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Archive for März 2013

Das Zyprische Kleid

Inzwischen, gerade jetzt passierts, hat scheinbar nur ein kleiner Run auf die
Bankfilialen eingesetzt auf unserer, trotz allem, liebenswerten Insel –
Zypern. Das Drama – zyprische Bankenkrise, eventueller Staatsbankrott –
hat ganz offensichtlich einen ausgedehnten Höhepunkt. Es könnte
andernorts in Europa und dem Rest der Welt der Eindruck entstanden
sein, dass es auf Zypern keine andere Alltagsbeschäftigung mehr gäbe, als
dieses Thema, doch dem ist erfreulicherweise nicht so.

Ich, neu an Bord bei Zypernundmehr-News, war vor kurzem zu einer
Buchbesprechung eingeladen gewesen. Mit einer nicht zu
verheimlichenden Skepsis begab ich mich dort hin. Letztere hatte mich
beschlichen, als der Titel des Werkes bis zu meinem Bewusstsein
durchgedrungen war. Das kann gelegentlich dauern, bis dort etwas
wirklich ankommt. Und dann sah ich noch, welche Persönlichkeiten zur
Verbreitung dieses Buches sich in Stellung gebracht hatten im Vorfeld der
Veranstaltung, was die dumpfen Vorahnungen unwillkürlich etwas
verstärkte.

Um eine lange Rede kurz zu halten: Der Rotary Club namens Nikosia-
Aspelia aus dem griechischsprachigen Teil der Insel hatte in Kooperation
mit dem Rotary Club Nikosia-Sarayönü (vom türkischen Inselteil) zu zuvor
genanntem Zweck in ein Nobel-Restaurant geladen, welches in der UNO-
Pufferzone liegt, dem „Chateau Status“. Nach dem Motto, mögen Sie hier
eventuell denken: ‚Wir lassen uns der Krise wegen nicht unterbringen!‘
Inwieweit Einladungen dieser Natur in solchen recht teueren
Establisments in einer angespannten sozio-politischen und ökonomischen
Lage sinnvoll sind, darüber mag ich mich hier nicht auslassen. Doch, es
soll Personen geben, die so etwas als sichtbarstes Zeichen einer
kursierenden Ignoranz der hiesigen Oberschicht und deren abgehobene
Geistesverfassung par excellance bezeichnen.

Das Buch mit dem Titel „Turkish Cypriot Dress – The Aziz Damdelen
Collection“, war im Jahr 2012 von Prof. Euphrosyne Rizopoulou-
Egoumenidou, die an der University of Cyprus Volkskunst und Architektur
lehrt, und von Aziz Damdelen herausgebracht worden. Frau Prof.
Rizopoulou-Egoumendidou wurde bei der Präsentation von ihrem
Kollegen Prof. Matthias Kappler assistiert. Die Fotos im Buch hat Kadir
Kaba geschossen. Das Bildungs- und Kulturministerium der Republik
Zypern hat finanziell Unterstützung geleistet. Das Vorwort stammt aus der
Feder des damaligen Ministers für kulturelle Angelegenheiten.

Das Buch in seinen Ausmaßen und Aufmachung würde ich als „Coffee
Table Book“ bezeichnen wollen. Wirklich elegant gebunden und auf
Hochglanzpapier gedruckt, macht es wirklich Eindruck äußerlich. Inhaltlich
scheint es durchaus mit hervorragenden Texten und Beschreibungen der
vielen, alten Fotos der Stoffe und Gewänder im Besitz der Damdelen
Kollektion aufzuwarten. Einige Mitglieder der Damdelen-Familie waren
sogar anwesend bei der Präsentation. Der Fotograf ebenso. Mehrheitlich
waren Rotarier zugegen, die aus dem Norden der Insel stammen –
ungefahr 70 Personen waren es insgesamt.

Ein Höhepunkt darf die Präsentation von Dr. Rita Severis, Kunsthistorikerin
und Geschäftsführende Direktorin der „Costas und Rita Severis
Foundation“, genannt werden. Die Stiftung, in der sie vorrangig aktiv ist,
hat sich zum Ziel gesetzt, zyprische Kultur zu verbreiten und den Frieden
auf der Insel einzufordern.
Anhand der gutbestückten Damdelen Kollektion erklärte sie in einer
Diapositiv-Schau die gesellschaftliche Funktion der Stoffe und Gewänder
im Alltag und bei Festlichkeiten, wobei sie geschickt die der turkisch-
zypriotischen Gemeinschaft, denen der Griechisch-Zyprioten
gegenüberstellte. Sie griff dazu in der Zeit bis auf 200 Jahre zurück.
Interessant war mitzuerleben, wie sich die Kleidung stetig dem Zeitgeist
anpasste und von der westlichen Kultur beeinflusst worden war – ein
wirklich reiches kulturelles Erbe.

Beeindruckend fand ich, dass die Vortragende die gemeinsame Kultur der
Zyprioten, auf die eigentlich immer noch zurückgegriffen werden könnte,
überzeugend als Schlichter im schwelenden Streit, den es seit 1964 gibt,
zwischen Süd und Nord ausmachte.

Insofern, schien mir, war mal wieder ein Anfang in diese Richtung gesetzt
worden, diesmal eben durch die beiden Rotary Clubs, dem Aspelia und
dem Sarayönü.

Meinen Mitbürgern auf Zypern mag ich für den heutigen und die
folgenden Tage wünschen, dass das Öffnen der Banken zu keinen
Tumulten führt, und dass jeder sein Osterfest, welches bei den
Orthodoxen dieses Jahr auf Anfang Mai fällt, zur allgemeinen
Zufriedenheit ausrichten wird können – auch wenn 300€ am Tag lediglich
abgehoben werden können derzeit, was der einen oder dem anderen
gewiss bitter aufstoßen dürfte.

