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Archive for Juli 2014

die Lösung

Am 27. Juli 2014 schreibt die zyprische Politis-Tageszeitung: „ Hasan aus Antrolikos ist gestorben!“ Der Artikel stammt von Panikos Chrisanthos und er füllt gewiss die Leere, die viele von uns in diesen Tagen spüren, nicht allein, weil das sogenannte Sommerloch anbricht, sondern auch, weil der Wahnsinn um einen zunimmt – obwohl es auch in diesem Beitrag, wie könnte dem in diesen Zeiten anders sein, um den Tod geht, doch vor allem um Lösungen, die Lösung.
Der Text des Artikels wird aus dem Griechischen, teilweise Zyprischen, auszugsweise übertragen:
„Unser Freund starb vergangenen Dienstag (vor einer Woche), der Hasan aus Antrolikos. Wir begruben ihn (bereits) am Mittwoch, abends um 16 Uhr. Er war ein weiser Mann… . Und das Leben war sehr großzügig, stattete ihn mit vielen Erlebnissen aus und Lehren (die es wohl daraus zu ziehen gab). Ihn, den armen Schäfer aus Antrolikos.
Mit 10 Jahren gab ihn sein Vater an einen griechisch-zyprischen Freund in Akamas als Hirtenjungen ab. Er sagte ihm, die Herde ist jetzt wie deine Familie für dich. Und es machte dem Hasan nichts aus, dass sie ein Kreuz trugen, und auch er sagte: „Oh Jesus Christ“ oder „Mutter Maria!“ Des Weiteren sagte er zuweilen: „Gott ist Einer. Die nennen ihn Christus, wir Allah!“
Nun, Hasan, ein Türkischzyprer und Muslim, wuchs auf unter den Griechischzyprern, den Christen, auf der Halbinsel Akamas. Chabu war eines der Kinder der Familie (in die er gegeben worden war). Sie war 4 – 5 Jahre älter als er. Als er dort ankam, war er ein Kind und sie bereits ein junges Mädchen. Chabu brachte ihm besondere Fürsorge entgegen und kümmerte sich um ihn, als sei er ihr kleiner Bruder. Im Laufe der Zeit wandelte sich die Sympathie in Liebe, die im Geheimen blühte. Sie wagten nicht, diese nach außen zu tragen, zumal Zypern bereits den Weg in Richtung nationalistische Spannungen eingeschlagen hatte. Es hatte der bewaffnete Kampf gegen die britische Kolonialherrschaft begonnen… . Bereits viele Türken in der Position eines Hilfspolizisten gaben sich dazu her, gegen bewaffnete griechisch-zyprische Verbände [oder Banden} zu kämpfen. Das führte zu Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen. Als die Spannungen dann in die Provinz sich ausbreiteten und die Eltern der Chabu sie mit jemand anderem verheiraten wollten, machten sich die beiden aus dem Staub und flüchteten nach Antrolikos. Dort erwartete sie eine unverhoffte Überraschung: Die Männer des Dorfes, aus dem Chabu stammte, kamen bewaffnet … , um sie zu „befreien“. Als die Dörfler die Geschichte gehört hatten, bewaffneten sich auch diejenigen vom Dorf, aus dem Hasan stammte und verstellten den Eingang des Dorfes, um das Liebespaar zu schützen. Die politische Führung jener Zeit, Polizisten, griechisch- und türkischzyprische Abgeordnete kamen ins Dorf, und das mit einem Ziel: Das Paar sollte sich trennen, damit kein Krieg [ihretwegen] losbricht. Niemand kümmerte, was das Paar wollte. Lediglich die einfachen Leute von Antrolikos – zum einen stolz darauf, dass einer aus ihren Reihen eine Griechischyprerin ‚gestohlen‘ hatte; zum anderen aus Mitgefühl für die große Liebe der beiden (in ihrer Mitte). Sie verteidigten sie, stellten sich vor die beiden. Das Beharren von Hasan und Chabu darauf zusammen leben zu wollen, erhielt die Unterstützung des gesamten Dorfes (ein türkisch-griechischzyprisch gemischtes Dorf), was zu einer frühzeitigen Lösung führte (auf was der Autor hier anspielt, ist offensichtlich – die Lösung der Zypernfrage. Bekanntlich wird noch immer (2014) verhandelt deswegen. Und das wird so, wie es aussieht, wohl auch genauso weiterhin bleiben. Der Autor des Beitrags, Panikos Chrisanthu, schreibt recht anschaulich davon, dass auch die Ereignisse auf Zypern in 60er und 70er Jahren dem Paar große Sorgen und Schwierigkeiten bereiteten: denn Hasan war türkisch, sie griechischzyprisch und beide hatten einen jeweils anderen Glauben).
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„2007 starb die Chabu. Ich wurde Zeuge einer kleinen schockierenden Geschichte, die diesen Tod (leider) begleitete. Als Chabu im Allgemeinen Krankenhaus von Nikosia im Sterben lag, kam sie Hasan ab und an besuchen. Er ließ seine Tiere auf der Weide oder beauftragte jemand, sich um sie zu kümmern. Er blieb den ganzen Tag an ihrem Bett und abends fuhren wir zurück in die Gegend von Polis. An einem dieser Besuche sprach er zu ihr über den Tod, sehr ernsthaft. Er sagte ihr in meiner Anwesenheit ungefähr (und im zyprischen Dialekt selbstverständlich): „Hey Frau, ich frag dich jetzt was. Versteh mich nicht falsch. Wir wissen ja nicht, wer von uns beiden zuerst stirbt. Das kann ich sein oder du. Unser Sohn sagte mir, du hast ihm gesagt, dass wenn du stirbst, dass du dann in deinem Dorf begraben werden willst. Stimmt das, sag es mir, damit ich es weiß!“ Sie sagte, dass sei nicht wahr. „Dort, wo du begraben wirst, möchte auch ich begraben sein: Zusammen im Leben, zusammen im Tod!“ , antwortete sie. Doch eine Bitte hatte Chabu, nämlich, als Christin beerdigt zu werden. Das versprach ihr der Hasan.“ Und so beschloss er, sie in Antrolikos zu begraben. „Als Chabu gestorben war, verweigerten die Priester (jedoch) sie als Christin zu beerdigen: „Sie ist keine Christin. Beweis ist, sie ließ ihre Kinder nicht taufen!“
Der Muslim Hasan ging bis zum Erzbischof (höchste Instanz auf der Insel), kämpfte, um Chabu als Christin beerdigt zu wissen. Eine surrealistische Szene aus unserem schizophrenen Land: Ein Muslim kämpft darum, seine christliche Frau christlich zu beerdigen; und die, die die Religion vertreten, werden zu einem Ziloten des Hass‘, der Feindschaft gegen das Andere. Hasan ging (wie gesagt) bis zum Erzbischof mit dem Ausweis der Chabu in der Hand, der von der Republik Zypern ausgestellt worden ist, wo geschrieben steht: „Chalambia Mustafa!“ Schon ihr Vorname zeigt, dass sie Christin ist. Der Erzbischof stimmte [jedoch] nicht zu.
Chabu wurde auf dem Friedhof von Antrolikos nicht begraben. Der Analphabet Hasan, der Schäfer, ist gebildeter als alle Gebildeten [der Insel] und fand den goldenen Schlüssel. [Hinzugefügt sei] auf einem muslimischen Friedhof sie zu begraben , würde (einige Leute offenbar ebenfalls) beschämt haben. Sie gruben ein Loch neben dem Friedhof und begruben Chabu dort. Hasan machte ihr ein Beet und ein Kreuz und ging sie jeden Tag besuchen… .“
Hasan hat darum gebeten, ihn neben sie zu legen mit einem Stein, auf dem steht: „Seiner Seele eine Fatiha“ Bekanntlich ist die Fatiha das muslimische Vater unser. Wir dürfen davon ausgehen, ist zu hoffen, dass dem Wunsch des Schäfers namens Hasan entsprochen wurde und man ihn außerhalb des Friedhofs neben seiner Liebe des Lebens begraben hat.
Was auf der Insel ganz besonders verwundert, ist, dass die internationale Gemeinschaft mit den griechischsprachigen Insulanern auf eine gewisse Weise deren zögerliche Politik in Sachen Wiedervereinigung unterstützt. Denn sonst wäre schon längst mal jemand auf die Idee gekommen, anzuordnen, und nicht darum zu bitten, dass in Grundschulen und Gymnasien gefälligst mal damit begonnen wird, obligatorisch ein paar Stunden Türkisch unterrichten zu lassen – zumal der Großteil der Bevölkerung sich noch immer hartnäckig, um nicht zu sagen wie beschränkt, weigert, den türkischsprachigen Norden überhaupt aufzusuchen. Die wollen ein Gebiet zurück, welches siedie meisten inzwischen gar nicht kennen, nur vom Hörensagen. Dass die andere Inselseite bereits so weit ist. Griechischkurse zu installieren, und dazu noch vermehrt bereit wäre, ist schon seit Längerem zu belegen. Versteht sich, dass die im Norden sich nicht so weit aus dem Fenster lehnen, um nun gleich, ohne ersichtliche Bemühungen des griechischsprachigen Südens in die entsprechende Richtung, obligatorisch Griechisch in den Grundschulen einzuführen. Die Türkischzyprer jedenfalls sind diejenigen, die diesbezüglich bereits nachweislich und schon seit Längerem den ersten Schritt setzten. Die Griechischzyprer sind mal wieder gefragt, dem zu folgen. Doch anstatt werden wir wohl gezwungen sein, zu ihren Versäumnissen noch etwas mehr zu erfahren – wahrscheinlich schon im nächsten Artikel.
Und wenn sie nicht gestorben sind beim Lösen ihrer Lösung des Zypernproblems und/oder anderer ähnlicher ‚Fälle‘, dann lösen die wohl noch morgen das, was Leute wie Chabu und Hasan trotz aller Widrigkeiten schon längst gelöst und gelebt haben – Amen!

