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Archive for September 2015

Wer sich in Zypern etwas länger aufgehalten hat und womöglich noch Türkisch spricht, dem sind gewiss die vielen Türkischsprecher aufgefallen, die sich zum Beispiel gerne Zentral in der Stadt Nikosia – selbstverständlich auch andernorts – treffen: am Elefteria Square. Am Dialekt erkennt man, dass es sogenannte Pontis sein müssen, Siedler vom Schwarzen Meer. Anfänglich dachte ich, dass das Wort Ponti ein Schimpfname sei und die Leute aus der östlichen Gegend des Schwarzen Meers, die nach Zypern gelangt sind, als Mäuse verunglimpft werden. Die Brücke vom einstigen Gebiet namens Pontus auf Ponti zu schlagen, war mir lange verwehrt. Im Griechischen ist die Maus nämlich die „ponti“.
Einen guten Ruf haben sie dennoch nicht. Einbrüche, Raub und Mafiageschäfte werden ihnen nachgesagt. Das allgemeine Schicksal von Zugezogenen eben.

Heute Morgen gerade gelesen, dass es in Flüchtlingsheimen in Deutschland zunehmend zu Schlägereien kommt. Ein Informant ließ mich wissen, der in Freiburg als syrischer Flüchtling untergekommen ist, dass die Sprachmittler wahrscheinlich einen hohen Anteil an den Spannungen haben dürften. Sie würden nicht so unparteiisch handeln wie die Deutschen – bevorzugten also Leute aus ihrem Kulturkreis beziehungsweise Herkunftsland und gäben Kommentare von sich, die ihre Sympathie oder Antipathie mit den jeweilig vorhandenen politischen Systemen (Irak, Iran, Syrien etc.) durchaus spiegelten. Es seien sich eigentlich alle einig, dass es besser sei, wenn Deutsche dort ihren Dienst versehen würden anstatt diesen parteiischen Leuten. Doch nun zur Fortsetzung der teilweisen Übersetzung des Artikels aus der zyprischen Tageszeitung Alithea vom 02. August 2015 von Giorgie Pulakou:

Sicht auf die Geschichte der Griechen im Kaukasus

Der weitere Umkreis des Kaukasus ist den Griechen allseits bekannt gewesen, wie in der griechischen Geschichte zu lesen steht, wobei die Griechen vom Schwarzen Meer oft im Zentrum der Streitigkeiten standen, so auch die Spannungen zwischen Türken und Griechen und Letzteres bereits seit byzantinischer Zeit. Den Griechen ist die Gegend also seit dem Altertum bekannt.
In der griechischen Mythologie wird ein skythischer Hirte „Kaukasus“ genannt, nach Maßgabe der einen Darstellung tötete er [den Gott] Kronos, half diesen zu stürzen und Zeus zu retten. Um [den erwähnten] Kaukasus zu ehren, benannte Zeus das [ uns bekannte] Gebirge „Kaukasus“. Dieser Name gilt bis heute.
Bekannt sind auch die Geschichten des Iosona, der bis dorthin gelangte auf der Suche nach dem blonden Riesen, dem Heraklion, welcher mit dem Geschlecht der Amazonen um den Gürtel der Königin Ippolitis und die Königskrone der Athener kämpfte. … . Diese Überlieferungen verraten uns, dass bereits seit dem Altertum Beziehungen der Griechen dorthin bestanden. Die Ansiedlung der Griechen im Kaukasus ist ein Phänomen, welches im 10. Jahrhundert vor Christus seinen Lauf nimmt und gipfelte im 8. Jahrhundert vor Christus in der Kolonisation durch die Griechen … .
Das war zum Zeitpunkt, als Militos Herakleion aufbaute wie auch das heutige Sinop, von wo aus das heutige Trabzon gegründet wurde. Von da an formte sich stetig eine blühende griechische Bevölkerung im Kaukasus, die dort Jahrtausende überdauerte.
Danach wurde der Kaukasus ein Teil des römischen und danach des byzantinischen Reiches, wo er eine wichtige Rolle beim Erhalt des Hellenismus spielte. Nach der Eroberung der Stadt [Trabzon] 1204 seitens der Kreuzritter wurde von der Dynastie der Komninon im äußersten Norden von Kleinasien und des Kaukasus das Kaiserreich von Trapezunt errichtet, welches der letzte, unabhängige griechische Staat war, der von den Osmanen im Jahr 1461 eingenommen wurde.
Die osmanische Eroberung des Pontus (ein Teil der Schwarzmeerregion) fand in drei Phasen statt. Die erste begann mit der Einnahme 1461 von Trapezunt und entwickelte sich im 17. Jahrhundert dahin, dass die Osmanen gegenüber dem Hellenismus im Pontus eine ziemlich neutrale Stellung einnahmen. Die zweite Periode beginnt in der Mitte des 17. Jahrhundert und endet mit dem ersten türkisch-russischen Krieg und dem Vertrag von Küçük Kaymarcık 1774. Auch der Krieg mit der Orthodoxie Russlands charakterisiert diesen Zeitraum religiös motivierte Gewalt gegen die Griechen und deren Exislamisierung durch gewaltbereite Banden. Die dritte Periode beginnt nach dem Vertrag von Küçük Kaymarcık und auch etwas mit der Katastrophe in Kleinasien 1922 [als die Griechen aus jener Region und der um Izmir vertrieben wurden].
Charakteristisch ist der systematisch durchgeführte Versuch der dortigen Staatsmänner, die freiheitlichen Gesetze zu Gunsten der Christen nicht zu befolgen – sowie das Aufkommen des türkischen Nationalismus am Anfang des 20. Jahrhunderts.
Im Laufe der Jahrhunderte, und je weiter sich das zaristische Russland Richtung Süden ausbreitete, wurde die Region (Pontus) von der Türkei geplündert. Als die zwingende Notwendigkeit verstanden worden war, die verlassenen Gebiete am Schwarzen Meer wieder zu besiedeln vermittels eines neuen Volkes, kamen nur Griechen oder Armenier in Frage. Die Russen stellten den neuen Siedlern das Land und erteilten ihnen Vorrechte unter der Voraussetzung sich einer bestimmten Struktur zu fügen, so auch der Russifizierung ihrer Namen.
Zum Beispiel besteht Mariopolis, die seit 1810 bis ins Jahr 1873 mit den umliegenden Dörfern griechischer Verwaltung unterlag und griechisches Recht bis 1859 hatte, dem Erlass, dass es nicht erlaubt war, andere Ethnien dort ansiedeln zu lassen.