Dafür blüht aber der Frühling unübersehbar in der Natur. Das Wasser des
Meeres erwärmt sich merklich und in jeder Krise liegt bekanntlich auch
eine Chance, zum Beispiel ihre, liebe Leser, sollten Sie nicht bereits auf
Zypern leben, einen Ausflug hier her zu planen, wo die einstigen hohen
Preise sozusagen zwangsläufig fallen werden und die Bedienungen und
der Service, ebenfalls wieder zwangsläufig, nur noch freundlicher und
aufmerksamer sie in Empfang nehmen werden – als jemals zuvor
eventuell.
Bleibt noch zu wünschen, dass das einigermaßen kulturell reiche Leben
auf Zypern nicht zum erliegen kommt, sondern auch hier die Chance
genutzt wird – auf der Suche nach neuen „Geschäftsmodellen“.

Die Türkei nähert sich der israelischen Regierung gerade wieder an – oder
umgekehrt – und viele Israelis sitzen angeblich bereits auf gemachten
Koffern, um nicht etwa nach Zypern, sondern nach Antalya in der Türkei zu
fliegen, wo sie 3 Jahre mit Abwesenheit aus politischen Gründen glänzten.
Insofern ist einer der Hauptkonkurrenten auf dem touristischen Markt der
Republik Zypern benannt, die Türkei, die ihr Monopol im südöstlichen
Mittelmeer bis nach Nordzypern bislang, aus ökonomischer Sicht,
erfolgreich ausbaut.
Wie zu lesen ist, scheinen die Griechen langsam aber sicher einzusehen,
dass Kooperation mit Ankara durchaus eine Win-Win-Situation
ökonomisch darstellen dürfte.
Zuletzt: Dass Kroatien demnächst der EU beitreten wird, wird die Türkei
gewiss nicht mehr wie einst verärgern, sondern das Land darin bestärken,
jetzt erst recht in südlich vom Mittelmeer gelegenen Staaten, auch
kulturell, alte Beziehungsstränge (wieder) zu beleben.

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Die gestrige öffentliche Gemeinderatssitzung in der Stadt Kandern, war insofern interessant, da der neue Bürgermeister im Amt – live – begutachtet werden konnte.

Die Sitzung war auf 19.30 Uhr angesetzt und rechtzeitig, wie es sich gehört, öffnete der Sitzungszahl, so dass die interessierte Öffentlichkeit eintreten konnte. Der Andrang war recht groß. Die Plätze für die Zuhörer waren bis auf den letzten freien Platz besetzt.

Als ich ankam im Foyer des Rathaus‘ als Neu-Kanderner erfreute mich, sich rege miteinander unterhaltende Mitbürger anzutreffen. Es herrschte eine gute Stimmung. Mir war sogar vergönnt, im Gegensatz zur ersten Gemeinderatssitzung, die ich vor Monaten besuchte, inzwischen auch von jemand nett begrüßt zu werden aus der mir noch immer unbekannten Menge, so dass ich nicht herumzustehen brauchte wie ein Fremdkörper. Das fand ich recht nett – ein positives Erlebnis.

Und dann ging es auch gleich zügig los, nachdem dem neuen Bürgermeister, der sich am Eingang zum Sitzungssaal aufgebaut hatte, zur Begrüßung die Hand gereicht worden war – ich glaube, er trug so etwas wie eine Trachtenjacke.

Mir fiel als erstes auf, dass die Presse, wie auch die Gemeinderatsmitglieder einen Reader vor sich liegen hatten, in dem die einzelnen Punkte, die es zu besprechen gilt, kurz umrissen festgehalten werden. Da würde ich mir in Zukunft wünschen, dass dieser einen Tag vor einer etwaigen Sitzung ins Netz gestellt wird für die interessierte Öffentlichkeit zum downloaden – kann ja wohl nicht zu viel verlangt sein. Ansonsten hat das diesen Geschmack von elitärem Gehabe und klassenspezifischem und/oder institutionalisiertem Ausgrenzen – oder Ähnlichem. Und daran kann doch wohl niemandem mehr gelegen sein?!

Das Hauptthema dieser Sitzung war der Bau einer Stadthalle. Der Plan über den referiert wurde, wurde aus Kostengründen, wie zu hören war, zusammengeschnitten. Doch die effektive Fläche für sportliche und andere Aktivitäten von genau 1.000 qm war beibehalten worden. 5 Millionen Euro und nicht mehr sollen dafür ‚lediglich‘ ausgegeben werden. In dieser Kalkulation ist aber noch kein Grundstückspreis enthalten etc.

Verwundert durfte zur Kenntnis genommen werden, dass es 5 Orte in der Stadt gibt, die sich dafür eigneten – irgendwie. Platz 1 und 2 schienen ganz offensichtlich die Favoriten zu sein mancher im Gemeinderat. Platz 3, 4 und 5 waren wohl auch daher nicht, wie bereits beschlossen in vorangegangenen Sitzungen, von Fachkräften auf ihre Tauglichkeit untersucht worden. Ein Herr Maier (Mayer?) aus dem Gemeinderat ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, einen weiteren Ort zur Bebauung vorzuschlagen – nämlich hinter dem Edeka, also beim Sportplatz. Dass die Plätze 3,4 und 5 nicht weiter untersucht worden waren, wie in Auftrag gegeben worden war, lässt durchaus fragen, wem gehören denn eigentlich die beiden favorisierten Bauplätze 1 und 2? Und warum muss eigentlich auf einem Grund gebaut werden, der der Gemeinde gar nicht gehört? Warum muss die geplante Halle ausgereichnet 1.000 qm haben, wenn sich noch niemand, wie zu erfahren war, ernsthaft Gedanken darüber gemacht hat, wer die Räumlichkeiten in Zukunft nutzen wird? Über den letzteren Punkt, so viel war herauszuhören, besteht nur eine vage Vorstellung. Vor dem Hintergrund, dass die August-Mack-Schule Räumlichkeiten hat, die durchaus nicht zu spärlich groß sind, es ein Bürgerhaus gibt, welches offenbar nicht mehr all zu lange der Gemeinde gehören wird/könnte und dass die Stadt Kandern eigentlich in einem ihrer Stadtteile (Wollbach, glaube ich) schon eine große Halle hat sowie andernorts, klang das Vorhaben Stadthalle für mich, den Neu-Kanderner, eher wie ein Schildbürgerstreich, der da lanciert wird.