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Emre Kongar schreibt in der Cumhuriyet vom 19 Juli 2014: „Was zu erwarten war, ist eingetroffen (eines der Ergebnisse des Arabischen Frühlings, das Chaos, welches die ISIS kreierte), die Bodenoffensive (der Israelis) wurde begonnen. Die haben das Chaos für sich ausgenutzt. Das Gemetzel weitet sich aus… . Leider hat die Türkei, das Zweiergespann Davutoglu und Erdogan, Feststellungen getroffen, die Halluzinationen gleichen, die gemäß der Glaubensschulen ausgerichtet sind, die Gewalt unterstützen, harte Politiken, sei es in Syrien, dem Irak oder Nordirak, sei es im Palästina-Israel-Konflikt – das heißt, sei es im gesamten Nahen Osten, wo sie keinen Ausweg sehen.“

Die Bodenoffensive der Israelis in Gaza hat also begonnen. Ergin Yildizoglu schien davon bereits am 23. 06. 2014 etwas geahnt zu haben, als er zum Phänomen der ISIS in der Cumhuriyet Folgendes schrieb: „…, die (ISIS) hat im Mittleren Osten die Steine zum Tanzen gebracht. Diese Tatsache, können wir sagen, stützten 4 Dinge:

1) Das Kapital des Kapitalismus, der (internationale) Güterfluss, die aufs Mal sich beschleunigende Wirtschaft des Metallisationsprozess‘, die kulturellen Einflüsse;
2) dass mit dem Einmarsch der USA in den Irak eine Aufweichung der Grenzen begann;
3) das Aufwecken des Schii – Sunni-Konflikts;
4) zum anderen das Aufeinandertreffen des Dings namens „nationales-laizistisches“ Unterdrückungsregime mit dem als „extrem“ zu bewertenden „gemäßigten Islam“-Projekt, sowie beider Niedergang.

