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Archive for Oktober 2014

Östliches Mittelmeer

Die Russen sind durchaus präsent im östlichen Mittelmeer. In den türkischen Medien konnte vernommen werden, dass die Russen mehrere Abkommen mit der Republik Zypern abgeschlossen haben, was Ankara offenbar dazu bewegt, sich eventuell den USA doch wieder erkennbarer anzuschließen. Ja, es geht unter anderem auch um das Erdgas etc., welches in der Region gefunden und gefördert wird.

Wie meistens hat die Türkei von mehreren Seiten Druck – größtenteils auch selbstverschuldet. Doch sieht man die Politiken der Israelis, muss man sich schon fragen, weshalb diese nicht ebenso in selbstverschuldete Engpässe münden. Nun, die Antwort darauf ist leicht: Sie werden von der BRD und den USA vorrangig in ihrer aggressiven Politik gegenüber den Palästinensern gedeckt – keiner da, der auch nur das Wort Sanktionen in den Mund nehmen würde.

Ja, und da darf man sich schon fragen, was denn nun die Rolle der Israelis im Folgenden eigentlich ist? Die Vermutung liegt nahe, dass Tel Aviv so eine Art Spin-Doktor abgibt, und die Zyprer, Griechen und Ägypter das Feld vorbereiten lässt – denn alle dreie hängen ebenfalls an der Schürze der USA und der EU, aber eben anders als die Israelis. Letztere können sich Dinge herausnehmen, die andernorts hart, sehr hart sanktioniert würden.

Doch nun zu den Bauerneinsätzen, würde man im Schach wohl sagen. Erlauben Sie, dass dazu der Einfachheit halber einfach ein Posting des Press and Information Büros Zypern auf Englisch angeführt wird, wo die neuesten Entwicklungen im östlichen Mittelmeer – nicht alle, aber die im Bezug auf Zypern relevantesten – Erwähnung finden.

„Wednesday, 29/10/2014

Joint Communiqué after the trilateral meeting of the Foreign Ministers of Cyprus-Greece-Egypt

1.The Deputy Prime Minister and Minister of Foreign Affairs of Greece, H.E. Mr. Evangelos Venizelos, the Minister of Foreign Affairs of the Arab Republic of Egypt, H.E. Mr. Sameh Hassan Shoukry and the Minister of Foreign Affairs of the Republic of Cyprus H.E. Mr. Ioannis Kasoulides, held a trilateral meeting today, 29 October 2014, in Nicosia. This is the third such meeting between Ministers of Foreign Affairs of the three countries.

2.One of the main purposes of the meeting was to prepare a Cyprus, Egypt and Greece trilateral meeting to take place at Heads of State/Government level on 8 November 2014 in Cairo.

3.Issues of mutual interest, including recent developments on the Cyprus issue, the political transition in Egypt, and the regional impact of the developments in the Middle East (Syria, Iraq, ISIL/extremism threat, Libya, Gaza, MEPP) were also discussed.

4.In expressing their deep concern at the proliferation of terrorism across the region, and in particular at ISIL`s advance, threatening even our immediate neighborhood, the three Ministers reiterated their commitment to cooperate on efforts by the international community to impede the flow of foreign fighters, control ISIL financing and expose ISIL’s true ideology.

5.The Ministers were particularly dismayed by the recent terrorist attack against a military checkpoint in the Sinai, which caused significant human loss. The serious incident highlights that terrorism is clearly a threat that transcends national boundaries.

6.The three sides reiterated their support to the Egyptian people’s quest for democracy and prosperity and the implementation of the road map, including its last phase, the holding of the upcoming parliamentary elections. They also highlighted the importance, in this process, of the fight against terrorism in Egypt.

7.They considered the progress of the current mechanism of trilateral political consultations and expressed the view that it could serve as a model for regional dialogue and cooperation, contributing to the consolidation of peace, stability and prosperity in the Eastern Mediterranean; this trilateral mechanism, as a positive factor in the overall framework of the broader region, evidently is not to function opposite to any other country of the area.

8.They also agreed to expand the dialogue to other levels, including through close coordination and cooperation in the framework of multilateral fora, as well as on efforts to further promote relations between the EU and the Arab world.

9.The Ministers deplored the recent illegal actions perpetrated within Cyprus’s EEZ, as well as the unauthorized seismic operations being conducted therein. They underlined that any unilateral actions further undermine the stability and security of the Eastern Mediterranean and the Middle East area.

10. They stressed the importance of the respect for the sovereign rights and jurisdiction of the Republic of Cyprus over its EEZ and called on Turkey to cease all seismic survey operations underway within the maritime zones of Cyprus and refrain from similar activity in the future.

11. They also underlined their Governments’ commitment and respect to international law, including the UN Convention of the Law of the Sea, to which all three countries are State-Parties. In this regard, they expressed the position that regional security, stability and prosperity for the benefit of the peoples of the region, is better served through the adherence of by all countries concerned to well established principles of international law.

12. The three Ministers reiterated their shared conviction that the discovery of important hydrocarbons reserves in the Eastern Mediterranean could and must serve as a catalyst for a broader cooperation on a regional level, contributing thus to the peace and stability in the region.

13. Finally, in highlighting the regional importance of cooperation on energy and the intensification of exploration activities in the eastern Mediterranean, they expressed their eagerness to jointly work on the protection of the marine environment of the Mediterranean Sea against pollution resulting from hydrocarbon operations.

14. Recognizing that tourism is a vital component of the economies of all three countries, they agreed to work closely together with a view to enhancing tourism cooperation including developing joint tourism packages and enhancing the maritime connection between the three countries. Joint tourism promotion, with the involvement of both state and private actors, could facilitate travel and tourism visits between and among their respective destinations as well as from foreign markets.“

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Von Mogens Jens Müller – Korrespondent

Es ist mir bereits am 10. Oktober vergönnt gewesen, durch Beziehungen in die Lage versetzt zu werden, dem „Luncheon Speaker Event 2014“ der Cyprus Nordic Countries Business Association beizuwohnen. Die Gastrednerin an jenem Abend war Dr. Erato Kozakou-Marcoullis. Sie ist auf Zypern sehr bekannt und gefragt und sprach über die Gleichberechtigung der Geschlechter. „What makes the Nordic countries Gender Equality models and winners – Effects on economic development and leadership“.
Dr. Erato Kozakou-Marcoullis ist vor wenigen Jahren noch Außenministerin gewesen. Davor war sie Ministerin für Fernmeldewesen und Öffentliche Bauten der Republik Zypern sowie Zyprische Botschafterin im Königreich Schweden. In dieser letzten Funktion war sie in allen weiteren skandinavischen Ländern sowie auch in Island, Estland, Lettland und Litauen akkreditiert.
Was sie den Zuhörern zu sagen hatte, erschien außerordentlich gut recherchiert worden zu sein und war von hohem Gehalt. Es lohnt sich auch deshalb auf diesen Vortrag einzugehen, doch vor allem, da auch die deutschsprachigen Länder und vor allem Zypern aus ihren Ausführungen sehr viel lernen könnten.
Aus verschiedenen Statistiken der EU und der UNO und Nichtregierungs-Organisationen geht offenbar eindeutig hervor, nach Marcoullis, dass die Gleichberechtigungsquote der skandinavischen Länder erstrangig in der Welt ist: ergo der Frauenanteil im öffentlichen und wirtschaftlichen Leben dort überdurchschnittlich vorkommt – auch in sogenannten Toprängen.
Frau Marcoullis führte aus, dass durch ihren mehrjährigen Aufenthalt in Skandinavien ihr die Gelegenheit gegeben wurde, die Mentalität dieser Menschen nachvollziehen zu können. Sie schien daher wohl davon überzeugt zu sein, dass es die herrschende Gleichberechtigung vor Ort ist, die dazu führt, dass die nordischen Länder zu den führenden Nationen in der Welt mit großer Wirtschaftsleistung, mit ausgeprägtem sozialem Engagement der Bevölkerung und ihrer Institutionen für einheimische und ausländische Randgruppen gehören. Hierher gehören gewiss auch die internationalen Friedensbemühungen, die Teil der Politiken dort sind. Es ist unbestritten, dass dieser Erfolg, im Gegensatz zu enorm vielen anderen Ländern, und ganz besonders im Vergleich zu Zypern, findet Marcoullis, darauf fußt, dass in der Welt, die noch immer als die Welt des Mannes bezeichnet werden könnte in Bezug auf Zypern – Macho-Gehabe, rechthaberisches und arrogantes Auftreten des sogenannten „starken“ Geschlechts –, es die Frauen „geschafft“ haben, ebenfalls an oberster ‚Stufe‘ in der Gesellschaftshierarchie angelangt zu sein, was in Zypern bislang kaum der Fall ist. Es liegt in der Denkweise des nordischen Menschen, sagt Marcoullis, dass Gleichberechtigung zur Tagesordnung gehört, als normales Etwas im Leben gilt, wo die Verneinung dessem als etwas Unerträgliches eingestuft wird und würde.
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Frau Marcoullis sprach es dann auch unumwunden aus. Vielen Nationen der Welt würde es wirtschaftlich und sozial bedeutend besser gehen, wenn geschlechtsspezifische „Segregation“ fallen würde. Die Länder würden besser regiert und die Zufriedenheit im Volk wäre gewiss bedeutend größer. Ziemlich sicher wäre dann das politische Desinteresse geringer als bislang. Vor allem ist Marcoullis hinsichtlich der angesprochenen Segretation an der Lage in Zypern gelegen, welches in allen Statistiken weit zurückliegt, sagte sie. Marcoullis hat indes die Hoffnung nicht aufgegeben, ihr Land in Statistiken zukünftig besser dastehend vorzufinden. Sie kämpft mit Elan dafür. Ihr ist wahrhaft zu wünschen, dass ihre Gleichberechtigungsziele in Zukunft ernster genommen werden auf Zypern, wo sich vor allem mental noch einiges geradezu radikal ändern muss.
Die Anwesenden an diesem Luncheon waren mehrheitlich männlich. Der Applaus für die Vortragende hat dieser Umstand nicht germindert. Er war außerordentlich. Womöglich besteht gar wirklich Hoffnung, dass sich auch auf Zypern – wenn überhaupt, dann wohl eher im Schneckentempo – etwas in der richtigen Richtung bewegt!?

