Feeds:
Beiträge
Kommentare

Archive for Januar 2015

Steilvorlage oder Eigentor?
Letztens, vor knapp einer Woche, in Weil am Rhein zu einer Kundgebung des Türkisch Islamischen Vereins, der in der Tullastraße angesiedelt ist, zu spät gekommen, da, glaube ich, in der Badischen Zeitung der Termin auf 15 Uhr angegeben worden war – die müssen bereits um 14 Uhr mit der Demonstration oder Kundgebung angefangen haben.
Wie meistens war ich auch diesmal zu ‚früh‘ unterwegs und konnte so doch noch die letzte halbe Stunde mitbekommen. Der Übersetzer des Imams vor dem Rathaus in Weil entschuldigte sich für seine mangelhafte Übersetzng, gerade als ich etwa 5 Minuten zugehört hatte – mir standen bereits die Haare zu Berge deswegen. Er habe von seiner Mission den Tag davor erfahren, sagte er zur Entschuldigung. Kurz: Die Übersetzung, die zu hören war, gab den Imam wirklich sehr schlecht wieder, der seine Worte, fand ich, gut und mit Bedacht gewählt hatte – doch der Übersetzer schien sich der philosophischen/politischen/etc. Fallstricke und Implikationen, dessen, was er von sich gab, wenig bewusst, wie zu vernehmen war und fuhr dem Imam, wie man so sagt, in die Seite damit.

Diese Fahrlässigkeit spiegelt sich auch in dem verteilten Pamphlet wieder, welches in der Folge mit “Zettel” bezeichnet wird. Es sind zweie. Hier nun in der Folge zuerst das, was auf diesen beiden Zetteln stand, die dort verteilt wurden vom Türkisch Islamischen Verein, weil deren Inhalt im Anschluss auseinander genommen wird.

tiv

tiv1

(entschuldigen Sie die schlechte Transparenz der Scans)

Was sagt uns das Wort verrichten? Ich verrichte meine Arbeit. Ich verrichte meinen Dienst. Ich verrichte meine Freundschaft oder Liebe? Das Letztere sagt man so eigentlich nicht. Doch ich verrichte mein Gebet, kann man so sagen und es ist auch nicht seltsam, es so zu formulieren. “verrichtet” impliziert dann aber dennoch eine gewisse Pflicht oder Verpflichtung, weniger die freie Wahl, etwas zu tun.

Auf den „geraden Weg“, glaube ich, wird im muslimischen Bekenntnis nirgends gesagt, sondern auf den rechten Weg. Da liegt eine Trägheit beim Übersetzen vor, gelinde gesagt. Das Adjektiv “gerade” lässt doch wohl eher an eine Linie, einen Strich, oder an in der Reihe Marschierende denken; doch im Qur’an ist der Weg gemeint, der das Recht, vor allem anderer, nicht beschneidet – dieser Weg darf und soll wahrscheinlich auch kurvig sein dürfen, um zum Ziel zu gelangen – dem der Gerechtigkeit, des gerechten Handelns eines Gläubigen gegenüber dem Anderen zum Beispiel.

Und schon gar nicht, wie auf dem vorliegenden Zettel behauptet wird, ist im Qur’an die Rede von führe uns auf den Weg derer, denen er „Gnade erwiesen hat“, sondern derer, denen er Gnade erweisen möge. Es wird da also etwas erbeten im Qur’an, in der Fatiha (Glaubensbekenntnis der Muslime), und nicht festgestellt bzw. jemand ausgegrenzt. Denn wenn nur die, denen Allah Gnade erwiesen hat, Führung erfahren sollen, dann können diejenigen, die glauben, noch keine Gnade erhalten zu haben, wie man sagt, wahrscheinlich eh eher einpacken. Diese Unterscheidung ist also wichtig. Es gibt nämlich Leute, die behaupten, sie verfolgten den richtigen Glauben und all die anderen einen falschen etc. – darum!

Und dann diese folgende Wendung im Text: „…, wenn Menschen den Namen unseres Schöpfers missbrauchend morden, während wir Vergebung, Rechtleitung und die Gnade Allahs erbitten“. Diese Formulierung ist, so lange diese Menschen, von denen die Rede ist, nicht genauer beschrieben oder bezeichnet werden, was bis dorthin im Text nicht getan wurde, schon fast eine Tautologie (weißer Schimmel) – denn schon immer haben und werden Menschen irgendwo auf der Welt morden, während jemand woanders betet – leider.

