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Archive for Januar 2016

Zypern in Davos – Schweiz

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Die letzten Tage

Eigentlich sind oder waren wir 8 Tage im Oman insgesamt. Jeden dieser Tag stringent hier nachzuzeichnen, macht irgendwie nicht wirklich Sinn. Inzwischen sitzen wir am Flughafen von Salalah und – natürlich – hat unser Flug angeblich 45 Minuten Verspätung. Schon auf dem Hinflug wurden wir Tage vorher davon in Kenntnis gesetzt, der Flug habe 45 Minuten Verspätung zurück von Salalah nach Muskat. Das sind dann wohl insgesamt schon 90 Minuten.

Wenn es nicht zufällig jeweils 45 Minuten wären, die als Verspätung angekündigt werden, würden weniger Zweifel aufkommen. Es könnte nämlich der Anschlussflug nach Zypern in Doha nicht rechtzeitig gekriegt werden. Erinnerungen an viele, viele Situationen im Jemen werden da einfach wach, in denen davon die Rede war, dass Herr Soundso „gleich kommt, in einer halben Stunde“. Es ist alles bestens Verlaufen auf dem Rückflug, der doch etwas lang war mit Umstieg in Muskat und Doha. In Muskat muss das Gepäck abgeholt werden und neu aufgegeben werden nach Zypern, wenn man von Muskat nach Salalah mit der Oman Air geflogen ist.

Auf den Trip nach der Grenze des Jemen von Salalah aus haben wir uns nicht begeben. Den Beschreibungen anderer Touristen nach, verleitete es uns nicht, nochmals über 100 US-Dollars rauszuhauen, anstatt einem relaxten Tag am Strand vor dem Hilton. Letzterer Entscheid geschah so wohl auch vor dem Hintergrund der Reise nach Wadi Dhawka. Und von der mag ich nun, wie im vorherigen Beitrag angekündigt, berichten.

Den Ordner der FTI, der im Rezeptionsbereich des Hiltons ausliegt, war zu entnehmen, dass FTI das günstigere Angebot zu haben schien. Die Taxifahrer und andere lokale ‚Reiseveranstalter‘ träumten irgendwie von zu hohen Preisen, und zwar ohne Reiseleiter. Und den wollten wir uns schon geben, möglichst auf Deutsch. Den bekamen wir dann auch. Doch der Reihe nach.

Der Reiseveranstalter, der für FTI in Salalah unterwegs ist, hatte einen Ägypter abgestellt, der nicht schlecht Deutsch spricht. Der wollte 2,5% Serviceleistung der Kreditkarte wegen addieren, als er uns den Tagestrip verkaufte. Das haben wir ihm schnell ausgeredet.

Erfreulich war, dass der omanische Fahrer den anderen Tag früh morgens um 08 Uhr pünktlich abfahrberereit anwesend war. Der sprach allerdings nur Arabisch und guckte etwas finster drein. In seinem Auto saß bereits eine ältere Dame, wie sich heraustellte eine Deutsche, die wie mein Reisebgleiter zwar viele Sprachen spricht, doch nicht Arabisch. Wir fuhren pünktlich los und machten uns miteinander bekannt. Irmgard war der Name dieser Frau. Sie kommt aus Stuttgart. Eine weise und offenbar auch resolute Zeitgenossin. Sie ist schon über die 80 Jahre alt und etwas gehbehindert. So weit, so gut.

Der Fahrer fuhr schnell, aber nicht zu schnell und schien glücklicherweise nicht die Neigung zu haben, unbedingt rasen zu müssen oder Risiken einzugehen beim Fahren. Irmgard erzählte von einem Fahrer, den sie hatte den Tag davor, der unübersichtliche Kurven schnitt und sich das nicht ausreden ließ. Sie hatten großes Glück, meinte Irmgard, noch am Leben zu sein.

Unser Fahrer sprach noch immer kein Wort mit uns, machte auch nicht den Versuch und taute erst auf, als ich nach knapp 20 Minuten Fahrt angfing, mit ihm Arabisch zu sprechen. Sein Toyoto Landrover schien relativ neu zu sein. Wie sich schon bald herausstellte, fuhren wir in einer Autokarawane von vielleicht 7 Jeeps, der gleichen Farbe und des selben Modells des omanischen Reisebüros, mit dem FTI und andere wie Sonnenklar offensichtlich zusammen arbeiten – „MeetingPoint“. Der Fahrer gab bereitwillig Auskunft und erklärte, wo wir gerade waren und an was wir vorbeifuhren. Ich übersetzte und so wussten auch die beiden anderen im Auto, wo wir sind, was passieren wird und wo wir demnächst hinfahren.

Das Befragen des Fahrers war schon von Nöten, denn ein Reiseleiter war nirgends zu sehen, als wir vor dem Hilton einstiegen. Zwar lag ein sehr geraffter Plan der Rundreise von FTI aus, der lediglich 3 – 4 Ziele der jeweiligen Tagestour namentlich benannte mit äußerst spärlicher Beschreibung. Den Reiseleiter trafen wir nach kurz einer Stunde Fahrt an einer Raststätte, wo auch Überlandbusse einen Stop machen. Die Toilette an jenem Ort war sehr sauber, bestand aus grauem Stahl und hatte ein Loch, über das es sich zu setzen oder zu stellen galt – eine typisch arabische Toilette. Sie kostete nichts. Den Einheimischen und asiatischen Reisenden muss erklärt worden sein, dass da nur Touristen drauf sollen. Wie wir mitkriegten, waren die Englisch-Sprachkenntnisse der anderen Fahrer ungefähr ähnlich denen unseres Fahrers – praktisch nicht vorhanden.

Und da stand er dann. Ein kleiner brauner Mann, der auffällig viel lächelte und irgendwie gleich den Eindruck nährte, gern und lang zu schwafeln. Leider tat er das in äußerst schlechtem Deutsch – unser Reiseleiter. Es war fast unverständlich, was er sagte, und seine Auskünfte waren irgendwie zu Ich-bezogen. Nun gut, dachten wir. Mit vielen umständlich formulierten Beispielen erklärte er die vor uns liegende Route. Wir erfuhren, dass die nächste Haltestelle das „Leere Viertel“ sein wird, die angeblich größte Sandwüste. Der Reiseleiter hatte eventuell gesagt, dass die Betonung hier auf „Sand“ liege.

Knapp 2 Stunden später waren wir dann an der Sandwüste angelangt. Der Weg dorthin ließ mich an freudige Tage im Jemen erinnern. Gut gelaunt waren wir. Irmagard stellte sich als eine hochinteressante Frau heraus. Der Fahrer schien auch guter Dinge. Die Landschaft war flach und der Horizont recht weit. Hin und wieder wechselte die Farbe des Sandes oder der Boden war etwas steinig. Wenig grün war zu sehen, außer jenem, welches angebaut wird – Gras -, um das Vieh zu füttern und damit Geld zu verdienen.

Den wahrscheinlich obligatorischen Kamelstop gab es auch auf unserer Fahrt. Wir erfuhren von anderen Touristen, denn der Reisführer war mit denen von uns, die gut zufuß waren, schon auf und davon Richtung Kamele gegangen, dass die weißen Kamele die teuersten und besten seien, die braunen gäben Milch und die schwarzen werde verwendet, um gegessen zu werden. Wie Sie lesen können: immer auf die kleinen Schwarzen. Schon fast wie unter Menschen?

Klick-Klack machten die Fotoapparate, wieder und wieder und dann saßen wir auch schon in unseren Fahrzeugen. Irmgard las vor aus ihrem Reiseführer. Ihr zum Dank wissen wir unter anderem, dass diese Gegend im Altertum eine Raststelle war, dass es in der Nähe einen Brunnen gibt und dass irgendwelche Engländer zwei oder drei Anläufe von hier aus vor langer Zeit unternahmen, um als erste Europäer, trotz Verbot des Sultans, das Leere Viertel zu durchreisen. Irgendwann gelang es einem von ihnen, wie es ja überall in der Welt nahezu durchgezogen wurde – das Entdecken der Welt durch Europäer, auch, um Ruhm und Ehre, Unsterblichkeit etc. zu erlangen. Nichts drin, also, mit sich an Gesetze halten. Erinnerte mich sonderbarer Weise irgendwie gleich an den Aufschrei der Straftaten wegen, die in Köln begangen wurden an Sylvester 2015/16.

Sind das etwa auch Straftaten, um die Vorrangstellung seiner Herkunftsregion und Menschenschlages in der Welt auszubauen und zu verfestigen?

Aus dem einstigen Byzanz sind auf geheiß des Oberhauptes der Ostkirche sogar 2 Spione in Mönchskutten verkleidet nach China gepilgert zu jener Zeit, um dann in ihren Spazierstöcken versteckt Eier der Seidenraupen außer Land und bis nach Konstantinopel zu Schmuggeln. Im Jemen war es der Kaffee etc. etc.

Als ich vor knapp 15 Jahren mehrere Male nahe der jemenitischen Stadt Marib in das Leere Viertel gefahren bin – mit Peugoet 6-Sitzern und wie gesagt vor 15 Jahren oder so – fuhren wir viele hohen Dünen des Leeren Viertels hoch und runter, wieder und wieder, und nochmals die nächste und übernachste hoch und runter. Klasse war es – unvergesslich. 10 Meter und höher waren die Dünen.

Und was machten wir im Oman in den schweren Landrovern von MeetingPoint im Jahr 2016? Die Fahrer bretterten lediglich bis zur Hälfte auf die vordere, erste Düne hoch und parkten ihre Autos dann – eventuell malerisch – nebeneinander stehend auf der Düne – in Reih und Glied.

‚Toll‘.

Unser Fahrer ließ uns sogar 3 Versuche angedeihen dabei. Er hat sich vielleicht gewundert, dass wir wenig begeistert waren von der Show. Anstatt dessen sprach ich davon, er soll da doch mal drüber fahren und was das denn wird? Es wurde daraus die Anweisung des Reiseleiters, den Rest der Strecke bis zur Spitze der Düne zufuß zu gehen. Für Irmgard ganz eindeutig nicht möglich. So auch für mich. Mein Reisebegleiter sprach von einem flachen Land, welches hinter der Düne von ihrer Spitze aus zu sehen ist, bevor weitere noch höhere Dünen in Sicht kommen.

Dem Reiseleiter, der aus einem außereuropäischen Land stammt, wie er immer wieder betonte, dem erzählte ich von meiner Verwunderung, dass wir nicht über die Dünen fahren, in die traumhafte Landschaft dahinter. Irgendwie verstimmt über meine Frage beharrte er darauf, wir müssten gleich weiter und nein, das ginge nicht. „Das reicht so!“ Dicke Autos, und dicke Show, aber magere Speise fürs Auge und das Erlebnis. Es war mir schon beinahe NICHTS. Meine Freude sank. Etwas auf den Arm genommen, fühlte ich mich. Die schönen Erinnerungen an schöne Dünen-Landschaften und Fahrten durch die Dünen ließen mich mein Schicksal dann aber schnell ertragen. Sie waren kurz wieder erweckt worden.

Dann ging es zu einem Loch im Boden. Wasser soll dort geflossen sein, ja sogar noch spärlich fließen. Es handelt sich um eine Wasserquelle, sagte der Reiseleiter, die noch nicht ganz versiegt ist. Wissenschaftler würden noch immer dort graben und die UNESCO sei im Spiel. Ein wichtiger Ort auf der einstigen Seidenstraße. Er selbst sei in das Höhlenloch mal reingegangen mit Lampe, und wissen Sie was, verehrte Leser, er sah dort eine „grooooße Schlange“ und lief daraufhin „schnell wieder ins Freie“. Spätestens diese Erzählung ließ mich die Frage unterdrücken, warum wir denn nicht bis ganz nach unten gehen – zum Loch.

Ein Volk habe hier gelebt, welches sündhaft war und zu stolz gewesen ist, wie im Koran stehe, erklärte der Reiseleiter. Die Sure konnte er leider nicht benennen, in der das stehen soll. Ein türkischer Tourist und seine Freundin mischten sich ein, sagten, ich solle doch im Internet nachsehen, wo im Koran das genau steht. Ihrer Meinung schloss sich unser Reiseleiter sogleich an und ließ mich daraufhin stehen. Für was haben wir einen Reiseleiter, wenn dieser noch nicht mal die – für ihn – banalsten Fragen beantworten kann?

OK, man kann nicht alles wissen, das stimmt. Er hätte aber auch sagen können in etwa und netter: Oh, hab ich gerade nicht drauf. Verzeihung! Und die Sache wäre erledigt gewesen für mich. Man hat ja schließlich Verständnis für gewisse Schwächen. Doch so? Außerdem hätte er am Ausgang dieser Ausgrabungsstätte vielleicht mal schnell einen der Omanen, die dort rumstanden gefragt. Die hätten das wahrscheinlich gewusst.

Dann gings angeblich zurück zur Busstation, bei der wir davor gewesen sein sollen. Doch das war nicht dieselbe Station. Eigentlich war uns das auch egal, nur, der Reiseleiter hatte ja gesagt, dass wir dahin zurückfahren würden. Hätte doch außerdem sein können, dass der eine oder andere Gast sich davor dachte: ach, wenn wir hierher eh zurückkommen, dann tue, mache, kaufe ich xyz.