Die hauptsächliche Motivation für Griechen in den Kaukasus zu ziehen ab dem 18. Jahrhundert nach Christus, also ihres Wegganges aus der Stadt Andrianopoli nach Georgien vordringlich, war wegen der schwindenden abbaubaren Menge an Erz dort. Ein weiterer Zug von Griechen in Richtung der russischen Gebiete fand in der Zeit der Volkserhebungen statt, wie auch in den drei russisch-türkischen Kriegen, die folgten. 1880 wurde in der Region Schwarzes Meer – im heutigen Trabzon – ermittelt, dass mindestens 100.000 Griechen aus der Krim und dem Kaukasus dort angesiedelt hatten.
Ab 1880 begann also dieser Umzug der Griechen, so auch von der Küste der Pontus-Region. Es wird angenommen, dass zwischen 1775 und 1884 ungefähr 300 – 350.00 Griechen aus dem Osmanischen Reich ins russische Staatsgefüge umzogen. Die Volkszählung ergab allerdings, es sollen dort lediglich 207. 536 Griechen leben. Wahrscheinlicher ist, dass diese Zahl die Wirklichkeit nicht wiedergibt, zumal [bei jener Volkszählung eh] genug Nationalitäten unberücksichtigt blieben – entweder wegen Problemen mit der angewandten Methode [der Volkszählung] oder wegen politischen Zielen. Und das geschah wiederum abhängig von der slawischen Ideologie. Als Nachweis dessen dient [uns] die „Große Sowjetische Enzyklopädie“, die eine griechische Bevölkerungszahl 1897 von 462.000 Personen angibt. Der [Haupt-]Grund für den Zug der Griechen vom Pontus nach Russland war der karge Gebirgsboden in der Gegend, der sich zur landwirtschaftlichen Bewirtschaftung schlecht eignet, sowie der Beginn der Verfolgung durch die Türken, wobei die Ereignisse und die Lage in Russland auch nicht gerade ideal waren, wegen der kalten Schulter, die sie ihren Glaubensbrüdern, den Griechen, zeigten.

Die Griechen in Russland waren nicht untätig und suchten weiterhin einen idealen Platz, um sich nieder zu lassen im russischen Reich – neue Gemeinschaften galt es zu kreieren, auch in Sibirien, wo eine Gruppe von 1.500 Griechen sich niederließ, so auch in Taschkent (Uzbekistan) und in Aschsabant (Türkmenistan).
Die Griechen, die sich in Russland niederließen im 18. Jahrhundert hatten indes keine besonderen Schwierigkeiten. Die Probleme der griechischen Sache wegen fallen zusammen mit dem sogenannten „griechischen Plan“ von Katherina der Großen, um die russischen Kontrolle des Byzantinischen Reiches wieder zu erlangen. Dem Verlassen dieses Planes folgte die Umsetzung der pan-slawischen Ideologie durch Russland. Teil dieses Unternehmens der Slawisierung der Griechen durch den russischen Staat geschah mit der Auferlegung der russischen Sprache in den [griechischen] Schulen wie auch in ihren religiösen Riten, während systematisch verboten wurde, Griechisch zu unterrichten. Das starke nationale Bewusstsein der Griechen vom Pontus ist hauptsächlich der Grund dessen, dass die griechische Bevölkerung zusammen gehalten hat.

Griechen und ideologische Motive

Ein historisch interessanter Fall ist die Beziehung der Griechen vom Pontus zu den ideologischen Strömungen in der dortigen Region, wie auch die Ideen, die hauptsächlich aus Griechenland kamen. Die griechischen Intellektuellen der Region waren für zwei Strömungen empfänglich: aufständische Ansichten, die aus Russland kamen und die Ideen der Griechen Griechenlands. Darüber hinaus arbeiteten die Griechen vom Pontus bei der Volkserhebung 1821 mit den Revolutionären zusammen; in Anwendung war auch die Zusammenarbeit der Griechen im Putsch 1905 in Russland.
Die Beziehung der Griechen vom Pontus mit dem ethnisch orientierten Erwachen hatte bereits seit dem 18. Jahrhundert begonnen und ging so weiter nach der erfolgreichen Unabhängigkeit des größten Teils von Griechenland 1830, ebenso auch wie das Verhältnis Griechenlands zum Osmanischen Reich, welches wiederhergestellt wurde. [Vordringlich] durch die Versendung von Lehrkräften aus Athen gelang die Aufrechterhaltung des ethnischen Bewusstseins. Langsam brachte die Errichtung griechischer Schulen in den Regionen, wo es keine Verbindung zu Griechenland gab, den Griechen vom Pontus die Entwicklung eines unfreien Klimas – so abgehandelt in der griechischen Presse jener Zeit -, was auch die Griechen in Russland beeinflusste.
Letztere wurden tiefgehend beeinflusst durch den Putsch 1905, insbesondere, was die besonderen Forderungen ihrer griechischen Gemeinschaft angeht. Ausdruck dessen war die Gründung der „Griechischen Gesellschaft“ in Russland. Darüber hinaus brachten griechischsprachige Zeitungen, der „Kosmos“, als erste das Thema einer Organisation der Griechen in Umlauf, wie auch die Vereinigung der Griechen vom Kaukasus mit denen vom Pontus.
Der Ausbruch des I. Weltkrieges brachte gewisse Erwartungen bei den Griechen in der Region mit sich, im türkischen wie auch im russischen Staat. Im April 1916 führte der Ausgang der Streitigkeiten (russisch – türkisch) zum Ende der türkischen Oberhoheit im Osten des Pontus und zur Errichtung einer frühzeitigen griechischen Führung, die wärmstens von der griechischen Presse unterstützt wurde. Sie bleibt uns als „Demokratie Pontus“ bekannt mit der Hauptstadt [des heutigen] Trabzon. Von Seiten der türkischen Administration wurde die Staatsmacht an den Metropoliten, Chrisanthos Filippidis, übergeben sowie an eine drei-köpfige Kommission, die aus Griechen bestand. Beweis des guten Klimas, welches herrschte zwischen den einheimischen Griechen und den Türken ist, dass der Metropolite die türkischen Angehörigen der Region unter seinem Schutz behielt.
Die Vorherrschaft der Bewegung der Bolschewiken, der Rückzug der russischen Truppen aus dem Pontus und der darauffolgende Vormarsch der türkischen Armee um die Region zu unterwerfen, entwurzelte größtenteils geradeu den Hellenismus in der Region. Das Ziel der flüchtenden Griechen war zuerst, Zuflucht in Russland zu finden, um dann von dort in ihre Heimat von vor hunderten von Jahren zu gelangen. Doch der Schrecken der Bewohner vom Pontus hatte noch nicht geendet. … “