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Kobane II

Die schweizerische bz-basel-Tageszeitung schreibt zum Thema am 21. Oktober 2014: „Noch kurz vor der US-Waffenlieferung in Kobane hatte Erdogan eine solche Unterstützung für die Kurden durch den Nato-Partner ausdrücklich als ’sehr, sehr falsch‘ bezeichnet. Aber die USA sind offenbar nicht mehr bereit, auf die Türkei Rücksicht zu nehmen. US- Außenminister John Kerry sagte, es wäre verantwortungslos und ‚moralisch schwierig‘, den Kurden in Kobane amerikanische Hilfe zu verweigern. Präsident Barack Obama rief Erdogan an, um ihn darüber zu informieren, dass sich die USA mit dem Abwurf der Waffen über die türkischen Bedenken hinwegsetzen würden.
Das Ziel Washingtons sei die Vernichtung des IS, kommentierte die Kolumnistin Amberin Zaman auf Twitter. Dieses Ziel bestehe unabhängig davon ‚ob die Türkei nun mitmacht oder Zuschauerin bleibt‘.

Angesichts dieser Haltung der USA entschloss sich die türkische Führung offenbar zu einer abermaligen Kursänderung und machte den Weg für die ‚Korridorlösung‘ frei. Der regierungskritische Journalist Oguz Karamük schrieb, Erdogan sei bei Obamas Telefonat eingeknickt und tue jetzt das genaue Gegenteil von dem, was er bis zum Wochenende vertreten habe.
Die Türkei hatte sich bisher aus der aktiven Bekämpfung des IS herausgehalten. Als Gegenleistung für eine aktive Teilnahme fordert Erdogan, dass die Alliierten auch gegen die Armee des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad vorgehen müsse. Das lehnen die USA aber ab (Th. Seibert).”

Kommentar dazu auf gleicher Seite, ebenfalls von Thomas Seibert:

„…Erdogan hat sich nicht durchsetzen können, dafür das Kunststück fertiggebracht, in kurzer Zeit wichtige Akteure im In- und Ausland zu vergrätzen. Mit seinem Stillhalten an der Grenze hat er Verbündete und die Kurden im eigen Land gegen sich aufgebracht. Die türkische Position ist unhaltbar geworden. Und Erdogan hat seine aussenpolitischen Ambitionen schwer beschädigt.

Deshalb ändert er jetzt erneut schlagartig seinen Kurs und erlaubt den Kurden aus Nordirak, über türkisches Territorium Waffen und Soldaten nach Kobane zu schicken. Das hätte die Türkei auch schon vor Woche tun und damit den Kampf gegen den IS unterstützen und so den Westen und die eigenen Kurden beruhigen können. Erdogan hat es zugelassen, dass die Verlässlichkeit der Türkei als Partner der USA und des Westens in Zweifel steht. In Kobane liegen nicht nur etliche Gebäude in Trümmern, sondern auch die unrealistischen Machtansprüche Ankaras [und viele Tote und Verletzte].”

In der NZZ vom 21.Oktober 2014 steht von Jürg Bischoff, Beirut, verfasst: „… Dass die Amerikaner ihre Unterstützung für Kobane nochmals verstärkten, liegt aber auch daran, dass die PYD dem Wunsch Washingtons nach einer Einheitsfront gegen den IS entgegengekommen ist. Einerseits veröffentlichte sie eine Erklärung, in der sie sich zur Zusammenarbeit mit den Rebellengruppen der Freien Syrischen Armee bekennt, welche die Amerikaner gegen den IS einsetzen wollen. Andererseits beteiligte sie sich an Versöhnungsgesprächen mit syrisch-kurdischen Rivalen, die letzte Woche in Dohuk im Nordirak stattfanden. Daran nahmen der PYD-Chef Saleh Muslim und der irakische Kurdenführer Masud Barzani teil. Ein Grund für die plötzliche Bereitschaft der Türkei, Peschmerga aus dem Nordirak nach Kobane reisen zu lassen, dürfte darin liegen, dass Barzani mit den ihm ergebenen Kämpfern die Macht der PYD in Nordsyrien einzugrenzen verspricht.”

Ein weiterer Grund der Reaktion Ankaras, also der Richtungswechsel in der Politik gegenüber den Kurden, könnte durchaus auch etwas mit der folgenden dpa-Meldung in der NZZ vom 21. Oktober 14 zusammenhängen:

“Die Präsenz eines türkischen Forschungsschiffes südlich von Zypern führt zu Spannungen zwischen der Republik Zypern und der Türkei (in den zyprischen Medien wird auch von einem Kriegsschiff gesprochen, welches die türkische Explorationsmission begleiten soll). Die Bewegungen des Schiffes untergrüben die Stabilität in der Region und seien eine Verletzung des internationalen Seerechts, erklärte der zypriotische Verteidigungsminister Christoforos Fokaides am Montag. Am Montagmorgen hatte das türkische Schiff die Region südwestlich der Insel Zypern erreicht und auf der Suche nach Öl und Gas seismische Forschungen des Meeresbodens innerhalb der von Zypern beanspruchten sogenannten ausschließlichen Wirtschaftszone gestartet, hiess es aus Kreisen der Regierung in Nikosia. In der Region war im Auftrag Nikosias bereits ein italienisch-koreanisches Konsortium aktiv gewesen (gleichzeitig führt Russland zusammen mit Syrien gerade Manöver in der Region durch).”

Ja, und wenn wir schon dabei sind, dann noch das, was die Basler Zeitung vom 21. (Jan Keetman, Istanbul) vermeldet: „… Doch während es in den letzten Wochen so aussah, als stehe der Fall der Stadt [Kobane] unmittelbar bevor, sprechen nun alle Anzeichen für eine Niederlage des IS. Grund sind die verstärkten Luftangriffe der USA, und dass diese Luftangriffe nun [endlich] mit kurdischen Beobachtern am Boden koordiniert werden, was die Treffpunktquote erheblich gesteigert hat. Die abgeworfenen Waffen stammen indessen nicht aus US-Beständen, sondern wurden von den nordirakischen Kurden bereitgestellt [die wiederum vorher an sie von den USA oder anderen gegeben wurden]. Gegen direkte Waffenlieferungen der USA an die kurdische Miliz YPG [die hier zuvor PYD genannt wurde], die Kobane verteidigt, sperrt sich offensichtlich die Türkei. … Der stellvertretende [türkische] Ministerpräsident Yalcin Akdogan hat es auf den Punkt gebracht: ‚In Kobane kämpfen doch nur Terroristen gegen Terroristen‘.“

In diesem Zusammenhang fährt der Autor fort und Folgendes spiegelt die herrschende Geisteshaltung der Führung in Ankara einigermaßen anschaulich wider.