Mir ist also noch nicht klar, warum Kandern-Stadt unbedingt eine Stadthalle braucht, die auf 5 Millionen beziffert wird und wahrscheinlich das zwei- wenn nicht gar dreifache kosten wird, wie man neuerdings gern sagt, am Ende des Tages. Bescheidener wäre vielleicht wirtschaftlicher. Schließlich ist Kandern nicht gerade ein industrieller Standort. Und die Industrie, die mir bislang vorrangig ins Gesichtsfeld gerät in der Stadt, ist der Tourismus und die Pflegeheime. Das ist doch schon was.

Um so mehr war ich gestern Abend verwundert, dass das Thema Freier-Internet-Zugang kein Thema war und ist – wie ich mir schon dachte. Daher habe ich auch davon abgesehen, diese Frage zu stellen, als der Bürgermeister fragte, ob jemand noch Anmerkungen machen will aus dem Publikum. Touristen würde ein freier Zugang zum Internet durchaus erfreuen – so viel steht fest. Das ist zwar keine all zu bedeutende Angelegenheit, würde aber einen gewissen Standortvorteil mit sich bringen – und auch denjenigen in Kandern, die sich von Providern, Telekom etc. preislich überfordert sehen, eine Alternative bieten. Der Vorschlag hier wäre, den Blumenplatz entsprechend zu bestücken, wie auch das Areal um das Rathaus, wozu gern noch zwei-drei Sitzbänke mehr am Wasser entlang und ums Rathaus aufgebaut werden dürften mit Überdachung, sodass die Jugendlichen, die am Bahnhof herumlungern, weil ansonsten nicht viel geboten wird in der Stadt, sich dieser Option bedienen könnten und dem Herzen der Stadt ihr Gesicht einverleiben könnten – gewollt.

Gut fand ich den Vorschlag von einer Gemeinderätin der SPD, die scheinbar wiederholt darauf aufmerksam machte, dass an Menschen mit mobiler Einschränkung mal endlich gedacht werde beim Planen. Dass gern im Rathaus selbst damit begonnen werden sollte, sich mit dem Thema auseinander zu setzen, da Mitbürger mit mobiler Einschränkung der Treppen wegen, die es gilt hochzusteigen in den Sitzungssaal, an Sitzungen aus diesem, wenn so gesagt werden darf, vorsintflutlichen Grunde nicht teilnehmen können. Dafür unter anderem sollten die Gelder vielleicht eher ausgegeben werden, von denen anscheinend niemand so richtig weiß, wer die zukünftige Stadthalle nutzt – ganz zu schweigen von den Kosten der Inbetriebhaltung. Wie diese durchaus eloquente und scharfsinnige Gemeinderätin des weiteren anmerkte, sollte auch dieser Punkt, der der Instandhaltung und des Betriebs einer Stadthalle, den Erforderlichkeiten des 21. Jahrhunderts entsprechen. Sie kann damit nur gemeint haben, schließe ich, dass Materialien in Frage kommen für den angestrebten Bau, die in Richtung ökologischer Bauweise gehen und Nachhaltigkeit nicht aus der Sicht lassen – also ein Bau, der energetisch sich möglichst ’selbst‘ versorgt.

Kein Thema ist ein ökologische Ansatz beim Thema Stadthalle bislang, und das in Baden Württemberg, in der Nähe von Freiburg, ‚der‘ Stadt in Sachen Ökologie der BRD!!! Ich denke, das Projekt Stadthalle durchzuziehen, nur weil es Fördermittel dafür gibt, so klang es zuweilen, ist vielleicht ebenso fraglich, wie der des Weiteren gestern Abend aufgeworfene Punkt, nämlich, der fragwürdige Zustand einiger Wohnungen, die der Gemeinde gehören und dennoch vermietet werden. 

 

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Nabelschau

 

Was soll denn bitte sehr das Gerede vom “pleitebedrohten Zypern”? Kann doch wohl nicht wahr sein! Wie kommen die denn da drauf?

Der Umgang einer Person, in dem Fall dessen Freunde, zeigen schließlich, mit wem man es zu tun hat. Und Freundschaft zeigt sich in der Not, wie wir alle noch schwach erinnern dürften.

Nun dann!

Brüssel war so freundschaftlich, wegzuhören, als beschlossen wurde – von wem auch immer iniziiert – auch die kleinen Sparer zur Kasse zu bitten auf Zypern. Freunde sind eben dazu da, Freunden zu sagen, was geht und was nicht. Die 100.000 € Latte der Einlagen, die nicht angefasst werden darf, wie europaweit vereinbart worden war, war beim Beschließen nicht etwa aus der Sicht geraten, sondern die Zielscheibe geworden – soll ja vorkommen bei Professionals. Wir sitzen schließlich alle im gleichen Boot, mögen Schäuble & Co gedacht haben am runden Tisch, an dem die Finanzministzer und andere Herrschaften das beschlossen, was zyprische Sparer, wie gelplant, nun zur Weißglut bringt.

Gehen wir doch mal zum Spekulieren über: Fragen wir zuerst mal, wer im Beraterstab des Herrn Schäubles ihm ins Ohr flüstern darf? Interessant wäre durchaus zu erfahren, wer diese Personen denn eigentlich sind? Dann könnten derartige ‚Rücksichtsnahmen‘ auf die Souveränität der zyprischen Regierung usw. eventuell besser nachvollzogen werden.

Kurz: Es geht hier nicht alleine ums Geld. Das Geld-Thema ist vielmehr das rote Tuch, welches der Öffentlichkeit hingehalten wird. Die Indikatoren weisen vielmehr darauf hin, dass mal wieder Wäsche gewaschen wird – eine Tragikkomödie wird aufgeführt.

