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Archive for August 2015

Die zyprische Tageszeitung Alitheia vom 16. August 2015 hat noch was zur Wasserversorgung drin gehabt in ihrer vorletzten Sonntagsausgabe. Das wird Ihnen nun doch noch übersetzt in Auszügen wiedergegeben, da viele unserer Leser unmittelbar betroffen sind:

„Viel Arbeit steht an in Sachen Wasserversorgungsinfrastruktur!

Bei der Planung großer Projekte, die wegen der Wasserprobleme in den Provinzen Nikosia/Lefkosia,Famagusta/ Ammochostos und Pafos anstehen, geht das Landwirtschaftsministerium, voran. Nach dem mehrtätigen Wasserausfall vor kurzem in Nikosia sowie im freien Famagusta, sprach der zuständige Minister, Nikos Kougialis, mit der Alitheia-Tageszeitung über die Entwicklung der Wasserversorgungsinfrastruktur der Insel … .

Die Hauptstadt hatte im April Schwierigkeiten bei der Wasserversorgung … . Wie weit sind die Untersuchungen, um eine Röhre schon bald aus der Ortschaft Wasilikos zu haben?

… Wir sind inzwischen in einem fortgeschritten Stadium beim Erstellen eines Planes zum Auslegen der Rohre von Wasilikos nach Nikosia. Ziel der Arbeit ist, Trinkwasser bereitzustellen und dem erhöhten Bedarf der Stadt Nikosia zu entsprechen, wie auch den Bedarf der 28 Gemeinden der westlichen Provinz von Nikosia. Das soll geschehen mit Wasser aus der Entsalzungsanlage in Wasilikos (AHK) … . Das Auslegen der Rohre beginnt Mitte 2016. [Wir] haben eine Ausschreibung am 3. August 2015 zur Bildung eines Beirats gemacht, um die letzten Studien bezüglich der Rohr, des Wasserreservoirs und Aufbereitungsbecken in der ersten Phase zu begleiten. … .

Was beinhaltet die Arbeit, welche Gegenden werden versorgt und wann ist sie fertig?

… Eine Menge von 60.000 qm werden an einem Tag fließen. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf 60 Mill €. Die Arbeiten werden in zwei Phasen fertiggestellt. … . Die erste Phase ist auch die Hauptphase. … . Die zweite Phase soll 2020 abgeschossen werden. Die Hauptader, die entsalztes Wasser von Wasilikos nach Nikosia bringen wird, geht an Mari, Kalawasos, Tochni, Chorio, Nisou und den Gemeinden Tseri, Latsia, Strowolos und Lakatomeias vorbei. … . Ich möchte darauf hinweisen, dass nicht nur das Wasserproblem von Nikosia gelöst wird, sondern dass dadurch auch neue Arbeitsplätze entstehen.

Gibt es einen Vorschlag, im freien Teil von Famagusta Arbeit anzusiedeln?

In Wirklichkeit gehen wir in einem weiteren Rahmen zur Sache, um chronische Probleme und Sich-Angehäuftes da an zu gehen, wo Belange der Wasserversorgung uns alle angehen. Genauer: Die Zufriedenstellung der Bedürfnisse der Gegenden im freien Famagusta (Aghia Napa, Paraöimnis, Derinia und Sotira) und die Verbesserung der Qualität des Systems der Trinkwasserversorgung in den touristischen Orten, wie auch andernorts, so auch in Kokkinochorio, welches in der Provinz Larnaka liegt, ist gemeint. … . Diese Rohre werden auf einer Länge von 26 km verlegt (die von Wasilikos nach Nikosia auf rund 37 km), nämlich von Dekeleia nach Kokkinochorrio. … . Das wird sich auf 17 Mill € belaufen … und 2018 fertiggestellt sein. (Es werden noch 2 weitere Streckenverläufe genannt: einmal von Nikosia in kleine umliegende Dörfer; das andere Mal von Dekelia in kleine Dörfer). Diese [in der vorangehenden Klammer zuletzt genannten Arbeiten] sind im weiteren Sinne von Bedeutung für die Wasserversorgung von Famagusta.