Das Essen an dieser Raststätte war OK. Es gab ein Büffet. Versteht sich, könnte man schon fast sagen, es war Indische Küche. Ich mag Indische Küche. Seltsamerweise habe ich all die Zeit, in der ich in Oman war, nicht einmal meinen Restaurant-Antester gesehen oder bestellen konnen: „Palak Panir“. Das esse ich immer, wenn ich zu einem Inder erstmals gehe. Bei dem Spinat mit Reis kann meines Erachtens nicht viel falsch gehen und wenn, dann dürfte man es wahrscheinlich überleben. Hat sich so eingebürgert. Am Geschmack des Palak Panir behaupte ich inzwischen auch ablesen zu können, ob das Restaurant mich wieder sieht oder nicht.

Ja, und dann waren wir am Rande des Wadi Dhawka angekommen. Wie es die Art des Reiseführers ist, rannte er auch hier wieder mit der Gruppe davon, viele Treppen hinunter. Irmgard hatte das Nachsehen. Als wir dann mit ihr ankamen, hatte unser Führer wohl schon das Wichtigste von sich gegeben. Irmgard schien für ihn gar nicht zu existieren. Auf ihre Befindlichkeit und die eines weiteren Mannes, der ebenfalls Probleme beim Gehen hatte, ging unser Reiseleiter Zero ein.

Irmgard hatte sich ja dazu entschlossen, jeden Tag mit MeetingPoint einen Trip zu unternehmen – komme, was wolle. Und die Erfahrung, von den Reiseführern nicht wahrgenommen zu werden, hatte sie bereits öfters gemacht. Ja, es soll sogar einen Reiseleiter geben, der noch schlechter Deutsch spricht. Sie meinte, diese Reise, auf der wir uns gerade befanden, sei bislang landschaftlich ihre schönste gewesen.

Wahrscheinlich war es diese Aussage dieser bodenständigen und weitgereisten Frau, die uns davon absehen ließ, unbedingt bis an die jemenitische Grenze zu fahren, um einen einigermaßen bewaldeten Bergrücken zu sehen und ansonsten nichts wesentlich Erhebendes? Der Beach und das Gammeln auf einem Liegestuhl mit Buch in der Hand sowie einigermaßen Ruhe erschien attraktiver, als die Ungewissheit darüber, ob die Versprechen in den Prospekten halten, was sie erzählen – was auf den Trip nach Wadi Dhawka mit seinen Zwischenstationen eher nicht zutrifft.

Im Reiseführer von Irmgard standen ganz phantastische Dinge, die es zu sehen gibt, um ins Wadi Dhawka zu gelangen: Grün, Wasserbetten etc. Nothing von alle dem. Im Teil des Wadis, welches wir sahen – der Fahrer meinte, wir seien am äußersten Rand davon -, standen auf einem Fußballfeld großen Gelände vielleicht 300 Weihrauchbäume im trockenen Boden. Die erinnerten mich an Olivenbäume, nur das Letztere wesentlich eindrücklicher aussehen.

OK, wir waren im Wadi Dhawka, eben am äußeren Ende, und dass unser Weg dorthin nicht so schön ist, wie in unseren Reiseführern beschrieben, dürfte FTI und Genossen gewiss nicht entgangen sein. Inwieweit FTI da juristisch an den Karren gefahren könnte, mag ich nicht bemessen. Es ist gewiss Grauzone, in der die sich bewegen. Auf juristische Schlammschlachten steh ich auch nicht sonderlich nach dem Urlaub.

Ja, zu den richtig alten Bäumen „dort hinten“ könnten wir nicht gehen, weil das sei derzeit verboten, sagte unser Reiseleiter. Ich fand schon, dass wir die knapp 300 Meter dorthin hätten langsam gehen können, ja in die Welt der Weihrauchbäume eintauchen hätten müssen, um dann über den Zaun hin zu den uralten Dingern zu gucken und langsam doch noch auf den ‚Geschmack‘ zu kommen. Aber das ging anscheinend nicht.

Wir standen anstatt gleich am Anfang dieses Feldes, und zwar in kürzester Entfernung zu den Jeeps. Es war offensichtlich, dass unser Reiseleiter nach Hause oder noch woandershin wollte. Ziemlich sicher hätten die so verloren dastehenden Weihrauchbäume einen anderen Eindruck auf uns gemacht, wenn der Reiseleiter klug genug gewesen wäre, den erwähnten Persektivwechsel in sein Programm einzubauen.

Seltsamerweise ist angeblich auch der weiße Weihrauch der am besten angesehene, nicht der braune oder schwarze. Ja, man könne ihn in Wasser legen über Nacht und dann trinken. Aber bitte den folgenden Morgen nicht das im Wasserglas trinken, welches unmittelbar um den Weihrauchstein sich in der Nacht abgelöst habe. Weihrauch sei auch ein Heilmittel und koste gar nicht so viel: Gelenkschmerzen etc.

Oben vom Weihrauchfeld mit Irmgard im Schlepptau angekommen, die klugerweise schon früher gestartet war in Richtung Autos, verabschiedete sich der Reiseleiter von der Gruppe. Die anderen anwesenden Touristen schienen aus zwei weiteren Hotels von Salalah zu stammen, die vom Standard her dem Hilton entsprechen dürften. Dass dem Reiseleiter jemand Geld zugesteckt hätte oder auf die Idee gekommen wäre, anerkennend zu klatschen, konnte ich nicht sehen und hören.

Es scheint einem Lotteriespiel zu gleichen, ob man einen Reiseleiter von FTI und/oder MeetingPoint zugeteilt bekommt, der für die relativ teuren Touren ein adequates Fachwissen aufweist und verständlich Deutsch spricht oder nicht. Nach Angaben von Irmgard träfe das dann auf 2 von 7 Touren zu, die sie unternommen hat. Das ist ein schlechter Schnitt und Irmgard war nun alles andere, als eine Nörglerin oder eine abgehobene Person. Wie ich schon schrieb: eine weise, ältere Dame.

FTI macht sich offensichtlich keine großen Sorgen darüber. So auch die Taxifahrer vor den Hotels, die ihre Dienste einfach etwas zu hoch auspreisen. Der öffentliche Verkehr gehört unbedingt besser ausgebaut im Land. Und die Stätten und Wege, auf denen der Sultan und/oder seine Verwalter Touristen offensichtlich nicht vermuten, sollten dennoch wesentlich sauberer gehalten werden. Und dass anscheinend alle Paläste nicht zugänglich sind, die er zuweilen eh nicht bewohnt, stinkt nach ziemlicher Abgehobenheit. „Du Jane, ich Tarzan“ oder so.

Es soll anscheinend überall im Arabischen Golf so sein, dass Asiaten und Afrikaner nicht fair bezahlt werden. Mich stört das, denn jedes freundliche Lächeln, welches mir von ihnen entgegen gebracht wird, stolpert mich schon fast unweigerlich in ein schlechtes Gewissen. Etwas wie Mitschuld holt mich ein und das im Urlaub. Denn was wird an Trinkgeld erwartet, was ist üblich und sollte ich etwa gar keines geben?

Die Summen, die man Irmgard genannt hat von Seiten ihres Reiseanbieters, Sonnenklar, waren eindeutig zu hoch, wie auch wir fanden. Sie hatte für sich daher eingeführt, nach jedem Essen einen Rial auf dem Tisch liegen zu lassen. Den Fahrern gab sie etwas mehr, was wir auch bei unserer gemeinsamen Fahrt so beibehielten. Der Rial steht bei etwa 2 Euro 50.

Dieses Thema bewirkt durchaus ein Wechselbad der Gefühle. Den meisten Touristen dürfte es so gehen. Die asiatischen Angestellten sind wirklich hart arbeitend und dennoch freundlich, so auch die Ägypter und andere Afrikaner. Dass sie schlecht bezahlt werden, schmälert die Freude am Spaß im Ferienparadies. Das sie zu lange arbeiten, fällt einem schlichtweg auf, wenn man sie morgens, mittags und abends noch immer ihren Dienst verrichten sieht.

Wie zu lesen ist, will der Sultan demnächst noch den einen oder anderen Flughafen im Inland eröffnen. Von zwei oder gar drei weiteren Tourist-Ressorts ist die Rede, die ebenfalls schon demnächst eröffnet werden sollen. Die Omanen haben noch viel, wirklich viel zu tun, um im Tourismus einigermaßen professioneller zu wirken. Oman Air will das Angebot ausweiten.

Gestern Abend waren wir nochmals in Salalah, um nach dem sagenumwobenen Supermarkt Carefour von Salalah zu gehen. Wieder knapp mehr als 25 Euro für eine Taxifahrt ausgegeben, die eigentlich nicht mehr als 10 Euro kosten dürfte – one way. Immerhin, in einem der Geschäfte des Einkaufszentrums habe ich eine arabische Tastatur gefunden, die zumindest an diesem Laptop, der mir nicht gehört, funktioniert und knapp 10 Euro kostete.

Alles schillerte im Einkaufszentrum, alles blitze-blank gehalten von Asiaten, die mit den gelangweiltesten Gesichtern, die ich je auf jungen Gesichtern sah, ihrem Wischmopp folgen. Gern steht in den Auslagen an Uhren und Schmuck „Swiss“.

Man kann im Einkaufszentrum von Salalah sogar richtig gut essen. Für all diejenigen, die Hilton-Essen nicht mehr sehen können, ein Muss. Und zwar gibt es im Innenhof des Einkaufszentrum eine große Aufschrift „Pizza“ soundso. Unweit davon ist ein Restaurant, welches in den Farben Grün, Blau, Weiß gehalten ist. Es wirkt atypisch. Verkauft wird dort alles, doch vor allem Fisch. Ein Büffet erwartet den Gast. Es kann auch a la carte gegessen werden. Wir haben uns für das Büffet entschieden (8 Rial), eine gute Wahl. Vom Hilton dorthin zu gelangen im Taxi und zurück plus dem Büffet im Restaurant ist sogar billiger als das Büffet im Hilton alleine.

Nahezu überall riecht es nach Weihrauch im Lande. Die meisten Omanen riechen danach, wie im Vorübergehen gerochen werden kann. Im Hilton scheint dieser Geruch sogar aus der Lüftung zu kommen – ganz Dezent. Mein Reisebegleiter konnte das allerdings nicht riechen. Der Oman erscheint uns einigermaßen überzeugt zu haben als Ziel für einen Badeurlaub. Einen Mietwagen zu mieten, ist wahrscheinlich kein schlechter Einfall. Die Hauptverkehrsachsen dürften gut ausgebaut sein. Die Fahrweise der Leute war nicht all zu auffällig.

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Die andere zyprische Sicht

„Eine Hölle im Paradies!“

Der Aufenthalt in Oman ist jedenfalls nicht die Hölle, eher das Gegenteil davon. Die Omanen sind meistens freundlich. Man müsste viel länger im Oman verweilen, habe ich den Eindruck. Kann gut sein, dass es dazu noch kommen wird, eben weil die paar Omanis, die wir kennen lernten, auch sehr umgänglich schienen. Angenehme Leute, die insbesondere andere Vorstellungen von Preisen fürs Taxi haben. Selber schuld, sagen Sie da, verehrte Leser, mit Berechtigung, wenn ihr die Taxis nehmt, die vor dem Hilton stehen, wo ihr an der Straße stehend wahrscheinlich ganz andere Preise aushandeln könntet.

Herr Levent ist ein Türkischzyprer, der anscheinend inzwischen im anderen Teil der Insel wohnt und arbeitet, im griechischsprachigen Teil. Sehen Sie sich zur Person den Link ganz unten in diesem Artikel an.

Von Şener Levent, übersetzt von iskenderr2 (zypernundmehr@wordpress.com)

„In diesem Land. In diesem System. In dieser Gesellschaft. Ich lebe hier, wissend, dass hier niemand mehr leben kann. Es ist ein Ort, wo Freundlichkeit, Gerechtigkeit und Menschlichkeit aufgehört haben, zu existieren.

Alle zusammen haben wir das wunderschöne Land in eine Ecke der Hölle verwandelt. Defekte Führung, defekt sind auch die zwischenmenschlichen Beziehungen. „Defekt“ ist noch nachsichtig gesagt. Von verrottet und schmutzig müsste die Rede sein. Der Polizei des Landes trauen wir nicht. Weder den Staatsanwältenn noch den Anwälten. An den Fingern einer Hand lassen sich die Richter abzählen, die ich als korrekt ansehe. Sie alle begünstigen die Mächtigen. Die viel Geld haben und hohe Positionen. Gesetze gibt es nur, um die Armen und Verarmten unten zu halten, die niemanden in der Welt haben. Seit Jahren versuchte ich vermittels dieser Zeitung (der griechischzyprischen Tageszeitung Politis), viele Bürger aus den Händen der Polizei, der Staatsanwälte, Anwälte und Richter zu retten. Ich sah viele Anwälte, die ihre Mandanten verkauften. Rechtsanwälte, die das Geld lieben und nicht die Gerechtigkeit. Sah viele Polizisten, die ihre Festgenommenen in Haft foltern. Polizisten, die die Chance ergreifen, unschuldige Bürger auf Anweisung derer, die Geld bereithalten, zu unterdrücken. Ich sah sehr viele Richter, die für schwere Straftaten die leichtesten Urteile aussprachen. Richter, die nicht erröten, wenn ihr Urteil vom Berufungsgericht aufgehoben wird. Viele Staatanwälte sah ich, die dabei helfen, Fälle von Begünstigten verschwinden zu lassen. Staatsanwälte, die einfache Bürger nötigen, zuzugeben, das Verbrechen begangen zu haben. Polizisten sah ich, die wie Machos das Geld in ihren Taschen herumtragen. Viele Falschaussagen bei der Polizei oder bei Gericht sah ich. Auch Polizisten, die falsch aussagten. Ich sah Polizisten mit Auszeichnungen, die sich eines Aufenthalts in einem luxeriösen 5-Sterne Hotels mit Casino erfreuten, ohne dafür zu bezahlen. Auch Polizisten, die Geschenke von Nachtclub-Besitzern annehmen, habe ich gesehen.