Gucken wir uns das kurz an:
1) Die ISIS ist das einflussreichste Teilchen, welches sich gerade in gesamt Nordafrika und dem Nahen Osten erhebt als dschihadistische Bewegung. Den Aufstieg dieser Bewegung können wir verbinden mit der nötigen menschlichen Energie, den Energiequellen lokaler Ökonomien, männerzentrierten Strukturen, den Beziehungen der Eliten (in der Region) mit den postkolonialen Klassen. Diese Energien wurden beim Arabischen Frühling (mehr als) sichtbar. Den
Aufständen folgte sogleich die imperialistische Einmischung, das Absetzen der lybischen Regierung (zum Beispiel) und das Verteilen von Waffen überall hin, und kann im Fall von Syrien (durchaus) als Beschleuniger bezeichnet werden.
2) Als die USA nach dem Irak eindrang, geschahen 3 Dinge: Seit dem das geschehen war, hat eine Gewissheit eingesetzt, nämlich die, dass die Grenzen des Sykes- Picot Vertrages (http://www.palaestina.org/fileadmin/Daten/Dokumente/Abkommen/Historische/sykes_picot_abkommen.pdf) ab jetzt nicht mehr gewährleistet werden können. Dass der Prozess der kurdischen Autonomie voran getrieben wurde dadurch, wie auch die Durchlässigkeit der syrisch-irakischen Grenze erhöht wurde. Al Qaida fand dort seither einen idealen Platz, sich zu vergrößern, und um gegen die Besatzung der USA zu kämpfen – wie auch andere dschihadistische Bewegungen im Irak.
3) Da die USA den Irak nicht zu stabilisieren vermochte, erhob sich das historische Monster des schiitisch – sunnitischen Konflikts. Das Saddam-Regime, welches dazu beitrug, Iran im Schach zu halten, war weg und nun fing die Angst der Saudis und anderer an, dass der Iran in der Region (ausgiebig) zu ‚operieren‘ beginnt… . Dieser Konflikt ist eine Art Wettbewerb und öffnete im Irak und Syrien sogenannten Stellvertreterkriegen die Tür. In diesem Stellvertreterkrieg unterstüzten sunnitische Länder in Syrien und dem Irak die ISIS – und Organisationen wie die Al Nusra.
4) Wie gesehen werden kann, hat das Projekt des gemäßigten Islams in der Türkei, Ägypten und Tunesien die autokratische Struktur nicht mit einer demokratischen ersetzt. Im Gegenteil! …
Ist die islamische Welt dem Bösen für immer ausgesetzt? Bezüglich des modernen Mittleren Ostens kann das Werk von David Fromkin, 2007, „Ein Frieden, alle Frieden zu beenden“ genannt werden. Auf die Frage, ob er (Fromkin) eine Einschätzung zur Lage des Mittleren Ostens geben könnte, antwortete er: „Der Mittlere Osten hat keine Zukunft!“ (Goldberg, The Atlantic 19.06.2014)… . Wenn wir Hegel zu beachten suchen, kann also von einem „schlechten Endlos“ gesprochen werden. Wir können Fromkin sehr pessimistisch finden, doch seine „Feststellungen“ sind nur schwer zu widerlegen. Und das hat (auch oder vor allem) mit der islamischen Welt zu tun… . Damit all Das in der islamischen Welt aus einem „unendlich Bösen“ herauskommen kann, bedarf es eines unparteiischen Dritten. Zuerst hat es so ausgesehen, als könnte der „gemäßigte Islam“ dieser Dritte sein, der individuellen Freiheiten, dem Respekt gegenüber dem Anderen, der Religion, Glaubensrichtungen wegen. Doch die haben, trotz ihres Potentials und der Anstrengungen einiger islamischer Intellektueller, all das verunmöglicht. Das hat damit zu tun, dass eine theoretische Thoelogie sowie die Praxis die Beiden trennen. Sie sind sich vom Wesen her zu verschieden. Erdogan sagte mal: “ Im Islam gibt es keinen gemäßigten Islam!“

Ein Weiteres ist, möchte ich hier kurz einflechten, dass Quran und Sunna sehr verschieden interpretiert und gelebt werden von Schiiten und Sunniten. Der Autor kommt zu dem Fazit, dass die negativen Entwicklungen in der Region und der Türkei sich leider fortsetzen werden – dass ein Ende der Auseinandersetzung Sunni-Schii noch längst nicht absehbar ist.
Emre Kongar, gewiss eine umstrittene Persönlichkeit der türkischen Zeitungszene, ist jedoch nicht der Einzige, der die Bodenoffensive der Israelis zu diesem Zeitpunkt mit dem inner-islamischen Konflikt verlinkt. Er geht offenbar sogar so weit zu fragen, ob der Anlass – der Tod von 3 oder 4 israelischen Thoraschüler und dem palästinensischen Jungen – vielleicht gar kein Zufall jeweils war, was Kongar so allerdings nicht explizit schreibt, aber implizit zum Ausdruck bringt.

Zur Position der zyprischen Regierung in diesem Konflikt und zur eigenen Problematik mehr in den folgenden Beiträgen auf Zypernundmehr-News! Doch Sie kenn ja bereits unsere Meinung zu den Wiedervereinigungsverhandlungen, eine Meinung, die sich einmal mehr auch in der heutigen Badischen Zeitung bestätigt, klicken Sie folgenden Link: 15. Juli Zypern 1974

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Öffentlicher Raum?!

Gut und schön, den gibts.
In Rust, wo der Europapark ist, hat sich das Projekt Wasserwelten (http://www.wasserpark-rust.de/), oder wie genau es dann heißen wird, angekündigt. Der Schwerpunkt wird auf Gaudi liegen, nicht auf Heilung und Therapie.

Manche finden das jetzt schon schade. Überhaupt verwundert, dass niemand Sturm läuft gegen diese
megalomanen Pläne. Immerhin wird zur Verwirklichung und Instandhaltung des Projekts einiges, so richtig viel Grund-Wasser verbraucht werden. Zu befürchten bleibt, dass die nahegelegenen Wälder (Ringsheimer- und Herbolzheimerwald) auf mittelfristige Sicht, zu wenig Wasser erhalten, wenn sie denn überhaupt als existenter Wald ins zukünftige Konzept der Ruster Gemeinde und des Europaparks passen – ganz zu schweigen von der gefährdeten Flora und Fauna und der Zersiedelung, die sich daraus zwangsläufig ergibt – noch mehr Beton etc.
Es soll durchaus vermehrt Stimmen geben, die wie Herr Gauck kürzlich in der Spionageaffäre mit den USA denken: „Jetzt reichts aber mal!“

Die Frage also, ob mit dem zugegebenermaßen begrenzt zur Verfügung stehenden Raum weiterhin so umgegangen werden kann und sollte wie gehabt, finden manche, gehört hier nun endlich exemplarisch zur Disposition/Diskussion gestellt – auch wenn es sich in Rust streng genommen um Grundstücke handelt, die nicht, wie das Tempelhoferfeld in Berlin (http://www.thf100.de/start.html), öffentlicher Raum im eigentlichen Sinne sind – doch dennoch werden Interessen der Öffentlichkeit in erheblichem Maße berührt, die zumindest indirekt sehr wohl den Öffentlichen Raum angehen. Kurz: Wie wäre es mit einem Volksentscheid darüber, ob die Wasserwelten in Rust so, wie geplant, verwirklicht werden oder ob das alles nicht doch noch mal ganz überdacht oder aber zwei Nummern kleiner aufs Trapez gehörte?

Hier nun als Exkurs ein uns zugeschickter Beitrag eines Autoren, der wenig Wert darauf legt, in diesem Zusammenhang seinen Namen irgendwo stehen zu sehen:

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„Volksentscheid? Die armen, getretenen Baulöwen müssen wohl abziehen. Nein, wie furchtbar! Und dann noch die vielen Verträge, die schon abgeschlossen waren. Ja, der gute Senator für Stadtentwicklung und Umwelt, Herr Müller, kann da nur noch sagen: Es ist jetzt ein Gesetz!
Zu Ihrer Information, verehrte LeserInnen: Das Volk hat entschieden. Es hat mit seiner Stimme den Gesetzentwurf, der von Bürgerinnen und Bürgern gefasst worden ist, bestätigt. Und das hat zur Folge, dass dieser Gesetzentwurf nun ein richtiges Gesetz ist, an das sich ALLE halten müssen.

