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Archive for Oktober 2013

Raskin & Fleischmann
Unter diesem Namen firmieren die beiden oben Genannten weltweit, zwei junge Künstler. Johannes Fleischmann, ein österreichischer Violinist, und der belgische Pianist Philippe Raskin trafen aufeinander erstmals 2009 am Pablo Casals Festival. Beim ersten musikalischen Zusammenspielen war ihnen klar geworden, dass ein vorzügliches Verständnis füreinander bestand. Seither treten sie gemeinsam auf. Es ist nicht mehr als konsequent, dass daraus ein geradezu perfekt erfrischendes und harmonisches Klangbild erwuchs – ein nuancenreiches. Seither scheint jedes ihrer Konzerte einen erfolgreichen Musikabend zu versprechen.
Dank der Vermittlung der Österreichischen Botschaft in Zypern, die in letzter Zeit ihre Bemühungen verstärkt, sich auch in Zypern kulturell mehr ins Licht der Öffentlichkeit zu setzen, sowie der Schirmherrschaft von Austrian Airlines und weiteren Sponsoren und Gönnern spielte das Duo Raskin-Fleischmann kürzlich in den Räumen der zyprischen Pharos Foundation auf. Letztere dürfte den Lesern Zypernundmehr-News inzwischen ein Begriff geworden sein für Veranstaltungen im klassischen Segment internationaler Musik.
Die beiden Musiker haben ihr Programm vortrefflich dem hiesigen Geschmack angepasst bei ihrer Auswahl. Das Konzert begann dann auch mit Mozarts „Sonate für Violine und Klavier in B-Dur (KV454), die er für die Geigen-Virtuosin Regina Strinasacchi geschrieben hatte, welche er an der Uraufführung gleich persönlich am Klavier begleitet hatte.
Diese Sonate Mozarts hat 3 Sätze, wobei im ersten „Largo-Allegro“ sich beide Instrumente sozusagen in selbständiger Wichtigkeit harmonisch ergänzten, wobei in der zweiten Hälfte beide ihres Vortrags Instrumente im Kontrast zu davor überschwänglich und üppig verausgabten. Das Andante wiederum spiegelt die Gefühlswelt der Musik Mozarts sehr typisch wider: mit einfühlsamer und melodischer Intensität. Das Allegretto, zuguterletzt, wurde im Rondo-Stil geschrieben, wobei beide Instrumente in fröhlich majestätischer und eleganter Form das Stück beschließen.
Fortgesetzt wurde das Konzert mit Johannes Brahms „Sonate für Klavier und Violine in D-Moll, Op. 108. Dieses Werk schrieb Brahms, als er die Sommer 1886-88 in der Schweiz verbrachte. Die alpine Szenerie jener Gegend in der Nähe von Interlaken muss besonders intensiv inspirierend gewesen sein, zumal das seinen internationalen Ruf mit einigen großen Werken und vier Symphonien belegt. An der Uraufführung am 22. Dezember 1888 in Budapest begleitete den Komponisten der ungarische Violinist Jeno Hubay am Klavier. Im Gegensatz zu den zwei vorangegangenen Sonaten komponierte Brahms diese mit vier Sätzen. Sie beginnt mit sehr lyrischen Tönen der Violine wobei das Klavier mit kurzen rhythmischen Handbewegungen begleitet. Die nächsten beiden Sätze werden kontrastreich, teilweise beinahe sentimental, ja, elegisch gezogen. Das Finale sprüht wie ein Feuerwerk und baut sich zu einem beinahe tragischen Crescendo auf. Ein eindrückliches Ende vor der Pause.
Der zweite Teil des Konzerts war Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) gewidmet. Gespielt wurde seine Sonate für Violine und Klavier in G-Dur, Op. 6, die er 1913 komponierte. Korngold heimste schon als Wunderkind Erfolge ein und wurde von Mahler und Schoenberg gefördert, wie auch von Camille Saint-Saens und anderen im Scheinwerferlicht der damaligen Zeit stehenden Komponisten und Musikern. Seine Werke wurden nicht nur in Wien gespielt, sondern das Leipziger Gewandhaus Orchester nahmen einige Werke ins Repertoire.
Im Jahr 1934 emigrierte er nach Hollywood, wo er für seine Filmmusik zweimal einen Oscar erhielt. Seinen Aufstieg und Erfolg in Hollywood erklärt, dass er nach dem Krieg seinen Ruf als klassischer Komponist nicht mehr festigen konnte und den Anschluss in Europa nicht mehr fand, wird gesagt.
Die uns vorgetragene Sonate komponierte Schoenberg mit 16 Jahren. Sie illuminiert seine Jugendlichkeit, sein Temperament. Der 1. Satz beginnt sehr lyrisch mit ungewohnten Taktschritten, der Romantik im Hauptthema jedoch zugeneigt. Die weiteren Sätze sind expressiv, bringen leise Anbiederungen, mag ich es nennen, an Jazzrhythmen, touchieren die Eigenartigkeiten einer Rhapsodie und enden in einem schäumenden Finale.
Der Konzertsaal war bis auf den letzten Platz gefüllt und das dankbare Publikum applaudierte frenetisch, so dass das Duo eine Zulage spielte: eine Improvisation, die das, was davor gewesen war, wunderbar ergänzte und geradezu singend und tanzend zwischen Violine und Klavier den schönen Abend beendete.

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Basel

News vom Südlichen Oberrhein!

