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Archive for the ‘Culture-Napi Waltone’ Category

Klassik im HD-Filmverfahren

Zypern besitzt seit vielen Jahren ein vom Staat subventioniertes Symphonie Orchester. Vor Jahrzehnten dümpelte es noch vor sich hin. Die äußerst dürftig ausgebildeten Musiker fiedelten oder bliesen in ihre Instrumente, wie sie es für gut befanden. Das änderte sich in den neunziger Jahren drastisch, als im Ausland gut ausgebildete zypriotische Musiker und Dirigenten auf den heimischen Markt zurückdrängten. Zudem hat sich das Orchester dank ausländischem Zuzug zu einem guten Klangkörper entwickelt.

Zypern besitzt weder ein Opernensemble noch ein hervorragendes klassisches Ballett. Das Orchester bleibt auf symphonische Werke beschränkt. Kein Wunder also, dass die Direktaufzeichnungen von Aufführungen großer Häuser in HD Qualität Anklang finden. Über die im Rialto/Limassol ausgestrahlten Werke der Metropolitan Oper von New York, Ballette aus dem Royal Opera House London oder dem British National Theatre habe ich ja schon mehrmals berichtet. Ich setze diese Tradition hiermit fort.

Fangen wir mit den beiden Aufführungen der Metropolitan an. Eine der beliebtesten Opern von Wolfgang Amadeus Mozart ist neben der „Zauberflöte“ die Komödie „Die Hochzeit des Figaros“, wo Intrigen, Missverständnisse, moralische Lektionen in buntem Reigen ausgespielt werden und dann doch noch zu einem Happy End führen. James Levine dirigierte. Der 1947 geborene Amerikaner war lange Jahre beim Boston Symphonie Orchester, hat auch die Münchner Philharmoniker geleitet und wurde 1976 Musikdirektor der Met. Regisseur in dieser Aufführung war Sir Richard Eyre, der weltweit an Theatern, Opernbühnen und Festivals Regie führt und für seine ausgezeichnete Arbeit und Können 1997 von Königin Elizabeth zum Ritter geschlagen wurde. Alle Beteiligten waren auch bei dieser Aufzeichnung Topform. Der 1976 geborene russische Bass, Ildar Abdrazakov spielte und sang den Figaro geradezu umwerfend. Die deutsche Sopranistin Marlis Petersen stand ihm als Susanna in nichts nach. Sie mag vielen bekannt sein, denn sie sang und singt öfters an Deutschen Opernhäuser. Die amerikanische Sopranistin Isabel Leonard ist seit 2007 an der Met. Sie ist keine Unbekannte an der Staatsoper in Wien oder bei den Salzburger Festspielen. Burschikos und liebenswürdig verkörperte sie den Cherubino, der sich stets durch seine versuchten Liebesabenteuer in Schwierigkeiten bringt. Der amerikanische Bass Bariton John del Carlo sang den Intriganten Doktor Bartolo überzeugend. In diesem Ensemble der wohl besten Sänger und Sängerinnen machte ebenfalls der schwedische Bariton Peter Mattei seinen Auftritt als Graf Almaviva mit, der dem Zimmermädchen und zukünftigen Frau Figaros, Susanna, den Hof macht. Diese jedoch macht gemeinsames Spiel mit der Gräfin, um den ewigen Schwerenöter in seine Schranken zu weisen. Mozart schrieb für die vernachlässigte Gräfin zwei der schönsten Arien im Opernrepertoire, die von der Amerikanerin Amanda Majeski wunderschön dramatisch interpretiert wurden, wie zu sehen und zu hören war. Diese Sopranistin hat auch verschiedentlich mit ihrer wirklich idealen Mozartstimme das Publikum in Frankfurt, Zürich und Dresden erfreut.

