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Archive for Dezember 2013

Geburtshelfer

Bundesarchiv B 145 Bild-F012969-0002, Bonn, St...

Bundesarchiv B 145 Bild-F012969-0002, Bonn, Staatsbesuch Präsident von Zypern (Photo credit: Wikipedia)

Die BRD, schreibt Th. Kruse in seiner Dissertation, eröffnete ein sogenanntes Berufskonsulat in Nikosia mehr oder minder an dem Tag, als die EOKA 1955 anfing, türkischen Zyprioten Gewalt an zu tun. Da die Briten ihre Abhöranlage inzwischen auf ihren beiden Basen in Stellung gebracht hatten, war es für die deutsche Botschaft in Nikosia nicht mehr so ohne Weiteres möglich, Nachrichten per Telex etc. zu versenden, in denen zum Beispiel kritische Anmerkungen zur Politik der Briten auf Zypern abgefasst wurden. Denn man wollte die Briten, wegen der Teilung Deutschlands, nicht verärgern, zumal sie ja noch benötigt würden zur erhofften Wiedervereinigung Deutschlands. Berichte, die etwas schwierig waren, wurden daher über Ankara oder Athen etc. nach Bonn verschickt.
Der deutsche Konsul in Nikosia zu jener Zeit hieß bezeichnenderweise Türk im Familiennamen. Th. Kruse arbeitet ziemlich überzeugend heraus, dass Türk, wie bereits in Teil 1-4 dieser Beiträge hier auf Zypernundmehr-News erwähnt wurde, eher die türkische Position stützte. Doch auch: „Aus Türks Einschätzungen geht deutlich hervor, dass (ihm) grundlegende Informationen zum Teil fehlten oder keine Möglichkeiten bestanden, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen, denn die Mitglieder der kommunistischen Partei und deren Organisationen beteiligten sich nicht aktiv an den guerillataktischen Maßnahmen gegen die Briten“, wie bereits erwähnt wurde in den Beiträgen davor.
Und dann war da noch die Frage aufgekommen, ob von der BRD in Zypern weiterhin ein Konsulat betrieben werden sollte. Hier gelang es dem deutschen Türk, Bonn von dieser Notwendigkeit damals zu überzeugen. Unter anderem führte er Argumente an, wie dass die AKEL eine kommunistische Partei sei.
Bekanntlich herrschte in den 50er Jahren nicht nur in Deutschland (siehe auch Schweiz, USA etc.) geradezu eine Fobie gegen Linke, sodass das Argument „kommunistisch“ in seinem Bericht nach Bonn seine Wirkung nicht verfehlte.

Th. Kruse befindet, dass die AKEL bei näherem Betracht eher einer sozialdemokratischen Partei damals glich, als einer strikt kommunistischen, für die sie sich nach Außen gern ausgab, dem jedoch nach innen nicht entsprach. Türks Ausführungen zum Kommunismus der AKEL fanden in Bonn also Gehör. Paradoxer Weise, müsste man wahrscheinlich sagen, wenn man zyprische Verhältnisse nicht kennt, hatte die bis zum „2. Dezember 1959 durch die britische Inselregierung [verbotene Partei, also die AKEL, die dennoch aktiv im Politischen mitwirkte, den] seit Längerem bestehende[n] Zustand [durch die Aufhebung ihres Verbots nun wieder] legalisiert… . Die AKEL ha[tte] sich bei den bevorstehenden Wahlen gegen Makarios ausgesprochen und unterstützte den konservativen Gegenkandidaten Ioannis Kliridis.“

Th. Kruse bemerkt: „Es ist bemerkenswert, dass im Rahmen der bundesdeutschen Berichterstattung über die politischen und parteipolitischen Entwicklungen in Zypern dem kommunistischen Faktor wesentlich mehr Bedeutung beigemessen wurde als zum Beispiel den Aktivitäten der nationalistischen und gewaltbereiten EOKA, die über Jahre die britische Kolonialregierung durch zahlreiche Anschläge und Attentate zu immer neuen Gegenmaßnahmen und Repressalien veranlasste… ; man kam zu dem Ergebnis, dass die Gefahr einer kommunistischen Machtübernahme und somit eine Erweiterung des sowjetischen Einflussbereiches auf das strategisch wichtige Zypern im östlichen Mittelmeer evident sei“. Doch, [die] „kommunistische Gefahr, die Zypern nach Meinung der westdeutschen Beobachter drohte, bestand also nur in den Köpfen der westlichen Diplomaten – [diese] waren … aufgrund antikommunistischer Reflexe nicht in der Lage, die Realitäten auf Zypern zu erkennen.“
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Ganz unbekannt sind uns diese Reflexe in der Neuzeit keineswegs. Es lohnt sich gewiss, mal politische Gerichtsprozesse und deren Ergebnisse in der BRD nach dem II. Weltkrieg anzuschauen. Zuletzt zeigte und zeigt der Prozess um Frau Schäppe, der Neonazionalsozialistin, mal wieder, wo die BRD anscheinend noch immer blind ist – politisch rechts nämlich.

Des Weiteren: „Falls ein Aggressor es schaffe, die Insel unter seinen Einfluss zu bringen“, kalkulierten die BRD-Behörden, also Türk, „sei die Sicherheit im gesamten Mittelmeer gefährdet. So sei es im lebenswichtigen Interesse der freien Welt, auf der Insel für stabile Verhältnisse zu sorgen. Hierfür seien zuvorderst die Unterzeichnerstaaten des Londoner Abkommens zuständig, allerdings seien gesicherte Verhältnisse nur durch die wirschaftliche Prosperität des Landes zu gewährleisten. Aufgrund des hohen Kapitalbedarfs, der anstehenden Entwicklungsaufgaben und der instabilen Verhältnisse auf der Insel bestehe die Möglichkeit, für Dritte hier entscheidend einzuwirken – wie es der Osten (die DDR) schon erkannt habe.
In diesem Bereich, so in der Analyse (von Türk) weiter, dürften der BRD deswegen wichtige Aufgaben zufallen. Der Bedeutung Griechenlands und der Türkei ‚als Bastionen in der westlichen Verteidigungsfront‘ warem der Bundesrepublik jederzeit bewusst. Man habe, um eine Schwächung des (NATO) Bündnisses zu verhindern, jederzeit beide Länder in der Zypernfrage unterstützt – stets im Hinblick auf eine friedliche Lösung und soweit es die neutrale Haltung gestattete. Mit dieser Politik habe man auch zur Entstehung des neuen souveränen zypriotischen Staates beigetragen…. . Zypern sei, so der Tenor, militärisch und politisch kaum weniger gefährdet als Griechenland oder die Türkei; ein ‚Übergang in den östlichen Machtbereich könnte die Verteidungungslinie im südlichen Balkan und Nahen Osten leicht vom Rücken her zum Einsturz bringen‘.“  

Das heißt, der damalige Vorwurf oder Behauptung der DDR, die BRD habe zumindest indirekt bereits in den Anfängen einer faktischen Teilung der Insel beigewohnt und diese mitverursacht, wird von Türk insofern bekräftigt, wenn Kruses Angaben zutreffen, als er, wie oben zu lesen war, schreibt: „Mit dieser Politik habe man auch zur Entstehung des neuen souveränen zypriotischen Staates beigetragen… .“ 

Erlauben Sie, dass nun ein Kommentar von Loucas Charalambous übersetzt wird, der in der Cyprus Mail vom 22. Dezember 2013 unter der Überschrift: „Wir akzeptieren noch immer nicht, was wir 1963 getan haben, vor 50 Jahren“. Dieser Beitrag passt gut in den Kontext unserer Beiträge unter „Zypern und Deutschland“.

Charalambous schreibt: „Gestern war das 50-Jährige des schwarzesten Tages in der modernen Geschichte Zyperns. Wenn wir Griechischzyprioten die Rolle begreifen würden, welche die Vorkommnisse am 21. Dezember 1963 in unserer Geschichte spielten, sollten wir jedes Jahr zu der Nische, welches die Venezianische Mauer in Nikosia, umgibt gehen (die wir umbenannt haben sollten zu ‚Trännenmauer‘), und unseren Kopf daran schlagen, wie die Mitglieder des jüdischen Glaubens es tun an den Ruinen des Salomontempels. Es gibt keinen ähnlichen Vorfall in der Geschichte eines anderen Landes. An diesem Tag hat der Staatschef, der eine irreguläre und illegale Armee benutzte, die er aufstellen und bewaffnen ließ, eine Attacke auf seinen eigenen Staat durchführen lassen, den er zerstören ließ. Innerhalb von ein Paar Stunden, hat er diesen in zwei Teile gespalten. Das Traurigste daran ist, dass er nicht nur nichts aus diesem Blödsinn lernte, sondern dass wir noch nicht einmal begriffen zu haben scheinen, welchen Schaden wir unserem Land damit zufügten – und dass wir die Geschichte noch immer als einen heroischen Kampf sehen, anstatt so was wie Schande zu empfinden. Es bedarf durchaus sagenhafter Nerven für den Staatssender, die Ereignisse von 1963 als angeblichen Widerstand gegen die türkische Rebellion zu präsentieren, welche nur in der Vorstellung der Journalisten der CYBC (zyprischer Staatssender) besteht, sowie bei einigen überlebenden Protagonisten dieser unvergesslichen, blutigen Geschichte.
In Wirklichkeit war es eine Makarios-Rebellion. Doch niemand wagt, so etwas zu sagen. Da ist nichts ärgerlicher als die idiotischen Shows, die im Allgemeinen in diesen Tagen ausgestrahlt werden vom CYBC-Radio und -TV, in denen einige der Protagonisten der Vorfälle, wie Nikos Koschis, Christodulos Christodulu, Wassos Lyssarides und andere ihre triumphale Version abgeben darüber, was geschehen sein soll. Ich klag die nicht ihrer Taten wegen an. Alle, mit Ausnahme von Lyssarides, waren unreife und verantwortungslose Jugendliche in ihren Zwanzigern, die von einen politschen Grünschnabel, einem 50 Jahre alten Mönchen, dem Erzbischof Makarios, verarscht worden sind. Die wussten nicht, was sie tun. Waren sich ihrer Handlungen nicht bewusst.

Was aber weniger zu verzeihen ist, ist dass die sogar noch heutzutage, ein halbes Jahrhundert danach, noch immer so tun, als ob sie keine Ahnung hätten, welchen unverantwortlichen Schaden ihre Aktionen dem Land zugefügt haben.

