus, sondern nach Aufrüstung.

3.1) Das Ergebnis dessen, dass die USA in Kobane einen Peschmerga-Korridor öffnete, dient seither der USA auf diesen kurdischen Korridor Einfluss zu nehmen. Die AKP-Regierung hat dergestalt nicht nur der PYD in diesem Korridor militärische Hilfe geleistet, sondern zwischen den kurdischen Korridoren eine wichtige Verbindung kreiert. – Die Korridore sind noch offen -. Dass das Mausoleum nach Esme gebracht wurde, hat somit im Grunde eine ganz spezielle Note.

3.2) Seit also mit dem Ausbildungs-Ausstattungsprogramm die Bewaffnung der Terroristen angefangen hat, ist die Erbauung einer Mausoleums-Polizeistation in Esme, deren Errichten 3 Jahre dauern wird, auch Anzeichen dafür, dass dieser Ort an der Front einen Sicherheitsstreifen markieren wird.

4.1) Als das Mausoleum an seinem alten Ort stand, war unser Ansprechpartner Syrien. Indem das Mausoleum nach Esme gebracht wurde, also in dem nach internationalem Recht Land eines souveränen Staates okkupiert wurde und wird, hat Syrien aufgehört, dieser Ansprechpartner zu sein. Doch wer ist der neue Ansprechpartner? Das ist die YPG, die Esme unter ihrer Kontrolle hat. Das bedeutet praktisch, dass Ankara die YPG an Stelle von Damaskus als Ansprechpartner gewählt hat. Auf diese Weise hat der syrische Arm der PKK, die PYD, Legalität erreicht, was so viel bedeutet wie, dass eine Art Kantons-Status erreicht wurde.

4.2) Die Kampagne der Kurden, die gegen die IS einen Freiheitskampf ausfechten, hat nicht nur der KDP, sondern auch der PKK dazu verholfen, mit Waffen versorgt zu werden. Gleichzeitig müht sich die Erstere, die PKK von den Terrorlisten (international) entfernt zu sehen. Ankara hat mit der Schah Firat Operation gezeigt, dass es diese Bemühungen nicht zu blockieren beabsichtigt und so international der PKK unter die Arme gegriffen.

Das heißt, diese Entwicklungen werden die Türkei und die Region in naher Zukunft beeinflussen. „Ob die Türkei erfolgreich oder erfolglos ist, hängt am Faden. Wir müssen das Ausbildungs-Ausstattungsprogramm in eine passende politische Mobilisierung kleiden.

Regional sieht die Lage noch so aus, dass diese zu unseren Gunsten stehend zu bewerten ist“!

All das, was oben angeführt wurde, erklärt nun auch etwas besser, warum die Türkei trotz Abbruch der ehemals guten Beziehungen mit Syrien, im Jahre 2013 und 2014 dennoch „verwunderlicher Weise“ gute Exportbilanzen nach Syrien vorweisen kann. Schieber und ‚Schmuggler‘ haben auf beiden Seiten, wird geschrieben, das Geschäft in die Hand genommen, und zwar von der Türkei in die von den Kurden verwalteten Zonen Syriens. 2013 betrug dieser Export 1 Milliarde 24 Millionen TL und 2014 waren es bereits 1 Milliarde und 803 Millionen TL. Im Jahr 2012 zum Vergleich, also als die Beziehungen gerade schlecht geworden waren zwischen Ankara und Damaskus, belief sich dieser Export auf lediglich 498 Millionen TL.

Dennoch sind die Prognosen für die Wirtschaft der Türkei für die nähere Zukunft eher schlecht, schreibt die Aydinlik. Die türkische Lira werde weiterhin an Wert verlieren, Investitionen aus dem Ausland weniger stattfinden.

