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Archive for Juni 2013

 

Demnächst, am 1. Juli 2013, wird der Traum wahr: Kroatien wird EU-Staat. Irgendwie rückt der Traum vom Abenteuer und Reisen vor der Haustür, anstatt in Asien, Afrika, Australien oder Südamerika unterwegs zu sein, bei vielen durch den Beitritt Kroatiens betonter ins Bewusstsein. Dank sei der weisen Umsicht, die in Brüssels Schaltzentrale der EU herrscht und uns Europäer geradezu einlädt, doch mal im Balkan ‚das Andere‘ aufzusuchen – schon allein aus Solidarität und als Anschubhilfe. Es wird spätestens nach dem 1. Juli 2013 Zeit, verehrte Leser, Slowenien, Tschechien oder wo genau Süd-Ost-Europa anfängt, ‚zu erschließen‘ und die EU-Neuankömmlinge zu inspizieren. Klar doch, Bulgarien, Rumänien und selbstverständlich Griechenland dürfen es auch sein.
Bei solch regenreichem Wetter, wie es diesen Sommer in Mitteleuropa herrscht, liegt doch eigentlich Nichts näher für all diejenigen unter Ihnen zum Beispiel, die Spanien, Italien, Frankreich etc. “eh schon gemacht” haben.

Den Anfang zu all dem, habe ich vorgestern und gestern auf meine Weise gemacht, auch wenn Kandern noch 1000 und 1-Ding gewiss verborgen hält. Plötzlich zog es mich über den Dunstkreis von Basel hinaus, gen Süden eben. Als Frühaufsteher und jemand, der Distanzen nicht abschätzen will und kann und irgendwie sich weit entfernt wähnt in Kandern, war ich recht überrascht, bereits um 07 Uhr morgens in St. Gallen anzukommen mit dem Auto nach vielleicht knapp 2 Stunden Fahrt. Über das schöne Appenzell mit den schönen bunten Häuschen kam ich nach ausgeprägtem Rundgang durch St. Gallen so um 14 Uhr in Chur an. Jetzt, wo ich den Tag danach von dort über Bern plus weiterer Übernachtung zurück in Freiburg im Breisgau/Deutschland bin, kapiere ich langsam, dass all das wirklich verhältnismäßig nahe zueinander liegt, vor der Haustür. Als Nächstes werden Teile von Lothringen erschlossen werden, die Gegend um den Titisee, um dann endlich den weiteren Umkreis von Kandern sozusagen ‚haptisch erfasst‘ zu haben, und um mich Kandern und seiner Umgebung langsam, aber stetig zu nähern.

Basel-Stadt soll bis 2050 den gesamten Energieverbrauch nur noch durch erneuerbare Energiequellen decken. Das Atomkraftwerk in Fessenheim/Elsass/Frankreich und die Paar Atomanlagen in der deutschsprachigen Schweiz werden bis dahin wohl auch abgeschaltet sein. Fehlt eigentlich nur noch, dass ich nach 2050 immer noch mitträumen werd können. Mal Scherz beiseite: Ich finde Fessenheim ist Russisches Roulette – ein Albtraum. Es tickt wie eine Zeitbombe. Ich sehe jetzt schon die Reden und Ansprachen von führenden Politikern wie Herrn Gauck, dann nachdem die Reaktorbodenplatten ihr Versprechen nicht gehalten haben, die mit die dünnsten sein sollen in den Atomkraftwerken der Welt, wenn sie wie in Fukushima das Kontaminieren des Grundwasser nicht verhindern konnten.
Es darf davon ausgegangen werden, dass Bundespräsident Gauck und seine 150 Diplomaten, die kommenden Montag die Freiburger Innenstadt einnehmen werden, das Thema Fessenheim diplomatisch aussparen werden und von anderem Zeug uns und sich erzählen werden. Es gilt also die Innenstadt von Freiburg so um die Mittagszeit möglichst zu meiden, denn die Herrschaften geruhen sich die Ehre dort zu geben. Früher, als Grafen, Könige und solche Leutchen am Münster vorbeikamen, haben die den Montagsmarkt der Bauern und Händler wahrscheinlich auch als vorzeitig abbrechen lassen, ihrer Aura den entsprechenden Rahmen setzend – man hat ja sonst keine Zeit für nichts im gutbezahlten Amt, nicht wahr?
Schön wäre, Gauck könnte beim Redeschwingen jetzt am Montag mal zurück auf die Straße finden thematisch, und die 16 Millionen ansprechen, die in Freiburg am Rotteckring bereits nachweislich in den Sand gesetzt worden sein sollen beim Erneuern. Florian Kechs aus der Badischen Zeitung vom 29.06.13 schreibt recht lustig darüber oder davon.
Letzteres sind die Themen, schwant mir, aus denen Träume gemacht sein könnten, wie sie in der Hörkassette von Heikko Deutschmann erzählt werden, der Roberto Saviano’s Gomorrha faktenreich liest und einem danach fragen lässt: Wenn Zement mehr oder minder die Hefe der italienischen Wirtschaft gewesen sein soll, was, welches Ding ist es dann wohl im deutschen Kontext – frömmelnde Worte? Welches Etwas setzt Deutschland zusammen und welche Vision hat Gauck kommenden Montag für den realen Traum Dreiländereck?

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Der Traum einer Schweiz, wie man sie aus Heidi, St. Moritz, Arosa oder Bildern aus Interlaken zu kennen glaubt, hat mit dem Gesetzentwurf des Schweizerischen Bundesrates einen weiteren Boxer in den Unterleib erhalten. Vera Weber, eine Schweizer Umweltschützerin, wird im Bündner Tagblatt genannt, sie sagt, der Bundesrat habe einen “Kniefall” gmacht, und zwar, schreibt Sophie Alix am 28. Juni 13, “vor der Bau- und Immobilien Lobby”. Die Nationalrätin Silva Semadeni zitiert das Tagesblatt folgendermaßen: “Die uneingeschränkte Umnutzungsfreiheit von Wohnungen, die bereits vor der Abstimmung bestanden oder bewilligt waren, und auch die Querfinanzierung von Hotels durch Zweitwohnungen ist sehr problematisch. Der Vorschlag des Bundesrates ist eine Aushöhlung des Bundesverfassungstexts.” Woanders in den Nachrichten der Schweiz wird zu diesem des Gesetzentwurfs wegen getitelt: “Zu viele Ausnahmen” und “der Bund setzt auf Pseudo-Lösung” (20MinutenCH).

Und eben in Graubünden, wo der Traum der grünen, schönen Schweiz noch immer sehr ersichtlich und reizvollst wirkt und ist, soll ausgerechnet ein Kohlekraftwerk für den nötigen Strom in den Haushalten in Zukunft sorgen. Am 22. September wird dazu abgestimmt. Ob sich der Volkswille gegen die Interessen der Axpo durchsetzen wird können, den zukünftigen Betreiber der erwähnten Anlage, steht noch in den Sternen.
Hier gilt es zu wissen, dass die Schweizer Tourismus-Industrie in den letzten Paar Jahren relativ kleine Einbußen erleiden musste – der stärke des Schweizer Franken wegen vor allem. Stefan Trachsel schreibt eingangs in seinem Artikel mit der Überschrift “200 Millionen aus der Regionalpolitik für Tourismus” Folgendes im Bündner Tagesblatt: “Die Schweizer Tourismusindustrie ist im internationalen Vergleich zu teuer und zu kleinräumig organisiert. Zu diesem Schluss kommt der Bundesrat in seinem rund 100-seitigen Tourismusbericht. 90 Prozent der Hotels hätten weniger als 50 Betten, und um die Tourismusförderung kümmerten sich schweizweit 561 Organisationen, sagte Bundesrat Johann Schneider-Amann.”