Nespresso kann sich – noch – nicht beklagen: die Geschäfte laufen bombig! Nestlé, weltgrößter Nahrungsmittelhersteller, steigerte mal wieder die Umsätze – auf 68,4 Milliarden Franken (also um 4%). Der Verkaufsschlager von Nestlé, die Nespresso-Kapseln, soll derzeit aber etwas gefährdet sein. Ein US-Multi will das Kaffee-Genuss-aus-Kapseln-Geschäft mit absahnen zukünftig. Milka, Toblerone & Co, die dem US-Multi gehören, werden in ihren Filialen schweizweit nun auch Kaffee-Kapseln dealen, versteht sich, preislich günstiger und keinesfalls auch nur annähernd so erlesen wie die Kapseln vom Schweizer Konzern, ist anzunehmen.
In Anbetracht der Tatsache, dass Nestlé’s Geschäftspolitik vor allem in der sogenannten III.Welt äußerst menschenverachtend – zu oft – in Erscheinung tritt, hält sich gewiss bei so mancher oder manchem das Mitleid mit dem Schweizer Konzern in Grenzen (erinnern Sie zum Beispiel die Wasserquellen, die in Plastikflaschen abgefüllt werden, wo nebenan Einheimische sich mit H2O minderer Qualität begnügen ‚dürfen‘ – wenn überhaupt). Gnadenlos, um in anderem Bild zu sprechen, ist diese Praxis wie bei peruanischen Fischern, die jährlich an die 15.000 Delfine zerstückeln sollen, damit Haie angefüttert, gejagt und erlegt werden können. Gnadenlos wie Japaner, die neuerdings ganz trendy mit Meeressäugern spielen gehen, oder so, bevor sie mit dem Finger auf einen von ihnen zeigen und wahrscheinlich so etwas sagen wie: „den dort!“ Ja stimmt, Letzteres ist gut bekannt, passiert ziemlich sicher auf jedem Bauernhof, wo die Anna oder die Klara auf dem Mittagstisch landen und keine Milch mehr geben als geschlachtete Milchkuh.

Ganz gnadenlos hat die Züricher Privatbank Frey vor, ihre Pforten zu schließen – die USA machen zu viel Druck, angeblich, wegen dem sogenannten Steuerstreit. Wir dürfen wahrscheinlich davon ausgehen, das der Präsident und Gründer der Bank, Markus Frey, rechtzeitig seine Schäfchen ins Trockene gebracht hat?

Ums Geld geht es halt immer wieder – zuweilen gnadenlos. So auch im Streit der Ansichten der Schweiz mit der EU. Das Boulevardblatt Blick aus der Schweiz brachte bereits am 18. Oktober ein Interview mit dem Schweizer Staatssekretär Yves Rossier, welches hier in Ausschnitten wiedergegeben werden soll – Gnadenlosigkeit hat ja so viele Facetten:

„Weitere Abkommen mit der EU kriegt die Schweiz nur, wenn sie Hand bietet zu einem Rahmenabkommen. Darin steht, welche Instanz im Konflikt entscheidet und wie künftiges EU-Recht in die bilateralen Verträge fließt… . Der Europäische Gerichtshof legt das EU-Recht aus. Das ist kein Urteil, schon gar nicht eine Verurteilung der Schweiz. Es gibt keine fremden Richter, die uns (Schweizern) vorschreiben, was wir zu tun haben. Aber es gibt Richter, die uns sagen, wie das EU-Recht zu verstehen ist… . Der Avis, das Rechtsgutachten des Gerichts, ist nicht die Lösung eines Rechtsfalls. Das Gutachten klärt die Rechtslage, danach ist es an den Streitparteien, auf Grundlage dieses Avis eine Lösung zu suchen. Falls es keine Lösung gibt, kann die Schweiz den Entscheid fällen, ob sie entsprechend der Rechtsauslegung handeln will oder eben nicht…. . Es geht … um ein Rechtsgutachten, wie EU-Recht zu verstehen ist, nicht um ein Urteil, wie gehandelt werden muss.

Wie würde es denn konkret weitergehen?

Der Auslegungsentscheid des Gerichtshofs geht zurück in den Gemischten Ausschuss. Jetzt gibt es drei Möglichkeiten: die Schweiz akzeptiert die Rechtsauslegung. Wenn nicht, kann der Gemischte Ausschuss mit einem Kompromiss einen Ausweg suchen. Wenn keiner gefunden wird, kann die Schweiz Notbremse ziehen. Vor allem dann, wenn so große Interessen der Schweiz betroffen sind, dass wir die Umsetzung der Rechtsauslegung ablehnen müssen. Dann entscheidet die EU, ob sie gewisse bilaterale Verträge oder Teile davon suspendiert.

Wo liegt der Vorteil zu aktuellen Situation (für die Schweiz)?

Wir (die Schweizer) gewinnen Rechtssicherheit. Weil ein Verfahren Zeit braucht, können sich außerdem beide Seiten überlegen, was ihnen wichtiger ist: der Streit oder die bilateralen Verträge.

Mit anderen Worten: Die Schweiz hat gar keine Wahl, weil sie sonst die Verträge riskiert.

Nein, die Verträge wären nicht einfach verloren. Man könnte sie suspendieren oder andere Wege suchen. Wenn das für die Schweiz so wichtig ist – zum Beispiel wegen eines Volksentscheids – , muss und kann sie Nein sagen. Wir sind nicht in der EU, entscheiden deshalb nicht mit. Daher brauchen wir diese Möglichkeit. Die EU-Länder dagegen sind in die Entscheidung eingebunden, müssen also die Entscheide umsetzen.

Warum soll die EU da mitmachen?

Die EU hat eingesehen, dass ein supranationales Gericht und eine supranationale Überwachungsbehörde in der Schweiz wenig Chancen haben. Die Schweiz ist aber zu wichtig für sie, als dass keine Lösung für diese Fragen gefunden würde.

Was spricht gegen das Efta-Gericht?

Das Efta-Gericht fällt Urteile. Verurteilt es die Schweiz, dann ist – auf Französisch – die Messe gelesen (die Schweiz ist eines der EFTA-Mitglieder)

Das Urteil würde umgesetzt?

