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Archive for Februar 2014

Trügerischer Frühling

„Ab jetzt nenne ich diese Person nicht mehr Ministerpräsident“, sagt der türkische Oppositionspolitiker Kilicdaroglu über Tayyip Erdogan. Mit einem derartigen Betrüger des türkischen Volkes mag sich Kilicdaroglu nirgends mehr treffen vor Kameras.

Herausgekommen ist in diesem Zusammenhang des Weiteren, dass die super-sicheren Telefone des Ministerpräsidenten, von denen offensichtlich jedermann, der auf sich was hält in der Türkei, eines besitzt, doch nicht so ober-super-sicher sind, wie man es vom Hersteller versprochen bekam. Ermittlungen laufen bereits, um herauszufinden, inwieweit es dazu kommen konnte, dass diese super-sicheren Verbindungen dennoch abgehört werden konnten. Nach Berichten der SABAH von heute, scheint dem so zu sein, dass ein türkischer Anbieter mehr oder minder das selbe Verschlüsselungssystem nach-gebaut hat, sodass die Möglichkeit durchaus besteht, dass interessierte Kreise Mittel und Wege gefunden haben, sich Gesprächen, die ganz sicher sein sollen, anzudoggen.

Gestern Abend kurz bei N24 vorbeigezippt, wo Friedmann den führenden Kopf der deutschen AFD-Partei und einen Grünenpolitiker, Sarrazin, interviewte. Die Art und Weise, wie Friedmann das Interview führte, war total abgehoben, arrogant und vor allem voreingenommen und aggressiv. Der Herr von der AFD hat dann irgendwann mal seine verbalen Waffen gestreckt und verließ die Sendung. Hätte ich auch getan, zumal Friedmann ihn nicht ausreden ließ, ihm das Wort im Munde andauernd herumdrehte und wie eine Diva, auf seinen Background sich unausgesprochenerweise verlassend, Vorhaltungen machte, die Friedmanns psychische Verfasstheit scheins klar widerspiegelten: denn Friedmann weiß, dass das, was in Israel (politische) Realität ist für die meisten Palästinenser, afrikanischen Einwanderer etc., bestens mit einer Art Gegenangriff, in der von ihm gestern Abend vorgeführten Couleur, im Norden Europas unliebsame Themen verwischt – erst gar nicht jemand so etwas in den Kopf kommen lässt, die scheinbar ewige Schuld am Holocaust nicht verblassen lässt, nach dem Motto: Ihr, ihr Deutschen seid Massenmörder (gewesen), vergesst das nicht!
Für mich stand diese Aussage unausgesprochen im Raum gestern Abend bei und durch Friedmann. Die ist ganz offensichtlich auch Friedmanns ‚Totschlag‘-Argument, dass, wie gesagt, noch nicht mal explizit benannt werden braucht.

Und ja, die Deutschen haben solche Verbrechen begangen. Und ja, die Israelis scheinen seit vielen, vielen Jahren sich daran ein Beispiel zu nehmen? Das würden gewiss manche hier in Deutschland gern sagen, dürften sie das politsch-korrekter Weise tun.
Es stellte sich da gestern Abend plötzlich die Frage, als dem Geschehen zugesehen und zugehört wurde auf N24, ob Palästinenser oder ungeliebte afrikanische Einwanderer nach Israel im Verhör auf Polizeiwachen dort in ähnlicher Art und Weise nicht die kleinste Chance erhalten, sich zu verteidige? Sie sind eventuell, wie der Typ von der AFD (aufgrund ihrer Herkunft etc.), auch schon so gut wie vorverurteilt!? Berichte die ein derartiges Rechtsverständnis der Rechtsorgane im angeblich demokratischen Israel belegen, gibt es zu Hauf, die müssen noch nicht mal gefälscht werden.

Friedmann hat seine Position und Background gestern Abend eindeutig grenzwertigst gebraucht – oder vielleicht doch bereits eher missbraucht. Überlasse ich Ihnen, das zu entscheiden, und diesen Entscheid, den nimmt ihnen der Freundesbesuch der Parlamentarier des Bundestages in Israel, oder was es genau war, vor Kurzem als Richtschnur ziemlich sicher eher so ohne Weiteres nicht ab!?

 
Dass dieser ehemalige Bundespräsident der BRD einen Freispruch erhalten haben soll, war ja absehbar. Hat da etwa jemand etwas anderes als Ergebnis erwartet? Nein, nein, da wurde selbstverständlich Nichts gefälscht. Hat alles seine Richtigkeit gehabt. Endlich! Wie hieß er noch mal? Ach ja, Wulf!

Dass Steinmeier, der jetzige Außenminister der BRD, sich wegduckt gegenüber den USA, den Amerikanern das Bespitzeln der Bundesbürger also durchgehen lässt, war doch eigentlich auch nicht anders zu erwarten – wer weiß, was die da noch alles gegen ihn in ihren Händen haben. Da war doch mal was als Ministerial-Sonstwas, bevor Steinmeier erstmals Außenminister geworden war – lang, lang ist es her, doch nie zu lang für manche, die den bekannten langen Arm haben. Nicht umsonst heißen Polizeistationen in der Türkei karakol (schwarzer Arm).

Dafür, könnten einige unter Ihnen denken, hat sich zumindest Merkel auf Freundschaftsbesuch in Israel ins Zeug gelegt und DENEN die Leviten gelesen – ha, ha! Wir haben schon lange nicht mehr so köstlich gelacht. Nur gut, dass Karneval ist, da darf man auch in solchen Artikeln über solche Schelten lachen. Gell?
Was gibt es sonst noch?
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Während sich die Ukrainer auf der Krim grimmig gegenüberstehen, und die einen unter ihnen finden, dass Russland ihr bester Freund ist, zeigt sich der Präsident der Republik Zypern und sein Verteidigungsminister auf der Kuzentsov. Das ist ein russischer Flugzeugträger, der gerade in Limassol vor Anker liegt. Und was liegt da näher, als dass der Präsident der Republik Zypern und sein Verteidigungsminister eiligst dort draufsteigen, um dann von Frieden, Freundschaft und dergleichen zu sprechen – Prosperität eventuell: “We are especially happy because we provide hospitality, in the territorial waters of Cyprus, to one of the important ships of war and peace of the Russian Federation. The visit both satisfies us and urges us to discuss what we are pursuing, in other words, the deepening and strengthening of our traditional historical relations that we always maintained between the Republic of Cyprus and the former Soviet Union and today the Russian Federation.
Our joy is great because Cyprus, as a stabilizing factor, can provide hospitality to peaceful missions, such as the visit of the particular aircraft carrier and not only that, but also from many other countries as well. In the same framework, we will continue to exercise our policies providing all conveniences to every UN mission” (siehe Press and Information Office Zypern, fact sheet)… . Anastasiadis sagte noch: “I welcome similar missions that will choose Cyprus as their port of call or their station that creates the prospects for peace in the area.”

Wie bereits berichtet in Zypernundmehr-News im Artikel davor, haben Treffen im Rahmen der Wiedervereinigungsverhandlungen Zyperns der griechisch-zyprischen Administration in Ankara und der türkisch-zyprischen Administration in Athen stattgefunden. Erübrigt sich zu betonen, dass das insofern signifikant ist, da seit vielen Jahren kein griechisch-zyprischer Diplomat offiziell in Ankara zubesuch war. Angaben über den Verlauf dieser Treffen werden noch keine gemacht. In der SABAH war indes zu lesen, der türkischzyprische Gesandte, Kudret Özersay, habe ein positives Feedback in Athen erhalten und Gelder der EU würden in den Norden Zyperns fließen demnächst.

Währendessen reichten bei einem außerplanmäßgen Ministertreffen, heute, dem 28. Februar 2014, alle Minister der Republik Zypern ihre Resignation ein. Präsident Anastasiadis soll sie gebeten haben, doch netterweise bis zum 15. März 2014 ihre Ämter beizubehalten. Die DIKO-Partei, wie berichtet im Artikel davor, hat also ihre Drohung wahr gemacht, und zwar am 26. Februar 2014 und hat die Regierungskoalition aufgekündigt.

Nun, könnten Sie denken, folgt noch eine positive Meldung? Ja, eventuell. Denn im Fact Sheet der PIO von heute steht: „The religious leaders of Cyprus, the Archbishop of Cyprus and all of Justinia Chrysostomos II, the Mufti of Cyprus Dr. Talip Atalay, the Maronite Archbishop Youssef Soueif, the Armenian Arch-Bishop Varoujan Herkelian and the Patriarchal Latin Vicar in Cyprus George Kraj OFM meet on 26 February 2014, under the auspices of the Swedish Embassy in Nicosia and agree on a joint statement on the resumption of the peace talks in Cyprus. The statement reads as follows:
“As religious leaders of Cyprus, we warmly welcome the joint communique of the political leaders of the two communities.
We are encouraged by the joint message of the political leaders that the status quo is unacceptable, that human rights and fundamental freedoms as well as each other´s distinct identity and integrity should be respected. We welcome their expressed determination to resume negotiations in a result-oriented manner. We expect them to reach a settlement as set out in the joint communique of February 11th 2014 and support our efforts to build confidence.
Religion was and still is a victim of the protracted conflict. For too many decades we were not able to meet, to listen and to understand each other. For the last years we have agreed to meet regularly, openly express our respect and listen to one another. Our encounters have helped us to get to know each other and understand the other’s needs. Together we have tried to find practical solutions, build trust and confidence and succeeded.
We see our responsibility to ensure that the political conflict is resolved and we believe that there is no alternative to communication, co-operation and co-existence.
Working together, seeking to overcome differences and supporting each other are obligations for people of faith and tools to promote faith when there is doubt, love where there is hatred and hope to overcome despair.
Our faith in God is our hope. It is to Him we turn.“

Amen!!! 

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In Bayreuth hat Frau Wagner sich nun doch von der Geschäftsleitung verabschiedet. Viele sagen, es sei höchste Zeit gewesen, da die Vorstellungen mehr und mehr dem Stil der Schaubühne in Berlin sich anglichen.

Angeblich steht in Zypern ein ähnlich dramatischer Wechsel bevor.

Wie hier in Zypernundmehr-News bereits mehrfach angetönt wurde, wie man in der Schweiz sagt, glauben wir nicht an den Erfolg der Verhandlungen der Nord- und Südinsulaner Zyperns; das heißt, wir glauben nicht, dass ein solch dramatischer Wechsel gelingt – leider.

Ein Erfolg wäre bereits, wenn zum Beispiel, wie von Herrn Sertoglu, dem Vorsitzender der Türkisch-Zypriotischen-Fußball-Assoziation gefordert wird, eine gemeinsame Fußball-Liga auf der Insel gegründet und durchgezogen werden könnte. Er findet, dass es endlich auch möglich sein muss, dass ein griechisch-zypriotischer Spieler im Norden der Insel als Spieler tätig sein kann – und umgekehrt.