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Irgendwie ist das zu erwarten gewesen. Was ich schlecht wegstecken kann, ist die Unverantwortlichkeit der Obersten beim CYBC, die den Mythos weiterhin perpetuieren, in dem sie die historische Wahrheit massakrieren…. Die Akritas Organisation (mit Makarios als ihr unsichtbarer Führer, wie Christodulu vor ein Paar Jahren herausbekam) führte bewaffnete Attaken gegen Türkischzyprioten durch, nach dem sie zuerst die Spannung zwischen den beiden Gemeinschaften (griechisch-türkische Zyprioten) befeuerten, in dem sie die Bombe bei dem Denkmal des EOKA-Helden platzierten namens Markos Drakos am Pafostor (Nikosia) und Feuer in der Aghios Kasianos Grundschulde entfachten.
Pläne, die Akritas Organisation ins Leben zu rufen, waren bereits 6 Monate nach der Gründung der Republik Zypern gemacht worden; und ihre Verneinungspolitik, die von Tassos Papadopolus (gemäß der Aussagen von Glafkos Kleridis) entworfen worden war, war die Überwerfung dessen, was in den Zürich-London-Vereinbarungen vereinbart worden ist, Vereinbarungen also, welche die Republik Zypern ins Leben riefen, in anderen Worten: die Auflösung des (Gesamt-) Staates…. Der frühere Offizier Takis Chrysafis hatte den Mut, die Wahrheit über die Akritas Organisation zu sagen, und er ließ wissen, er persönlich habe den Regierungsminister Polycarpos Giorkadjis gehört, wie er Instruktionen gab, die Bombe am Monument des Markos Drakos am 03. Dezember 1963 zu legen.

Lediglich die CYBC-Bosse und die selbsternannten Chefs von 1963, die noch immer nicht erwachsen geworden sind, wiederholen noch immer den Mythos einer türkischen Rebellion, wo sie doch besser an der Venezianischen Mauer in Nikosia wären an diesem Tag, und das jedes Jahr erneut, um ihre Köpfe daran zu schlagen, um derart zu versuchen ihre begangenen Sünden zu sühnen.“  

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Aus 4 mach 5!

Girne Marina, TRNC

Girne Marina, TRNC (Photo credit: Wikipedia)

Fünf Finger hat die Hand. Vier Finger an einer Hand zu haben, soll auch nicht das Schlechteste sein. Manche Hotels zieren 5-Sterne, wovon wahrscheinlich einer, der fünfte eventuell, nach Bestechung, Korruption und – mit Verlaub – Menschen-an-der-Nase-Herumführen so sonderbar und ganz auf-vornehm stinkt.

Gewiss, gewiss, die Überschrift dieses Beitrags stiftet etwas Verwirrung bei der Einen oder dem Anderen, die oder der unsere Zypernundmehr-News liest. Denn was soll denn das schon bedeuten: „on the Rocks“? Eisblöcke etwa, Eiskristalle oder einfach nur Eis? Das Letztere wird wóhl niemand mit „Rocks“ in Verbindung bringen, zumindest nicht auf die Leichte – wie man so sagt. Rocks, kommt, denken wir, wohl ursprünglich vom Wort Fels (rock) aus dem Englischen. Und wie Werbestrategen so sind, oder sein sollen, haben sie den Besitzer des Rocks-Hotels vielleicht zu dieser Genitivfalle – oder besser Genitivwendung – oder noch angebrachter genitiven Verschleierung etc. überzeugen können (siehe das s, welches dem Rock folgt beim Wort „Rocks“, als wäre dieses für den Hotelnamen verwendete Rock im vorliegenden Fall im Englischen kein Eigenname, sondern eben ein ganz gewöhnlicher rock, Fels).  

Es ist ja bekanntlich so, dass viele Nordeuropäer die Koffer packen, und zwar gern dann, wenn es um sie herum so richtig kalt und vor allem nass wird. Klar, immer mehr von ihnen sollen inzwischen in der nordeuropäischen Heimat bleiben, um den Urlaub zu machen, manche sogar noch weiter in den Norden Europas vorstoßen. Doch wahrscheinlich ist die Zahl derer, die einen Schnellaufenthalt irgendwo in der Wärme Europas vorziehen, noch immer beträchtlich hoch.
Daher gibt es dann wohl auch Leute, die zum Beispiel nach Zypern fliegen, der Sonne wegen und weil dort die Preise stimmen, wie der eine oder die andere von diesen Nordeuropäern vermutet oder erzählt bekommen haben mag.
Und das stimmt – irgendwie!
Letzteres trifft auf den Süden der geteilten Insel, aber leider meistens noch immer nicht zu, also die Angelegenheit mit den günstigeren Preisen. Und daher glauben wohl auch einige Leute aus dem Norden Europas: „na, Türkei muss es ja nun gerade auch nicht sein bei der politischen Situation, wer weiß schon, was da demnächst noch alles passiert, womöglich ausgerechnet dann, wenn wir da unten sind – fliegen wir nach Zypern“.

Und so sind die dann genau so schlau wie wir und buchen sich eventuell im Norden von Zypern ein. Weil man hat doch eigentlich genug von dem Weihnachtstrubel gehabt, und schon wieder und immer wieder das gleiche Lied: Jingle-bells, jingle-bells jingle all the way… etc. Ja, und eben weil alles anscheinend etwas preiswerter erscheint im Norden von Zypern, wo Weihnachten eigentlich kein Thema ist, weil es ja überwiegend muslimisch ist, und weil es immer noch irgendwie Türkei ist, aber halt doch nicht mehr so richtig, also zur Türkei irgendwie dazugehören soll, wo bekanntlich ein recht hoher Standard in Sachen Service und Tiefstpreisen herrscht, wagt man dann halt doch mal als Nordeuropäer, weil man sollte sich doch auch etwas leisten im Leben, wenn man schon nicht zuhause unterm Christbaum sitzt, ein Fünf-Sterne-Hotel zu buchen – ausnahmsweise und so.

Wir wollten nicht da draußen irgendwo an der Küste im Norden von Zypern im Einsamen sein diesmal. So entschlossen wir uns für die Stadt, wo man womöglich sogar noch nachts um 3 Uhr jemand auf der Straße antrifft, als sei es das Normalste von der Welt, Girne oder Kyrenia wird diese Stadt auch noch genannt, für die wir uns entschieden.
Zugegeben: wir waren dann halt doch schon immer spätestens um 23.30 Uhr in den Betten. Doch es bestand die gefühlte und hörbare Möglichkeit, zum Beispiel morgens um 4 Uhr nochmals die Hose anzuziehen, um dann in eines der Spielcasinos abzutauchen. Das war eigentlich schon fast wie dort gewesen zu sein, diese Gewissheit. Und wäre das Casino vom Savoy Ottoman Hotel, wo man ganz lässig reinkommt, nicht so verraucht gewesen, wer weiß, was wir noch alles an gewonnenen Geldscheinen nach Hause gebracht hätten. Das Casino von unserem Hotel, dem Rocks, das wollten wir zwar mal besuchen, doch das war dann doch nicht so einfach. Irgendwie war der Einlass zu eisig oder rockig, fanden wir. Jedenfalls verlief die Angelegenheit nicht reibungslos, also sound, das heißt ohne großen Firlefanz – Details, last not least, erübrigen sich.
OK, dann halt doch, einige Details.
Stellen Sie sich also vor: Ihr Reisebegleiter, also die oder derjenige, mit dem sie auf Reise sind, geht schon fast durch die Absperrung am Aufpasser des Casinos vorbei – wurde praktisch durchgewunken. Dann kriegt der Aufpasser des Casinos, genauer der, der hinter einem Tresen am Eingang sitzt, mit, dass der Reiseparner zu Ihnen gehört, der Sie hinter demselben stehen, und ihm folgen wollen. Daraufhin spricht der Aufpasser ihn nochmals an und fragt, ob er denn im Hotel wohne? Wie gesagt, er hatte ihn schon durchgelassen, ohne Kontrolle seiner Personalien. Der Reisegefährte antwortet: „Ja“. „In welchem Zimmer wohnst du“? Der Reisepartner nennt ihm die Zimmernummer. Der Typ guckt im Computer nach. „Passport“, sagt er. Den kriegt er in Form einer ID-Card. „Alles Ok“, meint er. Und dann: „Wie ihr seid zusammen in einem Zimmer“? „Ja“, antwortet ihr Reisegefährte überrascht wegen der seltsamen Frage, die wohl auch eine Feststellung war. „Dann den Ausweis mal her von dir da“. Er meint Sie.

Ich habe dann nur noch abgewunken und bin ohne auf irgendetwas zu achten aus dem Raum raus zurück auf die Straße getreten. 

Wir waren vor der Reise uns einig darüber geworden, dass es das Dome-Hotel nicht sein dürfe. Weil, so wurde uns immer wieder nahe gebracht, sodass am Schluss halt nachgegeben wurde, das Dome sei ‚das‘ Hotel, welches griechischzyprische Befindlichkeit und Empfindlichkeit geradezu repräsentiere beziehungsweise berührte. Gut, entschieden wir uns fürs Rocks, welches unweit davon gelegen ist. Das Savoy Ottoman wäre eigentlich auch noch in Frage gekommen, zumal Bülent Ersoy, der türkische Superstar, dort am 31.12.2013 einen Auftritt gibt. Alles bereits ausverkauft. Vielleicht hätten wir das Savoy buchen sollen, denke ich heute, obgleich es nicht am Meer gelegen ist. Doch wir wollten halt Meerblick haben, wenn wir schon in der Stadt sind. Dafür musste auch ein Aufpreis bezahlt werden im Rocks. Die Fotos vom Rocks Hotel im Internet waren allerdings so ins Netz gestellt, dass die Straße vor den Fenstern des Hotels nicht zu sehen war, oder die hässliche Soldatenkaserne links davor, oder das hässliche Nichts zwischen Dome Hotel und Rocks schräg rechts davor, wo Männer tagsüber fischen und nachts … . Autos parken dort jedenfalls auch noch unmittelbar vor dem Soldatending und vor dem Hotel namens Rocks. Das Parking-Problem nimmt spätestens beim Dome ziemlich unvorstellbare Ausmaße an. Im Sommer, wenn dann wieder das Leben in Schwung geraten ist, mag ich mir nicht vorstellen, welcher Lärm im Hotel, doch vor allem vor dem Hotel abgeht, wo doch die Fenster des Hotels keinesfalls doppelt gefasst sind – mit Aufpreis, wie gesagt, für den Blick aufs Meer.

Für das, dass man dort in der Gegend auf einem der teuersten Terrain der Stadt, wahrscheinlich des Nordens von Zypern, sich bewegt, ist scheinbar konstant für mindestens 20 Meter oder so den Fußgängern jede Möglichkeit genommen, einigermaßen zivilisiert auf dem Fußgängerstreifen ihren Weg fortzusetzen, was aber niemanden zu stören scheint. Diesen Platz besetzen dort nämlich wie selbstverständlich – erinnerte mich stark an Beirut – Autos, deren Besitzer wohl auch gegenüber vom Dome Hotel im Niazi-Restaurant vom Feinsten ganz gewiss speisen, und die der ganzen Welt zeigen, wagt man schon zu mutmaßen, dass hier ihr Revier so abgesteckt wird.