Ein völlig anderes Kaliber war die darauf folgende Produktion von Verdis „Macbeth“. Am Pult stand Fabio Luisi. Regisseur war Adrian Noble und für die Kostüme, die in moderner Fassung geschneidert wurden. Dafür zeichnete Mark Thompson. Ich fand die Produktion sehr zwiespältig. Die tragende Rolle des Stücks, Lady Macbeth, wurde von keiner Geringeren als Anna Netrebko gesungen, die großartigen Applaus erhielt, sicher auch nur deshalb, weil „die Netrebko“ nichts falsch machen kann. Meines Erachtens wurde ihr Name missbraucht, oder sie überschätzte sich und wollte diese Rolle unbedingt, denn ihre Stimme war lediglich laut und die dramatische Tönung fehlte vollkommen. Das mysteriöse dieser machtbesessenen Furie von Frau, Lady Macbeth, konnte sie nicht rüberbringen. Gleichzeitig war ihre Aufmachung deplatziert. Lady Macbeth mag ihren Ehemann durch ihre Reize angestiftet haben, sich durch mehrere Morde an die Spitze des damaligen Reiches zu hieven, aber eine Edelnutte aus dem Bordell war sie mit Sicherheit nicht. Zeljko Lucic war ein Macbeth, der alle Nuancen der Rolle durch seine Stimme ausdrücken konnte, wie sein Gegenspieler René Pape als Banquo. Dieser Macbeth mag in New York Furore gemacht haben. Es ist mir unbekannt, wie die europäischen, resp. die englischen Medien sich darüber äußerten.
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Mit Musik geht es weiter, aber nicht als Oper sondern als Ballett. Der legendäre Sir Kenneth Macmillan nahm 1974 die von Jules Massenet komponierte Oper, basierend auf Abbé Prevost’s Text „Manon“, als Basis für sein bahnbrechendes Ballett, welches aus der Norm der russisch inspirierten Choreographie ausbrach, mit neuen Schritten, modernen Bewegungen, waghalsigen Sprüngen und echten Emotionen. Macmillan starb 1992 nachdem er als ehemaliger Tänzer und Choreograph dem Royal Ballett von 1970-1977 vorstand. Als Saisoneröffnung dieses Jahres wiederholte das Londoner Royal Ballett seine ursprüngliche Choreographie mit enormem Erfolg. Daraus entstand der aufgenommene Film. Die argentinische Primaballerina beim Royal Ballett, Marianela Nuñez, war die bezaubernde, bezirzende und am Schluss tragische Manon, die ihre Rolle tänzerisch wie mühelos umsetzte. Ihr ebenbürtiger Partner, der Italiener Federico Bonelli als junger Des Grieux erhielt sein Tanzdiplom 1995 aus der Ballettschule des Opernhauses Zürich. Seine Tanzkarriere führte über das Holländische Nationalballett 2003 direkt nach London. Lescaut, Manon’s Vetter, der in der Geschichte die entscheidende Rolle des herzlosen Kupplers spielt, wurde vom argentinischen Tänzer Ricardo Cervera interpretiert. Er schloss seine Tanzstudien an der Schule des Royal Balletts ab, wurde gleich engagiert und ist seit 1996 einer der Startänzer des Balletts. Es war eine ausgezeichnete Aufführung in der gediegenen Atmosphäre des Royal Opera Houses mit seinen Startänzern. Nicht nur der übertragene Applaus aus London zeigte, wie angetan das Publikum war sondern auch, dass viele der Anwesenden im Rialto mit einstimmten.

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In den Medien hört man schon seit einiger Zeit wenig Positives über die Insel der Aphrodite, Zypern. Die Wirtschafts- und Finanzkrise vertiefen sich ganz allmählich, als gebe es da einen Rhythmus. Einige Politiker und ihre Parteien in Zypern sind an der immensen Krise, die plötzlich durchschlägt schuld und gebärden sich dennoch schamlos, uneinsichtig und geradezu impertinent. Die kommunistische Partei AKEL hat keine Scheu zum Beispiel, sich als sicherer Retter der Nation aufzuspielen, hätte sie die Chance dazu gehabt und wäre sie nicht abgewählt worden. Die Aussichten auf Zypern, wahrhaft, sind zurzeit düster, doch die immer noch zahlreichen kulturellen Veranstaltungen bringen glücklicherweise Licht ins dunkle politisch gefärbte Spiel.
Den ganzen Sommer über wurden Musikabende und Theateraufführungen in den vielen Amphitheatern Zyperns aufgeführt. Im September fing das „Kypria Internationale Festival“ endlich wieder an. Unter den zahlreichen Aufführungen habe ich mir ein ganz besonderes Konzert ausgesucht: Das Rosamunde Trio. Dieses Trio wurde 2002 Martino Tirimo, einem bekannten Pianisten, gegründet. Er spielte Shostakovich, Fribbins and Dvorak. Es lohnt sich einfach, zuerst einige Worte über den Pianisten Tirimo zu verlieren.
Er wurde 1942 in eine Musikerfamilie geboren hier auf Zypern, und holte sich schon mit sechs Jahren die ersten Preise. Einige Jahre später siedelte die Familie nach London über, wo Martino mit 16 Jahren das renommierte Franz Liszt Stipendium der Königlichen Musikakademie zugesprochen erhielt. Das erhält man nicht mal so. Unausweichlich geradezu schien somit gewesen, dass 1971 – 72 seine internationale Karriere begann, und zwar nach dem Gewinn des Internationalen Piano Wettbewerbes von München und Genf. Seither tritt dieser große Pianist mit den bedeutendsten Orchestern und Dirigenten auf. Als Solopianist ist Martino ebenfalls sehr gefragt. Seine bislang getätigten Einspielungen gehen in die Dutzende. Schubert ist seine große Liebe.
In Nikosia und in Larnaka spielte Martino mit seinem Trio (Ben Sayevich Violine und Daniel Veis Cello) das Klavier Trio No. 2 in E-Moll, op 67 von Dimitri Shostakovich, vom jungen Engländer Peter Fribbins „Softly, in the dusk…“ und als Abschluss das Klavier Trio in E-Moll, op. 90 von Dvorak. Unter der Leitung von Martino Tirimo, die vom Klavier aus stattfand, kann offenbar nichts schiefgehen. Doch das Programm hätte durchaus zum Scheitern verurteilt sein können. Keines der gespielten Stücke ist je ein „Ohrwurm“ gewesen. Jedes der aufgeführten Stücke ist in seinem Genre eher gewagt und gewohnheitsbedürftig. Leider war das große Theater in Strovolos/Nikosia nicht der richtige Ort und Rahmen für so ein hervorragendes Trio. Der Saal ist zu wuchtig und ist an jenem Abend zusätzlich mit wenig Interessierten besetzt gewesen.