El Halik (mal abgesehen von der zu bekrittelnden Transkription), bedeutet in erster Linie Denjenigen, Der kreiert. Seine Kreation, wie getan in den vom Verein verteilten Zetteln, lediglich auf „Leben“ zu beschränken, ist streng genommen schon fast Blasphemie (Aberglaube). Denn Allah/Gott/wieauchimmergenannt ist nach Definition der Muslime der Schöpfer von ALLEM, also auch des Todes etc.

Nun gut, wollen wir nicht so kleinlich sein, mögen Sie denken. Das ist wahr. Daher soll hier nicht noch auf die anderen Paar aufgezählten Attribute Allahs eingegangen werden, die auf dem Zettel stehen, der in Weil am Rhein vor knapp einer Woche vor dem Rathaus verteilt wurde, doch soviel: wenn bei dieser Aufzählung der Attribute Allahs schon nach lediglich 4-5en davon gesagt wird „und schließlich El Selam, den Friedensstiftenden“, als letztes Attribut sozusagen, welches aufgezählt wird, dann ist das äußerst unglücklich getan, denn die Wendung „und schließlich“ vor „El Selam“ vermittelt eventuell den Eindruck bei Menschen, die sich in der Materie nicht so auskennen, dass das mit den 99 Attributen Allahs bei den Muslimen, von denen man vielleicht schon gehört hat, wohl doch ein Hirngespinst von radikalen Fanatikern lediglich gewesen sein muss. OK, vielleicht ist auch diese Kritik etwas kleinlich, aber nicht unangebracht im Lichte dessen, was noch folgen wird.

Dass ich davon gehört hätte, dass radikale Muslime sich derart in ihrer Angelegenheit versteigen, zu behaupten, sie handelten „an Stelle Allahs“ , ist bei aller Abneigung dessen, was sie in dessen Namen tun, schlicht Blödsinn. Diese Aussage ist eine unangebrachte Unterstellung, eine Ungenauigkeit im Ausdruck eventuell, die man sich nicht gönnen sollte als Verein, der im Namen der Muslime sich auf die Straße in Weil am Rhein begibt. Um mit den Worten Herrn Oppermanns von der SPD zu sprechen: eine unsägliche Entgleisung.

Und dass wir gemäß der „Sure Maide“, von der die Rede ist auf dem Zettel, von Allah gesagt bekommen haben sollen, „im Guten zu wetteifern und nicht darüber zu streiten, worüber wir uneins sind“, ist viel zu kurz gegriffen, und, mit Verlaub, infantil und augenwischerisch in Verwendung im Text der beiden Zettel. Denn sehr wohl gibt es nun mal Aussagen über den GIHAD im Qur’an. Man könnte sich, finde ich, gerade noch gefallen lassen, dass vor allem, doch nicht nur, der sogenannte INNERE GIHAD gemeint gewesen sein soll im Qur’an. Dass es das Gebot des GIHAD gibt, wissen die meisten, die in Deutschland leben und keine Muslime sind, vermute ich, und daher geht die gewählte Formulierung des Türkisch Islamischen Vereins in Richtung Steilvorlage für Leute wie die von der Pegida zum Beispiel.

Was mich schon länger nervt, ist das Gerede vom Islam als „Religion des Friedens“. Schade, dass der Türkisch Islamische Verein sich auf diese Argumentation glaubt einlassen zu müssen. Denn dieselbe stinkt geradezu (mal wieder) nach Rechtfertigung. Warum sich denn auf diese Weise rechtfertigen, nur weil ein paar Verrückte im Namen des Islams morden gehen, Kriege führen etc.? Bei der Einnahme einer solchen Rechtfertigungsposition, die man ungefragt sozusagen fortlaufend geradezu ausspuckt, ermöglicht man es anderen Religionen, zum Beispiel dem Christentum, all die Verbrechen, die im Namen jener Religion begangen wurden, wohl teils auch immer noch werden, diese erstmal etwas ins Vergessen driften zu lassen. Vielmehr sollte das Rückrat besessen werden, zu sagen: Der Islam ist eine Religion. Punkt! Und wie bei allen semitischen Religionen gibt es darin Stellen zu finden, die alles andere als friedlich klingen – und wohl auch nicht zwangsläufig so angedacht waren einst.