Sein Gegenspieler auf der anderen Seite, der griechischsprachigen, Kutsokumnis, stimmt dem zu und spricht davon, wie im Press-Release des Presse und Information Büro (PIO) von Zypern gestern geschrieben steht, dass man sich in diese Richtung bereits bewege und beide Fußballorganisationen (TCFA und CFA) diesen Sommer entsprechend dem bereits unterzeichneten Abkommen sich bewegen werden.

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Sollten Sie die letzten Beiträge hier auf Zypernundmehr-News gelesen haben, sehen Sie gewiss Bedarf, hier von unserer Seite ein Statement zu den Verhandlungen zu haben – trotz unseres Pessimismus‘ in dieser Wiedervereinigungs-Angelegenheit.

Ja, es scheint sich was anzubahnen. Denn im Gegensatz zu sonst, ist ein entscheidender Punkt hinzugekommen, der wirklich den Verhandlungen eine Art neue Wendung geben könnte: Geld, das heißt Erdgas und dergleichen mehr. Das ist es. Die Aussicht auf viel Geld, der Bedarf nach Geld und die Gefahr, sich ansonsten entgültig in die Wüste zu schicken, sind groß.

Herr Obama soll, wie in der griechisch-zyprischen Presse steht, Herrn Erdogan antelefoniert haben. Er dankte ihm für sein Engagement, die Verhandlungen zwischen den beiden zyprischen Verhandlungspartnern wieder in Gang gebracht zu haben – und dass die Kurden im Norden Iraks mit den Arabern in Bagdad sich wegen des Verkaufs ihres Erdöls einigten. Versteht sich, das Lob Obamas ging darüber hinaus und Obama fand, dass die Türkei, um das Ziel der Wiedervereinigung u.a. zu erreichen, sich Israel noch betonter annähern müsse und dies möglichst bald.
Erdogan soll auf die Lage in Gaza verwiesen haben.

Ja, die Aussicht, dass Israel eine Pipeline lieber durch die Türkei verlaufen lässt, anstatt Erdgas auf Zypern zu verflüssigen ab 2017, scheint Erdogan eine Annäherung erleichtern zu können – auch vor dem Hintergrund, dass die türkische Wirtschaft etwas an Fahrt verloren hat und ein Handelspartner Israel kurzfristig mehr bringt als ein ideologischer Gegner Israel.

Das PIO Zyperns schreibt: „Die türkische Vatan-Tageszeitung sagte am Mittwoch, dass Repräsentanten der in den USA angesiedelten Noble Energie und Israels Delek Gruppe, zwei der größten Anteilhaber der Leviathan-Erdgasförder-Plattform mit der Turca, Zorlu, Calik und Enka Energie bezüglich einer Pipeline, die 8 Milliarden qbm israelisches Gas via der Türkei durchfließen lassen würde von 2017 an, verhandeln. 2017 ist das Jahr, in dem Israel denkt, fördern zu können“.
Eine Pipeline ist zudem wesentlich billiger (2,5 Milliarden $) als eine Verflüssigungsanlage (15. Milliarden $).

Auf die Anfrage Erdogans, im Frühjahr Washington besuchen zu dürfen, wurde ihm mitgeteilt, dass die jüdische Lobby das nicht all zu lustig fände – so auch der US-Kongress.

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„We are well“, wird der Türkisch-Zypriotische Verhandelnde, Özersay, bei den erneut aufgenommenen Wiedervereinigungsgesprächen zitiert im PIO-Press-Release. Damit will Ozersay zum Ausdruck bringen, beide Seiten seien zufrieden aus der Verhandlung rausgegangen, die wie meistens in der sogenannten Bufferzone in Nikosia stattfand. Sein Gegenpart, Andreas Mavrogiannis, äußerte sich ebenfalls zufrieden.

Özersay soll des Weiteren gesagt haben, nach Angaben der PIO: „Wir verließen das Treffen zufrieden…. . Das ist was Positives. Ich denke, es war ein guter Start, und ich kann mit Leichtigkeit sagen, dass wir nun zur Substanz der Angelegenheit vorgedrungen sind. Es ist sicherlich möglich, die folgenden Schlüsse zu ziehen: Es besteht ein generelles Verständnis der beiden Seiten bezüglich der Verfahrensweise bei den Verhandlungen. Wir haben die Substanz der Angelegenheit im Detail besprochen.“
Özersay ist einer derjenigen, die am 27. Februar nach Athen fliegen werden. Güneş Onar, Direktor für Politische Angelegenheiten, wird ihn begleiten, wie auch der Repräsentant des Direktors, Gülfem Veziroglu.“

Die Rede ist – mal wieder – davon, dass die Bedingungen bei den Verhandlungen diesmal ganz anders seien als 2004. Die Türkisch-Zyprioten würden nun auf gleicher Augenhöhe mit den Griechisch-Zyprern verhandeln. Ob das so auch von der türkisch-zypriotischen Seite gesehen wird, wird sich gewiss schon bald herausstellen. Bekanntlich ist Griechenland eines der Garantie-Länder für Zypern. Ein weiteres ist die Türkei – wie auch Großbritannien. Daher wird der griechisch-zyprische Verhandelnde, Mavrogiannis, sich im Gegenzug nach Ankara am 27. Februar begeben. Wer mit ihn begleiten wird aus der Administration des Südens der Insel, scheint noch nicht ganz festzustehen.
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Bislang können Türkisch-Zyprioten nicht aktiv im Europäischen Parlament partizipieren. Der Außenminister Nordzyperns, Özdil Nami, bedauert das. Er hat als erster Außenminister Nordzyperns eine Rede im Europäischen Parlament am vergangenen Dienstag gehalten, beim Treffen der Sozialistischen Gruppe in Brüssel. Nami findet, eine Wiedervereinigung der Insel könnte wirklich bevorstehen, da die Befürworter des Annanplans 2004 jetzt an der Macht seien.

Irgendwie scheint sich Nami da vertan zu haben, oder er wird im PIO-Bericht falsch wiedergegeben, denn Eroglu, der jetzige Präsident im Norden Zyperns, hat unseres Wissens gegen den Annanplan seinerzeit gestimmt.

Nami wurde gesagt, als er im Zentrum für Europäische Politische Studien sprach, er solle Nordzypern schon mal auf eine Nach-Resolutions-Zeit vorbereiten, also die Zeit, nach dem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen.
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Alles schön und gut. Wenn da nicht die Hafenstadt Famagusta im Norden Zyperns wäre, welches unweit der Hafenstadt Larnaka im Süden Zyperns liegt. Der Zankapfel schlechthin. Um die Sache noch etwas genauer zu benennen: Es geht um Varosha. Das ist ein Stadtteil von Famagusta ehemals gewesen. Der ist seit Jahren verbarrikadiert. Nur türkische Truppen dürfen sich da aufhalten. Der Bürgermeister von Famagusta, Oktay Kayalp, weist auf diesen Umstand mit Nachdruck hin. Letzteres will besagen, egal, was die Zyprioten ver- oder aushandeln bezüglich Varosha, welches knapp 6 km Strand einnimmt, es muss den Bestimmungen eines Treffens gefolgt werden, welches 1975 bei den Vereinten Nationen stattfand. Dort wurde nämlich festgelegt, dass Varosha seinen rechtmäßigen Besitzern erst zurückgegeben werden muss, wenn eine Lösung des Zypernproblems erfolgt ist. Das ist bedeutsam vor dem Hintergrund, dass die Anastasiadis-Regierung im Süden schon weitreichende Pläne in die Medien bringt, bezüglich dem, was man zukünftig alles dort vorhat.

Kayalp zufolge, schreibt die PIO, hätten sich alle türkischen Regierungen daran gehalten, von Ecevit über Ciller bis eben Erdogan. Die Vereinten Nationen hätten Varosha den Status „umzäumtes Gebiet, unter der Kontrolle der Türkischen Armee“ gegeben. Daher ist Varosha auch auf keiner Karte als ein Teil Nordzyperns zu sehen – selbstverständlich auch nicht als Teil des Südens von Zypern.

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Man scheint in Nikosia ernsthaft über den Bau einer Tram zu sprechen. Der Verkehrsminister des Landes, Tasos Misopolus, redet davon, dass der Ministerrat sich der Angelegenheit angenommen habe. Das ist, wie zuvor das Zusammenlegen der beiden Fußball-Ligen, eine weitere Chance, finden manche, den Norden mit dem Süden zu verbinden: wer zusammen baut, der sich nicht zusammen haut!

Jedenfalls ist die Rede davon, dass die Arbeiten möglichst gleich anfangen sollten. Denkt man da an den hohlen Zahn in Mitten der Hauptstadt Nikosia, am Elefteria-Square, wo alle Bäume rausgerupft wurden, weil das Größte und Tollste, was die Welt jemals gesehen hat, oder ähnlich, dort hin gebaut werden soll, wo nun ein Loch im Boden einem entgegen gähnt seit über 2 Jahre, hat man schlimmste Befürchtungen, dass das Projekt Tram ähnliche Missbildungen für Jahre hervorrufen könnte im Stadtbild. Im Juli 2013 soll für das Projekt Tram bereits grünes Licht gegeben worden sein, schreibt die griechischsprachige Fileleftheros.

Ehrlich gesagt, eine Art Europa Park, wie es ihn in Rust am Rhein zu bewundern und zu begehen gibt, also eine Art Disneyland, hat man beschlossen, nun auch in Zypern den Menschen angedeihen zu lassen. Dass genügend Geld auf der Insel ist, um in einer derartigen Anlage mit Freuden ausgegeben zu werden, davon haben Sie gewiss im Artikel davor gelesen. Es scheint eine Ausschreibung zu geben, den Park zu bauen und zu managen. Nutzen Sie Ihre Chance! Reichen Sie Ihren Vorschlag ein. Das Areal liegt in Poleodomias, Fünf-, Drei- und Vier-Sternehotels sollen dort ebenfalls entstehen, auf den 250.000 qm. Na, wenn das nichts wird?

Vielleicht wird ja denn das Spielcasino was. Das ist nämlich ebenfalls beschlossene Sache. Scheint so etwas wie Priorität zu haben. Der Politiker Papadopolus, Sohn des Tasos Papadopolus, ehemaliger Präsident der Republik Zypern, derjenige war er, der es schaffte, in letzter Minute die Zyprer mehrheitlich dazu zu bewegen, mit NEIN gegen den Annan Plan zu stimmen, findet, dass dieses Spielcasino das weltweit beste, größte, luxeriöseste, eben eine Sensation zu sein habe. So in etwa klingt Herr Papadopolus junior, wahrscheinlich ist auch er ein ‚wahrer‘ Patriot.