Als tragische Figur passen Anastasiadis und sein Finanzminister, Sarris, aus Zypern eigentlich ganz gut. Der Erstere bemüht, brav alles zu tun, was das konservative Lager von ihm verlangt, und der Zweitere bemüht, sich zu profilieren und seinen etwas ramponierten Ruf zu begradigen, oder wie man es nennen darf. Den komischen Part hat sich Brüssel im Verbund mit Moskau vorbehalten. Aufgeführt wird das Stück in Berlin, kann gut sein, dass seine Pointe aus Frankreich stammt. Die Pointe ist unter anderem, dass der Gang von Sarris und Anastiadis nach Moskau nicht wegen dem Abstimmungsergbnis im zyprischen Parlament erfolgte – weil, die Tragikkomödienschreiber wussten selbstverständlich, dass sie auf das Ehr-Ding der Machos im zyprischen Parlament zählen können -, sondern, weil Berlin, Moskau und Brüssel im gegenseitigen Einverständnis daran arbeiten, Moskau der EU etwas mehr Nähe einzuverleiben.

Sei’s drum, dann gibts halt eine russische Flotte in Zypern stationiert. Viel ändert sich dadurch nicht zum Negativen – im Gegenteil. In dieser Region braucht es nämlich endlich einen mächtigen Player, der den zu erwartenden und noch anstehenden Ärger schon allein durch allseits wahrnehmbare Präsenz etwas eindämmen wird können – was die EU bei aller Liebe nun wirklich nicht fertig bringt. Bei der gibt es viel zu viel Hindernisse, wie zum Beispiel das verabreichte und dargestellte Bild in Sachen Humanismus und Demokratie etc. Die russische Variante Konflikte zu erledigen, scheint geradezu prädestiniert für das, was in Syrien, Ägypten und der Türkei – ganz zu schweigen vom Iran und Irak – ansteht, als neues Bollwerk. Überhaupt dürften, wie hier bereits angeführt wurde in einem anderen Artikel – die Einsicht immer mehr reifen, dass ein Block von Wladiwostock bis nach der Atlantikküste Frankreichs zu begründen in der Zukunft für Europa – wie auch Russland – eigentlich nur eine sogenannte Win-Win-Angelegenheit werden kann, versteht sich, mit gewissen Kollateralschäden.

Nicht umsonst hat man jahrelang zugesehen, wie sich das russische Kapital ganz offensichlich in Zypern breit macht. Nicht umsonst ist der Hafen von Pyräus in chinesischer Hand etc. Wir leben in einer globalisierten Welt und der Nabel der Welt, und somit Europas – Zypern -, eignet sich seiner eigentlich undefinierten politischen Lage wegens auch daher dazu, neue Politiken eben dort auszuprobieren, umzusetzen und wie in einem Labor ablaufen zu lassen unter kontrollierten Bedingungen.

Bleibt zu hoffen, dass am Ende der anstehenden, höchstwahrscheinlich langwierigen Verhandlungen, der Linksverkehr auf Zypern nicht abgeschafft wird, weil dass dem letzten Zyprer versinnbildlichen würde, dass jetzt wirklich neue Zeiten angeborchen sind, Zeiten, die das Lebensniveau und -gefühl irgendwie zwischen Ural und Marsaille sich einpendeln lassen werden auf Zypern. Diese Aussicht ist, nach unserem Dafürhalten, eigentlich gar nicht so schlecht! Es wird dann weiterhin genügend Muße zur Nabelschau bleiben – Doxa tu Theu!

 

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Nach langjähriger Tätigkeit als Kulturberichterstatter aus Zypern hat uns Bob de Walt wissen lassen, dass er sich anderen Herausforderungen stellen will. Er hat unser kleines Team verlassen und hinterlässt seinen letzten Artikel „Wien, nur du allein!“

Wir bedauern seinen Weggang und wünschen ihm Erfolg und weiterhin viel Freude zukünftig.

Glücklicherweise haben wir bereits eine Nachfolgerin: Napi Waltone. Napi ist ebenfalls sehr gut in der Kulturszene Zyperns vernetzt und kennt Künstler, Musiker, Ausstellungsmacher und Galleristen.

Ihr Debut wird voraussichtlich schon demnächst sein!

Von Bob de Walt:

Wien, Wien nur Du allein……..

Ich habe mir eine kurze Auszeit von Zypern gegönnt und mir Wien angesehen: diese herrliche Stadt des einst mächtigen Habsburger Reiches. Die einstige Größe des geschrumpften Imperatoriums ist, was den ersten Bezirk Wiens angeht, geblieben. Dort erstrahlt weiterhin kaiserlicher Glanz – siehe Kultur, Museen, Ausstellungen, die Prachtbauten, die schmucken Gässchen, romantische Hinterhöfe.

Kurz: Wien ist die Stadt der gut inszinierten Plätze, der eleganten Geschäfte, der Caféhäuser, der unzähligen Buchläden und noch vieles mehr. Sogar der riesige, und durchaus ansehenswerte Zentralfriedhof, weit weg vom ersten Bezirk, ist geeignet, seine Geschichtskenntnisse zu erweitern.

In den Buchläden kann man sich tagelang verweilen, was ich auch ausgiebig getan habe. Während meiner Woche in der K&K Metropole war das Wetter erfreulicher Weise außerordentlich schön und angenehm, was das Schlendern durch die Gassen und immer mal wieder die Kärtnerstraße abgehend, dem wie ein Bücherwurm in der Wärme zu hocken, dann letztlich doch vorzuziehen war. Doch es ging einfach nicht anders, als in jeder besuchten Buchhandlung mit einem Buch oder zwei unterm Arm wieder auf die durchaus mit viel Menschen – vermutlich Touristen wie ich – gefüllten Straßen zu treten!