„Wir dürfen solchen Angriffen auf unsere Werte nicht nur mit Worten begegnen“, wird geschrieben. Bloß welcher Wertekanon ist nun explizit und implizit gemeint? Sicherlich meint man auch die Werte der BRD. Doch bekanntlich gibt es im Islam einige Strömungen. Und es gibt daher verschiedene Interpretationen dessen, was in der Sunna, dem Qur’an etc. geschrieben steht. Es wäre daher besser, finde ich – auch wenn es viele Seiten füllen würde -, sich selbst und der Außenwelt mal endlich einen Abriss dessen zu liefern in Wort und meinetwegen Bild, was genau unter „unserer Werte“ verstanden wird oder vom Leser verstanden werden soll, die eben aus der Sicht des Vereins zusätzlich zu den gegebenen der Mehrheitsgesellschaft der BRD durch die muslimische Gemeinschaft, den Türkisch Islamischen Verein meinetwegen, zu denen der BRD hinzugegeben werden oder, wenn das mehr beliebt, hinzuaddiert gehörten.

Und erst dann, finde ich, könnte das, was in der Folge geschrieben steht – “ Wir müssen als Religionsgemeinschaft deutlich machen, dass wir uns mit unserem Glauben und unseren Gemeinden für die Freiheiten und das Leben eines Jeden einsetzen“ – nicht wie leeres Bla-Bla rüberkommen – denn jedem mit etwas Hirn Ausgestatteten wäre sogleich einigermaßen klarer, welche „Freiheiten“ sich nicht genommen werden dürfen, wenn dieser Wertekanon Ihrerseits endlich mal detaillierter ausgearbeitet und dargelegt würde. Ansonsten könnte jemand, der den Zettel, der verteilt wurde liest, durchaus geneigt sein, zu fragen oder zu schlussfolgern, ob denn nun die erwähnte, zuvor zitierte Freiheit etwa auch beinhaltet, dass die Tochter eines muslimischen Ehepaars an einen Mann verheiratet werden kann, den sie einfach nicht will? Letzteres soll ja nicht nur in der Türkei vorkommen, sondern zum Beispiel auch in Deutschland zuweilen.

Denn, wenn der „freie Wille und die Freiheit danach zu handeln, […] ein Geschenk Allahs an die Menschheit“ sind, gibt es doch wohl nichts dagegen einzuwenden, dass einige Frauen Frauen und einige Männer Männer ehelichen, genauer, eheähnlich ‚heiraten‘ wollen?
Jedenfalls soll es Mitbürger geben, Regierungen und Gesetze von Ländern, die finden, dass auch so etwas wie das zuletzt Erwähnte „in gegenseitiger Würde des jeweils Anderen“ mündet oder geschieht; und dass „diese Freiheit eines jeden Menschen zu schützen“ ist. Und dieser Meinung schließt sich der Türkisch Islamische Verein also an, dürfen die Leser ihres Zettels dann wohl annehmen?

Ob Medienschaffende ein tragender Pfeiler unserer „freiheitlichen Gesellschaftsordnung“ sind, wie geschrieben wird, mag ich als in den Medien Schaffender, mit Verlaub, inzwischen zunehmend bezweifeln – dies vor dem Hintergrund der zunehmenden Verquickung von in den Medienschaffenden mit Akteuren der Politik und Wirtschaft; und wegen der zunehmenden Automatisierung, sprich: Algorhythmisierung von Nachrichten und dergleichen – sowie ganz zu schweigen von den sinkenden Löhnen in diesem Berufszweig, was Muschel-Kuschel der Mächtigen mit ihren journalistischen Kritikern sichtbar Tür und Tore öffnet und der freiheitlichen Stellung der Medienschaffenden in der Gesellschaftsordnung – um beim vorgegebenen Vokabular der beiden Zettel zu bleiben – vielleicht sogar institutionalisierter Weise bereits vermehrt ein Bein stellt.