Kürzlich waren die Feierlichkeiten zur Verlegung des letzten Teilstücks der Rohre aus der Türkei. Wie sieht es da mit dem letzten Stand der Wasserversorgung [hier im Süden] aus – und wie in Zukunft?

Unsere Antwort auf den kostspieleigen Schritt der Türkei, um Wasser hierher zu bringen, in die besetzten Gebiete, die politische Ziele bedienen, anstatt rationaler Planung ist der Gebrauch des wiederaufbereiteten Wassers als alternative Quelle. Außerdem hatten wir in den vergangenen Jahren viel Regen. Daher wäre es ein Verbrechen, würden wir dieses chronische Problem nicht lösen. Wir haben all das zu tun, was es zu tun gilt, um unsere Wasserspeicher zu sichern, und zwar auf eine Art und Weise, die nicht verboten ist aus ökonomischem Gesichtspunkt. Daher haben wir uns zu einem 7-jährigen Plan entschlossen, in dessen Zentrum die Verwertung und der Gebrauch wiederaufbereiteten Wassers steht als Alternative. Wir haben letztes Jahr bereits begonnen, diesen Plan umzusetzen mit dem Ziel, in den nächsten 7 Jahren die Landwirtschaft mit 40 Mill qm wiederaufbereitetem Wasser jährlich zu versorgen … .“

In der Presse hat sich unter anderem jemand gehörig darüber aufgeregt, dass die Damen und Herren vom Parlament in Urlaub gehen. Es seien wichtige Entscheide zu fällen, die unmöglich verschoben werden könnten. Scheint niemand groß zu jucken. Bekanntlich wird Nikos Anastasiadis kurz nachdem die Ferien vorbei sein werden, wie zu lesen war, für über eine Woche in den Vereinigten Staaten weilen – extra Urlaub? Das wollen wir ihm nicht unterstellen, doch ist der lange Zeitraum seines Aufenthaltes schon etwas merkwürdig, zumal er dort ja ’nur‘ Ban Ki Moon trifft und das mit seinem türkischzyprischen ‚Partner‘, Mustafa Akinci. Klar, anscheinend hat er noch andere kleine Terminchen dort – die Zyprer in den Staaten und deren Organisation zu empfangen etc. Und so werden die angeblich wichtigen Entscheide vielleicht doch noch vor Weihnachten entschieden?

Das Theater ist noch immer Geschlossen. Stadtmitte von Mikosia ist noch immer eine Baustelle. Die Polizisten prügeln noch immer in Haft Genommene unverhältnismäßig, das Wasser um Mari herum ist verschmutzt, in dessen unmittelbarer Nähe ja so etwas wie noch mehr Tourismus erblühen soll, Stichwort: Aldiana. Letzteres ist eine recht schnuggelige Hotelanlage, wo überwiegend Deutschsprecher Ferien machen, die unmittelbar vom Dreck aus Mari gefährdet ist.

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Parteien – Zypern

Nasio Orinos erklärt Giorgos Chrisanthou in der Alitheia-Tageszeitung aus Zypern vom Samstag, dem 15. August 2015, Folgendes zu den Parteien des Landes und zur anstehenden Parlamentswahl 2016. Es ist eh an der Zeit, den Lesern von Zypernundmehr rechtzeitig die Wahl der Qual auf Zypern etwas durchsichtiger zu machen. Versuchen wir es also mal mit der Übersetzung des erwähnten Interviews.

„Nach den Ferien kommen die Parlamentarswahlen in die Gänge für die politischen Parteien. Diese werden 9 Monate lang Kämpfe ausfechten, um ihr Wahlziel zu erreichen. Es gibt Parteien, die nach oben wollen, dann gib es welche, die sich da halten wollen, wo sie sind und andere, die Mittel und Wege suchen, zum ersten Mal ins Parlament der Volksvertretung zu gelangen.
Im Zentrum dieser Wahlen steht die politische Mitte. Das ist ein Ort, der seit den vorherigen Jahrzehnten von zwei traditionellen Parteien geteilt wird – derzeit sind es mehrere [allerdings] … Mitbesitzer.
Der Wahlanalyst Nasios Orinos spricht mit der Alitheia über die neuen Gegebenheiten auf dem politischen Parkett und macht bezüglich der anstehenden Wahlen seine Einschätzungen. Er gibt seine Sicht zu allen Parteien von sich und erklärt die Szenarien, die auftreten könnten und anderes, dass seinen Weg sucht bei den Wahlen.