Nicht zu kurz kamen, selbstverständlich, die kulturellen Veranstaltungen. Eine der größten Kunst- und Antiquitäten Messen in Europa war gerade ein paar Tage davor im Künstlerhaus Wien eröffnet worden. Sie umfasste zu meinem Erstaunen sämtliche Stilrichtungen: Gemälde, Zeichnungen, Grafiken, Fotokunst, Mobiliar, Schmuck, Skulpturen, Silber, Teppiche und vieles mehr. Geboten wird den Sinneseindrücken dort geradezu eine Orgie, wenn ich so sagen darf, die zum Kauf animiert, sollte das nötige „Kleingeld“ vorhanden sein. Allein das Innere des Gebäudes war schon Anlass, etwas abzuheben innerlich und umrahmte mein Schlendern durch die Ausstellungsräume entsprechend – war höchste Lust. Dieser Besuch war eine wirklich gelungene Einleitung meines Aufenthalts in Wien und machte Lust auf noch mehr Kunstgenuss.

Die Gesellschaft für Musiktheater organisierte einen Klavierabend mit Nada Majnaric, einer mir bisher unbekannten Pianistin aus Kroatien. Die nicht mehr sehr junge Dame war im Kreise der dortigen Musikfreunde allerdings bekannt, denn sie wurde mit warmem und stürmischem Applaus empfangen und gefeiert. Das Programm, welches sie darbot, war ausschließlich Prokofjew gewidmet mit der Ausnahme einer Sonate von Brkanovic. Wuchtig, präzise und virtuos, dazwischen mit den zarten Tönen, aus welcher die „Romeo und Julia Suite“, Op. 75a gewoben ist, hat sie dieses Werk in vorzüglicher Art und Weise gespielt. Eine bewundernswerte Künstlerin.

Ein anderes Kaliber war Mozarts „Don Giovanni“ in der Staatsoper einen Tag darauf. Dieses renommierte Haus stimmt nun mal bereits mit dem großen Treppenaufgang und seinen prunkvollen Foyers entsprechend ein zu einem genussreichen Opernabend, wo dann mit aller Selbstverständlichkeit der Pausen-Champagner, erlesener Kanapee, nicht ausbleiben darf.

Diese Aufführung des „Don Giovanni“ stammte aus der Regie von Jean-Louis Martinoty und wurde von Louis Langrée dirigiert. Bekanntlich ist der Don Giovanni schon unzählige Male neu inszeniert worden, aber J.L. Martinoty meint: „ich bin ein Regisseur, der stets auf der Suche nach einer Dialektik zwischen Musik und Libretto ist. Was will die Musik ausdrücken, wie lautet der Text dazu, was soll, oder besser kann, aus dem Ergebnis der beiden herausgelesen werden?“ Der Regisseur hat vielleicht daher das Dramatische im Stoff des Don Giovanni voll zur Geltung gebracht, doch auch den romantischen Moment der Figuren nicht aus dem Blick gelassen – so zum Beispiel den Abenteuerwillen des Hauptdarstellers.
Das erstklassische Sängerensemble bestand aus: Ildar Abdrazakov, Andreas Hörl, Marina Rebeka, Toby Spence, Véronique Gens, Erwin Schrott, Tae-Joong Yang und Sylvia Schwartz.

Hinter der Staatsoper steht das Burgtheater keinesfalls zurück in Sachen Bühnenkunst. Anfangs war die Regie von Michael Thalheimer in der Bearbeitung Hugo von Hofmannsthals  „Elektra“ schwer zu verstehen. Bis zum Ende der Aufführung (ohne Pause) habe ich nicht begriffen, wie der über dem Bühnenboden in ungefähr 2m Höhe hervorstehende Kerker, in dem sich die ganze Aufführung auf engem Raum abspielte, zu verantworten ist. Die Darsteller schienen kaum Platz zum Stehen zu haben und kauerten am Rand und auf dem Boden sehr oft. Ich lebte stets mit der Angst, dass da jemand herabstürzen könnte. Dieser eventuelle Gag neuerer Regie versinnbildlichte die Enge und Gefährlichkeit eines Kerkers zwar schon, den der Elektra, doch gibt es da nicht gewisse Grenzen? Meines Dafürhaltens wurde den Darstellern zu viel abverlangt. Sie sind schließlich keine Akrobaten.

Meisterhaft und alle Nuancen ausgespielt haben dennoch Christiane von Poelnitz, Catrin Striebeck, Adina Vetter, Falk Rockstroh und Tilo Nest.

 

Ein leichter Missgriff in meinem Wien-Programm war die Wahl von Bizets „Carmen“ in der Volksoper. Die Besetzung war nicht erstklassig, was in diesem Musiktheater wahrscheinlich auch nicht erwartet werden kann. Die von Adrineh Simonian gesungene Carmen hatte weder Stimme noch Ausstrahlung einer „Femme Fatale“, noch ihre Verehrer Don José noch Escamillo die nötige Rundung, den Schmelz und Dramatik in der Stimme – weder in den romantischen noch in den tragischen Szenen dieser Oper. Herausgestochen hat die Stimme von Ursula Pfitzner (Micaela), die das Leiden einer Verschmähten sehr schön ausdrücken konnte und die bereits das traurige und tödliche Ende erahnen ließ.

Bei weiteren Wienbesuchen, meine ich, sollte der Volksopernbesuch einer Operette gewidmet sein, um sich die Enttäuschung zu ersparen.
Wien ist nicht nur eine, sondern viele Reisen wert!

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Kooperation

Hört sich ganz danach an, als würden der neu gewählte Präsident der Republik Zypern, Anastasiadis, und sein zyprischer Gegenpart auf der türkischen Hälfte der Insel – trotz allem – die Verhandlungen zur Wiedervereinigung der beiden Inselhälften aufnehmen wollten – die ins Stocken geraten waren.