Ja, fakultative Urteile gibt es nicht. Das zweite Problem: Das Efta-Gericht könnte nur die Schweiz verurteilen, nicht aber die EU. Ein totales Ungleichgewicht. Das dritte Problem: Das Efta-Gericht ist vertraglich verpflichtet, immer der EU-Rechtsprechung zu folgen.

Deshalb will der Bundesrat den Europäischen Gerichtshof.

Mit ihm gibt es keine Überwachungsbehörde, die gegenüber der Schweiz, gegenüber dem Bund, den Kantonen, den Gemeinden Verfügungen erlassen könnte. Zudem könnten beide Seiten bei Meinungsverschiedenheiten über die Auslegung des EU-Rechts den Gerichtshof anrufen.

Wo liegen die Unterschiede zwischen dem automatischen und dem dynamischen Nachvollzug des EU-Rechts?

Da gibt es einen riesigen Unterschied. Der automatische Nachvollzug ist kein Nachvollzug, sondern schlicht die automatische Übernahme, die Verpflichtung, künftige Entwicklungen des EU-Rechts automatisch zu übernehmen. Dieser Automatismus ist ein No-Go.

Und der dynamische Vollzug?

Wir sind nicht Teil des EU-Binnenmarkts. Wir sind draußen. Wir haben unsere eignen Verfahren der Rechtsentwicklung mit allem, was dazugehört, wie zum Beispiel dem Gesetzesreferendum. Wir haben angeboten, die Anpassung zügig an die Hand zu nehmen, aber immer im Rahmen der Kompetenzen von Parlament, Volk und Kantonen. Das nennen wir dynamisch. Die EU ist einverstanden und besteht nicht mehr auf dem Automatismus!“

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Auch der Schweizer Pharmariese Roche steigerte seinen Umsatz um 3% (34,87 Milliarden Franken). Der ex-zweite Mann bei der Schweizer Bank UBS, Raoul Weil, wurde in Italien auf Betreiben der USA festgenommen. Keiner weiß, warum Raoul den sicheren Schweizer Raum verlassen hat, dieses Risiko einging. Jetzt steht ihm eine Auslieferung in die USA bevor, die von der Schweiz aus wahrscheinlich nie erfolgt wäre. Steuerbetrug im ganz großen Stil soll Raoul begangen haben – hat US-Steuerzahler so beraten und beraten lassen, dass sie in ihrem Heimatland keine oder wesentlich weniger Steuer bezahlten. Gnadenlos gibt sich ausgerechnet die UBS-Filiale in Kleinbasel, nach dem, was darüber zu lesen ist. Die Anwohner und Geschäftstreibenden dort am Claraplatz sind etwas konstatiert über die Aussagen der UBS bezüglich des Baus des sogenannten Claraturms am Riehenring, nämlich: auch wenn das Referendumskomitee negativ abstimme, würde die Häuserzeile am Riehenring dennoch abgerissen! Man fragt sich in Kleinbasel, ob die UBS glaube, den „Basler Souverän“ nicht akzeptieren zu müssen, also den Volkswillen. Im Boulevardblatt Blick am Abend ist des Weiteren die Rede von: „der Monsterbau gleicht einem Grabstein!“
Bei der Schweizer Firma Sulzer gehen 100 Jobs verloren demnächst. Roche indes wird am Standort Basel zukünftig noch mehr Geld investieren, noch mehr Arbeitsplätze und Gewinne derart generieren. Die Credit Suisse wird Schwulen-und-Lesben-freundlicher. Sie bietet in den USA für dieses Segment der US-Gesellschaft entsprechende Anlageprodukte neuerdings an. 26 Großfirmen in den USA nennen sich schwulen-lesbenfreundlich, unter anderen: Goldman Sachs, Thompson Reuters, der Pharmariese Merck und Pfizer, Chevron etc.
Was den Gebrauch der Eisenbahn angeht, wurde die Schweiz, beziehungsweise ihre Bevölkerung, weltweit wieder auf den ersten Platz gehievt vor den Japanern. Schweizer legen nämlich durchschnittlich 2.274 km zurück mit der Bahn.
Auf der US-amerikanischen „Medcloth“ Webseite kann Kleidung geordert werden, für all diejenigen, die sich swiss-like (wie Schweizer) kleiden möchten. Die Eidgenossen scheinen darüber wenig amüsiert, da das vermittelte Bild der US-amerikanischen Firma den Vorstellungen der Schweizer von sich wenig entspricht.
Die Internationale Bauausstellung (IBA) kann noch bis zum 9. November besucht werden in der Voltastraße 30 in Basel. Grenzüberschreitende Arbeiten und Projekte können dort besehen werden. Die Badische Zeitung schreibt dazu am 19. Oktober u.a.:“…dass das südbadische und elsässische Umland Basels mehr seien als dessen „Erlebnisraum“, dass es da Städte mit eigenen Plänen und Interessen [gibt]… . Zahlenmäßig größter Bereich dieser IBA sind aber die Landschaftsprojekte. Dabei geht es insbesondere um die Wiederentdeckung der Flussufer an Birs, Wiese und am Rhein. Dieser sei historisch bedingt vor allem als „Entsorgungsader“ benutzt worden und entsprechend gestaltet… . Mittels IBA solle er zwischen Möhlin und Kembs, beziehungsweise Schwörstadt und Bad Bellingen nun zu einer der schönsten durchgängig begehbaren Flusslandschaften Europas werden“. Des Weiteren im Weiler Teil der Zeitung: „… Ziel ist eine attraktive und auch für die Naherholung nutzbare Verknüpfung des Vitra Design Museums mit der Riehener Fondation Beyeler zu erhalten – sowohl als Fußweg, als auch für Radfahrer. Zudem soll eine Verbindung von den öffentlichen Verkehrsmitteln Zug und Tram zum Vitracampus entstehen.“ Von einer „Wiese Vital“ wird in diesem Kontext zukünftig die Rede sein, wobei die Gegend namens Langen Erle auf der Schweizer Seite und das Mattfeld auf der deutschen gemeint sein werden, die im Konzept „Garten der Metropole“ entsprechend eingebunden sind – siehe hierzu auch das Projekt „RhyCycling“.
Weniger erfreulich ist, dass in Schweizer Flüssen immer öfter resistente Darmbakterien gefunden werden. Wieso, warum und woher die kommen, darüber wird noch vornehm geschwiegen – noch! Rund 55 Personen sterben jährlich daran, berichtet die Basler Zeitung vom 22. Oktober 13.