Und weil im Artikel vor diesem zur Wette gestellt wurde von mir, dass die türkische Verfassung von Erdogan noch schnell geändert werden wird, um seine Position zu fixieren, muss bereits eingestanden werden, die Wette verloren zu haben. Doch dann vielleicht doch nicht voll und ganz, weil, wie heute zu lesen war in einer der griechischsprachigen Zeitungen Zyperns, soll Bülent Arinc gesagt haben, ein Vertrauter Erdogans und seines Zeichens Stellvertreter des türkischen Ministerpräsidenten, dass die Partei-Verfassung der AKP eventuell geändert werden könnte demnächst, doch nur, falls dringender Bedarf besteht, sodass die Amtszeit Erdogans verlängerbar wird und die Parteistatuten derart nicht verletzt würden.

Klar, warum so hoch greifen (Verfassung), wenn die Dinge so nah liegen (Parteistatute)!

Arinc verspricht bereits, so wie Medvedjew und Putin in Russland wird man den Machterhalt dann aber nicht veranstalten in der Türkei – so undemokratisch.

Der gute Herr Arinc glaubt wohl wirklich, wir sind alle auf den Kopf gefallen und nehmen ihm diese Beschwichtigungen ab, die allerdings, genauer betrachtet, eher nicht beschwichtigen!?

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Die Führungsriege der AKP-Regierungspartei der Türkei sollte vielleicht doch mal nach Bayreuth fahren, um Wagners Ring der Nibelungen hören und sehen zu gehen!?

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Geld, Macht und Mehr

Der Winter ist also vorüber. Der erste Tag zurück in Basel, Weil am Rhein und Kandern könnte kaum sonniger ausgefallen sein – von „Vorfrühling“ sprachen die Radiomacher bei SWR1.

Was die Türkei angeht, kann ziemlich sicher gesagt werden, dass der ökonomische und politische Frühling, den das Land für ein paar Jahre genoss, wahrscheinlich doch eher ein Vorfrühling war. Der soziopolitische Winter – im Gegensatz zu den derzeitigen Wettergegebenheiten in Mitteleuropa – scheint zurückzukommen in die Türkei. Der Wirtschaft geht es nicht mehr so blendend, die Lira verliert an Wert, die Investitionen stocken.

Dass die AKP-Regierungspartei unter Erdogan sich unschöner Mittel bediente, um das Militär aus seiner starken Position in der Gesellschaft zu drängen in den letzten Jahren, kommt langsam ans Tageslicht. Beweise sollen gefälscht worden sein dazu, Urkunden. Viele Generäle braten demnach unschuldig im Knast. Die Int. New York Times vom 18. Februar 2014 schreibt, die Gerichtsverhandlungen der türkischen Justiz gegen die Militärs waren Schmierentheater. Andere sprechen von Rache der islamistischen Elite unter Erdogan und Gül an der kemalistisch orientierten Elite, welche das Land bis 2005 in seiner eisernen Faust hatte.

In der Justiz hatten sich im Laufe der Jahre Mitstreiter Erdogans hochgearbeitet, in einflussreiche Positionen. Viele von diesen Emporkömmlingen halten jedoch eher zu Erdogans früherem Freund und Ziehvater, dem Herrn Gülen, der unfreiwillig-freiwillig in Pennsylvania/USA seit Jahren lebt. Letzterer versteht es eher, mit einem interessanten Islamverständnis seinerseits auch das Herz von Intellektuellen zu bespielen. Er setzt auf Bildung, und er tut nachweislich was dafür in der Welt – wohingegen Erdogan sichtbarer den Geldgrabscher abgibt.

Vieles darüber haben Sie gewiss schon gelesen, daher reicht es wohl zu schreiben, dass die guten, alten Beziehungen zwischen Gülen und Erdogan neuerdings danieder liegen. Die beiden betrachten sich inzwischen gewiss als Feinde. Dass Erdogan dennoch nicht ganz auf verlorenem Posten steht, erwies sich gestern, als der Präsident der Republik Türkei, Gül, überraschend die Gesetzesvorlage unterschrieb, die unter anderem das Schnüffeln im Internet erlaubt, ohne groß richterliche Genehmigungen einholen lassen zu müssen etc.

Gül agiert nach außen besonnen, nicht so hitzig und angriffslustig wie Erdogan. Hin und wieder erschien der Eindruck, das Paar könnte demnächst auseinanderdividiert werden. Sei es wegen unterschiedlichen ideologischen Ansichten, sei es wegen der anstehenden Wahlen oder aus noch ganz anderen Gründen. Wie sich zeigt, halten Erdogan und Gül – noch – zu ihrem Erfolgsrezept, welches lauten dürfte: Gemeinsam sind wir stark, unschlagbar!

Doof ist nun alle Mal für die beiden, doch insbesondere für Erdogan, dass die Geister, die er auf das Militär losließ, seit geraumer Zeit auch ihn jagen. Sein Sohn soll betrogen haben, man ermittelt. Minister wurden gefeuert, 100e Polizisten versetzt und Staatsanwälte in die Wüste nach Irgendwo in der Türkei befehligt. All das Letztere, um die Weste Erdogans und seiner Leute möglichst sauber zu halten.

Man muss eben Geschildertes wahrscheinlich aus dieser Warte betrachten: Was haben die Türken davon, sich über die Machenschaften der Erdogan-Clique groß zu echauffieren? Eigentlich haben sie keine andere Wahl als Erdogan nochmals zu wählen und zu hoffen, dass er – mal wieder – aus der Klemme herausfindet. Die Opposition unter Kilicdaroglu lässt schon seit Jahren vermuten, dass die besser nicht an die Regierung kommen sollten. Kilicdaroglu redet nach dem, wie der Wind gerade weht. Das hat er bereits zigfach bewiesen. Derzeit ist er eh mehr damit beschäftigt, seine Position innerhalb der Partei zu sichern, als die Regierung zu übernehmen, schreibt Hincal Uluc in der Sabah vom 19. Februar 2014 auf Seite 09. Er habe, wie von Kilicdaroglu einst gefordert, sich plötzlich ganz mux-mäuschen-still verhalten, als im Neuen Handelsgesetz der Türkei die Pflicht, im Internet die Bilanzen der Firmen zu veröffentlichen, nicht aufgenommen worden war, schreibt Süleyman Yaşar auf Seite 12. Süleyman schreibt des Weiteren, dass bis zum 22. Januar 2014 eigentlich für 11.000 Anonyme Firmen ein Kontrollgremium hätte aufgestellt werden müssen, was aber nicht der Fall ist. Bis zum heutigen Tag kontrolliert die niemand. Kilicdaroglu legte seinen Finger nicht in diese Wunde, nach Süleyman, weil ein derartiges Instrument der Wirtschaft negative Impulse zeitigen könnte, ein Effekt, den Kilicdaroglu gewiss nicht initiiert haben will vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen – und überhaupt.

Denn, da ist ja noch Herr Erdogan. Und der kann gut sprechen. Er spricht anscheinend die Sprache des Volkes. Zwar erzählt er zu oft das Selbe, doch es scheint die meisten Türken noch zu erreichen; und wenn nicht, wie gesagt, wen sollen die denn wählen, wenn nicht ihn? Erdogan sagt, schreibt die zuvor erwähnte Ausgabe der Sabah: „Wir kämpfen gegen die letzte Gang!“ Damit meint er vor allem Gülen und die Hizmet Partei. Und weiter unten im Text, zitiert der Autor Erdogan des Weiteren folgendermaßen: „Am 17. Dezember (2013) wurde ein Putsch, so, wie man ihn sich vorstellt, abgewehrt. CHP und MHP sind die Fackeln einer Parallel-Organisation geworden (dieser Terminus darf als Untergrundorganisation verstanden werden), was die Anhänger dieser beiden Parteien unzufrieden stimmt (und die Parallel-Organisation in Rede ist natürlich Gülens Hizmet Partei). Die CHP (der Kilicdaroglu vorsteht, die türkischen Sozialdemokraten) und die MHP sowie die Gezipark-Aktivisten sind eine Parallel-Organisation, deren Anhänger zur AKP überlaufen werden… . Diese bekannten Zeitungen, Fernsehanstalten (welche Gülen inne hat in der Türkei) erhalten von einer Stelle ihre Aufträge; in ein und derselben Überschrift veranstalten sie eine Lynch-Kampagne gegen eine junge Frau. Bei Gott, ist eure Menschlichkeit gestorben? Von nun an wird jede Frau, die vergewaltigt wurde, um sie (diese Medien) zu überzeugen, in ihren Händen etwa mit abgespeicherter Ansicht dessen herumlaufen müssen? Wenn diese Frau nicht eine Kopfbedeckung getragen hätte, wäre diese Lynch-Justiz je geschehen?“

Zwar ist hier nicht bekannt, auf welchen Vorfall sich Erdogan bezieht, dennoch sollte Ihnen, verehrte Leser, ein kurzer Eindruck dessen gegeben werden, wie der Wahlkampf auf Touren zu kommen scheint in der Türkei – es wird da in alle Richtungen geschossen.  Bleibt zu befürchten, dass die Wirtschaft des Landes vorerst etwas auf der Strecke bleibt. Weil Erdogan setzt alles auf eine Karte – und darum dürfte auch noch eine weitere Verfassungsänderung bevor stehen. Wollen wir wetten?

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Auf Zypern in der Krise hätten Sie wahrscheinlich keinen Cent verwettet. Mit dieser Wetthaltung wären Sie vielleicht daneben gelegen.

Die erwähnte International New York Times schreibt nämlich davon, dass Firmen geradezu die Insel überströmen. Vorbei die harten Zeiten. Vergessen die Verluste. Zählen tun Prozentpunkte. Und von denen hat Zypern gar nicht so viele. Deutschland zum Beispiel hat mehr: 29,5%. Dieser Unternehmenssteuersatz ist im Vergleich zu dem von Zypern von nunmehr 12,5% recht hoch. Vor der Krise lag der Wert bei 10% für Zypern.

Sie sehen, Geschäfte wie gehabt auf Zypern. Es muss wohl seinen Sinn haben, dass Zypern weiterhin eine Art finanzielles Schlupfloch sein darf in Europa. Und dieses Schlupfloch wird kräftig umworben. 273.000 Firmen haben sich bereits registriert dieses Jahr. Wenn man bedenkt, dass die Bevölkerung lediglich 839.000 Einwohner zählen soll, siehe Angaben entnommen aus der Int. New York Times, dann glaubt man, dass Zypern wieder brummt. Zwar schließen noch immer Geschäfte, und die Arbeitslosenzahl ist auch noch recht hoch, doch das internationale Kapital, das hat sich bereits wieder eingefunden auf der Insel und feiert  – schlechterdings sich selbst.

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Schattenspiele

Eigentlich hätte ich mehr Unpünktlichkeit der Inder in Indien erwartet – doch die ließen es eigentlich laufen wie am Schnürchen.