„Jeder muss glauben, sagen und veröffentlichen dürfen, was er denkt, ohne um sein Leben fürchten zu müssen“, stand auf einem der Zettel, die verteilt wurden. Gehts noch!? Schon mal was von Goebels gehört und seiner Propagandamaschine? Und mit gerade Gesagtem nicht in Verbindung zu bringen: Schon mal was davon gehört, dass sogar der Qur’an bei seiner Zusammenstellung einst vor Jahrhunderten in Kairo, Ägypten, gewisse Weglassungen erfuhr? Im Jemen wird noch heute die eine Ausgabe – gefunden vor knapp 15 oder 20 Jahren in der großen Moschee von Sanaa – unter Verschluss gehalten, und dies wohl deswegen, weil sie der inzwischen überall in Gebrauch befindlichen Version des Qur’ans anscheinend nicht 100% entspricht – und dann wäre das Problem noch gar nicht benannt, dass sich stellte, als damals der Inhalt des Qur’ans endgültig zusammengestellt wurde in Kairo, nämlich die problematische Frage: Wie sind die getroffenen Aussagen in den Texten, die zum Qur’an werden sollten und wurden, zu verstehen und daher wiederzugeben – vor dem Hintergrund, versteht sich, dass eben gewisse Worte und Wendungen im saudi-arabischen Arabisch woanders in der arabischen Welt und zu einer anderen Zeit bereits etwas anders verstanden wurden und werden – ganz zu schweigen von gewissen Interessen gewisser Machthaber und anderer damaliger Akteure. Und dann wäre da noch die Überlieferungskette, da der Prophet, Lob und Segen über ihn, ja anscheinend nicht schreiben konnte und zusätzlich ohne Punktsetzung geschrieben wurde. Derjenige, der des Arabischen einigermaßen mächtig ist, weiß, was das zusätzlich für eine interpretative und verständnismäßige Herausforderung ist, um einen Text aus jener prophetischen Zeit, wenn so gesagt werden darf, zu verstehen etc. etc.

Letzteres musste vor allem wegen dem Satz auf dem Zettel gesagt werden, der einen Absatz folgendermaßen beginnt und eben symptomatisch zu sein scheint für eine gewisse, nennen wir es, wenig reflektierte Denkweise: „Wir Muslime glauben und leben nach diesen Überzeugungen“ (das Zitat folgt im Text auf dem Zettel der weiter oben zitierten Stelle, wo “Allah gebietet uns in der Sure Maide, im Guten zu wetteifern…“). Diese Aussage ist Selbstüberschätzung pur! Würde da stehen, wir versuchen, nach diesen Überzeugungen zu leben und daran zu glauben, hätte sich die Erwähnung der schwierigen Zusammenstellung des Qur’antextes über die Zeit bis eben zu jenen Tagen einst in Kairo, als die Endfassung zusammengestellt wurde, vorhin erübrigt. Die Betonung im Text auf dem Zettel müsste also auf ‚versuchen‘ liegen an dieser Stelle und nicht so selbstherrlich daher kommen, siehe: “Wir Muslime glauben und leben nach diesen Überzeugungen”, sondern: Wir Muslime versuchen zu glauben… . Und daher schien es angebracht, auf diese Weise mal darauf zu verweisen, dass auch Muslime sich gewisser Schwachstellen in der Vita ihres Glaubens bewusster sein müssen oder dürfen, dass diese Angelegenheiten nicht weiterhin weggedrängt werden sollten, nur, weil sie offenbar in der vermeintlichen Konkurrenz mit anderen Religionen die muslimische Position schwächten. Es ist nämlich genau umgekehrt! Das Zurechtrücken einer Geschichte und das Weglassen gewisser Abläufe – die auch noch beweisbar belegt werden können -, liefert nämlich den sogenannten Konkurrenten (Buddhisten, Christen, Juden etc.) unnötig Material, um Muslime in eine Art Rechtfertigungshaltung (nahezu andauernd) zu treiben bzw. treiben zu können, zu halten – und dieses Weglassen und Verbieten solcher Fragestellungen wirken aber offensichtlich auch mit an: a) dem beklagten, inzwischen gewalttätig gewordenen Fundamentalismus und Radikalismus gewisser muslimischer Kreise; und b) dass es so wahrscheinlich nie zu einer Aussöhnung kommen kann unter den Religionen.

Und all die anderen Ursachen, die da noch unausgesprochen sind zur Entstehung der Gewalt in der Welt etc., werden hier vorerst auch unausgesprochen bleiben, da in diesem Beitrag lediglich grob aufgezeigt werden sollte anhand des Zettels verteilt vom Türkisch Islamischen Verein in Weil am Rhein in der Tullastr. 48, wie sich Muslime, die zwar eine gute Intention zu haben scheinen, durch eher unprofessionelles Handeln, Selbstdarstellung und Argumentieren, wenn man es so nennen darf, ihre Fallstricke durchaus auch selbst legen und die Diskurse über Freiheit, Würde, Menschlichkeit etc. mit den Anderen anscheinend daher oft – vielleicht sogar zu oft – selbst verhauen.