Hab viele Politiker getroffen, die diese Fäulnis und Schmutz der Polzeibehörde auf jeder Ebene übersehen – vom Aufbau ihrer Verstrickung darin bis zu den Lobreden. Eine Gesellschaft, die groß gezogen wird mit Plünderung und Geschäftemacherei. Mir scheint, es könnte nicht anders sein, und auch, wenn wir es anders getan hätten. Ich habe viele Journalisten gesehen, die ihr Umschlägchen einstecken, die ihnen jene mit Geld zusteckten. Sollten es zehn sein mit viel Geld, die unser Land führen, werden sie gegen die kein Wort in ihren Kolumnen schreiben. Wie die Polizisten mit Auszeichnungen, erhalten auch sie Hotelaufenthalte als Geschenk – 5-Sterne mit Casino. Viele Bürokraten gibt’s, die unterschreiben, sich den Glauben der Leute verdienen, indem sie sich das Geld in die hintere Tasche ihrer Hosen stecken. Ich lebe hier, wissend, dass eigentlich niemand in diesem Land leben kann, in diesem System, in dieser Gesellschaft. Staatsangestellte sah ich, die wegen ein paar hundert Euro schulden den Leuten den Strom abstellen, nur, jene die Millionen Schulden haben, werden von ihnen nicht angegangen. Einige sah ich, die sandten den Gerichtsvollzieher zu Leuten mit wenig Schulden, doch dahingegen tun sie ihren geliebten Dienern des Geldes effektiv gar nichts, die in der Staatsbank Millionen Schulden haben. Ärzte sah ich, die bescheinigten, dass die Kugel beim Selbstmord eines Soldaten durch die Brust eindrang. Und der Arzt weiß genau, der Schuss kam von hinten. Viele Jungs und feine Herren sah ich, deren „nützlichen“ Dienste mit verdeckten Mitteln bezahlt werden.

Dieses Land ist die Hölle für ehrliche und respektable Bürger und ein Paradies für jene ohne Ehre, die Verachtenswerten. Kann ein Mensch an diesem Ort [Zypern] etwa leben? Das kann nicht sein. Wenn überall Fäulnis und Schmutz ist, kann es im Morast keine Rosen geben.

Ich seh mir die Kinder an. Ihre strahlenden Augen. Wie unschuldig sie sind, haben keinen Schimmer von all dem. Um die tut es mir leid. Ihretwegen beschuldige ich vor allem mich. Weil wir können ihnen kein System hinterlassen, in dem sie leben können. Ein System ohne Sorge und Ärger. Ein wohlhabendes Vaterland. Sie werden uns verfluchen. Sagen werden sie, dass sie sich darum kümmern werden, ihren Spaß zu haben. Doktorarbeiten werden sie darüber schreiben, wie all das ungeschehen gemacht werden kann. Die werden uns nie verzeihen.

Das ist hier kein Artikel, sondern Murren. Rede im Dilirium. Stiegen die guten Menschen [etwa] aufs Pferd und verschwanden? Lassen sie uns mit unseren Dämonen zurück?“

01. Januar 2016, erschienen in der zyprischen Tageszeitung „Politis“, Autor: Şener Levent (https://www.indexoncensorship.org/2015/11/media-freedom-in-northern-cyprus-the-sener-levent-case/)

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Dass ich wegen des lauten Sprechens der Araber da draußen aufgewacht bin morgens um 4 Uhr, glaube ich nicht. Ich musste sowieso zur Toilette. Leider war da noch der nicht all zu gute Geschmack im Mund, obgleich das Buffet nicht all zu schlecht war den Abend davor. Wie gerufen, durchs Dunkel des Zimmers in Richtung Toilette tastend, fand ich das vom Hilton frei zur Verfügung gestellte Wasser. Bei Licht hatte ich die beiden Flaschen seltsamerweise nicht gesehen gehabt. Fast hätte ich eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank geholt, falls überhaupt eine drin ist. Mein Reisebegleiter hatte lediglich Büchsen Amstel und Heineken Bier im Kühlfach ausfindig gemacht.

Das war unser letztes Scherzchen gewesen, bevor wir ermüdet in unsere wirklich weichen und wirklich breiten Betten fielen. Hier könnten lässig 4 Personen schlafen, so groß sind die beiden Betten. Das Zimmer ist auch recht geräumig.

Es sieht also ganz danach aus, dass schon demnächst die Arabischkenntnisse angebracht sein wollen.

Wer sind denn diese Leute eigentlich, die morgens um 4 Uhr noch in den Gängen des Hotels stehen, etwas herumlärmen und Händchen halten? Die lärmigen Italiener sind es jedenfalls nicht. Einer von ihnen produziert sich den Tag hindurch besonders lärmig. Wir haben ihm den Spitznamen „Piazza“ gegeben. Weil so haben wir den Italiener der 60er Jahre auf der Piazza Navona in Erinnerung: laut, wie ein Gockel sich in den Vordergrund stellend, etwas hemdsärmlig und vor allem geschwätzig.

Sind das etwa alles Wächter, die da im Hilton abfeiern nachts? Das kann nicht sein. Sogar Frauen sind darunter. Ich selbst habe eine vom Zimmer aus gesehen, die mit geburtsfreudigem Becken plötzlich aus dem Dunkel hinter den Büschen auftauchte und sich von dort ins Hotel – die mächtig weiten Hüften drehend – begab.

Und die Sensation daran: Diese junge Frau hatte keine Kopfbedeckung auf. NICHTS, außer ihrem ganz gewöhnlichen Kopf mit Gesicht plus ganz normalen, eng anliegenden Hosen und einem T-Shirt. Wäre ich nicht gerade mal knapp 4 Tage aus Europa kommmend hier, wer weiß, welche größere Verzückung über diesen unverhofften Anblick mich ergriffen hätte. Scherz beiseite.

In Muskat sind wir ja an einer weiteren kulturellen Sensation sozusagen vorbeigeschlittert, der Opera, die hier kurz „ROHM“ genannt wird. Wahrscheinlich habe ich es schon in dem Beitrag vor diesem erwähnt, Donizetti wurde aufgeführt vor kurzem, und zwar von der italienischen Teatro Carlo Felice di Genova (Lucia di Lammermoor). Ein großer Erfolg soll es gewesen sein in der ROHM zu Muskat. Frau Dr. Rawya bint Saud al Busaidiyah hat parallel dazu ein neues Buch vorgestellt, wahrscheinlich von ihr verfasst, welches den Baubeginn, die Idee zum Bau einer Oper in Muskat und alle weiteren Stationen dieses Unterfangens bis zur Vollendung des prächtigen Gebäudes beschreibt. Wie aus dem Oman Daily Observer des Weiteren zu erfahren ist, werden Delegationen, die das Land besuchen, gern durch die Räume des ROHM geführt, die den „state-of-the art facility that changes from the physical configuration of a concert hall into that of an opera theatre literally with the flick of switches“ bewundern sollen oder können. Überhaupt sind die Italiener außenpolitisch scheinbar sehr aktiv in Oman. Die meisten Touristen, die man so trifft, scheinen aus Deutschland, Italien und eventuell Polen zu stammen. Bei den Deutschen ist zu vernehmen, dass es dem Dialekt nach fast ausschließlich Ostdeutsche sein dürften. Der Unterschied zu ehemaligen ist leicht spürbar: Erstere sprechen dich auch mal an. Man hat nicht andauernd den ersten Schritt zu machen, um eine Konversation loszutreten. So viel dazu und zu unseren Eindrücken und Erfahrungen.

Kann gut sein, dass die Sonne jetzt gleich aufgeht. Muss den Vorhang zurückziehen, damit der Sonnenaufgang reinkommen kann. Die Meute von vorhin vor der Bar des Hotels sitzend und stehend kann inzwischen nicht mehr vernommen werden. Jetzt werden wir, die Touris, das Feld bespielen: am Indischen Ozean, umgeben von einer ‚entzückenden‘ Hafenanlage, einem Bau und einer Zementfabrik und vielen großen Schiffen, die von Hamburg oder Bremen träumen lassen. Palmen und ein gut gepflegter Rasen stehen und liegen vor unserem Zimmer, somit auf dem Hotelgelände, dahinter rauscht das Meer und davor gilt es sensationell feinkörnigen Sand zu durchwaden. Die Frachter und andere Schiffe da draußen im Meer, nicht all zu weit, wogen zwar nicht ersichtlich hin und her, aber einige Sträucher unmittelbar neben der Tür ins Freie, Raben, die von Kokosnussbäumen krähen, keine Hunde, keine Katzen, manchmal ein kleiner gelber Vogel mit bräunlichem Gesicht, auch mal ein blauer mit knallroten Tupfern auf den Federn und grünem Schimmer am Hals und die ersten pakistanischen oder indischen Angestellten des Hotels, die im Garten alles richten, wie jeden Tag, um den Ansturm ans Büffet sowie zu den Liegen in Richtung Meer, so touristisch schön wie nur irgendmöglich zu gestalten, sind zu sehen.

Irgendwie scheint so etwas wie Frieden über Nacht eingekehrt zu sein. Die Nachrichten über Mord und Totschlag sind endlich weit, weit weg. Allerdings kann auch ein ständiges, meist leises Motorengeräusch gehört werden, welches offenbar verspricht, von dauerhafter Natur zu bleiben und irgendwie kryptisch gemahnt, die bösen Kriege besser nicht ganz aus dem Gedächtnis zu drücken. Das Geräusch kommt vom Neubau nebenan, der unmittelbar an das Hilton gebaut wird, dort angrenzt. Inzwischen wissen wir, es wird so etwas wie ein riesen großes Einkaufszentrum werden. Noch ist man mit dem Keller und dem ersten Stock beschäftigt. Über die Straße hinweg vor dem Hilton steht ein weiteres großes dunkles Gebäude-Etwas, welches alles Mögliche werden könnte: Hotel, Regierungsgebäude, Wohnhaus etc. Fenster sind auch dort noch keine drin. Es ist ein scheinbar fertiggestellter Rohbau – bislang. Der scheint schon länger so in der Landschaft zu stehen.

Diese Art Anblick kenne ich nur all zu gut aus Zypern und der Türkei – Spekulationsruine? Wenn man abends auf die Straße tritt, verwundert, dass die wenigen Autos so einen Gestank produzieren. Und dabei werden überwiegend Japaner gefahren, keine Deutschen (VW $ Co.).

Kaum im relativ warmen Wasser des Indischen Ozeans habe ich auch gleich den Schnorchel verloren, der schlecht an der Tauchmaske von mir selbst angebracht worden ist. Das Wasser scheint sauber und nicht wie beschädigtes Meerwasser zu riechen. Einen knappen Kilometer vom Hilton entfernt in Richtung Salalah, meldete meine Nase allerdings den Gestank von Abwasser. Noch ist dieses lästige Phänomen nicht sonderlich ausgeprägt vor Ort. Mein Reisebegleiter hatte mühe, das Selbe überhaupt zu riechen.

Einige Tage später, gerade als die Meldungen vom lang ersehnten Schneefall auf den Schweizer Bergen eintrafen in den Medien, ist auch das Meerwasser hier in Salalah ganz leicht kälter als anfänglich geworden. Es ist nicht kalt, aber so kühl, dass man sich besser bewegt darin, um nicht zu frieren.

Ich bin noch immer der Meinung, dass fairer Weise der Haie wegen ein Warnschild angebracht gehört am Rande des Meeres  – vor allem vor dem Hilton. Kann sein, dass so ein Schild nicht all zu lange stehen bliebe, da die Herren mit ihren meist sehr großen Jeeps ausgerechnet und anscheinend gern durch den einigermaßen hellen Sand am Strand brettern. Auch diese Angewohnheit scheint sich gerade noch so in erträglichen Grenzen zu halten: tagsüber so wie eventuell auch nachts.

Wenn wir Touristen in Richtung Hotel abends gehen, weil es dunkel wird, kommen die arabischen Familien an den Strand. Es scheint so eine Art Wachablösung zu sein, die da unabgesprochen passiert, denkt sich da womöglich das Meer. Das Meer wird den gsamten Tag, also 24 Stunden, von Menschen nicht allein gelassen. Fürchtete ich die Haie darin nicht und mein Reisebegleiter die Dunkelheit der Nacht am Meeresrand, könnten sich womöglich noch interessante Eindrücke einholen lassen, die Sie ja, verehrte Leser, schon demnächst sich vielleicht selbt verschaffen gehen.

