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Archive for Mai 2016

Finanzen

Frau Marie-Claude Ming-Vallaton gestern Abend etwas kennengelernt. Sie spricht als Muttersprache Französich, nehme ich an. Der Akzent im Deutschen lässt darauf schließen. Eine sehr charmante Person. Sie ist neuerdings Konsulin der Schweiz in Griechenland und Zypern. Wohl auch um sich mal etwas bekannter zu machen, und um den Schweizern vor Ort ein Bild von ihrer Konsulin zu vermitteln, hatte sie die fantastisch gute Idee, dass man sich in Larnaca vor dem Sunhall Hotel in lockerer Atmosphäre etwas zusammentut, ein paar Häppchen von Diesem und Jenem zu sich nimmt und plaudert.

Frau Ming-Vallaton kommt wirklich sehr überzeugend rüber. Weiß ohne Schranken und Umständlichkeiten sich in Gesprächen aufs charmateste und mit Wissen zu bewegen und ihrem Auftrag, nehme ich an, auch auf diese Art und Weise einen gelungenen Schliff zu geben. Man traf in der kleinen Gruppe von Schweizern mit Partnern, die eventuell Nicht-Schweizer sind, so weit mir bekannt wurde niemand aus der Finanzwelt. Gestern und meines Wissens auch heute noch finden ja die „größten Manöver statt, welche die Republik Zypern je erleben durfte!“ So ungefähr tönte es aus dem zyprischen Fernseher den lieben langen Tag. See-Land-Mänöver mag ich es mal nennen. Israel, Großbritannien und sogar Ungarn und viele andere Nationen sollen daran teilnehmen. Wie Frau Ming-Vallaton vernehmen ließ, sollen sogar auch ein oder zwei höhere Militärs aus der Schweiz anwesend gewesen sein – und hier würde wenig verwundern, wenn der eine oder andere unter den Besuchern oder Teilnehmern des Manövers auch ganz direkten Kontakt mit der Finanzwelt hat. Waffen wollen schließlich verkauft werden und Manöver sind bekanntlich immer eine gute Gelegenheit, den einen oder anderen potentiellen Käufer von der Schlagkraft eines ‚Artikels‘ zu überzeugen.

Hoffe, Sie sind in der Lage, das Folgende zu lesen und zu verstehen. Ich werde es einfach so ins Netz stellen, auf Englisch. Der Finanzminister Zyperns hat nämlich wissen lassen, dass das Geschäft mit Fonds in Zukunft anziehen soll und dass – wie immer – das Land die Finanzkrise mit Bravur – mehr oder minder – gemeistert hat. Das Press and Information Office Zyperns (http://www.pio.gov.cy/MOI/pio/pio2013.nsf/All/CF34F2BD8ACEE19FC2257FC3003EB12C?OpenDocument&L=E) war so nett, diesen Artikel bereitzustellen. Ich gehe davon aus, dass die Rede Herrn Georgiades spätestens im zweiten Absatz beginnt: „I should congratulate the Cyprus Investment Funds Association … .“ Hier nun seine Rede, die er bei der Investement Funds Association hielt am 30. 05. 2016:

„14:21
Address by the Minister of Finance, Mr Harris Georgiades, at the International Funds SummitA very good morning to you all. Let me join Mr Gregoriades in welcoming you to this important conference and let me add that I am delighted to address such a distinguished audience.

I should congratulate the Cyprus Investment Funds Association for its initiative to organize this conference and, of course, all the sponsors and supporters.

But I should also take the opportunity to thank CIFA for being such a valued partner for the Ministry of Finance. Our collaboration, which includes of course, the Cyprus Securities and Exchange Commission, is an excellent example of government and industry working methodically together, in the direction of creating those circumstances that will allow Cyprus to play a key role as a regional, reputable funds centre.

Already a number of fund managers and funds have been licenced by the CySEC and I can assure you that the government has a strong commitment and gives its full support towards the growth of the sector.

A well-functioning and regulated funds industry will provide investment opportunities to individuals and institutions, will also provide much needed financing to European economies and will ultimately contribute to growth and jobs.

And this is exactly why the industry has recently taken centre-stage in European policy discussions, especially in relation to the Capital Markets Union.

Let me confirm that over the next few weeks we shall be finalizing and bringing forward a set of legislative acts which will further enhance the Cyprus funds frameworks, in order to make it more cutting edge and modern, while maintaining a high degree of investor protection.

The new features will include the introduction of registered funds, the introduction of licensed mini-managers and the introduction also of limited partnerships with legal personality as an alternative investment fund vehicle. We are also exploring the introduction of a legal framework for licensed and regulated fund administrators and we shall remain on readiness to promote any further improvements to our legal framework.

Let me also highlight the crucial role of regulation. I would say that regulation is the name of the game. Regulation must be strict but at the same time credible, efficient and forward looking. It should combine rigor with simplicity and speed. Here also, we are working closely with our regulating authority in a joint effort to enhance capabilities and staffing.

Ladies and Gentlemen,

It is well known that Cyprus has gone through a phase of economic transformation.
For the last three years we have been working hard to consolidate our public finances. And indeed we have been able to completely eliminate the deficit, to operate with an essentially balanced budget for a third year in a row, whilst retaining the attractiveness of our tax regime.

We have also overseen the revamping of our banking sector. Our banking sector is now smaller, but is better capitalized, better managed and better supervised. In short, it is more credible.

We have been promoting the much needed structural reform and we shall continue to do so in order to ensure that our public administration becomes leaner, less costly and more efficient and our economy becomes even more productive and competitive.

In short, we saw crisis as an opportunity. We have not shied away from the problems, but instead we have chosen to move on all fronts. Results so far have been positive, with our economy rebounding strongly and expected to grow this year in excess of 2% of the GDP.
But throughout this period of difficult but necessary transformation, there is one feature which stands out: Cyprus has been able to retain all its comparative advantages. It is a small, flexible economy, which has demonstrated resilience and adaptability. And this is particularly true of the all-important business and financial services sector.