Zurück in Deutschland, unterwegs mit dem ICE der Deutschen Bahn, holten mich dann meine, wie soll ich es nennen, indischen Vorahnungen ein – der Zug musste wegen eines Signalfehlers in Irgendwo über Darmstadt fahren, dabei Mannheim auslassen und dafür aber in Heidelberg halten. Diese Haltestelle war gar nicht vorgesehen im Fahrplan dieses Zuges. Am Ende der Fahrt nach Zürich durften all diejenigen, die glaubten, unbeschwert nach Zürich fahren zu können, in Basel SBB aussteigen – die Anschlusszüge wurden vorher ’netterweise‘ nur in deutscher Sprache über die Lautsprecher im Zug ausgegeben: „all diejenigen Fahrgäste, die nach der Schweiz, Frankreich oder Italien fahren wollen… .“

Ja, zurück in Kandern und mit dem Kopf eigentlich eher in der Türkei. Nicht zuletzt deswegen, weil die verlängerte Zugfahrt von Frankfurt nach Basel Badischer Bahnhof ermöglichte, die türkischsprachige Sabah, Le Monde diplomatique, die Welt und 2 weitere Zeitungen mit den Augen zu verschlingen. Es hat eigentlich gut getan, dem Thema Türkei, Naher Osten etc., Zypern, etwas den Rücken zu kehren im fernen Indien, welches irgendwo noch in mir wirkt.

Wollen wir diesen Beitrag auf Zypernundmehr-News mit den Worten aus der „Welt“ beginnen, genau so, wie ihn die Autoren Eigendorf, Jost, Kade und Kalnky dort auf Seite 12 am 19. Februar 2014 abgedruckt hinterließen:

Es kommt nicht oft vor, dass sich zwei politische Führer auf einem Stück Brachland begegnen.“

Der Anfang, das müssen Sie zugeben, verehrte Leser, ist doch genial. Die Einöde eines Stück Brachlandes sieht man geradezu bildhaft vor sich, ein paar Grasbüschel irgendwo darauf, ein ungepflasterter Weg, der ins Nirgendwo verläuft und zwei Herren im Nadelstreifen mit Chauffeuren und Bodyguards zur Seite, die wie Mafiosis in einem US-Schinken sich zu einem konspirativen Treffen einfinden.

Am 25. Oktober … geschah [, dass] der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan und Aserbaidschans Staatschef Ilham Alijew vor 2000 geladenen Gästen den ersten Spatenstich zu einem als „historisch“ gefeierten Großprojekt [zelebrierten]“, geht der Artikel weiter.

Sollten Sie mit Hacivad und Karagöz vertraut sein (türkische Schattenspiel (anti) -helden aus osmanischen Tagen), dann finden Sie gewiss, dass es da durchaus Berührungspunkte geben dürfte mit Erdogan und Alijew. Irgendwie kamen Hacivad und Karagöz auch zuweilen zusammen und haben dann stets größten Blödsinn gequatscht und angestellt, doch vor allem derart auch Kritik an der Obrigkeit ganz subtil ausgeübt.

Der Vergleich hinkt nur bedingt, weil die Weltpolizisten und andere Großmächtige fordern eben solche Leutchen wie Erdogan und Alijew in gewisser Weise geradezu heraus, auch nach den Sternen zu greifen – eben wie Hacivad und Karagöz.

Da hatte doch wirklich so ein Umweltheini die Chuzbe, sich dem „Ränkespiel“, wie die Welt schreibt, entgegen stellen zu wollen.

Ja, wer ist der denn?

Was kann der denn?

Pinkelt der etwa so weit wie Hacivad oder gar Karagöz?

Nie und nimmer!

Die haben den weitesten Strahl, so dass die HypoVereinsbank, die im Schatten der Deutschen Bank agiert, hurtig dem Wunsch der beiden entsprach, Para (Geld), was sonst, locker zu machen, um selbstverständlich noch mehr Geld zu machen.

Aber dieser Umweltfritze, dem diese Socar gehört, machte Probleme. Doch eins, zwei, drei holte Hacivad-Erdogan schnell das Gesetzbuch heraus und schrieb es einfach um: „Vergangene Woche hat das türkische Parlament ein Gesetz zur Nutzung von Mineral- und Thermalwasservorkommen verabschiedet. Zentraler Inhalt: Geothermie-Lizenzen dürfen bestimmten anderen Investitionsvorhaben künftig nicht mehr entgegenstehen – zum Beispiel Erdöl-Projekten.“

Ach, hören Sie doch endlich auf mit Umwelt und ökologisch.

Pah!

Geld regiert die Welt!

Männer, die noch was darstellen, sind letztlich die, die Hebel umlegen.

Wer?

Die deutsche Botschaft will sich gegen das Projekt mit der Raffinerie verwenden, welches Karagöz-Alijew dort bereit ist zu installieren, und noch mehr, viel mehr.

Wie?

Die EBRD will das Projekt nochmals prüfen lassen, nur weil die sich in ihren Statuten vorgibt, dass „die EBRD … Projekte fördern [soll], die die Entwicklung des betroffenen Landes positiv beeinflussen?“

Schmarn!

Wo stehen denn bitte sehr die Zelte für die vielen Flüchtlinge aus Syrien?

An der Grenze zu Polen oder im türkischen Teil vom sogenannten Kurdistan?

Wer macht demnächst wieder Liebkind mit Israel und   vertickt israelisches Gas und Erdöl, Zypern etwa? Nein, das ist die gute Türkei. Die hält auch ihr Händchen übers irakisch-kurdische Öl. Weil die haben sich da angeblich geeinigt in Bagdad, die nordirakischen Kurden und die irakischen Araber. Die Türkei wird das Ding dann hauptsächlich Schaukeln, wenn es um den Verkauf, den Transort und all das geht. 

Die griechischsprachigen Zyprer, kommen eh nur zum Zug in Sachen Erdgas und so, wenn Ankaras Wünsche erfüllt werden – und die der Israelis vor allem. Einer dieser Wünsche ist zum Beispiel, dass der Norden Zyperns sich mit dem Süden vereint, versteht sich, unter gewissen Bedingungen, die der Koalitionspartner der Regierung unter Nikos Anastasiadis auf Zypern, die DIKO, noch immer glaubt, vorgeben und bestimmen zu können. Die südzyprische DIKO-Partei hat noch nicht begriffen, dass Israel unter solchen Bedingungen, also wenn die Vereinigung nicht zustande kommt, wahrscheinlich endgültig vorerst davon absehen wird, das bisschen Reichtum, welches vor Zypern liegt, mit zu fördern – und schon wäre der Traum vom großen Erdgasreichtum der kleinen Zyprer vorerst geplatzt.

Israel will, mal ganz davon abgesehen, was die Zyprer sonst noch an Wortblasen fabrizieren, darüber hinaus auch eine Einigung ihrerseits mit der Türkei, bevor es sich breitschlagen lässt, mit Zypern ernsthaft Geschäftchen zu machen – egal wie laut Nikosia seiner Bevölkerung vormacht, man sei in bestem Einverständnis mit Tel Aviv und es mache Sinn, die Anlagen zur Aufbewahrung oder Weiterverarbeitung des Öls oder Erdgas auf alle Fälle schon mal in Mari unweit des Meeres zu bauen.

Das Leben ist nicht leicht, und einer muss die Dresche doch abkriegen, die sich Hacivad und Karagöz zuweilen zur Belustigung des Publikums geben, siehe die Schlägerei neulich im türkischen Parlament. Die fand statt, als der Präsident der Türkei, Gül, in Ungarn weilte, wo er selbstverständlich das Grab eines osmanischen Sufis, oder was es genau war, besuchte, der, welch Zufall, damals auch Gül genannt wurde.

All zu sehr schämen brauchte sich der türkische Präsident der Schlägerei der türkischen Parlamentarier wegen nicht, wie die Sabah dennoch schreibt, weil ja auch die Ungarn hin und wieder austeilen in ihrem Parlament.

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Es wird in Deutschland also noch etwas Diskussionsstoff geben, wenn das Thema ‚Verwicklungen der Deutschen Bank in unethischen Geschäften‘ im Westen der Türkei, oder so ähnlich, denn überhaupt als wichtig genug erachtet wird. Vielleicht wird Volkes Seele auch deswegen täglich stundenlang mit Live-Berichten aus Kiew gequält – zur Ablenkung der Marke: „seid froh, dass ihr anstatt für wenig Lohn arbeiten gehen dürft!“     

Nun ja, viele Deutsche gehen der miesen Löhne in Deutschland wegen in die Schweiz, um zu arbeiten. Und die Schweiz, die ist bekanntlich eine Dimension für sich: die Berge, die Milchkühe und die Sicherheit.

Nur: Schon doof, wenn der Feind über einem schwebt, und man diesen glaubt, durch einen Volksentscheid aus den Bergen gehalten zu haben. Ein deutscher Wissenschaftler, also ein Arbeitsemigrant, soll seinen Job in der Schweiz gekündigt haben und seinen Arbeitsplatz, wie er gesagt haben soll, einem ‚Oberberner Landbuabe‘ überlassen haben.

Jetzt mal ehrlich, manchmal, da ist sogar die Badische Zeitung amüsant. Die schrieb nämlich heute so etwas wie die Schweizer hätten eben feste Riten. Abends, da ist dort nämlich Feierabend – auch für die Leute von der Luftverteidigung.

Und was passiert? Da kommt so ein Ungebetener mit einer Horde Entführter an. Und wer merkt es? Die Franzosen, und die französische Luftwaffe begleitet das entführte Flugzeug nach dem Schweizer Flughafen in Genf netterweise, weil, der äthiopische Entführer für Schweizer Verhältnisse zu spät ankam. Ab 20 Uhr, oder so, da läuft bei der Luftwaffe der Schweiz, oder wie man sie nennt, nichts mehr. Da wird wahrscheinlich Käse gebraten.

Für was die eigentlich ihre neuen, teuren Kampfjets brauchen?

Didier Burkhalter, der derzeitige Präsident der Schweiz, war Angela Merkel besuchen und ließ wissen, dass die Schweiz freundlicher Weise darauf baue, dass im Zuge der unglücklichen Ergebnisse der Volksabstimmung (Marke Ausländer raus!) doch die bilateralen Verträge mit der Schweiz ausgebaut und intensiviert werden könnten. Überraschenderweise hat sich Burghalter keinen Korb bei Angela geholt. Dass sein Vorschlag anstatt sogar auf etwas Wohlwollen gestoßen ist, lässt indes nichts Gutes erwarten. Die Zeichen scheinen somit wirklich so zu lesen sein, dass die EU schlechter dran ist als sie es offiziell zugibt – viel schlechter.

Die Welt titelt auf Seite 10: „Die Euro-Krise ist nicht tot, die Akteure sind nur betäubt!“ Und im Untertitel steht: „Trotz aller Bemühungen steigen die Schulden in Südeuropa weiter. Doch Investoren ignorieren die Risiken. Die Frage ist: Wie lange noch?“

Im nächsten Beitrag auf Zypernundmehr-News wird das Thema Schulden und Krise in der Türkei sowie Zypern das Thema sein.