Das Frühstück war eigentlich auch ganz OK heute Morgen. Man kann, wie gesagt, draußen sitzen, findet eigentlich immer einen Platz und das Personal ist wirklich sehr aufmerksam, sogar ein Lächeln ist drin – auch ein kleiner Plausch auf Englisch. Man könnte denken, alles palletti. Wir sitzen auch abends bevorzugt drinnen, da zum einen der Weg zum Büffet kürzer ist, und abends der Geruch von gegrilltem Fleisch nicht in der Nase stecken bleibt.

Ein etwas seltsames Gespräch hatte ich heute allerdings mit einem Einheimischen, der darauf bestand, ich müsse Ägypter sein. Der hatte mir erst seine Visitenkarte gegeben, die er dann aber zurückforderte, und zwar in dem er unmissverständlich die Hand danach aushielt. Hatte ihn lediglich nach den Orten gefragt, die man hier in der Gegend von Salalah besuchen kann. Er war es ja schließlich gewesen, der mich beim Vorübergehen gegrüßt hatte. Er saß unweit des Zutritts zur Toilette an einem Tisch, der wiederum unweit der Bar des kleineren Restaurants im Palmenhain vor dem Hilton sich befindet. Der Herr im arabischen Gewandt wies in unserem kurzen Gespräch auf einen anderen Einheimischen, der etwa 20 Meter von uns entfernt saß. Er meinte, der könne mir weiterhelfen.

Etwas konstatiert dreinblickend, fand ich mich damit ab, dass mir jemand plötzlich und ohne Erklärung seine Visitenkarte wieder zurückverlangt. Das war und ist mir in meinem relativ langen Leben nun also auch zum ersten Mal passiert. Vielleicht entsprach ich seinem Beuteschema nicht so ganz: fremd, nicht Arabisch sprechend etc.

Wir grüßen uns dennoch täglich, wenn es unvermeidbar scheint, an sich vorüber zu gehen. Es ist etwas schwierig, ihn an anderen Orten im Hotel wiederzuerkennen.

Ja, die Hotelanlage ist als solche ganz OK. Die Touristen mit weißen Bändchen um den Arm, sind die mit Vollpension und viele scheinen sich auf 14 Tage und womöglich länger eingekauft zu haben. Mir wäre das dann doch zu lange im vermeintlichen Ferienparadies. Denn das Essen wird so am 5. oder 6. Tag irgendwie fade, finde ich.

Einen Amerikaner haben wir zum Nachbarn, der gern früh morgens um 4 oder 5 Uhr mit den Staaten, oder wer weiß wohin, telefoniert. Ziemlich sicher sind er und seine Boys und Girls Angehörige der US-Streitkräfte. Sie scheinen übers Hotel verteilt untergebracht zu sein. Das ist gut und sicher für sie, aber nicht unbedingt für uns relativ unbedachte Touristen. Sonderbarers Zeug, was er heute Morgen durch den Hörer zuweilen schrie. Als würde die Frau – eine leider unverständliche Frauenstimme war zu hören am anderen Ende seiner Leitung – gerade in einer Einsatzsituation sein. Dass Drohnen von Weitem gesteuert werden, war mir bislang bekannt, aber Menschen … .

Nein doch, das Essen ist Ok. Der Fisch scheint indes jeden Tag der Gleiche zu sein, der allerdings immer anders variiert zum Abendessen in der selben Ecke des Büffets steht. Die Weißbändigen kriegen offenbar auch so viel zu trinken, wie sie wollen. Ob es der selbe Wein ist, den mein Reisebegleiter allabendlich trinkt, den sie eingeschenkt bekommen, wissen wir nicht. Und dass die Dienstleistenden hier alles ‚umsonst‘ erhalten, wie hier in einem anderen Artikel davor geschrieben wurde, stimmt nicht. Sorry!

Eben hat mir XY, einer der „Room Attendent“, erzählt, sie müssten sich das Abendessen selbst bezahlen und es sei ihnen nahegelegt worden, die ihnen zur Verfügung gestellten Räume in der Küche des Hilton dafür zu benutzen. XY meinte, er und seine Kollegen zögen vor, sich ihr Essen selbst zu bereiten, da sie es denn auch würziger und natürlich billiger erhielten – und außerdem, finde ich, gibt es weit und breit eh nicht viel zu tun für junge Männer außerhalb des Hotels, sodass das gemeinsame Kochen gewiss eine willkommene Angelegenheit ist.

Obgleich, etwas weiter entfernt vom Hotel, hinter dem Verkehrskreisel auf der linken Seite gelegen, gibt es sogar ein Fitness-Studio und ein Geschäft, wo Artikel wie Badehosen, Schwimmflossen oder sogar Paddelboote etc. verkauft werden. Zwischen diesem Geschäft und dem Fitness ist noch ein Café, vor dem ein paar Plastikstühle stehen und ein riesen großer Fernsehschirm, wo wahrscheinlich gerade ein indischer Film lief, als wir vorübergingen. Ansonsten ist da nahe der Hauptstraße nichts mehr, außer weiter weg so etwas wie ein Dorf. Das heißt, etwa 200 Meter weiter in Richtung Salalah gelaufen, führt die kleine Straße, die parallel zur Hauptstraße verläuft, um eine  Ecke in Richtung Dorf, wo äußerst ärmliche Behausungen sind. Dort konnten wir ausschließlich Pakistaner oder Inder sehen dem Aussehen und der Kleidung nach, die in schäbigen, niedrigen Gebäuden zu wohnen scheinen. Die Wohnstätten sahen nicht sonderlich einladend aus.

Auch abends, nach einem wahrscheinlich langen Arbeitstag, ist das Personal vom Hilton verwunderlicher Weise noch immer sehr freundlich. Manche sehen zwar etwas abgekämpft aus, doch wir denken schon, dass die ihre Pausen haben und nicht die ganze Zeit irgendwo eingespannt sind. Da wir hier nicht beruflich sind, und diesen Eindruck auch nicht vermitteln wollen, fragen wir nur selten nach. Wie gesagt, wir befinden uns in der Rolle eines ganz gewöhnlichen Touristen. Bloggende Touristen, könnte man sagen.

Nach einem Weiteren ruhigen Tag im Hilton und dem Strand davor, gingen wir den folgenden Tag mit auf eine Fahrt durchs Land – wie es sich als Tourist eben gehört. Andere Touristen scheinen jeden Tag, woandershin, unterwegs zu sein.

Wir schauten in den vor der Rezeption liegenden Auskunftsordner, der von der „FTI“ dort netterweise ausliegt. „Sonnenklar“ und wie sie noch alle heißen im Reisegeschäft, scheinen Partner der FTI zu sein, vielleicht auch Kinder. Und was lasen wir unter:

„Allgemeines:

Einwohner: 2,8 Millionen (Fremdenanteil ca. 25 % [, was meines Erachtens nicht stimmen dürfte. Es ist andernorts von über 50% die Rede, was auch auf den Straßen, eigentlich überall ziemlich klar ins Auge fällt und ans Ohr dringt], mit 7,8 Einwohnern pro qkm einer an dünnsten besiedelten Staaten der Welt.

Fläche: 309 500 qkm /Deutschland 357. 039 qkm), davon 1.700 km Küste.

Landesbreite: Max. 800 km, Min. 50 km. …

Sitten und Gebräuche:

Freizügigkeit ist im Oman nicht gern gesehen. Es ist […] äußerst unerwünscht sich am Strand oder Pool „oben ohne“ zu zeigen oder leicht bekleidet vor die Tür zu gehen.

Respektlos verhalten Sie sich, wenn Sie als Mann in kurzen Hosen, Socken, Muskelshirts und Sandalen auf dem Straßen unterwegs sind. Dasselbe gilt für Frauen, wenn sie in Hontpants, Minirock und schulterfrei mit tiefen Dekolletee das Hotelzimmer verlassen. Achten Sie bitte immer darauf, die Kleidungsregeln zu beachten und nicht zu freizügig aufzutreten, denn somit zeigen Sie den Einheimischen gegenüber Respekt. Auch sollte in der Öffentlichkeit nicht Händchen gehalten oder geküsst werden.

Begrüßung

Einer einheimischen Frau sollte man nie die Hand geben, außer sie gibt Ihnen die Hand. Die rechte Hand ist dem islamischen Glauben nach die bevorzugt. Unter Männern ist ein Handschlag korrekt und unter Freunden eine Umarmung. Bei Einladungen sind Gastgeschenke willkommen … .“

Hätte ich nicht vor kurzem einer Diskussion im schweizerischen SRF1 über die Vorfälle in Köln zugehört, hätte ich den Begriff, nachdem ich seit Längerem suche, um mich zu Themen dieser Art zu artikulieren, immer noch nicht drauf.

Nun, da ist also weiter oben die Rede von Respekt gewesen, wie eben zu lesen war. Und davon, wie sich ein Europäer im Oman bestens verhält. Dazu fällt mir unweigerlich das viel umstrittene Kopftuch der Musliminnen in Europa ein.

Wie die Frau mit islamisch klingendem Namen in jener Diskussionsrunde im SRF1 (vielleicht in der Sendung „Club“) sagte, bin auch ich der Meinung, dass man es mit seinem Angepasstsein übertreiben kann. Soll unter anderem bedeuten: Der betriebene „Kulturrelativismus“ der West-Europäer ist inzwischen zu oft eine glatte Ohrfeige ins eigene Gesicht. Warum soll ich nicht mit einer Hose, die bis kurz übers Knie geht, durch ein arabisches Land, eine arabische Stadt oder Dorf reisen können, wo viele arabische, türkische etc. Frauen in Europa zuweilen tief verschleiert sich das Recht nehmen, unsere Sitten und Gebräuche zu missachten – wie auch immer ihr Verständnis zu ihrer Religion und Traditionen sein mag. Auch im Koran und den Hadith kann herausgelesen werden, wenn man es denn will, dass sich in nicht-muslimischen Gemeinschaften etwas angepasst werden muss oder kann.

Die meisten Europäer empfinden es als eine Missachtung ihrer Sitten und Gebräuche, einer Frau entgegen zu treten auf offener Straße, wo das Gesicht praktisch fast nicht mehr oder gar nicht mehr zu erkennen ist. Wieso soll das geduldet werden und wieso wird hier nicht der selbe Respekt eingefordert, wie man ihn willfährig von europäischen Touristen im Nahen Osten einfordert? Weil wir ja so verständnisvoll sind und über den Dingen stehen?

Und es ist eben auch diese Unebenheit des Selbstverständnis vieler Europäer, die durchaus auch eine Rolle spielt, wenn angekiffte oder angetrunkene Asylsuchende aus islamischen Ländern kaum in Europa angekommen an Sylvester, wie geschehen in Köln, Frauen begrabbschen, als Lustobjekte sehen, die für sie offensichtlich eh keine Ehre haben, womöglich Schlampen sind, da, schlussfolgere ich und viele andere, ja eh niemand ersichtlicher für sogenannte europaische Werte einsteht. Die meisten Flüchtlinge aus dem Nahen Osten und Afrika sind Menschen, die aus autoritär geführten Gesellschaften kommen. Die brauchen klare Ansagen, weil sie ansonsten denken, mit ihrem Ding, will ich es mal nennen, auch in Europa im Recht zu sein.

Noch aus meiner Berlinzeit weiß ich, und es hat mich schon immer aufgeregt, dass viele meiner arabischen und türkischen Kontakte der Meinung waren und sind, dass die Deutschen eh so etwas wie Familienleben nicht kennen. Dass die Mädchen eh mit 15 Jahren ihre Unschuld an irgendeinen Mann verlieren und meist sehr früh aus dem Elternhaus ziehen; dass Deutsche im Grunde keine Moral kennen, ihre Kinder nicht richtig oder gar nicht erziehen etc.

Das und Ähnliches war bitte sehr immer wieder von Leuten zu hören, die seit Jahren in Berlin leben, die dort sogar geboren sind. Und UNSER Kulturrelativismus – wie dankbar ich bin für diese Vokabel aus dem SRF1 – ist eventuell entscheidend an vielen Fehlentwicklungen bei der Integration von Fremden aus dem islamisch geprägten Ausland über viele Jahre hinweg womöglich maßgebend beteiligt.

Das Schwafeln muss ein Ende haben.

Es kann nicht sein, dass ich in Zürich, Wien oder Berlin auf Frauen getroffen wird, deren Gesicht total unkenntlich ist, und die unsere Sitten und Gebräuche missachten, als wäre es Recht zu erwarten und im Gegenzug zu fordern, dass europäische Touristen sich auf der Straße gehend – zum Beispiel im Oman – noch nicht mal die Hände halten.

Gibt oder gab es nicht mal so etwas wie Vermummungsverbot?

Und es darf auch nicht mehr weiter hingenommen werden, dass man sich als Deutscher weiterhin solche verkorksten und generalisierten Bilder über die Art und Weise, wie Europäer leben und funktionieren, reinzieht, nur weil man eventuell insgeheim darauf vertraut, dass sich das Bild bei DENEN im Kopf schon mit der Zeit relativieren wird.

Nein, das tut es leider zu oft nicht!