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Unterm Strich – unverschämt

Wie entstehen Sekten, wie Selbstmordattentäter, wie kommt es, dass Menschen sich für einen ‚Meister‘ und dessen Ideologie etc. auf die merkwürdigsten ‚Reisen‘ schicken (lassen). Das fragte ich mich angesichts der Gymnasiasten, die sich gestern vor dem Alten Rathaus in Lörrach versammelten, um erstmals die Ausrufung der Demokratie in Deutschland an jenem Ort mit ihrer Anwesenheit zu bezeugen, doch vor allem fragte ich das, wegen dem, was mir gerade kurz davor widerfahren war.

Berlin ist zu meiner Zeit (vor 3-4 Jahren) eine Servicewüste gewesen. Na ja, nicht überall, aber meistens schon. Das Personal in den Kaufhäusern, Krankenhäusern oder in Schulen und in Behörden war meist wenig kundenfreundlich. Auch daher trat ich die ‚Flucht‘ nach vorne an, nach der Region Baden in Deutschland, wo ich ja einst groß geworden bin. Es ist seither merklich besser geworden in Sachen Serviceleistung, dem soll in Berlin allerdings inzwischen auch so sein.
Kaum war ich im badischen Kandern ‚gelandet‘, vernahm ich auch schon: In Lörrach gibt es Chinesische Medizin im Landeskreiskrankenhaus. Meine Erfahrung mit der Akupunktur dort, fiel dann aber nicht so glücklich aus. Doch das sollte nicht davon abhalten, meiner Leidenschaft, der Chinesischen Medizin, dort dennoch eine Chance zu geben – zumal die ja eh vielleicht in Umzugswirren waren, als sie mich akupunktierten – man zog gerade ins Zentrum für Komplementärmedizin nebenan um, auf dem selben Gelände des Landkreisklinikums.
Nein, was habe ich mich gefreut – endlich mal wirklich kompetente Leute. Und dann war da eines Tages diese Uhr an der Wand im Übungsraum, die tut ganz laut und bis in die Ewigkeit scheinbar: „tick-tack, tick-tack … .“

Mir ging das aufdringliche Geräusch mehr als nur bis ins Mark. Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, als ich nett fragte, ob die Uhr auch abgehängt werden kann, womöglich durch eine andere ersetzt, die ich sogar gewillt bin zu bezahlen, als Antwort zu erhalten: „die Wanduhr bleibt“ Das wurde mir in einer Email beschieden, wie bereits zwei Beiträge davor hier geschildert wurde.
Ruhe ist bei Dingen aus Fernost etwas sehr Wichtiges, dass es um einen herum plötzlich ganz still wird – wenn man das Talent besitzt, die Wanduhr zu überhören -, wo bestimmte Übungen durchgegangen werden, Griffe, Attribute, beispielsweise für den Sommer das Herz, die Liebe, dem Respekt und Ehrlichkeit.

Und genau da liegt der Hase begraben: Als Kunde, der sich in meditativer Art und Weise versenken mag, und auch soll, und dann solche Ansagen („Mitgefühl, Respekt“ etc.), die dort ganz offensichtlich selbst nicht berücksichtigt werden, wenn es um die Bedürfnisse eventuell nur einer einzigen Person geht, die sich vom Lärm der Uhr im Übungsraum gestört sieht, fühlt man sich unterm Strich wahrhaft übergangen. Es besteht sogar Gefahr, sich wirklich was äußerst Negatives ‚reinzuziehen‘, derart innerlich verkrampft. Das interessiert dort scheinbar niemanden. Das scheint bereits unter aufsässig zu fallen oder dergleichen, wenn man sagt, dass einem der Uhrenlärm stört, und zwar gewaltig.

Nach Monaten kam ich letzten Montag zurück an diesen Ort, in der Hoffnung, es möge sich etwas geändert haben. Die Teilnehmerzahl war inzwischen sichtlich geschrumpft, noch zwei Hansele sind übrig geblieben. Man musste schon befürchten: wegen der Uhr an der Wand. Jemand dort behauptete jedoch, sie hörte die Uhr gar nicht. Das finde ich sehr bedenklich. Doch noch bedenklicher ist, als ich gefragt wurde, wie es mir geht, ich nicht gewillt war mich zu verstellen, nach all dem, was von sogenannter „Ethik“ gesagt worden war, und ich sagte: „Alles gut und schön, doch vor dem Hintergrund der Uhr dort, hab ich ein Problem, genügend „Respekt“ und „Mitgefühl“ ihrerseits wahrzunehmen, die leider immer noch da hängt, da mir die Uhr wirklich auf den Senkel geht!“
Wer da Serviceleister ist und wer Kunde, ein weiteres Mal verwechselnd, erhielt ich als Antwort in etwa das: Sie bringen nicht den erforderlichen Respekt auf. Ich weiß nicht, ob ich Sie weiterhin hier haben möchte! Das heißt, Sie werfen mich raus?, fragt ich. Es nickte mit dem Kopf zustimmend; und ich wäre lieber tot umgefallen, als nun zu bitten und zu betteln oder mich weiter zu erklären. Ich bin kein tibetanischer Mönch oder sonst irgendjemand, der einem/er Guru bedingungslos zu folgen gewillt ist. Irgendwie schwant mir, wird so eine Bereitschaft zu selbst verneinender Gefolgschaft irgendwie erwartet – oder wie sonst will diese Wanduhr verstanden sein, wenn nicht, eventuell, als ein Instrument der Selektion!? Auf meine Hautfarbe mag ich nicht zurückgreifen als Erklärung für diese seltsame Renitenz, wo doch eh gerade die Willkommenskultur im Lande ausgebrochen ist.
Tick-tack im Gleichschritt, das war doch hoffentlich mal?!
Demokratie?
So etwas herrscht dort oben jedenfalls nicht, und das braucht es auch nicht. Aber es sträubt sich in mir prinzipiell etwas, wenn derjenige, der die Leistung erbringen sollte, demjenigen, der als Kunde dafür bezahlt, gesagt wird, er bringe keinen Respekt auf. Und das alles wegen einer Uhr, die den Kunden stört und die man für wahrscheinlich unter 10 Euro neu anschaffen könnte, damit eine Uhr dann unhörbar ihr Werk verrichten kann, die Kunden nicht unnötig strapaziert etc.
Wenn das nicht verkehrte Welt ist, dann weiß ich auch nicht mehr, wohin die Reise geht! Aber so weit soll es nicht kommen!