Cyprus is a common law-country within the EU and the Eurozone, with a stable and attractive tax regime, with world-class support services be it legal or accounting, with a strategic location and with quality of life and safety for professionals to work and prosper.

And this is exactly why I am absolutely convinced that Cyprus already has the basic ingredients that will allow it to become a competitive and credible center for the global Funds Industry.

Ladies and Gentlemen, thank you for your attention.“

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Zu meiner Zeit an der Uni, im Fach Islamwissenschaft und Iranistik, gab es einen geheimen Star, den Schweizer Arnold Hottinger. Wir verschlangen seine Werke. Schön, dass es ihn noch gibt, wie ich heute in der NZZ lesen konnte. Und Herr Hottinger war so lieb, uns mit einem seiner Wissensgebiete zu erfreuen, der Frage nach wie, warum und weshalb die Dinge so laufen, wie sie laufen im Nahen Osten.

Ganz ausführlich indes ist er dabei nicht. Doch er gibt dennoch einen guten Überblick, hilft auch all denen wieder auf die Spur, die sich mit der Materie zwar beschäftigen irgendwie, aber halt doch die – sagen wir – großen Leitlinien bereits etwas in Vergessenheit gerückt erkennen bei sich selbst. Schön fand ich bei Hottinger schon immer, dass er dabei auch die wahrscheinlich vorherrschende Geisteshaltung der Akteure, von denen er schreibt, benennt und als Faktor miteinbezieht.

Hier nun der Link zu seinem Artikel: http://www.nzz.ch/international/nahost-und-afrika/imperiale-grenzen-im-nahen-osten-der-geist-von-sykes-picot-ld.85005

 

Berichtigung: Kürzlich war hier die Rede davon, es gäbe 15 Rotary Clubs allein in Nikosia, dem griechisch-zyprischen Teil der Stadt. Das ist schwachsinn. Meine Informantin hat offensichtlich die Frage falsch verstanden und ich hätte besser nochmals woanders nachgehakt. Nein, es sollen 7 oder 8 Clubs sein, die es gibt in Nikosia-Süd. Auch das sind eigentlich viel zu viele Clubs, wenn man bedenkt, wie klein Nikosia im Grunde ist.

Des Weiteren war zu erfahren, dass Konferenzen in Georgien und Armenien schon bald Realität werden könnten. Die sind zu Zypern und dem Libanon etc. hinzugekommen, weil auch sie verhältnismäßig kleine Länder sind. Ägypten wurde daraufhin ausgesondert und ist nun nicht mehr in diesem geografisch zu verortenden Bereich des Clubs.

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Offensichtlich ist man in Nikosia übereingekommen, das Städtische Theater, welches nach einem Jahr Fertigstellung im Jahr 2008 kollabierte, nun der Öffentlichkeit wieder zur Verfügung zu stellen. Anstatt 5 Millionen Euro will der Staat nun 6 Millionen zuzahlen. Den Rest soll die Stadt Nikosia drauflegen.

Als das Unglück 2008 geschah, kam glücklicherweise niemand dabei um sein Leben. Wie die Finanzierung letztendlich laufen wird, ist eigentlich unerheblich. Die Rede ist von einer Ratenzahlung, die innerhalb von 20 Jahren abgestottert werden soll.

Wie wir aus deutschen Verhältnissen wissen, sind solche Prognosen eh für die Katz. Es wäre also sehr verwunderlich, wenn dieser Zeitplan eingehalten werden könnte.

Dass all das schon längst hätte angegangen werden (müssen), schrieb ich bereits im Jahr 2009. Eigentlich hat sich seitdem nichts geändert. Folglich hätte man auch schon viel früher dem Steuerzahler seinen Stolz, wenn so gesagt werden darf, wiedergeben können und die Wiederaufbauarbeiten des Theater gleich umsetzen bzw. beginnen können.

Bekanntlich liegt das Theater gegenüber vom Museum und unweit des ehemaligen Krankenhauses, welches jedoch irgendwie immer noch gewisse Abteilungen auf zu haben scheint. Jedenfalls befindet sich dort der einzige mir bekannte große Parkplatz in Nähe der Stadtmitte, wo keine Parkgebühr bezahlt werden muss, stets mit Autos voll gestellt ist dieser Ort, aber nicht so voll, dass man keinen Platz mehr findet. Das Gelände ist wirklich angenehm groß, wenn auch zu ¾ nicht betoniert. Menschen kommen und gehen dort aus den eher ruinenartigen Gebäuden des einstigen Krankenhauses. Mal davon abgesehen, dass das ganze Gelände schleunigst in Stand gesetzt gehört, man wähnt sich in Beirut an der einstigen Grünen Linie, geht es dem einzigen grünen Flecken in Stadtmitte nebenan, genauer über der Straße gelegen, wirklich an den Kragen – und zwar in Schüben.

Letzteres verfolge ich seit einigen Jahren. Als ich hier ankam 2005, war dieser Park ein kleines, grünes Paradies. Auf den Bäumen waren irgendwelche Tierchen angesiedelt, die von Palme zu Palme in atemberaubenden Sprüngen sprangen und aussahen, als seien es Ratten. Die gibt es schon seit einigen Jahren nicht mehr zu bestaunen und Ratten sollen es auch nicht gewesen sein. Das ganze Buschwerk ist inzwischen kurz und klein geschnitten oder durch seltsame Blumenbeet-Arrangements ersetzt worden – so auch viele Bäume. Kann sein, das Sicherheit des Parlaments, welches ja bekanntlich an das Theater und diesen Park grenzt, eine Rolle spielen soll. Doch mir wurde gesagt, man greife zu der Maßnahme, damit Homosexuelle sich dort nachts nicht in den Büschen verlieren und tun, was ein guter Christ anscheinend nicht tun sollte.