Ankunft im Rocks.
Wir fuhren in die Stadt, Girne, also Kyrenia hinein. Und wie wir uns schon dachten, musste man durch das Nadelöhr, die untere Hauptstraße fahren; und wie ich mir ebenfalls schon gedacht hatte, gab es kein Schild, welches dort darauf hinwies: „hier bitte rechts abbiegen um zum Dome oder Rocks Hotel zu kommen“ – die, wenn man diese Straße nämlich nicht trifft oder in sie abbiegt, ansonsten nur schwerlich per Auto erreicht werden können. Doch da wir zum Glück nicht Neulinge in dieser Stadt sind, konnten wir diese Hürde mit etwas Glück meistern und haben uns glücklicherweise nicht in eine der engeren Straßen verloren, die auch nach rechts abbogen und ziemlich verlockend aussahen, aber vielleicht irgendwo weiter vorne in der Straße womöglich ins Nichts sozusagen geführt hätten.

Und was sehen unsere Augen als Rocks-Hotel? Ein kleines Haus in weiß gehüllt, als sei es zugeschneit, ja und es schneite dort sogar wirklich. Es war richtig teuerer Kunstschnee, der das Gebäude dieser Tage ziert – ach wie schön und die Kameras wurden auch von uns gezückt. Nun, wir wussten selbstverständlich nicht, welches der drei Gebäude, die dort scheinbar in Frage kamen, denn nun der Eingang zum Hotel sein sollte und es stand ’selbstverständlich‘ auch nirgends etwas angeschrieben wie: „Parking für Hotelgäste, hier lang bitte“, oder „Reception“ und so. Und so hielten wir, wie wir herausfanden, zwischen dem Casino und der Rezeption. Vor dem Casino standen zwei gut gekleidete Männer mit Knopf im Ohr, und die ließen sich nicht herab, vielleicht mal beim Ausladen der Koffer und Taschen mitanzupacken. Klar, die gehörten ja auch zum Casino. Doch neben an, von der Rezeption her, ließ sich leider auch einfach niemand blicken; und so fuhr der eine von uns mit dem halbwegs leergeräumten Auto hinten in den Hof, ins Ungewisse; und der andere stand unmittelbar vor der Rezeptionstür mit 2 Koffern 3 Taschen und noch immer niemand in Sicht, der mit Sicherheit gesagt hätte: „da, das da ist die Rezeption“. Indes murmelte der Mann mit Knopf im Ohr etwas von: „hier warten“. Ich wollte nicht Türkisch sprechen, weil ich wollte wie jeder andere auswärtige Gast behandelt werden. Immerhin, es war dann nach etwas Warten doch noch zu erfahren von ihm, dass das seltsame Gebäude mit dem seltsamen Kunstschneebelag vor dem ich ja auch noch stand, doch wirklich die Rezeption eines Fünf-Sterne-Hotels sein sollte, wo sich niemand zeigte.
Da ich derjenige war, der dort stand wie bestellt und nicht abgeholt und der Fahrer des Autos, also mein Reisgefährte, offensichtlich länger brauchte beim Finden einer Parklücke, bewegte ich mich in Richtung Rezeptionstür, und die wie von Schnee bedeckte Glastür sprang plötzlich automatisch auf. Zwei junge Frauen guckten mich von der Rezeption her stumm und anteilsnahmelos an, als wollten sie sagen: „was will denn der hier?“ – ein junger Mann, der seiner Kleidung nach zum Hotel gehörte, stand auch herum. Doch ich ließ mich nicht beirren, zumal im besten Zwirn gekleidet, und beantwortete die Fragen, wer ich denn sei und was ich wolle – ein Willkommen oder so etwas war von den beiden Damen nicht zu vernehmen oder dem jungen Mann. Ich sagte, dass diejenige Person, die das Check-in eigentlich durchfürhen sollte, dann gleich alles regeln wird und gewiss schon gleich kommen wird. Doch diese Person kam einfach nicht und die Damen waren nicht auf die Idee gekommen, vielleicht mal jemand in Richtung Garage zu schicken, um nachsehen zu lassen, ob da was schief gegangen ist und ich wollte nicht gleich, sagen wir, stressige Stimmung schaffen, in dem ich vorgeschlagen hätte, genau das endlich mal zu veranlassen. Ich dachte nach einer Weile – zumal all die Koffer und Taschen von mir wohl beaufsichtigt vom dortigen Personal alleine vor die Rezeption geschleppt worden war – mal zu testen, ob sie mir denn zumindest ein Glas Wasser bringen würden. Das tat die eine der Rezeptionistinnen sogar. Daraufhin sagte ich, wir könnten ja eigentlich doch schon mit dem Check-in anfangen, weil die andere Person müsse ja eh gleich kommen. Und so war es dann auch – und zwar bepackt mit weiteren drei Taschen, und niemand war offenbar zu gegen, einer älteren Person beim Tragen zu helfen. Immerhin, muss man jetzt schon ganz beglückt darüber sagen, hat auf dem Weg ins Zimmer von der Rezeption der Bell-Boy, oder wie man dazu sagt, sich bequemt, einen Koffer von uns auf Rädern zu ziehen und eine Tasche an sich zu nehmen.
Beim Betreten des eigentlichen Hotel-Gebäudes von der Rezeption aus konnten durchaus weitere Bell-Boys ausgemacht werden, die sich aber nicht von ihren Plätzen rührten, also trugen wir unsere – zugegebenermaßen viel zu viele – Habe hoch in den zweiten Stock. Der Lift funktionierte, das Zimmer sah nicht schlecht aus, die Aussicht aufs Meer war schön, man muss halt möglichst die ersten 300m vor dem Gebäude übersehen, die alles andere als ansehnlich sind. In dem Swimmingpool, welcher das Hotel zu haben scheint, und der vom Fenster aus unter anderem gesehen werden kann, würde mich wahrscheinlich niemand bringen im Sommer. Der sah im Winter ziemlich ärmlich aus.
Gut indes war das Abendessen im Hotel, auch das Frühstück. Schlecht der gesammte Wellness-Bereich. Das ist nun das zweite Mal, dass mir so etwas im Norden von Zypern passiert, also dass der Wellness-Bereich nicht OK ist. Das heißt, haben wir überlegt, dass es eigentlich nur 3 Lösungen gibt: Kein 5-Sternehotel mehr im Norden Zyperns mieten, weil die zu viele Mängel aufweisen, sodass man die Entspannung und Zufriedenheit, die man sucht, eher durch derartige Störungen aufgefressen sieht.
Im Rocks meinte der Chef vom Fitness-Center zum Beispiel, meine Sportschuhe seien keine Sportschuhe, die müssten so und so aussehen, eigentlich wie seine, und daher könnte ich die Räume leider nicht betreten. Seine Körpersprache, welche seinen Befehlston der Worte bedrohlich begleitete, ließ Schlimmeres erwarten, sodass ich in einem Staat, wo letztlich das Gesetz des Stärkeren herrscht, nicht sozusagen zwangsläufig wegen einer Lapalie unterliegen wollte – im wahrsten Sinne des Wortes. Ich fand, und das sagte ich ihm, dass ich mich seinem Kleidungsfaschismus nicht zu unterwerfen habe, und dass es nicht seine Aufgabe sei, meine Schuhe, die ich nun mal für den Sport und im Haus verwende, zu beurteilen. Doch das half nichts. Gökhan, nannte er sich, zog die Hotelmanagerin, Safeyet, oder wie sie sich nannte oder welche Position sie genau inne hat, hinzu, die wohl gerade vorbei gekommen war, der ich immerhin erklären konnte, dass es unfreundlich sei, mich mit ihren Vorstellungen von einem Sportschuh zu maltraitieren und mir die von mir bezahlte Möglichkeiten Sport zu treiben und/oder meine Wellness zu haben fernhielten; und dass ich nicht da raus ginge, um nun ein weiteres Paar Sportschuhe zu kaufen, die ihren Vorstellungen von Sportschuhen entsprächen – und dass es wohl so etwas wie Service hier im Hotel scheinbar nicht gäbe. Prallte an denen ab.
 
Gut, sagte ich mir, das war es dann wohl. Und leider hatte ich damit recht behalten. Den anderen Tag hatte ich nämlich eine Shiatsu-Massage genau neben an da unten im Keller bestellt. Klar, die kostet Geld und nicht zu wenig, nämlich umgerechnet ungefähr 60€.
Wahrscheinlich hätte ich keine Fragen im Vorfeld gestellt. Denn mein Reisebegleiter war von der Massage, die er als Shiatsu-Massage erhalten hatte den Tag davor, angetan gewesen. Sie habe richtig zugepackt, sie habe Dies und Das gemacht. Kurz: es hörte sich vielversprechend an.
Wir gingen die Stunde vor meiner Massage an jenem Tag, also gestern, noch ins Hammam des Hotels, welches zwar sauber und schön heiß war, aber leider immer menschenleer. Ja, man hält doch vielleicht auch mal gern ein Schwätzchen mit jemand Unbekanntem, oder wenn das nicht drin ist, dann halt, dass man einfach eine Erfahrung teilt mit jemand Anwesendem, den man nicht kennt und vielleicht nie kennenlernt. Im Nachhinein kann ich etwas besser verstehen, dass dort niemand war.
Als wir aus dem Hammam (an beiden Tagen) kamen und uns in den Ruhebereich begaben, wo wir es nicht schafften, die Liegestühle auseinaderzubringen, so dass darauf gelegen hätte werden können, war weit und breit niemand vom Personal zu sehen, die oder der uns vielleicht sogar abgetrocknet hätte, wie es in der Türkei und auch auf Zypern üblich ist, die oder der uns gefragt hätte, ob wir etwas trinken wollen, der sich vielleicht nach unserem Befinden erkundigt hätte, auch um zu eruieren, ob sich unsere Wünsche vielleicht inzwischen geändert haben – es hätte ja zum Beispiel auch etwas passiert sein können. Unwahrscheinlich ist das nicht unbedingt, da diese Möglichkeit bekanntlich erhöht besteht bei älteren Menschen.
 