Doch keine Angst, der Traum vom erfolgreichen Tourismus in der Schweiz ist längst noch nicht ausgeträumt. Langsam kommen die Touristen wieder zurück. Außerdem stellen Studien der Schweiz einen noch größeren zukünftigen Erfolg in Aussicht, weil das Schmelzen der Gletscher einerseits zwar bedauerlich sein wird, andererseits aber die Aussicht besteht, dass dadurch noch mehr Seen entstehen werden, die gewiss im Bereich Tourismus günstig zubuche schlagen und selbstverständlich auch von Nestle und Co als Trinkwasser-Reservoir genutzt werden können.
Derzeit liegen gerade riesige Decken über Teilen des Rhone-Gletschers ausgebreitet, um dessen Schmelze zu verhindern.
Es soll ja auch Leute geben, wie zu lesen ist, die gegen ihr Schwulsein beten. 20MinutenCH schreibt: “Die grösste christliche Ex-Gay-Organisation Exodus International liess eine rosarote Bombe platzen: Sie löste sich auf, weil es trotz Therapiearbeit nicht gelungen sei, dass der heterosexuelle Funke auch auf homosexuelle Gläubige übersprang.” Manche haben über 10 Jahre erfolglos gebetet. Das soll besagen: Beide Träume sind schon längst ausgeträumt, doch der Traum einer weiterhin schönen Schweiz noch nicht!

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Endlich ist es wieder so weit, hatte ich mich gefreut und meine Freundinnen dazu angestiftet mitzukommen. Zum 16. Mal fand das Europäische Tanzfestival in Limassol statt, Zypern. Vielleicht hört sich Tanzfestival für Sie, verehrte Leserinnen und Leser,  zu unspezifisch an. Nun, man könnte diesen alljährlich wiederkehrenden Event auch schönreden zum Festival des modernen Tanzes.

 

Es ist wohl nicht untertrieben, wenn ich sage, seit Jahren begeisterte Zuschauerin dieses Festivals zu sein. Sollte ich nicht im Ausland weilen, dann konnte man bislang mit meiner Präsenz dort auf jedenfall rechnen. Ich lasse möglichst keine Vorstellung aus. Das, was dargeboten wird, ist stets schön weit gefächert gewesen, wenn so gesagt werden darf, so dass für jeden etwas dabei war. Die gewagtesten Choreografien ließen stets und gern zwischen Verwunderung und Bewunderung oszillieren – stellten meine geschmackliche Toleranz meist derart auf die Probe, dass mit einem freudigen und einem weinenden Auge nach Hause gegangen wurde.

 

Das gute an Darbietungen, die einem wenig bis gar nichts sagen, war bislang, dass sie es meistens sind, die den Gesprächsstoff mit Freunden und Bekannten auf ihre Weise anreichern. Versteht sich, dass wir viel lieber das Schöne, die schönen Momente eines Festivalbesuchs ehren, kommentieren und in Erinnerung rufen.
Doch Sie wissen ja, wie das ist. Die Tanz-Stückchen, die von uns durch den Kau-Kau gezogen werden, bieteten zumindest als noch Anlass, ein Witzchen oder zwei zu machen. Das Leben ist doch so schön und warum sollten wir in die Jahre Gekommenen uns diesen kleinen Spaß nicht gönnen? Doch diesmal… .

 

Die Betonung liegt bei diesem Tanz-Festival auch wieder auf international. Tanzgruppen aus den meisten Ländern Europas warteten mit ihrer ‚Kunst‘ auf, jemand aus Kroatien, war allerdings noch nicht dabei. Ich schätze, die müssten in Kroatien, welches ja demnächst ein EU-Staat sein wird, recht interessante Aufführungen zuwege bringen können. Bekanntlich war der ehemalige Osten in Sachen Tanz und Kultur alles andere als zurückgeblieben.

 

2012-01-01 09.48.02

 

Cranes in the harbour of Limassol, Cyprus

Cranes in the harbour of Limassol, Cyprus (Photo credit: Wikipedia)

 

Im Laufe der 16 Jahre des Tanzfestivals von Limassol muss ich leider vermelden, als jemand im fortgeschrittenen Alter, doch noch nicht zum alten Eisen gehörend, dass sich das, was bei dem Festival Tanz sein soll, mehrheitlich von vitalen, schön anzusehenden Sprüngen und Schrittkombinationen, klassisch oder klassizistisch, zu einer Art Bodengymnastik mit womöglich Thai Chi-Einlagen oder dergleichen gewandelt hat.

 

Und wieder einmal, so auch das Jahr davor, war Musik zu hören, die mir völlig ungeeignet erscheint, um darauf Tanzschritte, die Geschichten erzählen oder begleiten setzen zu können. Und so wanden sich die Tänzer und Tänzerinnen Würmern gleich auf dem Boden ausgedehnt zeitlich lange, walzten über die Bühne, mal langsam, mal schneller, mal schritten sie sogar. Das alles taten sie wie in einem Irrgarten befindlich, von einer Ecke in die andere ohne erkenntliches Ziel, Harmonie, Anmut. Kann gut sein, dass zu unserer Erheiterung Purzelbäume geschlagen wurden. Ich persönlich hätte darauf gern verzichtet, weil bei Bedarf an Bodenkontakt verzichte ich dann lieber auf meine Strandliege und lege mich in den Sand auf einem Handtuch, ehrlich gesagt.

 

Im Gegensatz zu vor ein paar Jahren, fand ich, sind dieses Jahr, egal aus welchem Land, gar keine Darbietungen mehr zu sehen gewesen, wo mein ästhetisches Empfinden noch mit angesprochen hätte werden können.

 

Das ist wirklich sehr schade gewesen!

 

Die sogenannten Kulturmacher in Zypern scheinen zeitgemäßen Tanz der untersten oder abwegigsten Kategorie mit dem zu verwechseln, was andernorts als zeitgemäßer Tanz durchaus auch Menschen wie mich begeistert in die Sitzlehne fallen lassen kann, wo dann immer aufgepasst werden muss, dass man die Beine nicht in die Hohe (mit)schlägt.
Ja, so ein Spagat, eine Pirouette, so viel Schönes eben, was Tanz dem Auge und dem Geist bieten kann, das war in Limassol 2013 leider nicht zu sehen.

 

Nun mag ich den Verantwortlichen in Limassol hiermit verkünden, ja, versprechen, dass eine treue Besucherin dieses Tanzfestivals beschlossen hat, ihr Erscheinen zu diesem Event einzustellen. Diesen Entscheid schreibe ich weniger meinem Alter zu. Es ist eher eine Frage des Stils!

 

Doch Sie kennen ja die Unverbesserlichen. Und schon fand ich mich dort nochmals ein, der Ausnahme von der Regel wegen, nämlich, um den deutschen Beitrag doch noch zu sehen. Der Hafer hatte einfach zu sehr gestochen. Diesen Beitrag konnte ich mir nicht entgehen lassen, dachte ich.
Und dann was kam?
Auf der Nostalgiewelle Pina Bausch hat ihr enger Mitarbeiter und international bekannter Tänzer Lutz Forster herumgeritten. Das nannte er „Porträt eines Tänzers“. 45 Minuten lang hat er einem nicht sehr zahlreichen Publikum von sich erzählt und dazu einige kurze Tanzeinlagen aus den berühmtesten Choreographien der Bausch eingelegt – und das war’s dann auch schon!

 

Bei einem Theater Festival hätte ich gesagt, eine recht gute Ein-Mann-Show. Unter Tanzfestival verstehe ich allerdings etwas Anderes.