Gnadenlos wird in Kandern demnächst wohl beschlossen vom Gemeinderat, dass die Zeiten unbeschwerten Parkens in der Stadt vorbei sein sollen. Ein Herr Frey aus Binzen wird demnächst beauftragt, Strafzettel auszustellen, für all diejenigen, die ihr Auto länger als 90 Minuten oder ohne Parkscheibe oder ohne Ohne parken. Wer in Städten öfters unterwegs ist mit dem Auto, weiß, wie nervig diese als Abzocke empfundene Vorgehensweise der Behörden ist.
Zuguterletzt: die Schweiz wird voraussichtlich die Gebühr zur Benutzung ihrer Autobahnen (Vignette) auf das Doppelte erhöhen, also so um die 80 €.

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reförmchen in der Türkei

Kinder der post-sechziger Ära sind oft derart konditioniert, dem Lustprinzip zu folgen, also, zuerst das rauszulassen, was einem in den Sinn kommt. Erlauben Sie, dass hier in etwas gebändigter Art und Weise ungefähr so verfahren wird – vorerst.

Glück gehabt! Das dachte ich, heute die Badische Zeitung durchstreifend. Weil in Kandern ist ja das sogenannte Budenfest der Höhepunkt der Festivitäten der Stadt im Jahr. Doch was muss ich lesen: der Chef oder Vorsitzende der Interessengemeinschaft Budenfest hat hingeworfen – und ich dachte stets, was sitzt der denn stets und eigentlich immer in einem der Cafes der Stadt, wenn ich mal äußerst sporadisch dort verkehre – der kommt ziemlich sicher als noch reingeschneit oder sitzt dort schon, als würde ich überwacht.
Nein, keine Sorge, hier ist nicht DDR und ich habe keinen Verfolgungswahn. Hier spielt wohl einfach König Zufall mit, sonst nichts.
Diesem Herrn, also, hat nicht gefallen, dass sich während des Budenfestes niemand an seine Sicherheitsanweisungen halten wollte, die ja auch von den Behörden vorgegeben werden. Wahrscheinlich musste er sich öfters mal anhören ‚do schisse mir druff!‘
Jetzt wird Kandern eventuell darum bangen müssen, nochmals jemand zu finden, der so großzügig ist – oder dumm –, die Verantwortung auf seine Kappe zu nehmen im Falle des Falles.

Dass in Kandern ein anderer Wind als andernorts weht, wie eigentlich überall, ist auf den Straßen außerhalb der Stadt, die nach Basel oder Müllheim führen, leider gelegentlich zu erfahren: Fahrer hinter einem, die aufblenden oder auffahren, weil man sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit hält; oder scheinbar entnervt so überholen, dass man schon Angst haben muss, ins Abseits abgedrängt zu werden; oder aber, dass die Fahrt durch dieselben gestoppt wird und dann die Fäuste sprechen sollen.
Doch man gewöhnt sich an diese Raser – und kann ja sein, dass es keine Kanderner sind. Wer weiß das schon genau!

Das Spiel der Deutschen Nationalelf ausnahmsweise mal angeguckt. Da fragt man sich schon: werden wir schon wieder verschaukelt? Aber die Leute haben ja ein Kurzzeitgedächtnis. Mal ehrlich: wenn man sich die schwachen Gegner der Deutschen in ihrer Gruppe ansieht, dann darf man durchaus befürchten, dass die Truppe dann, wenn wirkliche Gegner antreten, wie gewohnt, patzen wird – also den WM-Titel nicht holt. Man wird sehen.
Die türkische Elf hat sich auf den 2 Platz in ihrer Gruppe hinaufgeschwommen. Viele Türken werden deswegen wohl auch mit geschwollener Brust, und so, aus den Betten steigen – wahrscheinlich bis zum 15.10.13. Denn dann geht es gegen die Niederlande.
Und weil wir schon bei den wichtigen Nachrichten im Fußball sind: Christoph Daum, derzeit Trainer bei dem türkischen Verein Bursa, ist in Köln kurz eingeflogen, um für seinen Sohn um die Hand der Türkin oder türkischstämmigen Deutschen Filiz (Familienname wird nicht genannt) anzuhalten.
Ein wunderschönes Konzert verpasst, weil leider nicht in Izmir. Zwei Derwische – auch in Sachen Musik – haben aufgespielt: der Tunesier Dhafer Youssef und der Türke Hüsnü Senlendirici. Ist nur zu hoffen, dass hier jemand davon liest und auch der Meinung ist, dass dieser Kunstgenuss mal nach Zypern, Freiburg oder Basel eingeladen gehört.

In Mannheim beginnen die 22.sten türkischen Filmfestspiele am 20. Oktober. Der Ehrenpreis, schreibt die türkischsprachige Sabah, wird Erden Kiral erhalten und Kenan Isik. Der Bürgermeister der Stadt Mannheim, Peter Kurz, wird Schirmherr des Festivals sein.

