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Nordzypern, Januar 2017

Es ist mal wieder so weit, denn es ist Ende Monat. Diesmal, wie versprochen, werden Sie etwas mehr aus dem zyprischen Norden erfahren, aus und von der Nordzyprischen Türkischen Republik. *** In der…

Quelle: Nordzypern, Januar 2017

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Es ist mal wieder so weit, denn es ist Ende Monat. Diesmal, wie versprochen, werden Sie etwas mehr aus dem zyprischen Norden erfahren, aus und von der Nordzyprischen Türkischen Republik.

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In der nördlichen Hafenstadt Girne/Kyrenia Zyperns läuft gerade (25.01.17) ein Prozess vor der Strafkammer. Ein Arzt des dortigen Akçiçek Hospitals wird mit weiteren 5 oder 6 Personen beschuldigt, in den 1990er Jahren, menschliche Föten im Müll des Unternehmens entsorgt zu haben. Der Name des Arztes lautet Fahri Karagözlü. Seine Anwältin ist Frau Güneş Menteş. Um die Aussage von Karagözlü vor Gericht zu bekräftigen, nämlich, dass an seinem Arbeitsplatz so etwas nicht vorkommt, wie Föten in den Müll geben, wurde auch Herr Beyoğlu als Zeuge vom Verteidiger des Angeklagten, Karagözlü, vor die Stzrafkammer zitiert. Herr Beyoğlu ist ebenfalls im zuvor genannten Krankenhaus tätig.

Beyoğlu: „Wenn eine Schwangerschaft über 10 Wochen hinausgegangen ist und die Gesundheit der Frau und/oder des Kindes in Frage steht, wird auf Grundlage einer Analyse, die bei uns im Labor gemacht wird, festgestellt und von 2 Doktoren unterschrieben, dass ein Baby eventuell abgetrieben wird. Vor dem Jahr 2011 gab es einen Ofen, indem solch ‚Material‘ vernichtet wurde. Im Zuge eines Projekts der EU wird ab 2011 dieses ‚Material‘ mit einem speziell aus Kupfer angefertigten Müllcontainer in einem Laster weggebracht. Solches ‚Material‘ wird seit jenem Zeitpunkt auf diese Weise im Krankenhaus gesammelt [und entsorgt].

Also: Es werden nur jene Babys begraben, welche zwangsläufig aus dem Inneren einer Frau entfernt werden mussten sowie Totgeburten. Diese werden nicht in die erwähnten, kupfernen Müllcontainer gegeben. Da es in den Moscheen keinen Ort gibt, in welchem Waschungen vorgenommen werden könnten, werden diese Babys in der Leichenkammer des Krankenhauses gewaschen und dann zu Grabe getragen. Schriftlich nicht Festgehaltenes passiert im Krankenhaus nirgends! Das ist außer Frage!“

Das Gericht hat den Prozess auf den 26.01.17 verschoben.

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Dass im Norden die Uhren stillstehen, das dürfen Sie sich nun wirklich nicht einreden lassen, verehrte Leser. Es gibt durchaus ein Leben nach und neben den Wiedervereinigungsverhandlungen der Zyprer. Ja, und das zeigt sich unter anderem darin, dass die Gewerkschaften mal wieder zu Streiks aufgerufen haben im Norden. Wer von Ihnen am 24.01.17 im Norden von Nikosia unterwegs war, wird das wahrscheinlich bestätigen können.

19.58 Uhr ging an jenem 24.en Januar 2017 ein Mitglied des Führungsstabes der KTÖS, Herr Kemal Güçveren, davon aus, die Polizei habe ihm eine Rippe gebrochen. Umgehend wurde er ins Krankenhaus gebracht. Die konnten dort so etwas aber nicht feststellen. Das heißt, es waren gut 5 Stunden vergangen, denn die Aktionen der Streikenden vor dem Präsidentensitz in Nikosia Nord sollen um 14:45 Uhr beendet worden sein und Güçveren war ja erst um 19.58 Uhr zur Untersuchung. Und dass die Demonstration um 14:45 Uhr beendet wurde, soll nur deswegen der Fall gewesen sein, weil an jenem Tag in Gewahrsam genommene Streikende von der Polizei wieder auf freien Fuß gesetzt worden sind – alles Frauen: Davita Günbay, Faika Deniz Paşa, Havva Güleş.

Hier angekommen, mag kurz erwähnt sein, dass die KTÖS die Gewerkschaft der Lehrer im Norden Zyperns ist, und somit ist der erwähnte Herr Güçveren also ein Lehrer. Und Lehrer streiken bekanntlich oft und viel im Norden. Herr Güçveren scheint sich mit der Polizei etwas mehr als gerauft zu haben, wie viele andere auch an jenem Tag. Auch 3 Polizisten sollen verletzt worden sein, die ebenfalls ins Krankenhaus gebracht wurden, um sich untersuchen zu lassen. Insgesamt wurden sogar 7 Beamte verwundet bei den Auseinandersetzungen, nach Angaben der Staatsmacht. Apropos: Die KTAMS (Kıbrıs Türk Amme Memurları Sendikası = Öffentlicher Dienst), Bay-Şen, Dev-İş und die BES Gewerkschaften waren auch anwesend – natürlich! Und: Die KTAMS verteidigt seit geraumer Zeit die Ansicht in der Öffentlichkeit, dass ein Mindestlohn von 2.760 TL eingeführt gehörte! Und dann wäre da noch kurz einzuflechten, dass angeblich ein entscheidender Schritt in Richtung der ‚Versicherung für alle‘ gesetzt worden sein soll im Norden Zyperns, und zwar am 01. Januar 2017. Der Gesundheitsminister hatte da so eine Bemerkung gemacht gehabt, Herr Sucuoğlu, die hoffen lässt. Anscheinend sollen einige Ärzte, die in Privatkliniken des Nordens arbeiten, sich dagegen ausgesprochen haben, schreibt Prof. Dr. Vedat Yorucu am 27.01.17 in der Kıbrıs Gazetesi. Dem nicht genug ruft die Konföderation der Verbraucherorganisationen im Norden Zyperns neuerdings dazu auf, ab Montag dem 30.01.17 eine Woche das Handy nicht mehr zu gebrauchen. Der Grund? Die beiden türkischen Anbieter auf dem Markt haben die Preise unverhältnismäßig angezogen.