Zum Glück ist da in dieser letzteren Hinsicht nichts geschehen, weil die durchaus freundlich dreinschauenden Mädchen aus Indonesien, die dort im Wellness-Bereich angestellt sind, hatten – leider – große Schwierigkeiten, sich auf Englisch zu unterhalten. Trotzdem erlaubte ich mir, auch weil die Frau, die meinen Reisegefährten massiert hatte und körperlich fit aussah, bereits gegangen war und die, die da plötzlich vor mir stand, so schwach und dünn aussah. So fragte ich sie, ob sie denn verstehen könne, was ich sage. Sie antwortete mit „ja“. Und so fragte ich, ob sie diejenige sei, die mich jetzt massieren werde? Sie antwortete erneut mit „ja“ und wollte schon in Richtung Zimmerchen gehen, welches ich mir den Tag zuvor angesehen hatte, um schon mal im Vorfeld zu sondieren, ob es sich denn von der Räumlichkeit her um das handelt, was ich gelernt habe, dass es zu einer Shiatsu-Massage für körperlich nicht eingeschränkte Menschen braucht: eine Decke auf dem Boden und viel Raum für den/die Massierende/n, um den Zu-Massierenden von allen Seiten bearbeiten zu können im Sitzen/in der Hocke, ist nämlich essentiell. Ob sie denn wisse, was Meridiane sind? Ich kam mir echt doof vor dabei. Doch der Vorfall mit den Sportschuhen den Tag davor, den ich mir hier im Gespräch angekommen in Erinnerung rief, half, beim Thema auf beschriebene Weise zu bleiben. Sie antwortete, dass sie nicht verstehe. Sie wisse doch, erläuterte ich, dass es Organe im Körper gibt: Leber, Herz, Lunge etc.? Ja, das wusste sie. Also probierte ich die nächste Vokabel einzuführen, beziehungsweise zu probieren. „Energielinien“, die würden im und durch den Körper für jedes Organ laufen, ob sie das wisse? Ja, das wisse sie. Sie habe ja Fußreflektoren-Massage gelernt. Sie wisse, wo die dort seien. Und ob sie denn auch wisse, fragte ich sie, wo die Linien – ich machte eine Bewegung mit der Hand, um verständlich zu machen, dass ich Körper meine – im Körper verlaufen? Da sagte sie, das wisse sie. Also bat ich sie, mir den Verlauf des Herzmeridian zu zeigen. Das konnte sie nicht. Sie wisse nur an den Fußsohlen, wo das ist, sagte sie. Somit war der Fall für mich klar, nämlich, ich würde zwar eine teure Massage kriegen, aber nicht die, die man im Allgemeinen als Shiatsu-Massage kennt.

Verehrte Leser: Jemand, der Shiatsu-Massage gibt und den Verlauf der Meridiane nicht kennt, ist zu vergleichen mit jemand, der sich einen Zahnarzt nennt, der den Bohrer zwar zu gebrauchen weiß, aber ansonsten keine Ahnung von dem hat, wie ein Zahn aufgebaut ist und in seinen Bestandteilen funktioniert. Würden Sie so einem Zahnarzt sich anvertrauen?

Ich finde, dass es bereits mehr als skandalös ist, dass in einem angeblichen Fünfsternehotel, welches auch noch von Tripadviser letztes Jahr ausgezeichnet worden sein soll, Leute herummassieren, die vor allem durch ihr fernöstliches Äußeres den Kunden eine Art Gewissheit vorgaukeln (müssen), die teuer feilgebotene Shiatsu-Massage von Expertinnen verabreicht zu bekommen. Kann natürlich sein, und ziemlich sicher ist dem so, dass diese Frauen bei der sogenannten Bali-Massage, und wie die anderen Massagen dort noch alle heißen, wissen, was sie tun. Dennoch, es grenzt nicht an Betrug, sondern es ist Betrug, wenn Shiatsu verkauft wird und Fußreflektoren-Massage lediglich drin ist – wenn überhaupt.

Auch ansonsten war das Rocks etwas seltsam. In der Lounch geht so um 16 Uhr das Licht zwar nicht aus, doch es wird gedimmt. Das ist der Bereich, wo Kaffee oder Tee getrunken werden kann und wo Zeitungen, meistens nur auf Türksich, ausliegen, die gelesen werden können. Und wehe man fragt, ob das Licht vielleicht wieder hochgedreht werden könne, weil, wie ja wohl jeder sehen könne, man noch lese. Da muss man doch glatt nach 5 Minuten Warten nochmals nachfragen, weil die dachten offenbar, man habe nicht die Traute, diese Frage nochmals zu stellen.

Locator map of the district of Girne (Kyrenia)...

Locator map of the district of Girne (Kyrenia) in Northern Cyprus. (Photo credit: Wikipedia)

Einige der Kellner an den Tischen waren ebenfalls sehr seltsam. Den ersten Tag fragte der eine oder andere einem geradezu ein Loch in den Bauch und war einigermaßen freundlich; und den anderen Tag grüßten sie noch nicht mal. Die Art und Weise, wie Fragen von ihnen zuweilen gestellt wurden, war schon etwas eigen.
Stellen Sie sich vor, sie sitzen und essen gerade gemütlich und sind dabei im Gespräch mit jemand am Tisch, und von hinten kommt plötzlich ein Kellner von der Seite her ran, der ihnen über die Schulter hinweg von hinten Fragen stellt, so, als wollten diese Fragen unbedingt und sofort beantwortet sein: „Woher kommst du? Warum liest du auf Türkisch? Kannst du etwa Türkisch sprechen?“
Erinnerte mich unwillkürlich an türkische Action-Filme, in denen ein eiskalt geführtes Verhör auf einer Polizeistation, irgendwo im hintersten Anatolien, das Recht eines Beschuldigten gnadenlos bricht. Der nötige Respekt, scheint wirklich ein Thema im Rocks Hotel zu sein!
 
Kurz: Am Schluss, als wir heute, am letzten Tag bezahlten drüben an der Rezeption, entließ uns die Rezeptionistin nach geleisteter Unterschrift ohne ein Auf Wiedersehen – und wieder einmal schleppten wir  Koffer und Tüten alleine, der Bell-Boy sah zu.

Da kann die zuvor erwähnte Safeyet, die Hotelmanagerin eventuell, die morgens an den Frühstückstisch kam, um zu fragen, ob wir noch weitere Beschwerden hätten, und dass sie hoffe, unser Aufenthalt sei dennoch gut verlaufen, wirklich nicht erwarten, dass wir uns in so einer Atmosphäre erneut mit ihr auf dieses Thema einlassen. Und so ließen wir vernehmen, dass eigentlich alles OK sei, außer eben das Ding mit den Schuhen.

 
So etwas ist uns nun wirklich noch nie untergekommen, kein Auf Wiedersehen an einer Rezeption zu erhalten, keine Bell-Boys, die mit anpacken, etc. Solch schlechten Service in einem 5-Sterne-Hotel lässt nach Erklärungen suchen. Wahrscheinlich ist denen dort im Rocks Hotel der felsige Untergrund, auf dem das Hotel steht, zu Kopf gestiegen – und daher dann wohl auch der Name, der offensichtlich eisig wortgetreu umgesetzt wird.

UNSERE EMPFEHLUNG: Den Kasten meiden, wenn Wellness und Service Ihnen am Herzen liegen. Das Essen ist aber gut, die Preise gehen, dennoch ist es schade ums Geld, wenn man sich aus einem nicht erklärbaren Grunde nicht willkommen fühlt. Keine Angst, ich werde nun gewiss nicht dazu übergehen als Nächstes, den Fehler womöglich noch bei uns suchen zu beginnen!

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Zypern und Deutschland, Teil 4

Wie jedes Jahr, wechselt auch dieses Jahr unser Bild auf der ersten Seite (Front-Bild). Im Gegensatz zu den anderen Jahren haben wir uns dieses Jahr entschlossen, dass das aus unserer Sicht schönste Bild des Jahres, als das sogenannte Front-Bild zu nehmen und es nicht, wie sonst, gesondert zu würdigen.

Die DDR und Zypern!

„Während die BRD durch die Einbindung in die NATO und die eigenen wirtschaftlichen Interessen gezwungen war, – zumindest öffentlich – einen neutralen Kurs in der Zypernfrage zu steuern, sah sich die DDR solchen Zwängen nicht ausgesetzt. Durch die Mitgliedschaft im Warschaeuer Pakt hatte die DDR 1955 im osteuropäischen Bereich außenpolitisch an Prestige gewonnen und beteiligte sich nun offensiv an den Bemühungen der Staaten des Ostblocks im Mittelmeerraum, ihren Einfluss auszuweiten. Nachdem die Spannungen zwischen Griechenland un der Türkei Mitte der 1950er Jahre durch den Zypernkonflikt und die Frage der griechischen Minderheit in der Türkei zugenommen hatten, versuchte Moskau aus dieser Situation Kapital zu schlagen. Es unterstützte Griechenland in dessen Kritik an der politischen Haltung der NATO-Verbündeten und bemühte sich so um eine Schwächung der NATO in dieser strategisch wichtigen Region. Zudem betonte die UDSSR wiederholt ihren Standpunkt, einen griechischen Vorstoß in der Zypernfrage vor der UNO zu unterstützen. Da sich fast sämtliche Ostblockstaaten dieser Pro-Griechenland-Politik der Sowjets anschlossen, versuchte auch die DDR verstärkt in Griechenland Füß zu fassen. Durch dieses Engagement rückte der Zypernkonflikt – und somit auch die Auseinandersetzungen der EOKA mit den britischen Machthabern – in den Vordergrund. In Ost-Berlin stellte man sich hinter den Kampf der griechischen Zyprioten und unterstützte derern Forderungen nach Selbstbestimmung. Zugleich nutzte man die Gelegenheit, den Konflikt als ein Beispiel für die selbstherrliche Interessenpolitik der Briten und Amerikaner hinzustellen – eine Politik, die zudem mit der NATO-Politik verzahnt sei. Außerdem wurde der BRD vorgeworfen, durch ihre Politk der Neutralität zumindest moralisch Mitverantwortung an der Zypernfrage zu tragen; denn aus Bonn sei keine eindeutige Stellungsnahme zum Recht des zyprischen Volkes auf Selbstbestimmung zu vernehmen gewesen [Wie Kruse an anderer Stelle seiner Arbeit aufzeigt, wird Makarios dieses Argument gegenüber den Deutschen sozusagen zum richtigen Zeitpunkt ihnen an den Kopf werfen, nämlich als Bonn versuchte, die Zyprer massiv anzuklagen, die DDR mehr oder minder bereits anzuerkennen. Doch dazu dann noch mehr, später].