 

Schade für die Kosten, auch wenn ich für den subventionierten Preis von €5.00 reingekommen bin. Stellen Sie sich vor, wie ‚toll‘ die Darbietungen im internationalen Tanzfestival von Zypern gewesen sein müssen, wenn sogar so ein geringer Betrag schon anfängt zu schmerzen – ganz abgesehen von der vertanen Zeit.

 

 

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Die Gezi-Park Getreuen!

Als ich ein Jugendlicher war, war Rock und Blues angesagt. Schlager hören oder Funk und Soul, war äußerst uncool, dort, wo ich mich aufhielt. Man hatte aus irgendwelchen Gründen dem Lager, welchem man sich zugehörig fühlte, oder glaubte zuzugehören, treu zu sein.

Die Getreuen der vermeintlich revolutionären, friedfertigen und, versteht sich, jugendlichen im Gezi-Park, oder wie man die nennen darf, hatten sich gestern Abend zu einer Veranstaltung über die Ereignisse am Taksimplatz von Istanbul eingefunden. Wenig junge Menschen waren da zu sehen, eher alle so in meinem Alter im Durchschnitt, also um die 50. Kann gut sein, dass viele der Anwesenden ihre Ideale aus ihrer 68er Jugend in Istanbul aufgewärmt erkennen, wiederentdecken, und deswegen sehr emotional unterwegs sind und waren beim Thema Gezi-Park.

Wie dem auch sei: Die Badische Zeitung in Freiburg hatte in ihren Räumen zu dieser Veranstaltung eingeladen. Eintritt war zum Glück frei. Es fing dann auch pünktlich an. Der Raum war nahezu voll, alle fanden einen Sizplatz.

Herr Erler, Politiker aus dem Außenministerium, genauer: seines Zeichens ehemaliger Staatsminister unter der Rot-Grünen Regierung in diesem Ministerium, wurde uns vorgestellt als einer derjenigen, die auf dem Podium Platz nehmen werden. Er hat zur Annäherung und Integration der Türkei in die EU gearbeitet. Desweiteren wurde eine Politikerin namens Sarikas aus Konstanz vorgestellt. Sie ist im Ortsverband Konstanz tätig und sitzt in zahlreichen Ausschüssen und Gremien, die sich mit dem Thema Integration beschäftigen. Moderiert hat eine Journalistin der Badischen Zeitung aus der Politikredaktion, Frau Rösch, die seit Jahren zu diesem Thema schreibt.

Sie fragte sich einleitend, ob sie sich über all die Jahre von Erdogan habe täuschen lassen, und dass ihre Berichterstattung über die Türkei im Allgemeinen wohlwollend gewesen ist. “Bin ich ihm auch auf den Leim gegangen? Man hat von Kemalisten immer wieder gehört, er ist ein Wolf im Schafsfell und er will ja im Prinzip nur einen islamistischen Staat errichten, auch mit Hilfe der EU.”

Frau Sarikas übernahm die Rolle der Augenzeugin der drei Personen vorne auf dem Podium.

Gut und schön.

Nur was die Augenzeugin Sarikas auf Fotos festgehalten hatte und kommentierte, war, mit Verlaub, schlichtweg mies: mies in der Aufnahmequalität, ungenügend die Erklärungen, die sie dazu abgab. Die Maske der Anonymus bezeichnete sie einmal als “Erdogan-Maske”. Die Organisation Anonymus schien sie gar nicht zu kennen („Maske“).

Die Zeitzeugin Sarikas war in Istanbul also für 4 Tage (8.6 – 12- 06.) unterwegs und war eigentlich in anderer Mission in die Türkei gekommen – um die türkisch-kurdische Sache (“Biografiegespräche”) zu bearbeiten. Wieso sie dann vom Flughafen, wie sie meinte, direkt an den Taksimplatz fuhr und ob sie ihre ursprünglich ins Auge gefasste Arbeit dennoch durchführen konnte, ging irgendwie unter bei dem Wirrwarr, den sie in der Folge von sich ließ. Das Letztere hat uns auch nur dann zu interessieren, wenn sie nicht irgendwelche Steuergelder in irgendeiner Weise in Anspruch nehmend unterwegs war in der Türkei. 

Das erste Bild, welches Frau Sarikas zeigte, und das zeitlich lang, könnte als Warnung bezüglich dessen, was diese Veranstaltung noch bringen wird, fungiert haben. Leider hat sich diese Befürchtung dann auch schnell bestätigt – nachdem Sarkas ihren Mund die ersten paar Male aufgemacht hatte. Auf dem Bild war schummerig eine junge Person zu sehen, die im Schneidersitz hinter einer Art Kiste saß. In der Kiste waren einzelne Zigaretten zu sehen und irgendwo stand schwarz-weiß geschrieben auf Türkisch: “Lasst uns Zigaretten teilen!” Keines der Bilder zeigte Auseinandersetzungen mit der Polizei, keines der Bilder ließ Zweifel an der Friedlichkeit der Aktionisten zu (“die haben alles selber sauber gemacht”). Frau Sarikas schien die negative Message, die die von ihr im Foto festgehaltene Nikotin-Börse auch noch mit sich trägt, völlig abgegangen zu sein. Der Ge/Missbrauch von Nikotin ist in der Türkei eine ganz andere Dimension, ungefähr vergleichbar mit dem in Deutschland in den 50er Jahren, als Nikotin sozusagen noch voll integriert und angesagt war.

Ich glaubte heraushören zu können, dass Frau Sarikas die Solidarität der Anwesenden im Gezi-Park mit diesem Foto transportieren wollte – auch wenn Frau Sarikas das Wort Solidarität nicht ein einziges Mal in ihrem Sprachschatz fand. Doch dass sie Kurdin und Deutsche ist sowie deutsche Politikerin ist und dass man ihr ihre kurdische Sprache im Alter von 6 Jahren “Schlägerei gemacht hat”, also herausgeprügelt hat, sodass sie sich noch nicht einmal mehr mit ihrer Großmutter unterhalten konnte, konnte sie so in etwa formulieren, wie sich aber zeigte, nicht für alle im Raum genügend verständlich.

Ihr Vortrag war ein einziger Schiffbruch, sondergleichen – und zwar vor allem inhaltlich. Es muss ihrem Bericht zufolge im Gezi-Park so etwas wie der Garten Eden geherrscht haben. Kurden tanzten freudig mit Kurden und auch anderen, und das sogar in der Nähe ihrer ideologischen Feinde, den Grauen Wölfen. Ein Bild, wo, glaube ich zu erinnern, eine kurdische Flagge zu sehen war und jemand, der das Handzeichen der nationalfaschistischen Grauen Wölfe machte, sollte diese Einheit, die geherrscht habe, belegen.

Frau Sarikas fing ihren Augenzeugenbericht folgendermaßen an: Sie sei direkt vom Flughafen zum Taksim gefahren. Dort sind eine Million Menschen gewesen. Keine Ahnung, doch ich könnte eine derartige Menschenmasse nicht bemessen darin befindlich. Es habe dort keine „Penner“ gegeben, wie Erdogan die Anwesenden im Gezi-Park genannt hat. Bei einer Million Menschen wird Frau Sarikas mit derartiger Bestimmtheit doch wohl nicht sagen können, dass es keine Penner gab!