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Ak Saray

oder

der Kalif der weißen Türken

Die weißen Türken, sollen die sein, die eher das Richtige tun. Die eher politisch rechts sind. Die ihre Tradition an-er-kennen sollen: den Kemalismus, den Islam, dass das Grab des ersten Osmanen in Syrien nicht geschunden werden darf. Von niemand. Auch nicht von der ISIS. Dass sie noch immer viele sind, und noch mehr werden. Dass die Al Aqsa ihnen heilig zu sein hat!

Es ist auf seine Weise erfrischend, ein Paar Tage lang ein Bad in der Menge zu nehmen. Die Rede ist von so richtig viel Leuten um einen, wie bei einem Konzert oder eben wenn man in gewissen Straßen von Istanbul befindlich ist.

Viele Geschichtchen, die ich von Istanbulern erzählt bekam. Eigentlich wie immer war es, und die Geschichten schienen wie immer von einer noch nie davor dagewesenen Brisanz getrieben zu werden.

Ja, der Eindruck besteht immer noch, nämlich, der der Brisanz der politisch-sozialen Ereignisse – und womöglich auch noch, dass der Republik Türkei schon demnächst ein made in Ankara Kalife entspringt. In der Neuen Türkei, die gerade ausgerufen wurde von der AKP, passte so eine Figur, wie die eines Kalifen, wahrscheinlich recht gut. Der ISIS-Kalife soll ja von den Amerikanern schwer verwundet worden sein, stand in der Presse. Platz in gebührendem Format und Größe für einen Kalifen wurde in Ankara jedenfalls geschaffen. Die Diskussionen darüber, ob die Ausgaben für diesen Ort zu hoch oder angemessen sind, wirken eigentlich wie Scheingefechte.
Und das sind sie bei näherem Betracht wohl auch.

Journalisten rasen doch bekanntlich sonst auch immer durch die ganze Republik, um Geschichten an den Tag zu befördern – und so ein Saray, wie es Erdogan bauen ließ, ist schlichtweg schwer zu verheimlichen. Und daher muss sich die schreibende Zunft in der Türkei mal fragen plus Zivilgesellschaft, warum sie die ganze Zeit über zugesehen haben, wie dieser Klotz heranwuchs. Zwar hat Erdogan den schlossgleichen Bunker als Art Verlängerung des Präsidentenpalastes angemeldet gehabt beim Bauamt anstatt als Saray. Jetzt ist halt dennoch ein riesengroßer eigener Palast daraus geworden. Kalifen haben eben Ansprüche. Erdogan verteidigt den Bau in den Medien damit, dass so eine große Nation wie die Türkei eben so einen Bau braucht. Rebecca Harms vom EU-Parlament sagt, dass der Bau auf ganz besondere Weise eine zur Schaustellung des Machismo a la Türkei ist. „Ein Symptome unbegrenzter und unkontrollierter Macht.“ Die Grünenpolitikerin Harms kennt sich da offenbar aus. Beim Flughafen in Berlin-Schönefeld und dem Potsdamer Platz plus Hauptbahnhof etc. hätte ich ihrer Rede mal gerne das Ohr gereicht und wahrscheinlich ähnliche Umschreibungen vorgefunden?

Leider ist es mit den Grünen schon längst so weit, dass man bei solchen Statements, wie denen der Harms, bestens gleich fragt: wessen Interessen füttern sie?

Zwar wurde baurechtlich einiges Land verbaut in Ankara, welches eigentlich als Naturschutzgebiet ausgewiesen war. Doch viel eher scheint Harms in der Presse ungewohnt scharf Stellung bezogen zu haben, um beim Kongress der Grünen Europas, der diesmal in Istanbul stattfindet, sich eine Art besseres Gehör zu verschaffen. Das ist ihr, was die türkischen Medien angeht, gelungen. Gewiss wird sich das Geblöke um das Saray der AKP in Ankara schnell wieder legen, denn es gibt wirklich noch andere, akutere Themen, die die türkische Öffentlichkeit berühren.