Der ehemalige Verantwortliche für die Erweiterung der EU, Verheugen, findet, dass die Türkei und die Ukraine nun wirklich endlich in die EU gehören. Wenn dieser Nachricht in der Sabah Glauben geschenkt werden darf, dann soll der Verwunderung darüber Ausdruck verliehen werden hiermit, weil seinerzeit, kurz bevor Erdogan mit seiner AKP in der Türkei an die Macht kam, die betriebene Erweiterungspolitik Verheugens, näher betrachtet, als widersprüchlich bezeichnet werden darf, was den Beitritt der Türkei angeht.
Kann ja sein, dass es doch noch was wird damit, mögen Sie jetzt gedacht haben. Zumal auch in Griechenland Stimmen lauter werden, die wollen, dass die Zypernfrage dann bestens gleich mitglöst gehört. Bekanntlich fangen die im Mittelmeer an, kräftig nach Öl und Gas zu buddeln. Not macht also erfinderisch, sprich: lässt Zypern, die Türkei, Israel und Griechenland vielleicht doch noch in ein Boot steigen, welches ja nicht gleich untergehen muss wie so manches vor Lambedusa.

Wie Ihnen gewiss zu Gehör gekommen ist, hat die AKP-Regierung der Türkei Reformen vor Kurzem verabschiedet. Denen zufolge sollen Kurden nun mehr Rechte und Freiheiten genießen zukünftig. Sie können in Privatschulen ihre Sprache erlernen und die Bereiche, in denen Kurdisch in der Öffenlichkeit gesprochen, beziehungsweise relevant verwendet werden darf, haben sich etwas geweitet. Mancher mag sagen, den Preis dafür bezahlen mal wieder die Frauen. Die ‚dürfen‘ nun als Lehrerinnen – endlich – Kopftuch tragen. Letzteres auch in anderen Bereichen der Administration, nicht aber in der Justiz etc.
Bemerkenswert ist, dass sogar, wenn auch auf Nachhaken, an die Aleviten im Lande gedacht wurde, die bekanntlich dem einstigen Reformer Atatürk sehr nahe standen und einen gewissen Sonderstatus innehatten. Nun, die Aleviten dürfen sich darauf freuen, ihre Gebetshäuser (cemevi) wieder eröffnen zu können. Ja, sogar ein Gehalt wird vom Staat an den Vorsteher der cemevi, den Scheich, und den Schuhputzer, süpürgeci, bezahlt werden.

Wie die griechischsprachige Eleftheropia aus Griechenland vom 09.10.13 schreibt, wird mit Ankara gerade mal wieder gedealt. Es geht um die Aussage Erdogans, der in Aussicht stellt, die theologische Schule in Chalki zu öffnen, wenn Athen dazu bereit ist, zwei Moscheen in Athen öffnen zu lassen. Dieselben seien “ein Erbe der Osmanen”, wird Erdogan nicht müde zu betonen, genauer: der Grund und Boden, auf welchem sie einst standen. Es ist schon mehr als komisch, dass in einem Melting-Pot wie Athen keine offiziell betriebene Moschee besteht. Die Türkei habe seit über zehn Jahren Griechenland darauf angesprochen. Erdogan macht klugerweise gleich klar, dass es nicht an ihm liege, den ersten Schritt in diese Richtung zu setzen. Ebenso könnte Waisenhäuser gegenseitig zurückgegeben, beziehungsweise wiedereröffnet werden.
Was das Thema der Zukunft der Heiligen Synode anginge, schlug Erdogan dem Bischof Barthelomäus erneut vor, Mönche aus dem Ausland anzubringen, die dann die türkische Staatsbürgerschaft annehmen könnten. Derart könnte eine Synode geformt werden und den Lausaner Verträgen von Anfang des letzten Jahrhunderts entsprochen werden – siehe Minderheitenrechte. 17 Mönche hätten diesen Schritt bereits vollzogen und seien türkische Staatsbürger geworden, schreibt die Eleftheropia aus Athen.
Erdogan vergaß nicht, darauf hinzuweisen, dass im griechischen Teil von Thrakien über 150.000 türkisch-stämmige Griechen lebten. Die griechische Regierung würde den Mufti wählen, als sei er ein Staatsangestellter – was Erdogan offensichtlich nicht behagt. “Als würde ich den Patriarchen auswählen”, stellt Erdogan dem gegenüber.
Erdogan findet jedoch, dass die Angelegenheit endlich vom Tisch gehöre. All die Jahre, schreibt die Elefteropia, habe die Türkei das Betreiben der Heiligen Sumela erlaubt in der Kirche von Tarso und Axdamar in Van – letztere sind allerdings armenisch-orthodoxe Christen. “Wenn also die Angelgenheit mit den zwei Grundstücken in Athen und der Wahl des Muftis akzeptiert würden, wäre Ankara bereit, die theologische Schule in Halki zu öffnen.”
Hurtig haben sich die sogenannten Süriyani auf den Reformzug, den Erdogan auf die Reise geschickt hat, geschwungen. Diese Glaubensgemeinschaft ist seit Ende der 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts in der Türkei ohne Schulen oder Kirchen. Deren Stiftung hat nun einen Antrag gestellt, dass im Bezirk Beyoglu von Istanbul die einstige Schule und die Kirche namens Miryam Anne Kirche wiedereröffnet werden. Die Aussichten für diese christliche Gemeinde zu ihrem Recht zu kommen, scheint nicht schlecht zu stehen.

Gilt zu hoffen, dass die Einsicht, das Zypernproblem wird immer mehr zu einem für alle in Europa zunehmend spürbaren Störfaktor, doch noch einen Modus vivendi findet.
Und dass vor Zypern scheinbar keine Flüchtlingsschiffe untergehen, hat zum einen mit dem relativ einfachen Zutritt für Flüchtlinge in den Norden der Insel zu tun, und dann gewiss auch damit, dass nicht alle Vorfälle immer gemeldet werden. Es sollen durchaus immer wieder Schiffchen von Frontex und anderen abgefangen werden in der inzwischen Hochsicherheitstrakt-mässig kontrollierten Region des südöstlichen Mittelmeers.