Eine weitere Überschrift aus der Welt ruft geradezu danach, noch heute kommentiert zu werden: „Gefährliche Konkurrenz!“ lautet die. Ihr Untertitel: „Chinas Maschinenbauer werden stärker. Deutsche Vorzeigebranche bedroht!“

Dazu sei gesagt: Ja, wenn man ganze Fabrikanlagen nach China verbringt, um dort billiger zu produzieren etc., darf man sich nicht wundern!

China hat im Laufe vieler Jahre gezeigt, und wird es wieder zeigen, dass es das, was es früher, als einer seiner Kaiser noch war und kein Ausländer ins Landesinnere durfte, vor Angst, er könne die Herstellung von Porzellan, Seide etc. ausspionieren, nicht verlernt hat – vom Protektionismus ist die Rede.

Schon sehr bald, spätestens wenn die Chinesen genügend Wissen weltweit aufgesogen haben werden, in Sachen Entwicklung ganz vorne stehen, wird dieser Mechanismus gewiss wieder zu greifen beginnen.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass China keineswegs still und heimlich, sondern ganz offen erste Schritte dahingehend setzt, und zwar als dessen Vorstufe, sozusagen im Kleinen, im Verbund mit Vietnam, Indien und anderen asiatischen Staaten als zukünftige Erfüllungsgehilfen, indem vorerst eine Art Wirtschaftsraum anvisiert wird, der seinen Endpunkt, und hier trifft der Artikel seinen Anfangspunkt wieder, in der Türkei haben wird – welches, im Vergleich mit China, dann, wenn es so weit sein wird, eine Art Brachland sein könnte, egal, wie sehr Hacivad versucht, Karagöz und die Seinen (EU etc.) aufs Kreuz zu legen am Bosporus – oder weil er von ihnen (EU etc.) zu oft aufs Kreuz gelegt wurde. 

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Sie werden sich bestimmt schon fragen: Und, wie gings weiter auf der Sueindienreise mit Studiosus?

Unsere Reisegruppe kam letztendlich in Cochin an. Wie in Aussicht gestellt, war das Programm ertraeglich zeitlich lang geworden und bot, wie eigentlich an jedem Tag, dennoch genug Information und Gelegenheit, Photos zu machen. Ueber das Le Meridien Hotel vor Ort laesst sich gewiss streiten. Fuer unseren Geschmack war auch dieses Hotel etwas zu weit weg vom Geschehen. In ein Taxi steigen, ein Tuk-Tuk nehmen etc., war uns dann doch zu viel Aufwand – weil man wusste ja eigentlich noch nicht, wo hin und was einem erwartet. Nach dem Spaziergang durch die Stadt den darauffolgenden Tag haette das zwar getan werden koennen, doch dann wollten wir endlich ausruhen, die Anlage des Hotels geniessen – der Swimming-Pool ist nicht all zu uebel, der Yoga-Meister war spitze, die Preise fuer eine Massage fanden wir uebertrieben.

Mal abgesehen von der Tatsache, dass sich beim Abendessen der Reiseleiter erneut aeusserst unaufmerksam uns gegenueber verhalten hat – unsere Reisegruppe sass an 2 Tischen und mein Reisebegleiter und ich sollten jeweils an einen der beiden Tische dazusitzen, wo doch alle anderen paarweise zusammen sassen. So setzten wir uns aus Mangel an Platz an einen nahestehenden Club-Tisch, der fuer ein gepflegtes Abendessen ganz gewiss nicht geeignet war – war das Buffet nicht sonderlich gut, eher maessig.
Den Tag darauf, war beschlossen worden, ruegten wir den Reiseleiter, und sagten ihm, dass wir uns hiermit ueber seine mangelnde Aufmerksamkeit vom Tag zuvor uns gegenueber beschweren. Er liess uns wissen, es taete ihm leid, und er habe doch dem Kellner gesagt, noch 2 Gedecke auf dem Tisch zu platzieren, wovon allerdings nur eines aufgedeckt worden war. Wir fanden, er als Reiseleiter haette sich doch wohl gefaelligst Mal von seinem bequemen Platz am anderen Tisch erheben muessen, damit 2 seiner Gaeste zum einen nicht getrennt von der Gruppe, zum anderen nicht an einem niederen Tischchen das Abendessen einnehmen muessen – es lag uns naemlich fern, nachdem wir ihn darauf hingewiesen hatten, dass da kein Platz fuer uns ist, schon wieder ihn oder den Bediener mit dieser Thematik zu belagern. Unser Verstaendnis von Service ist da offensichtlich ein anderes, naemlich, dass ein Reiseleiter nachfragt, wenn seine Kunden in solch, wie beschrieben, fraglichen Umstaenden sich ploetzlich befinden. Herr Attila hatte anstatt den Nerv, als Entschuldigung auf unsere Beschwerde zu sagen, er habe angenommen, wir haetten da unten sitzen wollen.
Gehts noch?
Das grenzt nicht an Frechheit, das war bereits Frechheit. Mit was wir dieses Verhalten verdient haben seinerseits uns gegenueber???

Unser Entschluss, vorsichtshalber keine Gruppenreise vorerst und erneut zu wagen, festigte sich gewiss in jenem Moment. Ausserdem haette ja auch von der Gruppe jemand vielleicht einen Einwurf machen koennen, wie, dass so etwas nicht ginge etc., dass wir da sitzen.

Wie gesagt, Herr Attila ist sehr kenntnisreich, eigentlich hat er auch Witz und Charme, nur leider hat er kein gutes Haendchen mit uns gehabt – es gibt wohl doch Yin und Yang, mag er gedacht haben, und einer muss den Yin-Part halt abkriegen. Seine reiseleiterischen Ausfaelle uns gegenueber in Bezug auf seine Fuersorgepflicht (oder wie man es nennen darf) sind, nachdem, was alles vorgefallen ist, als gravierend zu bewerten. Das liessen wir Ihn auch in einem kurzen Schreiben indirekt wissen, welches wir zusammen mit einem entsprechend geringeren Trinkgeld in einem Umschlag an ihn am letzten Abend uebergaben – er ist naemlich mit den Gruppenmitgliedern, die nicht noch 3 oder 5 Tage anhaengen wollten, bereits zurueckgeflogen.

Ob der zyprische Praesident, Nikos Anastasiadis, inzwischen die Beduerfnisse der Zyprer wie versprochen von ihm bei den Wahlen geschickt und foerderlich fuer dieselben taetigt, das einzuschaetzen, ermoeglicht das Folgende gewiss nicht annaehernd. Es soll Ihnen aber zeigen, dass sich etwas tut, und den Weg sozusagen vorbereiten, um Ihnen demnaechst wieder in gewohnter Weise ueber Zypern zu berichten. (Alle folgenden Zitate sind der Press and Information Zyperns entnommen, und zwar erschienen die Meldngen zwischen 14. und 16. Februar 2014)

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„The President also mentioned that today the Monastery (im tuerkischen Norden, sie wird spaeter erwaehnt als Apostle Andreas) needs restoration and for this purpose a plan has been undertaken, which is funded by the Church of Cyprus, the people of Cyprus including the Turkish Cypriots, and the American government.

On his part, Pope Francis presented the President of the Republic with a large copper medal with a carved depiction of the Angel of Peace which, as the Pontiff said, destroys the demon of war inside us. The President of the Republic responded that “we need this now in Cyprus as well.”

Subsequently, the President of the Republic met with the Prime Minister of the Holy See, Cardinal Pietro Parolin and the Minister of Foreign Affairs Archbishop Dominique Mamberti.

The President of the Republic accompanied by his wife Mrs Andri Anasstasiades and the members of the Cyprus delegation, arrived at the Vatican at 11.30 (Cyprus time).

Subsequently, the President had a private audience with Pope Francis that lasted for 30 minutes, which was followed by an expanded meeting with the members of the Cyprus delegation.

Then the President presented Pope Francis with an icon of Apostle Andreas (Saint Andrew) saying that the first person to serve as a student of Jesus Christ is closely related to Cyprus since it is to him that one of the holiest pilgrimages on the island is dedicated, the Monastery of Apostle Andreas in the occupied far end of the Karpass peninsula.

The President told Pope Francis that “according to church tradition, Apostle Andreas took refuge in Cyprus for a short period of time after the beginning of the persecution of the students of Christ” and presented an analysis of the history related to the construction of the Monastery of Apostle Andreas.

The President of the Republic stressed the religious significance of the Monastery for all the people of Cyprus, adding that both Christians and Muslims visit the Monastery, something that demonstrates the significant role of religion with regard to peace, coexistence and love among people, as well as the importance of the inter-religion dialogue.

The Sant’ Egidio Community is a powerful Roman Catholic Non-Governmental Organizations in the world, with a presence in 70 countries and with a rich humanitarian and mediation involvement on the African continent.

Among the issues discussed in the meeting were the interfaith dialogue, the bilateral relations between the Republic of Cyprus and the Sant’ Egidios Community and the protection of the religious and cultural heritage.

The President added that “there was interest about Cyprus and there was also a wish expressed for contributing to the restoration of religious monuments, one Orthodox and one of the Maronite Church, and I want to express my warm thanks to the Community, representatives of which will soon be in Cyprus and we will see how we can cooperate further,” noting that there was cooperation between them in the past as well.

Responding to an observation by a reporter concerning the position expressed by him earlier at the meeting with the President of the Community about Cyprus prospectively becoming a place of interfaith coexistence, President Anastasiades said that this can be done “if one takes into consideration that in Cyprus religion was never the issue that divided us from our Turkish Cypriot compatriots, but, unfortunately, the nationalism of the one or the other side or of both; Mistakes, which certainly both communities have paid very dearly for. Yes, we can be a model for peaceful coexistence, especially in a neighborhood that is so turbulent due to religious differences. I also mentioned to the President of Sant’ Egidio, and I have mentioned it this morning during my discussions at the Vatican as well, that they can use Cyprus as a base for the series of programs they are implementing for the benefit of the people that suffer.”

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Cyprus –Switzerland agreement on the repatriation
of antiquities enters into force

On 15 February 2014 the agreement signed between Cyprus and Switzerland on the import and repatriation of cultural property between the two countries enters into force and covers Cypriot and Swiss antiquities dating from prehistoric times to 1500 AD.

The agreement signed on 11 January 2013 provides for the prohibition of the import of cultural property to the two states in cases where the regulations of the country of origin were not satisfied. At the same time, it lays down the framework of cooperation on the repatriation of illegally exported cultural objects and it promotes scientific cooperation and archeological exchanges between Cyprus and Switzerland.“

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Die Ochsentour

Wer weiss, vielleicht haben Sie sich auch schon mal mitten in Indien wiedergefunden, so im Gruenen und von einem Ashram zum naechsten Tempel der Hindus unterwegs und haben dabei festgestellt, dass all die News, die Sie ansonsten taeglich verdauen via Netz und TV, eigentlich ziemlich unverdaulich geworden zu sein scheint im Laufe der Jahre.