Der Park wird neuerdings von recht unterschiedlichen Menschen genutzt. Auch Touristen verirren sich dort hin, Arbeiter, die sich mal etwas ausruhen wollen auch. Ein Cafe wurde dort hineingebaut, welches erst so um 17 Uhr öffnet. Also darf davon ausgegangen werden, dass sich ein Teil des nächtlichen Lebens Nikosias in den Park verlegt hat. Darauf weisen auch bunte Fähnchen und dergleichen hin, die wie verlassen noch an den Palmen und Lichtmasten hängen. Soll heißen: Partys werden dort auch zuweilen veranstaltet. Offensichtlich haben die letzten Veranstalter eines solchen Events ihre Aufräumpflicht vernachlässigt – und scheinbar streiken die Herren von der Gemeinde, den Dreck wegzumachen. Man darf also gespannt sein, wie lange sich diese Ansicht halten wird.

Ich finde es schade, dass das Buschwerk und die Bäume inzwischen so radikal beschnitten und weggeschnitten wurde und wird. Der Park – einzige Lunge weit und breit – ist drauf und dran zu einer Art größeren Verkehrsinsel zu verkommen. Mich begeistert allerdings die Idee, dort mehr Leben des Nachts hineinzuverlegen. Etwa so, wie mit dem Cafe oder wie durch diese kleine Kunstgalerie, die am anderen Ende des Parks gelegen ist und ganz geheimnisvoll und still ihr Werk in Betrieb setzt. Manchmal sieht man chic-gekleidete Damen und Herren sich auf dem Gelände dort verlieren. Stehen dann da mit Champagner-Gläsern in unaufdringlicher Beleuchtung und eben mit toller Robe und das alles wirkt durchaus anziehend.

In unmittelbarer Nachbarschaft dazu leben allerdings ein Paar Pfauen. Nur gut, dass ich keiner dieser Pfauen sein muss. Auf Betonboden steht lieblos ein oder zwei Töpfe mit Futter. Eine Art Dach hat man ihnen immer hin aus Holzpfosten dort hinein montiert. Wenn der Käfig mehr als 20 qm hat, dann würde mich das sehr wundern. Und da sitzen sie dann mit ihrem schönen Gefieder. Nichts, dass es für sie zu tun gäbe, außer eben da zu sitzen.

Hinter der Fontäne im Park ist ein weiterer Käfig mit Vögeln. Recht viel verschiedenartiges Federvolk lebt dort. Der Zwinger oder Käfig ist sogar rund und sieht einigermaßen architektonisch ansehnlich aus. Doch leider ist der Auslauf für die Tierchen, geschweige denn Ausflugsraum, äußerst gering und vielleicht sitzt dort auch ein oder zwei Vogel zu viel drin. Ein Trauerspiel und vielleicht ist diese Unterbringung, wie auch die andere der Pfauen, schon längst nicht mehr konform mit gewissen Richtlinien zur Haltung von Tieren in öffentlichen Parks, die in der EU im Umlauf sind.

Was die Sauberkeit angeht im Park, kann ansonsten eigentlich nicht geklagt werden. Äußerst untypisch für den Nahen- und Mittleren Osten ist auf der griechischen Seite Zyperns, dass öffentliche Toiletten, so auch in diesem Park, gewissenhaft gewartet und geputzt werden.

Anscheinend sind die hohen Pläne ein weiteres großes Haus für Veranstaltungen und Theater in der Stadt zu bauen, vorerst im Papierkorb gelandet – daher die Reparatur des Theaters. Ein Opernhaus hätte so manche/r gern. Vielleicht wird ja noch was daraus. Doch ich würde solch einen Ort nach Limassol verlegen, vielleicht außerhalb irgendwo am Stadtrand dort. Diese Stadt wächst ja eh, wächst und wächst. Für mich ist Limassol allerdings die attraktivste Stadt der Insel.

Demnächst wird in Kourion wieder die Pforten geöffnet. Kourion liegt zwischen Limassol und Pafos. Klassische Musik wird wie jedes Jahr vorgetragen werden. Der Pharostrust wird zuschlagen, das heißt, uns mit Virtuosität gewisser Künstler verzaubern. Der ist gewiss auch dieses Jahr wieder der Veranstalter.

Wollen wir hoffen, dass auch dieses Mal vorwiegend neue Gesichter auf der Bühne stehen werden. Mir ist es im Prinzip gleich, das eine oder andere Gesicht bereits an jenem Ort aufspielen gesehen zu haben. Doch man hätte ja doch schon mal gern eine sogenannte Berühmtheit vor sich stehen. Ich meine so richtig berühmt.

Wahrscheinlich ist diese Denke zu provinziell.

Somit werde ich hier niemanden damit weiter belästigen und mir solche Leute weiterhin in Berlin, London oder Basel und Zürich ansehen gehen.

Doch das Theater in Nikosia, das muss sein!

Fragt sich nur, wenn die glauben, die Bauschäden behoben zu haben. In 10 Jahren, 20?

Es muss nämlich daran erinnert werden, dass das Stadtzentrum noch immer Baustelle ist, ein großer Teil des Elefteria-Squares. Immerhin, endlich bewegt sich dort etwas. Der Beton wächst und die Bäume – einige von einst – stehen bereits wieder im Boden und an anderem Ort, wo sie anscheinend für die nächsten Jahre stehen sollen. Hoffe, sie müssen nicht noch mal rausgerissen werden, weil sich Herr oder Frau Architekt XX oder XY in dieser oder einer anderen Sache getäuscht haben. Soll ja vorkommen.

Wenn das Stadtzentrum begehbar sein wird, ist also auch noch nicht sicher absehbar, zumal dort über einige Jahre lediglich ein Loch in der Erde zu sehen war, welches über Sinn und Unsinn der menschlichen Existenz auf Erden vortrefflich meditieren ließ.

Immerhin.

Nun, dieser Effekt wird uns nun genommen, indem der Beton dort wächst. Sie, verehrte Leser, hätten sich früher auf den Weg machen sollen, das Nichts in Nikosia auch optisch zu durchforsten. Viel Meditationsstunden und Kosten hätten sie sich wahrscheinlich gespart und neue Einsichten gewiss gewonnen.