„Anfang Oktober ermächtigte … das türkische Parlament die Regierung zu einem Eingreifen im Irak und Syrien. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte beruhigend, dass die Regierung alles, was sie könnte, tun werde, damit Kobane nicht fällt. Darauf fuhr man in die Ferien zum islamischen Opferfest. Wahrscheinlich nahm man in Ankara an, das Problem werde sich in den nächsten Tagen von selbst lösen. Erdogan meinte, Kobane sei ohnehin ’so gut wie gefallen‘. Anscheinend meinte auch der IS, er könne das Opferfest mit der Einnahme der Stadt und schaurigen menschlichen Opfern feiern. … Für die türkische Regierung bedeutet der Umstand, dass Kobane wohl nicht fallen wird, sowohl eine Erleichterung als auch eine Hypothek. Ein weiterer Kurdenaufstand im Osten nach dem Fall von Kobane findet nicht statt, der Friedensprozess kann weitergehen. Andererseits wird es immer schwieriger, der Welt zu vermitteln wie dieser Friedensprozess abläuft.
Und das geht so: Seit zwei Jahren führt der [türkische] Geheimdienst Gespräche mit dem gefangenen PKK-Chef Abdullah Öcalan, aber keine offiziellen Verhandlungen. Dabei herausgekommen sind mittlerwele ein einseitiger Waffenstillstand und Rückzug der PKK auf der einen Seite und die in diesen Tagen erneuerte Aussicht auf Hafterleichterungen für Öcalan. Zuätzlich zu seiner Zelle soll Öcalan nun auch ein kleines Büro und einen kleinen Garten auf der Gefängnis-Insel Imrali erhalten [siehe weiter unten]. Auf der anderen Seite darf die [türkische] Armee die PKK weiter angreifen; das gilt auch für den syrischen Arm der PKK, inklusive der YPG-Miliz, die ‚als Terroristen‘ Kobane verteidigt. Kurdische Parteien in der Türkei werden von Mitgliedern der Regierung und regierungstreuen Medien aufs Schärfste augegriffen.
Dieser Spagat zwischen dem Garten für Öcalan und Bomben auf dessen Leute ist in der Tat immer schwerer zu vermitteln. Seitdem die US-Luftwaffe die Waffentransporte für die ‚Terroristen‘ erledigt, ist es noch ein Stück schwieriger geworden. Es wäre an der Zeit, in Ankara umzudenken, so wie man sich auch mit der Autonomie der irakischen Kurden einmal abgefunden hat. Doch das war leichter, weil die Türkei nicht direkt betroffen war.”

Nun etwas detaillierter zu den Vorgängen innerhalb einiger kurdischen Gruppen oder Organisationen:

„In der türkischsprachigen Cumhuriyet vom 22. Oktober 2014 steht auf Seite 5 unter „Tirmik“ von Aydin Engin zu lesen im Bezug auf die Aussicht auf einen entstehenden kurdischen Staat: …

Jedoch hat sich in der Balistik Kobanes einiges geändert:

1) Die USA verkündeten, Militärhilfe nach Kobane zu leisten und danach droppten sie 24 Tonnen Waffen und Munition als Hilfe für Kobane [und wie wir inzwischen wissen, auch scheinbar unfreiwilig für die IS]
2) Die USA verkündeten offiziell, dass sie die in Rojawa herrschende Kraft, die [kurdische] PYD, nicht als terrotistische Organisation ansieht
3) die Führung im irakischen Teil von Kurdistan verlegt ihre Peschmerga-Einheiten nach Kobane zu der die Kobane verteidigenden PYD
4) Im Bezug auf die Hilfe für Kobane hat sich der Streit der beiden [kurdischen] Kräfte in Irakisch Kurdistan gelegt. Talabani meint, dass die 24 Tonnen Waffen und Munition, die verschickt wurden auf das Konto seiner Kurdistan Heimatliebenden (KYB) gehe; Barzani sagte umgehend, dass diese Hilfe eine Hilfe des kurdischen Volkes des Iraks für Kobane ist
5) Mesud Barzani und seine IKBY, die dazu aufriefen, die Probleme der Kurden untereinander zu lösen und daher einen Gipfel in Dohuk einberiefen, haben mit der PYD im Syrisch-Kurdischen National-Kongress (ENKS) bislang noch keine Vereinbarung erreicht seit einer Woche. Im Zentrum der Unvereinbarkeiten steht das Kantonssystem in Rojawa. Barzani und seine Leute bestehen darauf, dass auf dieses System zukünftig verzichtet wird. Die Fraktion aus Rojawa selbst indes sagt, dass das Kantonssystem das Herzstück der „Realität Rojawas“ ist. Doch zu einer Zusammenlegung des Militärs erklärt man sich bereit. Die Peschmerga sind eine Hilfe für Kobane
6) In der Türkei hat der „Lösungsprozess“ [zwischen Kurden und Türken] plötzlich an Fahrt gewonnen. Einerseits setzten sich die Thinktanks [beider Seiten] wieder zusammen. Mit dem Ministerpräsident [Davutoglu] hat man sich 6 Stunden lang getroffen. Danach hat der Ministerpräsident seine „Roadmap“ eröffnet, die von Öcalan wie auch von Kandil [Name der Berge, in denen sich der kurdische Widerstand vor allem formiert] angenommen wurde, was offiziell verkündet wurde. Ebenfalls wurde verkündet, dass Öcalan in Imrali [das ist der Knast, in dem er sitzt] ein Sekretariat eröffnet werde…. .

Verstanden werden muss also, dass die USA und mit ihr Deutschland, England, Frankreich und all die Vorreiter in der EU, die unter der Regie Washingtons operieren, übereingekommen sind, dass im Nahen Osten eine neue [geopolitische] Karte entworfen wird – die Grenzen neu gezogen gehören. Das bedeutet für die Kurden, die über 4 Länder verstreut leben (Iran,Irak, Syrien und die Türkei), dass was Neues, was ganz Neues im Entstehen ist. Der [Verhandlungs-]Prozess, der in der Türkei läuft, geht jedoch in seine Endphase. Wer letztendlich glücklich daraus hervorgeht, wer Widerstand leisten wird? All das kann heute noch nicht gesagt werden, wäre nicht ok, das zu tun. Das ist eine Frage, welche [lediglich] die kurdische politische Bewegung beantworten und beurteilen kann.
Und das, was wir [gerade] als kurdische Bewegung bezeichneten, ist das Dreieick aus Kandil, Imrali und der HDP, die zum Thema kurdischer Nationalstaat jeweils an ihren sie bindenden Prinzipien hängen. Kurz: Die auf 4 Länder verstreuten Kurden, und ihr Ziel, sich unter ein Dach zu bringen, wird als ein Schritt angesehen, der im Jahrhundert ausgeblieben ist [also schon längst fällig wäre], und daher müssen die 4 Grenzen, in denen gelebt wird, aufgehoben werden, doch muss das in einer Art und Weise getan werden, die den ökonomischen, politischen etc. Austausch dieser Länder nicht behindert, wird vorgeschlagen. Dies [also] verbirgt sich hinter dem Terminus „Demokratische Konföderation“. Doch Ihnen [verehrte Leser] ist wohl auch nicht entgangen, dass Barzani sich eine Lösung [der Kurdenfrage] nicht so wie die PKK-PYD vorstellt, sondern eher gegenteilig. Und das ist gewiss kein Widerspruch, der leicht zu überwinden sein wird. …. Ich wollte heute lediglich die Frage und das Thema beleuchten, nämlich ob der USA-Imperialismus einen Kurdenstaat errichten wird, dafür von Syrien, dem Irak und der Türkei teile her- oder wegnehmen wird und an diesen neu zu errichtenden Staat weitergibt. Das sollte in einer blitzblanken Analyse der Gegebenheiten betrachtet werden, eine komplizierte und undurchsichtige Aufgabe.“

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Verehrte Leser!