Und dann, was ist denn bitte sehr ein Penner und wann ist jemand so jemand? Und was ist ein Penner im türkischen Kontext und dann erst noch im Verständnis von Herr Erdogan? Und was ist ein Penner für Frau Sarikas, der Deutsch-Kurdin, die in der Türkei, in Istanbul unterwegs ist? Wie kann sie so eine Aussage machen (“keine Penner gesehen”). Und ist Penner eigentlich das richtige Wort, um “çapulcu” widerzugeben im Deutschen? Außerdem hatten sich viele Aktivisten im Gezi-Park ausdrücklich dazu bekannt „çapulcu“ zu sein, nachdem Erdogan glaubte, sie so abwertend bezeichnen zu können.

Wohl auch weil Frau Sarikas sich so betont Kurdisch gegeben hat, hat sie in der anschließenden Diskussionsrunde der Veranstaltung jemand mit Bart und muslimischer Kleidung gefragt, ob sie denn überhaupt Türkisch verstehe? Sie hatte zwar davon gesprochen, dass man ihr die Muttersprache, also Kurdisch, ausgetrieben hatte und türkisch „assimiliert“ habe, wenn ich so sagen darf, doch scheinen ihre Ausführungen offensichtlich zu unverständlich rübergekommen zu sein  – der Fragesteller sprach exzellentes Deutsch.

95% der Anwesenden im Gezi-Park seien jedenfalls Jugendliche und Studenten gewesen, meint Frau Sarikas beurteilen zu können. “…Hell wach, wirklich nicht apolitisch, interessiert! Ich hab in diesen 3-4 Tage mindestens mit 3-400 Junge, Alte, gesprochen. Warum die hier sind? … .”  Alle Parteien der Türkei sind Sarkas zufolge anwesend gewesen, alle. Auch Armenier, Griechen etc. Und dann plötzlich behauptete sie und schon längst nicht mehr Bericht erstattend, sondern Meinungen von sich gebend und formend, Erdogan sei ein Diktator, er könne mit seiner Machtfülle nicht umgehen. Und so ging das dann weiter – Objektivität, Fehlanzeige!

Es ist hier nun wirklich nicht unsere Absicht, die Sprachweise und Sprachbeherrschung des Deutschen von Nicht-Muttersprachlern an den Pranger zu stellen. Doch man darf sich doch woh fragen, was denn bitte sehr ein/e Politiker/in im Amt überhaupt zu tun im Stande ist mit derartig großen Sprachmängeln wie sie bei Frau Sarikas aufwies. Die Badische Zeitung hätte gut daran getan, sie meinetwegen im Publikum sitzend in der Veranstaltung gehabt zu haben, wo ja auch andere Zeitzeugen der Geschehen vom Gezi-Park anwesend waren, wovon sich – mindestens – zweie zu Wort meldeten.

Die Art und Weise, wie das geschah, war aus meiner Sicht etwas befremdend – die beiden saßen nämlich zufällig gerade vor und neben mir. Es kam einem so vor, als hätten beide, wahrscheinlich türkische Staatsbürger, ihr Abenteuer Gezi-Park bzw. Florya (“Florya ist wie Taksim-Park”) geradezu an den Mann, die Frau, bringen müssen. Leider geschah das auffallend unkritisch, distanzlos und schon etwas sensationslüstern (“ich war auch Augenzeuge”). Die Aussage, dass der Istanbuler Stadtteil Florya auch wie der Taksim-Park sei, die der Herrn vor mir sitzend getan hatte und Angst um seinen 16 jährigen Sohn hatte, zeigt, wie die Wahrnehmung von Menschen, sagen wir, beeinträchtigt werden kann durch irgendwelche Faktoren – wie zum Beispiel geografische Distanz. Diese Aussage seinerseits ist wie, als wenn jemand sagte, der Stadtteil Dahlem in Berlin ist wie der Potsdamer Platz oder Kandern ist wie Freiburg. Hallo, gehts noch!

Der Vorwurf einiger offensichtlich muslimisch angehauchten Zuhörer im Saal, dass die Berichterstattung und abgegebenen Stellungsnahmen auf dem Podium eintönig und einfarbig seien, muss hier vollauf – leider – unterstützt werden. Herr Erler trug seinen Teil dazu mit Bravur bei. 

Herr Erler sei auf die Badische Zeitung zugekommen vergangene Woche, sagte Frau Rösch in der Einleitung dieses Abends, und habe vorgeschlagen, eine Veranstaltung zu machen (“vom Taksimplatz zum Unrechtsstaat”), in der Augenzeugenberichte widergegeben werden mit anschließender Diskussion. Versteht sich, dass Frau Rösch von der Politikabteilung der Badischen Zeitung auf diesen Vorschlag gern einging. Es ist uns hier nicht bekannt, inwieweit Frau Rösch Herrn Erler kennt, doch ob er die ‚richtige‘ Wahl war für diese Veranstaltung, ist nach dem, was er von sich gab, mehr als zu bezweifeln – wobei bei Frau Sarikas kein Zweifel diesbezüglich besteht. Es hätte ruhig noch jemand Teil nehmen sollen, der sich mit der Materie Türkei wissenschaftlich beschäftigt. In Freiburg laufen davon gewiss Hunderte herum. 

Anfänglich war Herr Erler nicht schlecht. Informierte über die Lage der Türkei, dass sie eine Art Schaltstelle geworden sei geostrategisch, und dass Erdogan daran einen gewissen Anteil gehabt habe mit seiner Politik. Doch irgendwie schien Herrn Erler der Fachterminus Regionalmacht abhanden gekommen zu sein. Er schoss sich geradezu darauf ein, Erdogan und die Politkabsichten seiner AK-Partei globallistische Ambitionen a la USA oder meinetwegen der EU zu unterstellen. So größenwahnsinnig, finden wir, kann Erdogan gar nicht sein – zumindest jetzt nicht. Diese Übertreibung färbte dann auch Weiteres, was Erler von sich gab.  Dass die Türkei inzwischen sich völlig von der ausgegebenen Politik distanziert habe, möglichst keine Konflikte mehr mit den Nachbarn zu haben, meinte Erler. Dass die Türkei sich nicht zur Genüge anstrenge, die Verhandlungen mit der EU zu führen. Und irgendwie war es immer die Türkei, die eine Bringschuld hat und hatte bei den Ausführungen Herrn Erlers. Doch dass die Politiken der EU zuweilen alles andere als produktiv sind im Annäherungsprozess EU-Türkei war Erler aber auch nicht ein einziger Nebensatz wert.

Ärgerlich war die Veranstaltung inhaltlich eigentlich die ganze Zeit über und am liebsten wär ich aufgestanden. Doch es sollte noch ärgerlicher werden, und zwar in der sogenannten Diskussionsrunde.

Eine ältere Dame ergriff sogleich das Wort. Wie sich herausstellte, war es Frau Scheel, die Frau des ehemaligen Bundespräsidenten. Nun egal, wer sie ist oder darstellt, doch dass man sie ausbuht und beim Reden massiv unterbricht, nur weil sie eine gegenteilige Meinung äußert (“die jungen Menschen dort sind doch wohl eher Anarchisten”), fand ich sehr unerträglich. Die das taten, taten genau das, was Erdogan den ganzen Abend über vorgehalten wurde – keine Toleranz zu haben, in Sippenhaft zu nehmen und solche Dinge halt. Dass ‚ganz normal aussehende Zuhörer‘, scheinbar überwiegend Deutsche, so reagieren können und wie ein böser Mob nur die Meinung von Ihresgleichen akzeptieren, ließ bei mir insgeheim die Frage aufkommen, ob Teile der Leserschaft der Badischen Zeitung etwa der Berichterstattung dieser Zeitung wegen so von sich und ‚ihrer‘ Weltsicht überzeugt handeln – wie verblendet, alles andere als offen?

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English: Logo of University of Cyprus.