Es verfestigt sich eher, eben weil die meisten dieser Leute, die aus jenem islamischen geprägten Umfeld stammen, klare Ansagen brauchen, um überhaupt zu verstehen, dass man es mit seiner ‚westlichen‘ Art von Existenz ernst meint – so ernst, wie sie selbst. Es darf also gefordert werden, dass man sich in Europa etwas mehr anpasst – und nicht kulturrelativistisch auf die Vergangenheit verwiesen wird, die Kolonisation und die tausend und eine Sünde, die Europäer in der Dritten Welt seit Jahrhunderten begingen und leider hie und da noch immer begehen. Hier geht es inzwischen darum, das, was Europa sein soll, nicht in endlosen Konflikten zu versinken zu sehen – siehe Syrien etc.

Sorry, aber zum Ausflug, den wir unternommen haben, komme ich dann wohl doch im nächsten Beitrag. Denn morgen geht es zurück nach Zypern und da will ich doch noch etwas an den Strand und in den Sand wunderschön warmen, feinen Sand: lesen, Seele baumeln lassen und etwas schwimmen.

Abflugstag. Las gerade in der NZZ den folgenden Artikel, den ich Ihnen einfach nicht vorenthalten mag. Hoffe, es klappt an ihrem Gerät, diesen Link lesen zu können: http://epaper.nzz.ch/nzz.asp?ticket=ST-1899619-FmPrv1IfEaRktITMEtwt-nzzosc

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Der Flug nach Salalah war OK. Eine kleine Maschine ist es gewesen, wo 2 Personen nebeneinander sitzen, nicht 3e wie sonst als. In knapp 70 Minuten waren wir dort angekommen. Ein Taxi oder Shuttle, wie in Aussicht gestellt wird auf der Internetseite des Hilton, wartete allerdings nicht auf uns. Wir durften am Telefon erfahren, ein Shuttle hätte rechtzeitig anfgeordert werden müssen und koste zudem auch Geld. Keiner da, also, der uns abholte. Die Dame an der Information in der Flughafenhalle von Salalah war so nett, uns einen Telefonanruf ans Hilton von ihrem Apparat machen zu lassen, womit schon ein erster Eindruck sich abzuzeichnen begann.

Die Flughafenhalle hat ein recht offenes Ambiente, super-neuer Baustil. Man hat es erst gar nicht versucht, zu orientalisieren, was dem Auge irgendwie gut tat und hoffen lässt. Das wir den Anruf an der Information des Flughafens tätigen konnten, ist nichts Selbstverständliches, hatte ich den Eindruck. Die recht nette junge Frau am Schalter der Info sagte, das Taxi zum Hilton Hotel würde 15 Rial kosten. Die Stimme aus dem Hilton am Telefon sprach indes von 10 Rial und der Herr am Flughafen, der die Taxifahrer einteilt, schrieb auf die Quittung, die er ausgestellt hatte, „7 Rial“. Wie sich herausstellen sollte, schien ihn eventuell die Tatsache zu begeistern, dass ein Deutscher Arabisch mit ihm spricht: „Deutsche sind unsere Freunde!“ Das sagt er vielleicht auch auf Englisch zu dem einen oder anderen Touristen. Kann ja sein, dass der Preis fürs Taxi dabei nicht in Mitleidenschaft gezogen wird wie bei uns?

Wir fuhren los und kamen nach etwas längerer Fahrt im Hilton an. Gerade hatten wir eine Art Fabrik oder Hafenanlage hinter uns gelassen, als  der Taxifahrer zu unserem Erstaunen dennoch nach rechts abbog. Das Auto fuhr eine Schleife auf einer kleinen Straße in die Richtung, aus der wir gekommen waren.

Zum Hafen wollen wir nicht, war ich drauf und dran zu sagen, als um die Ecke, wir fuhren an einem recht hohen Blechzaun entlang, hinter dem offensichtlich ein Gebäude hochgezogen wird, plötzlich etwas gepflegtes Grün erschien und weiter links dahinter so etwas, wie eine Auffahrt, die nach Hotel aussah – nach etwas chickerem.

Nichts nennswert Schönes, was die Landschaft auf dem Weg ins Hilton bereitgehalten hätte fürs Auge. Keine interessante Architektur weit und breit und auch keine Landschaft, die den Betrachter zumindest anfänglich in ihren Bann zieht.

Dass das Hilton von Salalah unmittelbar an einer Hafenanlage liegt, kann leider auch auf keinem Prospekt der Reiseveranstalter (zum Beispiel FTI oder Sonneklar) gesehen werden – auch nicht, dass man von Transportschiffen geradezu eingekreist ist, die den Blick übers Meer etwas verstellen. 19 Schiffe haben wir in einem ungefähren Abstand von sagen wir 500 Metern zum Ufer gezählt – meistens Frachter.

Unweit des Hiltons, zur rechten, wenn aus dem Hotel getreten wird in Richtung Meer, gibt es eine Art Meeresbusen, auf dessen im Meer gelegenen Rand viele viele Kräne stehen, die wie von Künstlerhand nachempfundene riesen große Krähen aussehen. Nachts leuchten viele Scheinwerfer an ihnen in Richtung Strand, also auch in Richtung Hilton. Es verseucht den schönen Sternenhimmel zwar etwas, doch irgendwie kann diesem Ereignis etwas abgewonnen werden komischerweise. Es hebt den Eindruck auf, in der Einsamkeit des Hiltons nicht so alleine zu sein. Die Scheinwerfer an den eindrücklichen Krähnen strahlen ein gelbliches Licht aus. Erinnerungen an Weihnachten werden unweigerlich wieder wach.

Unmittelbar neben dem Hilton wird also anscheinend ein weiteres Hotel hochgezogen – Baulärm herrscht zwar, doch der scheint gerade in einer Phase zu sein, in der der Lärmpegel der Bauarbeiten nicht so hoch ist. Wie zu erfahren war, können auch Wohnungen hier in der Umgebung gemietet werden. Unweit des Hiltons ist so eine Anlage, von der wir zuerst dachten, Soldaten oder Beamte wohnten dort. Doch einige Tage danach erfuhren wir auf der Fahrt nach Salalah, dass statt des Hiltons durchaus auch diese Option der Unterbringung Sinn machen könnte. Nur, so richtig nahe an Salalah gelegen ist auch dieser Ort noch längst nicht. Soll heißen, ohne Taxi kommt man da nicht wirklich weiter. Auto mieten?

Bevor man ins Hilton kommt, fährt man allerdings auch an einer riesigen Anlage vorbei, aus der einem ganz früh morgens seltsame Düfte in die Nase hunderte Meter entfernt und vor dem Hilton stehend am Meer steigen, bevor man ins Wasser springt. Dort soll Zement hergestellt werden. Im Hilton zu wohnen, bedeutet durchaus, wirklich in der Pampa, das heißt auch, in den Händen des Hilton, seines Personals und in den Händen der Taxifahrer zu sein. Kein Supermarkt weit und breit. Kein kleiner Laden. Nichts, nur Hilton und Taxifahrer, die wie Haie vor der Hotelanlage auf Kundschaft lauern.

Salalah soll die zweitgrößte Stadt im Oman sein und liegt 10 Rial entfernt – Hin- und Zurückfahrt plus der Option, den Fahrer ein oder zwei Stunden auf sich warten zu lassen, kostet dieser Spaß. Salalah ist in etwa 5 km vom Hilton entfernt gelegen.

Der Taxifahrer, den wir am Flughafen von Salalah zugewiesen bekommen hatten, bestand auf 10 Rial, obgleich auf der Quittung ja „7“ stand. Wir gingen ins Hilton und bezahlten den Taxifahrer vorerst nicht, der die 7 Rial nicht akzeptieren wollte, die wir mehrmals beabsichtigten, ihm zu geben. Er nähme „immer“ 10 Rial. Dem Rezeptionist erklärten wird, dass da noch ein Taxifahrer auf sein Geld draußen vor der Tür wartet, der unseren Beleg über 7 Rial nicht anerkenne. Bei der Gelegenheit baten wir gleich darum, dass das Hilton Hotel bestens gleich diese Angelegenheit erledigte, indem es die Kosten für das Taxi übernimmt, da ja im Internet von Shuttle die Rede sei, der angeblich andauernd hin und her fahre. Und ein Shuttle bedeutet ja wohl nicht, dass dafür gezahlt werden muss als Gast des Hotels. Sogar der Shuttle vom Golden Tulip in Muskat war wie selbstverständlich umsonst.

Ja, wir hätten uns doch rechtzeitig anmelden müssen für den Shuttle, wiederholte der Rezeptionist, und überhaupt wäre uns dieser Service eh teurer gekommen als ein Taxi. Das stünde so aber nicht im Internet, sagten wir.

Es ging dann noch etwas hin und her und ich dachte, bevor der Taxifahrer mit seinem womöglich kriegerischen Stamm zurückkehrt wegen 3 Rial oder eine Knarre zieht und uns abknallt, und bevor ich die Lust an allem verliere, mich verschaukelt fühle, zahlen wir halt, so dass endlich Ruhe herrscht.

Vielleicht war die Aussicht auf solch unerfreuliche Diskussion mit dem Fahrer auch der Grund, warum dieser die ganze Fahrt über äußerst düster drein blickte und kein Wort sprach hinter seiner tief schwarzen Sonnenbrille. „Bitte sehr“, dachte ich da nur.

Unsere Ruhe, die hatten wir dann aber noch nicht ganz gefunden oder erworben, als wir endlich im Zimmer tiefer zu schnaufen begangen. Denn im Internet steht auf der Seite des Hilton Hotels auch etwas von „Free Wifi“. Doch wenn der von freien Zugängen verwöhnte Browser unseres Laptops mit der Webseite des Hilton Hotels zusammenrasselt, ist plötzlich zu lesen, dass das Hotel knapp 20 Euro am Tag für eine Internetverbindung abknöpfen möchte.

Das wir von „freiem Internetzugang“ gelesen hatten, erklärten wir den Herrschaften von der Rezeption vom Zimmer aus. Das Zimmer ist eigentlich gar nicht so schlecht, ebenerdig. Und wenn nicht gerade fünf Minuten nachdem wir dort eingezogen waren, jemand in einer Staubwolke aus Gift gehüllt vor unserem Raum vorbeigekommen wäre, wäre die Ruhe gewiss schneller eingezogen. Der Giftverspritzer sah irgendwie aus, als wäre er aus Utopia angekommen, als würden die zu erledigenden Stechmücken so groß sein wie einst, als noch Mammuts oder Dinosaurier lebten. Wie in einem Schreiben der Hotel-Direktion steht, welches den Gästen in den jeweiligen Zimmern seine Aufwartung macht, geschieht diese Giftverspritzzeremonie jeden Tag um diese Zeit, also in etwa um 17 Uhr.

Wie wir später sehen konnten, ist unter anderen auch der Ort unter Stechmückengift-Beschuss, an dem danach gegessen und getrunken wird, das Restaurant und die Bar, die, wie sich herausstellt, wird die letztere immer interessanter nachts. Wahrscheinlich ist sie etwas wie ein wichtiger Teil des hiesigen Nachtlebens, wo Mensch sich trifft. Bis morgens um 3 Uhr geht dort die Post ab. Viele der Besucher dieser beiden Orte dürften sich dessen nicht bewusst sein, dass Stühle, Tische und die Pflanzen, die die Terrassen dieser beiden Orte zieren, sozusagen tröpfchenweise ihre giftige Fracht in die Nasen, auf die Hände und in die Getränke und Essen auf die eine oder andere Weise abgeben. Gruß an die Leber, oder ist die Milz dafür mehr zuständig?! Jedenfalls ist die Bar gut besucht von bis nachts um Drei lärmenden Einheimischen. Die Fenster der Zimmer scheinen aber einigermaßen gut gedichtet zu sein, so dass der Lärm wahrscheinlich für alle Beteiligten erträglich zu sein scheint. Sogar Alkohol wird ausgeschenkt, auch an die Omanen.

Nun, die Herrschaften von der Rezeption hatten uns wohl noch in Erinnerung, als wir des freien Interenetzugangs wegen anriefen und zeigten sich entgegenkommend. Da muss man doch vor Dankbarkeit eigentlich schon in den Boden sinken.

Wir sollten doch bestens Mitglieder des Blue- SonstwasClub des weltweiten Hilton Imperiums werden und dann könnten wir Wifi „umsonst“ haben. Versteht sich, dass einer von uns ob der Mildtätigkeit nochmals zurück an die Rezeption musste, um die Mitgliedschaft, die angeblich nichts kosten soll, klar zu machen. Später erfuhren wir, andere Reisende erhielten ihren Anschluss ohne Heck-Meck an der Rezeption. Das waren allerdings auch diejenigen, die in Gruppe unterwegs sind. Die können offenbar auch bis 20 oder 21 Uhr ihr Zimmer behalten, bevor sie an den Flughafen fahren, wahrscheinlich plus Shuttle ohne Zusatzkosten. Uns wurde schon mal die Auskunft gegeben, dass ab 15 Uhr das Zimmer geräumt sein müsse am Tag unseres Abfluges, ansonsten müsste „leider“ pro Stunde ein Aufschlag von umgerechnet knapp 20 Euro einkassiert werden.

Dass die zuvor erwähnte Mitgliedschaft im Blue Club des Hiltons wirklich nichts kostet und keine derartigen Folgen hat, glaube ich erst, wenn die Abrechnung der Kreditkarte in 1 oder 2 Monaten oder am Ende des Jahres 2016 nichts dergleichen ausweist.