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Klassik in zwei Variationen – Nordzypern

Wenn vom Norden Zyperns gesprochen wird, heißt dies, dass damit der türkischsprachige Teil, der sich 1983 als selbständiger Staat proklamierte, gemeint ist. Seit der Öffnung der verschiedenen Grenzübergänge und dem Beitritt des Südens von Zypern zur EU, ist der nördliche Teil leichter zugänglich.
Viele kulturell interessante Orte sind dort zu besichtigen, wie u.a. die Klosteranlage Belapais (türkisch:Beylerbey), die sich rühmen darf, eine der schönsten gotischen Klosterruinen des Mittelmeerraumes zu sein. Dass das gleichnamige Dörfchen einen unglaublichen Reiz aufweist, zeigt sich auch darin, dass stets Künstler und Schriftsteller dort gewohnt haben und heute noch wohnen, wobei einer der berühmtesten der englische Schriftstelle Lawrence Durrell war, der seinen Bestseller „Bittere Limonen“ in eben diesem Dörfchen geschrieben hatte.
Gemäß Baedeker wird gesagt, dass die Abtei 1205 von Augustinermönchen gegründet wurde, die nach der Eroberung Jerusalems durch Saladin nach Zypern geflüchtet waren. Die damals herrschenden Lusignans waren zuweilen großzügige Spender. Der Niedergang von Belapais begann erst im 16. Jahrhundert, und als die Osmanen Zypern eroberten flohen die Mönche. Der Kreuzgang ist noch teilweise erhalten und benutzt wird noch immer das Refektorium mit seinem vollkommen erhaltenen Kreuzrippengewölbe. Über dem Portal, noch sehr gut sichtbar, prangen die Wappen der Lusignans, die sich dort als Könige von Zypern und Jerusalem ausweisen.
Dieser gotische Festsaal ist heutzutage Austragungsort vieler Konzerte. Kürzlich wurde ich darauf aufmerksam, dass ein Wohltätigkeitskonzert besonderer Art stattfinden würde. Ich habe nicht gezögert, dorthin zu fahren und war vom Konzert begeistert. Schon das Organisationskomitee war grenzüberschreitend und gut strukturiert. Es waren zwei Rotary Clubs, und zwar der nordzyprische „Nicosia Sarayönü Club“ zusammen mit dem Istanbuler „Ataşehir Club“ am Werke.
Der erste Teil des hervorragend organisierten Abends war europäisch klassischer Musik gewidmet. Die nordzyprische Sopranistin, Laden Ince, die in Ankara, England, Italien, Deutschland und in der Schweiz Gesang studiert hat, meisterte ihre Darbietung hervorragend. Die Auswahl ihrer Stücke war breit gefächert und führte von Mozart Arien, über Schubert und Brahms Lieder hin zu Verdi und Puccini. Sie meisterte ebenfalls die schwierige Arie „Mein Herr Marquis“ aus Johann Strauss‘ Fledermaus mit Bravur. Es ist klar, dass der jungen Sängerin an einem solchen Abend und bei einem so variantenreichen Programm nicht alle Stilrichtungen perfekt gelingen konnten – doch dennoch! Als Gesamtbeurteilung darf aber gesagt werden, dass dieser jungen Sopranistin eine erfolgreiche Karriere bevorstehen dürfte. Am Klavier begleitet sie einfühlsamn Demet Alkan, die ebenfalls eine beachtlichen Wertegang aufzuweisen hat.
Der zweite Teil des Abends bestand aus klassischer Folklore und spannte sich inhaltlich über Kontinente. Der Star war die türkische Mezzosopranistin, Serenad Bağcan, die aus einer Musikerfamilie in Ankara stammt. Sie wurde begleitet von Mehmet San, am Klavier, von Bilgin Canaz an der Ney, von Balkar Tamuçay, Trompete, und Tansu Karpinar, Perkussion. Das weitgespannte Repertoire umfasste Lieder des aus Bosnien stammenden Goran Bregovic (geb. 1950), dem Panamesen Carlos Eleta Almara (1921-2011), dem Argentinier Atahualpa Yupanqui (1908-1992), der in seinen jungen Jahren mit seiner Musik Furore in den europäischen Städten auslöste, sowei verschiedenen sogenannten anonymen Komponisten. Wer, bei einem solchen Anlass unter keinen Umständen fehlen durfte, ist die lebende Legende (wie das ZDF meint) Zülfü Lívanelí selbstverständlich gewesen. Er trug ein Lied vor.
Die Sängerin Bağcan, also, mit ihrem perfekt eingespielten Team der vier Musiker fesselte die Zuschauerschaft mit der facettenreichen Interpretation dieser sehr verschiedenen Stilrichtungen innerhalb der klassischen Folklore gekonnt. Ihre satte Stimme, die auch Höhen und Tiefen spielend meisterte, setzte sie wirklich wirksam ein. Der lang anhaltende Applaus des zahlreichen Publikums wurde ihr zurecht so erteilt.
Nach dem Konzert traten wir aus dem gotischen Saal der Anlage in Belapais in die laue Luft eines wunderschönen Spätsommerabends in den beleuchteten Patio des alten Klosters unter einen funkelnden Sternenhimmel, wo die dort nahezu perfekte Harmonie von Architektur und Musik einem erst recht bewusst zu werden schien. Letzteres, die angesprochene Harmonie, ist gewiss kein Zufallsprodukt, sondern war und ist gewollt, zumal heute noch existent – wenn auch nachgeahmt, beziehungsweise empfunden; doch nun zum Glücke den Menschen.