Nun, dafür waren einige Tage später, im kleinen bis zum letzten Platz besetzten Pallas Theater von Nikosia, von angehenden klassischen Sängern Gesangsproben zu hören. Das von der in London lebenden bekannten Sopranistin Katarina Miná initiierte und organisierte Programm, ging querbeet sozusagen: Mozart, Puccini, Verdi, französische Komponisten und Klassik griechischen Ursprungs. Die jungen Sänger, von denen noch zu hören sein wird, haben voll überzeugt – machten den Abend zu einem festlichen Anlass. Auch der begleitende Pianist war vorzüglich.
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In Zypernundmehr-News wurde vor einem Jahr über das sehr gute Konzert zweier jüngerer Musiker aus Belgien und Österreich berichtet, die von der Pharos Art Foundation, wie auch der Österreichischen Botschaft gerufen worden waren, um ihr Können zu zeigen. Es handelt sich konkreter um das Duo Raskin & Fleischmann, welches auch dieses Jahr nicht enttäuschte. Sie spielten Ludwig van Beethoven und Richard Strauss und ein Stück von Christoph Ehrenfellner, ein 1975 geborene Salzburger. Dieser noch junge Komponist brilliert nicht nur mit seinen eigenen Werken, sondern ist auch ein begehrter Dirigent und Violinist. Seine Kompositionen können im Allgemeinen eher der Gegenwartsmusik zugeschrieben werden, ohne jedoch all zu abstrakt und tongekünstelt zu wirken. Dieses Konzert also fand dieses Jahr in Limassol und in Paphos statt, doch, was das Publikum anging, wurde das Konzert in Limassol nicht sonderlich gut besucht.
Natürlich durfte auch dieses Jahr das Opernfestival in Paphos nicht fehlen. Bekanntermaßen ist es Anfang September der musikalische Höhepunkt in der Welt der Klassik auf Zypern. Dass die mittelalterliche Burg am Hafen von Paphos stets als Kulisse dient, ist bereits eine Markenzeichen und hat einfach eine ganz besondere Atmosphäre.
Es wurden drei Vorstellungen an drei verschiedenen Abenden geboten, die wieder großen Anklang fanden. Alle Aufführungen sind gut besucht gewesen, und zwar von Einheimischen, wie auch von auf Zypern lebenden Ausländern und Touristen. Mozarts „Così fan tutte“ stand auf dem Programm und dafür engagiert wurde, wie letztes Jahr, die Opera Futura Verona und das Zyprische Symphonie Orchester. Der hauseigene Ayis Ioannides dirigierte. Die Sänger und Sängerinnen, die am Premieren-Abend auftraten, haben ihre Rollen in gesanglicher wie spielerischer Weise wirklich gut gemeistert. Lediglich gegen Ende der Vorstellung bekundete die Stimme des Tenors etwas Mühe, den Ton zu halten. Die Stimme wirkte plötzlich etwas müde und sehr unsicher. Doch für das Finale, dem Part der Versöhnung, hatte er seine Stimme wieder im Griff. Gesungen haben also Paola Santucci (Sopran), Paola Gardina (Mezzo Sopran), Francisco Brito (Tenor), Valdis Jansons (Bariton), Graziano Dallavalle (Don Alfonso Bariton) und die Rolle der quirligen Despina war mit Paola Cigna (Sopran) wirklich gut besetzt. Der Applaus war heftig und wohlverdient, jedoch, wie stets auf Zypern, kurz. Das Publikum wollte um ein Uhr morgens wohl so schnell wie möglich nach Hause und zu den Autos, alle, schien es strebten urplötzlich in Richtung Ausgang an den bereits geschlossenen Restaurants und Cafés am Quais vorbei.
Leider beginnen die Vorstellungen stets zu spät, und dann werden sie auch noch mit langen Reden der Veranstalter und Politiker eingeführt bzw. belastet. Nicht anders war es dieses Jahr, denn der Ehrengast war der zyprische Präsident Nikos Anastasiades, der sich auf diese Weise, sollte er nicht vorher gegangen sein, als eventueller Freund der Oper outete.