Read Full Post »

Auf den Dächern der Autos, deren Besitzer von hinten aus dem Tal, Marzell etc., kommen, liegt Schnee. Hier in Kandern scheint dennoch bereits um 10 Uhr morgens die Sonne. Es ist Sonntag. Und da die Badische Zeitung gestern schon gelesen wurde, greift derjenige, der sich eigentlich um Verträge bei und mit Amazon kümmern müsste, halt doch lieber zur BILD am SONNTAG. Und wie auf Seite 02 zu lesen ist, hat es „eine unsägliche Entgleisung“ gegeben. Das Marihuanapflänzchen, welches Özdemir hinter sich stehen hatte, als er mediengeil genug den Eistest im Sommer mitmachte und sich einen Kübel eiskaltes Wasser über sein eventuell abgetörntes Haupt schütten ließ oder schüttete, ist nicht gemeint, sondern, dass ‚Die Wagenknecht‘ die Pariser Anschläge mit dem Drohnenkrieg in Afghanistan vergleicht. Der Oppermann von der SPD soll derart aufgeschrien haben und schlittert wahrscheinlich seither erst recht durch den Bundestag, wo er entgleister Weise noch immer herum ist. Weil da war doch mal was? Längst vergessen. Längst verziehen. Also Schwamm drüber. Das denken sich gewiss auch diejenigen, die den Bundeswehreinsatz in Afghanistan unterm Teppich des täglichen Nachrichtenteppichs halten wollen. Insofern hat ‚Die Wagenknecht‘ die Entgleisung des Afghanistaneinsatzes wahrhaft treffsicher ins Fadenkreuz der begangenen Heucheleien da irgendwo im ehemaligen Reichstag zurückgeführt.

Mal sehen, wie die Kurve zu eben Gesagtem zu der Veranstaltung gestern Abend in Müllheim, der Neujahrsfeier, gekratzt wird. Die Veranstaltung, die erstmals von mir besucht wurde, lief ab wie ein Zug aufs Gleis gestellt, es tun soll. Die Besucher waren erfreulicher Weise nicht overdressed. Die ganze Brandbreite war zu sehen – ok, nicht ganz. Die äußeren Ränder eher nicht. Ja, mittelständisch war es irgendwie – aber, versteht sich, im positiven Sinne, was auch immer das genau bedeuten wird.
Der Bürgersaal in der Hauptstraße 122 war also gut besetzt und viele Menschen mit schwarzer Hautfarbe – und brauner, weißer, rosaroter etc. sowieso – waren erfreulicher Weise auch anzutreffen. Neben so jemand Dunkleres erlaubte ich mir sogleich Platz zu nehmen, wenn die Gelegenheit schon mal da ist, und ein kleines Gespräch zu beginnen. Wie die Veranstaltung dann leicht erkennen ließ, war es etwas erforderlich geworden, durch Übersetzen dessen, was von statten ging auf dem Podium oder der Bühne, den Veranstaltern und den dem Deutschen nicht Mächtigen unter die Arme zu greifen.
Jedenfalls weiß ich jetzt, für immer wahrscheinlich, wie ein Hefeteig gemacht wird, und wie dieser Prozess auch noch gelesen oder verstanden werden kann. Gewiss ist die Bürgermeisterin nicht die Erste, die die Metapher mit dem Zustandekommen eines Hefeteigs zu einem Brot nutzt, um ihre politischen Visionen zu veranschaulichen. Es ist ihr indes sehr gut gelungen und hängen blieb bei mir u.a., dass Müllheim sich zukünftig, also ab morgen sozusagen, gen Basel ausrichten wird – vor dem Hintergrund, dass die Region Basel soundsoviel Hunderttausend gelernte, gut ausgebildete Arbeiter anzuziehen gedenkt in aller nächster Zukunft. Daher werden Wohnungen in Müllheim gebaut werden, kulturelle Einrichtungen errichtet, entsprechendes Gewerbe eingerichtet, und zwar eher in der Gegend von Müllheim, die Richtung Neuenburg liegt.
Dass die Bürgermeisterin (sie hat einen so langen Namen, etwas wie Knoblich am Schluss eines Doppelnamens glaube ich noch zu erinnern) in diesem Entwicklungsprozess der zukünftigen Stadt auch auf die Flüchtlinge zu sprechen kam, die von einem Helferkreis umgeben werden, der neuerdings „Zuflucht Müllheim“ heißt, wenn es richtig erinnert wird, setzte all die Entgleisungen, die man gegenüber der Stadtverwaltung ansonsten im Hinterkopf mit sich tragen mag, endgültig aufs Abstellgleis und ließ hoffen, dass etwaige Entgleisungen, wie sie mir von einigen der jungen Männer aus Gambia berichtet wurden, nämlich, dass in einer der Diskotheken in Müllheim „keine Afrikaner reinkommen!“, als schlimm, aber nicht all zu gravierend erachtet werden könnten – mal ganz zu schweigen davon, dass diese Afrikaner noch immer größtenteils in der Turnhalle einer Schule ‚hausen dürfen‘.
südam12 082
Nein, nichts gegen das, was die Bürgermeisterin und ihre Bevölkerung an den Tag legen. IM GEGENTEIL. Müllheim und seine Bürgermeisterin und natürlich erst recht seine Bevölkerung waren und sind offenbar wahrhaft ein Lichtblick am Horizont all der ‚tollen‘ Entwicklungen, von denen man sonst so mitbekommt – behaupte ich als Nicht-Müllheimer. Der beste Ausdruck dieser ausgestrahlten Zuversicht und Lust am Leben bietete das eingeladene Künstlerduo namens Gogol und Mäx (hoffe, die Namen stimmen), die ums Klavier herum die zuweilen aus den Fugen geratene Welt wahrhaft zurück aufs Gleis setzten: gekonnt, humorvoll und artistisch genial.