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Schön und gut, die Zollfreie. Dass 388 Meter Straße nun gleich mehr als 60 Millionen € auffressen und über 100 Bäume, auch wenn das in einem Zeitraum von 25 Jahren Bauzeit geschah, ist vor dem Hintergrund vieler anderer Dinge, wie zum Beispiel, dass die Minijobs wohl weiterhin die Einwohnerschaft der BRD ‚erfreuen‘ werden – insbesondere Frauen –, oder der derzeit indirekt beworbenen, steigenden Mietpreisen, schon etwas bedenklich. OK, es gibt da noch ein Tunnelstück in der zollfreien Straße zwischen Lörrach und Weil am Rhein, welches den Preis rechtfertigt, wird gesagt. Wichtig ist, die Straße ist nun endlich fertiggestellt – doch dennoch!

Und dennoch, wenn wir hier schon am Nörgeln sind, dann bestens gleich noch darüber, dass all die ‚Glücklichen‘, die nun ein bisschen schneller, eventuell, von der deutschen Seite nach Basel gelangen in ihren Karossen, das nächste Problem bewältigen dürfen – Parken. Jemand, der oft und ohne festes Ziel und Parkmöglichkeit öfters nach Basel brummt im eigenen Auto, dem wird schnell auffallen, dass im Geldbeutel der Parkgebühren wegen ein gorßes Fragezeichen entsteht.

Ja, so ein Knöllchen in der Schweiz, wissen wir nun als ebenfalls Leidgeprüfte, kostet 40 Franken, und das, wo doch eh auf einem Areal geparkt wird, welches derzeit brachliegt – am alten Bahnhof in der Nähe des Badischen Bahnhofs.

Dort parken plötzlich recht viele Autos, leider, so dass man sogar bereits morgens um 07 Uhr Schwierigkeiten hat, noch ein freies Plätzchen zu ergattern – auch nicht am 3. Oktober, dem Vereinigungstag. Und wehe dem, der außerhalb des nicht klar definierten Bereiches parkt, der wird offenbar sofort von den Schweizer Politessen “gebüsst!”

Schlechte Nachrichten habe ich also an all die Konkurrenten um den einzig – eigentlich ansonsten kostenlosen – Parkplatz in jener Gegend zu verkünden: Das Magistrat, oder wie es die Schweizer nennen, scheint noch immer damit zu liebäugeln, ausgerechnet dort ein Einkaufszentrum erbauen zu wollen. Das erzählte Herr Zaugg von der Universität Basel gestern bei einer Exkursion des Fachbereichs Geografie im Gebiet namens “Nordbasel”, also Kleinbasel.

Herrn Zaugg gleich von all den armen Parkplatzsuchenden – die nicht nur aus Deutschland kommen, sondern mehrheitlich Schweizer Kennzeichen haben am alten Bahnhof – zu berichten, wollte ich nicht riskieren, weil er eventuell erwidert hätte, die sollen doch vielleicht besser mit den Öffentlichen anreisen oder das Auto verkaufen. Lässt sich gut sagen, wenn man nicht betroffen ist. Vielleicht hätte er darauf aber auch eine andere Antwort gegeben, ja, das ist wohl wahrscheinlicher, näher betrachtet.

Nun, dort in der Erlenmattgegend Kleinbasels sei zwar viel Wohnraum geschaffen worden, erklärte Zaugg, doch wurde versäumt, den Leuten Einkaufsmöglichkeiten vor Ort zur Verfügung zu stellen. In Anbetracht der Nord- und Osttangente, die unmittelbar vor dem Erlenmatt-Quartier vor etwas mehr als 10 Jahren hochgezogen wurden, auch damit sich gewisse Leute in der Administration – politische Ebene – profilieren konnten, trotz Protesten dagegen, wie Zaugg meinte, machte, finden wir, ein Einkaufszentrum dort nun eigentlich auch keinen großen Unterschied mehr, um die Gegend total zuzubetonieren.

Es soll aber Romantiker geben, die die schön mit wildem Kraut und gelben, violetten Blumen zugewachsene Fläche dort, die scheins niemand oder nur wenige zu betreten wagen, genau so und nicht anders erhalten wollen.

Muss eigentlich alles einen Sinn und Zweck haben, der menschlichen Maßgaben entspricht?

Vergessen Sie bestens gleich diese wahrscheinlich naive Fragestellung, verehrte Leser.

Es gibt doch wirklich interessantere, ‚weniger naive‘ Themen – nicht zuletzt das aufregend ‚tolle‘ Spektakel, welches sich die Stuttgarter gestern zum Vereinigungstag gegeben haben, nachdem, was mit kritischem Unterton der SWR2 den Tag danach um 12.20 Uhr berichtete. Das angerichtete Spektakel scheint das 40 Franken Knöllchen in der Schweiz anstatt einer Fahrt nach Stuttgart zwecks Wiedervereinigungsfeier schon fast verschmerzbar zu gestalten, wie unter anderem auch den ‚hochinteressanten‘ Bemerkungen des Cem Özdemir, dem designierten, gut assimilierten Obergrünen türkischer Abkunft der Stadt, zu entnehmen war. Der Grünenpolitiker klang verdächtig wie jemand von der CSU, nur eben auf Schwäbisch, ganz auf heimatverbunden unterwegs; und wie erhebend es doch gewesen sein muss, dass beim Singen der Nationalhymne „alle“ Leute sich erhoben, meinte eine, die in einem Chor gesungen hat, wir vermuten, vor dem Stuttgarter Schloss.