Während am 25. 05. 2014 die Bürgerinnen und Bürger der EU zur Wahlurne gegangen sind, um die sogenannten Volksvertreter zu wählen, die dann u. a. auch Gesetze oder EU-Richtlinien verabschieden werden, die ihrerseits Geltung in den einzelnen EU-Staaten haben, handelte es sich bei der Wahl der Berlinerinnen und Berliner am 25.05. 2014 um etwas ganz Besonderes: Es fand ein Volksentscheid (https://www.wahlen-berlin.de/abstimmungen/VE2014_TFeld/allgeminfo.asp?sel1=6053&sel2=1000) statt. Das Volk selbst kreierte das Gesetz und nicht seine Vertreter!
Es handelt sich hier um einen der wenigen Fälle „Direkter Demokratie“ im wahrsten Sinne des Wortes in der BRD. So etwas hatte es in Berlin jedenfalls zuvor noch nicht gegeben. Die Berliner Verfassung eröffnet dem Volke nämlich die Möglichkeit eines Volksentscheides.
Wir bewegen uns – wie die Formulierung „Berliner Verfassung“ vermuten lässt – im Landesrecht, das heißt, der Berliner Landesverfassung.

Auf Bundesebene gibt es den Volksentscheid nicht, was ja Herr Gabriel (angeblich) bedauert. Wer`s glaubt, wird selig. Er gehört wie der Herr Senator Müller der SPD an. Herr Müller, der nachweislich gegen das Gesetz der Bürgerinitiative gewettert hatte, hätte doch dem Gabriel mal erklären sollen, wie schön so ein Volksentscheid ist, wie schön „direkte Demokratie“ (http://www.zeit.de/schlagworte/themen/direkte-demokratie/index). Das muss er
vergessen haben.
Nein, der Herr Senator Müller (http://www.spd-berlin.de/landesverband/personen-a-z/personen-m-z/mueller-michael/) fand den Volksentscheid gar nicht lustig.

Es gilt aber, das Augenmerk auf eine weitere Komponente zu legen. Weil, es ist ja für die gewählten Vertreter und Vertreterinnen des Volkes oft eine unproblematische Sache, einfach `mal einen öffentlich zugänglichen Raum zu vereinnahmen, ihn der Allgemeinheit zu entziehen. Das ist vorliegend aber nicht gelungen. Der der Allgemeinheit zugängliche Raum – das Tempelhofer Feld – bleibt ihr nach wie vor unentgeltlich zugänglich.

Dieses Problem, allgemein zugänglichen Raum zu verplanen, und ihn der Allgemeinheit zu entziehen, beschränkt sich nicht auf Berlin allein. Das ist ein weltweites Problem. Anders als in vielen anderen Ländern auf diesem Globus, ist es in der BRD mehr oder weniger risikofrei, für seine Rechte einzutreten als Bürger, zum Beispiel. Anders ist es da in der Türkei, wie die Auseinandersetzungen um den Gezi – Park in Istanbul zeigten. Die Rechtslage dort ist mir nicht
bekannt. Aber es ist mir soviel bekannt, dass das Risiko, eine massive Einschränkung in den persönlichen Rechten zu erfahren, dort doch um ein Vielfaches höher ist als in Berlin – noch scheint dem so zu sein.

Vielleicht, zu wünschen wär’s, macht Berlin als Beispiel für direkte Demokratie von sich reden. Und vielleicht wird auch andernorts erkannt, ES IST MÖGLICH, der Allgemeinheit zur Verfügung stehenden Raum als solchen zu erhalten und zu schützen.“

Einen Volksentscheid bzw. ein Bürgerbegehren zum Wasserwelten-Projekt anzustreben, vielleicht sogar über Rust hinweg, also im Ortenaukreis, ist wahrscheinlich Utopie. Doch wenn nicht zum verwirklichen, sei es ganz oder halb oder etwas abgeändert, zu was sind oder werden Utopien dann in Umlauf gebracht?

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Eine, Meine-keine

Oder

100 zu 0,5 oder: Eene meene muh und drauß bist Du!

Das Zahlenverhältnis beschreibt nicht unbedingt das Machtverhältnis USA – BRD, und der Kinderreim, der musste danach einfach sein. Es beschreibt auch nicht die Vorfreude einiger darüber, dass Herr Gauck die Diätenerhöhung der Parlamentarier eventuell nicht durchwinken könnte – und nun aber doch durchgewunken hat: „und drauß bist Du!“ Retrospektiv betrachtet bestand immerhin die Aussicht, dass man sich im Vorfeld darüber freuen konnte, dass Gauck sich dem Begehren der Parlamentarier nach noch höheren Diäten verweigert, zumal sein medialer Zweifel recht viel Wind machte, und man schon befürchten musste, er könne die 0,5% Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass dem Begehren womöglich nicht statt gegeben wird durch ihn.

Dass die Bundesregierung sich auf Knatsch mit der CIA und dem Foreign Office der USA einließ und eine Ausweisung eines CIA-Schnüfflers veranstaltet, darf wohl als innenpolitische Augenwischerei gewertet werden. Es gilt angesichts dieser Maßnahme schon fast Bange zu fragen, welcher Entscheid wohl ansteht, dass man sich zu so einem Schritt entschied?