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17. European Contemporary Dance Festival in Limassol und Nikosia

Ein Beitrag von Napi Waltone

Mit kleinerem oder größerem Erfolg hat sich dieses Tanzfestival durch die letzten 17 Jahre gemausert. Der Anfang war harzig, dann kamen die Jahre mit großer Beteiligung aus den europäischen Ländern. Die Tanzgruppen waren in choreographischer und tänzerischer Hinsicht äußerst verschieden. Die Trends, die in europäischen Großstädten gesetzt und initiiert werden im modernen Tanz, erreichen auch die Bühne des Rialto Theaters in Limassol – zum Glück. Nur wenige Länder widerstehen dieser Neuausrichtung und brachten und bringen hervorragenden Tanz mit origineller Choreographie, wo Musik nicht nur als Hintergrund- oder Geräuschkulisse fungiert.
Bodengymnastik schien der Trend zu sein. Die stets geringeren Zuschauerzahlen dieser „Turnhalle-Atmosphäre“ zeigen letztlich deutlich auf, dass das nicht genügt, weil die Ränge eben leer bleiben, sondern, dass durch den Tanz eine Botschaft zu übermitteln ist – irgendeine möglichst begreifliche. So verkleinerte sich also die Zahl der eingeladenen Tanzensembles aus den verschiedensten Staaten immens.
Für das diesjährige Tanzfestival, 2014, welches vom 2.-29. Juni stattfindet, wurden aus 10 verschiedenen Ländern je ein Ensemble eingeladen. Lediglich aus dem Gastland konnten zwei Ensemble ihre Künste darbieten. Die Letzteren sowie die Ensembles aus Israel, Österreich, Spanien und Großbritannien tanzen auch in Nikosia. Aus Zeitgründen wurde es mir jedoch verunmöglicht, alle Vorstellungen zu besuchen. So hatte ich die Wahl der Qual und entschied die „Tanz Company Gervasi“ aus Österreich und die „Compagnie 7273“ aus der Schweiz zu besuchen.
Die Choreographie wurde vom Gründer der Truppe Elio Gervasi gemacht. Und das Stück, indem aus verschiedenen Ländern stammende Tänzer tanzten, erhielt den Namen „Solo with Guests (Part Two) und dauerte 65 Minuten. Im Programmheft wird es so beschrieben: „das Stück versucht weder Antworten zu geben (auf welche Fragen?) noch empfiehlt es Theorien. Hingegen stellt es uns selber vor, es drückt sich mit Fragen aus im Sinne der Lyrik von Walt Whitman. Die Körperbewegung jedes einzelnen Tänzers folgt einer genauen Ordnung: visuell scheint es chaotisch zu wirken. Chaos wird zu einem kreativen Element von Kommunikation.“ Soweit einige Fragmente aus dem Programmheft.
In der Tat, es erschien dann auch chaotisch, eher weniger kreativ, und irgendwie unmotiviert wirkte es, wenn die Tänzer aufeinandergeschichtete Plastikkisten in diverse Positionen verschieben, sich über den Boden rollen und kreischen, oder belanglose Wörter rezitieren, und dies zu einer undefinierbaren, elektronischen Musik von Albert Castello.
Der Schweizerbeitrag von der „Compagnie 7273“ steht und stand dazu im Gegensatz. Das von Laurence Yadi und Nicolas Cantillon choreographierte Stück „Nil“ (55 Minuten) folgte der Musik von Sir Richard Bishop in einer fließenden, von arabischen Klängen durchwirkten Bewegung. Der Fluss, in seiner Länge durch Afrika, träge strömend, durch Stromschnellen in plötzliche Unruhe getrieben und schäumend, in den harmonischen Bewegungen, zu Beginn langwierig scheinend, dann faszinierend dem Wasser folgend, das war etwas, wo der Geist, finde ich, angesprochen wurde – die Phantasie.
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Das Programmheft meint dazu: „Es ist nicht länger ein Fluss auf der Landkarte sondern ein Reservoir voller Einfälle um Bewegungen auszukosten und sie in Einklang zu bringen in einer mentalen Welt. Durch die immerwährende beständige Bewegung des Wassers werden emotionelle Bilder gestaltet und sind so lebhaft wie die Landschaft des Flusses; Wüste und gleichzeitig fruchtbare Böden, d.h. die Schöpfungskraft der Natur.
Der amerikanische Komponist und Gitarrist, der sich Sir Richard Bishop nennt, ist seit 1979 musikalisch aktiv. Die Choreographen haben ihr Stück im Januar 2011 in Genf uraufgeführt und erhielten dafür im gleichen Jahr den Schweizerischen Tanz- und Choreographen Preis.
Verschiedene Rezensionen dazu sind im Kulturteil der einen oder anderen Zeitung erschienen. Die Frage scheint oft zu sein: Wie kommt es, dass viele der modernen Tanzgruppen aus der französischsprachigen Schweiz stammen? Ganz einfach, könnten Sie denken, zuerst macht es ein Genie vor, und die Jünger folgen. Das Genie von dem die Rede ist, ist derjenige, dem der große Durchbruch 1987 gelang, als der damals schon weltberühmte französische Tänzer und Choreograph, Maurice Béjart, sein 1960 gegründetes „Ballet du XXe Siècle“,1987 nach einem Disput mit der Kulturabteilung der Stadt Brüssel, kurzerhand nach Lausanne verlegte und es von da an als „Ballet Béjart Lausanne“ weiter funktionieren ließ. Gestorben ist er 2007 in der Stadt seiner Wahl. Dieser Umzug von Brüssel nach Lausanne inspirierte die Tanzszene im gesamten „Arc Léman“, und die Genfer wollten da selbstverständlich nicht hinten an stehen. Sie kamen ebenfalls in den Bann des großen Meister und ließen sich inspirieren. Nicht nur die Gegend um den Genfersee wurde von Béjarts Meisterleistung erfasst. Wie eine Sturmwelle breiteten sich seine Tanzvisionen, seine Choreographien mit weitem Radius, weltweit aus. Noch heute erweckt bei Tanzbegeisterten der modernen Richtung der Name Béjart Begeisterung und diese Tradition lebt in seinen Schülern fort.