Zum Beispiel hat sich in Ankara noch niemand öffentlich dazu geäußert, wie das denn nun eigentlich mit dem Status der vielen syrischen Asylanten im Lande gehandhabt werden soll. Niemand da, der mal einen zeitlichen Rahmen setzte bezüglich Aufenthaltsdauer. Niemand da, der die erforderlichen Schritte in die Wege leitet, wie sie international vereinbart wurden für solche Fälle – wohl weißlich geschah das nämlich, um Flüchtende zu schützen und nicht, um ihnen bürokratische Hürden aufzuerlegen. Niemand da in der türkischen Regierung, der einigermaßen klare Aussagen macht bezüglich Arbeits- und Aufenthaltsrechte der syrischen Flüchtlinge in der Türkei. Als ob Syrien schon eingemeindet sei, oder wie man dazu besser sagte. Lachen Sie nicht. Pläne zusammen mit Israel sollen durchaus in diese Richtung gehen. Demgemäß würde das heutige Syrien auf ein Minimum schrumpfen – zu einer Art Wüstenstaat. Die Türkei würde sich einen Teil greifen, den anderen Israel. Klar doch, die Kurden würden auch was abkriegen.
Und dann erst die Einschulung der vielen Kinder aus Syrien in türkische Schulen und Kindergärten, die gerade Istanbul und ziemlich sicher auch andere Städte der Türkei ‚unsicher machen‘: bettelnd, sich prostituierend, klauend, als billige Arbeitskräfte und/oder Lückenbüßer etc.

Man darf trotzdem durchaus behaupten, dass auch die Türkei so eine Art Auslese hat und trifft. Diejenigen Syrer mit guten Ausbildungen finden meist schnell eine Stelle, was vor dem Hintergrund, dass die AKP-Regierung der Türkei schon seit einem Jahrzehnt flächendeckend Arabisch lernen lässt, ebenfalls verständlicher erscheint. Es erleichtert die Integration der Syrer in die türkische Gesellschaft erheblich und scheint noch längst nicht zuzulassen, dass der Egoismus gemischt mit Fremdenhass, wie andernorts in Nordeuropa, sich in den Medien zu diesem Thema unverhältnismäßig negativ und einigermaßen gut verdeckt positionieren kann.

Die 1,5 Millionen Flüchtlinge aus Syrien, die in der Türkei leben, haben das Potenzial, die türkische Gesellschaft einschneidend zu verändern – was sie bereits tun. Noch längst sind die Würfel nicht endgültig gefallen in puncto politische Ausrichtung des Landes. Auch wenn Anastasiadis in Nikosia, Sisi in Kairo und Samaras in Athen sich zusammengeworfen haben, um den Reichtum vor ihrer Haustür gemeinsam zu fördern und zu schützen (vor der Türkei). Es könnte dies indes schon bald die Allianz derer werden, die aufs falsche Pferdchen gesetzt hat. Das Pferdchen hat einen Doppelnamen – Israel/USA. Und Letzteres impliziert dann selbstverständlich auch, dass da Deutschland und die EU irgendwie dazu zu rechnen sind.

Und warum soll dem so sein, fragen Sie, dass aufs falsche Pferdchen gesetzt wurde? Nun, da Obamas Stern scheinbar dort angekommen ist, wo ihn wahrscheinlich die meisten weißen Wähler der USA eh gesehen haben letztendlich – am sinken. Nach Obama kommt gewiss jemand ins Weiße Haus von Washington, der oder die weniger Raum außerhalb der USA Projekten wie dem Kurdischen in Rojava (die Selbstverwaltung) gewähren wird oder einem Zickzack-Kurse wie ihn die Türkei hinlegte. Möglichst kleine Einheiten werden dann gewiss gebildet als Staaten, die nach oben (Washington) melden und dienen und zur Seite (Nachbarn) bestens beißen – nicht all zu fest, bitte.