Sollte das Theater im Zuge seiner Umbauten einstürzen oder man auf die Idee kommen, es einstürzen zu lassen, so mag ich jetzt schon darauf verweisen, dass ich auch diese Variante befürworte. Jedenfalls sollte etwas schnellst möglich wieder da stehen, wo es hingehört. Ansonsten ist zu erwarten, dass auch in 50 Jahren das Theater nicht steht.

Und wer weiß schon, ob ich es je einmal betreten kann?

Ach ja, der Kindergarten, von dem im vorhergehenden Artikel die Rede war, findet heute seine Fortsetzung im Aussetzen des Verhandlungstermins mit dem Norden zwecks Wiedervereinigung, also zwischen den Verhandlungsführern Anastasiadis und Akinci. Das alles wegen der lächerlichen Angelegenheit in Istanbul oder Konstantinopel, als Akinci von Erdogan eingeladen am Abendessen teilnahm. Diese Angelegenheit wäre man, wie bereits hier geschrieben wurde, besser mit Größe und Übersicht begegnet, anstatt begiebt man sich  – mal wieder – in die Niederungen wahrhafter Kleinkrämerei auf politischem Terrain.

Gestern in einer Veranstaltung des Rotary Clubs von Nikosia gewesen. Ein ehemaliger Ambassador Zyperns sprach zu den Beziehungen Russlands und Zyperns.

Nein, Tonaufzeichnungen könne ich keine machen, weil es würden ja Dinge erzählt, die nicht nach außen dringen sollen. Ich würde doch verstehen, dass man hier eine geschlossene Gesellschaft ist? Und auch nichts, aber auch gar nichts von den verbreiteten Geheimnissen darf Preis geben werden? Ich gelobte, mich daran zu halten und zahlte meine 20 Euro für das Essen. Und überhaupt macht man das so im Rotary, also dass man 20 Euro vorweg bezahlt. Man trifft sich im Hilton zu solchen Event, diesmal im Fontanesaal.

Der Redner kam um knapp eine halbe Stunde zu spät. Das gehört sich wahrscheinlich so. Schließlich ist er ja inzwischen die rechte Hand vom Präsidenten Anastasiadis, was Russland anbelangt. Wie zu hören war, hat er allerdings auch schon unter Xristofias und sogar schon davor in gleicher Stellung – mehr oder minder – seinen Dienst verrichtet in der Regierung. Russisch soll er fließend sprechen und Englisch. Er hielt seine Rede zwar in Englisch, doch fließend hört sich anders an und sehr nervös war der Herr. Wie ein Anfänger wirkte er zu meinem Erstaunen. Verlor sich dann auch thematisch, anstatt über Russland zu reden, in Details zu seinen anscheinend jetzigen Tätigkeiten, die verwunderlicher Weise auch damit zu tun haben, dass weitere Grenzübergänge geöffnet werden auf Zypern.

Zu Russland kam herzlich wenig von ihm, lediglich mit Details gespicktes aus den Verhandlungen von 2004 zum Annanplan. Und Letzteres hatte gestern, so mein Eindruck, niemanden wirklich vor Begeisterung nach Hause gehen lassen.

Die Rede war einfach schlecht vorgetragen, nicht genügend strukturiert, sodass jemand, dem die Abläufe von einst und die Namen der Beteiligten nicht mehr so gewahr sind, hätte leicht folgen können. Wer kennt schon all die Leute, die er nannte, die in zweiter und dritter Reihe an jenen Verhandlungen dies taten und jenes empfahlen etc. Es hörte sich an wie unnötige kleine Details eines kleinen Beamten, der einbisschen große Politk glaubt, miterschaffen zu haben – oder ähnlich.

Immerhin das Essen war nicht all zu schlecht. Die 20 Euro somit einigermaßen gut angelegt. Die Leute die sich gestern von den Clubs des Rotary in Nikosia trafen, es gibt im Süden von Nikosia, glaube ich, allein bereits 15 Clubs, sind wesentlich herzlicher, kontaktfreudiger und offen gewesen als die Mitglieder eines anderen Clubs des Rotarys, wo man sich in Zeiten zurückversetzt wähnt, wo Klassendenken und dergleichen mehr, die Oberhand hatten. Vielleicht liegt es daran, dass man dort vor allem Englisch miteinander spricht.

Sotos Zacheos hieß der Herr also, der einstiger Ambassador der Insulaner in China, New York usw. war und er hat – natürlich – auch ein Buch zu seinem Wirken auf dem politischen, das ist diplomatischen, Bankett geschrieben, welches er weder dabei hatte, sodass man es sich mal besehen oder gar kaufen kann, noch das ich es gelesen hätte. Es soll in Englisch und, glaube ich, auch ins Französich übersetzt worden sein.  Wenn es so geschrieben ist wie sein Vortrag, na dann guten Nacht. Und wenn man ihn als Abbild zyprischer Diplomatie verwenden wollte, täte man derselben gewiss keinen Gefallen.

 

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Andreas G. Mesarites, den kennen Sie vielleicht auch noch nicht. Der wird in der Cyprus Mail befragt und wir schließen uns an, um zu erfahren, wer dieser Schreiber, öffentliche Redner und authentischer Erfolgs-Stratege, wie die Mail titelt, denn nun wohl ist. Offensichtlich ist er in Zypern den Griechischzyprern ein Begriff, sonst würde ihn die Cyprus Mail nicht zum Interview bitten. Das Internet spuckt allerdings nichts Näheres zu ihm bei oberflächlicher Recherche aus. Bei Linkedin ist er als Manager etc.: https://cy.linkedin.com/in/andreas-mesarites-7863529

„Wo leben Sie?

Ich lebe in Nikosia in einem hohen Haus im obersten Stock zusammen mit meinem beiden Freunden Aris und Olympia. Die haben mich vor 9 Jahren adoptiert.

Beste Kindheitserinnerung?

Als ich 4 oder 5 Jahre alt war, waren wir als Familie im Kykkos-Kloster. Zu sagen, unser Bergversteck war bescheiden, wäre schon luxeriös. Zu Essen gab es dort Gemüse. Jeden Tag! Und wir alle gingen zu Bett, wenn die Sonne untergeht. Ich liebte es. Wir alle liebten es. Die ganze Familie war da, alle Fünfe. Wir waren umher, kletterten herum, lachten, sprachen, wir waren zufrieden.