English: Logo of University of Cyprus. (Photo credit: Wikipedia)

Futterneid gibt es bekanntlich nicht nur unter Tieren, obgleich ja lediglich bei Tieren die Bezeichnung Futter für Essen gebräuchlich ist. Das Futter, von dem im Folgenden die Rede sein wird, ist daher das, welches einst in klingender Münze ausbezahlt wurde und heutzutage immer mehr nur noch als Betrag auf gewissen Konten erfasst oder abgerufen wird/werden kann. 

Es wird neuerdings der Ruf nach einer Art Gehaltsliste lauter, die die Gehälter der Professoren der Cyprus University aufzeigt. Diese Uni ist eine staatliche.

In der griechischsprachigen www.philenews.com titelt am 19.06.13 Christina Kiriakidu: „Professor mit dem Gehalt des Präsidenten 165.000 €.“

Anscheinend gibt es einige Lehrkräfte an der Universität von Zypern, die sogar auf über 200.000 € im Jahr kommen sollen. Das geschieht allerdingt mit Zusatzeinkommen, die sich durch Forschungsprojekte, Zertifikat-Vergaben und dergleichen ergeben, Kiriakidu zufolge. „Das gibt es in keinem anderen europäischen Staat“, entrüstet sie sich.

Andreas Thermistokleus von der DISI-Partei Zyperns giftete den Dekan der Universität von Zypern, Herrn Kosta Christofidis, dieser Angelegenheit wegen folgendermaßen an: „Sie logen da wohl unverfroren!“

Chistofidis widerspricht diesem Vorwurf und sagt: „es gibt nicht einmal einen Professoren, der soviel Geld erhält.“

Der DISI-Mann Themistokleus beharrt aber weiterhin auf seinen Anwerfungen und weist mit Nachdruck auf die hohen Nebenverdienste.

Wahrscheinlich, um diese Diskussion zu einem Ende kommen zu lassen, nehmen wir an, ließ Charis Charalambus, Berater der Uni, nachforschen. Man kam sodann zu dem Ergebnis, dass eine Lehrkraft der Kategorie A15-A16 an der University of Cyprus, scheinbar ist das die höchste Gehaltsstufe, lediglich ein Gehalt von 92.000 € im Jahr bezieht. Nur über Nebeneinkunfte, wie die oben beschriebenen, sei es möglich, wurde festgestellt, auf 165.000 € das Gehalt eines Professoren an dieser Uni aufstocken zu können.

Themistokleus von der DISI besteht nun aber dennoch beharrlich auf eine öffentlich einsehbare Gehaltsliste; und Jorgos Loukaides von der zyprischen AKEL-Partei fügt dieser Forderung hinzu, dass dann auch gleich eine Liste für die Nebeneinkünfte (von wo, wie und wann bezogen) beigefügt gehört – vor dem Hintergrund der ökonomischen Krise im Lande allemal.

Dass an der Universität durchaus zu respektierende Arbeit geleistet wird, meint Themistokleus, die es zu würdigen gilt, zumal der Krise wegen mehr Studenten als jemals zuvor akzeptiert und eingeschrieben wurden und die Qualität der Lehre darunter bislang nicht leidet, sei beachtenswert und stünde außer Frage.

Wie zu erwarten, konnte nicht ausbleiben, dass sich zu diesem Thema auch noch jemand von der DIKO-Partei zu Wort meldet. Herr Jorgos Prokopius von der DIKO verweist darauf, dass unbedingt sogenannte Vergütungen, Diäten und dergleichen, die Professoren und Lehrkräfte an der Uni erhalten, fein-säuberlich aufgelistet gehörten – und zwar sollte das geschehen, entgegen dem, was im Gesetz geschrieben steht. Das heißt, alle, nicht nur einige, derartige Zahlungen oder Eingänge müssten unbedingt aufgelistet werden.

Jorgos Tasos von der Kommission, die diesen Dingen nachspürt, wundert sich, dass noch immer solche Zahlungen möglich sind, also gewisse finanzielle Zulagen (Diäten), zumal der Wirtschaftsminister dieselben doch schon längst gestrichen habe, schreibt Christina Kiriakidu.

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Die englische Krone, die Zypern über 80 Jahre verwaltete, machte sich damit einst viele Feinde.
Die Hassliebe vieler Zyprioten gegenüber der einstigen Kolonialmacht, der Briten, hat bis zum heutigen Tag irgendwie bestand, obwohl die Briten immer noch die meisten Touristen im Land stellen. Und unter den sogenannten Ex-Pat, der Gemeinschaft ansässige Ausländer, führen die Briten ebenfalls mengenmäßig an.

Die in der Unabhängigkeitserklärung der Republik Zypern festgelegten souveränen britischen Militärbasen bringen auch heute noch enorm viel Geld ins Staatssäckel der Insulaner. Die englischsprachigen Schulen werden ihrer Qualität wegen geradezu überrannt und zyprische Studenten ringen geradezu um Plätze an britischen Universitäten in England. Kurz: kulturelle Anlässe aus dem Königreich werden im Allgemeinen und trotz allem zahlreich und gut besucht auf Zypern. Dennoch wird den Briten in der zyprischen Politik sprichwörtlich der Schwarze Peter gern zugesteckt.

Wir erinnern: das „Anglo Cypriot Theatre“, kurz ACT genannt, wurde vor über 30 Jahren in sozusagen echt englischer Tradition gegründet. Dieses Amateur Theater, welches für jedes seiner Produktionen ein neues Team zusammenstellt, könnte von seiner Organisiertheit her durchaus als professioneller Theaterbetrieb durchgehen. Dem Theater ist etwas ganz Essenzielles zu eigen: gute Sprache, Talent/e, Freude am Spiel und einen fabelhaften technischen Stab.

Auch in diesem Jahr wartete diese Truppe mit einem Beitrag auf. Das eingeübte Theaterstück für diesen Sommer, welches Mitte Juni an drei Abenden im Hof der Englischen Kathedrale in Nikosia aufgeführt wurde, war Jane Austens „Pride and Prejudice“ (Stolz und Vorurteil) – ein Klassiker also. Bekanntlich ist dieses Stück eines der bekanntesten und meistgelesenen Werke der früh verstorbenen englischen Novellistin des ausgehenden 18. Jahrhunderts.

Constance Cox ist zu verdanken, diesen Roman auch auf der Bühne erleben zu können als Zuschauer, da sie den Stoff entsprechend adaptierte.
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Wie nicht anders zu erwahrten war, hat auch dieses Jahr niemand aus dem Team des Anglo Cyprian Theatre bei der Aufführung gepatzt, und es gelang vortrefflich, den Zuschauer in jene Zeit der Jane Austin mit hinüberzunehmen, die Zeit der wohlsituierten Landfräulein mit ihren familiären und beziehungstechnischen Problemchen in bekannt steifer, vornehmer Atmosphäre.
Die Hintergrundmusik zum aufgeführten Stück war sehr gut ausgewählt, der Ton und die Lichtgestaltung schienen optimal gewesen zu sein für den offenen Raum.

Der einzige Wehrmutstropfen war indes, dass die Bühne leider nicht erhöht angelegt wurde. Schon ab der vierten Reihe waren die Darsteller vom Zuschauerraum aus ziemlich sicher nicht mehr zu sehen. Es darf davon ausgegangen werden, dass das Publikum in den hinteren Reihen ’not amused‘ war. Bleibt zu hoffen, dass nächste Jahr ein solch wichtiges Detail nicht wieder als Spaßverderber derer in den hinteren Reihen auftreten wird und dieselben während der Aufführung zwischen Hass und Liebe hinundherwirft gefühlsmäßig.