Der türkischzyprische Präsident Eroglu hat von Anastasiadis einen Brief erhalten, als er, welch Zufall, gerade mit Alexander Downer zusammensaß, dem Zuständigen für die Zypernfrage bei der UN. Selbstverständlich wurde der Inhalt dieses Briefes nicht veröffentlicht, wie immer. Es interessiert wahrscheinlich eh nur noch Historiker.

Die Rede ist davon, dass Anastasiadis die gegenwärtige ökonmische Krise als Anlass genommen haben soll, sich einen Anfang der Wiedervereinigungsverhandlungen mit dem Norden der Insel etwas später – als sonst – zu starten. Zuerst müsse das ökonomische Problem gelöst werden. Die türkischzyprische Administration hat dafür gewiss Verständnis, da sie so wenig wie die griechischzyprische Administration im Grunde an eine Weiterführung der Verhandlungen glaubt, und das Ergebnis bereits kennt – Nothing!

Es bleibt dennoch weiterhin zu hoffen, dass sich vielleicht doch diesmal das, was auch der Oppositionsführer in der Türkei, Kilicdaroglu, wiederholt fordert einstellt, nämlich, dass Nordzypern endlich den Status eines eigenständigen Landes erhält. Das hat doch schließlich auch schon bei den Deutsch-Deutschen-Verhandlungen auf lange Sicht geholfen damals. Dass die Anastasiadis-Administration die nötige Flexibilität politisch hat, ist nicht völlig auszuschließen. Die sogenannten Hardliner im Süden der Insel könnten vor dem Hintergrund der ökonomischen Probleme in diese Richtung einlenken, um ihre Pfründe und Positionen zu retten – in erster Linie.

Doch es könnte sein – Ironie des Schicksals -, dass die Hardliner im Norden der Insel sich inzwischen ein Zusammenwachsen mit den Zyprern vom Süden, wie noch vor ein paar Jahren lautstark gefordert wurde von denselben, aus erlittener Enttäuschung und einem Rest Ehrgefühl blocken. Viel konkretere, blühende Landschaften, die die Türkei verspricht zu erbauen und bereits baut, könnten auch den größeren Rest der nordzyprischen Bevölkerung inzwischen davon überzeugt haben, dass es gilt, alle Hebel in Bewegung zu setzen, um vorerst Wiedervereinigungsverhandlungen nur Auf-gleicher-Augenhöhe zu führen – sprich: als eigener, allseits anerkannter Staat.

Der Norden, musste in Verhandlungen mit dem letzten Präsidenten Xristofias des Südens, einem Kommunisten, die schmerzliche Erfahrung machen, dass egal, welche politische Farbe die Regierung im griechischsprachigen Süden annimmt, ein Verhandlungserfolg schlichtweg nicht möglich ist, weil Nikosia sich an Regeln nur ungenügend hält, da es glaubt, die EU als starken Verbündeten im Rücken zu haben – und überhaupt, viel Geld.

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Bekanntlich stehen in der Türkei gerade wieder die Feierlichkeiten zum alljährlich von den Kurden insbesondere abgehaltenen Newroz-Fest. Ein alter Brauch, der den Frühling unter anderem symbolisch einläutet, wo die Feiernden über entfachte Feuer beim Tanz springen und man sich schon etwas in die Zeit Zarathustra’s – mit einiger Phantasie – zurückdenken kann. Diese Kurden also haben sich für diesen Tag in diesem Jahr scheinbar ganz Besonderes vorgenommen. Abdullah Öcalan’s Haftentlassung ist vielleicht die brisanteste Forderung, die sie wieder erheben werden. Jeder, der die Kurdenfrage etwas verfolgt, wird indes einsehen, dass diese Forderung vor allem dem Trotz gegen die repressive Politk Ankara’s gutgeschrieben werden darf. Für die nahe Zukunft dürfte ein frei agierender Öcalan in der politischen Landschaft der Türkei von 2013 allerdings eher das Ende von Lustig bedeuten. Die türkische Regierung unter Erdogan und Gül ist gut beraten, lediglich seine Haftbedingungen vorerst zu lockern und anstatt das Thema mehr Autonomie in den mehrheitlich von Kurden bewohnten Regionen des Landes positiv anzugehen.

Dass die Regierungspartei AKP etwas islamisch rüberkommt, könnte sich in diesem Prozess durchaus noch als sehr hilfreich erweisen. Die islamische Schiene wird es vermutlich richten können, dass bei Vergabe von mehr Autonomie an diese Regionen der Türkei diese Autonmie nicht dazu genutzt wird, gleich eine Abspaltung von Ankara zu lancieren. Auch daher ist es – leider – wichtig, dass Öcalan weiterhin in Schach gehalten wird.

In diesem Prozess dürfte der Türkei um so mehr daran gelegen sein, die Zypernfrage endlich aus der Welt zu schaffen, wie auch Erdogan letztens wiederholt ins Mikrofon sprach. Im Hinblick auf den sich zuspitzenden Streit ums Erdgas und Erdöl, welches vor Zypern gelegen sein soll in großen Mengen, könnten dann auch klarere Vereinbarungen getroffen werden, in denen keiner der Beteiligten (Griechenland, Türkei, Syrien, Libanon, Palästina, Ägypten, 2xZypern) sich all zu sehr über den Tisch gezogen fühlt. Bei ungelöstem Status (Syrien, Palästina, Nordzypern) wird die Förderung „der Reichtümer“, wie Politiker in der Republik Zypern gern sagen und dieselben schon fest in ihr Budget eingeplant zu haben scheinen, nicht ohne Spannungen, Waffengang und schlechtestenfalls Terror zu bewerkstelligen sein.