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Ein Beitrag von Napi Waltone

Die Gebrüder Grimm waren bei weitem nicht die Ersten, die den romantisch-sentimentalen Stoff des armen verstoßenen Mädchens, die zur Königin wurde, in die Kinderstuben brachten, wohl aber diejenigen, die dieses weitverbreitete Volksmärchen den Kindern der deutschsprachigen Länder bekannt machten. Es war bei vielen Völkern ein beliebter Stoff für Sagen und Märchen. Schon 1697 brachte Charles Perrault seine Geschichte „Cendrillon“ unter das Volk und seither wird die Geschichte in verschiedenen Variationen gespielt, vertont, getanzt, und gesungen. Die Grundidee bleibt die gleiche: das arme und verstoßene Mädchen kriegt eine goldene Zukunft, entweder als Herrscherin oder „Society Dame“. Die letztere Version kommt vor allem in den modernen Interpretationen vor.
Wer hätte damals geglaubt, dass anfangs des zwanzigsten Jahrhunderts das Ballett „Aschenbrödel“ große Erfolge feierte? Von keinem Geringeren als von Johann Strauß stammte ein Teil der Musik. Als er im Juni 1899 starb, vollendete Josef Bayer die Partitur. Uraufgeführt wurde es am 2. Mai 1901 an der Königlichen Oper zu Berlin. Der damalige Direktor der Wiener Oper, Gustav Mahler, weigerte sich, das Stück für seine Bühne anzunehmen. Das Wiener Publikum musste noch einige Jahre bis zur Erstaufführung warten. Es war der Nachfolger Mahlers, Felix Weingartner, der es glanzvoll am 4. Oktober 1908 vorstellte. Bis zum Kriegsausbruch gehörte es zum beliebten Repertoirestück der Wiener Oper. Seither wird dieses Ballett kaum noch aufgeführt. Die bekanntesten Choreographen des 20. Jahrhunderts haben die Musik von Sergei Prokofiev benützt, der 1940-1944 den Stoff bearbeitete und seither triumphiert diese Version auf den namhaften Theaterbühnen der Welt.
Dieser Stoff, der dem Publikum weltweit ins Herz geht, hatte viele Komponisten angeregt, so auch die Bekanntesten davon Jules Massenet und Ermanno Wolf-Ferrari, denen drei Jahrzehnte später Frank Martin folgte. Auch die Amerikaner liebten die Idee und Walt Disney brachte 1950 seinen Film „Cinderella“ heraus, der wahrscheinlich zum erfolgreichsten Disney Film aller Zeiten wurde.
Heute darf gesagt werden, dass sich in der Tanzszene Prokofievs Musik durchgesetzt hat und auf der Opernbühne das 1817 von Gioachino Rossini komponierte „La Cenerentola“. In der Opernwelt gibt es nur wenige Ausnahmen, wo die führende Rolle nicht von einer Sopranistin gesungen wird. In „Cenerentola“, wie übrigens auch in „Carmen“ wird die Hauptperson von einer Mezzosopranistin gesungen. Rossini ist bekannt durch seine Zungen brecherischen Koloraturen, die für Mezzos einiges schwieriger sind, als für die höhere Lage der Sopranistinnen. Man denke da nur an die Arie der Königin der Nacht in der „Zauberflöte“.
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Zwei sehr bekannte Mezzosopranistinnen, die jeweils „standing Ovations“ feiern sind Joyce DiDonato und Cecilia Bartoli. Die Letztere ist Italienerin, verheiratet mit dem Bariton Oliver Widmer, wobei die Amerikanerin DiDonato aus einer sehr gesangsfreudigen irischen Familie stammen soll. Die diesjährige Aufführung „La Cenerentola“ an der Metropolitan Opera von New York, die weltweit in HD-live übertragen wurde und im Rialto Theater von Limassol gezeigt worden ist, war ein weiteres Opern-Erlebnis, das unter die Haut ging. Souverän durch die Aufführung führte die Sopranistin Deborah Voigt (einige Kilos leichter als vor einem guten Jahrzehnt, als sie nach erfolgreichen Auftritten an der Londoner „Covent Garden“ für weitere Produktionen als zu dick eingestuft und entlassen wurde.)
Nun, um auf die Oper zurückzukommen: Die drei Jahre ältere Cecilia Bartoli sang diese Rolle 1997 an der Metropolitan Opera. Beide Künstlerinnen habe ich nicht „live“ auf der Bühne erlebt. Ich kenne ihre Stimmen nur durch die Übertragung oder über Tonträger. Daraus schließen kann ich aber, dass die Stimme der Bartoli weicher und deshalb gefügiger in den Zungen brecherischen Koloraturen ist. Es ist eine Sache der Interpretation ob dadurch die Dramatik leidet, denn das leicht dunkler gefärbte Timbre der DiDonato verleiht der Figur eine ernstere und zusätzliche Note – macht sie dramatischer. Die Rollen der beiden Halbschwestern wurden mit Rachelle Durkin und Patricia Risley hervorragend besetzt. Don Magnifico, der Vater, wurde von Alessandro Corbelli gesungen und Alidoro war Luca Pisaroni. Dandini, der verkleidete Prinz wurde von Pietro Spagnoli verkörpert. Und Don Ramiro, den echten Prinzen, sang derin New York vergötterte Juan Diego Flórez. Am Pult stand Fabio Luisi
Die gesamte Aufführung war hervorragend (die Schlussszene mit dem Hochzeitskuchen eher amerikanisch kitschig, aber noch tolerierbar). Ohne Übertreibung darf gesagt werden, dass diese Aufführung ein weiteres Juwel in der Gesangskunst von Joyce DiDonato und Juan Diego Flórez ist und war; so auch des gesamten Ensembles der Metropolitan Opera. Das Programm der neuen Saison (ab September), mit weltweiter Übertragung einiger Aufführungen, ist bemerkenswert. Wir können uns bereits vor Vorfreude darauf kaum noch halten.