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Bern - Schweiz

Bern – Schweiz (Photo credit: Ronile35)

Zur Klärung der Überschrift:

Sie haben doch bestimmt schon mal jemanden sagen hören: “das ist mir zu bunt!” Damit könnte gemeint gewesen sein: zu abgedreht, zu vielfältig, zu verworren oder gar verrückt sei etwas gewesen.

Wollen wir mal gleich in Richtung Schweiz gehen, wenn wir uns das Wort Rad ansehen. Versteht sich, dass Ihnen da als erstes der Schriftsteller Hermann Hesse einfällt, der ja auch mal kurz in Basel wohnte. Kann gut sein, dass er damals dort wohnend sein Werk “Unterm Rad” verfasst hat. Jedenfalls haben Räder etwas rundes an sich, man gelangt bei deren Kreisrund irgendwie immer wieder an den Ausgangspunkt zurück. Und wie würde dazu Herr Wowereit in Berlin gesagt haben: “Und das ist gut so!”

Ja, die Art Basel ist zyklisch wie der Gang eines Rades und wurde daher wieder angeknipst, diesmal in den neuen Hallen der Messe unter anderem. Es stehen sogar einige Kunstgegenstände in der Stadt herum, in Kleinbasel zum Beispiel. Dieser regelmäßig wiederkehrende Event versteckt sich keinesfalls, oder ist nur für eine Art auserlesenen Kreis gedacht. Obgleich, Letzteres könnten die wahrscheinlich nicht gerade billigen Eintrittspreise durchaus vermuten lassen. Auf die Schnelle sich noch zu akkreditieren als Journalist, ist jedenfalls verunmöglicht – so ein toller Event ist das also. Ob diese Verunmöglichung ok ist oder nicht, darüber lässt sich streiten.

Der Snowden-Fall zeigt, dass, zum Beispiel die Schweiz, im Streit mit den USA gar keine Möglichkeit hat und hatte, etwas zu verschweigen oder gar zu verheimlichen – denn alles wird und kann ausspioniert werden, bevor irgendwelche installierten Sicherheitssysteme überhaupt wirksam werden können.

Snowden war unter anderem in Genf stationiert als CIA-Agent, und zwar in der Funktion eines Botschaftsattache, und dies zum Zeitpunkt, als ein Schweizer Banker ‚runmgedreht‘ wurde, versteht sich, zum Informanten. Eine Art neue Identität wurde ihm einverleibt, ja, die Nation fing er gar an zu verraten – zumindest in Teilen. Doch dazu später etwas mehr.

Das Magazin Nr. 24, eine Beilage des Tages-Anzeigers und der Basler Zeitung der Schweiz, schrieb und schilderte für unseren Geschmack recht bunt: “Die Schweiz, als Hort von Identität existiert nur noch in Form von Ironie (für die Schweizer vordringlich). Die neuesten Bars in Zürich heissen Huusmaa oder Dini Mueter: Die Lampenschirme sind rot-weiss kariert, die Männer tragen Bärte, rote Socken und Rucksäcke mit Lederriemen, … , und ihre Freundinnen flechten ihr Haar zu Zöpfen,… .”

Das Magazin spricht des Weiteren von “Neobiedermänner”, wir bevorzugen allerdings von Nostalgie zu sprechen bezüglich des geschilderten Phänomens einer Hinwendung zu traditionellen Erscheinungsformen, wollen wir es vorsichtshalber mal nennen. Es macht wohl so manchem Spass, das Rad ein zweites Mal zu erfinden, wahrscheinlich auch der Nostalgie wegen.

Zypernundmehr-News ist nun geneigt, folgende Behauptung des Autoren Aliiskenderr mitzutragen und somit nicht zu streichen: Die Verschärfung des Asylgesetzes der Schweiz steht in Zusammenhang mit der ausgebrochenen Nostalgie-Welle!

Und dass die Schweizer – leider – entschieden haben, den Bundesrat weiterhin nicht direkt-demokratisch zu Wählen bei einem Referendum kürzlich, lässt in erwähnte Richtung schließen – denn wohl nur Nostalgie, oder dergleichen, hält derartige Widersprüche eines Wahlergebnisses aus, macht ihn jedenfalls erklärbarer, denn Kleinigkeiten wie ob eine Brücke, eine Statue etc. errichtet werden sollen, darüber wollen Herr und Frau Schweizer basis-demokratisch abstimmen. Nur halt nicht, könnte man denken, wenn es ums Eingemachte geht!? 

Und wenn wir hier nicht all zu sehr falsch liegen, schlägt das Rad Schweizer Verfasstheit in etwa so: der Bundesrat ist es, der die Mitglieder bestimmt, die in der Konkordanz tätig werden (siehe Artikel davor). Folglich haben die Schweizer mit erwähntem Stimmentscheid eventuell nachhaltig verpasst, den großen, wirklich demokratischen Wurf in Europa, ja in der Welt, zu landen – nämlich, eine noch mehr basis-demokratisch regierte Schweiz zu installieren mit der Wahl des Bundesrates durchs Wahlvolk.

Vielleicht ist das soeben Erwähnte Ihnen ja doch zu bunt, weil den großen Wurf könnte der Schweizer Bundesrat vielleicht auch landen, wenn “die Verlogenheit” der „USA und Grossbritanniens auf[ge]deck[t würde], welche die Schweiz [angreifen] und gleichzeitig Steueroasen unterhielten (siehe Tages-Anzeiger vom 15.06.2013).”

Kurz: die Abkehr vom Bankgeheimnis der Schweiz scheint bereits beschlossene Sache zu sein und stößt auf “breite Akzeptanz” (Tages-Anzeiger, S.1).

Das Stichwort im obigen Kontext ist also: “Wende [beim] automatischen Informationsaustausch des Bundesrats (siehe Tages-Anzeiger 15.06.13).”

Diese Wende scheint durchaus Sinn zu machen, zumal der Info-Austausch zum internationalen Standard wird. Genauer: das Bankgeheimnis der Schweizer Banken wird weiterhin bestehen, nur unrechtmäßig erworbenen Geldern wird zukünftig der Gar schon viel früher ausgemacht. Bern erhofft sich im Gegenzug dafür erleichterten Zugang von Schweizer Banken auf dem europäischen Markt. Schweizer “Verlässlichkeit und Sorgfalt [der] Bankangestellten und die Vertraulichkeit im Umgang mit Bankkundendaten im Regelfall”, schreibt der Tages-Anzeiger auf S.2, wird der Kunde weiterhin gegenüber anderen Anbietern in diesem Gewerbe sicherlich bevorzugen.

Abgeltungssteuer ade?

Sie erinnern: “Die Abgeltungssteuer, die auf einer anonymen Quellenbesteuerung von Vermögenserträgen basiert, ist mit Österreich und Grossbritannien in Kraft getreten. Noch im Dezember 2012 hat sie der Bundesrat (der Schweiz) als offizielles Angebot der Schweiz zur Beilegung des Steuerstreits (mit den USA und der BRD etc.) bezeichnet (siehe Tages-Anzeiger S.2).”

Wir gehen davon aus, dass die vorgeführte oder vollbrachte Schlitterpartie der Schweizer Politik gewisse Kreise ermutigen dürfte, die von der Schweiz erhoffte Mitgestaltung in Sachen automatischem Informationsaustausch, so zu gestalten, dass die Schweiz erneut oder weiterhin sich den Vorstellungen anderer anpasst, und dann angeblich Unvereinbares plötzlich wie aus eigenem Antrieb ganz einleuchtend und vereinbar finden wird – und diesen ‚eigenständigen Akt‘ entsprechend dem Wahlvolk verkaufen wird.