Und ja, wie auch andernorts passieren in der Türkei Dinge, wo man wirklich nur noch den Kopf schütteln kann: 6.000 Olivenbäume lässt man ausrupfen, um das Atomkraftwerk zu bauen, welches die Zyprer nicht wollen auf türkischem Boden, da bei einem größeren Störfall ihre Insel ziemlich sicher als einer der ersten Orte in Mitleidenschaft gezogen wäre. Der Knaller an dieser Bäumchen-reiß-aus-Aktion-Geschichte ist, dass nachdem die Bäume entwurzelt herumlagen – es ist außerdem gerade Olivenerntezeit – beschloss ein oberes Gericht der Türkei, dass die Aktion gegen das bestehende Recht verstoßen würde. Nur: jetzt sind die Bäume weg!
Tatsachen wurden also geschaffen!
Wahrscheinlich werden sich im Laufe der Zeit viele der Bauern, die mutig gegen die Bulldozer ankämpften, gezwungen sehen, ihren Acker besser für einen Apfel und ein Ei zu verkaufen, zumal es mindestens 6 Jahre dauern soll, bis Olivenbäume voll mit Oliven hängen. Wer hat schon so ein finanzielles Polster, um so lange zu bestehen? Und wer glaubt wirklich noch daran, sich dem Willen des Präsidenten Erdogan widersetzen zu können? Immer schön klein machen. Dann kommt man vielleicht ungeschorener durch. Mal sehen, ob diese Strategie den Familien gelingt, in denen die Männer als Bergarbeiter bislang nicht zurück an den Nachttisch gekehrt sind, weil sie unten im Stollen festhängen – falls sie noch leben. Ein weiteres Desaster sind derartige Unfälle. Eine richtige Großbaustelle sind die, die von der eitlen, sich der Bevölkerung und ihren Bedürfnissen immer mehr entfremdenden politischen Klasse der AKP gar nicht als Funken für die nächste schwerwiegende, eventuell umstürzlerische Auseinandersetzung noch nicht aufgefallen zu sein scheint – mal abgesehen von den Kurden und vielen anderen Unzufriedenen, wie zum Beispiel den nahezu 50% der Bevölkerung, die die AKP nicht gewählt haben und wahrscheinlich nie wählen werden und würden.

Niemand mehr da, der in der Türkei etwas wirklich unabhängig untersuchen kann. So eine Instanz wurde für vorerst abgestellt. Insofern lässt es sich vermuten, dass Korruption wieder ein ‚hohes Niveau‘ eingenommen hat. Letzteres belegen Umfragen in der türkischen Bevölkerung. Demnach sollen inzwischen doppelt so viele Menschen, wie noch vor ein Paar Jahren, davon ausgehen, dass Korruption in der Türkei wieder erhöht vorzufinden ist (um die 60%).

Im Stadtteil Aksaray, dort, wo besonders viel Menschen an sich vorübergehen, gibt es auch Straßen-Prostitution. Die gab es dort scheinbar schon immer. Im Laufe der Zeit haben sich schon viele Frauen und Männer (Transen), doch hauptsächlich Frauen, aus unterschiedlichsten Ländern zusammen mit Türkinnen dort prostituiert: Romas, türkische Unterschicht, Frauen aus den ehemaligen Ostblockstaaten vor allem Ukraine, Moldawien und Bulgarien; und jetzt sind es gerade fast ausschließlich Frauen aus Afrika.