 

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Jetzt wurde ja erstmal damit begonnen, aus unserer Sicht, wesentlich konkretere Reichtümer zu heben. Bekanntlich wurden alle südzyprischen Konten mit einer Zwangsabgabe belegt dieses Wochenende. Wurde so in Brüssel vom neuen Finanzminister, Sarris, mit den restlichen Finanzministern der EU ausgehandelt. Anstatt Sturm zu laufen, sollten die Zyprer sagen: ‚Noch mal mit einem blauen Auge davon gekommen!‘ Denn die EU spendet dafür knapp 10 Milliarden Euro, die dem Land Helfen sollen. Interessant wird sein, wie und wo diese paar Milliarden absickern und vor allem wo und wohin? Desweiteren wird mit Spannung erwartet, dass Nikosia im Zuge seines finanziellen Missgeschicks und weil eine neue Administration angetreten ist, die halt auch Geld verdienen möchte und sich verdient machen will im konservativen Lager innerhalb der EU, insgeheim grünes Licht gegeben hat, damit die EU ihr Versprechen gegenüber den türkischen Zyprern endlich einhält, und direkten Handel mit den Nordzyprern ermöglichen wird – wie bei der Abstimmung zum Annan Plan 2004 bereits in Aussicht gestellt worden war von der EU, falls positiv entschieden würde von Seiten der Nordzyprer, was der Fall war. Diejenigen, die den Annan Plan durchplumpsen ließen bei der Wahl 2004, waren die Griechischzyprer, die seinerzeit sich von ihrem Präsidenten, Papadopoulos, in einer Art Blitzaktion umstimmen ließen und mit „Nein!“ stimmten – leider!

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Währenddessen gehen die Geschäftchen aber lustig weiter. Im Norden werden Zigaretten und Petrol im großen Stil geschmuggelt und umgesetzt, und im Süden seltsame Finanztransaktionen. In beiden Teilen der Insel geben die Behörden an, aufgrund unterschiedlicher bürokratischer Hürden dagegen nicht vorgehen zu können.

Dass immer mehr international operierende Firmen sich vom Verbot Filialen im Norden Zyperns nicht eröffnen zu dürfen, weil ein Embargo besteht, nicht länger abschrecken lassen, demonstriert bereits seit vielen Jahren Vordafone und Burger King, welche im Norden Zyperns einfach unter dem namen TelSim bzw. Burger City verkaufen. Bleibt abzuwarten, ob Mc Donalds demnächst eine ähnliche Strategie verfolgen wird, weil, die neuen Betreiber des Flughafens in Ercan offenbar zuversichtlich sind, dass diese Kette demnächst eine Filiale dort eröffnen wird – wie auch Gloria Jeans. Akmina Reise Club aus Dänemark wird dieses Jahr erstmals offiziell Touristen einfliegen im türkischzyprischen Norden der Insel.

 

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So weit hier bekannt ist, hat der Premierminister der Türkei, Erdogan, seine Behauptung, der Zionismus ist ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, nicht zurückgezogen, welche er vor knapp einem Monat in Wien hervorbrachte auf einer Konferenz. Im Gegensatz dazu ist er auf Einladung nach Dänemark und den Niederlanden gerade unterwegs gewesen. Dass er nicht in Backnang, Baden Württemberg, eingetroffen ist, wo eine türkische Mutter mit 7 oder 8 Kindern in einem Haus zu Tode kam, welches unzureichend gesichert war, wo angeblich kein Anschlag oder dergleichen vorgelegen haben soll, dürfte so manchen in Berlin befreiend und tief Luft holen gelassen haben.

Studien zeigen, dass zwischen 2007 und 2011 mehr als 193.000 türkische Mitbewohner der BRD den Rücken kehrten und zurück in die Türkei gingen. Abgesehen von schlechten Aussichten einen Job zu finden, sagt Professor Faruk Sen, würde als Grund vermehrt auch Diskriminierung durch die Mehrheitsbevölkerung der BRD angegeben. Desweiteren sagt Sen: Europa brauche sich daher keine Sorgen zu machen, dass bei einer Visaerleichterung eine Wanderwelle aus der Türkei in Richtung EU losbricht. 31% der Immigranten Deutschlands sollen türkischer Abstammung sein, einer Studie zufolge. Das sind knapp 9 Millionen Personen, von denen 230.000 in ihrem eigenen Haus leben. Durchschnittlich wohnen 3.9 Personen in einem türkischen Haushalt in der BRD und ein durchschnittliches Einkommen eines Türken in der BRD beläuft sich auf 2.020 Euro. Insgesamt erwirtschafteten Türken in der BRD ungefähr 16.5 Milliarden €. 44% der türkischen Immigranten lebten unter dem BRD-Armutsniveau – 320€ pro Monat- (schreibt die PIO-Zypern).

 

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Kurz: Mit einem Enlenken der neuen Administration in Nikosia unter Anastasiadis besteht weiterhin die Chance, Entwicklungen über Zypern hinaus im Mittleren und Nahen Osten positiv mitzugestalten. Was in Nikoisa schon seit Längerem dringend benötigt wird, ist die Einsicht, dass Nordzypern nicht mehr all zu lange hingehalten werden kann, und dass dessen ungeklärter Status langsam aber merklicher denn je beginnt wie ein Krebsgeschwür sich zu entwickeln, wenn nicht endlich die Gleise auf diplomatischem Terrain so gelegt werden, dass das verhindert wird. ‚Kooperation auf allen Ebenen‘ lautet der Ruf der Stunde!

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So, wie die Überschrift,  heißt offenbar eine Kolumne in der Oberrheinischen. In dieser hat sich Tim

Nagengast, offenbar ein Redakteur dieser Tageszeitung, den Beitrag „Seltsame Begegnungen“ am Samstag

(9.3.13) einfallen lassen – geleistet. Eigentlich musste er, wie er schreibt, nicht all zu viel dazu beitragen,

da ihm der Stoff von „auf der Straße“ zugetragen wurde – bis an sein Büro.