Wahlen sind also 2016. Was kommt ihnen zuerst ins Hirn, das die politische Landschaft Zyperns ändern könnte? Oder sind es etwa die traditionellen Parteien, die das Rennen machen werden?

Es ist eine Tatsache, dass die politische Landkarte sich ändern wird, da wir neue Parteien haben, die einen Sitz im Parlament einnehmen werden. Wenn wir genauer auf die Sitze dort gucken, sehen wir, dass die DHSY und die AKEL auf gleichem Niveau sind. Vielleicht gibt die AKEL einen Sitz ab. Von den Sitzen dieser beiden Parteien abgesehen, gibt es noch weitere 17, die von mehreren Parteien eingenommen werden. Wir haben die Simmachia Politon (Gemeinsamer Kampf der Bürger) und vielleicht auch noch die Minima Elpida (Hoffnungszeichen). Letztere schnitt bei den Europawahlen gut ab. Es gibt da auch noch die ELAM, die zum ersten Mal, denke ich, einen Sitz mit hoher Wahrscheinlichkeit erhalten wird. (Die ELAM, das sind die organisierten Nazis auf Griechischzyprisch).

Fangen wir bei den traditionellen Parteien an. Die DHSY, hat sie Aussicht auf eine leichte Wiederwahl beim nächsten Mal?

Bei den Eurowahlen hatte sich gezeigt, dass sie nahe von 3 Sitzen sich bewegt. Es zeigte sich abschließend, dass sie davon nicht weit entfernt lag. Ich denke, in diesen Tagen ist sie die stärkste politische Kraft und die AKEL kann sie nicht gefährden. Was wir nach dem Jahr 2004 sahen, ist, die DHSY hatte großen Anhang bei allen Messungen – und das ist aus unserer Sicht ein Phänomen. Die Wähler der DHSY nehmen auch viel reger Teil an Umfragen als die Wähler anderer Parteien.

Ist die AKEL in der Lage, den Kampf der Parlamentarier zu gewinnen oder hat sie noch Dallen die von ihrer Regierungszeit [Xristofias] herrühren?

Es gibt viele Wähler der AKEL, die mit der Xristofias-Regierung nicht einverstanden waren. Manche haben [inzwischen] aufgehört, sauer zu sein. Doch noch ist es zu früh, das einzuschätzen. Wie ich anfangs sagte: Vielleicht verliert die AKEL einen Sitz.

Wohin gehen die Wähler der AKEL, die sich entschließen, die Partei nicht zu unterstützen?

Gut für die Partei, die AKEL, ist eine Charakteristik ihrer Wählerschaft. Die gehen nirgendwo anders hin. Sie bleiben den Wahlen einfach fern. Wenn also eine andere Partei es schafft, einen kleinen Teil der AKEL-Wählerschaft abzufischen – vielleicht die Simmachia Polition – …, doch, wie gesagt, es ist noch zu früh, das zu sagen.

Das Bild, welches sich im Zentrum ergibt und der wahrscheinliche Abgang von Mario Karogian aus der DHKO, bezeichnet doch wohl das größte Problem zwischen den traditionellen Parteien?
Das Thema der DHKO ist ein Selbstläufer. Sie sind traditionell diejenigen, die ihr eigenes Süppchen kochten, [und zwar] vor dem Verlassen der traditionellen Parteien. Sie sind gescheitert. Und nicht nur in der DHKO, sondern allgemein. Das ist alles Theorie und besagt nicht, dass es so werden wird. Die Frage ist, wieviel Prozent wird Marios Karogian mit sich nehmen im Fall, dass er eine Partei gründet?
Der Vorteil für Herrn Papadopolous ist, dass wenn Karogian geht, wird die Partei die seine sein. Doch die Frage ist, wer sind die, die aus der DHKO gehen werden, um Mario Kariogan zu folgen.

Und wenn zum Schluss eine Partei mit Karogian entsteht, wird der Prozentsatz der DHKO dann sicher fallen?