Die Unterstützung der Zyprioten durch die DDR hatte also verschieden Gründe. Zum einen war es auf diese Weise möglich, die führenden Mächte des westlichen Verteidungsbündnisses einer rücksichtlosen, lediglich strategisch orientierten Politik zu bezichtigen und gleichzeitig das Eintreten der DDR für ein freies und friedliches Europa zu propagieren; zum anderen konnte die Pro-Enosis-Stimmung in Griechenland genutzt werden, um die eigenen Interessen im Land voranzutreiben und zugleich die Ziele der sowjetischen Außenpolitik in dieser Region zu unterstützen.
Pikant ist in diesem Zusammenhang, dass die DDR mit ihrer Unterstützung des zypriiotischen Befreiungskampfes einen ehemaligen Nazikollaborateur und antikommunistischen Fanatiker gefördert hat – jemand, der bereits während der Besatzungszeit und in der unmittelbaren Nachkriegszeit für die Verfolgung von Kommunisten in Griechenland verantwortlich gewesen ist. Georgios Grivas. [Zitat stammt von Thorsten Kruse, aus seiner Dissertation: „Bonn-Nikosia-Ost-Berlin“, „PELEUS“, Verlag: Franz Philipp Rutzen 2013].“

A photo of Grivas.

A photo of Grivas. (Photo credit: Wikipedia)

Zu Letzterem könnte noch angemerkt werden: Der Zweck heiligt offenbar doch die Mittel!

Was vielen also aus heutiger Sicht nicht sofort einleuchtet, ist, dass das EU-Mitglied Zypern, der griechischsprachige Teil, einst von der DDR und der Sowjetunion hofiert und gestützt wurde und diesen durchaus gut gesonnen war. Und dass die Briten, Amis und die Deutschen etc. damals eher dazu neigten, die Posistion der Türkei einzunehmen. Das ist vielen schlicht nicht bekannt.
Dass die Briten wiederum bei der Zypernfrage eine zentrale Rolle gespielt haben, und noch spielen, ist außer Frage, soll hier in den Beiträgen namens „Zypern und Deutschland“ aber, wie bereits angedeutet, im Hintergrund bleiben. Wir gehen zudem davon aus, dass die meisten unter Ihnen, verehrte Leser, diesen Aspekt der Geschichte des Konflikts um und in Zypern auf die eine oder andere Art schon vermittelt bekamen – außerdem ist diese Information im Internet oder in Büchern leicht abrufbar.   

Berichtigung: im vorherigen Beitrag (IV-er Advent) wurde fälschlicherweise von U-Booten berichtet, die von der Republik Zypern gekauft werden sollen. Es handelt sich um Kanonenboote. Der Strom, der bei den Familien, wie berichtet, wieder angestellt werden soll, soll nur über die Feiertage angestellt werden. Man muss sich dazu anmelden. Wie zu lesen war am 24. 12. 13 haben sich bislang nur wenige Familien angemeldet. Wir bedauern die beiden kleinen Fehler und bitten Sie um Verzeihung! Schöne Festtage.

 

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IV-er Advent

Kyrenia Harbour on a summer night

Kyrenia Harbour on a summer night (Photo credit: Wikipedia)

 

Die vierte Kerze ist nun doch wohl hoffentlich angezündet worden? Wäre schade, wenn Sie das Jahr unvollendet verlassen würden – ein bisschen Tradition, das muss schon sein.

Die Sonne scheint, es könnte demnächst Mai werden, denkt man bei dem Wetter – so schön warm und sonnig ist Zypern an der Küste seit ein Paar Tagen wieder. Es spiegelt völlige Ruhe und Unbesorgtheit der Menschen vor.

Man sollte daher vielleicht nicht der Tradition oder Gewohnheit folgen, und schon früh morgens, obgleich man es sich verboten hatte, die Politis-Tageszeitung zu kaufen. Ja, so ein bisschen Papier zwischen den Fingern, das soll mindestens ein Mal in der Woche sein dürfen – selbstbezahlter Weise – nämlich am Sonntag, wenn recht viele Kommentare drin sind und der Gang ins Cafe in aller Regel ausbleibt.

Gleich auf Seite 2 der Politis vom 22. Dezember 2013 werden traditionell und tagtäglich die Namensgeber eines jeden Tages kurz erörtert – was ihnen wiederfuhr und zumeist auch, wie sie starben. Wir schätzen, dass gut 95% der erwähnten Heiligen – oder was sie noch sind, eben Menschen aus der Kirchengeschichte der Orthodoxie Zyperns – einen gewaltsamen Tod erlitten. Von Vierteilen und Kopfabschlagen ist sehr oft die Rede.
Heute war zur Abwechslung mal eine Frau dran, Anastasia. Die lebte in Rom und wurde mit dem Stadthalter verheiratet. Sie war ja so schön, und dennoch ließ sie sich heimlich taufen und versorgte die verfolgten Christen mit Essen und Trinken etc. Das End von der Geschicht: Sie wurde von ihrem Gatten, einem Götzenanbeter, erwischt, kam in einen Kerker und zuguterletzt starb sie dort – wahrscheinlich, vermuten wir, wegen dem Aufenthalt im Kerker. Vielleicht wurden Frauen ja nicht gevierteilt, wer weiß. Präsident Anastasiadis wird seine Lehren daraus ziehen, hoffen wir. Er hat heute seinen Namenstag – nur Gutes möge ihm gelingen, wünschen wir ihm!

Die Katerina Stefanu, schreibt nebenan, das heißt auf der selben Seite, unter der Überschrift „lasst uns mit den Wörtern beginnen“ zu dem kleinen, aber scheinbar wichtigen Streit um Worte, welcher seit jeher die Verhandlungen der beiden zyprischen Volksgemeinschaften begleitet, beziehungsweise verunmöglicht. Auch das wurde heute in der Politis mehrfach kritisiert. Dass man nicht zur Sache käme, sondern Wortgefechte abliefere, genauer: Formulierungsstreitigkeiten.
Nachdem Stefanu erklärt hat, was der Unterschied eines Stadtstaates wie Bremen und einer Region wie Bayern beispielsweise innerhalb einer Bundesrepublik wie Deutschland ist in ihrem Beitrag, klärt sie, dass die griechischsprachen Zyprer stets von „sinistonta“ und nicht von „sinstatika“ wie die türkischsprachigen Zyprer reden. Beides sind selbstverständlich griechische Worte, und das erstere besagt, dass eine föderale Einheit gemeint ist, und das andere, dass eine konstituierte Staatlichkeit, also ein Staat bestehend aus Bestandteilen gemeint ist. Im Griechischen besteht darüber hinaus nämlich die Schwierigkeit, dass der Stadtstaat „omospondo“ heißt und die Bundesrepublik „omospondiako“.
Wie Ihnen beim Letzteren gewiss ersichtlich wird, fängt das zyprische Spiel mit den Worten und wegen den Worten bei den Verhandlungen vielleicht spätestens hier an. Anfänglich scheinen diese zuvor erwähnten Adjektive und/oder Begriffe noch wild durcheinander geworfen worden zu sein, und hin und wieder soll das auch auf höchster Ebene der Verhandelnden noch immer passieren. Im Interview mit dem ehemaligen Präsidenten aus dem Norden, Talat, sagt dieser, dass die Verhandlungsführer gelegentlich mal etwas sagen, von dem sie genau wissen, dass es nicht zutrifft; oder dass sie das als Ergebnis so gar nicht haben wollen oder sehen. Sie tun dies aus vielerlei Gründen. Zum einen, um ihre zu erreichende Verhandlungposition von dieser, im Grunde schrägen Warte aus zu erarbeiten, was allerdings, meinte Talat, oft in die Hose ginge; und zum anderen müsse immer wieder berücksichtigt werden, dass es gewisse Interessengruppen gäbe, die sozusagen im Hintergrund den beiden Verhandlungsführern Vorgaben machen, die dann befolgt werden wollen, auch wenn derjenige weiß, derart absolute Widersprüche  in den laufenden Verhandlungen zu schaffen.
Darüber hinaus monierte Talat in dem erwähnten Interview in der Politis, dass die jeweiligen Verhandlungsführer eigentlich immer wieder auf die gleichen Themen zurückkämen seit Jahren, Themen, die schon von den Vorgängern ausgehandelt und vereinbart worden sind. Dass letztlich niemand das Ausgehandelte der Vorgänger als ausgehandelt betrachte, sei ein weiteres Problem.

Wir dürfen daher daraus schließen, dass, was wir immer sagen, nämlich, dass diese Verhandlungen so, wie sie geführt werden, nicht zu einem Ergebnis kommen, das ‚wiedervereinigt‘ heißen wird.

 

Girnen / Kyrenia, North Cyprus

Girnen / Kyrenia, North Cyprus (Photo credit: Wikipedia)

 
Jorgos Wasiliu wurde auch interviewt zu diesem Thema in dieser Ausgabe der Zeitung. Auch er war mal Präsident, allerdings im Süden der Insel, also auf der griechischsprachigen Seite. Nach langem Überlegen scheint er nun doch zu dem Schluss gekommen zu sein, dass Kyrenia, türkisch: Girne, die zweitgrößte Hafenstadt im Norden Zyperns, nicht wieder zurückerlangt werden könne, und dass sich die griechischsprachigen Zyprer besser endlich an diesen Gedanken gewöhnten. Solche Aussagen zu machen, ist auf Zypern durchaus mutig.
Des Weiteren findet er, könne man den Gedanken vergessen, dass die inzwischen im Norden sesshaft gewordenen Türken vom Festland wieder zurück in die Türkei beordert werden könnten nach der Vereinigung. Es gäbe nun mal keine Gerechtigkeit in der Welt, und außerdem hätten die Griechisch-Zyprioten auf ihre Weise zu dieser Ungerechtigkeit, die ihnen wiederfuhr, beigetragen, als sie damals der griechischen Junta erlaubten, dass Grivas Makarios III stürzte und somit der Türkei Anlass gaben, einzureiten. Man habe diese verbrecherischen, verräterischen Aktionen damals schließlich unterstützt, also müsse man nun auch die Konsequenzen er-tragen.