Das meist besuchte Restaurant und das Lieblingsessen? Was schmeckt denn gar nicht?

Wir lieben es, zum Sitio zu gehen. Es ist einfach, die Leute sind freundlich und herzlich. Das Essen ist gut – zu akzeptablen Preisen. Derzeit steh ich auf gegrillten Lachs mit einer gelblich cremigen Soße drauf. Auf Ladyfinger steh ich überhaupt nicht.

Was hatten Sie zum Frühstück?

Zwei Gläser lauwarmes Wasser mit Zitrone und eine Banane, einige Gewürze und Vitamine.

Sind Sie ein Tag- oder Nachtmensch? Was ist für Sie der perfekte Tag oder die perfekte Nacht draußen?

Ich war mal eine 24 Stunden Person. So viele Nachtaktive (meist wegen der Arbeit) gibt’s. Sie sind zu viele, um gezählt zu werden. Heutzutage achte ich darauf, genug Schlaf zu haben, mindestens fünf Stunden. Ansonsten könnte ich eigentlich eine Person für jede Tageszeit sein, wenn ich motiviert, neugierig, inspiriert und natürlich zufrieden bin. Ich mag es, mich mit Freunden zu Hause zu treffen, gutes Essen, noch besseren Wein, Geschichten, Witze, Gelächter, Anmache, Spiele, Lernen. Habe ich den Wein erwähnt?

Das beste Buch, welches Sie je lasen?

Nikos Kazantzakis: Die letzte Verführung.

Kazantzakis wagte eine undenkbare Häresie vorzuschlagen, nämlich, dass Jesu eine Wahl hatte. Sein Leben, so wie er es lebte, war seine Wahl. Er hat es sich ausgewählt, Christ zu werden und nicht der Zimmermann vom Dorf zu sein. Jesu war kein Märtyrer. Er war ein Held. Kazantzakis gelingt es, Jesu zu uns zurückzubringen, zu uns den einfachen Leuten. Er gibt uns Hoffnung. Wir können ebenso heldenhaft sein, indem wir unseren Weg wählen.

Bester Film, der je gedreht wurde?

Da sind so viele. Mir fällt keiner ein. Doch ich würde sagen Goldfinger, ein James Bond-Film.

Schönsten Ferien? Was ist ihre Traumreise?

Vor zwei Jahren im Sommerurlaub, in der Toskana, besonders im Dorf San Girmignano. Die Umgebung stimmte, die Bedingungen und natürlich die beiden richtigen Leute. Cuba hat mich schon immer begeistert. Es ist wie eine Zeitkapsel aus dem Jahrhundert der Unschuld im dunklen Jahrhundert des Neids und des Kampfs ums Überleben.

Welche Musik hören Sie sich im Auto derzeit an?

Zur Zeit Klassik. Manchmal erfreue ich mich auch an Jazz. Und dann wieder knall ich das Dach des Autos mit gutem klassischen Rock weg.

Was haben Sie immer in ihrem Kühlschrank?

Früchte, Limonen, Gemüse, Brot, Saft, Halloumi, Eier und einige undefinierbare Objekte.

Das Traumhaus, auf dem Land oder in der Stadt? Wo würde es stehen, wie wäre es gestaltet?

Harte Frage. Es ist eines zwischen dem bei Nikos Kazantzakis und dem von Despina Papayiannakis.

Kazantzakis ist mein Held. Ich mag seine kindliche Neugierde im Hirn eines weisen Mannes. Er hinterfragt alles. Sogar sich selbst. Ich würde ihn eine Million Fragen zum Leben, der Liebe, Freude, Gott, Männern, Frauen und dem guten Leben stellen. Andererseits würde ich mit der Despina mich selbst sein, nur mich, stark, verwundbar, genügsam, offen und sehr interessiert daran, sie mal kennen zu lernen.

Würde das Leben in 24 Stunden enden, was würden Sie tun?

In den ersten-letzten 12 Stunden (fragen Sie nicht wie) würde ich all die Leute küssen, die mein Leben berührten, und sei es nur mit ihrem Atem. Dann würde ich 3 Runden Bowling mit meinem Sohn Theo absolvieren. Und danach würde ich mit Despina mich umarmen. Aber wer weiß, vielleicht gelänge es uns ja, in eine andere Welt zu flüchten.

Was ist ihre größte Angst?

Kürzlich habe ich festgestellt, dass meine größte Angst darin liegt, außen vor zu bleiben.

Erzählen Sie mir einen Witz?

Ein Mann geht zu seinem Therapeuten und sagt:

Meine Frau sagt, und meine Freunde stimmen mit ihr überein, dass ich ein Sexmaniak bin. Der Therapeut greift sich eine Karte von einem Haufen, der bei ihm auf dem Tisch liegt. Die Karte zeigt einen Penguin. Er fragt: An was erinnert Sie das?“ Sex, antwortet der Mann. Und an was erinnert Sie das (ein Taxi)? Sex, antwortet er, so auch als er ein Geschichtsbuch sieht, welches die folgende Karte zeigt.

Nun, lange Geschichte kurz gehalten. Nach einer Stunde, in der der Therapeut Bilder zeigte, kommt dieser zu folgender Überzeugung:

Sie sind ein Sexmaniak!

Der Mann steht ärgerlich auf und sagt im gleichen Atemzug:

Ich etwa? Sie haben mir doch diese Pornos gezeigt.

Real ist, was man wahrnimmt!“

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Der Humanitäre Weltgipfel in Istanbul ist also der letzte Witz, den Politiker für wen noch mal veranstalteten?

Wir haben auch alle kräftig gelacht.

Humaner Worthülsengipfel wäre doch gewiss die richtigere Bezeichnung für den Gipfel. Und siehe da. Wer tat sich darin hervor? Der mit dem Kleinen, der einem Wurmfortsatz ähnelt auf der Karte: Zypern.