‚Leider‘ kann nicht ausbleiben, dass Sie hin und wieder mit Info konfrontiert werden, die den Verhandlungsprozess der Nord- und Südzyprer betrifft (in Sachen Wiedervereinnigungsabsicht). Dieser Prozess wurde hier bereits wiederholt als für vorläufig überflüssig angesehen, und zwar solange sich gewisse Einstellungen in den Köpfen nicht ändern.

Das folgende Factsheet, welches von der Press and Information Cyprus zugestellt wurde netterweise, verschafft Ihnen einen Einblick in die sozusagen andere Sichtweise – nämlich die der Anastasiadis-Regierung. Wie zuvor bereits angedeutet wurde, wird die Politik der Republik Zypern in dieser Frage eher kritisch beobachtet und als unzureichend eingestuft. Doch man kann sich ja täuschen, und daher sollte denjenigen, denen man Dies und Das abspricht unbedingt auch mal – wieder – Platz zur Rede zugestanden werden. Erlauben Sie also, dass das nun in englischer Sprache geschieht. Der Bericht im Factsheet stammt vom 18. Oktober 2014.

„The National Council, the top advisory body to the President on the Cyprus issue, adopted a number of m easures in response to Turkey’s provocative m ove to enter Cyprus’ Exclusive Economic Zone following the maritime order (NAVTEX) illegall y issued by the Turkish government reserving areas south of Cyprus for seismic surveys from October 20 to Decem ber 30. It should be noted that block 2, 3 and 9 have been assigned by the government of Cyprus to the Eni and Kogas companies, which are currently conducting expl orations for possible hydrocarbon reserves in Block 9 of Cyprus’ EEZ.
Immediately after the meeting a package of 8 measures with immediate effec t was announced by the Government Spokesman, Mr Nicos Christodoulides:

The National Council convened at the Presidential Palace on 20-21 October 201 4.

1. Denunciation of Turkey by the President of the Republic at the European Council, which convenes on October 23 and 24, for the purpos e of the condemnation of Turkey’s illegal activities and the violation of the sovereign rights of the
Republic of Cyprus in its Exclusive Economic Zone.

2. The Repu blic of Cyprus will make use, in various international fora, of its s tatus as a member state of the European Union, through the adoption of measures, which will bring about a cos t to Turkey for its illegal activities.

3. The Repu blic of Cyprus will not consent to the opening of an y new chapter in Turkey’s accession process.

4. Study of the possibility of recourse to the Security Council of the United Nations.

5. Study by the Attorney General an d International Firms, for the adoption of specific legal measures against all those who are involved in any way in the Turkish illegal activities.

6. Continuation of diplomatic demarches and best use of rel ations with specific states.

7. Denunciation of Turkey, for its illegal activities, to the Division for Ocean Affairs and the Law of the S ea of the United Nations.

8. Denunciation of Turkey, for its illegal reserve of and illegal surveys within the Exclusive Economic Zone of the Republic of Cyprus, to the International Maritime Organization.

According to the Government Spokesman the Republic of Cyprus will make use of the comparative advantages it has over Turkey, s o that it will cause a political and diplomatic cost to Ankara. These specific actions will not be announced. At the same time the National Council has before it a s eries of other measures which will be adopted depending on devel opments.
In further statements to the press the Government Spokesman stressed that Cyprus is not in a weakened position against Turkey and that,under the current circumstances, Cyprus cannot agree to the opening of any new chapters in Turkey’s negotiations for full EU membership.

In the meantime the President of the Republic suspended his participation in the UN backed negotiations to reunify the island and sent a letter dated 6 October 2014 to UN Secretary-General, Mr Ban Ki-moon, regarding the Turkish provocations in the Republic of Cyprus’ Exclusive Economic Zone (EEZ) and their repercussions on the intercommunal talks for a solution to the Cyprus problem.
In his letter to the UN Secretary General, the President s tresses that these developments in Cyprus’ EEZ have the potential to destroy the efforts of creating a good and positive environment and to actuall y derail the whole negotiating process. “It is regrettable that these developments come at a time when your new Special Adviser on Cyprus is trying to set the necessary conditions and framework for the resumption of the talks and for substantial negotiations,” he s tates.
The President refers to the Turkish Government’s illegal interference in the exclusive economic zone of the Republic of Cyprus, and specifically to the fact that the Turkish scientific ship Barbaros Hayreddin Pasa, accom panied by two other support vessels, will carry out a seismic survey from 20 October to 30.December 2014 in the s outhern sea of Cyprus and more specifically in blocks 1, 2, 3, 8 and 9
of the exclusive economic zone of the Republic of Cyprus. H e expl ains that Blocks 2, 3 and 9 have been assigned by the Government of the Republic of Cyprus to the Eni and Kogas companies for ex ploration and expl oitation of possible hydrocarbon reserves in the s eabed subsoil and that Eni an d Kogas have al ready commenced a drilling operation in Block 9, in accordance with an agreement they signed with
the Government of the Republic of Cyprus.
“This is the culmination of a continued provocative policy of disputing and interfering with the sovereign rights of the Republic of Cyprus in its exclusive economic zone through the expl oration and exploitation of this zone’s
natural resources in accordance with international law, including the United Nations Convention on the Law of the Sea,” the President adds.
The President recalls that this provoc ative policy included, apart from continued verbalthreats and rhetoric, the harassment of vessels performing lawful activities authorized by the Government of the Republic of Cyprus, by Turkish warships and military aircraft, and unlawful seismic surveys within the western exclusive economic zone of Cyprus by Turkish vessels.
Expressing grave concern over Turkey’s aggressive actions in areas in the eastern Mediterranean under the jurisdiction of the Republic of Cyprus, President Anastasiades notes that their timing, in the midst of a process aiming to
reunify the island, serves only to undermine the process and to raise more doubts as to Turkey’s commitment to it and contributes towards the increase of the overall tension in the eastern Mediterranean and the Middle East.”

The President further states that he has provided the Secretary General so far with ample proof of his goodwill and good faith in pursuing the negotiations for the settlement of the Cyprus problem and the efforts for a negotiated solution, as soon as possible.
But, in order to be successful in that endeavour, all sides should be able to show the same kind of com mitment and determination.
“Unfortunately, this does not seem to be the case with the Turkish side, as proven by the above-mentioned latest decisions and intended actions,” he adds. Moreover, he says that negotiating under constant threat and blackmail that undermine all
efforts to create the good environment necessary for a successful outcome of the negotiations for the settlement of the Cyprus probl em is not just counterproductive.
It also has a negative effect on public opinion, which should be able to support our effort for a settlement and needs to be convinced that confidence and trust between the sides could and should be restored.
“Given the Turkish threats and blackmail, I am obliged to suspend my participation in the meetings with Mr Eroglu, under the aegis of Espen Eide, on 9 and 10 October, to allow time for you and other Governments, friends of your good offices mission, to convince Turkey to reconsider,” he points out.
Finally, President Anastasiades calls upon the Secretary General to intervene in an effort to convince the Turkish Government not to go ahead with the realization of the intended seismic survey or any other interference and violation of the sovereign rights of Cyprus in its EEZ, as such a realization would strike a heavy
blow against the negotiations for the settlement of the Cyprus problem. “Moreover, your success in convincing Turkey to refrain from carrying out its intentions will be a great contribution towards decreasing tension and creating conditions of stability in the already volatile region of the eastern Mediterranean and
the Middle East”, he concludes.
President Anastasiades’ letter was circulated on 20 October as a document of the UN General Assem bly, under agenda item 74, and of the Security Council.“
[Die Frage ist, wer hat den Brief dort letztendlich gelesen?]

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Respekt, wem Respekt gebührt!?