Was Jorgos Wasiliu auch gleich in Frage stellte, war der Kauf von angeblich lediglich 2 U-Booten aus Israel, der dieser Tage zur Debatte steht. Die Regierung solle sich sputen, denn die Israelis würden das Land bereits am Montag, also am 23. Dezember 2013 verlassen! Wasiliu ist nicht der einzige, der das Geschäftchen nicht verstehen kann. Hinzukommt, dass auch noch einige Hubschrauber aus Russland geordert worden waren, ebenfalls, unter anderem, um die Verteidigung der Erdgasfelder im Fall der Falle damit erfolgreich durchziehen zu können.
Ob man wirklich glaube, man könne mit den beiden U-Booten auf die angreifenden Türken in diesem Falle schießen? Und was kommt danach, fragte Awerof Neofitu, Vorsitzender der Regierungspartei DISI der Republik Zypern, in der Politis. Es sei merkwürdig, zum einen Verhandlungen führen zu wollen und zum anderen aufzurüsten, sagte er. Hinzu käme, dass von Experten wiederholt klar gestellt wurde, dass diese Waffen nicht gebraucht würden, schon gar nicht dann, wenn „Kinder hungrig in die Schule gehen müssten“. Die Helikopter von den Russen und die U-Boote seien einfach zu teuer, vor allem ihre Wartung und die Zusatzkosten etc.
Über dieses Thema scheint sich die ganze Republik derzeit aufzuregen. Die kluge Politik des einstigen Erzbischofs Makarios III, der es verstanden hat, die geo-strategische Lage Zyperns im Kalten Krieg bestens zu verkaufen, scheint von seinen Nachfolgern aus den Augen geraten zu sein. Bei all den Deals, die getroffen werden, wo anscheinend Unterschriften unter die seltsamsten Verträge, die alles andere als zuträgliche Bedingungen für das Wohl des Landes oft haben, weil sie Kosten über Kosten den Bewohnern aufbürden etc., finden wir, lassen zwangsläufig die Frage aufkommen, inwieweit Korruption die jeweils Verantwortlichen dazu brachte, so ein Vertragswerk zu unterzeichnen. Die Gefahr, gerichtlich belangt zu werden, ist bekanntlich auch in Deutschland für Politiker eher gleich Null – so auch auf Zypern.

Nikos Katsuridis, der große, alt Politiker Zyperns Linker, wurde offiziell aus seinen Ämtern in der AKEL-Partei verabschiedet. Sein Genosse Xristofias, schreibt Xristu Georgiu in der Politis vom 22. Dezember 13, scheint ebenfalls verabschiedet worden zu sein, nach dem, wie die Neuberufungen in den vergebenen Posten der Partei zu beurteilen seien. Kann gut sein, meint Georgiu, dass sich der letzte Präsident der Republik Zypern, also Xristofias, dieser Tatsache noch nicht bewusst geworden ist – man hat ihn offenbar elegant dergestalt in Rente geschickt. Georgiu – insofern interessant, weil es sich ja um eine kommunistische Partei handeln soll bei der AKEL – betont ausdrücklich, dass keiner all derjenigen, die nun ihren Hut nahmen, oder genommen bekommen haben, im offiziellen Rentenalter befinde. Aber bekanntlich sind Politiker ja eine andere Dimension, die so etwas wie zu Erreichendes Rentenalter wohl nicht kennen!

Jorgos Kakuras schreibt unter: „es kommt das Wasser aus der Türkei“, dass die Türken inzwischen recht kräftig am Bauen und Machen sind. Es soll bereits ein Kilometer Rohrleitung verlegt worden sein in Richtung Zypern von der Türkei aus. Das heißt, noch einige Kilometer wollen verlegt sein, ungefähr 280. Die Schwierigkeiten, ist zu lesen, würden nun jedoch beginnen, weil die Rohre auf 280 Meter Tiefe eine Art schwimmende Stützvorrichtung bräuchten, die anzubringen, offenbar nicht so einfach sein wird in 80 km Tiefe des Meeres in jener Region.
Einige Umwelttechniker sehen ein weiteres Problem darin, dass das Wasser in den Rohren durch irgendetwas, irgendwie verunreinigt werden könnte und es dann äußerst schwer werden wird, die Rohrleitung einwandfrei sauber zu kriegen. Doch auch andere Probleme warten. Zum Beispiel an dem Ort, wo das Wasser dann in Zypern ankommen und gesammelt werden wird. Dort sei mit Schäden in und an der Umwelt zu rechnen und noch niemand habe sich die Mühe gemacht, im Vorfeld mal solche Dinge durchzurechnen. Und sollten die griechischsprachigen Zyprer, des Weiteren, sich verweigern in Zukunft, das aus der Türkei kommendes Wasser, also den für sie vorgesehenen Anteil, doch nicht zu kaufen, dann wäre das eventuell der Punkt, der das Projekt zum erliegen bringen könnte – mal abgesehen von den anderen Fallstellen, die da noch wären.
Es wird bereits davon geredet, niemand verwundert es, dass diese Wasserleitung nicht nur die Ewige Abhängigkeit von Ankara bringt, sondern auch, dass das Projekt die Wiedervereinigungsverhandlungen positiv beeinflussen dürfte. Wir ersparen Ihnen unseren Kommentar dazu und weisen lediglich darauf hin, dass in diesem Zusammenhang auch gesagt wird, dass die Erdgas- und Erdölförderaktion, oder wie man es nennen darf, sozusagen im Austausch mit dem Frischwasser aus der Türkei die daniederliegende Ökonomie der Zyprioten auf beiden Seiten, reziprok sozusagen, ankurbeln wird.

Das Problem auf dieser einigermaßen runden Welt ist halt nur, man weiß nie so recht, was die Zukunft noch alles bereithält. Und dass Herr Erdogan ausgerechnet jetzt etwas ins Taumeln geraten könnte im südöstlichen Mittelmeer, nur weil ein Herr Gülen von Amerika aus ihm die Freude am stillen Abändern der türkischen Verfassungsänderung erleichtern oder versauen will, ist wohl Schicksal. Wir denken, dass Erdogan zu professionell und zu Machtbesessen ist, um sich von seinem Ziel, die Verfassung so zu ändern, dass der künftige Präsident der Türkei, also er, zukünftig mehr Befugnisse haben wird, nicht abbringen lassen wird. Dann spätestens wird auch klarer werden, welche Rolle dieser Gülen mit seiner Hizmet-Partei in der Türkei spielt und noch spielen wird.
 
Ex-Präsident Talat aus dem Norden Zyperns glaubt, dass Präsident Anastasiadis aus dem Süden Zyperns eigentlich eine Vereinigung will, doch Talat hat Zweifel daran wegen der Entourage von Anastasiadis: die autokephale orthodoxe Kirche Zyperns, die ewig Gestrigen, die es auf Zypern im linken wie auch im politisch rechten Spektrum gibt, etc.            

Gewiss wollten sie noch wissen, wie es weiter geht mit den Deutschen und den ehemals anderen Deutschen in und um Zypern. Wir bitten Sie, dazu den nächsten Beitrag zu lesen! Schönen vierten Advent!

 

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Gelenkte Presse?

EOKA

EOKA (Photo credit: Wikipedia)

„Im April 1955 begann der Unabhängigkeitskampf der griechisch-zypriotischen Untergrundorganisation EOKA. Allerdings unterschied sich der bewaffnete Kampf in Zypern von den Vorgängern in anderen Kolonien: Der Untergrundkampf gegen die Briten wurde nur von rechten, nationalistischen Kreisen getragen und dies nicht mit dem Ziel einer staatlichen Unabhängigkeit, sondern mit der Absicht, die gesamte Insel an Griechenland anzuschließen [zum einen spiegelt dieser Wille ein mangelndes Bewusstsein dafür, eine eigene Nation zu sein; zum anderen, dass aufgrund der wechselhaften Geschichte Zyperns, wo immer wieder andere das Sagen hatten, die Zyprer offensichtlich gelernt haben, sich in einer Art Beherrschtheit durch andere – gut – einzurichten]. Die kommunistischen Kräfte in Zypern nahmen unter anderem deshalb nicht an den Kämpfen teil, weil ihnen im Falle eines Anschlusses der Insel an das sogenannte Mutterland ein Verbot der Partei drohte [was zuvor Gesagtes durchaus untermauert, und des Weiteren eine ziemlich ausgeprägte Besonderheit im Charakter der Zyprioten eventuell offenlegt: Selbstbezogenheit und Dogmatismus] – in Griechenland war die dortige kommunistische Partei 1947 verboten worden.

Obwohl sich der Zypernkonflikt .. von einem lokalen zu einem regionalen Konflikt entwickelt hatte [siehe dieser Tage Zentralafrika], in den mit Großbritannien, Griechenland und der Türkei drei NATO-Bündnispartner direkt verwickelt waren, versuchte die BRD sich offiziell aus dieser Kontroverse herauszuhalten [versteht sich, immer so lange es opportun erscheint, passiert das. Wobei noch zu klären wäre, was vorheriges direkt (indirekt) verwickelt im Detail meint, beziehungsweise ein- oder ausschließt. So viel sei bereits angemerkt: Einigermaßen klare Parameter sind dazu zwar gegeben, doch sind diese je nach allgemeiner Lage dann halt doch wieder sehr dehnbar anwendbar. Eigentlich entspricht das in gewisser Weise dem Bild darüber, wie sogenannte Bananen-Republiken verfahren sollen, nämlich eher willkürlich; was dann meistens komischerweise dort zum tragen kommt, wo die Reichen und die Mächtigen nicht unmittelbar auszumachen sind].

Eine solche neutrale Haltung bei vermeintlich ‚regionalen‘ Konflikten wurde in dieser Zeit regelmäßig angewendet – insbesondere, wenn bei Parteinahme für einen der beteiligten Akteure Spannungen im politischen oder wirschaftlichen Bereich sich für die BRD abzeichneten. {So kam man bei der deutschen Botschaftskonferenz in Istanbul (3. – 7- April 1956) zu dem Entschluss, dass sich die deutsche Seite im israelisch-arabischen Konflikt – einem regionalen Konflikt – neutral verhalten solle, gemäß der schon im Zypernkonflikt angewandten Praxis}.“ Das heißt, wenn das Verhalten der BRD in palästinisch-israelischen Konflikt schon auf ein „neutral“ gebogen werden kann/konnte (siehe Waffenlieferungen, finanzielle Unterstützung der BRD an Israel etc.) dann darf man durchaus verwundert fragen, zumal diese Neutralität Deutschlands der von der BRD vollzogenen im Zypernkonflikt als Vorbild gilt, was die BRD denn bitte sehr alles, ganz neutral, im Zypernkonflikt geleistet, beziehungsweise unterlassen, hat?

„Wie prekär die politische Situation in diesem Zusammenhang für die BRD war, zeigen die diplomatischen Aktivitäten, die sich nach einem Interview des damaligen Bundesverteidigungsministers Franz-Josef-Strauß [dieser Tage ist in diesem Amt die erste Frau: Leyen] entwickelten: Strauß hatte im Juni 1958 – im Anschluss an eine Bundespressekonferenz – in kleinem Rahmen einem griechischen Korrespondenten einige Fragen beantwortet, die sich auf die Unruhen zwischen den beiden Volksgruppen auf Zypern Anfang Juni 1958 bezogen. In der griechischen Tageszeitung Eleftheria erschien daraufhin ein Artikel, in dem Strauß mit dem nicht korrekten Zitat: <<Ich empfinde Abscheu über die türkischen Methoden zulasten der Cypern-Griechen>>, wiedergegeben wird.
Von türkischer Seite wurde über die Botschaft in Bonn umgehend ein öffentliches Dementi der BRD gefordert, welches die Bundesregierung jedoch ablehnte; in der Begründung wurde darauf hingewiesen, dass man wegen der neutralen Haltung der Bundesrepublik dem Thema in der Öffentlichkeit nicht mehr Raum zugestehen wolle. Um weiteren in diese Richtung zielenden Forderungen der Türkei Einhalt zu gebieten und zugleich selbst Druck auszuüben, wurde auf die Kenntnis der nicht unwesentlichen Einflussmöglichkeiten der türkischen Regierung auf die  in Zypern agierende türkisch-zypriotische Untergrundbewegung <<Volkan>> hingewiesen. Man forderte deshalb von Ankara, es solle seine vorhandenen Möglichkeiten nutzen, um vonseiten dieser Organisation erhobene Drohungen gegen deutsche Staatsbürger in Zypern zu unterbinden….