Genauer war es ja der Herr Präsident namens Anastasiadis Nikos. Einst wollte dieser dem Ananplan 2004 zustimmen, den Papadopolous und die AKEL dann doch noch attackierten, als sie den Wählern sagten, stimmt mit Nein – und jetzt das.

Was lehrt uns das?

Es wirft zumindest die Frage auf, ob Herr Anastasiadis dem Ananplan damals nur aus kühler, eiskalter Berechnung zustimmte, aus Machtgelüsten, um Präsident zu sein? Das ist er ja dann auch geworden ohne die angeblich ersehnte Wiedervereinigung, nachdem die AKEL den Karren namens Zypern ziemlich in den Dreck gesetzt hat.

Sieht man sich an, was so am Rande dieses eher nutzlosen Worthülsengipfel in Istanbul geschah, kommt man nicht umhin, viele Fragen zu stellen und die Seriosität griechischzyprischer Politik in den Kindergarten zu verweisen.

Was war geschehen?

Da reist der Anastasiadis als Präsident Zyperns (aus seiner Sicht Gesamtzyperns) in die Höhle des Löwen, nach Istanbul. Bekanntlich liegt „Konstantinopolous“, wie die Griechischzyprer zu dieser Stadt noch heute mit Vehemenz sagen, in der heutigen Republik Türkei. Gut, aus Sicht vieler griechischer Nationalisten ist Istanbul eine besetzte Stadt. Herr Präsident hatte allerdings keine Bedenken, in so eine Stadt zu fliegen. Wahrscheinlich war er darauf programmiert, es dem Türken, vorrangig Erdogan, zu zeigen. Denn er hatte sich ja nach zähen und fast endlosem Gerangel im Verbund mit dem Rest der EU darauf geeinigt mit Ankara, dass Ankara Zypern anerkennt und dafür Türken in die EU mehr oder minder Visa-frei einreisen werden können u.a. Dass Letzteres heftig debattiert wird und angeblich doch nicht realisiert werden könnte, zeigt uns all abendlich die Tagesschau oder Heute im Zweiten.

Dass Erdogan ein gewisses Misstrauen gegenüber dem Westen hat, dürfte auch dem letzten Westeuropäer schon aufgefallen sein. Doch wollen wir dieses Thema nicht ausweiten und bei der Zypernangelegenheit bleiben.

Nun, wer es noch nicht wissen sollte: Erdogan spricht unverblümt davon, notfalls auch ohne die EU den Laden namens Türkei schmeißen zu wollen zukünftig. Er findet wohl, sein Land sei zur Genüge an der Nase herumgeführt worden. Genug ist genug!

Der Präsident Nordzyperns ist ein armes Würstchen. Sein Name ist Akinci Mustafa. Er hängt von der Türkei völlig ab. Er hängt aber auch von den Europäern ab. Er hängt in der Landschaft wie ein Boxsack. Und Erdogan trat zu und traf den hängenden Sack. Er ließ Akinci zum Gipfel einfliegen. Ob Letzterer das gerne getan hat, sei dahingestellt. Doch was kann das arme Würstchen schon tun? In die Hand beißen, die ihn einigermaßen sicher seit 1974 füttert? Also setzte er sich ins Flugzeug und flog nach Istanbul zu diesem Gipfel. Erdogan hatte ihn zum Abendessen geladen. Und was tut unser guter Herr Anastasiadis? Er erfüllt voll und ganz die Erwartungen, die Erdogan in ihn gesetzt hat. Er bleibt dem Essen fern, weil Mustafa, der wie er ursprünglich aus Limassol kommt, anwesend ist.

Ein Fehler sondergleichen. Anastasiadis hätte diesem Erdogan den Wind aus den Segeln nehmen können und müssen. Er hätte sich ein noch größeres Andenken als einer seiner Vorgänger, Thassos Papadopolous, im Gedächtnis der Zyprer setzen können. Alles, was er dazu hätte tun müssen zu Tisch an jenem Abendessen, ist, sein Glas anzutippen, um das Recht zu erhalten, kurz an die Runde etwas sagen zu dürfen, um dann zu sagen:

„Lieber Herr Akinci, schön Sie hier zu sehen, auch wenn Sie außer von der Türkei ansonsten von niemand anerkannt werden als Staatsoberhaupt, doch daran arbeiten wir ja höhöhö! Unsere Verhandlungen bezüglich der Zypernfrage sollen unbedingt einen Abschluss haben, noch dieses Jahr, und darum freue ich mich, dass Sie hier sind und mich in meiner Funktion als Präsident Gesamtzyperns unterstützen wollen. Nehmen Sie Platz, bitte!“

Und was macht Anastasiadis? Er geht schmollen. Und die Nationalisten auf der Insel stimmen den Tag danach voll mit ein. Frau soundso von der UNO hats eingefädelt, verbockt, eine Provokation schlimmsten Ausmaßes bla,bla,bla!

Zypern hat mal wieder eine große Chance vertan, Anastasiadis hat sie vertan, als kleiner Wurmfortsatz im Meer endlich einmal Größe im Politischen zu zeigen.

Die nationalistischen Wadenbeißer daheim auf der Insel, was gehen die Anastasiadis an? Was nimmt er auf diese Ewiggestrigen Rücksicht? Er ist keine 40 mehr. Er wird nicht wiedergewählt.

Erdogan hat einmal mehr die Frage aufkommen lassen, ob den Worthülsen der Griechischzyprer vielleicht doch nicht so ohne Weiteres vertraut werden kann? Und wer die Ansprache Herrn Anastasiadis liest oder hört, die er auf dem Gipfel hielt, weiß nun eventuell, dass es wohl wirklich nur Worthülsen sind und waren, die er von sich gab und gibt, wenn er von Friede, Freude, Eierkuchen spricht, der auf der Insel anvisiert sein soll.