Gestern Abend, als kurz mal bei BBC vorbeigesehen wurde und danach bei der Deutschen Welle Indien im TV, wo Sochi gerade breitgetrampelt wurde thematisch, da stiess mir eben Gesagtes genau so auf. Es ist wirklich erfrischend, keine Nachrichten dieser Art zu hoeren fuer einige Tage. Klar doch, Nachrichten anderer Art erreichen das Ohr nun: ueber Vishnu, Rama, Brahman, Sita, Skandar usw.

Der Reiseleiter des deutschen Reisebueros Studiosus, Herr Attila, ist sehr kenntnisreich. Im Umgang mit Seelchen wie der meinigen, allerdings, scheint er nicht sonderlich geuebt.

Stellen Sie sich vor: Sie kommen beglueckt von einem guten Fruehstueck – weniger durch guten, tiefen Schlaf – in den Bus, mit dem Sie – leider – nahezu taeglich viel zu lange durch die schoene Landschaft an interessanten Menschen vorbeigurken, setzen sich auf Ihren Platz und stellen irgendwie sehr schnell fest, etwas stinkt – entschuldigen Sie – wie Scheisse. Sie stehen auf, Ihr Reisebegleiter zeigt mit dem Finger auf etwas an Ihrem Gesaess, Sie greifen dort hin, naemlich in Scheisse, rennen aus dem Bus, ziehen sich irgendwo hinter der Rezeption des zu verlassenden Hotels schnell um, und kommen zurueck und Ihr Reiseleiter sagt, Sie haetten sich lediglich in eine indische Gewuerzsosse, will ich es mal nennen, gesetzt. Sie seien also so trottelig, indische Gewuerzsosse, welches Sie an jenem Morgen gar nicht gegessen haben – die Hose hatten Sie frisch aus dem Koffer geholt – nicht von Scheisse unterscheiden zu koennen.
Unter anderem lief an jenem Morgen – also vorgestern – noch eine Kofferverwechseldich-Angelegenheit ab. Der Koffer einer Kundin ging aus angeblich unerklaerlichen Gruenden mit einer anderen Reisegruppe auf Reisen, sodass das Augenmerk des Reiseleiters darauf gerichtet war. Diese Angelegenheit konnte gestern erledigt werden. Die Kundin sagte gestern Abend bei Tisch etwas von einem Schreiben, welches Sie erwarte von Studiosus der Angelegenheit wegen (wohl als Art Wiedergutmachung). Der Reiseleiter erzaehlte ihr daraufhin eine seltsame Geschichte aus der Welt der Mythen, die, nach meinem Verstaendis, so zu verstehen war, dass Sie sich keine Hoffnungen auf irgendwas machen sollte, die Sache sei abgegessen, vorbei.

Und meine, mit Verlaub, Scheiss-Angelegenheit, die scheint er ebenfalls als weiterhin nicht mehr Erwaehnenswert zu halten. Fuer mein Seelchen ist dieser Umgang seinerseits mit mir insofern unverdaulich, da ich schon gern eine Art Statement dazu von ihm empfangen haette. So musste ich diese dumme Geschichte nun an Sie, verehrte Leser, weiterleiten. Denn Studiosus ist ja immerhin nicht irgendwer. Und soviel offensichtlich vorhandene Arroganz (oder uebertriebenes Selbstbewusstsein), welches sich einer ihrer Angestellten oder Honorarkraefte (wie auch immer) im Namen des Unternehmens erlaubt, erweckt in mir so etwas wie einen Mich-verteidigen-muessen-Reflex.

Wir hatten Studiosus gewaehlt, mein Reisebegleiter und ich, weil wir das erste Mal in Indien unterwegs sind. Wir wollten auf Nummer-Sicher gehen. Die Strecke ist offensichtlich wirklich unvorteilhaft gelegt worden von denen, die diese Tour entwarfen. Den ganzen Tag ist man im Bus von morgens um 8 (30) Uhr bis abends um 7 (und sogar darueber hinaus) unterwegs. Es hilft da wenig, dass die ersten beiden Tage weniger Weg im Bus sitzend zu bewaeltigen war. Jedenfalls gestern war unser Schicksal, wie beschrieben, und heute voraussichtlich auch – ich bin vorsichtshalber im Hotel deswegen geblieben / scheine nicht er Einzige zu sein. ‚Toedlich‘ an so einem Steckenverlauf ist, wenn man nur eine Uebernachtung hat, weil, dann kann man sich nicht von der Gruppe loesen, um mal auszuspannen, was heute gegeben war, allerdings mit der Einbusse, den anscheinend groessten Tempel Indiens nun doch nicht gesehen zu haben.

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Und so ging unter den Mitreisenden bereits „Ochsentour“ als Begriff herum, die man halt durchstehen muesse. Gestern Abend wurde wohl auch daher, ploetzlich um 18 Uhr 30 „von Studiosus“, wie der Reiseleiter sagte, zu einem „Sundowner“, versteht sich im Bus, weil sonst waeren wir noch spaeter angekommen im Hotel, grosszuegig „eingeladen“. Schon kreiste die Rumflasche. Hartpapierbecher wurden damit gefuellt und Coca-Cola oben drauf gegossen, wohl um die Ochsen, also uns, ruhig und bei guter Laune zu halten – denn wir kamen kurz vor 19 Uhr 30 im Hotel an. Und das ist die Zeit gewesen, als das Buffet eroeffnet wurde mit Musik und indischem Tanz.

Wer auch immer diese Tour durch Suedindien entworfen hat bei Studiosus, der gehoert echt gefragt, ob er noch alle Sinne beisammen hat? Ja, wir haetten das nicht zu buchen brauchen. Ja, ich habe auch schon in der Branche und als Reiseleiter gearbeitet und haette auch daher die Tuecken einer solchen Reise vorhersehen muessen. Stimmt. Aber, das habe ich nicht, weil ich an die Professionalitaet von Studiosus geglaubt habe, daran also, dass man, egal ob lediglich eine Uebernachtung vorgesehen ist an einem Ort oder zweie, man sicherstellt von Seiten des Unternehmens, dass die Gaeste spaetestens um 15/16 Uhr auf ihren Zimmern sind, – alles andere ist eine Zumutung! Unprofessionell! Eben eine Ochsentour!

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Und weil wir es gerade von Ochsentouren haben, das Folgende aus der Press and Information Office von Zypern. Denn das, was da auf Englisch geschrieben steht, wird schon – entschuldigen Sie – seit knapp einer oder gar zwei Generationen so oder aehnlich verzapft und will besagen: Hier ist eine politische Reiseleitung nun wirklich erforderlich. Die kulturelle Reise mit Reiseleitung, die oben erwaehnte mit Studiosus, kann wohl eher denen empfohlen werden, die Reisen a la Ochsentour als ganz was Erhabenes sich aufreden lassen wollen und diese Reisen anscheinend bevorzugen, Haltestellen, Laender etc., wie man sagt, abhakend – oder so, oder anders. Und auch das ist OK und hat seine Berechtigung; doch dann haette unsereins gern erst recht mehr Details in den Prospekten und Reisebeschreibungen hervorgehoben, die einem die Wahl lassen, sich anders zu entscheiden, naemlich fuer eine Reise, die wirklich so durchgezogen wird, wie Sie in den Prospekten zu sein scheint: eine gesunde Mischung von Studie, Reise und Wellness.
Den Zyprern, hat man schon fast den Verdacht, taete eine politische Ochsentour mit absehbarem Ende, mehr als nur gut – unseres wird die Stadt Kochi in Suedindien sein. WANAGAM!

Attila, der Reiseleiter, sei hinzugesetzt, verspricht, die Tour wuerde schon bald weniger stressig, in seinen Worten: „anstrengend“.
„Thursday, 6/2/2014

Statement by the President of the Republic of Cyprus

Serious prospects are in the making for a substantive joint communiqué, which satisfies the basic principles for a solution to the Cyprus problem and will lead to the resumption of negotiations, the President of the Republic Mr Nicos Anastasiades said today.

In his remarks to the press, following his meetin: “Today, I briefed the leaders of the parliamentary political parties on the latest developments about the efforts to reach agreement on a joint communiqué leading to the resumption of the bicommunal talks for the solution of the Cyprus problem.

I depart this afternoon for Athens, where tomorrow I will consult with the Prime Minister and the Minister of Foreign Affairs of Greece on the latest developments. I should note that the Greek government was kept informed on a daily basis.
We are at a very sensitive moment with regard to the course of our national problem and I want to be very clear:

From the outset, we set certain specific parameters for the resumption of a substantive dialogue on the Cyprus problem, so that we could be led to a viable and functional solution. We undertook a systematic effort to convince the international community for the necessity of a communiqué with a substantive content.

The international community embraces this position of ours. Today, it seems that serious prospects are in the making for a substantive joint communiqué, which satisfies the basic principles for a solution to the Cyprus problem and will lead to the resumption of negotiations, not for the sake of the negotiations.

For me, what is required is to secure a collective approach and the strongest possible unity. That is why I suggest patience and self-restraint, so that we will not be led astray toward possible baseless and misleading interpretations.

With the conclusion of the consultations, I intend to address the people of Cyprus and inform them analytically, but also in depth, about the actual facts. That is why I avoid commenting on what is being said.

At the same time, I want to stress that the effort to reach agreement on a joint communiqué is the beginning of a big and arduous effort to at last achieve a solution to the Cyprus problem, and certainly the joint communique is not the end.”

In response to a reporter’s comment that political leaders are asking him, through their remarks, not to proceed toward negotiations, the President said: „First, I said that I respect the various views, second, as I have said, I will address the people of Cyprus providing the real dimensions, but also the true content, of the joint communique, based also on the advice that I have from the team of advisors that were proposed to me by the parties.“

Asked if there is a response by the other side with regard to the joint communique, the President of the Republic said that „we don’t have a response. We are at the stage of consultations of a big effort in order to reach agreement on a joint communique. It seems that some concerns that are expressed by our side, for example, on sovereignty, also preoccupy, in a contrary way, the concerns of the other side.“

Responding to a question as to whether the text of the joint communique that has been published is the actual one, the President said that when he addresses the people he will analyze the real content of the communique, as it is actually recorded on the basis expert opinions and not on the basis of various interpretations.