Bei den vergangenen Parlamentswahlen hat die DHKO 12% gewonnen. Wenn Marios Karogian bleibt, wird er arbeiten [müssen], um [überhaupt] als Parlamentarier gewählt zu werden. Vor 5 Jahren hat Karogian den Nikolas Papadopolous auf die Wahlliste gesetzt [den Sohn des verstorbenen Thassos Papadopoulos]. Ich denke, wenn Karogian in der DHKO verbleibt, wird [für ihn nun] das Gegenteil geschehen [also dass er auf keiner Wahlliste erscheint].
Die Frage für Herrn Karogian ist [also vielmehr], ob er gewählt wird, nachdem er gegangen ist. Wenn er jetzt in der DHKO bleibt, würde er ungefähr seinen Prozentsatz halten. Es gilt auch zu sagen, dass bei den Präsidentschaftswahlen 7% der gesamten 12% der DHKO Georgos Lillkas unterstützte – oder, dieser hatte entschieden, die bleibenden 5% Niko Anastasiadis vorzuenthalten.

Der Führungswechsel in der EDEK und das neue Bild, welches die neue Führung vermittelt, hilft der Bewegung ihren Prozentsatz zu halten? Es wird gesagt, dass die traditionellen Parteien die meisten Abtrünnigen sehen werden [bei ihren Wählern].

Zum ersten Mal nach 15 Jahren führt die EDEK Wahlen mit neuer Führung durch. Giannakis Omirou war erfolgreich, zumal er aus den 6,5% im Jahr 2001 die EDEK auf 9% im Jahr 2006 brachte – und das hat er wiederholt im Jahr 2011. Er wurde zwei mal ins Europaparlament gewählt, nämlich 2009 und 2014. Er wurde auch einmal zum Parlamentspräsidenten gewählt. Politisch gesprochen wird der Abgang von Omirou der EDEK schaden bei den Wahlen. Wir gehen davon aus, dass die Dinge [eigentlich] noch viel komplizierter sind, und zwar seit der Gründung der Simmachias Politon. Das alles ist natürlich nur Theorie.
Wissenschaftlich betrachtet, kann ich überhaupt nicht ausschließen – wie auch in den Europawahlen, die sich weniger Interesse erfreuen und einer Wahlliste, auf welcher die „starken“ Vertreter der EDEK fehlen und mit hoher Enthaltung ihrer Wählerschaft (ungefähr 52%) – Führungskräfte der Partei sich zum Europolitiker wählen lassen. Um gerecht zu sein mit Marino Sisopoulo: Ich bin sicher, dass er bis zum Letzten kämpfen wird. Aber gehopst wie gesprungen, egal, ob er es schafft oder nicht.

Peilt Marino Sisopoulo nicht etwa in Richtung Wahlen? Ich erinnere, dass er in erster Reihe stand für die Wahl von Georgos Lillikas.

Das beeinflusst automatisch, da seit dem Moment, wo er ihn unterstützte, er jene nun versucht zurückzubringen von der EDEK, die bei der Simmachias landeten. Es wird nicht leicht sein für Sisoloulo, einen hohen prozentualen Wert zu erreichen, wie zum Beispiel 9%, doch als Wissenschftler kann ich das nicht ausschließen.

Von dem, was sie uns erzählen, schließe ich, dass die Simmachias Politon ins Parlament einzieht?

Ich denke, dem wird so sein. Was wir abwarten müssen, ist, mit wieviel Sitzen? Ich seh die bei 3 Sitzen. Ich sag hier nur was, was auch für die EDEK gilt. Wir müssen die Enthaltungen sehen und abwarten. Sollten die gewaltig groß sein, werden alle Parteien in Richtung nach oben schießen. Die Lösung ist jedoch nicht Prozente, sondern Wahlbeteiligung. Wie viele Wähler zum Beispiel darf eine Partei verlieren bei den nächsten Wahlen? Ich mag betonen, dass die Prozentzahlen manches mal irreführend sind. Die Parteien spielen mit den Prozenten. Doch das ist falsch.

Die EUROKO, wie sehen sie die vor dem neuen Hintergrund und der Tatsache, dass sie bei den Europawahlen eine gemeinsame Wahlliste mit der DHSY hatte?