Zurück zum 24.01.2017 und den Demonstrierenden vor dem Sitz des Präsidenten im Norden:

Die Demonstranten riefen unter anderem: „Uns haben sie hier alleine gelassen!“ Oder: „Freund Husein Pabuçu komm raus, spielen wir draußen!“ Und natürlich sangen sie, wie wahrscheinlich immer den dortigen Demonstrationshit: „ciao bella ciao … !“ Zu hören waren allerdings auch Töne, wie: „Die Mörder werden ihre Rechnung noch begleichen!“ Ja, die „Çevik Kuvvet“-Einheit der nordzyprischen Polizei war sogar auf den Plan gerufen worden – also die ganz harten Jungs und Mädels des Staates, die Schnelle Eingreiftruppe.

Die Polizei hatte zu einem recht frühen Zeitpunkt, nämlich um 11:59 Uhr folgende Warnung ausgegeben, bevor es dann, sozusagen, richtig losging mit dem sich körperlich Näherkommen, euphemistisch gesagt: „Die Demonstrierenden haben sich von der Polizeikette fernzuhalten. Sollte weiter vorgedrungen werden, werden wir nicht davor zurückschrecken, Gewalt zu gebrauchen!“ Nun ja, die Aktivisten wollten ja schließlich auch in den Sitz des nord-zyprischen Präsidenten eindringen. Sie war insofern wohl nicht ganz unbegründet, diese Warnung der Polizei. Auch waren zeitlich davor Steine, Plastikflaschen, Tomaten und anderes Zeug in Richtung Polizei geschleudert worden von Seiten der Demonstranten. Außerdem hatten die demonstrierenden Aktivisten auch noch im Vorfeld vollmundig angekündigt, sie seien nicht gekommen, um groß Worte zu verlieren, sondern um Aktionen (Randale?) abzuziehen.

Ausgangspunkt der Demonstration war unter anderem die Rede des Türk-Şen Generalsekretärs, Herrn Arslan Bıçaklı. Die soll recht bissig gewesen sein. Kurz: Die gewerkschaftlich organisierten Menschen und andere waren und sind angefressen und das wohl zu Recht, zumal Schüler ihr Leben verloren hatten. „Wo ist die Regierung?“ fragte Bıçaklı in diesem Zusammenhang provokant vor dem Präsidentensitz stehend. 90% der Nordzyprer hätten sich dafür ausgesprochen, rief er, die Uhrzeit Nordzyperns um eine Stunde zurückzustellen. „In wessen Namen hängt ihr hier rum?“, fragte er des Weiteren in Richtung Präsidentensitz gewandt. „Ihr werdet die Rechnung politisch schon bald bezahlen! Jeder soll wissen, solange die Zeit nicht zurückgedreht wird und die Verantwortlichen dafür zurückgetreten sind, werden wir hier stehen!“ Vor ihm hatte bereits ein Schüler gesprochen, der den Regierenden zurief: „Ihr kümmert euch nicht um eure Kinder und um euer Land!“ Das war so um die 11: 04 Uhr morgens der Fall gewesen.

Und warum das alles nun?

Na ja, weil auf der Straße nach Değirmenlik die Woche davor bei einem Unfall eben Jugendliche tödlich verunglückten. Würde mich ja auch mit der Zeit nerven als Bürger Nordzyperns, zu sehen, dass das Land verfällt, die Straßen immer tiefere Löcher ziehen und der Präsident noch immer – scheinbar sinnloser Weise – zwischen Genf, Brüssel, Istanbul und New York etc. pendelt und darüber hinaus währenddessen immer größere Flächen des recht limitiert vorhandenen Erdreichs zubetoniert werden, meist mit protzigen Anlagen für Touristen, Reiche usw. Weil die kosten ja bares Geld, diese glamourösen, wenig effektiven Auftritte des Präsidenten und seiner Entourage in der Schweiz und andernorts. Warum sich auf einem neutralen Ort in der Schweiz oder in den USA treffen, wo man doch sozusagen vor der Haustür solch einen Ort besitzt: die Grüne Linie, den Flughafen von Nikosia etc. Warum also nicht dort auf neutralem Terrain verhandeln und die große Biege wirklich erst dann machen, wenn die Verträge wirklich unmittelbar vor dem Abschluss stehen? Und Letzteres ist vor allem erst dann gegeben, wenn das sogenannte Volk (türkisch- griechischzyprisch) entsprechend den Verhandlungsverlauf in einer Volksabstimmung abgesegnet hat. Alles andere, denken nicht wenige, ist Protzerei und Hahnengehabe – auch wenn die Chinesen gerade das Jahr des Feuerhahns eingeläutet haben. Hinzukommt nämlich: Geld ist in diesen Tagen angeblich eh Mangelware im Norden Zyperns. Doch nicht nur das.