Ihnen kann ich es ja sagen, verehrte Leser:

Diese Worthülsen entlässt Herr Anastasiadis andauernd und schon fast überall. Dass er sie auf dem Gipfel ablesen musste, kann hier eigentlich niemand verstehen, weil er müsste das Zeug schon längst in seinen Träumen träumen und auswendig vorsingen können. Mit der Realität, wie sich zeigt, haben seine Worthülsen offenbar wenig gemein. Und das ist eigentlich schon die Antwort auf das Ergebnis der Wiedervereinigungsverhandlungen? Wahrscheinlich schon. Leider.

Dass Akinci Zuhause bliebe und nicht nach Istanbul geflogen wäre, um der Einladung Erdogans nachzukommen?

Der Mann will essen. Der Mann will seine Leute nicht durch noch härtere Zeiten gehen lassen. Wie gesagt, er ist politisch ein armer Wurm. Hängt da wie ein Boxsack, jeder darf mal draufhauen!

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Wahlen, Kirche und Fische

Der Außenminister Nordzyperns, Tahsin Ertugroglu, verkündet, dass sich die orthodoxen Kirchen im überwiegend von Muslimen bewohnten Norden Zyperns entscheiden müssten, an welchen Tagen sie einen Gottesdienst abzuhalten gedenken: also an Ostern, Weihnachten oder am Namenstag einer Kirche. Was anderes sei nicht mehr drin. Allerdings betrifft diese Regelung die Kirche von St. Barnabas, St. Mamas und die des Gesandten Andreas nicht. Herr Akinci, der als Präsident des Nordens Verhandlungen mit dem Süden führt zwecks Vereinigung der beiden Inselteile, schließt sich der Ansicht seines Außenministers an, schreibt die Kibris Gazetesi. Der Grund für diese Maßnahme sei, dass immer dann, wenn eine Messe oder dergleichen genehmigt werde, ein erheblicher Aufwand betrieben werden müsste: bürokratisch und sicherheitstechnisch. Die Gottesdienste so zu limitieren, sei einfacher und bedeute nicht, man würde den Christen das Recht nehmen, ihren Glauben auszuüben.

In Büyükkonuk und Umgebung sowie in Dipkarpaz (Nordzypern) soll kulturell zukünftig mehr laufen, hat man sich vorgenommen. Die EU scheint schon mal Gelder dafür bewilligt und bereitgestellt zu haben und da scheint man sich – welch glanzvolle Idee -, auf seine kulturellen Wurzeln oder dergleichen besonnen zu haben, und sieht vor, Stick- und Häkelkurse errichten oder wiederbeleben zu wollen und dann auch noch Englischkurse, denn scheinbar wird damit gerechnet, dass vermehrt Touristen in die Region kommen könnten. Der Ökotourismus-Verein von Büyükkonuk hat sich das einfallen lassen.

Aus meiner Sicht könnten die Damen und Herren ihre Energien und die bereitgestellten Gelder der EU durchaus prononcierter dafür verwenden, die Strände sauberer zu halten, mehr Wanderwege anzulegen und aktiver dagegen vorzugehen, dass Singvögel abgeknallt und dann verspeist werden. Gewiss würde es der einen oder anderen Ortschaft gut tun in jener Region, würde man den einen oder anderen Ort noch mehr begrünen und vor allem entrümpeln. Und dann wäre da noch die Viehhaltung vorort, die armen Kühe und Hühner etc., die meist in katastrophalen Umständen ‚leben‘. Das würde dem Ökotourismus dann, den man vorgibt zu betreiben oder anzustreben, so in etwa und wahrscheinlich realer ein Ökogesicht verpassen.

Die vorgesehenen Folklorekurse, von denen in der Kibris Gazetesi auch noch die Rede ist, werden doch eh schon die ganze Zeit über betrieben und sollten in das Budget nicht aufgenommen werden, weil offensichtlich nicht hilfsbedürftig und bestens am Leben. Und dann ist noch zu fragen, ob in diesen Folklorekursen auch einigermaßen umfassend das ganze Programm abgespielt wird, das heißt, eingeübt und erfasst ist? Die Tänze und Musik der ‚Zigeuner‘ etwa oder auch anderer Minderheiten ist gemeint. Ganz zu schweigen von den Briten und anderen Nordeuropäern, die auf der Insel durchaus auch schon seit langem leben – auch seit Generationen.

Nun, die Letzteren werden auch im Süden nie erwähnt, wenn Politiker und andere von der Bevölkerung der Insel sprechen. Das stört irgendwie und vor allem zunehmend. Denn dass diese Leute nicht zu den Wahlen gehen dürfen, daran hat man sich ja schon fast gewöhnt.

Apropos: Gestern waren Wahlen auf Zypern und es hat sich nicht viel geändert, kaum erwähnenswert. Die DISY (30,69%) hat die meisten Stimmen erhalten und ist somit als Regierungspartei irgendwie bestätigt worden; und nach ihr hat die kommunistische AKEL (25,67%) den zweiten Platz gemacht und man fragt sich, wie es wohl kommt? Denn die Präsidentschaft Herrn Xristofias ist vielen noch sehr gewahr, zumal in diesen Tagen langsam einige Ungereimtheiten an das Tageslicht gelangen, in Sachen Banken, Money und dergleichen mehr. Die Grünen (Ökologen) sollen mit knapp 4,81% die Überflieger der Wahl sein und die faschistische ELAM (3,71%) hat den Sprung ins Parlament anscheinend geschafft. Insofern liegt man auch in Zypern im europäischen Trend – nach rechts.

Zuletzt: 3 Tonnen Kugelfisch wurden gefangen in den Gewässern, die der Norden Zyperns für sich beansprucht. Dieser Fisch soll giftig und zerstörerisch sein. Er scheint sich im Mittelmeer unheilvoll auszubreiten. Eine Plage.

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CY Summertime Blues

Wie soll ich es sagen? Der Sener Levent hat eventuell den

Sommer-Blues. Spätestens nachdem Sie diesen Artikel

vom 04. Mai 16 aus der Politis, wie immer, gelesen

haben, werden Sie mir zustimmen. Also stimmen wir

doch einfach mal ein mit ihm und in seinen Blues. Mal

sehen, wie es Ihnen danach geht:

 

Auch das wird vorübergehen!