Den Weg zum nahen Strand fanden wir am Tag unserer Ankunft irgendwie nicht mehr. Zwar war die Sonne noch anwesend, doch leider kann die Tür, die von unserem Zimmer direkt raus zum Strand führt, nicht so zugezogen werden von außen, dass sie niemand anders aufmachen kann, wenn man sich entfernt hat. Es gilt den Umweg über die Rezeption und vorbei an den Läden und den Restaurants zu machen etc. Wir entschieden uns – wohl auch daher – für das Gym.

Die Geräte im Fitness-Raum sind nicht schlecht. Ich versteh davon leider wenig. Die Geräte scheinen technisch jedenfalls so toll zu sein, dass ich die Knöpfchen meist nicht so gestellt oder gedrückt bekomme, dass dabei so ungefähr das raus kommt, was ich mir vorstelle. Anscheinend sind im Fitness auch ein oder zwei junge Männer angestellt, die beim Gewichtetraining etc. helfen. Sah gewaltig nach Stress und Zwang aus, was die anzubieten hatten. Und dass da mal jemand rüber gekommen wäre von denen und uns beim einstellen der Elektronik geholfen hätte, war offensichtlich nicht drin.

Ich kenn mich in Sachen Sport jedenfalls gut aus, insbesondere beim Sport für Ungeübte oder Ältere. Habe die verschiedensten Sportarten hinter mir. Diese Helfer oder Trainer im Gym des Hilton von Salalah, sagen wir mal, sind von der alten Schule. Armes Kreuz, arme Gelenke, arme Fitnessfreunde höherer Semester. Zwei ältere Herren hatten die beiden in der Mangel, als wir dort waren. Ein Wunder, dass nicht schon vor Ort was geschehen ist. Gern hätte ich die beiden den anderen Morgen danach mal befragt, wie es ihnen geht.

Ja, irgendwie ist der Gym dennoch OK. Wirkt etwas beengend, hat kleine Fenster, die nicht geöffnet werden. Warum? Vielleicht damit die verschleierten Frauen, die an diesem Ort von außen zufällig vorübergehen könnten, die (werdenden) Muskelmänner nicht stöhnen hören?

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Gut geschlafen. Ein relativ weiches Bett scheint vor steifem Rücken früh morgens zu schützen. Immer mehr Zweifel ich daran, dass der Kauf meines Futon eine gute Idee war, denn ich wache recht häufig steif wie ein Stock nahezu auf – egal, wie viel ich mich den Tag davor bewegt habe. Das Frühstück war ganz OK im Tulip. Die Bediensteten, zum Beispiel einer aus Kamerun, sind im Restaurant, der auch gleichzeitig Frühstückssaal ist, recht freundlich.

Die Fahrt mit einem Taxi vom Hotel in die Stadt kostete 10 Rial, war an der Rezeption zu erfahren. Die Frau, mit der wir sprachen, war eventuell die Besitzerin, und sie wies den Taxifahrer auch an, uns in die Altstadt zu fahren. Der Rial steht bei etwa einem Euro zu 0, 25 Rial. Vor diesem Hintergrund kommt mir die Taxifahrt schon etwas teuer vor, obgleich die Strecke in die Stadt nicht gerade kurz war. Der Spritpreis ist indes scheint noch immer erträglich gering. Er dürfte so bei 30 Cent pro Liter liegen.
Und dann kamen wir im Bezirk Mattrah an, diesem sagenumwobenen Stadtteil von Muskat. Das ist ‚der‘ Ort in Muskat. Mattrah sei tausend und eine Nacht. 3.000 v. Chr. soll es bereits menschliche Siedlungen im Oman gegeben haben. Keine Angst, davon liegt im Suq von Mattrah gewiss nichts zum Kauf herum. 630 n. Chr. Wurde der Oman islamisiert. Es wurde zu einem Teil des Khalifat. Eine islamische Sekte namens Ibaditen gründeten ein unabhängiges Imamat. Das war im 9. Jahrhundert. Dann kamen die Perser, danach die Portugiesen. Zwischenzeitlich behaupten sich die Omanen etwas als Seemacht auf dem Indischen Ozean. Einge Stätten des Landes wurden zu wichtigen Handelsstätten. Der Sultan entstammt der Said-Dynastie, die das Land seit ungefähr 1750 beherrscht. 1958 machen sich die Briten breit. Die letzteren helfen, das Land 1958 zu vereinigen. Schon 1961 wird die Erdölförderung zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor. 1973 werden diplomatische Beziehungen zur Schweiz aufgenommen. Die Eidgenossen spielen heute keine ausschlaggebende Rolle im Lande. Ihre Chance scheinen sie offenbar nicht genutzt zu haben. Wahrscheinlich ist den Schweizern der Oman ökonomisch zu unbedeutend gewesen und das politische System, wer weiß, zu undurchsichtig und zu anstrengend. Jedenfalls machten sich die Deutschen bereits 1973 etwas breit im Oman. Zum Beispiel in Sachen Luftverkehr etc. Seit 1970, schreibt ein Merkblatt für Touristen, welches im Hilton von Salalah – Oman ausliegt „[regiert der] absolutistische Herrscher Sultan Qabus … das Land … .
Was wir indes im Suq von Mattrah sahen, war ausgiebig Plastik und nochmals Plastikartikel zum Kauf feil geboten sowie überwiegend kleine Geschäfte, die voll mit Goldschmuck waren und eher wenig alte Kultur. Im Grunde ist das, was dort geboten wird, recht eintönig und einfallslos im Gegensatz zu dem, was das Alte Arabien einst aufzuweisen hatte: Kultur, Kunst, Wissenschaft.
Wer fährt schon in den Oman solches Geklumber zu kaufen? Wahrscheinlich reicht meine Phantasie und Menschenkenntnis nicht, um mir diesen Touristen, meinetwegen aus Deutschland kommend, vorstellen zu können.
Der sogenannte Suq in Mattrah – Muskat ist architektonisch absolut unspektakulär. Es handelt sich um ganz banale einstöckige Betonhäuschen, die ihn umstellen. Deren Wände sind einst weiß gewesen. Die Dächer sind flach wie das, was womöglich den kulturellen Istzustand von heute bezeichnet?
Eine große Enttäuschung.
Lediglich im Zentrum des dürftig großen Suq ist eine wahrscheinlich alte hölzerne Decke zu sehen, die so dunkel gehalten ist, dass sie uns erst beim dritten Durchgang aufgefallen ist. Weil die Augen kleben halt doch auf dem, was angeboten wird und auf den Gesichtern der Menschen.
Wenn in diesem Suq herumgelaufen wird, versteht man aufs Mal, dass die Bilder im TV und in Broschüren gekauft sein müssen. Anders kann es einfach nicht (mehr) sein. Das soll bedeuten: Die Leute, die diese tollen Berichte von dem angeblich tollen Markt in Mattrah machen, filmen diese Einöde dort so ab, dass man in der europäischen Ferne wirklich ins Träumen gerät von Tausend und Einer Nacht, die im Oman noch existiert.
Somit steht fest: Das alte, schöne Arabien ist wahrscheinlich nur noch in Sanaa, Jemen, zu sehen, wenn die Saudis und ihre Verbündeten noch was davon übriglassen. Teheran und Istanbul sind ja bekanntlich nicht Arabisch. Nur teilweise.

Dass Teile der Presse und der Medien, die ihre angebliche Unabhängigkeit so gern hervorheben, einem einfach nicht sooo unabhängig erscheinen, beweist also die Tatsache, dass der Suq von Muskat – Oman ein schlechter Witz ist im Vergleich zu dem, was man sonst darüber so liest und sieht.
An dem Vorwurf “Lügenpresse“ haben die Herren und Damen von der Presse und den Medien kräftig mit gezimmert und tun es immer noch. So ein Lämplein ging mir schon mal auf, doch schnell war es wieder verdrängt, als ich in den Iran fuhr in den 90er Jahren. Dort stellte ich äußerst verwundert immer wieder fest, dass meine vorgefertigten Bilder über Land und Leute und dem schrecklichen Regime, welches dort herrschen soll, einfach nicht zutreffend sind. Sogar auf Grund meines Studiums der Iranistik war ich nicht befreit von dieser Indoktrination. Persisch, dachte ich gerade, könnte hier in Oman durchaus ein weiteres, wichtiges Mittel sein, um tiefer in die Gesellschaft Einblick zu erhalten. Arabisch etwas zu sprechen, scheint es definitiv zu sein. Es öffnet den Zugang immens. Das zeigt sich in ihren Gesichtern, die von versteinert zu warmherzige dreinschauend sich wandeln.
Dennoch:

Es kann doch nicht sein, dass niemand diese Plastikartikel, wahrscheinlich made in China, in Dokumentarfilmen nicht zeigt. Diese Geschäfte sind dort im Zug fast gar genau so Zentral gelegen wie diejenigen, die Schmuck aus Gold verkaufen.
Und dass niemand den Dreck unmittelbar hinter dem Suq, an diesen angrenzend, mit seiner Kamera aufnimmt, der beinahe schon an Orte erinnert, wo man solchen Unrat ansonsten verortet und weiß, dass es dort so aussieht, bestätigt schon geradezu, dass verfälschend berichtet wird. Anstatt wird ein Bild von diesem Suq und dieser Stadt verbreitet und aufrecht gehalten, welches einfach nicht der Realität entspricht.
Und wenn der Sultan tausend Mal in die Medien setzen lässt, er habe angeordnet, die Straßen seien sauber zu halten!
OK, das ist wohl auch der Fall, nur es gibt eben die Bereiche neben den Hauptstraßen vordringlich, wo Fremde durchaus auch Geld ausgeben gehen und sich, wie ich, wundern dürften.
Am Rande des Suq in Mattrah gibt es zum Beispiel eine öffentliche Toilette, die stinkt bis in den Bereich des Suq, wo Gold verkauft wird an jener Abzweigung. Männer stehen vor der total versifften Toilette an, um sich zu entleeren. So erging es auch mir. Doch je näher ich der vor Schmutz stehenden Tür kam, desto weniger Lust überkam mich, die Tür demnächst anfassen zu sollen und dann in der Toilette selbst, womöglich noch was vorzufinden? So genau wollte ich es dann doch nicht wissen, früh morgens. Ich zog vor, mich etwas zusammen zu reißen und kehrte unverrichteter Dinge um. Bevor wir einen Kaffee in einem der Cafés davor bestellten, fragte ich nach einer Toilette. Die war im zweiten Stock. Im Vergleich zu dem, was ich davor gesehen hatte, na ja. Ging so. Doch wenn man bedenkt, dass da Männlein und Frauen drauf gehen, wo unten am Boden der Toilette, innen, schon alles ekelig braun in der Farbe von Sch… ist, dann fragt man sich unweigerlich: Muss das so sein?
Uuaah!
Die Altstadt von Jemen ist wahrscheinlich der einzige verbliebene Ort, der das alte Arabien genannt werden kann. Es ist allerdings zu befürchten, dass das eventuell nicht mehr viel länger der Fall sein wird. Die Auseinandersetzungen dort scheinen anstatt ihr Ende zu haben, gerade erst so recht in Aufschwung zu geraten.

Und weil dieser Markt oder Suq in Mattrah so schräg und komisch war und wir bei der Gelegenheit feststellten, dass uns der Taxifahrer nicht in der „Old Town“ abgesetzt hatte, wie wir es angefragt hatten, sondern eben in Mattrah, machten wir uns zu Fuß auf den Weg dorthin. Knapp 45 Minuten an der sogenannten Cornich in der Sonne galt es zu gehen. Das Wasser im Meer schien sauber zu sein. Und dann standen wir vor einer weiteren, angeblich sehenswerten Anlage, dem Palast des Sultans. In der Stadt Salalah, wurde uns Tage später vom Taxifahrer gesagt, soll der Sultan schon volle 15 Jahre nicht mehr in seinen dortigen Prachtbauten vorbeigeschaut haben.
Gestaunt habe ich dort in der Old Town von Muskat über die Dreistheit, einem so etwas als Attraktion heiß zu machen, wie auch die Pforte zur Altstadt, die nicht älter als 50 Jahre sein kann. Kann ja sein, dass der Palast von drinnen wunderschön ist. Doch was wir Fußvolk sehen dürfen, ist so viel wie Nothing davon von außen! „Der Untertan“, wie in Heinrich Mann in seinem gleichlautenden Roman zeichnete, lässt grüßen?

Außerdem war es dann an diesem zweiten Tag schon 12 Uhr geworden, als wir dort angekommen waren, und von 13 Uhr bis 16 Uhr ist ja bekanntlich „alles“ geschlossen, also auch der Suq und die Altstadt, wahrscheinlich das ganze Land. Niemand scheint groß unterwegs zu sein, außer den Bediensteten und Taxifahrern.