Die Energien der Regierenden Nordzyperns (UBP-DP-Koalition) sollten sich vordringlich mal erkennbarer auf die Bewältigung von Problemen vor Ort konzentrieren (Wasser- und Stromversorgung, die hohe Kriminalitätsrate, Umweltsünden, Frauenhandel, Geldwäsche, Schlendrian in den Behörden, den Sturzflug der Türkischen Lira bei Löhnen und Gehältern auffangen usw.) und nicht darauf, ein gutes Bild für die Kameras der internationalen Presse abzugeben – nicht auf Weltpolitiker machen und in höchst wichtiger Mission unterwegs sein, wo Zuhause der Laden lichterloh brennt. Anastasiadis und Akinci wird von Teilen der beiden Bevölkerungen von daher durchaus zu Recht vorgeworfen, dass sie ihre politische Wichtigkeit in der Welt maßlos übertreiben, und dass darunter vor allem die Bevölkerungen beider Seiten vermehrt leiden. Denn nur eine gewisse Schicht – hüben wie drüben – zehrt gut von den schleppend geführten Wiedervereinigungsverhandlungen seit Jahren finanziell: einige Politiker, Banker, Anwälte, die Engländer mit ihren Basen, Off-shore-Konstrukte, Schmuggler von Frauen, Drogen, Waffen usw.

„Weg mit der Regierung!“ Das schrien die Demonstranten an jenem Morgen bereits um 10: 30 Uhr im Norden Zyperns. Und dieser Meinung ist auch die so genannte Halkın Partisi (Volkspartei).

Wenn hier die ganze Zeit von Schülern die Rede ist, dann sind damit vor allem Gymnasiasten aus dem Norden Nikosias gemeint. Und deren Vertreter meinten – sozusagen im Zentrum der Demonstration stehend – um 09:30 Uhr vor dem Präsidentensitz: „Wir sind hier aus freiem Willen!“ und: „Im Dunkeln kann nicht zur Schule gegangen werden!“ oder: „Wer die Klappe hält, der kommt als Nächster dran!“ Sie waren es auch, die den Protestmarsch sozusagen starteten. Die Schüler marschierten unerschrocken los, auch wenn die Zahl der Polizisten bedrohlich angeschwollen war im Vergleich zu einer Woche davor: ums doppelte. Um 9:40 Uhr hatte man sich auf den Weg zum Sitz des Präsidenten gemacht (Quelle: www.kibrisgazetesi.com/kibris/lefkosada-gergin-miting/7863).

Gerade eben, sozusagen, und im Lichte der zuvor geschilderten Ereignisse hat die Regierung für Baumaschinen und andere unfallträchtige, weil schwere Fahrzeuge die Erlaubnis erteilt, auf der Straße zwischen Nikosia/Lefkoşa und Girne fahren dürfen, genauer: ab dem Ort namens Çiklos.

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Wie, Sie kennen Herrn Rıfat Feyziç nicht, verehrte Leser? Stimmt! Der Familienname klingt nicht ganz Zyprisch oder Türkisch. Klar, gewiss gibt es Feyziç-Ableger in der Türkei, vielleicht auch auf Nordzypern, doch oft zu hören ist der Name nicht. „Müftü“? Sagt Ihnen gewiss schon eher was. Hört man schließlich immer mal wieder: „Mufti!“ So einer ist der Herr Feyziç nämlich. Das besondere an seinem Auftritt in Nordzypern ist, dass dieser Mufti aus der Region Karadağ kommt, die ähnlich wie Nordzypern auch ein Problem hat, international anerkannt zu werden. Ja, und eine Teilung ist dort auch gegeben. Bekanntlich streiten sich ja die Armenier und die Aserbaidschaner darum, wem das Berglein Karadağ (Karabağ) denn nun eigentlich gehört. Dem Vernehmen nach bestehen ‚gute‘ Aussichten, dass die beiden Kontrahenten (Aserbaidschan und Armenien) demnächst – vernehmlicher hier in Europa – wieder aufeinander eindreschen. Scharmützel, die dort an der Grenze ja andauernd passieren sollen, sind hier in Europa schon längst keine Nachricht mehr wert.

Dieser gute Mann, der Herr Feyziç, kam also nach dem Norden Zyperns und traf sich mit dem Minister für Religiöse Angelegenheiten, Herrn Prof. Dr. Talıp Atalay. Da waren selbstverständlich noch ein paar andere Herren mit von der Partie. So alleine reist sich bekanntlich nicht allzu unterhaltsam im Ausland. Ganz glücklich sei er, sagte Herr Atalay, Herrn Feyziç auf Zypern begrüßen zu können. Herr Feyziç erwiderte daraufhin, er habe Grüße von seinen Brüdern im Glauben für die Glaubensbrüder in Zypern mit sich gebracht. Er lade Herrn Atalay zudem ein, doch auch mal sein Land besuchen zu kommen. Am Freitag dem 26.01.17 hat Herr Feyziç Zypern wieder verlassen.

Und wir dürfen uns nun ausmalen, was die beiden denn nun wohl alles zu bereden hatten und warum solch ein Besuch unbedingt durchgeführt werden musste und das gerade jetzt. Vielen, mit denen darüber gesprochen wurde, sind einhellig der Auffassung, dass die Sache von Ankara gesteuert ist und einmal mehr den einfachen Leuten demonstrieren soll, dass die Türkei für sie sorgt. Dass sogar bislang gescheiterte, staatliche Existenzen wie Nordzypern oder Karadağ vom großen Bruder Türkei nicht im Stich gelassen werden; und dass die Islamisierung in türkischsprachigen Gebieten der Welt in vollem Gange ist. Ja, dass der gemeinsame Glaube geradezu ein geeignetes Bindemittel untereinander war, ist und/oder sein soll. Apropos: Gerade wurde beschlossen, dass 5 weitere religiös orientierte „Imam Hatıp“ Schulen im Norden Zyperns eröffnet und gebaut werden. Das sind die Art Schulen, in denen zum Beispiel auch Recep Tayyıp Erdoğan großgezogen wurde.