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Ein Beitrag von Napi Waltone:

Von zyprischen Schriftstellern, die auf Griechisch schreiben, wird leider nicht sehr viel übersetzt. Ein Buch, welches von Antoine Bohdjalian ins Englische übersetzt wurde, ist mir kürzlich in die Hände gefallen. Andreas Karayan, der sich nicht nur schriftstellerisch betätigt, sondern ein bekannter Maler und Zeichner ist, hat im zyprischen Armidaverlag unter dem Titel „Immoral Tales: A Coming of Age Erotic Odyssey“ , eine Art Autobiographie herausgebracht.
Der 1943 geborene Autor erlebte seine Studienjahre in London. Später nahm er für einige Zeit Domizil in Alexandria. Er hat sich vor allem in Nikosia etabliert. Karayan war stets, und ist es immer noch, gut befreundet mit Leuten aus der zyprischen Kulturszene. Auf dem Buchdeckel steht folgender Beitrag, der von mir folgendermaßen ins Deutsche übersetzt wird. „Im Zeitalter von David Hockney, Derek Jarman, Kenneth Anger und Andy Warhol, indem Bisexualität als vorerst radikal, anschließend als trendy angesehen wurde, wird ein junger Mann mit der Mehrdeutigkeit sexueller Rollen konfrontiert und schwankt zwischen den Schatten junger Blumenmädchen und Männerliebe. Es ist ein ehrlicher und berührender autobiographischer Roman eines in das Erwachsenenleben tretenden jungen Mannes, der die Liebe, die Kunst, die sexuelle und künstlerische Identität entdeckt. Es ist eine Reise, die im „swinging“ London der SechzigerJahre beginnt und bis zum heutigen Alexandria/Ägypten führt. Indem der Autor seine persönlichen Erfahrungen in die modernen sozialen und historischen Ereignisse einwebt, ist das Buch des international bekannten zyprischen Künstlers, Andreas Karayan, eine farbige Charakterstudie, welche das Wesentliche im Leben erfasst. Das Buch erhielt 2011 den Nationalen Zyprischen Literaturpreis.“

Nach der Lektüre fragt man sich als erstes, ob die erzählten Geschichten (es sind deren 11) dem heutigen Leser etwas mitteilen können und dies zu welchem Zweck. Vor allem, finde ich, sind es Erinnerungen an eine sich öffnende tabu-lose Zeit der 68 Jahre. Ich nehme an, dass dies für die heutige zyprische Jugend, oder der zyprischen 68-Generation, die Augen öffnet, und daran erinnert, was die damalige Bewegung bewirkt hat – wovon Zypern wohl eher völlig ausgeschlossen worden ist und war.
Mentali scheinen die meisten Zyprer noch in den vor68iger Jahren stecken geblieben, was vor allem – Anmerkung des Autors – der hiesigen, zyprischen orthodoxen Kirche anzulasten ist, die sich allgemein gegen Neuerungen stellt.

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Die Geschichten sind, wenn man so sagen will, in sehr konservativer Auslegung immoralisch, denn öfters werden Dreierbeziehungen angedeutet, oder eben Beziehungen, die periodisch, gleichzeitig, in bisexueller und schwuler Richtung laufen, vor allem in der jugendlichen Phase des Autors in London, wo es eher eindeutig in die schwule Richtung geht – in späteren Jahren dann in Alexandria.

Es ist dies trotz allem ein gewagtes Buch, vor dem Hintergrund der noch sehr konservativen zyprischen Leserschaft. Es gibt dem interessierten Leser durchaus wertvolle Hinweise, der sich die „Hippiezeit“ und allgemein die 68iger Bewegung der sogenannten Befreiung aus der Zwangsjacke bürgerlicher Verlogenheit nicht vorstellen kann – bzw. schon immer mal nach einem zyprischen Vertreter derselben suchte.

Verlegt wurde das Buch 2014 von Peter Archer im Armida Verlag, Nikosia unter der ISBN Nr. 13.978-9963-706-74-7. Wenn der Autor kein Zyprer wäre, wäre mir das Buch wohl nicht auf den Stapel zu lesender Bücher gekommen!

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Ein Beitrag von Napi Waltone!!!

 

In den internationalen Medien hört man kaum noch von den Finanz- und Wirtschaftssorgen auf der Aphrodite Insel. Auch nur mittelmäßig informiert ist man nach der Lektüre der lokalen Zeitungen, die sich öfters wiederholen und Altgebackenes als Frischbrot verkaufen. Die Journalisten müssen eben auch leben!

Eindeutig besser überzeugt der Kulturmarkt. Ende März wurde die lang erwartete Eröffnung der „Leventis Gallery“ in Nikosia gefeiert. Im Grunde genommen ist es mehr ein Museum als eine Kunstgalerie. Die Öffnungszeiten sind sehr attraktiv. Geschlossen wird am Dienstag und am Mittwoch erst um bis 22.00 Uhr. www.leventisgallery.org gibt ausführlich darüber Auskunft. Das Gebäude wurde als moderner Museumsbau konstruiert. Auf der Eingangsebene befindet sich das Restaurant/Café, welches auch außerhalb der Öffnungszeiten begehbar ist und von der Straße her erreicht werden kann. Es ist bereits ein Publikumsmagnet. Diese Galerie wurde erbaut dank der Familienstiftung Anastasios G. Leventis, ein Geschäftsmann, der die Stiftung 1979 gründete – Ende der 80-Jahre verstarb er. Dieser Philanthrop, der in Westafrika und anschließend in England und Frankreich ein Riesenvermögen anhäufte, gründete vorerst in mehreren Staaten in Westafrika Gesundheitszentren und Landwirtschaftsschulen, was später auf Stipendien an Griechen und Zyprer ausgeweitet wurde, damit die jungen hoffnungsvollen Studenten im Ausland studieren konnten. Er war maßgebend daran beteiligt, in den beiden Ländern die Gründung von Hochschulen zu ermöglichen, und damals entstand auch die „University of Cyprus“.

Zurück zum Museum. Darin ausgestellt wird vor allem die Sammlung aus seinem Pariser Domizil. Das Parterre ist der „Zypern Kollektion“ gewidmet, wo bedeutende zyprische Künstler (geboren zwischen 1884 und 1930) zu sehen sind. Die erste Etage beinhaltet die „Pariser Kollektion“, wo sich alte Meister mit Impressionisten wie Monet, Renoir etc. und moderner Kunst (Dufy, Utrillo und Chagall) mischen. In der 2. Etage sind die Werke griechischer Künstler vertreten, die nach der Unabhängigkeit von 1821 bis 1970 entstanden sind.

Nikosia kann stolz auf die Kollektion von Leventis sein, die eigentlich für jeden kunstbefliessenen Touristen ein absolutes Muss sein sollte.

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Das Rialto Theater in Lemesos glänzt weiterhin mit der Übernahme der Direktübertragung von Opernaufführungen aus der Met in New York. Kürzlich war es Mozart’s „Così fan tutte“ in einer fulminanten Darbietung zu erleben. Die durch das Werk führende Hostess war die bekannte Sopranistin Renée Fleming. Das Bühnenbild (Michael Yeargan) war eher schlicht, aber auf den Punkt passend. Ferrando wurde von dem ebenfalls an der Covent Garden, in Berlin und München singenden amerikanischen Tenor Matthew Polenzani gesungen, Guglielmo vom russischen Bariton Rodion Pogossov (an den bedeutenden Häusern in Europa ebenfalls bekannt) und Don Alfonso gab der Italiener Maurizio Muraro. Fiordiligi verkörperte die in den USA aufsteigende Starsopranistin Susanna Phillips. Das tat sie wirklich wunderbar, begleitet von der Mezzosopranistin Isabel Leonard als Dorabella, die ebenfalls in Europa nicht unbekannt ist. Despina, das intrige Weib, war hochkarätig besetzt durch Danielle de Niese, die aus ihrer Heimat Australien mit sri-lankischen Wurzeln an der Met singt.

Die gesamte Aufführung war so hinreißend, dass nicht nur das Publikum der Met begeisterten Applaus spendete, sondern das Rialto-Publikum in Limassol spontan mit einstimmte.