So wurde auch eine weitere Pressemeldung der griechischen Tageszeitung Eleftheria vom November 1958, wonach ein ranghoher deutscher Politiker nach Ankara gereist sei, um Sondierungsgespräche in der Zypernfrage zu führen und eine deutsche Vermittlungsaktion vorzubereiten, umgehend dementiert und es wurde nachdrücklich klargestellt, dass von bundesdeutscher Seite nicht mit einer besonderen Vermittlungsaktion zu rechnen sei.

Ein Blick auf die deutsche Presselandschaft dieser Zeit macht diese Taktik der Nichteinmischung, aber auch die erfolgreichen Bemühungen, das Zypernthema aus der deutschen Öffentlichkeit herauszuhalten, … deutlich [wie auch das Gelenkt-Sein der Pressemitteilungen durch Regierende und deren Helfer]. Es wurde zwar über die Unruhen und die Eskalation des Konfliktes in Zypern berichtet, Hintergrundberichte über die politischen Aktivitäten der beteiligten Regierungen und Institutionen sowie eine kritsche Auseinandersetzung mit der bundesdeutschen Politik zu dieser Problematik sind in der Presse allerdings kaum zu finden.“

Mal abgesehen vom Aspekt Sicherheit hatte man durch „den Beitritt zum westlichen Verteidigungspakt, einen wichtigen Schritt in diese Richtung getan. Da allerdings mit Großbritannien, Giechenland und der Türkei gleich drei Bündnispartner in den Konflikt um Zypern involviert waren, wollte man eine Schwächung der NATO auf jeden Fall verhindern.“ Nach dem, was Kruse in seiner Dissertation herausarbeitet, kann gesagt werden, dass die BRD für das Ziel, die NATO einsatzbereit zu halten, beziehungsweise gestärkt zu sehen, Zypern, zumindest bis Anfang der 70er Jahre, nach Kruse, notfalls hätte hopss-gehen lassen.

„Ein weiterer wichtiger Grund (für die BRD) war sicherlich die Notwendigkeit guter Beziehungen zu Großbritannien, da den Briten bei den deutschen Bestrebungen einer Wiedervereinigung mit der sowjetischen Besatzungszone eine wichtige Rolle zukam. Die deutsch-britischen Beziehungen zu dieser Zeit waren zwar gut, aber nicht freundschaftlicher Natur. Wie aus den Aufzeichungen Adenauers hervorgeht, missfiel der deutschen Seite die britische Politik in Zypern. (Zitat stammt aus der Dissertation von Thorsten Kruse: „Bonn – Nikosia – Ostberlin“, „PELEUS“, Verlag: Franz Philipp Rutzen 2013).“

The first declaration made by EOKA, distribute...

The first declaration made by EOKA, distributed in April 1955 outlining their raison d’être. See below for English translation. (Photo credit: Wikipedia)

Uns missfällt dieser Tage, dass die BRD im Jahr 2013, kurz vor Weihnachten und endlich zur großen Koalition geeint, noch immer keine Stellungsnahme abgibt zu den kriegerischen Vorgängen in Zentralafrika, wo die engen Verbündeten der Deutschen, die Franzosen, schlechtestenfalls wiederholen könnten, was sie in Ruanda schon getan haben – einem Genozid zuzusehen, ja, diesen gar teilweise zu stützen.
Es wird der deutschen Presse und der deutschen Regierung aber nicht mehr sehr lange gelingen, dieses Thema unerwähnt zu lassen in der Öffentlichkeit. Der Schweizer Tagesanzeiger hat das Thema heute nämlich auf Seite Nummer 1.

Dass keine Kommentare zum Betrugsfall in der Türkei gemacht werden, welcher die griechisch-zyprische Presse schon seit Tagen beschäftigt, zeigt einmal mehr, dass sogenannte Nicht-Einmischung nicht immer angebracht ist, vor allem nicht dann, wenn der Bürger in Deutschland erwartet, dass seine Regierung – wenn schon nicht die von ihr scheinbar gelenkte Presse – dazu Stellung bezieht, und zwar on time!

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Zellteilung

 

The first president of Cyprus Makarios III

The first president of Cyprus Makarios III (Photo credit: Wikipedia)

1926 gründete sich aus einem vagen einheitlichen Etwas eines Landes die erste Partei, nämlich in Zypern. Diese Gründer waren die der Kommunisten Zyperns (KKK). 1941 ging die noch heute existierende  Fortschrittspartei des werktätigen Volkes (AKEL) aus der erwähnten kommunistischen Partei – mehr oder minder – hervor. Die DIKO und DISI des konservativ- nationalistischen Lagers gründeten sich erst im Jahre 1976. Die beiden, waren die ersten beiden Parteien im rechten politischen Spektrum Zyperns, die erstmals länger als für den Zeitraum einer anstehenden Wahl Bestand haben sollten – nämlich bis heute. Der Grund für das verspätete Engagement politisch Rechts, hieß zweifellos Makarios III. Letzterer ist ‚der‘ so genannte Erzbischof Zyperns gewesen, Haupt der autokephalen orthodoxen Kirche Zyperns.

Was Deutschland zu jener Zeit anging, Mitte der 60er Jahre des vergangenen Jarhunderts, war das unter anderem die Zeit der – aufkommenden – Studentenproteste, des gesellschaftlichen Rucks nach politisch Liberal (auch im wahrhaftigeren Sinne) und/oder politisch Links.
Nicht zuletzt ist die DDR bereits drauf und dran gewesen, sich und andere davon zu überezugen, dass da noch dieser andere Gesellschaftsentwurf zu beachten ist – das sozialistische Projekt nämlich.
 
Dass auf Zypern die Linke sozusagen sich politisch zuerst formierte, mag mit dem allgemeinen Ruck im sogenannten Westen nach Links und/oder Liberal in Verbindung zu bringen sein, zumal viele Zyprer schon immer in den Metropolen der Welt ihr Glück versuchten, und gewiss die eine oder andere Idee von dort mit sich brachten (aus London, Johannesburg, Kinshasa, Philadelphia, Sidney, Venedig etc.). Näher liegend erscheint jedoch, dass die mehrheitlich von Landwirtschaft lebende Bevölkerung Zyperns sozialistisches und/oder kommunistisches Gedankengut größtenteils ansprach, weil es in weiten Teilen vertraut geklungen haben dürfte; und weil da ihr Berufsstand gewürdigt, ja, favorisiert wurde.

„Bis 1959 hatte Griechenland immer wieder versucht, über die UNO eine Lösung für Zypern zu erreichen. Durch diese Aktivitäten hatte sich das Verhältnis zu Großbritannien aber erheblich verschlechtert und in London war man zu dem Ergebnis gekommen, dass für die strategischen Überlegungen im östlichen Mittelmeer die Türkei der wichtigere Partner sei [wie Th. Kruse in seiner Dissertation herausarbeitet, sah das die BRD lange Zeit ähnlich so, favorisierte insgeheim die Position Ankara’s]; ein gespanntes Verhältnis zu Griechenland nahm man dafür in Kauf. Im Hinblick auf diese Ausgangslage entwickelte man einen Plan für die Zukunft Zyperns, der für die Griechen eine Niederlage bedeutet hätte, da nach einer endgültigen Umsetzung des brittischen Vorhabens eine Teilung der Insel wahrscheinlich gewesen wäre – ein Zustand, der den proklammierten politischen Zielen der Türkei entsprach. Zudem deutet sich in der UNO eine Abstimmungsniederlage für Griechenland an, was zur Folge gehabt hätte, dass der Türkei auch völkerrechtlich ein Mitspracherecht in der Zypernfrage zugestanden hätte. In dieser Situation nahm die türkische Zypernpolitik eine überraschende Wende: Ankara bot Athen bilaterale Gespräche an, in denen die Zukunft der Insel einvernehmlich geregelt werden sollte. Dieser überraschende Schwenk hatte verschiedene Gründe und ließ sich durch Entwicklungen in der Region erklären: Zum einen hatte sich die Situation im Nahen Osten unter anderem durch die Suez-Ereignisse, verändert; darüber hinaus geriet die Türkei aber auch zunehmend durch die Kurdenfrage und die latente Bedrohung durch die Sowjetunion unter Druck. Ein Konflikt mit Griechenland dessen angedrohter NATO-Austritt weiter zur Diskussion stand, hätte die Türkei in der Region isoliert und verwundbar gemacht.
Die griechische Seite nahm das türkische Angebot an und man einigte sich während einer Konferenz in Zürich darauf, dass Zypern eine unabhängige Republik werden sollte. In London war man von diesen Plänen zunächst überrascht – wollten hier doch zwei fremde Staaten über die Zukunft einer britischen Kolonie entscheiden. Da das Zypernproblem für die britische Politik schon seit etlichen Jahren eine Last darstellte und London einige Stützpunkte auf der Insel ausreichten, zeigte man sich offen für den vorliegenden Lösungsvorschlag. Auf der anschließenden Konferenz in London einigten sich die drei Länder offiziell und ebneten somit den Weg zur Schaffung einer unabhängigen Republik Zypern. Die wichtigsten Punkte der am 19. Februar 1959 unterzeichneten Abkommen waren:
Der „Abschluss eines Garantievertrages zwischen“ Griechenland, der Türkei und Großbritannien. Desweiteren: „Abschluss eines Bündnisvertrages der drei Länder. In der Verteidigungspolitik sollte kooperiert werden. Durch die Hintertür wurde Zypern so NATO-Mitglied“. Und dann ganz wichtig: dass „beide Volksgruppen gleichberechtigt sein würden und dass sie in wichtigen Entscheidungen ein Veto-Recht besitzen würden. Die prozentuale Verteilung der Bevölkerung wurde also nicht berücksichtigt, das heißt, das demokratische Prinzip von Majorität und Minorität wurde missachtet“ –  und dass Großbritannien zwei Militärbasen zugesichert wurden.