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Wie gesagt: Es wird viel und offensichtlich auch gern und schnell gestreikt im Norden Zyperns. Mehmet Levent fragt sich in der Afrika Gazetesi des Nordens von Zypern, warum die Gewerkschaft der Landwirte letztens den Landwirtschaftsminister über Stunden zum „Kaffee-Plausch“ bei sich in seinem Ministerium unfreiwillig fest-hielten und nicht den Finanzminister Serdar Denktaş? Schließlich sei es letzterer, der dafür verantwortlich zeichnet, dass die versprochenen Gelder den Bauern nicht ausbezahlt wurden, die wegen der Trockenheit, die Zypern überzogen hatte, noch immer nicht überwiesen sind. Levent spricht von „Schock-Aktion“, die durchgezogen worden ist. Nun, ein Schock war es für den nordzyprischen Landwirtschaftsminister ganz bestimmt, der von den eindringenden Gewerkschaftlern total unvorbereitet und allein in seinem Amtsraum angetroffen wurde: Keine Security oder sonst wer weit und breit in Sicht, um Herrn Minister aus den Händen der gewerkschaftlich organisierten Aktionisten zu ‚befreien‘. Der Autor Levent findet, die nordzyprischen Gewerkschaftler hätten ihrem Landwirtschaftsminister „etwas Unrecht“ angetan.

Und wir dürfen nun eventuell verstehen, dass der Familienname DENKTAŞ für Zyprer aus dem Norden offensichtlich so furchteinflößend oder unantastbar ist, dass sie sich lieber – auch als sich allmächtig gebärdende Gewerkschaft – an einem – sagen wir – unbedeutenden Minister ‚vergreifen‘. Das ist wirklich interessant, vor allem, wenn das zutrifft!

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Apropos Denktaş. Vorgestern vor dem Fernseher sitzend, „APO MERA SE MERA“, ein griechisch-zyprisches Politmagazin wurde ausgestrahlt auf RIK1, wie nahezu jeden Tag, da glaubte wohl nicht nur ich, den Ohren nicht trauen zu können. Aberof Neofytou, Vorsitzender der regierenden DYSI, lancierte nämlich einen langen Angriff auf die sogenannten Rejektionisten im Lande. Das sind jene auf Zypern, die offenbar alles Mögliche tun und erzählen, um den Status Quo zu erhalten – die Teilung der Insel.

Nein, auf Zypern, wie Sie vielleicht eben dachten, verehrte Leser, ist es keine Selbstverständlichkeit, dass ein Politiker und seine Partei, die vorgeben, einer Lösung der Zypernfrage sich zu widmen, diejenigen aufs Korn nimmt verbal, die ganz offensichtlich gegen eine Vereinigung seit Jahren arbeiten, und dies und diese dann auch als solche/s benennt.

Der gute Herr Rauf Denktaş, der schon seit einigen Jahren in den ewigen Jagdgründen weilt, war in gewisser Weise der nordzyprische Vorläufer einer solchen rejektionistischen Person auf der südöstlichen Mittelmeerinsel, der anscheinend größten im Mittelmeer. Auf der griechischsprachigen Seite des geteilten Landes strengte sich jemand namens Tassos Papadopolous an – der jetzt wahrscheinlich dieselben Jagdgründe beackert wie sein einstiger, irdischer politischer Widersacher Denktaş senior -, es Rauf gleich oder vor zu machen, nämlich, rejektionistisch zu agieren. Hierüber sind sich Historiker anscheinend noch nicht ganz einig, wer wem ein Beispiel war. Auch Herr Papadopolous senior hat einen Sohn, den Nikos, der griechisch-zyprischen Politik zurückgelassen, der mehr recht als schlecht seinen extremen gesellschaftspolitischen Standpunkt in der Welt vertritt. Auch Herrn Denktaş senior ist also ein Nachfolger ‚gelungen‘, der sein politisches Vermächtnis in die Jetztzeit transferiert, wie also an Serdar gesehen werden kann.

Sohn Serdar, von dem auch schon weiter oben kurz die Rede war, darf also als ein Rejektionist bezeichnet werden und Tahsin Eroğlu schreibt in der Cyprus Mail vom 01. Januar 2017:

… „Der Führer der Hardliner im Norden, Ministerpräsident Hüseyin Özgürgün, und sein Stellvertreter, Serdar Denktaş, heizen nationalistische Gefühle in der Türkei gegen Zypern an. Das tun die beiden, indem die Allianzen des Annanplans wiederaufgenommen werden.

Denktaş’s Schwiegervater, Salıh Boyacı, ein Geschäftsmann und Bankier, dessen Geldgeber im Jahr 2000 Bankrott ging, dabei habe er so um die 50 Mill britische Pfund verloren in Form von Spareinlagen der Leute, lud einige Journalisten und Politiker aus der Türkei ein, um deren Unterstützung zu erhalten, Tayyıp Erdoğan unter Druck zu setzen, jedwede Formel [bei den Wiedervereinigungsverhandlungen] zu verweigern, die die Zypernfrage aus der Welt schaffen könnte.

Abgestiegen [sind die eben erwähnten Herren] in einem Hotel eines im Norden gut bekannten Geschäftsmanns, des Herrn Besin Tibuks. Tibuk besitzt auch die Dialog Media Gruppe. Das ist das Flaggschiff der Rejektionisten im Norden der Insel.