Wir nahmen dann ein Taxi nach Ruwi von der Altstadt aus, die wir davor auf der Suche nach etwas Altem durchgangen waren. Im Stadtteil Ruwi soll das Handelszentrum von Muskat sein und Restaurants. Unsere Vorstellung von Restaurant wurde jedenfalls auch hier vernichtet. Handys und noch mals Handys zum Verkauf gab es anstatt. Eine arabische Tastatur für den Computer oder gar einen tragbaren Drucker oder aber ein Restaurant waren nirgends aufzutreiben. Kein Restaurant, welches – sagen wir es doch offen – höherklassig wirkte.
Wie auch in Mattrah waren die Seitenstraßen und die Straßen hinter den Hauptsraßen in wüstem Zustand und die eine Hauptstraße, wie auch die andere, nicht wesentlich besser. Und überall, sagen wir zu 88 % trifft man auf Asiaten. Nicht, dass ich was gegen Menschen aus Indien, Pakistan oder Nepal etc. hätte, doch als Arabischsprecher möchte man halt schon gern mal Arabisch reden. Außerdem kam ich nicht allein des in Aussicht gestellten 1001-Feelings nach dem Oman, welches ja, wenn überhaupt, offenbar nur vermittels der Kleidung der Leute eingeholt werden kann.
Die Architektur vor Ort bietet das gewiss nicht befriedigend. Was geboten wird, kann man gewiss auch irgendwo in Mexiko sehen – die Moscheen ausgenommen. Ähnlich zumindest.

Wie zu erfahren war, müsste eigentlich die ganze Zeit Taxi gefahren werden, um Omanis live zu erleben und überhaupt zu treffen – lediglich Männer, versteht sich. Nur Omanis dürfen nämlich als Taxifahrer tätig sein, im Gegensatz zu Dubai, wo uns stets Pakistaner durch die Gegend kutschierten, als wir vor ein paar Jahren dort waren und schon bald, sehr bald, den Sopping-Palast-Koller schoben. Auch nur Omanis dürfen weiße Galabia tragen, nach dem, was mir ein Taxifahrer sagte, mit dem typischen Hütchen der Omanen oder der braun-weißen Kopftuchbedeckung auf. Dolche wie die Jemeniten tragen sie in Muskat nicht.
Der Kontakt zu zwei omanischen Taxifahrern ist indes recht vielversprechend und angenehm gewesen, doch die Art und Weise, wie Muskat wirkt, die Öde im Suq, der Dreck dahinter, der Weg zur Stadt, ist optisch eher ein Flopp.

In Ruwi aßen wir dann auch in einem indischen Restaurant. Ansonsten gibt es anscheinend nur Imbissbuden. Wir wollten gar nicht erfahren, ob die dort auch arabisches Essen anbieten. Selten ist uns nach Snacks stehend am Rande einer Straße unweit zivilisatorischen Drecks, der angehäuft in Ecken zu sehen ist, zumute, der mal näher, mal etwas weiter das Panorama in Richtung der Slums von Kalkutta zieht. Die steuerten wir also nicht an, auch, weil wir nicht tagelang auf der Toilette verbringen wollen und außerdem sind wir nicht zum sparen gekommen. Nein, wir kommen hier im Gewand eines ganz ’normalen‘ unbedarften Touristen an und wollen von unseren Erlebnissen möglichst uneinvorgenommen berichten und das Land, von dem wir glaubten, es fließe Milch und Honig, genießen.
Es schmeckte wirklich gut bei dem Inder. Der Besitzer des Restaurants war sehr nett und äußerst zuvorkommend. Er sprach sogar Englisch, dem Arabischen war er aber nicht mächtig. Auffallend sauber war es in seinem Restaurant. Es gab nur indische Küche, mit der wir kein Problem haben – im Gegenteil. Das Ding mit der Sauberkeit muss betont werden, da die unmittelbare Umgebung des Restaurants, die Straße, in dem es lag, entsprechend schmutzig und unaufgeräumt wirkte – lediglich ein Straßenzug hinter der einen Hauptstraße in Ruwi.

Ein ganz ’normales‘ Café in Muskat zu finden, scheint zumindest in Ruwi, der Old Town und Mattrah nicht gegeben. OK, in Mattrah gibt es ein Café, unweit der vor Anker liegenden Protzjacht des Sultans, in das man reinsitzen kann. Versteht sich, betrieben von Indern oder Pakistanern, die aber recht unfreundlich dreinschauen. Wahrscheinlich werden auch die mies bezahlt und haben wilde Arbeitszeiten (16 Stunden?).
Wie ich abends im omanischen Fernsehen auf dem Bett liegend sehen konnte, als ein Reporter einem arabischsprachigen Publikum erklärte, wie reizvoll doch Mattrah sei, dass er sich in dem Restaurant befand, wo die Treppe ein Stockwerk hoch gegangen werden muss, unweit von dort, wo wir gesessen haben, um in jenes Restaurant zu gelangen. Interessant war, dass er von der tollen Aussicht sprach und dem schönen Restaurant, dem unvergleichlich schönen Suq und Aussicht, jedoch die Kamera, die ihn aufnahm, machte keinen Schwenk von ihm weg, sondern blieb beeindruckend lang und brav auf sein Gesicht geheftet.
Da ich zeitlich davor in Mattrah gewesen war, war mir unvermittels klar, dass auch hier gerade Hirne gewaschen wurden, und zwar mit manipulierten Bildern und unerfüllten Sehnsüchten.

Man hat nicht nur dort auf den Plastikstühlen unweit dieses Restaurants das Gefühl, es mit Menschen zu tun zu haben, die halt ihren Job tun im Servicebereich – dich abfüttern und dann ist aber auch bitte sehr fertig und genug mit lustig, wie man sagt. Selten mal ein freundliches Lächeln, der Eindruck, man würde irgendwo exklusiv oder netter sitzen.
OK, damit kann ich leben, dass es nicht so obertoll ist, wenn da nicht die Preise wären und nicht die Frage aufkäme: Was verdienen die hier? Unter welchen Bedingungen arbeiten die eigentlich?

Eine Deutsche, auf die wir wenig später im Hilton von Salalah trafen, sagt, sie hätte „ihren Boy“ gefragt, der die Etage anscheinend allein sauber hält (25 Zimmer), er verdiene blank auf die Kralle genau 100 Rial im Monat, also 250 Euro. Das Essen und Schlafen sind ‚frei‘, ob die Flugtickets nach Bangladesch oder Pakistan vom Hilton bezahlt werden, wusste sie leider nicht zu berichten. Des Weiteren meinte sie, der Etagenboy habe ihr geklagt, dass seit Sonnenklar die Flüge nach dem Oman vorrangig aus Deutschland bedient, kämen Touristen, die auf Halbpension gebucht, den absoluten Anspruch hätten, ohne jedoch wie einst dafür entsprechend ein Trinkgeld liegen zu lassen. An der Rezption des zuvor genannten Hilton fragte ich um 20 Uhr einen jungen Mann, der schon morgens um 8 da gestanden war, wieviel Stunden er denn noch hier stehen wolle. Er meinte, er würde täglich 16 Stunden abreisen. Der Arme.

Das Café-Leben für Europäer oder Touristen in Muscat spielt sich scheinbar an Plastiktischen und auf Plastikstühlen ab, unweit einer Hauptstraße an der sogenannten Cornich, wo der eine oder andere Service-Leister aus Asien Hosen anhat, die er vielleicht schon länger als ein paar Wochen trägt. Alles, was hinter den Hauptstraßen gelegen als Café operiert in den Teilen Muskats, die wir besuchten, lässt gewiss zweimal fragen, ob man da reingehen will. Und wie gesagt, der Suq in Mattrah ist ein schlechter Witz – ein Hype sondergleichen.

Außer Weihrauch müsste doch eigentlich auch der Kaffee im Oman eine Rolle spielen. Der schmeckt dort aber, nun ja, gerade mal so. Wird unter dem Namen „Türkischer Kaffee“ verkauft. Im Jemen hieß der ganz selbstbewusst und selbstverständlich „Kaffee“. Sogar die griechischsprachigen Zyprer im Süden der Insel sagen zu ihrem Kaffee „Kipriako“. Es ist der, den man also auch in der Türkei trinkt oder im Libanon, versteht sich unter anderen Namen, wo er mir persönlich am besten schmeckt. Der Kaffee, der in Oman die Runde macht, erinnert an das Gebräu, welches ich glaube manchmal in der Altstadt von Sanaa verabreicht bekommen zu haben. Den arabischen Namen dafür habe ich vergessen. Mir wurde damals erklärt, dieser Kaffee sei aus den Schalen des Kaffees gewonnen worden. Schlecht schmeckt der auch nicht, aber er ist halt nicht wirklich das, was man so unter Kaffee versteht. Obgleich, in Südamerika soll der schlechte, eigentlich nicht verkäufliche Kaffee ja eh vorwiegend nach Deutschland verkauft werden, da die vor lauter „Geiz ist geil“ meist diesen für ihre Bevölkerung kaufen, die so daran gewöhnt, das Gebräu inzwischen richtig gut findet. Der viel verkaufte „Jacobs Kaffee“ ist in einem Beitrag, der die Qualität der Kaffees in Deutschland maß, der Negativ-Renner gewesen.

Abends, das Essen im Hotel Golden Tulip war dann irgendwie OK. Büffet. Das Bier danach konnten wir vor der Rezeption sitzend nicht zu Ende trinken. Wir mussten uns – noch immer im Vorraum der Rezeption – in eine Ecke nahe dem Restaurant setzen, um den Schein zu wahren. Welchen Schein? Gute Frage.

Morgens beim Frühstück kam es zu keinen Höhe- oder Tiefpunkten. Das Gym war einigermaßen gut. Ich finde es besser als das hier in Salalah im Hilton. Der Transfer vom Golden Tulip zum Flughafen verlief reibungslos. Wir lernten, dass die ausgewiesenen Preise in omanischen Hotels noch längst nicht die sind, die letztendlich zu bezahlen sind. Da gibt es nämlich noch allerhand Steuern, die im Nachhinein draufgeklatscht werden. Daher gilt es, eventuell, mit den Trinkgeldern sparsamer umzugehen, die da irgendwie mit drin sein sollen?! Und beim Bezahlen mit Kreditkarte immer schön darauf achten, dass man Ihnen keine Service-Gebühr von 2,5 % abzieht, weil die müssen nämlich nicht Sie, sondern derjenige, der Ihnen zum Beispiel eine Rundreise oder Tagestrip verkauft, bezahlen.

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Auf dem Weg nach Oman. In das Land also, wo im Arabischen ein kleines schräges „e“ über dem Anfangsbuchstaben steht, so dass kein Zweifel daran besteht, dass ein U oder O-Laut ausgesprochen werden muss über dem Buchstaben „AIN“.
Es fiel uns wirklich nichts Besseres ein, nach Durchsicht der Länder, die man besuchen kann, und die nicht gleich erforderlich machen, dass man 10 Stunden und mehr in einem Flieger sitzt. Wir empfanden es beide – wahrscheinlich zum ersten Mal in unseren Leben – recht angenehm, dass in Doha, der Hauptstadt von Qatar, ein Umstieg weitere 3 oder 4 Stunden unserer Reisezeit beanspruchte. Beinchen vertreten. Sehen, was es so in den Flughafen-Shops gibt. Alles Mögliche gibt es zu kaufen, aber leider keine arabischsprachige Tastatur für den Computer.
Kann auch nicht wirklich erwartet werden, so etwas in einem Duty Free zu finden, wurde mir gesagt. Recht angebracht hätte ich aber gefunden, mindestens ein zweisprachiges, literarisches Buch kaufen zu können: Arabisch – Deutsch oder Arabisch – Englisch. Stimmt, Arabisch – Griechisch wäre mir am liebsten.
Glücklicherweise habe ich ein solches Buch auf Arabisch – Englisch dabei, noch aus der Zeit, als ich im Jemen war – lang, lang ist es her, Jane Austen’s: „Stolz und Vorurteil“. Ein Klassiker der englischen Literatur, der, finde ich, atmosphärisch recht gut in den Arabischen Gulf passen könnte?
Wir werden sehen.

Als wir via Internet den Flug und Hotel buchten, waren wir noch ziemlich davon überzeugt, das Richtige zu tun. Mit den wachsenden, kriegerischen Spannungen in der Region, insbesonders seit Saudi Arabien und der Iran sich anblaffen – vorerst? –, sind wir uns da schon nicht mehr so sicher. Als einstiger Nahostexperte habe ich noch nicht so ganz abgepeilt, wo sich der Oman in diesem Konflikt zwischen dem Iran und Saudi Arabien eigentlich wirklich verortet. Denke, den Nahostexperten werde ich nochmal auffrischen in nächster Zeit. Die Zeit dazu scheint wirklich gekommen.

Gestern stand in der englischen Ausgabe einer omanischen Zeitung, die im Hotel auslag, dass vom omanischen Sultan und seinen Beratern beachsichtigt wird, die Flüge nach dem Iran zu erhöhen, demnächst auf 40 in der Woche. Das wäre so um das Doppelte mehr. Ähnliches wollten die Jemeniten ja auch mal tun. Wir alle wissen inzwischen, was ihnen das eingebracht hat: saudische Bomben auf den Kopf. Leider halten sich die USA und ihre Verbündeten im Jemen auch nicht gerade zurück mit ihren Bomben, wahrscheinlich aber eher wegen der al Qaida und der IS etc. US-Militär im Oman anzutreffen, scheint nicht schwer zu sein – in Hotels, in Restaurants. Eben wurden 10 Jemeniten aus Guantanamo nach Jahren der Haft nach dem Oman ausgeflogen. Möchte nicht wissen, was passiert, wenn die hier locker sich vergnügenden Amis auf einen von denen treffen irgendwo in einer Straße.