Wetten, dass letztendlich die EU die Schweiz doch noch dazu bewegen wird, rote Linien zu überschreiten, die in einem sogenannten Verhandlungsmandat mit der EU von Seiten des Bundesrates der Schweiz festgelegt wurden? Nun, die Rede ist davon, dass die Schweizer sich noch immer wehren oder zieren, eine automatische Übernahme von EU-Recht zu akzeptieren. Sie haben halt ihre Neutralität und ihre Kantone, das Schweizer Demokratiemodell. Und noch einige mehr typisch schweizerische Utensilien sollen so lange wie möglich erhalten bleiben. Die Funktion von Schweizer Institutionen gehöre gewahrt, wird aus Bern verlautbart. Daher sei auch nichts drin mit einer EU-Überwachungsbehörde und dergleichen. Überhaupt hat man den Eindruck, dass es in der westlichen Welt immer weniger um Menschenrecht und Demokratie geht, als vielmehr um Sicherheit und Kontrolle. Und im vorherigen Falle, wie Roger Köppel schreibt in der Weltwoche, handelt es sich zwar auch um Kontrolle, Sicherheit und dergleichen, doch vorrangig um ein Missverständnis. Er schreibt: “In der Sache formuliert das EU-Dokument (nämlich) das bekannte Missverständnis: Brüssel geht davon aus, dass die Schweiz Mitglied seines Binnenmarktes ist und auch sein will. Ein Binnenmarkt ist uweit mehr als ein Markt. Ein Markt ist lediglich ein Absatzgebiet für Waren und Dienstleistungen. Ein Binnenmarkt ist ein territorial abgegrenztes Wirtschaftsgebiet mit eigener Rechtsordnung. Ein Markt regelt lediglich Produktbestimmungen und die Art, wie Produkte und Dienstleistungen verkauft werden können. … . Ein Binnenmarkt allerdings geht viel weiter. Er umfasst alle Gesetze, welche die Wirtschaft eines Landes regeln…. . Es geht um Politik: Gerade der europäische Binnenmarkt ist ausdrücklich mit dem Ziel eingeführt worden, den losen Staatenverbund der früheren Europäischen Gemeinschaft zu einem Bundesstaat neuen Zuschnitts unter dem Namen Europäische Union zu verschweissen…. Wer im EU-Binnenmarkt mitmacht, wird unweigerlich vom Sog erfasst…. [Die EU] betrachtet die Schweiz schon als Teil ihrer Rechtsordnung. Für die EU ist die Schweiz, was die Wirtschaftsbeziehungen angeht, eine Art Mitglied der EU, allerdings ein Mitglied, das auf eine formelle Mitgliedschaft verzichtet und deshalb nichts zu sagen hat.“

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„In der Schweiz hingegen kursieren ganz andere Vorstellungen. Der Schweiz ist von ihrer eigenen Regierung die Annäherung, der Zugang zum europäischen Binnenmarkt stets als blosses Verfahren zur Verbesserung der Handelsbeziehungen verkauft worden. Bundesrat, Wirtschaftsverbände und Parteien haben die Worte Binnenmarkt und Markt synonym verwendet. Niemand ist gegen Marktzugang, also war man auch für den Binnenmarkt, obgleich es sich um zwei grundverschiedene Realitäten handelt”.
Und dann, konkreter, erst noch die EU-Unionsbürgerrechtlinie, die bekanntlich die sogenannte Personenfreizügigkeit berührt. Da will die Schweiz (auch des Missverständnisses wegen) nicht einen Deut nachgeben – und schon gar nicht im Bereich der Steuern, wo eine steuerpolitische Einmischung der EU aussteht bis in “schweizerischkantonale Angelegenheiten”, schreibt Paul Engeler in der Weltwoche.
Dumm nur, dass es ziemlich sicher zu einem Freihandelsabkommen der EU mit den USA kommt (TTIP). Doch die Schweiz hat vorgesorgt, und zwar mit dem Freihandelsabkommen, welches letztens zwischen ihr und der Republik China beschlossen wurde – doch ob das reicht? Insbesondere dann, wenn das TTIP so geartet sein wird, dass nicht nur Zölle, sondern auch sogenannte technische Handelshindernisse beseitigt würden zwischen der EU und den USA, könnte die Schweiz (wieder) “Rosinen picken” und es könnte dann eventuell alles wie gewünscht klappen.

Letzteres stellt ein Europa-Experte so fest, nämlich der Herr Thomas Cottier, siehe Basler Zeitung vom 11. Juli 2014. Der Schweizer Dienstleistungssektor wäre bei erwähnter Konstellation des TTIP-Abkommens der EU mit den USA weniger in Mitleidenschaft gezogen, als wenn nur Zollhindernisse aufgehoben würden. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass obiges Zahlenverhältnis (100 zu 0,5) zugunsten der Eidgenossen schlussendlich herauskommt. Möglich, dass sich so etwas nach Jahren herausstellt, ungefähr so, wie beispielsweise die Löcher im AKW Leibstadt/Schweiz, welche ‚erst‘ seit 2008 Bestand haben sollen und vor kurzem entdeckt wurden. Ist doch bislang noch alles gut gegangen am AKW. Es bestand eventuell lediglich ein Risiko, wenn überhaupt, das bei ungefähr 0,5 zu 100 anzusiedeln wäre?
Am liebsten hätte man die Lochaffäre am AKW gern tot geschwiegen, gern so hermetisch abgebunden in etwa wie das diesjährige Sechseläuten in Zürich. Das wird nämlich diesmal eine reine Züricher Angelegenheit – dieses Sommerfest. Das soll bedeuten: Es gibt zum Fest des Sechseläutens nur den Kanton Zürich als Gastkanton der Stadt Zürich. Das ist ganz übertrieben betrachtet ungefähr so, wie die bilateralen Verträge, die die Schweiz mit der EU stets einging. Also Verträge mit einem Gebilde inner-außerhalb eines Gebildes, dass irgendwie sowieso dennoch dazu gehört. So was Ähnliches jedenfalls. Beklemmend nur, Urs Paul Engler kommt zu dem Fazit, dass das bilaterale Ding eigentlich tot ist inzwischen zwischen der EU und der Schweiz. Und Roger Köppel meint, die Schweiz muss der EU endlich klarmachen, “dass sie weder Mitglied des europäischen Binnenmarkts ist noch sein will…. Dank der Abstimmung über die Personenfreizügigkeit vom 9. Februar sind vielen Leuten im Land die Augen geöffnet worden. Sie stellten erstmals fest, dass der bilaterale Weg die Schweiz viel tiefer in die EU hineingeführt hat, als dies den Schweizern von ihrer eigenen Regierung bisher deutlich gemacht wurde.”

Nun, hoffen wir, dass es den Zürichern nicht so geht, und sie sehenden Auges zugucken, wie geschildert, oder, wie es angeblich der amerikanischen Präsidenten derzeit tun soll. Die Basler Zeitung schreibt nämlich: “Obama, der ernüchterte Optimist, hat das Interesse an einer Welt verloren, die sich nicht nach seinen Wünschen richtet. Speziell an einem Nahen Osten, der partout nicht der schönen Vision folgen will, wie er sie in seinen frühen Reden, in Kairo, in Istanbul, wunderbar philosophisch skizzierte”. Obama soll angeblich nur noch zusehen, also nicht mehr so recht agieren. Doof nur, dass diese ISIS-Kämpfer ausgerechnet jetzt dort irgendwo im Irak – das Gebiet ihres Kalifats soll sich bekanntlich bis nach Österreich erstrecken – sich offenbar etwas radioaktives Material gegrabbscht haben sollen; und nun wartet die Welt wohl darauf, dass der US-Präsident, der nur noch zuzusehen scheint, das Zusehen wie in Palästina und Israel gefälligst lässt.