Apropos, wenn Menschen in Berlin neuerdings und endlich für qualitativ besseres Essen demonstrieren gehen, wo andernorts das bekrittelte Essen gern verzehrt würde, weil man eh nahezu nichts zum Knabbern hat, erscheinen „unsägliche Entgleisungen“ hier gewiss in ihrer widersprüchlichsten, aber auch bestens nach zu empfindenden Form!?

Read Full Post »

Was passiert und passierte denn alles so in Kandern und Umgebung? Das soll aus den „Einladungen“, die die Stadtverwaltung Kandern vor Gemeinderatssitzungen netterweise verschickt, für Sie in Kürze aufgearbeitet werden.

Am 19. 01. 2015 ist für die Ratssitzung vorgesehen, als Feuerwehrkommandanten Herrn Thomas Sütterlin für die Abteilung Wollbach zu wählen und als seinen Stellvertreter Herrn Jens Probst. Der Rat der Gemeinde wird somit darüber befinden, ob die beiden Herren für 5 Jahre ihres Amtes walten werden.

Die Haushaltsmittel werden anscheinend ausreichen, wird in der Einladung der Gemeinde Kandern zur nächsten Ratssitzung geschrieben, um in Sachen Stadtsanierung II („Ringverbindung der Trinkwasserleitung“) der Firma Dreher + Dreher aus Wittlingen den Zuschlag zu geben für den „Auftrag, die Leitungsarbeiten […] in Höhe von 158.514,45 €“ brutto auszuführen.

Es darf davon ausgegangen werden, dass keine weiteren Bieter erscheinen werden und der Gemeinderat diesen Auftrag an die Dreher + Dreher vergeben wird – falls… . Das wird sich also dann gewiss am 19. 01. 15 abends zur Ratssitzung herausstellen, wer die im Vergabevorschlag für die „Pressbohrung [der] Wasserleitung und Leerröhre für Breitbandkabel [in der] Verbindung Blumenmühlgasse bis Hauptstraße“ letztendlich erhalten wird. Am 17. 12. 2014 lagen bereits zwei Angebote vor. Die Gemeinde gewährte keinen“Preisnachlass“.