Hätten Sie gedacht, dass das Schwyzer-Dütsch, das sogar von Schweizer Politikern vor laufender Kamera gesprochen wird, immer wieder, eine richtig klasse Funktion gesellschaftlich in der Schweiz hat? Den Ausländern, die integriert werden wollen und sollen, erleichtert es nämlich den Eintritt in die Schweizer Gesellschaft. Denn wer Schwyzer-Dütsch reden kann, ist schon fast integriert. Im Gegensatz zum deutschen Modell, wo der toll ankommt, der Hochdeutsch am besten trällern kann, verlegen sich die Schweizer lieber auf die Sprache, nach der ihnen der Schnabel gewachsen ist als Marker. Es ist also eher auch eine Herzensangelegenheit, kein Art abstrakt, schulisch-etc.-erworbenes Etwas. Insofern irrt, wer denkt, die Schweizer könnten es nicht besser – sie wollen es einfach irgendwie nicht passieren lassen, Hochdeutsch ihr Gemeinwesen – langsam aber sicher – zersetzen zu lassen. Um dazu Näheres zu erfahren, macht es gewiss Sinn und vor allem Spaß, Herrn Koydl zu Rate zu ziehen.
Wofgang Koydl hat im Orelli Füssli Verlag ein wunderbares Buch zur Schweiz im Vergleich hauptsächlich zur BRD verlegen lassen, Die Besserkönner (2014 herausgekommen). Und so schreibt er auf Seite 8 der Einleitung unter anderem: „Warum schaffen es Schweizer, vier Religionen, vier Volksgruppen mit vier Sprachen und 26 verbissenen auf ihre Eigenständigkeit bedachte Kleinstaaten friedlich und zum gegenseitigen Vorteil unter einem Dach zusammenzuhalten…? … .
Zeit-Herausgeber Jofes Joffe gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er von der Schweiz spricht: „Der deutsche Mensch, dessen Staat knapp die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes kassiert, kommt aus dem Erstaunen nicht heraus: Helvetiens Staatsquote liegt bei einem Drittel, die Staatsschuld bei 35 Prozent vom Wirtschaftsauskommen. Und doch funktioniert die Schweiz mindestens so gut wie Deutschland…. . Es gibt vieles, was die Schweizer besser können… . Die Welt verbessern wollen Schweizer … nicht…. .[G]rundsätzlich halten Schweizer Besserwisser für arrogante Schnösel und Weltverbesserer für windige Heißluftproduzenten…. . Die Rede ist des Schweizers Sache nicht, genauso wenig, wie er es schätzt, wenn ihm jemand hineinredet. Er handelt lieber – still und zielstrebig…. . Ein Europa a la Suisse wäre besser nicht nur für die Schweiz, sondern auch für Europa und seine Bürger. Will die Schweiz in ihrer bisherigen Form überleben, muss sie ihr System exportieren. Sonst würde sie gezwungen, im Interesse eines homogenisierten Europas ihre Besonderheiten dem Mainstream anzupassen…. .
Die Eidgenossenschaft hat zwar dieselben Proleme wie andere postindustrielle Gesellschaften, aber ihre Lösungsansätze sind oft anders, origineller und deshalb nicht selten beispielhaft…. Natürlich leben außerhalb der Schweiz nicht nur Deppen. Die Berufsbildung in Deutschlad mit dem Dualsystem aus Schule und Praxis ist vergleichbar genial wie in der Schweiz. Selbstbewusste Individualisten findet man auch im Vereinigten Königreich. Skandinavier sind stolz auf ihre gesellschaftlliche Solidarität. Voluntarismus, die Bereitschaft, freiwillig anderen zu helfen, ist in den Vereinigten Staaten genauso stark ausgeprägt wie in der Schweiz. Und belgische Schokolade und französischer Käse können sich mit Schweizer Produkten messen.
Aber nur die Schweiz bietet das Gesamtpaket [der zuvor aufgezeigten Qualitäten oder Charakteristka]…. .[W]ie sie der freisinnige Appenzeller Abgeordnete Andrea Caroni einmal [so] aufgezählt hat: ‚Unsere heimatverwurzelte Weltoffenheit, unser selbstkritischer Patriotismus, unser bescheidenes Überlegenheitsgefühl …, unsere waffenstrotzende Friedensliebe, unsere volksverbundene Politelite, unsere kühle Gastfreundschaft, unsere krämerische Großzügigkeit, unser kollektiver Individualismus, unsere europhile Europhobie, unsere kosmopolitische Lokalkultur, unsere bürgernahe Bürokratie, unsere strategische Strategielosigkeit, unser träger Fleiß …, unsere säkulare Religiosität, unsere gestaltete Naturlandschaft, unsere selbsicheren Selbstzeweifel, unser modernes Traditionsbewusstsein…. .
Das Schweizer Modell sprengt ideologische Raster. Denn letzten Endes geht es um etwas sehr Einfaches: dass freie Individuen frei darüber eintscheiden können, was das Beste für ihre Gemeinschaft ist…. Es wird Zeit, von [den Schweizern] zu lernen…. .[Viktor Geacobbo, ein Schweizer Kabarettist] … muss eine Weile überlegen, bevor er auf die Frage antwortet, was denn den Schweizer im Kern ausmacht. ‚Das Hauptimage, also wie er sich selbst sieht …, ist eine gute Mischung aus einer leichten Minderwertigkeit der weiten Welt gegenüber und einem gleichzeitigen Stolz darauf, dass er Schweizer ist, weil eben die Schweiz immer ein wenig anders ist als die übrige Welt. Das denkt der Schweizer jedenfalls.Das Prinzip Sonderfall Schweiz ist in jedem Eidgenossen tief drinnen fest verankert, selbst wenn er das kritisch sieht. Vermutlich ist das auch eine der Triebfedern, die ihn antreibt’… .
Das Konstrukt [,welches die Schweizer als Nation zusammenhält, egal wie unterschiedlich sie leben und sprechen etc.] nennt sich Willensation, weil die Bürgerinnen und Bürger Schweizer sein wollen. Zwingen tut sie niemand. Das würden sie sich auch nicht gefallen lassen. [Der Unterschied zu anderen Nationen] besteht darin, dass ihnen dieses Gefühl oft aufoktroyiert wurde von machtbesessenen Herrschern, die einen einheitlichen Zentralstaat formen wollten [z.B. in Deutschland oder Frankreich]….. Schweizer besitzen außer den … Sekundärtugenden vieles, was Deutschen – zumal jenen aus den nördlichen Landesteilen – abgeht: Umgangsformen, Lebbensart, Savoir-vivre. Dazu gesellen sich Bescheidenheit, Höflichkeit, Verbindlichkeit, Kompromissbereitschaft und eine fast schon asiatisch anmutende Sorge, dass der andere das Gesicht verlieren könnte…. . ‚Man darf den Unterlegenen nicht demütigen‘, erklärt mir Pascal Couchepin fast schon beschwörend [ehemaliger Bundesrat]…. . Der Schweizer Publizist Roger Köppel bringt die Größenverhältnisse in Spiel [bezüglich der zuvor geäußerten Ansicht Couchepins]: ‚Wir sind ein kleines Land, da ist die Chance groß, dass wir einander irgendwann wieder begegnen’… . Das stimmt, übersieht aber, daass diese Gleichung bei anderen kleinen Nationen nicht aufgeht. In Albanien oder Sizilien etwa …. wird noch Blutrache ausgeübt. Das verleiht allen Begegnungen [im Alltag] zwar einen Adrenalinkick, gilt aber nicht als Ausdruck liebsnwürdiger Umgangsformen…. .