Dumm gelaufen, könnte man sagen und sich wundern, dass diese Hammas Organisation in Palästina, die mit der ISIS irgendwie in Verbindung zu bringen sein dürfte, den einen oder anderen Atom-Meiler in Israel bereits versuchte, mit Raketen zu beschießen, wurde vermeldet. Die Wahrscheinlichkeit ist doch wahrscheinlich höher als 0,5%, dass ihnen diese ‚tolle‘ Tat auch mal gelingen könnte?

Wetten, dass die 0,5 % westschweizerischen, also französischsprachigen Zeitungsverlage demnächst auch noch drauf gehn, das heißt, in die Hände von Deutschweizern aus Zürich oder Bern fallen? Indikator dessen scheint einigen im Alpenland zu sein, dass das Journal de Geneve in Zukunft nicht mehr in Genf gemacht wird, sondern in Lausanne; womit indirekt auch die alte Streitfrage erneut, nur diesmal in einem anderen Mantel auftretend, aufgeworfen wird: sollten sich Genf und das Waadtland nicht doch endlich zusammenlegen? Ja gar, sollten Basel und Baselland nicht doch endlich das Selbe tun, also sich verbinden? Sollte die Schweiz nicht lieber schon bald sich in die EU eingliedern (lassen), dann könnten sie mindestens mitreden?

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Die Schweiz steht derzeit also durchaus in einer Art Zerreißprobe, auch wenn diese Spannung nicht sichtbar nach außen drängt oder dringt. Nun immerhin, die Westumfahrung Zürichs wurde fertiggestellt. Der Bund bezahlte 80% von den 3,9 Milliarden Franken, die dafür ausgegeben wurden. Es gibt verständlicher Weise immer noch andere, ganz dringliche Projekte in der Schweiz, die ebenfalls angepackt werden wollen, angepackt werden müssen. Doch nun scheint plötzlich auf der Kippe zu stehen, ob der projektierte Rheintunnel gebaut wird, weil er soll nämlich von der Liste der dringlichen Projekte der Schweiz gekippt werden. Die Basler (Baselbieter) müssen sich nun wirklich und ganz ernsthaft noch etwas mehr ins Zeug legen, wenn sie die Dringlichkeit dieses Projekts für die Entscheider in Bern aufrecht erhalten wollen. Ob ihnen das gelingt?
Die Züricher sollen bei solchen Dingen etwas gewitzter sein. Die investieren bereits im Vorfeld in ein Projekt, fangen an, etwas in diese Richtung zu tun, sodass am Ende ihre Bemühungen schwerlich durch eine Absage aus Bern unterminiert werden (können).

Ansonsten ist noch zu berichten, dass es die Schweizer ganz besonders entrüstet, die Deutschen eher weniger, dass zukünftig vom Euro-Airport bei Basel demnächst die Lufthansatochter SwissAir nicht mehr abfliegen wird. Es scheint nicht mehr rentabel zu sein. Anstatt soll eine weitere Tochter der Lufthansa, die EuroAir, das Geschäft übernehmen und wahscheinlich als weiterer Billigfluganbieter der Easyjet Konkurrenz machen. Den meisten Schweizern, ist zu vernehmen, gefällt diese Entwicklung nicht, weil sie das typisch deutsche Geiz-ist-geil-Konzept wenig lustig finden und sehr wohl, wie gehabt, weiterhin in gediegenem Komfort in die Welt zu fliegen gedenken, des billigeren Fluges wegen nicht gewillt sind wie in einer Sardinendose zu sitzen. Bekanntlich sollen Schweizer ja auch einen Hang zum Kauf möglichst großer Autos haben – trotz gesteigertem Umweltbewusstsein.

Bleibt zu warten, ob die Schienenverlegung zum Airport bei Basel und/oder nach Weil am Rhein in Deutschland von Baselstadt aus jemals wirklich stattfinden wird oder ob nicht doch in letzter Minute ein institutionelles Sonstwas dazwischen kommt. Möglich ist ja so vieles, und vor allem dann, wenn es mindestens drei Beteiligte gibt, die anstatt mental zusammen zu wachsen, scheinbar immer mehr auseinander driften: die Deutschen, die Schweizer und die Franzosen sind gemeint. Um noch einen weiteren Grund zu nennen, den Phillpp Schoch in seiner Kolumne in der Basler Zeitung netterweise liefert: “Das Baselbiet hat ein Finanzproblem: Die Zahlen sind dunkelrot, der Kantonshaushalt wird 2014 voraussichtlich mit einem Defizit von circa 115 Millionen Franken abschliessen… . Obwohl es der Wirtschaft gut geht, die Steuereinnahmen sprudeln und Sparrunden durchgezogen wurden, kommen wir finanziell auf keinen grünen Zweig… . Der Trend zeigt auch mittelfristig auf einen immensen Fehlbetrag. Nicht weniger grosse Sorgen macht die stetig ansteigende Verschuldung des Kantons. Sie sprengt mit fast 3 Milliarden Franken jeden Rahmen. Die Schuldenquote beträgt hohe 14 Prozent zum Bruttoinlandprodukt (AG 4%, BS 7%, ZH 5,5%).”

Morgen, am Sonntag um 21 Uhr, werden die Deutschen doch gewiss mit 100 zu 0,5% gewinnen! Darüber gibt es wohl keine andere Wahrscheinlichkeitsrechnungen anzustellen, oder? Und dann wäre da noch ein weiteres Beschießen, eines, dass seltsamerweise die Gemüter längst nicht so erhitzt wie die WM in Brasilien: 100 Tote Palästinenser gegenüber einem schwerverletzten Israeli (0,5) beim Sich-Beschießen in den letzen paar Tagen. Lässt schaudern, dass das eine hier mit dem anderen ins Verhältnis gesetzt wird!? Liest sich wie Weltcup gegen Genozid!?

100% Fun für die Einen und 0,5 Fun im Leben für die Anderen; oder: 100 % das volle Leben, wie man so sagt neuerdings, gegen siechen, kriechen, ums Überleben kämpfen (dürfen).