Keine Angst, hier wird nun nicht des Weiteren in das allgemeine Aufgeheule der Opfer (oder gar Heimat flüchtenden Täter?) von Lambedusa miteingestimmt. Ja, noch nicht mal die angebliche Pleite des Berlusconi aus bella Italia soll uns groß jucken. Der wird ja eh nicht eingesperrt, dort, wo er eigentlich hingehört, nämlich in den richtigen Knast. Dort könnte er gewiss noch jemand finden, der seinen Drive auf Liebesspielchen der gesonderten, nicht zwangsläufig besonderen Art für vermeintlich Ewigjunggebliebene wie ihn – so ganz im Heimlichen und so – gegen Tabak, Schokolade oder andere Knastluxusgüter mitmacht. Wahrscheinlich würde sich hinter Schwedischen Gardinen der morgentlich etwas verhangene Blick in den Spiegel des Herrn Banga-Banga endlich wieder lohnen – denn es ist nicht auszuschließen, dass ihn im Knast ansonsten niemand will, auch nicht banga-tanga-passiv!

Doch nun hurtig zu den Aktiva. Da wäre nämlich die Hodegetria, die hat eine Professorin der Universität Basel vor noch nicht all zu langer Zeit im Lager des Historischen Museums von Basel ausgehoben. Das Ding, erzählte sie der interssierten Zuhörerschaft in ihrer Vorlesung zur “Einführung in die Kunstgeschichte”, sei davor gleich neben der Tür zur Toilette im Museum gehangen, bis ein Verantwortlicher befand, die Tafel ins Archiv zu geben. Hätte vielleicht wenig gefehlt, und sie wäre für einen Apfel und ein Ei verscheuert werden.

Doch Frau Professorin wurde stutzig, nachdem sie eine Kollegin aus der Restauration des Museums darauf angesprochen hatte, was eigentlich mit dieser Tafel sei. Sie forschte daraufhin und scheint sich nun offenbar ziemlich sicher, ein bedeutendes Kunstwerk vor dem Nichts errettet zu haben.

Wie zu erfahren war, hängt selbiges Bildmotiv der Tafel auch in Zypern, ja, ist deren Vorläufer gar, die Mutter Gottes mit dem Christuskind auf dem Arm, vor denen eine Person sich links unten im Bild den beiden zu Füssen wirft, wahrscheinlich nach Segen bittend. Wer demnächst nach Zypern kommt, sollte sich daher mal auf den Weg nach Lagoudera, wo eben einer der Vorgänger der Hodegetria in Arakoutissa zu sehen ist, begeben.

In Istanbul soll die Elfenbeintafel der Hodegetria – im byzantinischen Istanbul, welches bekanntlich Konstantinopel hieß – bereits im 10. Jahrhundert einen derart hohen Stellenwert in der Liturgie der orthodoxen Christenheit gehabt haben, was den Fund in Basel auch aus dieser Perspektive im Wert erhöht. Jeden Dienstag wurde die Hodegetria als Schutzgöttin der Stadt damals durch Konstantinopel getragen und versetzte die Menschen in trance-gleiches, religiöses Entzücken, so sehr, dass dänische Reisende davon sprachen, die das Schauspiel zufällig beobachtet hatten im 12. Jahrhundert, dass sie glaubten, einen heiligen Schein ausgemacht zu haben an der Tafel, ja, dass die Figur über der Menschenmenge geschwebt habe. Dass die Hodegria wahrhaft von Bedeutung war, zeigt, dass der byzantinische Kaiser empfangen wurde von der Bevölkerung die Hodegria vorantragend am Rande Konstantinopels, nachdem die Venezianer 1204 die Stadt 1261 wieder verlassen hatten, und der Kaiser aus dem Exil zurückkehrte.

Solche Legendenbildungen, wie Sie sich vorstellen können, hatten selbstverständlich ihre Nebeneffekte. Im Falle der Hodegetria ist anzunehmen, dass dieser Zwitter, weil im Grunde a-byzantinisch, da aus Holz und mit grüner Farbe im Gewand der Maria, der indes gemischt ist mit Merkmalen, die eher im Norden Europas gängig waren, weshalb die Professorin auch davon ausging, dass die hölzerne Tafel aus Südtirol stammen könne, die aus dem schweizerischen Chur nach Basel gekommen war, und aufgrund der Legendenbildungen von einem der Kreuzritter seiner Zeit im Süden Tirols angefertigt worden sein dürfte, um den heiligen Schein einer derartigen Tafel auch dort erstrahlt zu wissen.

Bekanntlich herrschte bei den Byzantinern die Annahme vor – und offensichtlich auch andernorts -, dass sich der Geist und Wirkkraft einer als heilig angesehenen Statue, Ikone oder Bild übertragen. Auch daher wurde die Hodegetria (genauer das Bild der stehenden Mutter mit dem Kind und ihrer etwas zu groß geratenen rechten Hand etc.) stets möglichst genau so nachgebildet – immer und immer wieder.

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Herr Zaugg wird bei dieser letzten Anmerkung eventuell erschrocken in sich fahren und erkennen, dass angesichts der Nord- und Osttangente in Kleinbasel, die manchem inzwischen womöglich als futuristisches Endzeitstimmungskunstwerk erscheinen könnten und demnächst noch einen Kunstpreis erhalten, durchaus Aussicht besteht, dass sein damaliger Vorschlag, die Tangenten doch bitte sehr unter das Erdreich zu legen, noch als Banausentum sondergleichen eingestuft werden könnte – eben weil derartige Bauten im Rest der Welt immer und immer wieder nachgebildet wurden und werden, wie wir alle unschwer erkennen können mit raschem Blick auf beigefügtes Bild, oben; und wie uns das Bildnis und/oder Tafel der sogenannten „Basler Hodegetria” auf Lindenholz durch die Geschichte hindurch anschaulich lehrt.

Wenn es recht erinnert wird, war und ist die Geschichte der Entwicklung einer Stadt, oder so ähnlich, das Fachgebiet von Herrn Zaugg, dem hiermit nochmals Dank ausgesprochen sei für die eindrückliche und hoch informative Exkursion.

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