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Bleiben wir noch ein Weilchen bei der Musik. Schon seit einiger Zeit wurde in dieser Kolumne, die hier von mir in Zypernundmehr-News betrieben wird, nicht mehr über die Aufführungen des “Zyprischen Symphonieorchesters“ gesprochen, was schleunigst nachgeholt werden muss. Das von mir vor kurzem besuchte Konzert, von dem ich berichten mag, fand im kleinen aber schmucken Saal des PallasTheaters von Nikosia statt. Das verheißungsvolle Programm brachte dann auch wirklich eine sehr große Zuhörerschaft in Bewegung, das heißt, in den Saal. Der in St. Petersburg und Los Angeles ausgebildete Dirigent Giorgos Kountouris war als Gast anwesend. Er ist auch in Griechenland und in verschiedenen Ländern Europas ein gut beschäftigter Orchesterleiter. Den Auftakt des Abends machte ein Stück des zyprischen Komponisten Andreas Moustoukis. Wunderbar instrumentiert mit Streichern,  Bläsern, Percussion und verhaltener Singstimme über Lautsprecher. 2006 hatte er dieses Stück Dimitri Shostakovich gewidmet, welches er auf einem kurzen Vers von Frederico García Lorca basierte. Als nächstes stand Haydn’s „Elektra und Berenice“, die Arie der Berenice auf dem Programm. Sehr dramatisch und stimmlich herausfordernd war es und die Sopranistin Katerina Mina (aus einer früheren Besprechung bekannt) glänzte erneut. Sie wurde der Partie wirklich sehr gerecht. Es handelt sich bekanntlich hier um eine Arie mit wenigen stillen Tönen. Um es anders zu formulieren: Die Arie bestand hauptsächlich aus voluminöser Selbstanklage und Bitte an die Götter, sie zu entleiben, was sehr unterstützt wurde durch die Prominenz der Windinstrumente.

Dieser Meisterleistung folgte die zweite: „Oh, smania! Oh Furie! – D’Oreste, d’Ajace“ aus Mozarts Idomeneo. Diese zwiespältige Arie der Elektra, welche aus dem Rezitativ voller Rachegefühle besteht und einer Arie, wo sie ihrem Pathos mit voller Kraft Ausdruck verleiht, war die zweite Herausforderung an die Sopranistin. Noch ein wenig mehr Schliff an der Stimme, würde ich sagen, und sie wird in Zukunft bei größeren Anlässen als diesem in Nikosia, gebührenden Applaus einheimsen.

Die Frühlingsmonate, die hier auf Zypern bereits in vollem Gang sind seit geraumer Zeit, sind, was die musikalischen Darbietungen angeht, stets interessant. Wir dürfen uns also auch in nächster Zeit noch auf einiges freuen, was hier berichtet werden wird.

Sie werden wieder von mir lesen.

 

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Interkommunal und fruchtbar

Ein Beitrag zur Kultur auf Zypern von Napi Waltone!

Am Rande der Altstadt von Nicosia, nahe beim Pafostor, wurde vor Jahren Teil des alten Palastes, Kasteliotissa, renoviert, welcher aus der Lusignanzeit stammt (Gotik). Er wird seither zur Freude vieler Musikliebhaber als Konzertsaal benutzt. Er hat eine feine Akustik und die ganz spezielle Stimmung, welche von dem alten Gemäuer ausgestrahlt wird, ist eine Augenweide und birgt großen Musikgenuss So auch wieder kürzlich, als ein Musikabend zu Ehren der Francophonie stattfand.

 

Das Programm war ausschließlich französischer Musik gewidmet, vor allem Chopin, Bizet, Massenet, Paul A. Genin und anderen.

Es war in jeder Hinsicht ein erwähnenswertes Konzert. Von den vier Artisten waren zwei griechisch- und zwei türkisch-zypriotisch. Am Klavier wechselten sich Fikri Toros und Agnes Sacca ab, wobei die letztere ihr Diplom vom renommierten „Conservatoire Royal de Musique de Bruxelles“ besitzt. Sie wählte, nebst Begleitung der Sängerin, ein Scherzo und die Fantasie Impromptu, op. 66, von Chopin. Technisch brillant spielte sie die beiden Stücke in rasantem Tempo und die einzelnen Phrasen rhythmisch fein moduliert. Fikri Toros hatte sich für verschiedene langsamere Stücke Chopins entschieden, wobei er nicht verhindern konnte, dass seine Interpretation leicht in Eintönigkeit ausuferte. Eran Raman, Flöte, hatte sein Instrument im Griff und begleitete die Sängerin Katie Economidou virtuos in Bizets „Romance de Nadir“ aus der Oper „Die Perlenfischer“ und Massenets „Elegie“.  Die Sängerin mit ihrem helleren Timbre als Mezzo Sopranistin konnte die gesungenen Lieder dem Publikum sehr schön darbringen und besonders einige Chansons von Edith Piaf, Jacques Brel und Georges Moustaki fanden viel Applaus. Der Flötist, Eran Raman und Fikri Toros am Piano ernteten ihrerseits das Hochgefühl des Publikums, als zum Abschluss Paul Agricole Genins „Carnaval de Venice“ in brillanter, facettenreicher Interpretation musiziert wurde. Die freudige Anerkennung des Publikums zeigte, wie beliebt dieses Stück ist. Im deutschen Sprachraum ist es als „Mein Hut, der hat drei Ecken“ bekannt.

2012-10-19 14.17.11

 

Der erfolgreiche Abend, der von rund 120 Personen besucht wurde, war in jeder Hinsicht gelungen. Die Musiker, in gelockerter Stimmung, hatten also eine gute Auswahl getroffen, der dem Geschmack des Publikums entsprach. Nebenbei wurde demonstriert, sozusagen, dass bi-kommunale Gemeinsamkeit möglich ist, wenn sie gesucht und mit Beharrlichkeit und Intensität ausgeführt wird – durchaus auf fruchtbaren Boden fällt.

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