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Nix mit Sommerloch 2014

Was tun Journalisten als erstes, wenn sie nach Berlin kommen? Genau, sie mieten sich in einem Hotel ein, welches sie per Internet gebucht haben, weil sie jedwede Einladung ausgeschlagen haben, bei jemand Bekanntem anstatt unterzukommen. Sie genießen nämlich, das Spektrum ihrer Hotelerfahrungen in der Hauptstadt zu erweitern – auch wenn es dazu per Zufall kam. Der Preis des Hotels, indem sonst als abgestiegen wird, war irgendwie zu schwindelerregend hoch geschnellt – darum. Es war wohl Zeit geworden, endlich mal andere Ecken von Neukölln, als alteingesessener Ex-Neuköllner sowieso, endlich mal zu probieren – und nicht immer wieder um den Hermannplatz herum Stellung zu beziehen.
Eine gute Wahl.
Kann gut sein, dass das hier schon Britz ist. Es ist jedenfalls vom Hermannplatz kommend hinter dem Teltowkanal gelegen, der, wie heute morgen gesehen werden konnte, als ich glaubte, von hier aus vielleicht doch bis zur Gropiusstadt zufuß gehen zu können, nicht zum Schwimmen einlädt. Bevor ich das täte, würde ich doch lieber im Rhein in Basel schwimmen gehen, was ich sonst keinesfalls tu, meinetwegen dabei in Kauf nehmend, den einen oder anderen Schluck Rheinwasser unfreiwillig abzukriegen.

Der Teltowkanal sieht so aus, als sei er so etwas, wie die Schande oder das schlechte Gewissen der Stadt – ein braune Brühe, die allerdings nicht gestunken hat. Als hätte jemand Kupfer oder viel Erde in den Kanal gekippt. Zur Farbe der Bäume passte das dunkle Braun dann aber wieder.

Ja, hinter dem Hotel kann man nämlich am Kanal entlang gehen. Vorgewarnt war ich ja, es sei viel zu weit, um von hier bis in die Gropiuspassage zu gelangen. Doch ich wollte gucken, ob meine schlechten Ortskenntnisse zufuß aufgebessert werden könnten – denn bislang hörte Neukölln für mich vor dem Teltowkanal auf vom Hermannplatz kommend. Das da hinten in Neukölln, das durchfuhr ich lediglich, zum Beispiel, wenn es mit dem 171er Bus zum Flughafen ging oder wenn eine Behörde unbedingt verlangte, dass man ihr seine Aufwartung machte – komischerweise hat sich auch beruflich in der Gegend nie groß etwas abgespielt.

Und so gelangt ich heute also nach etwas Grün entlang dem Teltowkanal früh morgens um 6.30, weil es soll ja Frühaufsteher geben, zu meiner Verwunderung in Britz, einem Teil von Neukölln.
Mit Zeitungen und Laptop bepackt, Laptop hätte ich auch im Hotel lassen können, weil ich eh nicht dazu kam ihn zu öffnen, wie ich mir schon gedacht hatte, wurde zur Ausnahme mal ein Kaffee und so süßes Zeug, Aufgebackenes, bestellt. Also alles Dinge, die ich mir schon seit einiger Zeit verboten habe, genauer: sie regelmäßig zu mir zu nehmen. Man gewöhnt sich nämlich als Alleinstehender, wie ich aus Erfahrung weiß, ziemlich schnell an so was, und vor allem in Berlin, wo auf jeder Ecke inzwischen 2 solche Läden sich gegenseitig das Leben streitig zu machen scheinen. Ähnlich sieht es wahrscheinlich auch woanders in der Republik aus. Aufs Frühstück zu Hause zu verzichten und um die Ecke beim nächsten Bäcker oder dergleichen das Übliche, nämlich Kaffee mit diesem Schlabberzeug zu sich zu nehmen, ist halt scheinbar einfach – und man sitzt dabei ja auch nicht unbedingt so alleine. Im Nachhinein muss ich allerdings eingestehen, war es ein Fehler, diese Ausnahme gemacht zu haben, weil die Straße weiter unten, was ich nicht wissen konnte, aber geahnt hätte es eigentlich werden müssen, gab es sogar eine Biobäckerei.
Nun, die junge Frau, die in der Bäckerei arbeitete, sah ziemlich sonnenstudiogeröstet aus und hatte eine Gesichtsbemalung, die mich an 1001 Nächte erinnerte. Doch auch Frühaufsteher stehen gelegentlich auf dem Schlauch früh morgens und da die Verkäuferin akzentfrei Deutsch sprach, wenig zwar, weil scheinbr unfreundlich, aber immerhin, vermutete ich, es mit einer Deutschdeutschen zu tun zu haben, die eben ihrerseits auch noch nicht so richtig aufgewacht war. Und siehe da, plötzlich sprach sie kurz in ihr Telefon in reinstem Palästinensisch.
Gut also, dass ich keine arabischsprachige Zeitung den Tag davor gekauft hatte, dachte ich, sondern eine türkische, eine griechische und die NZZ, die auf dem Tisch zum Lesen warteten. Die NZZ hatte ich mitnehmen dürfen im Historischen Museum. Dort war gestern nämlich eine Veranstaltung von der Neuen Züricher Zeitung ausgerichtet mit dem Titel: “Ist Neutralität ein Friedensbeitrag oder Trittbrettfahrerrei? Am Beispiel Schweiz”.
Angesetzt war das Ding laut Zeitungs-Programm-Teil des Tagesspiegels auf 19 Uhr. Doch als ich eine halbe Stunde zu früh hinkam, saßen dort schon alle. So wurden die Vorreden also ohne mich gehalten, und kaum dss ich saß, ging es dann auch schon los.

Egon Bahr war unter anderen anwesend. Der Stroebele von den Grünen fehlte, sagte der Moderator, weil er müsse Hausbesetzer retten. Bekanntlich wurde ein Kompromiss erzielt in Kreuzberg. Die zumeist afrikanischen Asylsuchenden erklärten sich bereit, nur einen Teil des Schulgebäudes weiterhin zu besetzen und dass keine neuen Flüchtlinge hinzukämen. Der Berliner Senat hat angeblich vor, das Gebäude auszubauen, sodass dort bis zu 70 Asylanten zukünftig unterkommen sollen können.
Bahr sprach davon, dass die BRD alles andere als Souverän oder frei wäre, sie sei, um es mit anderen Worten zu sagen, von den Gnaden Amerikas abhängig. Wenn man sich die Merkel-Handy-Affaire und dergleichen Geschichten aus der Neuzeit ansieht, NSA, dann versteht man schnell, dass Egon Bahr wohl Recht hat mit seinen Positionen. Er meinte unter anderem, dass die USA in Rammstein/BRD, wo sie eine Militärbasis unterhalten, Drohnen stationieren wollten. Die BRD habe, als ihr das zu Ohren kam, darauf hingewiesen, dass das ein Unding sei, zumal ihr nicht erlaubt sei, solche Flugobjekte zu unterhalten.
Es darf nun wohl davon ausgegangen werden, dass die Dinger dennoch in Rammstein rumschwirren, und dass dieser Nachdruck, mit dem die Kriegsministerin Frau Leiden die Dinger unbedingt haben muss, damit in Verbindung stehen dürfte. Weil wie Bahr sehr verständlich darlegte, habe die NATO schon vor Längerem ihre Konzeption geändert. Das soll heißen, man hat sich eindeutig von dem Konzept Verteidigungsorganisation, oder so etwas zu sein, verabschiedet. Man setzt inzwischen auf (zumindest) präventiv Schläge, was von anderen ziemlich sicher auch als Angriff verstanden wird – und vielleicht auch zu verstehen ist.
Die NATO ist also nicht mehr der Club mit dem scheinbar guten Auftrag, wenn man so sagen darf, sondern inzwischen so eine Art weißer Racheengel (müssen ja nicht immer als schwarzes etwas konnotiert werden, oder?), der vorsichtshalber im Voraus killt. Und das passt ja wiederum gut ins Bild, nämlich, dem der Ausspähung der kleinsten Fliege sonstwo auf der Scheiße der Welt, sprich: der Abhörmanie.