Wohl auch daher bleibt die S-Partei der Schweiz vorerst noch beim “Nein!” zu dem plötzlichen Umschwung in der Einstellung in Bern bezüglich des automatischen Informationsaustausches.

Die vollbrachte Schlitterpartie oder -kurs der Eidgenossen erinnert uns irgendwie an den zyprischen Politik-Stil, wie deren Bewältigung der Anforderungen der EU in Sachen Finanzkrise hinreichend belegen dürfte.

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Zick-Zack-Bewegungen auf politischem Terrain, mögen Sie denken, sind doch das Wesen des Politik-Treibens. Ja schon, aber… !

“Seit Jahren warnen Kritiker die Schweiz vor dem Reputationsrisiko Rohstoffhandel. Rohstoffhändler würden mit komplexen Firmenstrukturen operieren, um damit Steuern zu optimieren, Schmiergelder zu zahlen oder Embargos zu umgehen… . Statt sich für schärfere Transparenzregeln auszusprechen, ging es dem (Schweizer)Bundesrat vor allem um den Schutz der Wettbewerbsfähigkeit der etwa 500 Rohstofffirmen (Tages-Anzeiger15.06.13)” der Schweiz.

Und mit gehangen ist mit gefangen!

Das bedeutet: das Embargo der EU und der USA gegen Iran, welches nun angeblich einen moderateren Staatspräsidenten sich gewählt hat, zu hintertreiben, ist den schweizerischen Glencore und Trafigura Firmen offenbar wunderprächtig gelungen, hurra, sodass die USA sich nun wohl auch diesem ‚unlauteren‘ Geschäftsmodell der Schweizer widmen wird – und zwar diese Abläufe empfindlich störend.

Es ist eine Frage der Zeit, vermuten wir hier bei Zypernundmehr-News, bis die Chemieindustrie der Schweiz drankommt. Blöd nur, dass letztere so etwas Ähnliches ist, wie die linke Herzkammer der Schweizer Wirtschaft.

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Wie es ziemlich sicher auch in der BRD und andernorts der Fall ist, wird Politik nun mal von Konzernen, der Industrie mit gemacht. Im Teil des Tages-Anzeigers, der mit “Analyse” überschrieben ist, steht unter der Überschrift “Der amerikanische Esel” geschrieben von Walter Niederberger: “Die Angriffe der USA waren nie gegen die Schweiz gerichtet, sondern gegen eine Generation von Bankern, die aktiv die Steuerflucht der Amerikaner begünstigte und diese Praxis in der vermeintlich sicheren Schweiz selbst dann noch fortsetzten, als der scharfe Warnschuss gegen die UBS abgefeuert wurde. Wenn die offizielle Schweiz nach dem Fall UBS den Ernst nicht erkannt und nicht die rasche Verständigung gesucht hatte, zeigt das, wie lange – und vor allem wie naiv – man den Mythos des uneinnehmbaren Bankgeheimnisses noch vertraute. Es war immer der Grundverdacht der USA, dass die Schweizer Politik von den Bankern dirigiert wird. Und dass die Regierung darüber hinaus unfähig ist, ein klar erkanntes und in Hunderten von Fällen nachgewiesenes Betrugssystem zu beseitigen.”

Des Weiteren:

In den USA hingegen blockiert der Senat seit Jahren ein für die Rechtssicherheit in der Schweiz eminent wichtiges Zusatzprotokoll zum Doppelbesteuerungsabkommen. Eine selbstherrliche Tea-Party-Figur wie Rand Paul führt hier seine Sonderkutsche und kann dies mit dem stillen Einverständnis des demokratischen Senatspräsidenten Harry Reid auch tun. Solche Manöver sind eines Rechtsstaates unwürdig und machen den moralischen Anspruch, den die USA für sich so gerne reklamiert, zu einer Farce.”

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Ja, in welcher Realität leben wir denn, wo CIA-Agenten Schweizer Banker alkoholisieren und diesen dann aus der Patsche helfen, nachdem sie in diesem Zustand eine Straftat begangen haben – und das alles nur, um sie zu rekrutieren. Snowden hatte also Skrupel bekommen als CIA-Agent. Unpassend-passend fällt dazu gewiss sogleich die “indische Linie im Stammbaum der Windsors” ein, die wohl indirekt von ganz anderer Skrupellosigkeit berichtet auf ihre Weise? Oder dass 50%, man stelle sich vor, 50% der Schweizer Fischarten “gefährdet oder ausgestorben” sind?

Das lässt der Tages-Anzeiger heraus, als drehte sich das Rad bunter Realitäten gemächlich wie das Leben in Bern weiter, weil der Bundesrat gegen dem Weggang der Fische in den Flüssen wenig bis gar nichts zu tun gedenkt.

Dass die Natur noch intensiver unterstützt gehört, scheint folglich auch im Schweizer Bundesrat noch nicht durchgedrungen zu sein, wie zum Beispiel auch in Zypern oder in Istanbuls Gezi Park zu sehen ist.

Mit Spazierpark könnte Gezi Park übersetzt werden. Unseres Wissens war und ist der Bereich zum Spazierengehen im Gezi-Park im Vergleich in etwa so ausgeprägt groß wie der Bereich, den deutsche Behörden Hühnern in Legebatterien zugestehen. Schicksal!

Dass Erdogan nicht zuschlagen wird lassen, darüber mache sich bitte niemand große Hoffnungen. Er wird seinen Anhängern die Moschee genau dort, wo auch sonst, also im gezi Park bereitstellen. Versprochen ist versprochen!

Und so dreht sich das Rad bunt und munter weiter. Was die Kantonalbank Basel angeht, fing sich das Rad an, schnellst möglich zu drehen, als die Bank sich davon verabschiedete, die kantonale Wirtschaft zu stützen, günstige Kredite für dieselbe bereitzustellen. Dass eine Kantonalbank einem Kanton gehören kann, wie zum Beispiel dem Kanton Basel, ist in diesem Fall eben historisch gewachsenes Schicksal – oder dergleichen. Das ist spätestens dann bewiesen, wenn eine Bank wie die Baslerkantonalbank sich von ihrem ursprünglichen Sinn und Zweck eindeutig entfernt und glaubt, am Big-Business der Big-Player im Finanzsektor mitwirken zu müssen.

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Und dass die Schweiz noch längst nicht aus dem Schussfeld ist, zeigt der schwelende Brand mit Frankreich und der noch ausstehende mit vielen Ländern der sogenannten Dritten Welt. Die französischen Behörden beschuldigen nun eine Genfer Bank, die Reyl, auch etwas mehr als erlaubt geschummelt zu haben (siehe zuvor UBS), um französische Bürger dazu zu verleiten, unversteuert Money in der Schweiz anzulegen.

Und da so etwas bekanntlich noch nicht reicht, um den Schweizern zu verdeutlichen, dass sie im Schussfeld stehen und sich den Veränderungen in der Welt schnellst-möglich anzupassen haben, besteht Paris des Weiteren neuerdings darauf, dass am Euroairport (EAP) bei Basel ab dem 1. Juli 2013 eine Steuer erhoben wird auf dem Schweizer Teil des EAP, die in Frankreich eh usos sei. Und darüber gäbe es kein weiteres Rad etwaiger Diskussionen und Kungeleien zu schlagen. Und dies auch dann nicht, wenn derartige Steuern der Franzosen den Schweizer Firmen am EAP bereits zu bunt sein oder vorkommen sollten!!!!

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Internetnutzung Schweiz

Internetnutzung Schweiz (Photo credit: Jürg)

Befindet sich das Eidgenössische der Schweiz vollends in Auflösung?