Asked if the text of the joint communique is being negotiated, the President said, „No, as far as our side is concerned we said whatever we had to say and it remains for the other side to respond.“

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Charakterstudie

Gehen wir mal davon aus, dass Ihnen ein Autor namens KAISAR V. MAWRATSAS noch nicht gelaeufig ist. Er ist Zypriote und arbeitet eventuell noch immer am Fachbereich Soziologie der Universitaet Zypern. Ein ineressantes Buch liegt uns vor von ihm, welches er 2012 herausgab mit demTitel: DIE PROLETEN1-GESELLSCHAFT. Im Untertitel heisst es: „Die kulturelle und politische Unterentwicklung der Griechischzyprioten zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ – Verlag: Papazisis, Athen 2012.

Zum Fehlen gelegentlich von >oe< und >scharf >s< etc. hier im Vorspann mag kurz erwaehnt sein, dass auf einem Notebook geschrieben wird, welches kurz vor der Reise nach Indien im Pearl-Outlet in Auggen aus der Reparatur geholt wurde. Die haben dort anscheinend Ubuntu erneut draufgeklatscht, und ich entschied mich, diesmal als Hauptsprache Griechisch zu probieren beim Installieren des Betriebssystems, hoffend, dass sich dann die Suche nach einem Schreibpruefungsprogramm in dieser Sprache im Internet eruebrigt – da ging ich wohl Fehl in der Annahme. Die deutsche Tastaturbelegung ging dabei – vorerst – leider auch drauf.

Sitze seit geraumer Zeit an einer Uebersetzung des oben genannten Buches, dessen Einleitung und Vorwort Ihnen nun in Auszuegen zu lesen gegeben wird.

Vorwort

Die Idee eines Buches zu den Proleten und ihrem Hoheitsgebiet in der griechisch-zyprischen Gesellschaft kam nach und nach und unmerklich auf, vor allem, nehme ich an, wegen meiner persönlichen Reibungen und Erfahrungen mit den Proleten und dem Proletentum. Hinzugefügt sei, der größte Prolet ist vielleicht die erfolgreichste komische Figur, die Lächerliches und Vulgarität in der griechisch-zyprischen Kultur konstituiert. Ich muss eingestehen, gleich zu Beginn, dass meine theoretische Auseinandersetzung mit diesem Thema sicherlich auch damit verbunden ist, dass die Proleten im Allgemeinen Anlass zu viel Lachen geben.

… Das theoretische Interesse an den Proleten gab mir gleichzeitig die Gelegenheit, mich der zyprischen Gesellschaft aus neuem Blickwinkel zu nähern, hierbei einen Begriff nutzend, welcher völlig abweicht von den vorhandenen Bibliografien der Gesellschaftswissenschaftler; nicht allein in Zypern, sondern auch in anderen Gesellschaften. … .

Das Buch … , welches Sie in ihren Händen halten, ist an einen weiten Leserkreis gerichtet, bedarf keiner speziellen Kenntnisse der Soziologie; oder allgemeiner gesagt, in den Sozialwissenschaften. Ich möchte glauben, dass das Buch dem durchschnittlichen zypriotischen Leser helfen kann, die zyprische Gesellschaft besser zu verstehen, und im Weiteren den Prozess der sozialen Konstruktion von Wirklichkeit, aus dem die Welt der Griechischzyprer hervorkommt – um so seine Welt kritischer und mit einem zynischeren Auge zu sehen.

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Als ich das Schreiben des Buches begann, dachte ich, dass je allgemeiner der Begriff des Bauern (Choriotis) gefasst wird, desto mehr ruft die zyprisch-griechische Version des Proleten (Chorkatos) ein Lachen hervor – immerhin. Auch bin ich sicher, dass das für die Bauern gilt, die weiterhin in den entwickelten westlichen Gesellschaften existieren – sicherlich (auch dort) den gesellschaftlichen und kulturellen Rahmen setzten. Das Bild scheint aber anders zu sein in jenen Gesellschaften (siehe Zypern), in welchen der Bauer eine hegemoniale Stellung einnimmt. Im Laufe der Beschäftigung mit dem zyprisch-griechischen Proleten realisierte ich daher, dass der Prolet eine fürchterliche Gefahr ist, mal abgesehen vom Lachen, welches er hervorruft.

Rikkos Mapuros, um Letzteres plausibler darzulegen, findet: ‚Kann sein, dass der Prolet auch eine komische Dimension hat und reichlich zum Lachen bringt, doch sicher ist, er ist ein Träger von Negativität, Rückschritt und Obskurantismus, sowie der Aufrechterhaltung des Status Quo‘, der einen grundsätzlichen Fortschritt der zyprischen Gesellschaft verschleppt‘. Rikkos Mapuros findet, dies sei ein griechisch-zyprisches Phänomen in Voelle, und nicht etwa, dass es die „fremden Mächte, die sich ständig gegen uns verschwören“ seien. Wir sind weitgehend der Faktor, der die Lösung der wirklichen Probleme der zyprischen Gesellschaft behindert und ihre Modernisierung (inbegriffen, selbstverständlich, ist hier auch die Zypernfrage, welche die Insel seit Jahrzehnten geißelt)… .

Einführung

Die Bauern und die Proleten

In den meisten Gesellschaften … ist der Begriff des Bauern2 nicht beschreibend …, sondern wird negativ und abwertend begriffen. Gemäß dem Lexikon zum Neugriechischen von G. Babnioti verweist das Wort „Bauer/Choriatis“ auf den Menschen, der rauh, ohne Kultiviertheit und feinen Schliff ist. Im Altgriechischen ist das Wort, welches dem neugriechischen „Bauer“ entspricht „agrikos“, das die Rohheit bezeichnet, die rauhe Art und Weise, in der zum Leben in der Provinz von ihm korrespondiert wird.

Der Typ des Agrikos kommt oft in den Komödien des Aristophanes vor, während er auch einer der Charakteren war, die Theophrastos umschrieb in seinem klassischen Werk „Charakteren“3 , ein Schüler Aristoteles‘. Die Beschäftigung der altgriechischen Komödie … mit dem Agrikos überspannt mindestens 4 Jahrhunderte, zumal es noch die Titel nachfolgender Komödien gibt (zum Beweis dessen). Zweifellos ruft der Bauer öfters Lachen hervor; oder, wenn Sie wollen: Er besitzt eine ihm eigene komische Dimension. Diese Dimension war auch ersichtlich im Mittelalter, als „der Bauer (the rustic or villain) eine literarische Gestalt für Spott und Gelächter war“ – was er sicherlich bis heute fortfährt zu sein (Freedman 1999, S, 133).

Verbunden damit ist auch die negative Bedeutung, die das Wort Agrikos fortfuhr im Neugriechischen zu tragen, obgleich es wesentlich weniger im Gebrauch ist und eine klare begrenzte Bedeutung inne hat, im Gegensatz zum modernen Begriff des Choriatis/Bauern. Jedenfalls erscheint Letzteres weitaus weitgefächerter in der Bedeutung als die altgriechische Bedeutung des Agrikos. Und das wird bereits lediglich beim Lesen der Überschriften der Charakteren von Theophrastos offensichtlich. Wir dürfen wohl behaupten, dass der heutige Begriff des Bauern … ein Zusammenschluss der nahezu an die 30 Typen oder Charakteren des Theophrastos ist – und sicherlich nicht allein bloß der Agrikos-Typ. Wie aus den Kapiteln der Analyse, die folgen werden, ersichtlich wird, und um in der Terminologie des Theophrastos‘ zu sprechen: Der Prolet ist, mal abgesehen vom Agrikos, selbstmörderisch, schwafelig, leichtgläubig, unverschämt, kleinkariert, scheußlich, frech, missmutig, untreu, hochnäsig, verleumderisch.

Die Unterordnung des Bauern

Ungefähr die selben Begriffe und negativen Bedeutungen, die den Bauern angehen, sind sicherlich auch in vielen anderen Sprachen zu lokalisieren. Im Englischen ist das Wort, welches dem neugriechischen Begriff Bauer entspricht, nicht die Vokabel „villager“ (die gewöhnlich auf den Bewohner im Dorf verweist), sondern die Vokabel „peasant“. Der englische Terminus Peasant bezeichnet den Menschen in der Provinz (vom lateinischen „pais“, Provinz); aber auch zu Zeiten der vorindustriellen Periode hatte dieser spezielle Terminus eine klar negative Bedeutung und bezeichnete Grobheit, Mangel an kulturellem Schliff oder Kultur, sowie auch Dummheit. Das Bild des Bauern als Dummkopf, lohnt es sich zu betonen, ist Zeit übergreifend und beinah überall beobachtbar; und viele dieser Bauern würden die marxistische Auffassung bezüglich der Idiotie des bäuerlichen Lebens bestens verkörpern…. .

Das Interesse der Monografie, welche sie in ihren Händen halten, richtet sich auf den Proleten als psychosozialen Typus, aber nicht unter den Bewohnern der Provinz als soziale Schicht oder soziale Klasse (etwa). Von dieser Warte aus wird der englische Begriff Peasant, wie er in den sogenannten Agrarwissenschaftlichen Studien verwendet wird …, uns zumindest beschäftigen. Diese Wahl meinerseits, glaube ich, ist Imperativ … – soll sagen: der Begriff des Proleten, wie er im Alltag der Griechischzyprer verwendet wird, bezeichnet keine der gesellschaftlichen Klassen, sondern genau einen psychosozialen Charakter. Aus der Perspektive der vorliegenden Analyse ist der griechisch-zyprische Begriff des Proleten, oder der neugriechische des Bauern, vielleicht besser den englischen Begriffen „boor, rustic“, aber auch „hillbilly zuzuordnen (Letzterer kommt meistens in den USA vor). All diese Begriffe werden oft als Synonym des Begriffs Peasant gebraucht, sind jedoch zweifellos Träger einer negativen Bedeutung.

Die negative Bedeutungsgebung des Begriffs des Bauern erscheint fast überall, und es könnten dafür viele Beispiele angeführt werden. Im Russischen, das Wort „smerd“, das heißt Bauer und verweist auf den Mundgeruch; im Polnischen das Wort „cham“ schlägt vor, dass der Bauer ein rassisch minderwertiger Ableger ist – Cham ist ein Wort, was sich auf den Fluch in der Bibel beziehen lässt, welchen Noah seinem Sohn Ham4 auferlegte, aber auch den Söhnen des Letzteren (Shanin 1995, S. 454)… .

Den Bauern als Schnittstelle der Erbsünde zu nehmen, die von einem Urahnen herrührt, war weit verbreitet im Mittelalter. Die gesellschaftlichen Schichten, die vom minderwertigen Status der Bauern profitierten5 – die Land besitzenden Adeligen, der höhere Klerus und die verschiedenen Schichten in der Händlerschaft -, fühlten, dass der minderwertige Status des Bauern Erklärung verdiente, wo die Bauern doch die selbe Sprache sprachen, und noch bedeutender, den selben Glauben hatten … .