Das neue Kanzlertelefon soll jedenfalls nicht sicher vor Abhörattacken sein. Die Neutralität, wurde gestern im NZZ-Forum im Historischen Museum zu Berlin noch des Weiteren übereinstimmend gesagt auf dem Podium, ist tot.
Die Schweiz ist demzufolge anachronistisch unterwegs, weil sie an dem Konzept Neutralität vorgibt, noch immer sich anzulehnen. Ja, eine Welt, in der Neutralität noch nicht mal mehr bewaffnet umgesetzt werden kann, wie es die Schweiz im ersten Weltkrieg tat, als sie ihre Neutralität und Grenzen mit Waffen zu verteidigen bereit war, ist wohl eine Welt, in der Korruption und Schleimerei endgültig die Oberhand gewonnen haben.

Exkurs dazu:

Am 2. Juli 1993 wurden in der Stadt Sivas/Türkei 35 Intellektuelle getötet. Man hat sie in einem Haus verbrennen lassen. Die Anwälte der Täter, die so recht nie ermittelt werden konnten, geschweige denn einen Tag im Knast schmorten, diese Anwälte sind alle schon längst auf guten Posten, schreibt die Aydinlik vom 02. Juli 2014. Sie sitzen meistens für die AKP im Parlament oder an anderen Schaltstellen der Macht.
Ein 15 Jähriger hat 14 Jahre, 4 Monate und 15 Tage Haftstrafe erhalten im türkischen Diyarbakir, weil er letztes Jahr bei einer Veranstaltung am 30 November die türkische Flagge in einem Sportclub heruntergeholt hat.
Erdogan hat sich natürlich, wie konnte es anders kommen, nun doch noch als Präsidentschaftskandidat geoutet. Er werde ganz gewiss die Beziehungen zur EU verbessern und den EU-Beitritt forcieren etc. Immerhin, seine Gegner haben ihm auf die Schnelle eine weibliche Mitbewerberin vor die Nase gesetzt, Frau Tarhan. Sie scheint auf Initiative einiger Frauenbünde sich dazu entschlossen zu haben. Diese haben gleich nach dem Tarhan ihre Kandidatur veröffentlicht hatte, ihre Unterstützung des Kandidaten, Herrn Ihsanoglu, der CHP und der MHP (die beiden größten Oppositionsparteien der Türkei) zurückgezogen. Der Vorsitzende der CHP, Kilicdaroglu, meinte, das ginge nicht, dass einfach so jemand einen Kandidaten aufbringe und überhaupt. Doch die Frauen ließen sich nicht beirren.

Es kann nun also sein, dass Erdogan am 10. August 2014 nicht im ersten Durchgang der Präsident der Türkei wird. Die Art und Weise, wie er und andere in seinem Umfeld reden, klingt es allerdings gelegentlich schon so, als sei er bereits Präsident der Türkei. Kurz: In der Türkei, in Bulgarien, in Israel, Irak, Syrien sowieso, stehen wirklich ‚lustige‘ Zeiten an.

Immerhin, Gauck scheint den lustigen Selbstbedienungsladen der deutschen Parlamentarier vorerst gestoppt zu haben, denn er hätte gern, dass die sich selbst verordnete Diätenanhebung der Parlamentarier nachgebessert werde, schreibt die türkischsprachige Aydinlik. Reicht ja wohl, dass der Mindestlohn löchrig ist wie ein Schweizer Käse, was aber alle schon im Vorfeld wussten, nämlich, dass das so kommen wird – wie auch die Drohnenbeschaffung durch die Kriegsministerin.

Die Kurden werden diesen Sommer, wahrscheinlich nach der Präsidentenwahl in der Türkei, ihre Unabhängigkeit proklammieren – und das klingt nach Krieg, der bis nach Berlin, Zürich, Paris etc. sich erheben könnte, versteht sich, marginal, etwas, peripher. Der Kurdenführer Mesud Barzani aus dem Norden des Iraks hat so etwas jedenfalls schon mal angekündigt, wahrscheinlich im Zusammenspiel mit der AKP-Regierung der Türkei, denn die braucht für die anstehende Präsidentenwahl dringend kurdische Wählerstimmen, und zwar von den Kurden weiterhin, die schon längst sich vom PKK-Umfeld verabschiedet haben oder noch nie etwas damit zu tun hatten, aber halt doch sich ihrer Wurzeln noch irgendwie bewusst sind.
Die Kurden, ist zu befürchten, dürften, wie so oft in der Geschichte, am Schluss dann eventuell wieder die Dummen sein und bleiben, und nachdem sie die Kohlen auch noch aus dem Feuer geholt haben für das zuvor erwähnte hohe Ziel – Kurdistan. Denn da wären ja noch diese islamistischen ISIS-Kämfper und diese anderen islamistischen Verbände, die in absehbarer Zeit womöglich inflationär an der Idee, ein Kalifat auszurufen, gefallen finden könnten. Und die Kurden haben sich schon oft vor den ‚falschen‘ Karren spannen lassen. Vielleicht klappts ja diesmal (wieder)?

Ansonsten:
Immer schön zurücklehnen. Ist doch Sommer. In Zypern gibt es Hitzewellenwarnungen. Hitze, der Hitze wegen, also nicht zwingend politisch oder ökonomisch. Der Präsident Zyperns wird sich nicht nur mit dem Chef der Europäischen Zentralbank treffen (16.07.), sondern demnächst auch mal wieder mit seinem Gegenpart auf der Insel, dem Herr Eroglu, und zwar bei den sogenannten Wiedervereinigungsverhandlungen – zum 4. Mal.

Sollten Sie meine Meinung zu den Verhandlungen auf Zypern noch nicht kennen: so wie sie geführt werden, sind sie Verschwendung von Geld und Zeit. Und ich werde Ihnen, verehrte Leser, daher weiterhin all die Details dazu ersparen, die derartige Verhandlungen auf Zypern im Allgemeinen begleiten.

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