Das nächste Thema betrifft „sämtliche städtische Liegenschaften, die als Veranstaltungsraum für Vereine und Privatpersonen angeboten werden. [ Für die] ist eine entsprechende Nutzungssatzung ergangen.“ Soll heißen: die Nutzungsgebühren werden nicht billiger, sondern etwas teurer. Ein Auszug aus dem Schreiben:

Schulssporthalle bei der August-Macke-Schule

a) Nutzungseintgelte

Schulsporthalle bei der Haupt- und Realschule

Betrag (pro Tag)

Erhöhungsvorschlag

ca. Preise je qm

Veranstaltung ohne Bewirtung

150,00 €

475,OO €

0,70 €

Veranstaltung mit Bewirtung

250,00 €

575,00 €

0,75 €

Allg. Nebenkosten je Veranstaltung

Sommer: 50 €

Winter : 63 €

Sommer: 75 €

Winter :100 €

0,10 €

0,13 €

Reinigung

65,00 €

100,00 €

0,13 €

b) Nutzfläche der Räume:

aa) Turnhalle 37,50 m x 18,00 m = 675,00 qm

bb) Tribüne 4,70 m x 37,50 m = 176,25 qm (270 Sitzplätze)

cc ) Umkleide- und Waschräume 115,04 qm +

dd) Mensa 101,56 qm

Heizverbrauch […] Gas 4.949,43 €

Bürgersaal in Kandern

a) Nutzungsentgelte

Säle und sonstige Räume A. Bürgersaal[.]

Betrag (pro Tag)

Erhöhungsvorschlag

Preise je qm

Grundmiete bei Veranst. ohne Bewirt.

89,00 €

145,00 €

0,99 €

Grundmiete bei Veranst. mit Bewirt.

100,00 €

160,00 €

1,00 €

Allg. Nebenkosten

Sommer: 25 €

Winter : 40 €

Sommer: 40 €

Winter : 60 €

0,22 €

0,34 €

Küchenbenutzung

25,00 €

40,00 €

3,10 €

Reinigung

40,00 €

60,00 €

0,33 €

Auswärtige und gewerbliche Nutzer bezahlen einen Aufschlag von 50% auf die Grundmiete.”

Im Bürgersaal in Kandern wurden im Jahr 2013 3.732.34 € für die Gasrechnung bezahlt. Diese Gebühren sollen nicht mehr zeitgemäß sein. Vor dem Hintergrund der fallenden Ölpreise…? Ersteres steht in etwa so in der erwähnten Einladung der Gemeinde, also dass die Gebühren nicht mehr zeitgemäß seien. Als eine Begründung für die Erhöhung der Preise wird u.a. angegeben, dass der Schützenverein über den Winter vor hat, in den Räumen der Sporthalle am Wochenende Treffsicherheit zu üben – allerdings nur mit Pfeil und Bogen. Doch scheint der Verwaltungsausschuss sich bislang dagegen auszusprechen, Trainingszeiten an Sonntagen zu genehmigen.

Mal sehen, was es denn gestern , den 15. 01. 2015, Nennenswertes abzustimmen war?

Da wäre diese Aussichtsplattform aus Holz in der ehemaligen Tongrube am See gewesen. Es ist offenbar nicht vorgesehen, dass dort mit Auto hingefahren werden kann. Somit müssen keine Parkplätze angelegt werden, sollte das Projekt gestern durchgewunken worden sein vom Gemeinderat. Doch das bedingt, dass die Löschwasserversorgung inzwischen gesichert ist. Sollte das der Fall sein, dürfte der Gemeinderat gestern seinen Segen erteilt haben.
Jedenfalls wird diese Plattform der Öffentlichkeit zugängig sein. Und da sie im sogenannten Außenbereich der Gemeinde liegt, wird die Plattform einer “besonderen Zweckbestimmung” subsumiert. Es ist daher “ein privilegiertes Vorhaben”.

Ansonsten standen auf dem Tagesplan offenbar nur Bauvorhaben und dergleichen zur Abstimmung an.

100_6994

Ansonsten: Sollten Sie sich zu ihren Wechseljahren als Mann oder Frau informieren wollen, so hätten Sie dazu Gelegenheit am Mittwoch den 21. Januar 15 bei den Hochtouristen Kandern (siehe beim Verkehrsamt).

Des Weiteren: Langsam beginnt die närrische Zeit wieder in Schwung zu geraten (am 25. Seniorenfasnacht und am 31. die Brezele Buebe jeweils in Kandern im Ochsen). Am 5. März 2015, einem Donnerstag, beginnen die 6. Kanderner Literatur- und Filmtage für Jugendliche und Kinder.
Zuletzt: Falls Sie gewisse Dinge noch genauer wissen wollen, die Kandern betreffen (Breitband, Abfallwirtschaft etc.) dann lohnt es sich, auf den folgenden Link zu klicken: http://www.kandern.de/logicio/pmws/indexDOM.php?client_id=kandern&page_id=online&lang_iso639=de#zukunft

Read Full Post »

%d Bloggern gefällt das: