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Archive for Oktober 2015

Es besteht also Aussicht, dass Frau und Herr Steuerzahler den Betrug bei oder von VW mitbezahlen werden. Man fragt sich, wann die Rechnung endlich serviert wird. Anfang nächsten Jahres etwa?
Wie gerade jemand sagte: „Na und! Daran sind wir doch gewöhnt.“
Immerhin, Erzieher sollen nun etwas mehr Gehalt erhalten, ab 1. Juli 16 zwischen 93 und 138 € mehr.

Marios Mawridis lässt uns wissen, was 2016 in Sachen Finanzen den Zyprern so alles ins Haus steht. Sein Artikel erschien am 29. Oktober 2015 in der griechisch-zyprischen Alitheia Tageszeitung und heißt: „Haushaltsplan 2016!“

„Die Regierung legte den Volksvertretern im Parlament den Haushaltsplan für 2016 zur Diskussion und Prüfung vor. Der Haushaltsplan sieht ein Gesamteinkommen, welches so um die 7 Milliarden € liegt vor, wie auch insgesamt Ausgaben so um die 7.2 Milliarden €. Die Gesamtausgaben beinhalten auch die Zinsen, welche die Schulden der Öffentlichen Hand ungefähr auf 600 Millionen € anwachsen ließen. Die gesamten öffentlichen Schulden der Regierung stiegen auf 19 Millionen € oder 109% des Bruttosozialproduktes. Nicht enthalten in der Schuld der öffentlichen Hand sind die staatlichen Investitionen über 3 Milliarden € für Ausgaben, die halbstaatliche, gemeindliche und andere öffentliche Träger verursachten. Die größten Kosten der Einkommensbesteuerung erbringen indirekte Steuern, das heißt Lohnsteuer, Verbrauchssteuer wie auch die Einkommenssteuer. Bei den Ausgaben sind die größten Posten soziale Leistungen und Löhne für die Staatsangestellten. Die beiden zusammen übersteigen 5 Milliarden €. Die Ausgaben für Entwicklung werden höher als 785 Millionen € sein, also in der Nähe von 5 % erhöht sein. Für 2016 erwartet die Regierung einen geringeren Fehlbetrag als in 2015, wohingegen ab 2017 die Volkswirtschaft einen kleinen Überschuss ermittelt, der sich einstellen soll. Der erlangte Überschuss ist ein ausgezeichnetes Zeichen für die riesige, erbrachte Leistung vor dem Hintergrund der öffentlichen Schuld und der Ökonomie allgemein. Eine Regierung, die Überschuss produziert, kann wesentlich einfacher Geld mit besseren Konditionen leihen, kommt dergestalt zu Einsparungen bei den auflaufenden Kosten des Schuldendienstes. Diese Einsparungen können für die Entwicklung ausgegeben werden. Die Versuche der Regierung, das Wirtschaften der Gemeinden zu ordnen, unterstützt von der Rückkehr der Wirtschaft zu Wachstum, bedeutet höhere Steuereinnahmen und Entwicklung. Die Wirtschaft erfasst in den ersten drei Monaten ein stetig positiver Aufschwung und es wird erwartet, dass die Ökonomie in den folgenden drei Monaten weiterhin wächst. Das Ende des riesigen Abschwungs und der stabilisierte Verlauf, den die Wirtschaft hat, erschafft Aussicht auf mehr Entwicklung. Das Ende des Abschwungs
ermutigt Investoren, wie auch den Verbraucher, welche Grundpfeiler des Wachstums sind. Egal, wie optimistisch wir auch sein mögen in Sachen Verbesserung der wirtschaftlichen Lage und der wirtschaftlichen Aussichten, bleibt dennoch das große Problem der Arbeitslosigkeit mit allen ökonomischen und gesellschaftlichen Folgen. Die Arbeitslosigkeit fiel von 15,3 % auf 14,7 %. Sie ist dergestalt also immer noch auf hohem Niveau. Hauptgrund der geringen Minderung der Arbeitslosenrate sind die zyprischen ‚Flüchtigen‘ ins Ausland, um dort zu arbeiten. Was diesen Verlauf umkehren würde, ist ein lebhafter Aufschwung der lokalen Wirtschaft. Die Regierung kalkuliert, dass der Aufschwung die Prozentzahl Zahl der zu erwartenden Arbeitslosen stetig abnehmen lassen wird. Es lohnt sich darauf hinzuweisen, dass langfristig die Arbeitslosigkeit, das heißt, die der vergangenen 6 Monate, um 7,1 % zurückgegangen ist.“

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Wasser für Zypern?

Den deutsch-türkischen Literaten Perinçi kenne ich noch nicht. Dass er nun belangt werden soll, für das, was er bei der Demonstration oder Veranstaltung der Pegida in Dresden gequasselt hat, verwundert etwas – wenn man sieht und hört, welche Witzchen in den Fernsehkanälen nahezu allabendlich abgelassen werden, die zuweilen auch recht krass sind. Die sind die nächsten Kandidaten in Sachen „Volksverhetzung?“

Dieses Wort – Volksverhetzung (Inquisition?) – führt mich unweigerlich in den Schulunterricht, 6. Klasse oder so, wo ich über diesen Begriff nicht zum ersten, sondern zum zweiten Mal gestolpert bin im Leben. Beim ersten Mal war zuhause, meine Eltern im Gespräch mit Gästen über Erlebnisse in der „Hitlerzeit“ und die sogenannte Säuberung in den Anfängen der neu entstehenden BRD.
Damals kapierte ich die Dimension, die sich hinter diesem Wort aufmachen kann, eigentlich so wenig wie in der 6. Klasse, als der Lehrer davon sprach und versuchte zu erklären, was ich eigentlich bis heute zwar verstehe, aber mir nicht vorstellen kann so recht, nämlich, wie das bloß funktionieren kann: Jemand sagt oder tut etwas, dass ein ganzes Volk dazu aufhetzen soll, also anstachelt das Hirn auszuschalten, um etwas zu tun, was als unschicklich, gefährlich usw. eingestuft wird – ‚oben‘.
Dass so etwas wirklich funktioniert, ist mir wirklich schleierhaft, doch im Hinblick auf die NS-Vergangenheit im Lande namens Deutschland, sowie die sich merklich verengende Meinungsfreiheit in diesen Tagen (Vorratsspeicherung u.a.), die einstigen Idole aus der Jugend, deren Sprüche einem heutzutage etwas hohl und seltsam vorkommen etc., damals jedoch schon fast Leitlinien im Leben wurden, sollte es weniger verwundern, dass es solch ‚Verblendungen‘ wirklich gibt.

Die da ‚oben‘ indes verhökern, wie zu lesen ist, noch immer Kriegsmaterial nach Syrien (Badische Zeitung 21.10.2015). Nach Israel wird das Zeug sowieso verkauft, anscheinend egal, was dort abläuft, wie man sagt. Daran sollen wir uns ja bereits gewöhnt haben – Saudi Arabien, Kuwait, Katar in den Irak etc. Das kurbelt die Wirtschaft im Land der Saubermänner und Sauberfrauen á la VW, DFB, Siemens … wirklich sauber an – im Land der Deutschen Bank. Die Exportweltmeisterschaft geht also weiter, ungefähr so wie der gut erkennbare Drang seit Anfang der Industrialisierung, noch immer möglichst Weltmeister überall sein zu wollen: im Sport, in der Wirtschaft, Wissenschaft usw.

Hurra!

Ist das Waffenverkaufen in Kriegsgebiete, an Despoten, nun auch endlich mal Volksverhetzung, was es doch eigentlich auf seine Weise ist, oder ist es gar volksverhetzend, solche Dinge wie gerade geschehen in den Raum als Frage zu stellen?
Man weiß ja nie. Die Gesetze ändern sich neuerdings so schnell – schon fast unmerklich. Irgendwie ist das Muster aber bekannt – komischerweise hat schon manch unliebsamer Fragesteller plötzlich den Löffel abgegeben – „Unfall!“

Gerade besetzen Flüchtlinge eine der britischen Militärbasen auf Zypern. Man darf gespannt sein, wie viele der Besetzer von Großbritannien als Flüchtlinge aufgenommen werden – wer sich letzlich zuständig fühlt. Dass da niemand vorher draufgekommen ist! Heikel an der Angelegenheit ist, dass Kampfjets von einem oder beiden Militärbasen der Briten auf Zypern gen Irak und Syrien unterwegs sind, um die IS zu bombardieren.

Wie dem auch sei: Zypern ist nun wohl so manchem der Fels in der Brandung neuerdings. Es verweigert sich wahrscheinlich noch immer dem Druck, den Merkel in der Türkei mit einem weiteren, zukünftigen Despoten ausgehandelt und aufgebracht hat. Nikosia ist nämlich dagegen, gewisse Kapitel bei den Verhandlungen zur Aufnahme der Türkei in die EU zu opfern, zu öffnen, nur weil die BRD etwas spät erkannt hat, dass gewisse Politiken gewisse ‚Früchte‘ tragen – in diesem Fall Flüchtende nach Deutschland bevorzugt.

Ein bisschen übersetzen, hilft gewiss, in diese zuletzt genannte Angelegenheit noch etwas mehr Einblick zu gewähren. Heute wird Ihnen dazu etwas aus der zyprischen Fileleftheros-Tageszeitung vom 21. 10. 2015 ins Netz gestellt. Diese Zeitung ist etwas politisch rechts wird gesagt, durchaus vergleichbar mit der Badischen Zeitung.

Herr Michaelidis schreibt in seiner Kolumne:

„Quasselköpfe sind wir!

Es gibt aber Zyprer, die schreiben, dass das Wasser aus der Türke eine Wohltat für die Insel ist, und dass die, die sich dem entgegenstellen, das tun, weil sie die Türkischzyprer in den Sack ohne Wasser und Strom stecken wollen, wie es 1964 getan worden ist. Ich denke, wir stehen davor, ein weiteres Niveau in Sachen Wirrwarr zu erreichen und vielleicht gibt es keine Therapie mehr dafür. Denn, so etwas [gemeint ist die Wohltat, welche das Wasser aus der Türkei sein soll] wird von Menschen geschrieben, die eine Position in der Gesellschaft inne haben, die gebildet sind, in der Erziehung sich umtun wie auch in der Politik; also Menschen, von denen du erwartest, dass sie ihr Hirn einsetzen, um dem Land zu helfen aus dem großen Schlamassel zu kommen, dem aller größten: den mit der Türkei.
Wenn die also schon so blind sind und nicht unterscheiden können, wohin die Schritte der Türkei führen und glauben, dass wir diesen Anforderungen mit Leichtigkeit und Täuschungen begegnen werden können, wie diejenige des Wassers aus der Türkei, werden wir für eine bessere Zukunft keine Forderungen [mehr] haben. Das [Letztere] wird der Fall für uns, wie auch für die internationale Gemeinschaft sein. Sogar von politischen Führungskräften ist [das] zu hören, die mit Ernst sagen, dass wenn die Zypernfrage gelöst sei, man vom Wasser aus der Türkei profitieren könnte, dem Wasser des Friedens, wie die Türken in ihrer betörenden Propaganda behaupten.

Von der Bühne verschwanden [zwischenzeitlich bereits] die wirklichen Bestrebungen der Türkei, die gewiss die Einnahme Zyperns sind: verschwunden [aus der Erinnerung] die Auswirkungen, die die Ergebnisse der [Wiedervereinigungs-]Verhandlungen für Grund und Boden und den Besitz haben werden, verschwunden die Tatsache, dass es sich erneut um einen weiteren illegalen Einschnitt des Hoheitsanspruches der Republik Zypern handelt, um diesen in etwas Beendetes zu verwandeln. Sie sagen, dass das Wasser [aus der Türkei etwas] Positives ist, da es uns wie ein großer Glücksfall gesendet wird, um unsere ausgetrocknete Erde zu gießen.

Natürlich ist unser Problem nicht, was irgendjemand sagt, wie auch Ansichten, die keine Logik haben – sie sind in unserer modernen Welt [indes] erlaubt. Das Problem ist, dass solche Ansichten von Leuten kommen, die die Entwicklungen mitbestimmen und eine Rolle bei[m Sichern] unseres Überlebens inne haben. Das Management entspricht [also eher] dem, was das Hirn jedes einzelnen begreifen kann. Als im Jahr 2011 die Türken forschten, auf welche Art und Weise das Wasser aus der Türkei die Zypernfrage beeinflussen dürfte, und wie ein Vorteil aus der illegalen Annexion des griechischzyprischen Besitzes gezogen werden könnte (die unsere Abwesenheit [im Norden] als Zustimmung des legalen Besitzers sieht), brauchen wir keine 5 Weisen, um herauszufinden und uns zu sagen, inwiefern diese neue Entwicklung sich erweitert [hat oder erweitern wird].
Das wissen alle.
Es bedarf keiner Studien und Ratschläge. Deshalb, sagt ein jeder das, was ihm [gerade so] in den Kopf kommt: Das Wasser ist von Nutzen, [wird gesagt,] als ob es gelte, eine Dissertation bei den Politologen anzufertigen. Im gleichen Atemzug mit jenen [sagen sie das], die davon träumen, das Zypernproblem zu lösen, um mit dem großen Markt der Türkei Geschäfte zu machen, um Orangen zu exportieren (wo wir die herhaben, weiß niemand), [so auch] Tomaten und industriell hergestellte Produkte – auch wenn wir gar keine Industrie haben. [Gemeint ist also der Verkauf türkisch-zyprischer Produkte nach der Republik Zypern und von dort auf den europäischen Markt, mit Hilfe der Republik; das heißt nach griechischzyprischer Auslegung illegale Produkte aus dem türkischsprachigen Norden der Insel einzukaufen und zu verkaufen, was bereits hie und da ans Licht der Öffentlichkeit kam].

Ein Leben nach dem Zufallsprinzip: ohne Untersuchung, ohne Einschätzung der Tatsachen und Entwicklungen, ohne Verstand und Durchblick.
Um schriftlich Gequassel von uns zu geben, wir denken eine eine Meinung zu haben, führen Gespräche in Chat-Rooms – ganz toll sind wir.“

Gequassel hin oder her, hier einfach noch ein weiterer Artikel aus der Fileleftheros vom 21.10.2015, den Kostas Wenizelos geschrieben hat:

„Die einzige Art, die Wirklichkeit zu ändern, ist, sie zu sehen. Leider herrscht in der Zypernfrage eine Ausrichtung, die offiziell [und] politisch in einer Halluzination stecken geblieben ist – so auch die nationale Strategie. [Es ist] eine unendliche [, von langer Dauer anmutende,] Herangehensweise einer Politik, die nie dazu führen wird, die Zypernfrage zu lösen. Im Gegenteil. Diese Taktik erlaubt der türkischen Seite, die Besetzung auf Äonen von Jahren fortzusetzen und neue Fakten zu kreieren. Die Einweihung der Anlage zum Transport von Wasser aus der Türkei in das besetze Gebiet [Zyperns], was [hier] als eingliedernder Schritt erachtet wird, wurde zum Spielball im Verlauf der Wiedervereinigungsverhandlungen. Und so was darf nicht übersehen werden. Es ist eine Bewegung, die nicht unter den Teppich gefegt gehört. Denn es zeigt, dass die Türkei nicht eine Lösung anstrebt, sondern die vollständige Kontrolle über Zypern – [und zwar] via dem besetzten Gebiet [, Nordzypern]. Kann solch ein Vorgehen ablaufen und wir fahren unsere Gespräche fort, ohne letztendlich den Versuch der Übernahme [durch die Türkei thematisch] vorangestellt zu haben?

Das ‚gute‘ Klima, welches lediglich in den Cafés aufkommt, den Theatern und im Lachen, welche eingespannt sind in ein kommunikatives Spiel, das dem Ziel, welches die Lösung der Zypernfrage ist, nicht dienen. Es ist ein Spiel, dass insbesondere von der türkischen Seite wertgeschätzt wird, welche die öffentlichen Bilder des Traumes [einer eventuellen Wiedervereinigung] vollends kennt, um [währenddessen] das besetzte Gebiet einzunehmen.

Das ‚gute‘ Klima … wird, falls es keine Lösung gibt, das illegale Wesen [,Nordzypern,] auf verwunderliche Weise vertiefen. Es ist unnütz und gefährlich, wenn [das herrschende, angeblich gute Klima] einseitig herrscht. Wenn es keinen Fortschritt gibt in Richtung Lösung des Problems bleibt der Eindruck der [erwähnten] Bilder [als eine Art] Gratifikation der Vertiefung [der Nicht-Lösung].

In der Zypernfrage sind die Ratschläge [für eine Lösung] veraltet und verbraucht. Es bedarf sofort eines Schocks, um auf den Pfad der Wiedervereinigung zurück zu gelangen. Auch Akinci [der türkisch zypriotische Präsident] hat die Chance verpasst, die in der Geschichte verbucht werden wird, als das Wenige, dessen es bedarf, den Trampelpfad [bei Verhandlungen] aufzugeben.
Es macht indes keinen Sinn, Herrn Mustafa Akinci runterzumachen. Das macht er von selbst. Genauer: Er zerstört das Bild, welches einige Griechischzyprer ihm anheften wollten. Sogar er selbst wollte so, wie ihn einige in den freien Gebieten [Zyperns] haben wollten, nie wahrgenommen sein.

In der Zypernfrage bedarf es einer Bewegung und eines Manövers sowie zuerst einer Änderung der Taktik, die wesentlich effektiver zu sein hat. Der Schritt der Einnahme des besetzten Gebietes wurde gesetzt von der Türkei, nun bedarf es einer Bewegung Nikosias, die letztendlich von der Wirkung her gleich ist. Zum Beispiel eine Bewegung auf dem Gebiet der Energie, welches demnächst Ergebnisse zeitigen wird [ – gemeint ist gewiss die Feststellung, ob nun genügend Erdgas vor Zypern liegt und ob Ägypten, Israel und eventuell auch Zypern einen Teil ihrer geförderten Menge über die Türkei nach Europa führen werden oder nicht]. Nur dann wird die türkische Seite verstehen, dass in Sachen Zypernproblem ernsthaft verhandelt werden muss. Parallel zu diesem Versuch, müssen die Türkischzyprer wissen lassen, ob sie eine Lösung des Problems wollen oder eher mehr Türkei (wieviel Türkei jedoch?). Die Lösung verläuft [sozusagen] mitten durch die Unabhängigkeit Zyperns von der Türkei. Ein Vertrag, der von Bestand ist, muss die Bürgerschaft respektieren, ihre Rechte, muss demokratisch sein und nicht [vom Wesen her] spalten. Wem ist die Lösung von Vorteil? Sie ist den griechischen und türkischen Zyprern, jedoch nicht der Türkei, von Vorteil.“

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Flucht-Ursache Nummer 1

Vor kurzem trafen sich die politischen Spitzen der Stadt Wien in den einst historischen Sophiensälen. Bekanntlich sind diese Säle vor ein paar Jahren abgebrannt. Solch einen Eindruck, abgebrannt, machten vor allem die Spitzenvertreter der Opposition in der Sendung zur Wahl am 11. Oktober 2015 – dem großen Schlagabtausch. Ihre Argumente gegen die SP geführte Regierung der Stadt waren ein merkwürdiges Gebelle: von politisch braun bis lila, oder so.

Ja, auch in Österreich ist das Thema Nummer eins „die Flüchtlinge“. Dass viele diesem Thema inzwischen überdrüssig sind, verwundert nicht. Die Medien schlagen es nämlich geradezu tot: Quatschen und quatschen und das immer mit den selben Argumenten. Auffällig ist, sei es in Deutschland oder in Wien, dass so gut wie nie das Mutterproblem des Nahen und Mittleren Ostens in diesem Zusammenhang genannt wird: Palästina – Israel.
Die sogenannte Freie Presse schreibt dazu wenig. So ungefähr sieht es auch bei ‚unseren‘ Vertretern ‚unserer‘ politischen Interessen aus. Sind das mehrheitlich überhaupt noch unsere Interessen, die da vertreten werden? Manchmal.
Die Politiker geben zusammen mit Kartellen und sogenannten wirtschaftlich großen Playern in der Welt in etwa vor, was beispielsweise Journalisten mehrheitlich niederschreiben. Im Zusammenhang mit den Flüchtlingen, die Europa derzeit mit meistens jungen, motivierten Menschen fluten, schreiben nur wenige davon, dass der Konflikt, den die Israelis mit ihrer Besatzungspolitik in Palästina betreiben, hauptsächlich für die Flüchtlingsströme letztlich verantwortlich ist. Man muss sich beispielsweise nur die Wasserverteilung in den sogenannten Besetzten Gebieten und dem West-Jordan-Land ansehen. Es geht nicht mehr verlogener als das, was sich Israel dort leistet. Das gute Wasser aus den palästinensischen Gebieten nach Israel und das mehrheitlich minderwertige Wasser limitiert den Palästinensern. Die Auseinandersetzungen am sogenannten Tempelberg in Ostjerusalem sind Ausfluss eben dieser diskriminierenden Politik, so auch neuerdings die palästinensischen Messerstecher, ganz zu schweigen von der frech und ganz offensichtlich betriebenen Ausbreitung von besetztem palästinensischen Land durch sogenannte israelische Siedler.
Die Europäer tragen an all dem eine Mitschuld, weil ihre Politiken gewisse unethische Politiken des Regimes in Tel Aviv stützen. Man ist sogar so dreist, eine (deutsche) Hilfsorganisation vor Ort „Hilfsorganisation“ zu nennen, die diese ungeheuerliche Politik der Israelis (in Sachen Wasserversorgung etc.) sogar stützt. Niemand da, der von Sanktionen gegen Israel auch deswegen spricht.

Die Saudis haben es beispielsweise vor kurzem geschafft, eine Untersuchung ihre eventuell begangenen Kriegsverbrechen im Jemen nicht von einer international besetzten Kommission untersucht zu sehen. Das ist ähnlich unverständlich wie das, was im besetzten Palästina abgeht. Die Außenpolitik der EU, so auch folglich Deutschlands, kann schlichtweg so charakterisiert werden: Sei immer mit dem vermeintlich Stärkeren!

Der BRD-Bevölkerung wird schon seit Längerem eingeredet: Politik kennt keine Freunde, sondern nur das Wahren von Interessen. Wenn dem so ist, darf dann davon ausgegangen werden, dass beispielsweise das Wüten Israels in Palästina ebenso gewünscht ist wie die Auswanderungswelle aus den Gebieten des Nahen und Mittleren Ostens plus der Türkei nach Europa zum Beispiel wegen der anstehenden Vergreisung der Gesellschaften Euopas? Letzteres würde die Aussagen Merkels, dass alle, die in Not sind, kommen können, irgendwie verständlicher machen.
Und jetzt soll es ausgerechnet die Türkei richten, weshalb Frau Merkel wohl dieses Wochenende dorthin fliegen wird. Ausgerechnet zu denjenigen macht sie sich auf den Weg, die einen Teil Zyperns besetzt halten, die einen zukünftigen Despoten auf dem Thron in seinem illegal erbauten Palast in Ankara haben werden, denn alle Zeichen weisen seit Langem darauf hin, dass Recep Tayyip Erdogan genau diese Zielrichtung hat. Mit ihm und seiner Regierungsclique wird bitte sehr was genau verhandelt an diesem Wochenende?
Die jetzige Regierung in Ankara ist eine Übergangsregierung. Nach den Wahlen am 01. November nach der Türkei zu fliegen, machte vielen Vertretern der kurdischen Minderheit in der Türkei mehr Sinn. So muss nämlich befürchtet werden, dass Frau Merkel in der Funktion einer Bundeskanzlerin auch dabei hilft, Erdogans AKP zum Wahlsieg zu verhelfen, die unbedingt alleine regieren soll, damit er endlich das Gesetz ändern kann, um dann als Autokrat seinem dafür gebauten Palast endlich den nötigen ‚Glanz‘ einzuverleiben.
Ankara signalisiert auch daher derzeit so etwas wie mehr Kooperationsbereitschaft, obgleich jeder weiß, dass sich das Blatt nach dem Erdogan als Autokrat inthronisiert wurde, in nahezu jede beliebige Richtung bewegen kann. Sogar in der Zypernfrage zeigt er sich neuerdings zugänglich. Er wird vor oder kurz nach dem Merkelbesuch mit seinem Ministerpräsidenten Davutoglu dort eintreffen. Wer daran glaubt, dass die Besetzung Zyperns demnächst ein Ende finden wird, sei daran erinnert, dass diese Schallplatte seit knapp 8 Jahren nahezu jedes Jahr aufgelegt wird.

Den Staat Israel, welchen die Bundesrepublik womöglich noch so bedingungslos unterstützen wird, wenn bereits der letzte Palästinenser aus Palästina und Israel in Serbien mit den dortigen Grenzern um Durchlass nach Deutschland kämpfen, um als Flüchtlinge hier zu leben, besetzen bekanntlich auch den Golan, der eigentlich zu Syrien gehört. Es wurde im sogenannten Westen fast schon schweigend in Kauf genommen all die Jahre, dass es unter anderem diese Besetzung ist, die das Assad-Regime über eine Generation an der Macht hält. Was Verbrechen an der Menschlichkeit angeht, können sich alle drei genannten Staaten (Türkei, Israel und Syrien) ‚rühmen‘, den Vogel seit den letzten 50 Jahren schon mehrmals abgeschossen zu haben. Der Abschuss erfolgt/e leider oft mit Unterstützung der USA, EU (Deutschland) und Russlands.

Im Verein mit einigen europäischen Staaten, vordringlich Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Russland, plus der transatlantischen USA selbstverständlich, wurde also die bereits zuvor erwähnte Mutter der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten geboren. Dass es zu dieser Geburt kam, hängt in erster Linie mit den Öl und Erdgasvorkommen in der Region zusammen.

Bekanntlich haben sich aus vielleicht so etwas wie Solidarität mit den Palästinensern, zuweilen auch als Art Ableitung dieser Problematik, im Nahen und dem Mittleren Osten und darüber hinaus viele seltsame Konflikte ergeben (Syrien, Irak, Iran und die Türkei gegen die Kurden, die wiederum teilweise mit Israel zusammenarbeiten. Krieg zwischen dem Irak und dem Iran, Destabilisierung des Libanon und Syriens, Unterdrückung demokratischer Bewegungen in Ägypten, Bürgerkrieg im Jemen, IS und die al Schabab in Somalia und andernorts in Afrika, Bokoharam etc.). Seltsam sind diese Konflikte aufgrund ihrer Natur: Europa, die USA, Russland und China, besonders die drei Ersteren, hinterlassen und hinterließen irgendwie oft ihren Fingerabdruck dabei.

Dass die Kurden und Palästinenser noch immer keine anerkannten Staaten haben (Kurdistan, Palästina), zeigt unter anderem: Die mittelbar und unmittelbar involvierten Staaten der erwähnten Region plus der Türkei, Pakistan, Sudan, Libyen, Katar und Iran etc. spielen leider auch mit gezinkten Karten. Genauer: Für viele steht ihr Interesse an erster Stelle und dann kommt erst mal gar nichts und danach eventuell die Solidarität für Kurden oder Palästinenser. Die beiden zuletzt Genannten haben es sich nicht nehmen lassen in der Vergangenheit, einige taktische Fehler außen- und innenpolitisch zu bauen. Man darf indes nicht vergessen: Es handelt sich um Fehler, die eher in einer Art Verteidigungshaltung begangen wurden und werden. Die Kurden kämpften beispielsweise bitter und hart darum, überhaupt als existierendes Volk anerkannt zu werden und dürfen ihre Sprache neuerdings auf der Straße sprechen, ohne Angst haben zu müssen, deswegen hinter Gitter zu kommen. All das ist noch gar nicht so lange her in der Türkei. In Syrien sind und waren Kurden so was wie Staatenlose, so was wie Palästinenser im eigenen Land, welches Israel besetzt.
Ja, es gibt Israel, aber eben auf ehemalig palästinensischem Land. Um so mehr Frust kam auf, nachdem die palästinensische Führung Israel als Staat anerkannte, als im Gegenzug von Israel noch heute kein Palästina denkbar ist, was mit Einsatz von Waffen und Denkverboten untermauert wird – durchaus über seine Grenzen hinweg Wirkung zeigt.

Es bleibt: Die Ursache der Flucht der Syrer und anderer liegt vorrangig im israelisch – palästinensischen Konflikt, an der Weigerung Israels, den Palästinensern keinen Staat zu erlauben. Und daran ist vordringlich die sogenannte internationale Gemeinschaft mit schuld – noch vordringlicher hat das die USA verschuldet! Zwar ist die Besiedlung Amerikas ‚erfolgreich‘ gelungen, als man die Ureinwohner im wahrsten Sinne des Wortes in ihre Schranken verwies. Doch das ähnlich angelegte Konzept namens Israel greift im Nahen Osten jedoch nicht so, wie es wohl von einigen mal angedacht war. Letzteres, weil es nicht so brutal betrieben werden kann. Es galt nämlich, auf einen gewachsenen Humanismus in der sogenannten westlichen Welt Rücksicht zu nehmen. In wie weit sich diese Rücksichtnahme überlebt hat und ob Wildwest gerade ein Comeback feiert, kann hier nicht eingeschätzt werden.

Der Exodus der syrischen, irakischen, kurdischen etc. Flüchtlinge sollte all jene, die davon schwadronieren, dass sie ausgerechnet alle nach Deutschland kommen wollen, weil Deutschland ein Ort ihrer „Sehnsüchte“ ist, wie zum Beispiel für vielleicht die meisten Deutschen Neuseeland, nicht verwundert durch die Wäsche gucken lassen, wenn diese Flüchtlinge ihre politischen Forderungen für ein freies Palästina, für ein Syrien ohne Assad, für ein Ende der Aufrüstung solch ‚demokratischer‘ Regime wie Saudi Arabien, die Türkei (mit Erdogan als Autokrat) und natürlich Israel auf die Straße gehen werden. Sie könnten uns dann eine Kostprobe dessen abgeben, was die Folgen unserer Demokratien Europas in ihren nah und mittelöstlichen Demokratien bewirken – das Gegenteil von Demokratie nämlich.

Apropos: Wie sie es machen werden, weiß ich noch nicht, doch vor dem Hintergrund der betriebenen Außenpolitik des sogenannten Westens, vordringlich der USA und der BRD, dürfte schon bald die nächste Welle Flüchtlinge sich auf den Weg nach Europa, bevorzugt Deutschland, begeben: aus dem Jemen und Mali. In Mali sollen neuerdings BRD-Soldaten offiziell mitkämpfen.

Die Rede von der Bekämpfung der Fluchtursachen der Flüchtlinge aus Syrien und von andernorts wird so gut wie nie vom Ursprung her benannt – der Konflikt der Israelis mit den Palästinensern.
Dass Palästinenser nun sogar noch mit gezogenen Messern auf Israelis einstechen, wohl wissend, dass sie danach ziemlich sicher ihr Leben verlieren werden und der ‚Besitz‘ ihrer Angehörigen zerstört wird nach der Tat durch israelische Soldaten, müsste uns wirklich zu bedenken geben. In der Regel zerstören sie die Häuser der Eltern des Täters. Das ist eine Art Sippenhaft. Eine Bestrafung ist das, die in Deutschland zu recht als unzulässig angesehen wird, die aber im geschilderten Fall mit neuen U-Booten, noch mehr Waffen und Geschäftchen von der deutschen Regierung sozusagen mitbelohnt wird!?

Was glauben diese Leute im Bundestag eigentlich, warum Deutschland den meisten Flüchtlingen gegenüber nicht in der Schuld stünde, warum die Asylsuchenden aus Syrien nicht nach Deutschland kommen sollten? Wir haben an sie inzwischen ebenso eine Schuld zu zahlen wie einst an Israel. Weil wir den II. Weltkrieg verloren haben und die Konzentrationslager in (ehemalig) Deutschland standen, hatte Israel einen Anspruch. OK. Und was ist mit dem Anspruch der Flüchtlinge, die unserer Waffenexporte und verfehlten Außenpolitiken wegen hier ankommen?

Das Leben der Palästinenser in ihren abgeriegelten Territorien kommt dem in Konzentrationslager der Nationalsozialisten zwar nicht gleich, doch dieses Muster ist irgendwie erkennbar. Es erscheint ganz seltsam zeitlich und räumlich gestreckt. Zwar lässt man gnädiger Weise die Möglichkeit offen, so weit hier bekannt ist, sich für ein Leben im Ausland außerhalb Israels und Palästinas zu entscheiden oder aber still und ‚brav‘ alles zu erdulden. Doch was ist das für ein Leben. In unseren Breitengraden dürfte dieses Leben, welches die Palästinenser in Palästina führen, nur von sehr Wenigen als frei und selbstbestimmt bezeichnet werden!?

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Oder: Die ‚braune‘ Willkommens-Einheit!

Oder: Besser späte Einsicht, als nie!

Ja, es ist ein kulturelles Ereignis, der bevorstehende dritte Oktober. Die Deutschen eint dieser Tag. Die Deutschen sind vor allem diejenigen, die sich mit dem Land namens Deutschland identifizieren? Andere sagen, ein/e Deutsche/r ist eine/r, die oder der hier geboren wurde, egal welcher Herkunft! Am einfachsten ist vielleicht doch zu sagen: Jede/r, der oder die einen deutschen Pass hat, ist so ein/e Deutsche/r.

Im Osten von Deutschland soll es recht viele Gemeinden geben, in denen nahezu ganze Straßenzüge mit leerstehenden Häusern zu finden sind. Das hat mit der Überalterung und natürlich dem Wegzug gen Westen nach der sogenannten Wende zu tun. Nun, inwieweit sich was gewendet hat in der Republik seit der Wende, das ausgerechnet hier darzustellen erübrigt sich, da diese Frage eh all abendlich in diesen Tagen auf irgendeinem Fernsehkanal ausführlicher beantwortet wird – seit 24 Jahren. Letzteres zeigt uns, Antworten darauf scheinen sich nicht so leicht zu erschöpfen; und warum kann zum Ausgleich mal nicht davon gesprochen werden, dass all der freie Wohnraum im ehemaligen Osten mit Flüchtlingen gefüllt wird? Das könnte man doch wohl auch im Namen der Solidarität veranstalten, die wir aus dem Westen jahrelang per Solidaritätszuschlag in den Osten bezahlen. Außerdem hat der deutsche Innenminister, glaube ich war es, klugerweise erkannt, dass es nicht geschickt wäre, die langsam immer häufiger auf die Barrikaden gehenden Flüchtlinge nach Religion und Herkunft in ihren behelfsmäßigen Unterbringungen zu trennen. Warum kann daraus nicht geschlussfolgert werden, dass es daher sehr wohl ein angemessenes Mittel wäre, die Ostdeutschen und ihre Städte mit den vielen leerstehenden Häusern zu einer eher gut gemeinten und offensichtlich erforderlichen Kontaktaufnahme zu sogenannten Ausländern zu ermutigen, beziehungsweise sie mit einer so gearteten solidarischen Maßnahme zu konfrontieren, vor dem Hintergrund der oft vorkommenden rassistisch motivierten Übergriffe vor Ort? Besser sie lernen den Umgang mit den ‚Fremden‘ und Toleranz ihnen gegenüber etc. bald, als vielleicht nie, oder?
Auch im ehemaligen Westen kennt man das Problem der Intoleranz und des Rassismus. Die beiden Letzteren wurden leider nicht ganz oder vollständig in Ausstellungen oder Installationen zum Naziterror in Lörrach, Freiburg oder meinetwegen Lahr usw. für immer verbannt, die zuweilen besucht werden können – auch nicht in Museen, die manchmal wirklich gut bestückt sind zum Thema.

Von Beschlagnahme, vordringlich im ehemaligen Westen der Republik, war gestern Abend die Rede im TV, als es um Wohnraum für die durchaus vielen Flüchtlinge ging, wo doch, wie gesagt, in manchen Oststädten Straßenzüge leer stehen; und Ausländer gejagt werden, eventuell nur, weil viele der Ostdeutschen mit diesem Phänomen nicht ausreichend konfrontiert werden und wurden.

Sozialer Unfriede steht aber leider an in der Bundesrepublik. Wollen wir uns doch da bitte nichts vormachen, wenn die Dinge so weiter betrieben werden, wie sie betrieben werden. Warum sich dann eigentlich nicht den einfacher zu schlichtenden Unfrieden auswählen: den mit renitenten Bürgern aus dem Osten, anstatt den mit inzwischen mehrheitlich Kriegs- und aufstandserprobten Flüchtlingen, die eh nicht mehr viel weltlichen Besitz zu verlieren haben und deren Sprache hier nur wenige sprechen, geschweige denn ihren kulturellen Hintergrund verstehen oder einigermaßen zutreffend einschätzen können?

Nur wenige Deutsche mit sogenannten ausländischen Wurzeln ziehen in den Osten Deutschlands, und das aus ganz praktischem Grund: Man will seine Ruhe haben vor den Nazis dort, sich und seine Angehörigen keiner derartigen Gefahr ausgesetzt sehen, auch nicht, finde ich, die unerträgliche Situation der geringeren Bezahlung seiner Leistung im Osten miterleben. Dennoch leben inzwischen als Mutige zu bezeichnende Deutsche mit ausländischer Herkunft und andere Ausländer im Osten: (ehemalige) Türken, Araber, Vietnamesen etc.

Einen dieser Deutschen mit ausländischem Hintergrund habe ich vor kurzem interviewt. Deutsch-Amerikaner ist er. Er ist in Deutschland aufgewachsen – im ehemaligen Westdeutschland und dann später in Westberlin. Sein Vater, wie er sagt, ist 2/4 schwarz, ¼ weiß und ein weiteres Viertel rot, wie man sagt. Seine Mutter ist Deutsche mit ein bisschen polnischen, französischen und ‚natürlich‘ deutschen Vorfahren. So weit so gut, wenn da nicht seine braune Hautfarbe wäre, die in seinem Leben mal positiv, mal negativ, aber vor allem immer wieder eine Rolle spielt. Berlin verließ er, weil ihm die ständige Gefahr, seiner Hautfarbe wegen von den unterschiedlichsten Mitmenschen geschnitten, bedroht und schief angesehen zu werden, wenn er den Umkreis des ehemaligen Westberlins verließ, „langsam auf den Senkel“ ging. Jetzt wohnt er am anderen Ende der Republik, hier in der badischen Provinz in einem kleinen Dorf. Journalist ist er, Freelancer.

Er sagt: „Das Ding mit der Willkommenskultur ging ja schon immer ab. Soll heißen, als ich hier hoch kam, haben die mir gleich einen Platz angeboten im Sitzungssaal der Gemeinde, bei den anderen Journalisten. Hab ich dankend abgelehnt. Muss mich nicht so exponieren, mag das Klüngeln mit den Mächtigen nicht sonderlich. … Und eines Tages flattert ein Brieflein ins Haus, in dem steht, hey du da, du kriegst den vollen Inhalt der Einladungen zu den Gemeinderatssitzungen nicht mehr. Wat?, fragte ich mich da. Nur weil ich dort nicht absitze? Also schrieb ich denen eine Email. Wusste gar nicht, dass es eine Anwesenheitspflicht gibt, schrieb ich. Bin doch Journalist, dem das Zeug zusteht.
Jetzt muss man sich hier schon zensieren lassen?
Kann ich nicht nachvollziehen. Eine Antwort auf jene Email erhielt ich nie. Ließ das Ding dann etwas ruhen. Dann wurde es mir nach Monaten doch etwas sonderbar zumute. Musste jetzt einfach schon allein aus journalistischen und humanistischen etc. Gründen herausfinden, wer hier nicht richtig tickt: ich oder die? Bislang weiß ich das noch immer nicht so ganz wirklich, aber bald.

Als ich dann vor dem Menschen da im Rathaus stand, mit dem ich bislang der Angelegenheit wegen nur an der Strippe gesprochen hatte, der mich ja mal so nett willkommen geheißen hatte vor einer Gemeinderatssitzung, sagt der mir doch glatt in seinem Büro so etwas wie Folgendes ins Gesicht: Sie vermuten ja nur, berichten keine Ergebnisse der Sitzungen. Und zu denen kommen Sie auch nie. Nie, das stimmt nicht, sagte ich. Hallo!? Jetzt macht der hier schon meine Hausaufgaben, womöglich trete ich demnächst noch zum Diktat bei ihm an?
Kommen Sie, gehen wir von Büro zu Büro und fragen wir, ob sie jemand kennt hier im Rathaus, meinte er und wollte schon aufstehen. Ich kam mir vor wie in einem Tribunal, wie einer, den es galt, an den Pranger zu stellen, so in etwa wie ein entlaufener, geteerter und gefederter Neger in den ehemaligen Südstaaten der USA. Ich wartete nur noch darauf, dass er mich am Ärmel oder sonst wo packt und durch die Büroräume schleppt: Hier guckt ihn euch an. Ist der das? Ja!
Solche Bilder stecken nun mal in meiner persönlichen Vita und/oder Erinnerung – nicht Genetik. So ist das halt. Jedem sein Los!?

Dieser Zuständige da im Rathaus nimmt sich also heraus, mir zu erklären, wie ich meine Arbeit zu tun habe. Ob er das auch bei einem weißen Kollegen tun würde, das bezweifle ich sehr, vor allem, wenn der von einer der Tageszeitungen kommt. Der spricht von Geheimnissen, die in den Einladungen stünden – was totaler Quatsch nur sein kann. Spricht vom Verlag oder der Druckerei, der oder die diese Einladungen für die Gemeinde macht und droht mit einer urheberrechtlichen Klage. Das Ding versteh ich schon mal gar nicht, wo stets Ross und Reiter von mir benannt wurde.
Das heißt dann wohl, der Verlag oder die Druckerei schreibt der Gemeinde geheim zu haltende Einladungen, formuliert die gar etwa, ist womöglich inhaltlich der Urheber einer Materie, die von der Gemeinde für öffentliche Sitzungen den Journalisten und den Ratsmitgliedern Das ist schon fast Berufsverbot. Komm hier nie wieder her, hör ich da in mir jemand schreien.

Ey, da hab ich echt nicht schlecht gestaunt. Das war wie in den Filmen, die man als so sieht, wo ein Journalist im Netz einer wie auch immer gearteten Krake zappelt – am Abgrund turnt. Das hat Erinnerungen wach gerufen – bis in die Kindheit.

Das heißt, vom Bürgermeister und diesem Menschen, die ich eigentlich als OK in Erinnerung habe, werde ich neuerdings diskriminiert, hoffe, ich erhalte demnächst kein Dorf- oder Sitzungssaalzugangsverbot: entweder wegen dem, was ich da so schreibe und was scheinbar wenig gefällt, oder weil ich nicht zu den Gemeinderatssitzungen komme, oder weil ich angebliche Geheimnisse verrate, was auf den Unterlagen so nirgends vermerkt steht. Ich wurde nie darauf hingewiesen, dass es sich um Geheimzuhaltendes handelt. Oder es ist eben so, weil ich ein Dunkelhäutiger bin, der es auch noch wagt selbstbewusst aufzutreten. Selbstbewusst sein wird bei Menschen meiner Hautfarbe erfahrungsgemäß schnell als arrogant oder frech erkannt in Mitteleuropa, wahrscheinlich, weil solche wie ich zu oft den Bückling machen und machten vor Kameras und dann auch ganz real: Master bitte, bitte darf ich mal?
So ungefähr sehe ich derartige Angelegenheiten zuweilen sozusagen notgedrungen, wenn ich nicht erhalten soll, was andere im gleichen Job, in der gleichen Schule, Uni etc. erhalten. Dem ist so insbesondere dann, wenn anscheinend alle weiteren Kriterien ausgeschlossen werden können und eigentlich nur noch die Hautfarbe mal wieder als der Hauptantrieb übrigbleibt als Erklärung. Klar, dass das von denen selbstverständlich politisch korrekter Weise nicht eingestanden wird. Wären ja auch schön blöd, wenn er oder sie das täten? Manchmal denke ich, dass die Diskriminierung des Anderen einfach bei vielen so tief drin ist, dass sie sich dessen häufig gar nicht bewusst werden.
Damals, als ich noch klein war und irgendwo im Dorf irgendwas gestohlen, kaputt gemacht oder verschwunden war, kam aus der befreundeten Nachbarschaft hin und wieder an unser Ohr herangetragen: „Die sagen im Dorf: Das war bestimmt der Schwarze, der von den Zugezogenen.“

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So viel zu unserem deutsch-amerikanischen Informanten vorerst.
Sogar in der Lindenstraße ist dieses Phänomen schon thematisiert worden. Es gibt in dieser Fernsehreihe eine dunkelhäutige Ärztin. Als sie neu dazukam als Charaktere, wurde ihr Alltag unter anderem mit kleinen Hinweisen auf diesen versteckten Rassismus in unserer Bevölkerung vorgeführt: Oh! Hallo, Sie wohnen hier? Was, Sie, wie Sie sind Ärztin? Diese Szene wurde mit entsprechender Kameraführung unterlegt, mit Schwenk auf sie von oben, was vielen wahrscheinlich sofort bekannt vorkam und entsprechend verstanden wurde.
Was sagte Cem Dalaman vor ein paar Tagen in einem Radiosender aus Köln (wdr köln radiosu) so in etwa: Ich lebe in Deutschland. Bin hier geboren. Und ich kann einfach nicht verstehen, dass bei uns in den Redaktionen oder Fernsehanstalten noch immer nicht durchgedrungen ist bei den Kollegen nach über 30 Jahren türkischem Leben in Deutschland, wie unsere Namen richtig ausgesprochen werden – weil sie die Aussprache einiger weniger Buchstaben des türkischen Alphabetes einfach ignorieren. Ein anderer Türke, den ich neulich in einem Interview im Fernseher sah und dessen Namen nicht mehr erinnert werden kann, der im Alter von zwei Jahren nach Frankfurt kam mit seinen Eltern und sich offenbar als Schauspieler hier in Deutschland in die öffentliche Wahrnehmung spielte, Abitur hat, was er immer wieder betonte, sprach davon, dass er, der akzentfrei Deutsch spricht, noch immer nur Rollen erhält (sei es im Fernseher oder sogar beim Hörfunk), in denen ‚Ausländer‘ zu besetzen sind, wo, wie er meinte, sogar noch nicht mal mit ausländischem Akzent gesprochen werden soll.

Die Wiedervereinigung läuft so besehen wahrscheinlich, seit der Zweite Weltkrieg zu Ende ist. Die Vereinigung der Deutschen mit den Deutschen mit sogenannter ausländischer Herkunft hat, wie man hört, ihre eigenen Begrenzungen, die jeden Tag erweitert und aus der Welt geschafft werden (wollen und sollen). Es ist indes zu befürchten, dass aber die allgemeine Wiedervereinigung, die auch die Problematik von Ost und West umreißt, die eher darauf ausgerichtet zu sein scheint, über Generationen hinweg irgendwann mal zu funktionieren, meiner Meinung nach unter dieser verhältnismäßig langen Zeitspanne einer oder zweier Generation nicht betrieben werden sollte, da die Menschen, wenn innen- und außenpolitisch weiterhin alles einigermaßen gut geht, mehrheitlich 70 Jahre alt werden. Das heißt, der angestrebte Wandel will mehr Unterstützung und nicht vordringlich den Ablauf von Generationen aussitzend geschehen.
Arabisch, Mandinka, Chinesisch und Türkisch etc. in Hauptschulen als Hauptfach, so entsprechender Bedarf oder Interesse dafür ermittelt wird und die Lehrkräfte aufgetrieben werden können, Geschichte gemischt mit mehr Ethik, wie auch die Biologie, zum Beispiel ein obligatorisches Auslandsjahr irgendwo in Europa nach dem Abitur und ein weiteres Jahr im Anschluss oder davor als Berufsfindungsjahr ebenfalls in einem weiteren oder dem selben Staat im Ausland, das wäre wünschenswert. Diejenigen, die danach zum Militär wollen, können dann dorthin gehen und der Rest macht seinen Weg ins berufliche Leben oder an die Uni etc.
Weg mit den Gymnasien, in denen schon ab der zwölften Klasse das Abitur unbedingt gemacht werden kann, gemacht wird. Was soll diese Hetze, was die Eile?

Wohin übereiltes Handeln führt, zeigen uns das etwa bereits stetig aber sicher die Folgen der damaligen Wiedervereinigung Deutschlands?
Was diese negativen Folgen alles sind, verehrte Leser, hören und sehen Sie gewiss zur Genüge im Fernseher in diesen Tagen. Somit mag ich das von manchen bereits als das Unwort 2015 auserkorene „Willkommenskultur“ positiv wenden oder halten, es als mental positive Folge der Vereinigung sehen, trotz der einen oder anderen Darstellung, die hier wiedergegeben wurde – und den aufgezeigten Mängeln an sich. Diese Willkommenskultur, die im Prinzip gar nicht so neu ist in Deutschland, möge sich nicht zu schnell auflösen oder verflüchtigen, wie der oben zitierte Deutsch-Amerikaner auch noch meinte, er sagte:
„Anfänglich ist es irgendwie immer so, da sind die Leute freundlich. Schnuppern dich ab. Checken dich aus. Und dann kommt der Tag, an dem du Farbe bekennen darfst oder sollst zwecks Einstufung – vor allem, weil die anderen dir ihre Farbe zeigen: rot, gelb, grün oder, was glücklicher Weise – oder vielleicht auch unglücklicher Weise – noch nicht auf Verkehrsampeln und andernorts gezeigt wird: braun!

Braun, braun, braun blüht der Enzian … . Das sollen sie in Deutschland fortan singen – positiv diskriminierend! Ha-Ha-Ha-Ha!“ – sagte er noch zum Schluss. Für all diejenigen, die mit dem Enzian, der im Lied von Heino in der Farbe weiß blüht: Dieses Lied ist für gewisse Kreise eine Hymne auf die sogenannte weiße Rasse Mensch, so wie der Song „schwarz-braun ist die Haselnuss“, der auch gern gesungen ist, eine Anspielung auf die politische Gesinnung ist. Bekanntlich trugen Teile der Nazis eine braune Uniform, die sogenannten Braunhemden.

Apropos: Die ausgerufene Willkommenskultur ist wunderbar, scheint vor allem aber bei den sogenannten deutschen Deutschen anzukommen. Jedenfalls entsteht dieser Eindruck im Fernsehen, da dort als Helfer meistens dieser Typ Deutsche/r in diesem Zusammenhang zu sehen ist, der sich zu seinem Engagement mit den Flüchtlingen äußert.
Doch es gibt da eben einen gern und schon lange wenig beachteten potentiellen Art Gegenspieler, der sich seine Position in dieser Angelegenheit eher nicht ausgesucht hat. Die Rede ist von den hier om Deutschland seit Jahren lebenden sogenannten Ausländern und Asylsuchenden, die so ihre Erfahrungen gemacht haben und machen mit dem System und seinen Leuten: mit der direkten oder versteckten Ablehnung vieler Leute oder ab und an auf der einen oder anderen Behörde, die durchaus mitbekommen haben, wie die Milliarden für Banken und demnächst womöglich für VW verwendet werden, die also sehen, wie geprasst und gemacht wird und trotz Versprechen noch nicht einmal die in Aussicht gestellten Gelder in vollem Umfang für die UN gezahlt werden, um den Notleidenden zum Beispiel in Syrien besser helfen zu können, die die betriebenen Waffenhandel der BRD mitverfolgen und eins und eins zusammen zählen können, und die, längst nicht zuletzt, die Sprache des einen oder der anderen neu Angekommenen sprechen und wohl wenig Solidarität dahin gehend zeigen werden, nun vor allem die guten Seiten in Deutschland und der Deutschen hervorzuheben. Sie werden unter anderem berichten, dass indem man sich mächtig zu Wort meldet, sich verbündet, hier eher Gehör gefunden werden kann.
Und das, von dem die Rede gerade ist, ist ja wohl schließlich auch Demokratie, was bislang allerdings noch als Randale oder dergleichen betitelt wird.
Viele der hier angekommenen Flüchtlinge scheinen indes begriffen zu haben, dass man sie, so wie ihre Vorgänger, schon wieder, ja wohl, schon wieder, am hießigen Reichtum und Wohlstand eher mangelhaft teilhaben lassen will. Dass diese Ansicht verschroben und vielleicht auch eher falsch ist, wird die jetzige Welle von Einwanderern, die mehrheitlich wissen, wer ihnen die Suppe der Flucht, des Krieges zu Hause auch noch ein eingebrockt hat, nämlich die EU unter anderen, nicht so demutsvoll hinnehmen wie die einstigen Gastarbeiter. Das, was ihnen ‚großzügiger Weise‘ hingestellt wird, von dem wissen die meisten, dass es kläglich ist im Vergleich. Das sind Menschen größtenteils, die nicht wie größtenteils wir hier zu Sesselpupsern verkommen sind. Der Reichtum, in dem wir leben und der schon gar nicht mehr von vielen wertgeschätzt wird, hat diese Flüchtlinge im Allgemeinen noch nicht bequem und lahm gemacht. Diese Welle von Einwanderern ist a) besser informiert und ausgebildet in der Regel als die Einwanderer der Einwanderungswellen davor, und b) hat im Gegensatz zu den einstigen sogenannten Gastarbeitern noch weniger zu verlieren als jene. Viele treffen hier in Deutschland auf sogenannte Communities aus ihren jeweiligen Herkunftsländern, die hier bereits seit vielen Jahren leben, die das scheinbar freundliche Gesicht zuweilen konterkarieren, welches den Deutschen ’netterweise‘ dann einfiel, als die Hartherzigkeit ihrer politischen Führung im Verbund mit anderen Staaten die letzte Flucht erforderlich machte für viele Flüchtlinge, und zwar zunehmend auch ins ferne Europa. Und diese inzwischen über Jahre hier lebenden Ausländer und Asylanten, die womöglich immer noch arbeitslos sind und in muffigen Unterkünften etc. überwiegend leben dürfen, haben letztlich, wie mehrheitlich zu hören ist, wenig Lust, ihre neuen Konkurrenten in der geradezu euphorisch aufgestiegenen Willkommenswolke zu belassen – weil sie diese als ungerecht ihnen gegenüber empfinden und weil sie wissen, es ist besser, gleich aufzuwachen. DAs trifft auf viele, gewiss nicht alle zu, versteht sich.

Es gibt also Ausnahmen. Meine Analyse ist daher unter anderem: Die Neuankömmlinge vorrangig von gut bezahlten, wirklich gut bezahlten Deutschen, auch denen mit ausländischer Herkunft, oder mit sogenannten Ausländern und/oder Asylsuchenden betreuen zu lassen, anstatt Leute dort in die Unterkünfte der Flüchtlinge zu stellen, die a) nicht gut bezahlt werden oder b) wenig Erfahrung mit den jeweiligen Kulturkreisen haben. Wichtig ist aber: eine gute, wohl gemerkt gute Bezahlung und damit einhergeht dann gewissermaßen auch die längst fällige Anerkennung des einen oder der anderen, die da zum Einsatz kämen, sei es sozial oder gar den jeweiligen Aufenthaltsstatus betreffend. Ansonsten … . Guten und schönen Feiertag!

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