Dimitris Silouris hat keine andere Wahl, weil wenn er sich nicht fügt, wird ihm die EUROKO dicht gemacht. Noch ist Zeit. Von den Umfragen her liegt er etwas unter dem Wert, dem es bedarf, um ins Parlament zu gelangen.

Und die Ökologen?

In den Umfragen kassieren sie in den letzten Jahren stets hohe Prozentzahlen, unverhältnismäßig zu ihrer wirklichen Macht. Das beweist, dass sie in einer guten Phase stecken.

Uns sagten Sie vorhin, dass die ELAM Aussicht hat, ins Parlament zu gelangen. Wo nehmen Sie das her?

In den Europawahlen von 2009 haben sie 693 Stimmen erhalten. Bei den Parlamentswahlen 2011 hatten sie ungefähr 4500 und bei den letzten Wahlen zum Europaparlament gingen sie auf 7000 hoch. 8500 ist nahe am Erhalt von einem Sitz der zweiten Zuteilung. Es gibt einen Teil Leute, die eine harte Ansicht vertreten hier auf Zypern. Im Zusammenhang mit der ökonomischen Krise sehen wir wahrscheinlich einen Zuwachs (bei der ELAM). Ich geh davon aus, dass die ELAM bei den Wahlen 7000 Stimmen erhält bei einer Enthaltung von 50%. Wenn wir in Betracht ziehen, dass die Enthaltungen weniger sein werden, wird sie größer, wenn sie ihre Stimmen erhält.

Das eine sind die Enthaltungen, wo werden die dieses Mal liegen?

Bei den vorherigen Wahlen lagen sie bei 21% zusammen mit 3% Fehlstimmen. Ich denke, das nächste mal wird die Zahl der Enthaltungen höher sein.“

Viel Geschrei in letzter Zeit in den zyprischen Medien wegen den Zuständen in Aghia Napa. Die Jugendlichen und Touristen sollen dort vor lauter Party und Übermut bereits nackt auf den Straßen herumlaufen, nicht genügend Geld ausgeben und nur noch abhängen – hört sich wohl ganz einladend an?
Weniger einladend ist allerdings, dass das Wasser von der Anlage in Mari bis hoch ans Aldiana Hotel anfängt dreckig zu sein – eben wegen der Anlage. Der Tourismus erscheint mir vor diesem Hintergrund erstmals ernsthaft gefährdet. Das Schlimme daran ist, niemand thematisiert das. So lange die Leute noch ins Wasser gehen … .

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Was vielen Zyprern gerade nicht gefallen dürfte, ist, dass ihre Bank auf Anweisung des Finanzamts eine Art Beschlagnahmung machen wird können. Soll heißen: Der oder die Kandidat/in muss dann darlegen, weshalb die fälligen Schulden noch immer nicht bezahlt worden sind. Wer allerdings weniger als 2.000 € nachweislich auf seinen Konten hat, dem darf das Geld nicht beschnitten werden, sagt das nun in Kraft zu tretende Gesetz, welches seit April bereits in Anwendung ist als Pilotprojekt und bis Ende Jahr durchgezogen werden soll. Es bedarf keiner richterlichen Verfügung. Das Finanzamt kann dann zuschlagen, wo und wann es will. Aber, all das muss natürlich noch durchs Parlament und daher könnte am Schluss dieses überraschend robuste Vorhaben – für zyprische Verhältnisse – etwas sehr gerupft herauskommen, vielleicht aber auch nicht. Im September also stimmt das Parlament darüber ab. Wer dann weiterhin zahlungsunwillig ist, wird mit einer Strafe bis zu 5.000 € belegt oder Haft oder mit beidem. Einspruch kann zwar erhoben werden gegen diese Maßnahme des Finanzamts, alleridings innerhalb von 15 Tagen. Sollte das Konto mit jemand anders besessen oder geteilt werden, so werden diese Personen von der Beschlagnahme eines gewissen Geldbetrages unterrichtet – ansonsten nicht.