Der Fluch Noahs war seinerzeit die weit verbreitetste Ansicht als Erklärung; obgleich, in einigen Fällen, wurde der minderwertige Status der Bauernschaft auch der Abstammung von Kain, dem älteren Sohn Adams und Evas, der seinen Bruder Abel getötet hatte, zugewiesen. Jenseits religiös gefärbter Erklärungen konnte die Knechtschaft der unteren Schichten durchaus auch anders erklärt werden, nämlich durch die einst herrschende Überzeugung, dass die Nachkommen der Verlierer einiger historisch bedeutsamer Schlachten dafür in Frage kämen… .

Zu diesem Zeitpunkt jedoch fahren wir mit den Proleten selbst zuerst fort. Lassen Sie uns unser Interesse daher auf den modernen Begriff des Bauern lenken, den Bauern der … Postmoderne. Mit dem Aufkommen der Moderne und der Intensivierung des Prozess‘ der Industrialisierung und Verstädterung wurde der Mensch der Provinz grundlegend im sozialen Gefüge getroffen. Es ist deshalb kein Zufall, dass angefangen wurde, den Bauern mehr als ein anachronistisches Element in der Gesellschaft zu verstehen – womit der Begriff auf einen Menschen verweist, der an eine obsolete Vergangenheit gebunden bleibt, dem es nicht gelingt, seine Wertewelt zu erneuern, eine Erneuerung, der es für das moderne Leben bedarf. Der Begriff des Bauern fing dergestalt an, komische und ironische Bedeutung zu erhalten – zuletzt wurde er auch noch zum Gelächter der Leute.

Gleichzeitig muss jedenfalls darauf verwiesen werden, dass in fast allen Sprachen auch Wert freiere Bedingungen bestehen für die Bewohner der Provinz – oder gar Bedingungen, die klare positive Bedeutung haben … .

Es gilt ebenfalls zu berichten, dass wir in fast allen Kulturen auf bestimmte Traditionen stoßen oder geistige Bewegungen (im Rahmen der Romantik zum Beispiel), die die Provinz und das bäuerliche Leben vergöttern; und folglich davon ausgehen, dass, während das städtische Leben und die Kultur, die mit ihm einhergeht, eine Art Rückgang der Menschheit verkörpern, das Leben in der Provinz dem Menschen erlaubt, seine wahre Physis zu entdecken.

In der Periode nach dem II. Weltkrieg und den Anfängen der Entkolonialisierung hörten die Bewohner vom Land bei einigen Kreisen der politischen Linken auf, als anachronistisches Element der Gesellschaft betrachtet zu werden. Die Betonung lag bei diesen Linken selbstverständlich auf dem Agrotis, also Landwirt – nicht auf dem Bauer. Ihre Analyse beinhaltet klar eine ideologische Sichtweise. Letzteres dergestalt, dass manche die Landwirte als die soziale Klasse ansahen, die rebellieren werde, um den Sozialismus in der III. Welt zu etablieren, mit Kuba und China als Vorbilder zum Beweis. Obgleich in den 60er Jahren sich auch ein Erblühen der sogenannten Agrarwissenschaften ergab …, überzeugte die neo-marxistische Beschäftigung mit den Landwirten und das Beharren darauf, ihnen eine rebellische Rolle zuzuteilen, nicht viele6… .

Es gilt in dieser Monografie anfänglich zu betonen, dass sie auf den Begriff des Bauern in seiner negativen Bedeutung begrenzt wird. Und diese negative Bedeutung war bereits seit der Antike offensichtlich, zumal der Begriff der Kultur mit dem Stadtleben verbunden wurde. Als zum Beispiel Aristoteles den Menschen „politisches Tier“ bezeichnete, ist die Sicht, die er einnimmt, dass der Mensch seine menschlichen Eigenschaften vollauf nur in einem städtischen Leben entwickeln kann. Die Beziehung Stadt–Kultur dachte er, und es wurde fortan so gedacht, als etwas Selbstverständliches. Hingegen drückte die Dimension Stadt–Dorf das Gegenteil aus, den Gegensatz des Kulturwesens zum Bauern … . Allgemein gilt: der soziale Typ des Bauern ist auch ähnlich der des Großgrundbesitzers, der Person also, die reich geworden fortfährt, sich zu verhalten wie ein Bauer…. .

Im ersten Kapitel wird das Proletentum unter der Lupe der komischen TV-Serie in Zypern namens Wurate Gitoni betrachtet; im zweiten Kapitel wird der Prolet bestimmt als ein gesellschaftlicher Typus; und es ergeben sich sechs Arbeitshypothesen für die gesellschaftliche Bedeutung des Proletentums. Im dritten Kapitel wird das Proletentum vor dem Hintergrund des Alltagsleben‘ der Griechischzyprer untersucht; und im vierten verlegt sich die Analyse auf die politische Ebene der Griechischzyprer und konzentriert sich auf das Erscheinungsbild des Proletentums im Verständnis der Griechischzyprer bezüglich der Zypernfrage, und weiter noch, in der politischen Kultur.

Eine andere grundlegende These, die ich entwickeln werde, ist, dass in der griechisch-zyprischen Gesellschaft „der Prolet“ als gesellschaftlicher Haupttyp auftritt; und das Proletentum als grundlegende Charakteristik des Verhaltens und des Benehmens des durchschnittlichen Griechischzyprers. Und ich habe den Verdacht, dass hier eine grundlegende Unterscheidung zu treffen ist zwischen, zum einen, der griechisch-zyprischen Gesellschaft, und zum anderen, den freien westlichen Gesellschaften. Wie ich also darzulegen versuchen werde in den Kapiteln des Buches, die folgen, ist in der griechisch-zyprischen Gesellschaft der Prolet der hauptsächlich anzutreffende gesellschaftliche Typus… .

Die Herrschaft des gesellschaftlichen Typus des Bauern ist selbstverständlich ein Gegenstand, den wir in vielen anderen nicht-westlichen Staaten beobachten können, insbesondere in Gesellschaften, die der III. Welt zugeordnet werden. Wir können mit Sicherheit annehmen, dass in (diesen) vielen anderen Gesellschaften, die Herrschaft dieses bestimmten Typus viel entschiedener ist als die des griechisch-zypriotischen. Letzteres ist eine Tatsache, welche Griechischzyprern leicht klar wird, wenn sie auf Reisen sind, zum Beispiel, im Mittleren Osten, in Afrika, in Asien.

Zweifellos eine vergleichende Auseinandersetzung über das Proletentum, wo der Forscher systematisch das Phänomen erforscht in unterschiedlichen Gesellschaften, wäre von höchstem Interesse. Ein derartiges Unterfangen liegt schlicht außerhalb der Möglichkeiten der vorliegenden Monografie… . Das bisher Gesagte, daher, muss als vorläufige Hypothese angesehen werden. Hier handelt es sich um eine Arbeit, welche ausschließlich darauf abzielt, die griechisch-zyprische Befindlichkeit zu verstehen – siehe den Vergleich mit Gesellschaften, die entweder als entwickelter angesehen werden wie Zypern, oder die als weniger entwickelt erachtet werden.

Es sei vorweg betont, dass die Analyse, die ich durchführe, auf keiner Statistik beruht. Ich behaupte daher nicht, dass die Griechischzyprer Proleten sind, sogar auch nicht, dass es die meisten seien. Obgleich, ich denke, dass der Prolet und das Proletentum ein den Zyprern von Natur aus gegebenes Phänomen sind… . Das griechisch-zyprische Proletentum, dürfen wir wohl behaupten, ist eine sui generis, aber insbesondere ein Spezialfall des allgemeineren Phänomen des Bauerntums.

Die Basis der Beweisführung und der Punkt, von dem aus die Analyse startet, ohne zu enden, sind die Art und Weise, mit der die Gesellschaft selbst die Begriffe, den Proleten und das Proletentum, subjektiv benutzen (und andere Ausdrücke wie „chorkatikos“ und „chorkatillikki“7) im Alltag.

Das Fazit der Monografie, nun, stützt sich auf ethnologische Tatsachen, die die griechisch-zyprische Alltagswelt bereitstellt. Wie sich vor allem im dritten Kapitel zeigen wird, sind diese hauptsächlich Eindrücke, die ganz gewiss nicht komplett gesammelt worden sind (und das auch nicht) in einer systematischen Art und Weise.

Gleichzeitig, ich wiederhole mich, versuche ich jene (die Proleten sind gemeint) davon zu überzeugen, dass in der griechisch-zyprischen Gesellschaft das Proletentum in allen Schichten des gesellschaftlichen Lebens gestreut vorzufinden ist; dass es hauptsächlich die Umgangsform ist, die nicht allein den Charakter der persönlichen Beziehungen (und die Qualität) festlegt, sondern, auch im weiteren Sinne, die Schaffung der griechisch-zyprischen Wirklichkeit mit kreiert – wie auch das Weltverständnis als solches der Griechischzyprer. In der griechisch-zyprischen Gesellschaft, um es anders auszudrücken, sind die Proleten, unabhängig davon wie viele sie sind, Ton angebend und dominieren.“

1 Eigentlich geht es um den zurückgebliebenen Bauer, den Choriatis, der im zyprischen Kontext Chorkatos heißt, und mit diesem somit die selbe Wortwurzel hat. Nach reichlichem Überlegen wurde der Entschluss beim Übersetzen gefasst, dass „Prolet“ den „Chorkatos“ besser wiedergibt als meinetwegen ‚dummer Bauer‘ – dazu mehr im Verlauf des Textes von Kaisar V. Mawratsas selbst.

2 Sollten wir genauer sein wollen, ist besser, von ‚den verschiedenen Begriffen‘ zu sprechen

3 The Characters of Theophrastus: Studien, Einführung und Kommentar von R.G. Ussher, London, Bristol Classical Press 1993 (erste Ausgabe 1960). Es handelt sich um eine vorzügliche Ausgabe, die den griechischen Text beinhaltet, sowie die englische Übersetzung dazu und eine allgemeine Einführung sowie viele detaillierte Kommentare im ganzen Text

4 Es sind einige Mythen dazu im Umlauf, zum einen der, dass Ham seinen Vater Noah eines Tages betrunken schlafen sah; oder aber mit diesem geschlafen hat, als jener betrunken war; oder aber, dass er von seinem betrunkenen Vater vergewaltigt wurde – wie auch immer, diesen Vorfall hat er seinen Brüder erzählt, woraufhin er verbannt worden sein soll. Ham soll nach anderen Erzählungen derjenige sein, auf den die Menschheit – von Noahs 4 Söhnen – zurückgeht, etc.

5 Entweder waren die Letzteren Leibeigene oder sie waren Freie

6 Bezüglich der Entwicklung der Agrarwissenschaften und verschiedenen Ansätze zum Thema, siehe Lehman, 1999 und Shanin 1995

7 Das erstere ist eine weitere männliche Variante, das zweitere eine weibliche, des Wortes Chorkatos, was bekanntlich hier mit Prolet übersetzt wird 

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