Generell bringen Schweizer mehr Geduld für ihre Mitmenschen auf als andere Völker…. .’Wir fühlen uns ausgeprägter der Harmonie verpflichtet, suchen das Verbindende, nicht das Trennende im zwischenmenschlichen Umgang‘, hat Christoph Stokar beobachtet. ‚Wir sind im täglichen Miteinander schnörkelloser als die Deutschen, pflegen generell eine höflichere Alltagssprache und unkompliziertere Umgangsformen’… . Vor allem achten Schweizer aufeinander…. Tatsächlich ist die soziale Kontrolle stark ausgeprägt, sogar in Metropolen wie Zürich oder Genf. Man schweigt nicht, wenn ein Mitbewohner gegen eine der zahllosen Regeln verstößt. [Damit können Russen scheinbar schlecht umgehen, schreibt Koydl. Ihnen wurden die gesellschaftlichen Regeln einst] von oben angeordnet und werden daher als sinnlos empfunden. Jeder Regelbrecher [wie oft auch in Deutschland] kann sich der klammheimlichen Sympathie seiner Mitbürger sicher sein: Denen habe wir es wieder mal gezeigt. In der Schweiz aber hat sich die Gemeinschaft diese Regeln selbst gegeben – als Grundlage für ein reibungsfreies Zusammenleben. Wer hier gegen Vorschriften verstößt, kann nicht auf Sympathie zählen. Im Gegenteil: Er stellt sich außerhalb der Gemeinschaft…. . [Koydl erwähnt hier das sogenannte Wir-Gefühl].
Im Alltag führt das Verantwortungsgefühl für die Gemeinschaft dazu, dass Bürger Mitmenschen zu Hilfe kommen, wenn sie belästigt oder gar bedroht werden…. . ‚Im Gegensatz zu den Deutschen haben wir keine Kasernenhofkultur‘ , betont Knigge-Autor Stokar. ‚Im Gespräch bevorzugen wir den Konjunktiv und nicht den Imperativ‘. Ein Beispiel: Ein Gartenrestaurant am Zürichsee an einem strahlend shönen Sommertag. Das Lokal ist bis auf den letzten Platz gefüllt, das Servicepersonal müht sich nach Kräften, die Bestellungen zu bewältigen. Sogar die Chefin packt mit an. Zwischen zwei Gästen dreht sie sich kurz zu einer Mitarbeiterin um. ‚Möchtest du Tisch fünf einmal fragen, ob sie noch was wollen‘ [; was sich im deutschen Kontext eventuell so angehört hätte: was stehst’e da rum wie angewachsen. Siehst du nicht…]….
Diese Wahlmöglichkeit erfährt der Schweizer auf Schritt und Tritt. Sie hat sogar Eingang in die Behördensprache gefunden. Eine Vorladung, sei es vor Gericht oder zur Fahrzeugkontrolle, ist hier immer eine Einladung – und die kann man theoretisch ausschlagen… .
Eine persönliche Beziehung [Erwähnung und Anrede] ist Schweizern sehr wichtig, und wenn sie noch nicht existiert, baut man sie eben auf. Dies führt unter anderem zu einer antiquierten und zuweilen extrem verschlungenen Etikette am Telefon. Man fällt mit einem Anliegen nicht wie mit der Tür ins Haus, sondern tastet sich allmählich vor – auf Umwegen über das Wetter, das persönliche Befinden und jenes der engeren Familie. Nich weniger ausfühlrlich verabschiedet man sich aus dem Gespräch [Von japanischen Ritualen spricht Koydl in diesem Zusammenhang. Der Schweizer Schriftsteller Peter von Matt schildert]: ‚ Als ich früher häufig mit Marcel Reich-Ranicki telefonierte, hat es mich immer irritiert, wie grob und kurz angebunden er zu sein schien. Einfach ‚tschüss‘ [sagte er] und [legte] auf. Es hat lange gedauert, bis ich gemerkt habe, dass er es nicht so gemeint hat’… .
Die in Hamburg lebende Schweizer Dramatikerin Laura de Weck hat festgestellt, dass ihre Landsleute ‚in nonverbaler Kommunikation intensiver trainiert‘ würden als die Deutschen [im Alltagsleben]. ‚Wir sind geschult darin, Aussagen nicht als solche hinzunehmen, sondern beispielsweise die Länge einer Pause zwischen zwei Sätzen zu bemessen oder einen stehen gebliebenen Halbsatz weiterzudenken… Unterhält sich ein Schweizer mit mir … ruft mein Schweizerhirn die Frage ab: Was will er damit eigentlich sagen? In Deutschland darf ich diese Frage ausschalten, mein Gegenüber sagt mir genau das, was er sagt’…. .
Mit dieser Art der verschlüsselten Rede verfolgen die Schweizer noch einen anderen Zweck: Sie möchten Konflikten vorbeugen… . Da hilft es, wenn man einander erst einmal sachte abklopft. Die mitunter fast schon obsessive Lust am Konsens ist denn auch ein Markenzeichen, das so schweizerisch ist wie das Matterhorn…. . Auch Roger de Weck meint, dass Deutschland ‚mindestens so konsensorientiert ist wie die Schweiz‘. Freilich sei das deutsche Konsenzbildungsverfahren ganz anders: Aus These und Antithese entsteht am Ende eine Synthese, der sich die meisten anschließen können. ‚Der ungeübte Beobachter deutscher Verhältnisse denkt, die beiden Kontrahenten kommen nie zusammen … . Aber schließlich gibt’s dann doch eine Große Koalition, eine Sozialpartnerschaft, einen Gesamtarbeitsvertrag, einen Interessenausgleich zwischen den Bundesländern‘.
In der Schweiz verhalte es sich genau umgekehrt: ‚Am Anfang ist der Konsens: Wir sind uns doch alle einig. Sobald das postuliert worden ist, zieht jeder den Konsens-Flickenteppich in seine Richtung. In der Annahme, man sei sich einig, darf man schon die Decke strapazieren. Am Ende steht dann die Anpassung des Konsens‘. [Wie Jean Ziegler (Buchautor u.a.) denkt auch Jean-Daniel Gerber (ehemals Leiter der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft) …, dass es ‚das Land zusammenhält… . Der Nachteil freilich ist, dass es in einer Krise keinen Chef gibt, de resolut und rasch die Richtung angibt‘. Dies habe sich zuletzt im Streit mit Amerikanern und Europäern um das Bankengeheimnis und die Schwarzgeldkonten gezeigt.. .
Eine blindwütge Streitkultur wird aus der Schweiz freilich nie werden. Dazu haben ihre Bewohner einfach zu viel Respekt vor der Meinung des anderen… .“
Wir finden, das ist sehr sympathisch. Mal sehen, was Koydl noch alles zu erzählen weiß über die Schweizer Nachbarn – die zugern auch Strafzettel an Autos mit deutschen Nummerschildern zu heften scheinen, die – wie ihre mit falsch parkenden Schweizer Autos – an Orten parken, wo eigentlich nicht geparkt werden darf. Hier scheint der Regelverstoß, von dem zuvor die Rede war als Ausschlusskriterium, auch national- oder lokslpstriotisch gefärbt lediglich geahndet zu werden. Immerhin: Dass man den Deutschen das Auto abfackelt, so weit ist es längst noch nicht, wie vor kurzem mal wieder im Osten Deutschlands, als ein Asylantenwohnheim angesteckt wurde, was sich leider (oder zum Glück?) nicht auf Ostdeutschland beschränken lässt, sondern auch im ehemaligen Westdeutschland immer mal wieder der Fall sein kann – und ist. Dass die EU gerade ausbrütete, Flüchtlinge noch aggressiver von der Festung Europa abzuhalten, anstatt endlich ihr Können, Wissen und ökonomische Macht zum Beispiel an der nordafrikanischen Küste von Tangir in marokko bis nach Port Said/Ägypten zu investieren, wird den Herren und Damen gewiss dann erst einfallen, wenn Chinesen, Inder und andere dieses Geschäft sich unter den Nagel gerissen haben werden. Von der Schweiz lernen, heißt eben, die Unterlegenen nicht zu demütigen. Die EU täte gut daran, diese Erkenntnis in ihrer Weite zu verstehen und, versteht sich, für sich zu nutzen (win-win und so).