Bei einer Veranstaltung des Rotary Club im Hilton Hotel von Nikosia machte der scheidende CEO der Cyprus Bank, ein Ire, eloquent und unmissverständlich klar, dass es ein Unding sei, dass nahezu alle Zyprer sich „krimineller Weise“ einbildeten, ihre Schulden nicht zurückbezahlen zu müssen – und im Gegenteil dazu noch mehr Schulden machen wollen. Er betonte immer wieder, dass dieses Verhalten auf Kosten der Einleger bei einer Bank ginge und dass das überhaupt nicht tolerierbar ist. Ich hatte den Eindruck, dass das Gesagte die Anwesenden herzlich wenig juckte, was aus ihren Fragen herauszuhören war am Schluss der Veranstaltung.

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Der Vorsitzender der Regierungspartei DHSY, Awerof Neofitou, gab ein Interview, welches in der der Partei sehr nahestehenden Alitheia-Tageszeitung am 09. August 2015 abgedruckt war. Das Interview führte Pan. Chatsidimitriou (phadjidemetriou@alfamedia.press.cy).

„Wie schätzen Sie den Fortgang der Verhandlungen zur Lösung der Zypernfrage bislang ein?

Ohne Zweifel wurde in dieser Frage der Hoffnung ein Fenster geöffnet. Viele Umstände sind geschaffen worden, die die Aussicht auf einen richtigen Kompromiss in sich tragen und im Interesse aller sind. So ist die Lage im weiteren südostlichen Mittelmeer. Es sind die neuen geostrategischen Bedingungen, die aufkamen. Es ist der Zustand der Politik im Weiteren – und der Ausrichtung der Türkei entsprechend dem, was sich entwickelt. In diesen [eben erwähnten] Bestandteilen, die den Bedarf international nach einer Lösung der Zypernfrage erforderlich machen, muss auch in Betracht gezogen werden, dass die Verhandlungen [in der Zypernfrage] zwei Führer führen, die den Willen und den nötigen Mut haben, das zu schaffen. Und Präsident Anastasiadis und Mustafa Akinci haben die Unterstützung aller Bürger bei diesem Versuch. Ohne Zweifel sind bei den Verhandlungen große Fortschritte erzielt worden. Doch lachen wir nicht zu früh. Es muss noch viel getan werden, und schwere Themen stehen noch an. Hauptsächlich haben wir uns anzusehen, wie die Türkei die grundlegenden Themen wie Sicherheit, Grundbesitz und das der Siedler darstellt. Wir wollen die Wiedervereinigung Zyperns aus unzählbaren Gründen, vor allem aus nationalem Grund. Und aus diesem Grund haben wir alles daran zu setzen, diesen hoffnungsschwangeren Versuch zu meistern. Wir werden weder von vornherein denselben verurteilen, und das auch nicht bei jedem unwichtigen Anlass, noch sehen wir die Zypernfrage bereits als gelöst an.

Wie stufen sie die ökonomischen Parameter ein im Fall einer Vereinigung?

Ich möchte offen sein. Die Kosten für den Wechsel und die der Besatzung können nicht gleich aufgewogen werden. Diese Denke kann ich nicht akzeptieren. Und nach ökonomischen Gesichtspunkten ist es unakzeptabel, so was derart einzustufen, wie zum Beispiel den Wiederaufbau von Famagusta (Ammochostos), also nur gemäß der Kosten zu betrachten, wo die Investitionen dort ja grundlegend sein werden. Und daher denke ich geht das alles nicht, ohne die ökonomische Überlebensfähigkeit in Betracht zu ziehen. Letztere ist wichtig, um einen Staat gut funktionieren zu lassen. Ich möchte nach der Lösung der Zypernfrage jedenfalls nicht die Troika hier aufmarschieren sehen, um unsere dann neuen Probleme bei der Staatsführung auszuradieren. Meine persönliche Meinung ist, dass ein wahrer Kompromiss die großen Möglichkeiten dieses Landes entfesseln würde, so auch im Wirtschaftlichen. Ich wiederhole: Das ist nicht das Erste[, was es zu tun gilt]. Sehen Sie mal, wenn die Kosten [damals] in Betracht gezogen worden wären, hätten sich die Deutschen 1990 nicht vereinigt. Aber 25 Jahre später werden alle zugeben, dass das vereinte Deutschland wieder stärker geworden ist.

In der Vergangenheit wurde denen, die eine Lösung der Zypernfrage anvisierten, negativ begegnet, wegen dem Land und aus anderen Interessengründen. Wie kommentieren Sie diese Einstellungen auf der Grundlage der heutigen Tatsachen?