 

Auch das wird vorübergehen. Auch das Heute wird

vorübergehen. Sommer und Winter. Die Blumen werden

welken und werden wieder blühen. Ihr werdet feiern,

werdet lachen und weinen. Freude und Leid werdet ihr

haben. Zu Hochzeitsfeiern gehen, Beerdigungen und in

den Urlaub fahren. Werdet die Feiertage feiern. Photos

auf Bergen werdet ihr schießen, an Stränden, und dort,

wo ihr in Urlaub ward.

 

Die Kinder werden erwachsen, so auch eure Enkel noch

bevor es euch so recht bewusst geworden ist. Alt werdet

Ihr sein. Falten werden das Gesicht überziehen. Das Haar

wird ausfallen und Sie werden sich noch nicht mal auf

Photos wiedererkennen, auf denen Sie jung waren. Auch

bei vielen Mitschülern werden Sie Schwierigkeiten

haben, sie wiederzuerkennen. Medikamente werden Sie

einnehmen, die Sie davor noch nie einnahmen. Ihr Schlaf

wird kürzer und sie werden vergesslicher. Irgendwann

werden Sie denken, dass sie schon bald sterben. Und so

werden sie sich ihren Platz neben dem Sarg ihrer Frau

reservieren, die vor ihnen das Zeitliche segnete. Seltsam

kommt es ihnen vor, dass ALLES weiter gehen wird wie

gehabt und Sie würden nicht mehr s e i n.

 

Doch noch haben Sie Zeit! Sind gut drauf. Sollten Sie

jetzt traurig geworden sein, später werden Sie sich wieder

freuen. Alles geht vorüber, auch das. Auch heute. Kann

sein, Sie verlieben sich noch mal. Kann sein, Sie pflanzen

ein Olivenbäumchen, eine Fichte, Dattel. Sollten Sie

Venedig noch nicht besucht haben, kann sein, dass sie es

jetzt besuchen gehen. Kann sein, sie gehen nach Paris,

vielleicht in die Oper „Jewgeni Onegin oder ins Bolschoi-

Theater zu Moskau. Vielleicht auch nach Indien auf

einem transatlantischen Tripp, ein Ticket für ein Match

Barcelona gegen Madrid, kann aber auch sein, Sie packt

die Freude am Tangotanz in Buenos Aires.

 

Noch sind Sie nicht tot. Eines Tages entdecken auch Sie,

dass Ihr größter Mangel auf dieser Welt die Tatsache ist,

dass Sie ein freier Mensch sind. Erneut durchforsten Sie

Ihr Leben, als Sie eines abends zermürbt in den Sessel

fallen, der in der einen Ecke Ihres Hauses steht. Es gibt

keine andere Lösung, als dass Sie ES in die äußerste Ecke

des Bereuenswerten und Ihrer Enttäuschungen stecken.

 

Wie diese Dinge mit dem Gestern so sind, sie gehören der

Vergangenheit.

 

Was Sie brauchen sind neue Lieder. Lieder des neuen

freien Geistes, den Sie in Ihrem Mangel entdeckten. „Auf

dieser Welt muss ein jeder entweder ein Reicher sein oder

ein Mensch.“ Das sagte ein Dichter. Treffen Sie Ihre

Wahl. Wählen Sie zu sein, nicht, dass man Sie sein lässt.

Zumal der Mensch doch eh nur einmal stirbt. Entscheiden

Sie sich zu sterben als Mensch. Denken Sie an die

Rosenbergs, die auf dem Elektrischen Stuhl endeten.

Denken Sie an die beiden italienischen Arbeiter, Sako

und Banzetti, die ermordet wurden, den Che, der

hinterlistig gekillt wurde in Bolivien, den Denis Gecmis,

den Mandela, der 27 Jahre im Knast saß. All diese Leute

reichen nicht aus, Ihnen ein Vorbild zu sein, die Kämpfer,

welche die schlimmste Pein überstanden. Sie

untersuchten es ja, aber sie fanden nichts, kein

Geheimnis, heraus. Denken Sie an Frederico Garzia

Lorka. Sein letztes Gedicht, welches er aufsagte, während

sie ihn in Spanien hinrichteten:

 

Was ist der Mensch, der nicht frei ist?

 

Sag es mir Marianna

 

Sag mir, wie kann ich Dich lieben

 

Wenn ich nicht frei bin?

 

Wie kann ich Dir mein Herz öffnen

 

Wenn mir dieses Herz nicht gehört?

 

Hör auf die Guitarre von Rodriguez

 

Wie sie in den Bergen Spaniens widerhallt…

 

Die Tage, von denen ich sagte, sie werden vergehen,

sogar jetzt, sie sind unerträglich. Noch mehr Raki und

Zivania werden Sie im Sommergarten trinken. Peperoni

werden Sie essen, Melonen, Apfelstücke und

Weintrauben.

 

In unserem Vaterland führen alle Wege ins Meer, nicht

nach Rom!

 

Die Karten bleiben nicht für immer gezinkt. Wenn wir es

nicht verstehen, sie zu legen, werden es die großen

Kartenleger tun. Wir müssen auf diesem Stück Erde leben

als sei es das Haus unserer Väter und nicht wie Gäste, als

kämen wir zum Urlaub im Sommer.

 

Wenn Sie jetzt leben, bedeutet das, dass Sie noch viel

Arbeit zu erledigen haben. Umarmen Sie die Zeit, die

vorüberging mit schöner Erinnerung, die sich angehäuft

hat zwischenzeitlich. Lassen Sie die Sorgen wegen

morgen im Morgen. Den Setzling, den sie gossen, der

wird auch nach Ihrem Ableben wachsen … .“

 

Anscheinend hat den Autor, Levent, der Tod von Lorka

sehr getroffen. Wir haben also verstanden, kann nun wohl

gesagt werden über ihn, dass er sich als sogenannten

Linken outet. Mal sehen in der Folge, was das auf

Zyprisch bedeutet und mit sich bringt an Wendungen,

Bildern und Schlüssen zu und über Gott und die Welt.

 

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