Wie dem auch sei, mit Gastfreundschaft gegenüber den mehrheitlich schiitischen Iranern dürfte das politische Verhalten der omanischen Regierung wohl wenig zu tun haben. Eher damit, dass die Iraner im Oman recht viel Geld liegen lassen und man sowieso Handel miteinander treibt – vermutlich noch immer rege. Und die Übernahme der Jemeniten aus Guantanmo ist wohl als Art Good Will Geste gegenüber den USA zu verstehen und anderen Staaten, die sich weigern, solche, eventuell gefährlichen, Leute aufzunehmen. Bekanntlich haben nicht wenige europäische Staaten ein Problem damit.
Eine schiitische Moschee, die im Viertel Mattrah von Muscat genau da steht, wo noch eine Fassade von vielleicht 20 Metern Länge einstiger, schöner orientalischer Architektur des Oman übrig geblieben ist, scheint das Gesagte zu bestätigen – vor dem Hafen unweit des Fischmarktes. Von dort will ein deutscher Tourist, den wir trafen, Schnellboote in Richtung Iran los saussen gesehen haben, so schnell, dass er die nicht mal rechtzeitig auf einem Foto festhalten konnte.

Einig sind wir uns darin, verehrte Leser, und weil gerade die Rede von Gastfreundschaft war, dass die Typen, die die Gastfreundschaft der gemerkelten Deutschen vor dem Hauptbahnhof von Köln und andernorts missbrauch(t)en, eine klare Ansage brauchen. So klar, dass sie genötigt sind zukünftig, ihr wahres Gesicht besser gleich rechtzeitiger, nämlich an der Grenze meinetwegen zu Lesbos, aber spätestens zu Österreich zu zeigen. Vergewaltigung geht nämlich gar nicht. Und vergewaltigen, ist ja eh so eine Frage der Auffassung.
Vergewaltigt man tendenziell beispielsweise auch jemanden, der in einer Hotelanlage sich eingekauft hat als Tourist und für das Nötigste – im Falle eines Aufenthaltes in der Wüste ist das Nötigste wohl Wasser – teuer bezahlen soll müssen?

Nun, wir alle waren außerdem gewarnt. So um das Jahr 1976 hatten wir in Deutschland eine Zeit lang vorwiegend libanesische, aber auch syrische und vor allem palästinensische Flüchtlinge, die ins Land kamen. Meistens junge Männer, Alleinreisende. In Stadtteilen wie Neukölln und Schöneberg von Berlin können die Polizisten und Kriminalbeamten gewiss noch immer ein Liedchen über einige, längst nicht alle, arabischen Familienclans singen, die mit jener Welle ins Land kamen. Hinzu kommt, viele von ihnen haben gern auch noch eine kurdische Komponente aufzuweisen, oder wie man dazu eleganter sagte. Diese Komponente soll den Umgang und die sogenannte Integration nicht unbedingt erleichtern, was hier allerdings auch nicht besagen soll, dass Kurden besonders schwierige Menschen seien. Es ist hier eher indirekt der Verweis darauf formuliert, dass viele Fliehende die gerade in Deutschland angekommen sind oder noch ankommen, im wahrsten Sinne etwas wie Staatszugehörigkeit eigentlich nicht kennen, sich lieber in Clanzugehörigkeiten definieren. Der eine oder andere Pass, den sie bei sich tragen, wenn überhaupt, ist für viele, längst nicht alle, so etwas wie Zierwerk lediglich. Insofern verwunderte mich nicht zu lesen, dass in Köln einige dieser angeblichen Syrer, die von der Polizei aufgefordert worden sind, das Gelände zu verlassen, ihre Pässe verbrandt oder verrissen haben sollen vor den Augen der Staatsmacht. Oder das einer sogar an die 7 Identitäten angegeben haben soll.
Diese Dokumente sagen also vielen unter den Geflüchteten eher wenig. Vielen ist das Papierzeug eh etwas von außen ihnen seit Jahrhunderten Aufgedrängtes. Nicht wenige unter ihnen glauben inzwischen zu wissen, dass es ihnen wenig dienlich ist und sein wird, erfasst zu sein.
Kurz: Man lässt sich nicht gerne festlegen von einem System, welches einen eh, wie die Geschichte zeigt, letztlich im Stich lässt und reinlegt. Das denken viele derer, die nicht im verbarrikadierten Europa aufwuchsen. So ungefähr und noch ganz anders muss man sich das, was in einigen vielen Flüchtlingsköpfen vorgeht, vergegenwärtigen, wenn die in den angesprochenen Clanstrukturen Steckenden und im Rausch sich durch ein fremdes Land ‚Schlagenden‘ mit Flaschen nach Uniformen werfen, Mädchen begrabbschen, und viele dieser Jugendlichen der Ehre wegen in den Knast gehen.
Meine Fahrt in den Oman wird dabei helfen, eventuell das Eine oder Andere in diesem Zusammenhang zu klären?
Wir werden sehen.

Angekommen in Oman, ging alles eigentlich ganz passabel. Das Flugzeug von Qatar Airways hat sein Versprechen gehalten und war insoweit abgedichtet, dass ich beim Landeanflug nicht wieder Druckausgleichsprobleme im Ohr erhielt. Wir sind von Larnaka aus an den Arabischen Golf geflogen. Sogar die Sitze waren angenehm breiter und weiter bei der Qatar als sonst. Ohrenschmerzen hatten mich auf der Hinreise nach Larnaka mit Easyjet fast aus dem Flugzeug springen lassen. Fürchterlich. Die Tipps, die ich aus dem Internet zog, scheinen geholfen zu haben. Daher sitze ich jetzt ohne Kopfschmerz und ohne viertel- oder halbstündige Folter beim Landeanflug durchlebt zu haben in einem Hotel in Muscat. Der Name des Hotels : Golden Tulip.

Es sieht im Internet wesentlich besser aus, als es in Wirklichkeit ist. Der Herr Rezeptionist namens Khalil, der grimmig dreinschaut, als wäre er gerade in Russland aus der Lehre entlassen worden (Entschuldigung, doch meine Reiseendrücke aus Russland sind überwiegend so), ließ uns auch erstmal vor sich an der Rezeption stehen und warten. Wahrscheinlich, dachte ich, um uns klar zu machen, wer er ist und wer wir sind. Als er dann Lust hatte, sah er auf und ich konnte es mir nicht verkneifen, ihm zu sagen: „Ich dachte Sie sind beschäftigt! Lassen Sie sich nicht stören.“

Das ist der Vorteil am Nicht-alleine-Reisen. Der andere kann die Wogen dann glätten und einfach das ‚Gespräch‘ übernehmen. Der Kasten namens Tulpe, die wohl eher dahinwelkt als golden zu sein, ist also etwas heruntergerammelt. Für 2 Übernachtungen berappt man knapp 300 Euro für ein Doppelzimmer mit Frühstück. Für diesen relativ stolzen Preis darf man das Hotel ruhig Kasten nennen und sagen, es sei heruntergerammelt.
Wie im Internet versprochen wird, gibt es am Ausgang des Flughafens von Muscat wirklich einen Schalter, wo so etwas wie „Taxi“ drauf steht. Der Typ, der in einem Art Kasten dort drin sitzt, der große Fenster hat und vielleicht aus Hartplastik hergestellt ist, sagte etwas gelangweilt: „Stellt euch raus und das Taxi wird kommen. Es kostet 6 Rial.“ Und da hatte er sich auch schon in etwas anderes, das vor ihm lag, vertieft.
Draußen, am Rande der Straße, wo die Taxis abfahren sollen, lief uns dann auch gleich ein Mann im arabischen Gewandt (Galabia) entgegen, der meinte, wir sollten mitkommen, er habe ein Taxi. Da war ich etwas misstrauisch geworden, weil wer garantiert mir, dass der Typ ein Taxifahrer ist? Der drin in dem Kasten hatte ja gesagt, das Auto würde unmittelbar dort, wo wir jetzt standen, vorbeikommen. Er hatte seine Nase noch immer in andere Angelegenheiten gesteckt, wie zu sehen war, anstatt sich um unser Wohlbefinden oder darum zu kümmern, dass Taxifahrer Geld verdienen – dass die vom Sultan verordnete Service-Leistung an den ausländischen Gästen einigermaßen zufriedenstellend erbracht wird.

Wir gingen nach kurzem zögern trotzdem mit diesem Menschen mit, nachdem vorsichtshalber geklärt wurde – wie im Internet geraten wird -, den Fahrer nach dem Preis, trotz der Auskunft des Menschen in jenem Kasten, zu fragen. Außerdem war kein anderes Taxi in Sicht. Und siehe da, der Mann sagte, er wolle 7 Rial haben. Ich zeigte ihm mit dem Fingern die 6 und sagte es dann auf Englisch: „six“. „O.K, six“, sagte er und schon waren wir auf dem Weg zu seinem Auto, wo auch wirklich das Zeichen für Taxi auf Arabisch draufstand.
Gewagt war es mit ihm zu gehen, da wir über die Straße mussten, und um eine Ecke zu biegen hatten, wo nur noch Autos unter einem Schutzdach standen, welches den Ort in etwas düsteres Licht tauchte und wo es einer Mauer wegen keinen Blickkontakt mehr mit der Straße oder gar dem Menschen, der die Taxis einteilen soll, gab. Und man weiß ja bekanntlich nie, was um die nächste Ecke lauert. Ein eigentlich geeignetes Plätzchen, mal eine schnelle Mark zu machen.

Wir fuhren gar nicht so lange und dann waren wir im Hotel.
Auf dem Stadtplan, den das Hotel im Internet zur Verfügung stellt zum Draufklicken, erscheint das Golden Tulip – auch von der Beschreibung her – sehr nahe an der Altstadt gelegen. Schon den nächsten Tag bewahrheitete sich, dass dem nicht so ist.

Das Zimmer war OK, aber halt irgendwie abgelebt. Ein Balkon in Richtung Norden gab es sogar, kahl und leer wie die eine große touristische Attraktion im Lande, die Wüste Rub al Hali, das Leere Viertel. Unter uns, links vom Balkon aus in Richtung Swimming-Pool, war das stetige Geräusch einer Anlage zu hören, die wohl das gesamte Haus mit kalter Luft versorgt – und uns eventuell mit dem Klang der dem des Windes in der Rub al Hali gleicht.
Wir schalten Klimaanlagen in den Hotelzimmern, die wir in südlichen Weltregionen bewohnen, egal wo wir reisen, meist gleich aus. Reicht doch, dass man im Restaurant und an der Rezeption sitzend frieren ‚darf‘.

Zwei Flaschen Wasser gibt es von der Direktion des Hotels täglich ins Zimmer gestellt, immerhin umsonst. Eine nette, aber inzwischen allgemein gebräuchliche Geste weltweit. In Deutschland stehen die Wasserflaschen meist aber nur am Ankunftstag frei verfügbar gut sichtbar in den Räumen. Das stimmt schon mal etwas versöhnlich, sollte dem Gast bis dorthin etwas Mühsal abverlangt worden sein. Allerdings schmeckte das Wasser in den Flaschen, die das Golden Tulip hinstellt, verdächtig nach Plastik. Zum Befeuchten des Gaumens mitten in der Nacht scheint es geeignet genug zu sein, befanden wir. Wahrscheinlich hat man die Flaschen in der prallen Sonne gelagert gehabt.
Mir ging sogleich der Beitrag im Fernsehen von vor ein paar Tagen durch den Kopf, wo die Belastung des Meeres durch Plastik thematisiert worden ist, die gewaltig sein muss. Es wurde schon fast geraten, keine Meerestiere, doch vor allem keine Muscheln mehr zu essen, da die alle kleinste Plastikteile in sich tragen, die bei ihrem Verzehr unweigerlich in unsere Körper gelangen.

Im Tulip kann anscheinend Tee oder Kaffee im Zimmer selbst zubereitet werden. Auch das ist ja eigentlich Standard. Ungewöhnlicher Weise gibt es keine Hausschuhe, die es sonst überall gibt in Hotels dieser Preisklasse – wie wir später im Hilton von Salalah feststellen durften, gibt es die dort auch nicht.
Das Klima in Muscat, oder sollte ich schreiben bei Muscat, ist angenehm, wenn die Klimaanlage ausgestellt ist.
Wir haben gerade 23 Uhr. Es ist der 08. Januar 2016.

Dass Oman in einer wirtschaftlichen Krise steckt, haben wir der englischsprachigen Oman Times schon zwei Wochen vor Abflug entnommen. Dass Betriebe, die im Oman ansässig geworden sind, noch vor Anfang des mitteleuropäischen Sommers in ihre Chefetage einen Omani gesteckt bekommen, wird die Investitionsfreudigkeit vieler Ausländer wahrscheinlich nicht befördern, und konnte der genannten omanischen Webseite auch entnommen werden.
Gestern war ein Bericht über Oman im deutschen Fernsehkanal Phoenix, eindeutig zwecks Werbung, also zwecks Geld verdienen. Was ich davon noch erinnere, ist, dass Omaninnen segeln lernen und an der nächsten Olympiade im Jahr 2020 teilnehmen wollen – „die Nachfolgerinnen von Sindbad“. In dem Beitrag sah alles Gezeigte irgendwie so bizarr vermischt aus: 1001 Nacht Atmosphäre plus der Anordnung des Sultans, die Straßen sauber zu halten, meinetwegen wie in der Schweiz.

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