Der pensionierte Botschafter Onur Öymen, sowie der Pensionär Soner Polat, ehemaliger General sowie Journalistin Saygı Öztürk und Sabahattin Önkibar befanden sich ebenfalls unter den Eingeladenen. Nicht eingeladen war der Vorsitzende der Vatan Partisi, Doğu Perinçek, ein türkisch-nationaler Sozialist, der auch ein Bewunderer Erdoğans inzwischen geworden sein soll. Immerhin: Letzterer verfasste einen Artikel in seiner Zeitung „Aydınlı“, nachdem er sich mit den zuvor erwähnten Besuchern im Norden Zyperns unterhalten hatte. Er spricht in seinem Beitrag unter anderem über die strategische Wichtigkeit Zyperns und setzt das Risiko, welches die Insel darstelle, mit dem eines kurdischen Staates in Nordsyrien gleich. Die Türkei fürchtet, Zypern zu verlieren, könnte ihre Marine schwächen.

Agah Oktay Güner, ein weiterer Kolumnist, der allerdings für die Yeniçağ schreibt, das ist ein Antiregierungsblatt mit ultra-nationalistischer Linie, kritisiert die regierende AKP der Türkei schwer wegen ihrer Politik in der Ägäis und auf Zypern und behauptet, dass „Griechischzyprer noch nicht mal husten können, ohne die Erlaubnis von Athen!“ Des Weiteren findet er, der Annanplan sei wiederauferstanden, in dem den Griechischzyprern „unvorstellbare Konzessionen“ gemacht wurden. Insofern ‚lustig‘, so etwas zu hören oder zu lesen, da sich diese Kritik auch aus Mündern gewisser Leute auf der anderen Inselseite nahezu täglich vernehmen lässt.

Güner sagt, die Zunahme der Bevölkerung im Norden sei limitiert worden und fügt hinzu, dass Griechischzyprer, die 1974 ein Alter von 10 Jahren hatten, berechtigt sein werden, rüber in den Norden zu kommen, wie es ihnen passt und „sich an Besitz nehmen könnten, was immer ihnen dann auch gefällt!“ Güner lässt auch nicht unerwähnt, dass Akıncıs älteste Tochter mit einem amerikanischen Griechen verheiratet ist und seine Frau, Meral Akıncı, habe für ihre NGO Hilfe von 309 000€ in Anspruch genommen von der EU – und dass zwei Mitglieder des Beraterteams Akıncıs bei den Verhandlungen auf der Gehaltsliste eines griechisch-zyprischen Instituts stehen. Güner befürchtet, Zypern könne, wie einst Kreta, der Türkei verloren gehen. Saygı Öztürk steht den Aussagen Güners in nichts nach als Kolumnistin der türkischen Sözcü Tageszeitung. Güner argumentiert: Akıncı habe eine „Aufgabe-Haltung“ mit an den Verhandlungstisch gebracht, auch, dass türkisch-zyprische Jugendliche einer Gehirnwäsche unterzogen würden und er verlocke sie dazu, ihren Staat aufzugeben, indem ihnen verschiedenste Versprechen gemacht werden. Güner veröffentlichte eine Liste von NGOs im Norden Zyperns, wobei diejenige NGO von Meral Akıncı rot umrundet dargestellt wird: „KAYAD.“ Ebenso beschuldigt er eine weitere Person, die vorherige Außenministerin und Vorsitzende der Human Rights Foundation, Frau Emine Çolak, über 90 000€ von der EU entgegengenommen zu haben mit dem Ziel, „die türkisch-zyprischen Jugendlichen von ihrem Staat zu entfremden.“

„… [Eine Delegation der türkischen national-faschistischen MHP, die derzeit gerade mit Erdoğan sich daranmacht, die türkische Verfassung nach dem Willen Erdoğans zu ändern], besuchte Nordzypern. Eingeladen hatte sie die Wiedergeburtspartei (YDP), die gerade vor kurzem auf die politische Bühne im Norden Zyperns stieg und nahezu komplett aus [ehemaligen] Festlandtürken besteht. Die Delegierten der MHP trafen Premierminister Özgürgün. Einer der Journalisten schrieb nach dem Treffen in sein Facebookkonto: Özürgün: „mutiges Herz!“; Akıncı: „Kollaborateur!“ Die Delegation der MHP aus der Türkei hatte auch den Präsidenten im Norden Zyperns, Akıncı, aufgesucht. Berichten zufolge soll Akıncı während des Treffens Özdağ „zensiert“ haben, da er Ideen zum Verhandlungsprozess [zwischen dem Norden und dem Süden] vorbrachte, ohne wirklich Ahnung davon zu haben. Zurück in der Türkei beschuldigte dieser den Präsidenten Nordzyperns unerfahren zu sein, und seinen nordzyprischen Regierungssprecher als „dönerci!“

Verehrte Leser zur Klärung des Begriffs dönerci: Er ist zweideutig, wenn nicht gar ‚dreideutig‘. Der dönerci ist zum einen derjenige, der Ihnen an der Dönerbude den Döner vom sich drehenden Grill schneidet. Man kann das Wort aber auch als Wendehals verstehen. Und dann gibt es da noch die etwas heiklere Variante, die auf jene Männer Bezug nimmt, die sich passiv stellend herumdrehen, um dann sexuelle Handlungen von einem Mann an sich vollziehen zu lassen.

„Es war also schon immer Teil der Rhetorik von Seiten der Rejektionisten gegen die Führerschaft Akıncıs zu maulen, und zu behaupten, er sei ein Verräter und unerfahren. Auch ist wohl bekannt, dass der so bezeichnete Kreis der EU nicht sonderlich freundlich gesinnt ist. Im September letzten Jahres veröffentlichte Serdar Denktaş eine Liste von NGOs und fragte, wo denn die EU-Gelder an diese Organisationen bitte sehr hin verschwunden seien? Etwas später, im Dezember 2016, gab er der türkischen Milliyet Tageszeitung ein Interview, worin er die NGOs in Nordzypern beschuldigte, sie würden Geld ausgeben, ohne Buch darüber zu führen – und dass einige daran arbeiteten, einen Spalt zwischen die Türkei und die Nordzyprische Türkische Republik zu treiben. Obgleich die NGOs sich über seine Behauptungen hermachten, indem sie sagten, sie seien disziplinierter beim Buchführen als die Türkischzyprische Führung [in der die DP von Denktaş ja mitregiert], beharrte Denktaş darauf, dass niemand von den NGOs Belege vorweisen könnte, um sich zu rechtfertigen.“

Der Autor des eben teils zitierten Artikels in der südzyprischen Cyprus Mail, Tahsin Eroğlu, resümiert, dass sich ‚die‘ Papadopoulos‘ von ‚den‘ Denktaş‘ in ihrem Rejektionismus eigentlich noch immer sehr wenig voneinander unterscheiden inhaltlich. Es gibt also Gemeinsamkeiten, und dies anscheinend sogar über Generationen. Wer hätte das Gedacht! ENDLICH!?

Bei zuletzt Gesagtem denken gewiss einige von Ihnen schnell an Sahra Wagenknecht von der Partei die Linken in Deutschland und an die Frauke Petri von der AFD, die ebenfalls auffällig oft gewisse Ansichten teilen – auch wenn die beiden das ungern so lesen oder zugeben wollen.

Zuletzt, Denktaş junior: „Hiermit bringe ich meine Zweifel hervor [bezüglich der Zeit nach einer eventuellen Wiedervereinigung der beiden Inselteile], … , auch wenn mir gesagt wird: mach dir keine Sorgen!

Selbstverständlich bin ich besorgt um die Zukunft meiner Leute! Wie kann ich jenen vertrauen, die ihre Versprechen während des Referendums zum Annanplan 2004 nicht gehalten haben?“

Dieser nordzyprische Politiker sieht also bereits Zustände, wie sie einst in den 1960er Jahren heraufgezogen waren, wo Türkischzyprer in Enklaven leben mussten. „Wir wollen so eine Zukunft nicht!“, sagt Serdar dazu. Seiner Meinung nach besaßen die Türkischzyprer schließlich einst ganz Zypern. Sie hatten danach die Hälfte abzugeben, schreibt Tahsin über Denktaş’s Ansichten des Weiteren. Und diese Hälfte werden sich die Türkischzyprer nicht nehmen lassen. Zum Abkommen aus dem Jahr 1960, welches die Garantie-Mächte betrifft, sagte Denktaş offenbar: „Das Garantie-Abkommen schützt nicht nur meine Sicherheit, es garantiert auch das Recht der Türkei und die Sicherheit im östlichen Mittelmeer.“ Und: „Im Moment, wo die Türkei einen Schritt zurück setzt von der Insel, ist ihre Stimme im Mittelmeer Gott überlassen!“

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  1. Januar 2017: Im griechisch-zyprischen Radiosender PROTOS wird in den Nachrichten erwähnt, dass der türkische Staatspräsident unter anderem damit gedroht haben soll, die Wiedervereinigungsverhandlungen zwischen dem Norden und dem Süden der Insel Zyperns platzen zu lassen, wenn die nach dem angeblichen Putschversuch im Juni oder Juli 2016 in der Türkei mit Helikoptern nach Griechenland geflüchteten türkischen Soldaten nicht umgehend an die Türkei ausgeliefert werden.

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Eine Kommission ist zusammengetreten [www.kibrisgazetesi.com/kibris/basin-karti-komisyonu-toplandi/11571]. Ja, in Nordzypern werden Presseausweise offensichtlich verteilt, oder wie man dazu sagen soll. Jedenfalls hat diese Kommission, deren Gesichter auf dem Bild gesehen werden kann, wenn der Link oben angeklickt wird, beschlossen, dass 26 Journalisten die begehrte Gelbe Karte des Nordens erhalten, allerdings hatten 13 Personen diesmal nicht das auserwählte Glück. Da in der Kommission offensichtlich nur Männer sitzen – siehe Bild -, wäre es schon recht interessant zu erfahren, ob unter jenen, die den Presseausweis diesmal nicht erhielten, womöglich sozusagen überdurchschnittlich weibliche Journalisten zu verzeichnen sind. Es ist wirklich sehr befremdend, so etwas zu sehen: eine Kommission, die über die Ausgabe von Presseausweisen befindet und NUR aus Männern besteht. AKP aus der Türkei lässt grüßen? Ist es etwa schon so weit oder war es schon immer so?

Mit den Herrschaften von der Presse im Norden in Kontakt zu treten, wäre wirklich von Nöten, um das mit dem Frauenanteil bei den Ablehnungen zu eruieren.

Allerdings wurde bereits vor Jahren etwas näher Bekanntschaft gemacht mit einigen dieser Herren. Kurz: Sich da weiter hineinzubegeben erschien damals schon sehr schnell als ziemlich sinnlos und zeitraubend – „morgen“, „übermorgen“, „ich rufe Sie zurück!“ usw. Die sind abgehoben bis zum Anschlag, wahrscheinlich an irgendeiner imaginären Decke, die, es kann nicht anders sein, aus Zeitungspapier gemacht wurde mit Goldrand, wo draufsteht: Wir von der nordzyprischen Presse sind unfehlbar, unantastbar und die Größten – die Avantgarde schlechthin, auserlesen.

Sie können sich also denken, welchen Weltuntergang die 13 Journalisten gerade durchleben: keine Pressekarte mehr! Oh, wie schlimm! Der Gesichtsverlust, den hier keiner jenen wünscht – dürfte wohl entsprechend schlimm sein!

Womöglich wird demnächst im Norden Zyperns auch nicht mehr der eventuell nötige Alkohol zum Trösten um die Ecke bei Ahmet oder Fatma gekauft werden können. Denn bis zum 28. Februar 2017 müssen all jene, die Alkohol verkaufen, ihre Erlaubnis dafür erneuert haben. Und diesmal scheint es die Behörde ernster zu meinen als sonst. Wie gesagt: Die Regierungspartei AKP der Türkei und ihr Verständnis vom Zusammenleben der Muslime lässt offensichtlich grüßen! Mal sehen, wer da alles seine Lizens nicht erneuert bekommen wird. Die Auflagen zum Vertreib von unislamischem Alkohol scheinen nicht OHNE geworden zu sein: Fotokopie hier, Fotokopie dort, Mietvertrag vorzeigen, Betriebserlaubnis, Bestätigung vom Arbeitsamt, Einkommenssteuernachweis, Steuersicherheitsbrief ??? und natürlich der Nachweis, dass man auch schon 2016 solch ein Gewerbe betrieben hat usw.

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Kommen wir nun zu jemand, der sich Orhan Ismailoğlu nennt. Sein Artikel stammt bereits vom 18.12. 16. Er schrieb in der Kıbrıs Gazetesi aus dem Norden in seinem Jahresrückblick unter anderem:

Dass Ebru Gündeş sich von ihrem Partner trennte, wurde den Nordzyprern in entsprechenden Beiträgen nahezu das ganze Jahr über um die Ohren geschlagen. Auch hat im Fernsehen eine Nostalgie-Welle eingesetzt, stellt er fest. Also nicht etwa, dass alte Filme gezeigt wurden. Vielmehr wurde aus Titeln von alten Gassenhauern aus der Türkei neue Fernsehserien kreiert. Einige davon schafften es auf 11 Folgen. Dann war aber auch für diese schluss. Die Serien sind alle durchweg türkische Produktionen gewesen. Soaps werden in der Türkei gern konsumiert.

Was den Musikmarkt angeht, sind einige neue Namen auch in Nordzypern aufgetaucht 2016. So zum Beispiel die 16-Jährige Aleyna Tilki, die groß rausgekommen ist. Anscheinend gefällt dem Autor des Artikels, Ismailoğlu, was Tilki bislang an Songs auf den Markt geworfen hat, wie er schreibt. Und was immer sich Arda Turan und Ebru Şallı an Nachrichten zugesendet haben mögen, deren Inhalt hat im Jahr 2016 in der türkisch-zyprischen Welt hohe Wellen geschlagen, berichtet Ismailoğlu des Weiteren. Serdar Ortaç war natürlich auch auf Zypern. Niemand, der den nicht kennt. Ein, nein ‚der‘ türkischer Superstar. „Gıybet“ ist ‚der‘ Hit schlechthin derzeit. Ortaç hat auf Zypern schon an die 50 Konzerte gegeben.

Hier hilft es zu wissen, liebe Leser, dass zu Feiertagen oder wenn jemand besonders gelangweilt ist, die türkischen Stars und Sternchen sich gern nach Nordzypern begeben, wo man ihnen bereitwillig und mit großen, bewundernden Augen die roten Teppiche ausrollt. Klar doch, in dieselbe Kategorie wie Ortaç gehört natürlich auch Sibel Can, und die war 2016 auch wieder da. HURRA! Ismailoğlu schreibt: „Und Funda Arar hat uns mit ihrem Konzert auf Zypern „entflammt!“ Doch auch Serkan Kaya muss die Türkischzyprer letztes Jahr im Sturm erklommen haben. Man liegt ihm noch immer zu Füßen. „Und soll bloß keiner sagen,“ schreibt Ismailoğlu, „er mag Arabesk-Musik nicht.“ DENN: „In uns allen schlägt ein Herz arabesk!“

Doch kein Zweifel besteht daran, dass DİE größte aller Klassen in Sachen Pop aus der Türkei derzeit Hande Yener ist, die im Sommer mit ihrem Album namens „Alles Hits“, übersetzt, und dem Song „mor“ (dunkelviolett) die Hitliste anführte. „Gut zum Tanzen geeignet“, meint Ismailoğlu.

Eigentlich ist da kein Artist von Rang in der Türkei, der Zypern noch nicht abgeklappert hätte. Mal kurz so zum Vergleich oder zur Erinnerung: Deutschsprachige Künstler aus der Schlagerwelt oder dem Neuen Deutschen Sound lassen es sich auch nicht nehmen, mal auf Mallorca oder vermehrt auch in Zürich aufzutreten. Und so ist es in etwa mit Nordzypern für türkische Künstler.

 

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Die türkisch-zyprische Bevölkerung im Norden wartet ungeduldig auf eine Lösung des Problems mit den Eseln. Ja, Sie lesen richtig. Es gibt nicht nur viele Eseleien, sondern auch noch ein Eselproblem im Norden Zyperns – Eseleien gibt es, das gleich hinzugesetzt, überall. Man nennt es halt von Platz zu Platz verschieden, zum Beispiel Schildbürgerstreich usw.