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Kobane

Inzwischen ist der 13. Oktober. Einige deutsche Journalisten sollen in Diyarbakir/Türkei in Haft geraten sein. Die Sabah von heute schreibt, die Journalisten hätten Jugendliche und Kinder dazu angestiftet, Autoreifen zu verbrennen. Wenn das stimmt, darf man sich denken: Wahrscheinlich der ’schönen‘ Bilder wegen, die dann geschossen werden können – und dann geschieht es ihnen schon fast recht im Knast etwas zu schmoren. Dass die deutsche Presse alles andere als frei ist, stand heute auch noch in der Sabah. Ein Journalist, Udo Ulfkotte, der bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung jahrelang in der Auslandsredaktion arbeitete, hat dazu offensichtlich ein Buch herausgebracht, “Gekaufte Journalisten”. Selbstzensur und von den Geheimdiensten vorgefertigte Artikel seien nicht ungewöhnlich in der Branche. Noch ist Kobane nicht gefallen.

2014-10-11 15.10.56

Am 11.10. 2014 hat eine Demonstration in Basel stattgefunden. Kurdische Organisationen, unter anderen, hatten dazu aufgerufen, gegen den sogenannten Terror der IS zu protestieren. In Basel ist es nicht zu Krawallen wie in einigen Städten Deutschlands gekommen. Am vorigen Freitag wurde bereits in Weil am Rhein demonstriert von Kurden und ihren Sympathisanten. Der Alevitische Kulturverein in Weil hatte dazu eingeladen, sich an der Demonstration zu beteiligen.

Auch am 11. 10. 2014 war unklar, ob die umkämpfte Stadt Kobane im Norden Syriens an der türkischen Grenze von den kurdischen Verbänden gehalten wird – zur Hälfte war sie da schon eingenommen. Seltsam ist an dieser Auseinandersetzung, wenn man es sich genauer durchdenkt, dass diese Stadt für die IS wichtig sein soll, weil diese Organisation dann ihren Verkauf von Rohöl etc. besser betreiben kann – bzw. weiterhin ungestörter betreiben wird, und zwar in die Türkei. Letzteres ist insofern widersprüchlich, da die Türkei ja neuerdings sagt, wir sind gegen den sogenannten Terror der IS und werden dagegen vorgehen. Das heißt, sie müsste dann auch den Handel mit Rohöl über die Grenze strikt unterbinden. Offensichtlich wird aber von beiden Seiten (der Türkei und der IS) stillschweigend davon ausgegangen, dass das keinesfalls der Fall sein wird, nachdem Kobane gefallen wäre.
Das heißt, die Kurden, die in der Region leben auf der türkischen Seite, tragen also eine gewisse Mitschuld, denn viele ihrer Bewohner bereichern sich ganz selbstverständlich an dem Rohstoff ‚geschmuggelt‘ aus Syrien, der sozusagen um die Ecke gelegen von ihnen Familien, Landschaften und eventuell ferne Verwandte im syrischen Teil von ‚Kurdistan‘ killt. Und von einem geeinten und unabhängigen Kurdistan träumen gewiss einige von ihnen seit Jahren – einem Staat Kurdistan.

Klar, ein Hauptschuldiger ist natürlich auch Ankara, da es schon seit Jahrzehnten versäumt, im Süden und Osten der mehrheitlich von Kurden bevölkerten Provinzen der Türkei Industrie, eine Infrastruktur nach Maßgabe dessen, was man zum Beispiel im Westen des Landes in den Großstädten für geboten hält, den Großstädten in besagter Region ebenfalls angedeihen zu lassen. Und so sind diese Menschen durchaus irgendwie dazu gezwungen, sich an diesem (in vielerlei Hinsicht) grenzüberschreitenden Handel zu beteiligen – der sich letztendlich in den Daten zum sogenannten Wirtschaftsaufschwung des Landes positiv verbuchen lässt. Die Politiker der Türkei bringt längst nicht genug Kraft und Willen auf, den angeblich herrschenden ökonomischen Erfolg ohne solche versteckte Helfer zu bewerkstelligen.

Ja, die Türkei, wird geschrieben, betreibe derzeit eine Politik, die undurchsichtig sei. Nun, welches Land tut das denn bitte sehr nicht? Außerdem hat sich die Türkei bereits klar positioniert, als sie ihre frischen, freundschaftlichen Banden mit dem Assad-Regime abbrach. Nicht dass hier jemand daran gelegen wäre, Positionen Herrn Erdogans, dem neugewählten Präsidenten der Republik Türkei, zu vertreten, doch sich besonnen gebend (stand in der türkischen Sabah (10.10.14) mehr oder minder aus seinem Munde), dass er das türkische Volk wissen lässt, nicht gewillt zu sein, in die nächste, ihm gestellte Falle zu tappen. Denn diejenigen, die schreien: Warum macht die Türkei denn nichts gegen diesen Terror der IS? Genau die sind es dann nämlich, die im Handumdrehen, wenn was getan wurde, jene werden, die von Großmacht-Allüren Ankaras reden und von türkischem Militarismus und Imperialismus. Engin Ardic schrieb in der Sabah (10.10) bezüglich der Demonstrationen, deretwegen einige Menschen starben in der Türkei und viel Sachschaden entstand: “Ziel ist, Erdogan zu stürzen. Doch wie soll das gehen, den Präsidenten der Republik, der durch Volkes Stimme gewählt wurde, nach bereits 2 Monaten stürzen zu wollen. Geht das überhaupt? Wenn er auch bockbeinig ist, er ist der Träger gewisser Hoffnungen… . Das Militär wird kommen, die Türkei wird in den Stand der 80er und 90er Jahre zurückversetzt, bewaffnete Auseinandersetzungen werden zunehmen, und in diesem Gemenge von Ideen wird in der beschriebenen Notlage eine kurdische Unabhängigkeit entstehen… SO GEHTS NICHT WEITER, ist der Spruch, der diesen Wunsch [nach Unabhängikeit] stets begleitet…. . Wie die HDP, [eine kurdisch-stämmige Partei in der Türkei, die im Parlament ein Paar Sitzchen hat], die wie in einem fiktiven Manga bereit ist, mit dem Feuer zu spielen… . Die hat die Regierung zum einen beschuldigt, Kobane nicht zu retten, und zum anderen, dass so eine Aktion auf keiner juristisch fundierten Grundlage basiert und stimmte daher im Parlament mit NEIN [zum Einmarsch der türkischen Truppen]. Was ist denn das für ein widersprüchliches Verhalten?“, fragt Ardic zurecht.

In einem Interview mit dem Generalsekretär der Hüda-Par, Herrn Zekeriya Yapicioglu, sagt dieser, dass die HDP, wie auch die BDP, beides Parteien, die ihre Legitimation aus der Verteidigung der Rechte insbesondere der Kurden in der Türkei beziehen und daher von diesem Bevölkerungsteil der Türkei hauptsächlich gewählt werden, findet, dass diese beiden Parteien schon längst nicht mehr die kurdischen Interessen im Parlament von Ankara vertreten würden. Seine Partei spielte da zunehmend eine Rolle. Dass die Hüda-Par die Nachfolgepartei der türkischen Spielart der Hizbullah ist, ist vielleicht noch nicht jedermann klar, von daher sei es kurz erwähnt. Ebenso soll noch daran erinnert werden, dass die Hizbullah der Türkei seinerzeit (80er und 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts) zusammen mit dem türkischen Militär, als dessen ‚Frontschweine‘ sozusagen, Kurden abmetzeln ging, und das als eine Organisation – inzwischen Partei – , die hauptsächlich Kurden in ihren Reihen hat. Zekeriya Yapicioglu gibt sich im Interview zahm wie ein Lamm. Nein, nein, was die ISIS tut, sei gar nicht gut und werde überhaupt nicht gutgeheißen. Und die PKK, die sind “vom Teufel” getrieben. Dass der smarte kurdische Politiker Selahettin Demirtas (HDP) vor kurzem verlautbarte vor laufenden Kameras: “Wenn Kobane fällt, ist überall Kobane”, wird den Guten wahrscheinlich demnächst noch hinter Schwedische Gardinen bringen. Das wird gewiss als Volksverhetzung demnächst geahndet, wenn das Anstiften zum Verbrennen von Autoreifen schon als Akt von Spionage und womöglich demnächst noch als Bildung einer terroristischen Einheit eingestuft wird. Wir werden sehen. Jedenfalls findet Yapicioglu in diesem Moment des Interviews sogleich Gelegenheit, in das Feuer noch etwas Brandbeschleuniger reinzuwerfen, indem er bezüglich der Aussage von Demirtas zurückfragt, die er gefragt war zu kommentieren: “Ist das nicht ein Aufruf zur Gewalt?”

Die Kurdenfrage sei jedenfalls nicht alleine eine Angelegenheit der PKK, wie es von den Medien andauernd transportiert werde, meint Yapicioglu. Es gebe einfach zu viele Akteure, versteht sich, seine Partei inbegriffen, die allerdings meistens in diesem Zusammenhang kaum erwähnt wird, weil sie sich bislang noch nicht mit Aktionen wie einst als Hizbullah hervortat. Doch am Schluss des Interviews muss es einfach raus aus ihm: “Wir haben noch niemanden angegriffen, aber von nun an werden wir es niemand mehr erlauben, uns wie Opferschafe am Hals aufzuschlitzen!” (Sabah, 13 Oktober 14)

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Podiumsgespräch mit Landtagsabgeordneten zum Verhältnis von Politik und Kirche. die fand statt in Lörrach am 11. Oktober in der Alten Feuerwache!

Eigentlich war es ja doch ein recht schöner Tag, der 11. Oktober 2014. Ja, es nieselte etwas, doch kalt war es nicht. Man durfte durchaus glauben, dass die Aussicht auf sonnige Tag, wie berichtet wurde in den Nachrichten, durchaus besteht.
Weniger sonnig war das Anliegen, für welches ich mich dann am Nachmittag kurzfristig entschloss: die Demonstration kurdischer Organisationen und Verbände plus ihrer Sympathisanten, die vom Messeplatz in Basel bis zum Barfüßerplatz marschierten. Dazu im nächsten oder darauffolgenden Beitrag mehr.

Gespannt war ich vor allem auf den Abend in der Alten Feuerwehrwache (glaube ich, heißt der Ort) von Lörrach, wo die evangelische Gemeinde Kanderns unter Pfarrer Matthias Weber zum Streiten über das Verhältnis von Politik und Kirche eingeladen hatten – zu einem schönen Streit, wenn so gesagt werden darf, kam es dann aber leider nicht, zumal für die sich anschließende Diskussion erschreckend wenig Zeit gelassen wurde. Das war sehr schade, denn im Publikum schien durchaus sehr viel Redebedarf vorhanden gewesen zu sein von Leutchen, wenn Sie erlauben, die was zu sagen hatten, wie zu vernehmen war. Es fungierte also, um es mal auf die Nette zu sagen, die späte Stunde als Zensor.

Da von mir bewusst die Aufzeichnung zum 3. Part der Veranstaltung zu „Staat und Politik“ nicht aufgezeichnet wurde – was vielleicht keine all zu gute Idee war, da dieser Part entgegen meinen Erwartungen auch sehr stark war – sei daher kurz erwähnt, dass die Positionen, die von den eingeladenen Gästen zum gestellten Thema vertreten wurden, hochinteressant waren. Auch wenn der Wohlstand und allgemeines Desinteresse von großen Teilen der Bevölkerung von ihnen beklagt wurden, die für den Rückgang der Kirchengemeindemitgliederzahl und der mangelnden Teilnahme an Wahlen etc. zeichnen, fand ich, umging man auf dem Podium geschickt die eigentliche Frage-Stellung, die auch noch gestellt hätte werden müssen, nämlich, die nach der Glaubwürdigkeit, sei es vom Staat oder der Kirche.

Dass die Kirchensteuer als ein positives Instrument geschildert wurde, verwunderte wenig, auch, dass die Politiker sich nicht dagegen verwehrten. Schade war, dass niemand, außer einem älteren Herrn aus dem Publikum, der seine Frage dahingehend formulierte, aber keine Antwort darauf erhielt und gebeten wurde, sich kurz zu halten – der frühere evangelische? Pfarrer aus Lörrach sprach nach ihm mindestens doppelt so lang als Fragender aus dem Publikum, auch ebenso interessant im Gehalt, wurde aber nicht ermahnt, sich kurz zu fassen – nun, dieser ältere Herr warf die Frage auf, ob Staat und Kirche nicht vielleicht doch bereits zu sehr miteinander kungeln (er drückte sich natürlich anders aus), so sehr, dass von einer Trennung der beiden bei bestem Willen keine Rede sein kann etc.

Herr Stickelberger, von der SPD ausgerechnet, meinte davor unter anderem, also in dem Segment, welches nicht aufgezeichnet wurde und wo das Verhältnis von Politik und Kirche angegangen wurde thematisch, dass Staat und Religion sich ja vielleicht in Zukunft doch etwas mehr zusammen legen sollten, um zum einen die Wahlbeteiligung etc. wieder zu heben in der Bevölkerung und zum anderen die Besucherzahlen in den Kirchen zu erhöhen und die Austritte zu verringern etc. Ich dachte da unter anderem: Khomeini lässt grüßen! Doch so, wie der Sachverhalt hier vereinfacht dargestellt wird, hat sich Herr Stickelberger selbstverständlich nicht ausgedrückt, schon gar nicht mit diesen Worten, doch von der Aussage her ging es schon ziemlich gewagt in die zuvor erwähnte Richtung.

Es ist also sehr ratsam, und eigentlich daher habe ich den letzten Part der gestrigen Veranstaltung nicht mitgeschnitten, am 29. Oktober um 20 Uhr unbedingt nach Kandern in die evangelische Kirche zu kommen, Eintritt ist wie auch gestern Abend frei, um zum gestellten Thema Prof. Wolfgang Huber aus Berlin reden zu hören. Etwas auffällig war heute Abend, dass Männer – mal wieder – klar in der Überzahl waren auf dem Podium: 5 zu 1.

Für die wenig professionelle Aufnahmequalität der Mitschnitte dieser öffentlichen Veranstaltung in Vorbereitung zum Lutherjahr 2017 entschuldige ich mich hiermit.

Als ersten zitierte Pfarrer Weber Herrn Josha Frey, Bündnis 80/Die Grünen zu sich an den kleinen Tisch zum Gespräch, um ihn so etwas ganz Außergewöhnliches zu fragen, wie die Frage nach seiner religiösen Sozialisation, oder wie er sich ausdrückte. Doch hören Sie selbst:

Dann kam Ulrich Lusche von der CDU an die Reihe, der von den drei Politikern auf dem Podium so in etwa der konservativste war, obgleich er der jüngste gewesen zu sein scheint. Das ist auch die Aufzeichnung, die am längsten dauert, da sie auch den Part enthält, wo es um Asylpolitik geht, in der auch die Kirche bekanntlich eine wichtige Rolle spielt.

https://myspace.com/webskip/music/songs?sid=96392053
(auf den Button „play all“ drücken, über „Staat&Chille2„. Flashplayer muss installiert sein)

Zuletzt kam Dr. Rainer Stickelberger von der SPD ans Tischchen, um seine Sozialisation darzustellen. Wer ihn kennt, weiß, dass er als Herausstellungsmerkmal hat, nicht nur wie die anderen gut sprechen zu können, sondern zusätzlich auch durch seinen Habitus und Eloquenz den Eindruck erweckt, mit seiner klaren, etwas dunklen Stimme, die Redlichkeit mit dem Löffel eingetrichtert bekommen zu haben – und eine gewisse Autorität, die gekleidet in Eleganz daher zukommen scheint, die Widerspruch eventuell kaum kennt, und versteht sich: immer freundlich, sachlich und eben eloquent. Die anderen Akteure auf dem gestrigen Podium, die einzige Frau inbegriffen, kurz, der ganze Abend, hat meine Erwartungen inhaltlich, und überhaupt, durchaus übertroffen. BRAVO!

Ach ja, fast hätte ich es vergessen. Der erste Part der Veranstaltung behandelte die Bildung: konfessioneller Religionsunterricht Ja oder Nein stand vor allem im Raum. Dafür waren sie alle: Frey, Stickelberger und Lusche. Ein Unterricht, wo ein genereller Überblick vermittelt wird, wie im Ethikunterricht, scheint nicht zu gefallen. Und sehr oft wurde der Islamunterricht, und die Art und Weise, wie er stattfinden wird oder könnte, in dunkelsten Farben ausgemalt – was eigentlich schade ist, ja, durchaus etwas an eine Art Vorverurteilung erinnerte -oder an einen Generalverdacht, oder so was in diese Richtung gehend. Und das, wo doch sehr wohl die meisten Muslime, die in der BRD leben, kein Problem haben mit dem, was im Grundgesetz steht und gefordert wird – vermute ich mal, ohne Statistik dazu zu bemühen.

https://myspace.com/webskip/music/songs?sid=96392053
(Button Staat&Chille3)

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