Ein Blick auf die Selbstdarstellung der Klinik reicht, um zu sehen, wie daneben die mir wiederfahrene Behandlung dort ist, wo unter „Pflege- und Funktionsdienst“ steht und dort wiederum unter „Achtsamkeit“: „In unserem Pflegealltag achten wir darauf, dass wir jedem Menschen mit Würde und Respekt begegnen. Dabei berücksichtigen wir seine individuelle Lebenssituation und seine Bedürfnisse.
Wir schaffen eine Atmosphäre des Vertrauens und der Sicherheit.
Wir sind achtsam zu uns selbst und im Umgang miteinander, damit wir mit unseren Patienten und deren Angehörigen achtsam sein können.
Wir leben einen offenen Umgang miteinander, geben Raum für Selbstreflexion und Feedback und loten unsere Grenzen aus.“ Oder unter „Kommunikation“ steht: „Wir ergreifen die Initiative zum Gespräch und stellen uns namentlich vor. Wir legen Wert auf eine einfühlsame, verständliche und situationsbezogene Kommunikation.
Dem individuellen Informationsbedürfnis des Patienten entsprechen wir in besonderem Maße.“

Tick-tack, wa? (würde man in Berlin blödeln)

Schade, dass im Zentrum die Richtlinien der Klinik wenig bekannt zu sein scheinen. Denn, wie bereits angeführt, bin ich hoch interessiert an der Materie Chinesische Medizin.
Unterm Strich ist es schade, dass ich da jetzt draußen bin, doch ich kann nicht warten, bis in mir irgendein Wahnsinn ausbricht, nur weil jemand glaubt, mich mit einer Wanduhr in den bezahlten Wahnsinn treiben zu müssen. Unverschämt!

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Türkei und das Erdgas

OK, dass Zypern davon träumt, auf dem Energiesektor eine Art Global Player zu werden wegen seiner Lage zwischen Europa und dem Nahen Osten, ist ja hinlänglich bekannt – vor allem jetzt gerade, wo vor Ägypten anscheinend wirklich eine große Menge Erdgas ausgemacht wurde. Doch wie sieht es damit eigentlich in der Region aus? Dass in Libyen Erdöl gefördert wird, das weiß man, doch weniger bekannt und durchsichtig scheint zu sein, welche Rolle die Türkei spielt. Und das was folgt, wird einigen verständlicher machen, warum der Präsident Erdogan so selbstherrlich auftritt. Die zyprische Alitheia-Tageszeitung hatte am 02. August 2015 eine interessante Beilage zum Thema. Hier also eine weitere Übersetzung aus einer griechischsprachigen Zeitung Zyperns, wie meistens in Auszügen:

„Ökonomische und politische Entwicklungen in den Staaten, die dem Kaukasus nahe sind!

Diplomatie der Pipelines

Beim Treffen der Schwergewichte in Sachen Energie, ist eine häufige Frage gewesen: Wer ist eigentlich der Außenminister Russlands? Die Antwort darauf ist: Gazprom. Das Unternehmen mit dem meisten Kapital in der Welt. Es gilt hinzuzufügen, der ehemalige Bundeskanzler Deutschlands, G. Schröder, ist leitender Berater dieses russischen Unternehmens für Erdgas und Petrol. Daran können wir seine politische und ökonomische Größe ermessen. Parallel kämpfen Länder wie Aserbaidschan, Kazakistan, die Türkei, die USA, Deutschland, andere Förderländer, und nicht nur die von Erdgas und Erdöl, mit Russland um die Hauptrolle, während überstaatliche Organisationen wie die EU versuchen, mit allen Mitteln zu nutznießen. Jedenfalls ist sicher, dass die Energie als Mittel funktioniert, seine Pläne positiv zu realisieren, die zu anderen Zeiten entweder einer vertraglich festgelegte Außenpolitik bedurft hätten oder aber des Einsatzes von Waffen … .

Russland

Der Entscheid Russlands, die Erneuerung des Verlaufs der Pipeline namens South Stream zu planen – über die Türkei -, tut vielen europäischen Staaten weh. Jenen, die ihre Hoffnung auf die South Stream zwecks Stabilität in der EU in Sachen Energie gelegt hatten, wurden enttäuscht. Obgleich dieser Schritt Moskaus aus vielen Perspektiven betrachtet werden kann, erzeugt er in Wirklichkeit viel Spannung in der russischen Strategie im weiteren Sinne.
Die Idee, andere Mächte in der Region zu stärken – überlebenswichtig -, um eine multipolare Lage zu kreieren, gibt der russischen Agenda jetzt Zeit. Das ergibt sich aus den Kontakten und den Vereinbarungen, die Russland einging mit China, Indien und der Türkei. Um mit den starken Mächten zu verhandeln, braucht Russland eine Art Ergänzungsmannschaft. Russland ist eine Energie Supermacht. Und die Förderung von diesen Rohstoffen hat Auswirkungen auf die Außenpolitik auch angesichts des Preisverfalls vor kurzem von Petrol und Erdgas.
Die Richtungsänderung der South Stream gibt der Türkei strategische Wirkkraft auf dem Balkan, im Kaukasus und gegenüber der EU. Durch den Vertrag [mit der Türkei] gewann Russland einen großen Markt mit all dem, was es für seine Wirtschaft mit sich bringt, wobei die Türkei das Erforderliche dazu sicherstellt. Sie erhält Erdgas und gewinnt Einfluss im Gegenzug. Der [zuvor bezeichnete] Schritt Russlands wird erregt und negativ diskutiert im Ausland. Die Kritik konzentriert sich auf die Tatsache, dass es Putin nicht nützen wird, den traditionellen Feind, die Türkei, zu stärken, den geostrategischen Antagonisten. Darüber hinaus gibt es noch Syrien, die Krim, die konfliktreiche Armenien – Aserbaidschan Angelegenheit, wo Russland und die Türkei sich gegenüberstehen, wo alles offen ist [so auch, was Zypern angeht, wo zur Regierungszeit von Xristofias die Republik Zypern durchaus einige Schritte auf Russland zugegangen war, wovon gewiss der eine oder andere noch aktiv wirkt – politisch und/oder in der Diplomatie].

Die Türkei

Erdogan, der bei der Einweihung der Pipeline TANAP eine Rede hielt, die nur eine der Energie führenden Wege ist und dienlich dazu, die Türkei zu einem Energie-Hub zu machen, sagte unter anderem das Folgende: „Die Türkei hat in der letzten Dekade eine vorsichtige Vertiefung ihrer Politiken bezüglich der Pipelines verfolgt … .“ Und wir fügen hinzu: mit vielfachen Auswirkungen in der türkischen Wirtschaft. Es wurde errechnet, dass allein für die Erforderlichkeiten der TANAP in den kommenden Jahren 1,1 Millionen Tonnen Stahl in Rechnung stehen, die gebraucht werden. Die türkische Presse betont unter anderem das Folgende: „Die Annullierung des South Stream Plans durch Russland und die Hinwendung zum geplanten Turkish Stream, hat die strategische Zusammenarbeit auf dem Energiesektor der Türkei mit Aserbaidschan, mit Russland und nahe gelegenen Gouverneuren im Irak (Irakisch Kurdistan) ziemlich autonom Fahrt aufnehmen lassen. … . TANAP vertritt einen wahren, internationalen Plan mit wichtigen Abzweigungen für den weltweiten Energiezweig; er ist eben auch eine hervorragende Chance für den Reifeprozess der BOTAS ( das ist die staatliche Unternehmung der Türkei, die hauptsächlich im Bereich Beförderung von Erdgas und Petrol tätig ist) zu einem internationalen Player im Energiesektor aufzusteigen (Sabah-Tageszeitung 20/03/2015).
Der Plan der Beförderung der Türkei zu einem wichtigen Player in Sachen Energie in der Region bringt neue Tatsachen zur Welt. Das schon charakteristisch zu bezeichnende Beispiel ist der Turkish Stream, der vielleicht die Notwendigkeit der russisch-türkischen Zusammenarbeit signalisiert. Und das in der Region, wo der Bruch der Beziehungen Russlands mit dem Westen weitreichende Folgen hat. Auch wird untersucht, ob eine Unterwasserleitung, israelisches Erdgas über die Türkei nach Europa bringen kann, wo bereits die Rede von einer Vereinbarung auf 25 Jahre ist, das Erdgas-Abkommen, welches die Beziehungen der beiden Länder miteinander verbessern wird.
Auf der 14. Internationalen Türkischen Konferenz für Petrol und Erdgas, die letzten März in Ankara stattfand, wurde sichtbar, dass ¾ der weltweiten Vorkommen von Petrol und Erdgas in Gebieten liegen, die in der Nachbarschaft der Türkei sich befinden, also in Ländern Zentralasiens, dem Kaukasus und im Mittleren Osten.
Abgesehen von der Turkish Stream und der Pipeline TANAP (die Erdgas von Aserbaidschan au der Bohrstelle Schah Deniz nach Europa via der Türkei und Georgien als Abzweiger des South Stream Corridor bringen soll, das unter anderem auch den Pipeline-Verlauf bekannt als TAP beinhaltet) durchziehen die Türkei noch weitere Pipelines, die entweder bereits arbeiten oder in Planung sind. Es gibt zum Beispiel die Blue Stream, die das Kaspische Meer durchzieht und seit Jahren Erdgas in die Türkei bringt. In der Türkei endet auch die Süd-Kaukasus-Pipeline, welche aserbaidschanisches Erdgas vom Schah Deniz anbringt (die Türkei deckt 26% ihres Energiebedarfs aus eigenen Quellen). Gleichzeitig laufen Verträge mit dem irakischen Kurdistan, um dem autonomen kurdischen Gebiet zu ermöglichen, 20 – 30 Millionen Kubikmeter Erdgas über die Türkei abzuleiten. Im Dezember 2014, als die auf 50 Jahre festgesetzte Zusammenarbeit mit der Türkei bekanntgegeben wurde, sagte der Minister für Entwicklung des Irakischen Kurdistans, dass „das Ziel ist, das Erdgas bis 2017 anfängt zu fließen. Nun, viele schätzten, dass das dynamische Erscheinen des irakischen Erdgas auf dem Markt einige Kettenreaktionen verursachen wird. Die Erklärung dessen ist: Das irakische Erdgas ist billiger als das iranische (um 50%). Im gleichen Monat schreibt die arabische Internetzeitung Al Monitor, dass der Iran und Türkmenistan Interesse bekundet haben, sich an die TANAP-Pipeline anzuschließen – auf der Suche nach Netzen zum Vertrieb ihres Erdgases auf die Märkte angesichts der neuen Tatsache, nämlich, einer möglichen Wiederannäherung des Irans mit dem Westen.

Pipelines und Griechenland

Inmitten des großen Durcheinanders bei den Verhandlungen Griechenlands mit seinen internationalen Gläubigern begab sich der [ehemalige] griechische Ministerpräsident nach Moskau zu einem offiziellen Treffen mit Wladimir Putin. Im Verlauf des Treffens mit der Presse, welches folgte, kam heraus, dass Russland Griechenland eine engere Zusammenarbeit angeboten hat in Sachen Erdgas. Dieser Vorschlag wurde von Putin als großer Player gemacht, der die Situation der griechischen Ökonomie [aufs Mal] änderte. Putin sagt, Griechenland könne hunderte von Millionen Euro verdienen durch das Weiterleiten von Erdgas, jährlich. Er fügte hinzu, dass Griechenland dieses Einkommen benutzen könnte, seine Kredite an die Gläubiger zurück zu zahlen. Putin sagte auch, dass Russland die Möglichkeit untersuche, Griechenland Geld zu leihen, um die Arbeit im großen Maßstab in Sachen Erdgas zu schultern – durch die Allgemeinheit. Das war eine Anspielung auf die Turkish Stream, die Pipeline, die im Dezember 2014 der Präsident Russlands verkündet hatte, die eine Pipeline ist, von der erwartet wird, dass sie einen wichtigen Anteil russischen Erdgases nach der Türkei und Europa bringt – die Ukraine ab dem Jahr 2019 umgehend.
Der russische Präsident hatte verkündet, die türkisch-griechische Grenze solle derart Ende 2016 erreicht werden (es wird mit 40 Mill. $ veranschlagt). Ziel ist 2019 russisches Erdgas zu liefern, welches heutzutage über die Ukraine fließt (40% insgesamt der 140 Kubikmeter, die nach Europa exportiert werden) wird entsprechend anstatt an der türkisch-griechischen Grenze sich einstellen. Ein Plan, der nicht nur Bedeutung im Energiebereich besitzt, sondern auch diplomatisch, da derart die Fördermengen der Gazprom nicht mehr abhängen von der feindlichen Ukraine und gleichzeitig der Fluss hunderte Millionen Dollars nicht mehr wie heute von der Regierung in Kiew verschlungen werden. Russland versucht ebenso den europäischen Markt von den amerikanischen LNG – Produkten zu lösen, von denen erwartet wird, dass sie 2016 dort aufkommen, sowie von der Entwicklung neuer Netze, die die Lieferung von Erdgas nach Europa aus Aserbaidschan, Türkmenistan und wenn es die politischen Umstände erlauben, aus dem Iran fördern.
Nach Aussagen des [ehemaligen] griechischen Ministerpräsidenten kann der Bau einer Pipeline, die die Pipeline an die türkisch-griechische Grenze mit der nach Skopje anbindet (von wo das Erdgas nach Österreich durch Mazedonien und Serbien sowie Ungarn fließen könnte), wird großen Einfluss nehmen, bezüglich der Kreation von Arbeitsplätzen in Griechenland.
Darüber hinaus hofft Griechenland, dass eine Vertiefung der Zusammenarbeit des Erdgassektors mit Russland zu einem gehörigen Fluss von russischem Erdgas führen dürfte – auf einem Niveau von 10%. … .Vergleichen wir das russische Paket mit dem der Kreditgeber Griechenlands ist das Ergebnis“ … , dass das Angebot der Russen eigentlich wesentlich günstiger ist, was das Geld angeht.
„Zuletzt. Es gilt darauf zu verweisen, dass Putin ein weiteres Mal nach den 15 Jahren Abenteuer mit der Pipeline von dem bulgarischen Bourgas nach dem griechischen Alexandropoulos in den Wunsch Griechenlands investiert, eine wichtigere Rolle als Knotenpunkt beim Weiterleiten von Energie nach Europa zu spielen, was ja sein Vorschlag an Herrn Tsipras war. … .“

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Mal wieder im Südwesten Deutschlands, in der Stadt Lörrach. Dem sogenannten „Budenfest“ in Kandern erfolgreich ausgewichen. Irgendwie schaffen die es aber immer wieder in dieser Kleinstadt, schönes Wetter zu haben. Ich war im angrenzenden Wald anstatt. Vielleicht geh ich da nächstes Jahr mal hin. Habe alle drei Budenfeste bislang verpasst, seit ich mich hier in der Gegend aufhalte. Mir wird schon ganz anders, wenn ich an all die Fressstände denke, die Leute, die sich durch die Straßen drängen auf der Suche nach bekannten Gesichtern und dann die Reden, die, wie am Waldrand zu hören war, geschwungen werden. Eröffnet wird das Ereignis stets mit dem sogenannten „Rossmarkt“, wurde mir gesagt. Ich geh davon aus, dass Dressurreiter ihre Kunststückchen aufführen. Da steh ich nicht so drauf, weil mich die Vorstellung plagt, die Tiere könnten unnötig getrietzt werden von ihren Reitern, anstatt adäquat unterhalten. So etwas ist mir wenig anschauenswert.
Hoffen wir also, dass die Vereine von Kandern wieder ihre Kassen aufbessern konnten und alle einen großen Spaß hatten.

Im Landeskreiskrankenhaus von Lörrach gibt es ja schon seit Längerem Chinesische Medizin, Massage, Qo Qong etc. Da war ich jetzt schon über 3 Monate nicht mehr, weil im Ausland und verhindert, und keiner hielt es für notwendig, per Email mal kurz durchzugeben, dass das Ding heute ausfällt. Darüber verwundert bin ich allerdings wenig. Weil: Ich hatte gewagt – wiederholt – darum zu bitten, doch diese laute, gleichförmig tickende Uhr von der Wand im Übungsraum zu nehmen, weil die tickt bei mir bis ins Mark, wenn ich da auf Ruhe machen soll. Ging nicht, erfuhr ich in einer Mail – das Ding „bleibt“ an der Wand.

Wahnsinn tobt also überall auf seine Weise, werden Sie denken. Und wenn Sie nicht so denken, dann verehrte Leser, spätestens dann eventuell, nachdem Sie „Aghia Napa“ gelesen haben, den folgenden Beitrag.
Ist Aghia Napa in Zypern etwa ihre nächste, gewünschte Urlaubsdestination, oder gar die ihrer Tochter oder ihres Sohnes? Wenn ja, dann sollten Sie Folgendes unbedingt lesen. Es wurde der griechischsprachigen zyprischen Politis-Tageseitung bereits am 15. August 2015 entnommen, von Sofi Orfanidou und Mirinda Lizandou verfasst und für Sie von mir übersetzt:

„Als wir durch Aghia Napa gingen, um diese Reportage zu machen, versuchten wir, uns in die Lage der Touristen zu versetzen und darüber nachzudenken, warum wir diesen Ort aufsuchen sollten, um unsere Sommerferien hier zu verbringen. Wir fanden 100 und 1en Grund Aghia Napa zu wählen: des klaren Meerwasser wegen, der weiße Sandstrand, der kleinen Reeden und Meerbusen wegen, die zum Tauchen ideal sind sowie für andere sommerliche Aktivitäten, wegen dem Service, den es dort gibt, wie an jedem geschäftsmäßig betriebenen Strand, der romantischen Atmosphäre wegen, die beinahe überall versteckt aufzufinden ist, bis hin zu den Hotels, die zumindest scheinbar so aussehen, als würden sie sich nicht von Hotels anderer touristischer Gegenden unterscheiden.
Sondergleichen sind die Strände von Greko und Kermia, wo die Wellen die Felsen wirklich zu Statuen geformt haben, wo an die 36 Orchideen-Arten gedeihen, einzigartig sind auch die Pflanzen an der Küste dieser Gegend, wunderschön die Landkappelen und die Klöster, beeindruckend die Gräben der Großen Insel [Zypern wird so im Griechischen genannt] und romantisch der Hafen. Außergewöhnlich ist auch der Park mit den Kakteen, der gerade vor kurzem angelegt worden ist, wie auch der mit den Skulpturen und noch einige andere Dinge, die in Aghia Napa angetroffen werden können. Es wäre eine Auslassung, wenn nicht die zig Restaurants, Schenken, Tavernen, Cafeterien und Nachtclubs erwähnt würden. Die gibt es in jeder kleinen Straße wegen des Nachtlebens, die sie ja [im Prinzip] erschuf.

Tourismus der Minderjährigen

Obgleich, die Art Nachtleben sowie das Niveau der Touristen, die das anzieht in Zusammenhang mit der akustischen Verschmutzung, sind wohl die Dinge, die Aghia Napa von der Landkarte für guten Tourismus nehmen (lassen). Vom Ruhm der vergangenen Jahrzehnte als Restaurants und Tavernen von Leben pulsierten, als Touristen kamen, die bereit waren Geld auszugeben, von diesem Ruhm jener Jahre, wo jedenfalls Familien angetroffen werden konnten, die spazieren gingen, ist als einziges in Aghia Napa „Ramsch-Touristen“ als Überbleibsel unterwegs – so drückte es der Bürgermeister der Stadt aus, als er kürzlich auf die KYPE??? traf, die der Stadt gewiss den letzten Schlag versetzen wird.

Hauptsächlich gleicht der Weg zur Plateia, wie auch der Platz selbst, etwas Menschenleerem, zumal von überall her verschiedenartigste Musik ertönt, was dir den Eindruck vermittelt, die Läden, die eigentlich in der Nacht aufhaben, seien voll mit Kundschaft, wo ihr Inneres doch gähnend leer ist. Die Touristen treiben sich draußen herum, haben Flaschen mit hochprozentigem Alkohol in den Händen, die, wie wir beobachten konnten, an den Kiosken gekauft werden; offensichtlich wird einem, dass du Rauschgift überall bekommen kannst, reichlich. Nur wenige widerstehen diesem Erlebnis. Außerdem, damit diese Musik überhaupt ausgehalten werden kann, die unglaublich abnervt, sind die Drogen wohl von Nöten.
Von welchen Touristen sprechen wir?
Eigentlich sind die meisten Minderjährige, die dich wundern lassen, ob ihre Eltern wissen, wo sie da hinfahren und wie sie sich amüsieren. Die älteren unter ihnen, die dort gewiss nicht hingehen, um lediglich zu essen und zu trinken, die trinken offensichtlich in Maßen und verhalten sich zivilisiert. … Das, was [den Minderjährigen] von anderen gesagt wird, die schon hier waren, ist, dass Aghia Napa für jeden Geschmack was zu bieten hat – jede Schande: von Halbnackten und Sex in der Straße, bis Raufereien, die die, die daran beteiligt sind selbst nicht verstehen, warum und wie diese anfingen – eben wegen der riesigen Mengen von Alkohol, hochprozentig, die in sich geschüttet werden (einige Geschäftsleute geben offen zu, den Alkohol mit Spiritus zu vermischen: das heißt, die anderen tun das, nicht sie selbst). Pinkelnde kann man überall sehen, Betäubte auf den Fußgängerwegen und Schlafende auf den Straßen, die offensichtlich nicht mehr den Weg zurück zu ihrer Bleibe finden können. Nicht zufällig werden nahezu täglich in der Provinz Famagusta (Ammochostos) Vergewaltigungen angezeigt, doch was beweisen, wenn ein junges Mädchen mit einer Horde von Männern schlafen kann, ohne sich erinnern zu können, wie die aussahen?

Schonungsloser Lärm

Wie gesagt, der Reportage wegen waren wir zum ersten Mal nach Aghia Napa gekommen vor ein paar Wochen. Uns beeindruckte, dass im Monat August auf leere Restaurants zu treffen war, auch Tavernen. Die waren im Großen und Ganzen leer. Uns wiesen die Leute jedoch darauf hin, dass wir an einem Tag gekommen seien, an dem die meisten abreisen oder ankommen. Wir saßen in einem der besten Restaurants, um uns zu unterhalten mit den Besitzern. Allerdings war es unmöglich zu verstehen, was wir selbst von uns gaben, so laut war es. 4-rädrigen Quad-Maschinen und Motorräder fuhren hin und her geradezu wie Dämonen, und das mit Bikern darauf, die 18 Jahre alt waren und besoffen sowie gewöhnlich ohne Helm unterwegs; Fußgänger liefen nahezu nackt herum – meistens Minderjährige – und schwankten, auch sie gefährlich besoffen, in Richtung Straße, wo Autos und Motorräder aus jeder Ecke hervorquellen von Kindern gefahren – ein einziges Chaos und ein Lärm, der seinesgleichen sucht. Die ganze Szene gleicht etwas Komischem, um nicht zu sagen Erschreckendem bezüglich Sicherheit eines jeden. Uns kam es so vor, als seien wir gerade mal 2 Stunden da gewesen, in denen wir nicht einen einzigen Streifenwagen oder Polizisten sahen.

Geschäftsleute sagten uns: „Sehen Sie, wir reden vom Niveau der Touristen. Sagen Sie uns, ob diese Leute kommen, um kulturelle Ferien zu verbringen und Geld auszugeben?“ Sie erzählten uns danach von den Beach- und Straßenparties der Touristen, die ab 18 oder 19 Uhr bis Mitternacht abgehalten werden, von den „Bar Crawls“, was das Sich-Bewegen von Bar zu Bar bedeutet, von Pub zu Pub, um abzusaufen. Wie sie uns sagten, sind all diese Aktivitäten mit Vorausbezahlung, da sie im Ferienpaket inbegriffen sind, die die Touristen in ihren Ländern gekauft haben; wie auch immer, im Zusammenhang steht all das jedenfalls mit dem Fernbleiben des gehobenen Tourismus, der einfach keinen Sinn darin sieht, den ‚Negertanz‘ in Aghia Napas aufzusuchen; das Verpflegungs-Zentrum der Stadt ist tot, der gehobene Tourismus weg.
Die Geschäftsleute machten uns des Weiteren darauf aufmerksam, dass es keinen Sinn macht, vordringlich für die Besitzer von den Appartements sowie kleinen Hotels, sie in Stand zu halten wegen der Schäden, die ihre besoffenen Mieter anrichten, zumal sie wissen, dass die Qualität des Tourismus für die nächsten paar Jahre eh gleich sein wird – und wahrscheinlich noch fürchterlicher wird.

Teufelsdreieck
Um 11Uhr30 steigen wir zum Zentrum der Stadt hoch, zur Plateia. Ab hier hörst du zu sprechen auf, weil auch derjenige neben dir dich nicht verstehen wird. Es ist gerade der Zeitpunkt, wo die Busse aussteigen lassen, die die Jugendlichen vom Strand geholt haben, von der Beach-Partie, und irgendwie weißt du nicht, vor welcher Gefahr dich zuerst in Sicherheit zu bringen. Aus den Bussen fallen Jugendliche – die meisten minderjährig sind, wiederhole ich -, die in ihren Händen noch Flaschen voll mit Alkohol halten, welchen der eine dem anderen hinter die Binde kippt; die meisten sind beinahe nackt [in der Gegend des einstigen phönizischen Astarte-Kults, wen wundert es?] und zur Genüge angesoffen. Wir gehen in einer Wolke aus Rauch, die aus den Kneipen herausquillt und die Musik dröhnt erbarmungslos, die sich mit der Wolke [irgendwie] vermischt. Der Lärm führt dich zu diesem Ball aus Rauch, zumal sie dich von überall her umkreisen und locken in einen der Läden zu gehen, in [das Innere der] Rauchblase, die aus irgendeinem Rauschmittel besteht, welches hier überall unverhohlen und geschäftsmäßig auf der Plateia vertrieben wird. Du fliehst, um was anderes zu sehen, denn du befürchtest, dass etwas Unvorhersehbares passieren könnte, dass dich etwas angreifen könnte. Die 4-rädrigen Maschinen und die Motorräder kommen und gehen währenddessen wie Dämonen und du wartest geradezu drauf, dass jemand umgefahren wird. Zu den Drogen wurde uns gesagt, dass durchaus sein kann, dass kein Ecstasy zu haben ist wie andernorts [auf der Welt an solchen Orten], welches Aghia Napa in der Welt der Jugend ja einst berühmt und berüchtigt gemacht hat, sondern dass dort [inzwischen] anderes zu haben ist, wesentlich schlimmeres.

In diesem Jungle von Clubs, die meisten sind menschenleer, trinken, tanzen und essen nahezu alle auf der Plateia. Einige Clubs, die ‚Geschichte‘ gemacht haben, haben inzwischen geschlossen und einige weitere ‚quälen‘ keine Kundschaft mehr. Was die herrschende Anarchie angeht, die gibt es auch bezüglich der Angestellten in diesen Läden. Entweder sind die Lockvögel oder sie bedienen oder aber sie sind Tänzerinnen, die um Kunden anzuziehen, halbnackt tanzen. Es ist offensichtlich, dass es Touristinnen sind, die kamen, um Ferien mit Arbeit zu verbinden; kamen, um auch ihren Schnitt zu machen, zumal bekannt ist, dass niemand kontrolliert, so auch nicht ihre Arbeitgeber.

Mafia und Kabarett

Aufs Mal machen wir zwei Limousinen aus, die die Gegend abfahren und Werbung machen für gewisse Kabaretts (scheint so zu sein, dass sie so auch ihre Kunden sich holen, sie dort hinbringen). Auch das scheint niemanden zu stören, wo doch die Kabaretts verboten worden sind. Beeindruckend sind die gepanzerten Autos, die vor den Clubs herumfahren und stilecht die Mafia wiedergeben, die ihrerseits ungehindert ihre Runden dreht. Schade, dass wir die Folgenden nicht fotografiert haben, 4-sitzige Taxis, die bis zu 8 Personen befördern …, etwas, dass offensichtlich alle Taxis tun. Daraufhin fragten wir einen der Fahrer, den wir antrafen, ob ihn diese Gesetzeswidrigkeiten denn nicht störten. Nicht nur er, auch andere antworteten, dass die Saison ja schließlich nur drei Monate andauert.

Welche Polizei?

Was uns am meisten beeindruckte, ist die nahezu völlige Abwesenheit der Polizei in der Zeit, in der wir dort anwesend waren. Die Leute sagten uns, dass Polizei in ziviler Kleidung unterwegs sei und einige sind auf Motorrädern auf Streife. Geradezu einen Schock erlitten wir, als wir dann zwei Uniformierte antrafen, die wir [sogleich] fragten, wie sie all diese Gesetzesbrüche angehen, und die antworteten: „Aber welche Straftaten denn?“ Wir gehen davon aus, dass die jedwede Diskussion darüber meiden wollten mit uns, da wir von der Presse sind (es ist einfachen Polizisten untersagt, sich öffentlich zu äußern); doch mit eigenen Augen sahen wir, dass kein Polizist vorhanden war, die außergewöhnlichen Vergehen zu unterbinden. Und wenn so was mal vorkommt, dann nur zum Wahren des Anscheins. Der allgemeine Eindruck ist, dass alle sich darauf verabredet haben, die Dinge so zu betreiben, [nämlich] „wegzugucken“, zumal die Zeit begrenzt ist, in der in Aghia Napa ‚Leben‘ ist.

Auf dem Plateia beobachten wir einen medizinischen Helfer, der dort Stellung bezogen hat. Ein Zeichen dafür, dass man verstanden hat, dass so einer [hier] gebraucht wird; doch unser Taxifahrer erzählte uns: stets am Morgen kommen viele [auf der Plateia] an, um erste Hilfe zu erhalten.“

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