nov12 151
Da wäre dann aber noch das Unfassbarere, was sich die Regierung der Türkei derzeit erlaubt: die unrühmliche Politik gegen Kimse Yok Mu. Das ist eine Art Wohlfahrtsverband. Denen wird nun per Dekret der Regierung der Zugang zu verschiedenen Geldquellen untersagt. Es wird davon ausgegangen, dass die Regierung das tut, weil ihr diese Organisation ein Dorn im Auge ist und in unmittelbarer Konkurrenz mit eigenen Hilfsorganisationen steht. Letztere, versteht sich, sind islamisch ausgerichtet und alles andere als unabhängige Organe des Staates. Nicht so Kimse Yok Mu. Sie ist die einzige Organisation in der Türkei, die den speziellen konsultativen Status des Sozialen und Ökonomischen Rates der UN innehat. Doch auch so hat sich Kimse Yok Mu international bewährt und einen Namen als echte NGO gemacht. Dass Kimse Yok Mu von der türkischen Bevölkerung getragen und geachtet wird, zeigt die Dopplung der Beiträge im letzten Jahr, schreibt die Today Zaman am 08. November, dies zum Zeitpunkt, als die Schwierigkeiten mit der Regierung so richtig zu tragen kamen. Versteht sich, dass Kimse Yok Mu von Regierungsbehörden aufs pingeligste wieder und wieder gescreened und kontrolliert wird und wurde. Letztere Prozedere, schreibt die Zaman, sind eindeutig politisch motiviert.

Bei der Operation türkischer Hilfsorganisationen (vor einiger Zeit), um Nahrung nach Gaza/Palästina zu bringen, wo auf dem Schiff namens Mavi Marmara einige türkische Staatsangehörige durch israelische Spezialeinheiten zu Tode kamen, hat Kimse Yok Mu nicht mitgemacht, da der Organisation die Aktion von Anfang an zu politisch war.

Nun, Kimse Yok Mu darf also seit einiger Zeit keine Fonds erheben, in Händen halten oder benutzen. Sie stehen somit mit nahezu leeren Händen da finanziell. Doch noch ist die Unterstützung aus der Bevölkerung für Kimse Yok Mu nicht gebrochen. Im Gegenteil! Spenden aus dem Ausland entgegen zu nehmen, geht wahrscheinlich auch nicht, weil sonst gleich Anklage auf Spionage oder dergleichen kommen dürfte, ist zu vermuten.

Last but not least ist es neulich schlichtweg dumm gewesen, von Erdogan zu sagen, dass das, was Israel in und um die Al Aqsa Moschee gerade macht, „unverzeihlich“ ist. Unvergesslich wäre die bessere Wortwahl gewesen. Doch Erdogan hat sich für „unverzeihlich“ entschieden. Davutoglu, der Ministerpräsident, schwadronierte von gewissen Rechten aus osmanischer Zeit, die die Türkei an jener Moschee noch habe. Und daher sei die Al Aqsa Moschee in gewisser Weise unter türkischem Schutz, also in türkischer Hoheit – „und wir werden alles tun, um die Al Aqsa zu schützen. Das ist uns eine heilige Mission!“

Angeblich ist es das Ziel Tel Aviv’s, den Salomon Palast – oder was für eine Art Gebäude es genau ist – wieder aufzubauen, wird in der türkischen Presse kolportiert.

Behauptet zu haben, Erdogan habe die ISIS unterstützt, scheint demnächst wohl wieder einige Journalisten in den Knast zu bringen. Noch sind die Knäste mit Journalisten gut gefüllt in der Türkei. Und noch ist nicht entschieden, ob die Türkei weiterhin die Politiken des Kurden Barzani aus Nordirak mittragen wird. Das hängt auf schwer nachvollziehbaren Wegen nämlich auch damit ab, wie sich die internationale Gemeinschaft positioniert – und zwar auch vor dem Hintergrund der mal wieder ins Stocken geratenen Verhandlungen bezüglich der Wiedervereinigung Zyperns, wo den Türken vielleicht überraschende Zugeständnisse gemacht werden könnten in diesem Zusammenhang, um im Norden Iraks einen kurdischen Staat entstehen zu lassen, genauer, um die Erze dort sowie das Öl sich besser aneignen zu können – und um so die Spannungen, die sich um Israel geradezu türmen, wieder etwas abzubauen und sie vor der Haustür des Iran aufzubauen. Man wird sehen, welcher Schachzug als nächster erfolgt.

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