Dieses Denken akzeptiere ich nicht. Und ich sage Ihnen etwas[, nämlich,] was das Gewitter der Ökonomie, welches bei uns einschlug, zeigt: Entweder wir alle haben was davon oder wir alle gehen unter! Wenn also eine Firma oder eine Gegend im Aufwind ist, hilft das all den anderen auch. Und ein guter Kompromiss wird sich für ganz Zypern auszahlen.

Wie schätzen sie das, was von der DHSY produziert wird politisch ein?

Wir sind die regierende Partei und wir haben eine Minderheitenregierung. Unsere Rolle ist, die Speerspitze zu sein, aber auch die Abschirmung einer immens modernen Regierung und gleichzeitig eine erforderliche Mehrheit im Parlament zu finden, um dafür zu sorgen, dass das Land voranschreitet. Ich möchte glauben, dass in der DHSY wichtige Eroberungen erzielt wurden – und zwar auf beiden Ebenen. Wir bewegen uns weit weg von einem völkischen Denken, wir sind die Führer und die politische Kraft der riskoreichen Anpassungen. Wir sind die Vorhut unserer Regierung, damit diese noch schneller und mutiger in diese Richtung sich bewegt. Andereseits haben wir es im Parlament geschafft, sehr schwierige und kritische Beschlüsse durchzubringen, die erforderlich für das Land waren. Wir durchliefen oft die Gefahr einer Pleite im Parlament. Das war keine leichte Sache.

Beharren Sie weiterhin darauf, dass nach der Lösung der Zypernfrage die politische Bühne auf Zypern sich ändern wird?

Die politische Landschaft Zyperns hat dringenden Bedarf, ohne Zweifel, an einer Verbesserung. Wir brauchen eine bessere Demokratie. Sollte die nach der Lösung der Zypernfrage rauskommen, um so besser. Das wäre doppelt gut.

Was ist ihre Erklärung zur Lage der Innenpolitik?

Ich mag gerecht sein mit den politischen Mächten und mit unserem Volk. Parteien der Opposition machen sich mächtig dicke, um viele harte Entscheide durchzubringen, Dinge, die wichtig sind zur Befreiung Zyperns. Das kann niemand bestreiten und auch wir sind nicht undankbar. Es gibt in all den Jahren der Krise eine Freiheit der Gesellschaft. Vor allem das Volk ist mit großer Geduld und Selbstbeherrschung Opfer geworden. Auf diese Weise konnten die meisten der Katastrophe entkommen. Heute wird von uns zu Recht ein besseres und gesünderes Land erwartet. Und ich glaube, man sieht dieses Land langsam aufkommen. Die einzige innere Gefahr ist, eine erneute Hinwendung zum Völkischen, jetztz, wo die Dinge anfangen besser zu werden. Wir können solche Phänomene zurückkehren sehen. Manche führen sich auf, als sei Zypern nicht am Rande einer Pleite gestanden – in jenen Tagen. Wir werden weiterhin das völkische Denken meiden, wie der Teufel das Weihwasser. Das ist [hier] eine bewusste, verantwortliche Aussage. Was der Innenpolitik hinderlich ist, sind die öfters ungerechten und übersteigerten politischen Kritiken, besonders beim nationalen Thema. Wir haben gesehen, wie Entscheidungen verurteilt wurden, die gar nicht getroffen wurden und Vorschläge gesteinigt, die es gar nicht gibt. So etwas hilft dem Lande nicht. In Sachen Zypernfrage müssen wir alle zur Zusammenarbeit bereiter sein. Das würde einem besseren Ergebnis helfen, sollte es ein solches überhaupt geben. Das sture Verneinen bietet keinen Rahmen zur Diskussion. Auch nicht, selbsterverständlich, das Schönreden von allem. Zwei Dinge sind es, die ich von den restlichen politischen Kräften haben möchte: Erstens, dass wir alle allen helfen und das unabhängige Recht haben, das Endergebnis [dann] zu beurteilen. Zweitens, nicht nur die Angst vor einer eventuellen Lösung vorzubringen, weil neben der verständlichen Angst, gibt es auch Hoffnung!“

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