Ja, in der Region Karpaz, Dipkarpaz, Kaleburnu, Kuruova, Avtepe, Derince, Boltaşlı, Gelincik und Ziyamet ist wahrhaft der Esel los. Wilde Esel erfreuen sich dort ihrer Freiheit. Doch das gefällt den Bauern nicht, deren frisch Angepflanztes die Tiere offensichtlich gern zur Abwechslung in sich aufnehmen. So viele Esel sollen inzwischen herum sein, dass von „Herden“ gesprochen wird, die durch die Täler und Felder ziehen. Der Bürgermeister von Dipkarpaz Herr Suphi Coşkun:

„Früher gab es 15 Eselaufseher. Wenn es nur noch ein Paar davon gäbe, hätten die Leute keine Beschwerden mehr. Doch die Eselaufseher haben sie abgeschafft und jetzt machen sich die Esel über die Felder her. Es ist zum Heulen. Alles haben sie aufgefressen, fressen und fressen. Die Leute versuchen, ihre Felder zu schützen, doch wann hat das ein Ende? Dem Volk ist das eine wahre Last. 50 Abgeordnete gibt es im Parlament. Und die sollten dem Volk nicht solch eine Last auferlegen. Doch das Volk belasten DIE schon seit 40 Jahren.“

Ein anderer berichtet zum Thema Esel, dass es durchaus auch zu Unfällen kommt, wenn die Tiere beispielsweise nachts mal kurz so vor einem Auto auftauchen, das angefahren kommt. Auch fressen die Tiere Bäume an, sagt ein weiterer Befragter aus der Region. Sogar in die Vorgärten der Leute kommen die Tiere bei Nacht oder wenn niemand zu Hause ist. Ein weiterer hat allerdings auch einen angeschossenen Esel vor seinem Haus im Gras liegend angetroffen, der ihm sehr leid getan hat!

 

Kurz:

Die UBP-DP Koalitionsregierung im Norden Zyperns soll bis zum 20. Januar 2017 genau 198 Staatsbürgerschaften ausgegeben haben. Die Opposition spricht hier von einer „ungesetzlichen“ Verfahrensweise.

Die Cumhuriyetçi Türk Partisi hat in ihrem Ableger in Türkmenköy am 27.01.17 als Vorsitzenden Herrn Ali Özdalı gewählt. Türkmenköy liegt in der Provinz Famagusta/Gazimağusa/Ammochostos.

Die UNFICYP (die UN Friedenstruppe auf Zypern) hat ihren Auftrag und/oder Aufenthalt erneut zeitlich verlängert, und zwar bis zum 31. Juli 2017. Die UNFICYP ist eine der Einheiten der UN, die von allen ihren Einheiten auf Zypern am längsten tätig sein soll.

Im Februar 2017 findet vom dritten bis zum zehnten des Monats der „GROßE Kinder-Karneval“ (Büyük çocuk karnavalı) in der so genannten „City Mall“ statt. Auftreten wird unter anderen auch das berühmte „Turnagöl“ Theater. Die City Mall in Famagusta hat als weitere Attraktion auch noch die „Elektrokur LTD.“ Letztere macht von sich ihrer modernen architektonischen Entwürfe wegen Aufsehen. Jetzt im Winter, wird des Weiteren geworben, soll es in der Mall zu Preisreduktionen von 80% kommen. Also: Jeden Tag wird dort im Februar was los sein!

Sollten Sie auf der Suche nach Parfüm, Likör oder Seife sein und sich zufällig nach Nikosia Nord begeben wollen, dann gehen Sie vielleicht mal in den BANDABULYA. Unmittelbar neben der großen Moschee finden Sie den Markt mit diesem Namen, also im Stadtteil Sulariçi. Herr Doğa Bağlarbaşı, der neue Besitzer des Ladens, hat unter anderem an der Bilkent Universität/Istanbul Politikwissenschaften studiert, doch befindet er sich jetzt im Bandabulya im Laden Nr. 40. Somit scheint er also wirklich geeignet, weil bestens ausgebildet, um seinen eigenen Likör zu brennen, der in seinem Laden bereits seit Generationen von seiner Familie vertrieben wird.

Am 28.01.2017 diese Meldung: Eine Lehrkraft der Östlichen Mittelmeer-Universität (DAÜ) in Nikosia behauptet, dass bei dem Brand in der Pharmazeutischen Fakultät lebensbedrohliche Stoffe freigesetzt wurden. Frau Assistenz Dozentin Dr. Aybike Yektaoğlu sagt, dass im Staatlichen Chemie-Labor der Schaden in einem erschreckenden Umfang geschehen ist. Tiere, Menschen und Pflanzen in der unmittelbaren Umgebung des Brands werden auf Jahre in Mitleidenschaft gezogen sein, Aybike Yektaoğlu zufolge. Sie warnt davor, dass die Chemikalien mit dem Regen und dem Wind über Kilometer weit weg getragen werden und somit auch andernorts Schaden anrichten dürften – nicht zuletzt im Grundwasser.

Verwunderlich und gleichzeitig auch etwas bedenklich stimmt ihre Aussage, dass auf der Insel, also im Norden, viele Menschen in diesem Sektor tätig seien. Da erwächst – entschuldigen Sie – schon die Frage, ob etwa die Türkei GEWISSE Projekte nach Nordzypern ausgelagert hat, wo niemand so etwas Fortschrittliches und für alle möglichen Dinge zu gebrauchendes Material und Forschung vermutet?

Offen bleibt, was genau als Gas in die Luft entwichen sein soll. Die Dozentin will sich darüber offensichtlich nicht auslassen oder aber sie macht sich wichtig. Denn wenn sie sagt, das Zeug sei hochgefährlich, dann muss sie schon so in etwa wissen, was sich da eventuell mit dem Regenwasser usw. verbunden haben dürfte. Andernfalls wird sie noch Besuch bekommen, ist zu vermuten, und zwar von Leuten, die solch voreiliges Geplapper einer Assistenz Ärztin auf Kosten der Regierung und dem ANSEHEN der Türkei nicht allzu lustig finden.

Es könnte aber dennoch, wird geschrieben, radioaktives Material darunter gewesen sein. Über 20 Jahre sei in das Depot solches und anderes Material verstaut worden, welches nun in Flammen hoch ging. Keiner könne einen wirklichen Überblick geben, wer was, wann, wieviel und wie dort gelagert hat – und wozu!!!

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