„Die Zyprioten selbst hatten bei den Verhandlungen keine Stimme und wurden erst zum Zweck der Unterzeichung der Abkommen hinzugezogen. Der Zypernkonflikt schien durch die Verträge von Zürich und London beigelegt zu sein. Es war aber offensichtlich, dass durch die oktroyierte Verfassung die bestehenden Differenzen zwischen der griechischen und türkischen Bevölkerung Zyperns nicht gelöst worden waren. Vielmehr wurde die Bi-Kommunalität in einer starren und in vielen Bereichen nicht veränderbaren Verfassung manifestiert; die Möglichkeit, eine gemeinschaftliche Staatsidee zu entwickeln, die zu einer gemeinsamen zypriotischen Identität hätte führen können, wurde nicht genutzt [oder nicht gewährt?]. Es war deshalb abzusehen, dass der Konflikt früher oder später wieder aufflammen würde [nach unserem Dafürhalten müsste aus ethischen Gründen dieses Vertragswerk von Zürich und London schon längst aufgehoben worden sein].

Eine weitere Frage war, wie sich der neue Staat politisch einordnen würde. Für viele westliche Beobachter war klar, dass sich die Republik am westlichen System orientieren würde; denn schließlich waren die drei Garantiemächte in dieses System eingebunden. Zugleich wurde aber vor einer starken kommunistischen Basis im Land und dem Versuch der sozialistischen Länder, sich hier zu etablieren, gewarnt.“ (Das Zitat stammt aus der Dissertation von Thorsten Kruse, „Bonn-Nikosia-Ostberlin“, „PELEUS“, Verlag: Franz Philipp Rutzen 2013).

Bundesarchiv B 145 Bild-F012985-0011, Bonn, St...

Bundesarchiv B 145 Bild-F012985-0011, Bonn, Staatsbesuch Präsident von Zypern (Photo credit: Wikipedia)

Heutzutage ist Zypern durchaus ein Sammelsurium der unterschiedlichsten politischen Richtungen. Der Linken steht eine starke Gewerkschaft zur Seite, und dies, seit den ersten Tagen der erwähnten Parteienbildung. Die Rechte hat auch Gewerkschaften, die aber zeitlich später ans Licht der Öffentlichkeit kamen.

Dass in der derzeitigen zyprischen Administration unter Anastasiadis erneut so manches schief läuft, in der jetzigen Krise und auch wegen der Macht der Gewerkschaften, wo anscheinend (oder angeblich) das System repariert und restauriert wird, belegen einfach zu viele Beispiele, die anzuführen und zu durchleuchten, mindestens eine weitere Dissertation ausmachte.
Im September 2013 war es wohl, als den Banken und staatlichen Stellen per Gesetz beispielsweise – und von der Troika gutgeheißen und so vorgeschlagen – gesagt wurde, ihre Angestellten könnten nicht weiterhin bereits am frühen Nachmittag nach Hause gehen von der Arbeit. Das sei unwirtschaftlich. Vor ein paar Tagen konnte in der Fernsehsendung apo mera se mera vernommen werden, dass ab dem 01.01.2014 wieder die alten Arbeits- und Öffnungszeiten befolgt würden. Punkt! Dahinter steckt gewiss der Druck einer Gewerkschaft, die ihre Existenz auch auf diese Weise zu rechtfertigen sucht. Oder: Vorgestern wurde im Radio verkündet, dass all denjenigen, denen der Strom vor kurzem gekappt wurde, weil sie ihre Stromrechnung nicht zahlten oder Elektrizität geklaut hatten, wieder an die Steckdose werden gehen können. Wie hier auf Zypernundmehr-News bereits berichtet wurde, hat Brüssel die so genannte ’nächste Tranche‘ an Nikosia vor knapp 2 oder 3 Wochen ausbezahlt, und dieser Geldbetrag will nun offenbar ausgegeben werden, und zwar so, wie Präsident Anastasiadis und sein Mitarbeiterstab denken, dass es für sie vor allem von Vorteil ist.
Makarios III war wahrscheinlich der erste, dem es gelungen ist, zwischen den Fronten (damals Ost-West) erfolgreich zu surfen. Anastasiadis und anderen hat dieses Vorbild oder politische Erfahrung gelehrt: so unbedeutend das kleine Zypern auch sein mag, desto bedeutender wird oder ist es immer dann anscheinend, wenn es ums sogenannte I-Tüpfelchen bei Verhandlungen über Dies und Das zwischen Ost und West oder Süd und Nord geht, irgendwo. Dazu mehr demnächst!

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Zypern und Deutschland, Teil 1

Nabelschau

Bekanntlich haben die so genannten Griechen mit den so genannten Deutschen historisch viele sogenannte Anknüpfungspunkte; also Bereiche, wo sie über eine Art gemeinsamen Ursprung – oder dergleichen – anscheinend nachweislich verfügen.

Nachweislich wurde auch die Insel der Afrodite, Zypern, und ihre Bevölkerung, bereits im Altertum zum griechischen Kulturkreis gezählt. Wie es dazu kam, ist wohl eine Frage, die nie ganz geklärt werden dürfte, vor dem Hintergrund, dass die Besiedlung beider Gebiete (Griechenland, Zypern) von wem und wann zuerst erfolgte, letztlich unmöglich sein dürfte. Es gibt Wissenschaftler, die herausgefunden haben wollen, dass das Alt-(alt)-Griechisch via Palästina nach Griechenland und Zypern gekommen sein soll in grauer Vorzeit.

 

 

 

 

 

Keftiu-Barren, Kupfer-Barren aus Zypern, Ochse...

Keftiu-Barren, Kupfer-Barren aus Zypern, Ochsenhautform, 2. Jh. v. Chr. (Photo credit: freiheitsfreund)

 

 

 

“Die Insel Zypern war von der Antike bis zu ihrer Unabhängigkeit 1960 nahezu durchgehend von fremden Mächten besetzt  oder zumindest kontrolliert. Bedeutsam war vor allem der Wandel in der Bevölkerungsstruktur [wie ja zum Beispiel auch in Mitteleuropa], den die Insel seit Beginn der osmanischen Herrschaft  (1571) erlebte [was in Mitteleuropa zeitlich wesentlich früher insbesondere der Fall war]. Bis zu deren Ende 1878 hatten sich zahlreiche Moslems auf der Insel angesiedelt und stellten schließlich einen Anteil von knapp 25% der Gesamtbevölkerung. Die überwiegende Mehrheit bestand jedoch aus griechischen Zyprioten, die der autokephalen orthodoxen Kirche Zyperns angehörten. Auf der Basis des Millet-Systems, das im Osmanischen Reich den Minderheitenstatus und die Autonomie nichtmuslimischer Religionsgemeinschaften regelte, war das geistliche Oberhaupt der orthodoxen Griechen Zyperns, der Erzbischof, für die türkischen Machthaber zugleich auch der weltliche Vertreter der griechischen Volksgruppe [in Anlehnung der Funktion, welche der osmanische Sultan in Staat und Religion einnahm bei den Osmanen – letztlich der Prophet Muhammad selbst]. [Diese] Doppelfunktion hielt sich bis weit in die 1970er Jahre. Zypern war wirtschaftlich betrachtet ein reines Agrarland und der Großteil beider Bevölkerungsgruppen bäuerlich geprägt. Ethnische Konflikte, wie sie später unter der britischen Besatzung zum Ausbruch kamen, existierten nicht [eigentlich nicht, wollen wir hier hinzusetzen; oder besser: nicht in so krassem Maße] – hatten beide Volksgruppen doch ähnliche Interessen und Probleme.

Ende der 1870er Jahre kam es zu einem erneuten Machtwechsel auf der Insel. Großbritannien übernahm die Verwaltung Zyperns. Das Interesse der Briten an Zypern wurde Mitte der 1870er Jahre geweckt, als die Russen immer weiter in Richtung Mittelmeer vorrückten [wie auch gerade wieder dieser Tage spürbarer] und die ‚Life-Line‘ des Empires [heute:EU-USA] bedrohten. Man suchte nach einem geeigneten ‚Place d‘ Armes‘ [siehe heute: britische Militärbasis und eventuell mit die größte Radar-Abhöranlage in der Region] und glaubte, ihn in Zypern gefunden zu haben. Doch schon während des Berliner Kongresses wurde den strategischen Planern in London bewusst, dass sich Zypern mangels natürlicher Häfen als Stützpunkt für die ‚Royal Navy‘ nur bedingt eignete; in dieser Sttuation meldete sich dann aber das britische Finanzministerium. Die Zyprioten könnten doch die Zinsen für einen geplatzten Kredit an den türkischen Sultan bezahlen. Mit der Machtübernahme durch die Briten 1878 wurden weite Teile des Verwaltungsapparates der Insel zwar modernisiert und effektiver, die von vielen Zyprioten erwartete Reduzierung der Steuerlast blieb aber aus. Großbritannien ließ die Zyprioten bis 1927 für osmanische Anleihen zahlen. Die besonders bei den griechischen Zyprioten zunächst vorherrschende Begeisterung über den Machtwechsel schlug relativ schnell in das Gegenteil um [das steht, finden wir, in gewisser Weise diametral zur Ablehnung des Annanplanes durch die griechischsprachigen Zyprer 2004]. Der Erste Weltkrieg bedeutete für Zypern eine Äanderung des Status quo: da das Osmanische Reich seinen Eintritt in den Krieg an der Seite der Mittlelmächte verkündete, annektierte Großbritannien die Insel. Zypern stand nun vollkommen unter britischer Kontrolle und wurde 1923 zur Kronkolonie [siehe Troika?] gemacht. (das obige Zitat stammt aus der Dissertation von Thorsten Kruse, “Bonn-Nikosia-Ostberlin”, „Peleus„, Verlag: Franz Philipp Rutzen 2013)”.

Dass die Republik Zypern im Jahr 2013, knapp 90 Jahre später, wieder in eine ähnlich missliche Lage geraten ist (siehe Rettungsschirm und/oder Troika 2013 etc.) könnte, mögen manche unter Ihnen, verehrte Leser, jetzt gedacht haben, vielleicht System haben – oder womöglich seine Wurzeln bereits spätestens damals – 1923 – geschlagen haben?!

Wir bei Zypernundmehr-News werden in der Folge dieser Frage nachgehen und versuchen, anhand der Beziehungen zu Deutschland, den Deutschen, der ehemaligen DDR, das Gap zwischen 1923 und heute möglichst nachvollziehbar vorwiegend unter Zuhilfenahme der zuvor erwähnten Dissertation von Th. Kruse zu füllen – mit dem Fokus auf insbesondere Mitte-Ende der 60er Jahre des vergangenen Jahrhundert.

 

 

 

 

 

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