“Der Grundgedanke der (schweizerischen) Konkordanz besteht bekanntlich darin, dass alle relevanten Kräfte eingebunden werden, dass das Regierungshandeln sich an Lösungen orientiert, die eine solide Mehrheit mitträgt, dass die Regierungsverantwortung von allen Bundesparteien geteilt wird und dass auf diesem Weg das allgemeine Landesinteresse am besten verfolgt und verteidigt werden kann (schreibt ‚das Magazin‚ 23/2013, Beilage der Basler Zeitung).”

Des Weiteren:

“Nach Informationen der ‚NZZ am Sontag‘ hat die Finanzministerin (der Schweiz , Widmer-Schlumpf,) in der letzten Verhandlungsphase einem Staatsvertrag mit den USA versenkt, weil die Gegenseite nur zu einem Abkommen bereit gewesen wäre, wenn es ohne Zustimmung des Schweizer Parlaments hätte in Kraft treten könnnen.” Auf Letzteres hat sich Widmer-Schlumpf nicht eingelassen, wird in ‚das Magazin‘ geschrieben, denn sie “kennt ihre Pappenheimer” daheim. Obgleich der Vorschlag der Amerikaner das bessere Ergebins erbracht hätte, will “die Regierung [ ] nicht das objektiv günstigste Verhandlungsergebnis umsetzen, sondern den Deal, der innenpolitisch für sie am besten zu verteidigen ist.”

Der Autor Daniel Binswanger folgert im obigen Zusammenhang am Ende seines Artikels: “Theoretisch sollte die Konkordanz alle relevanten politischen Kräfte zu Regierungsparteien machen. De facto verhalten sich nun alle Parteien (der Schweiz), als wären sie in der Opposition. Regierungsverantwortung … wird dem (politischen) Gegner zugeschoben. Das Konkordanzsystem, auf dem das Erfolgsmodell der Schweiz beruht, schlägt um in sein Gegenteil.” Das “Landeswohl” bleibt außen vor, klagt Binswanger.

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Ein weiterer Beitrag in derselben Ausgabe des ‚das Magazin‘ stammt von Thomas Held. Er versucht darin unmissverständlich klarzustellen, weil das Gerücht zunhemend in der Schweiz kursiert, dass keine Art Bestrafung der Schweiz von Seiten der USA, der BRD und so weiter erfolge, dasss das nicht zutrifft. Held zeigt auf, dass kein Neid oder Missgunst vorwiegend vorlägen, bei den Anwerfungen aus den USA oder der BRD, Frankreich bezüglich gewisser Geschäftspraktiken Schweizer Banken, sondern, dass die Schweiz es seit 1989, dass “für die Weltmächte [die Zeit von] wichtigen neutralen Hubs im Kalten Krieg [ ] engültig vorbei [ist]”, nicht mitgekriegt hat. “Damit entfällt auch das Privileg von Schlupflöchern und Ausnahmen. Die Regeln gelten nun für alle – vor allem für die Kleineren (wie der Schweiz).”

Und was den Ruf weiter Kreise innerhalb der Schweiz angeht, die Wirtschaft zu niationalisieren und dergleichen, führt Held “den kürzlich publizierten ‚Schillingreport‘ an… .” Held widerlegt somit die Forderung nach dem Nationalisieren der Wirtschaft der Schweiz eindrücklich mit Zahlen und sagt: “Unter den Ausländern (in Führungsposition in Schweizer Firmen) rangieren die Angelsachsen, mit denen (die Schweizer) angeblich im Krieg stehen, zahlenmässig vor den Managern aus Deutschland, dem anderen Feindesland. Diese Zahlen gaben weiniger zu reden, als die Vertretung der Frauen in den Leitungsgremien”, die dort unterrepräsentiert sind. Repräsentanz von ausländischen Managern in Schweizer Firmen liegt bei über 60%.

Zeichen einer schleichenden Auflösung der ‚alten Ordnung‘, wenn so gesagt werden kann, lassen sich auch an Folgendem erkennen:

Die Basler Zeitung vom 8.6. 2013 zeigt in dieser Ausgabe nämlich mit dem Zeitungs-Finger ganz konkret auf die Basler Kantonalbank (BSK). Markus Somm schreibt, dass Mitarbeiter der BSK sich noch um US-Bankkunden bemüht haben, als die UBS bereits mit den US-Behörden im Clinch lag – also rotz-frech vorging. Guy Lachappelle, der Chef der BSK (CEO), hält diesen Vorwurf folgendermaßen ab: man habe “ab März 2002 keine Gelder von US-domizillierten Personen mehr angenommen.” Damit wird er nicht durchkommen, wie Lachappelle selbst wohl besser weiß. Denn egal, wo ein US-Bürger wohnt oder lebt, ist er steuerpflichtig in den USA. Die Aussicht, dass eine Schweizer Bank, womöglich die BSK, in den USA angeklagt wird demnächst, wäre gewiss schlimm, doch nicht unbedingt verheerend. Eine Art Rechtssicherheit dürfte daraus erwachsen, was im weiteren den Umgang miteinander erleichtern könnte.

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Joscha Frey, sein Büro der Grünen in Lörrach kreuzt meine Wege seltsamerweise oft, wird in der Sonntag von der Badischen Zeitung vom 7.6. 2013 mit Bild von sich daneben so zitiert: “Das ist das Signal, das wir erhofften!”

Ja, es geht noch immer um grenzüberschreitendes Zusammenwirken in der Region (CH-BRD). Marco Fraune schreibt in der Sonntag: “Gegen den Willen der Schweizer Bundesrätin Doris Leuthhard hat der Nationalrat (der Schweiz) 100 Millionen Franken für die Elektrifizierung der Hochrheinstrecke bewilligt… . Als nächstes muss nun die deutsche Seite das Geld locker machen und es muss noch speziell über die Taktung auf der Strecke zwischen Stuttgart und Bern verhandelt werden… . Die Zeit drängt. Schließlich muss das Projekt Elektrifizierung von Erzingen bis Basel aus Zuschussgründen bis 2019 abgeschlossen sein.”

Dass die Schweizer Behörden obigen Schritt setzten und das Geld zur Elektrifizierung bewilligten, endlich, darf wohl in unmittelbarerem Zusammenhang stehend mit der ebenfalls überraschend schnell getroffenen Ratifizierung des Staatsvertrages mit Deutschland durch den Schweizer Nationalrat gesehen werden. Eine Bürgerinitiative gegen den Fluglärm in Deutschland wehrt sich aber gegen diese Ratifizierung. Es müsse nachverhandelt werden, was die Schweizer Behörden, leider etwas hölzern, mit der Ratifizierung des Staatsvertrags mehr oder minder verunmöglichten.

 

Die Schweizer Politik scheint dringend eine Art Reform zu benötigen, ein grundlegendes Übereinkommen darüber, ob das Ding mit der Konkordanz überhaupt noch zeitgemäß ist. Viele glauben, dass ein schnellst möglicher Beitritt zur EU wahrscheinlich die einzige Möglichkeit wäre, alte Zöpfe wie den der Konkordanz endgültig abschneiden zu können – um nicht ausgerechnet und andauernd mit den sogenannten Big-Players in der Welt aneinanderzurasseln. Diese Fälle häufen sich nämlich auffällig. Und Letzteres geschieht meistens auf Kosten der Schweizer Reputation und Einfluss. Dieses ‚Spiel‘ kann Bern auf Dauer so nicht länger forttreiben. Die Schweiz steht an einem Scheidepunkt – vor allem, was ihre Entscheide fürs Innenpolitische angeht.  Das Geschäftsmodell der Alpländler, vordringlich bezüglich der Banken, gehört saniert – dringendst!

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