Da steht vor seinem Fenster – man stelle sich vor, wie vermessen und unwahrscheinlich – „auf einmal

ein Schwarzafrikaner.“  Welch Schock das gewesen sein muss. Kaum muss sich Nagengast davon

erholt haben, fielen ihm politische Korrektheit und dergleichen vorsichtshalber mal noch ein, was ihn

uns fragen lässt, ob etwa bereits „Südlichvommittelmeerwohnender“ gesagt werden müsse anstatt

„Schwarzafrikaner“. Wen Nagengast in diesem Zusammenhang genau mit „dieser selbsternannten

Sprachpolizei“ meint, ist unklar. Wahrscheinlich meint er seinen Brötchengeber und versucht dem

Leser zu vermitteln derart, dass ‚Neger‘ doch eigentlich ganz zutreffend sei als Bezeichnung, was er

aber so, selbstverständlich, aber auch nicht im Entferntesten je gesagt, gedacht oder gar interpretiert

hätte haben wollen. Der Gute. Er hat ja auch so viel zu schaffen, wie er schreibt, dass er noch nicht mal aus

dem Büro herauskommt, , um eine eventuell gelungenere Story aufzutun. Wollen wir hoffen,

dass er das Kandertal weiterhin von seinem Büro aus begutachtet. Wer weiß, was sonst noch alles

herauskommt, womöglich, dass noch so manch anderer von ihm heimtückisch zur Polizei gebracht wird –

zur Anzeige.

Denn: „Da steht er also an diesem schönen Vormittag (den ihm der folgende Anblick offenbar

vermiest hat), die graue Wollmütze tief ins Gesicht gezogen, einen Joint betont lässig im

Mundwinkel. Kein Witz.“ Kann mir nicht helfen, doch mir ist schon seit Längerem aufgefallen, dass

ich vom Aussehen einiger Zigaretten, die neuerdings im Gebrauch zu sein scheinen, nicht mehr zweifelsfrei auf ihren Inhalt geschlossen werden kann. Manche

der Dinger sehen aus wie Joints, die wahrscheinlich inzwischen schon jeder mal im Fernseher gesehen

hat. Die Raucher derselben sind zuweilen in Parks, Straßen und vor Schulen etc. anzutreffen.

Es scheint sich wohl eher um eine Art Tabak zum Drehen zu handeln.

Nagengast scheint sich mit der Materie offenbar besser auszukennen. Doch zurück zum Dialog Nagengast’s

mit dem Südlichvommittelmeerwohnenden: „Ich staune kurz und frage dann den jungen Mann, was er

den[n] wolle.[?] „Wie heißt diese Stadt?“, nuschelt er in recht passablem Deutsch… .“ Immerhin ein

„passables Deutsch“ wurde dem Afrikaner attestiert. Die Integration des in der Schweiz mit – nach

Nagelgast – Haftbefehl Gesuchten, scheint irgendwie Früchte getragen zu haben – wenn auch ’nur‘

sprachlich. Stellt sich also so ein Mensch in Weil am Rhein ausgerechnet vor ein Büro, das von Nagengast,

dessen Fenster auf die Straße hinausgeht und „parterre“ liegt, um zu fragen, in welcher Stadt er denn

ist und das auch noch in „passablem Deutsch“. Nun, wollen wir mal davon ausgehen, dass die

Realität auch solche Geschichten kennt und zulässt, in denen jemand mit relativ guten

Deutschkenntnissen so geistig weggetreten ist, genau das, was Nagengast schreibt, zu tun, nämlich,

ihm seine Papiere einfach so in die Hand zu geben, die belegen, dass er den Status „illegal“ verpasst

bekommen hat in der Schweiz und per Haftbefehl gesucht wird. Ich meine, es ist ja alles möglich,

auch, dass Leute, die den beschwerlichen und zumeist gefährlichen Weg von Afrika nach Europa

begingen, dann so blöde sind, nicht all zu weit von einer Polizeistation einem Fremden die Papiere zu

überreichen. Das sind Papiere, von denen der Afrikaner gewusst haben muss, was drin steht.

Vielleicht hatte er zuvor das ‚freudige‘ Erlebnis, sich wochenlang in Händen von Schleppern deren

Willkür ‚aussetzen zu dürfen‘, um Europa zu erreichen. Vielleicht war er ein senegalesischer Fischer,

ein Gambianer, doch die zieht es allgemein eher nach Bremen, wo auch Nagengast’s

Südlichvommittelmeerwohnender hin wollte, dessen Fischgründe vor allem auch von deutschen

Fischfangflotten der Superlative, selbstverständlich und hoch effizient mit bester Technik und so

ausgestattet, mehr oder weniger leer gefischt werden im Atlantik. Und endlich öffnet Mr. XY, in dem

Fall Redakteur Nagengast, seine Tür, sieht so vertrauensvoll aus, dass sich der von hinterm

Mittelmeer wagt, nach all seinen ‚lustigen‘ Erlebnissen auf dem Weg nach Europa, XY sich

auszuliefern mit der übergabe seiner Dokumente, um erneut und endlich schnur gerade in die

nächste, eventuell unfreiwillige Abhängigkeit zu gelangen.

Der „junge Mann“ will also nach Bremen. Und wie es sich gehört, klärt Nagengast ihn auf, dass

Bremen weit ist und „nimm mal bitte den Joint aus dem Schnabel, bevor du mir antwortest,“ ordnet

er an. Ich habe ja keine Ahnung, wie jung dieser Mensch war und wie traumatisiert von seiner Flucht

und eventuellen Kriegs-Erlebnissen. Er war ziemlich sicher, denke ich, wohl nicht unter 15 Jahren. Und

eben deswegen darf doch wohl von einer einigermaßen politisch korrekten Person erwartet

werden: a) dass sie ihren Gegenüber nicht dutzt, b) keine diffamierende Wortwahl findet – Schnabel, c)

nicht „Etwas unsanft […]seine Tüte [entsorgt]“, wie Nagengast im Anschluss wissen lässt. Der Verdacht

liegt jedenfalls im Raum, finde ich, dass der „Schwarzafrikaner“ seine Papiere an Nagengast ausgehändigt

haben könnte, weil er unter Druck gesetzt wurde von demselben: „nimm mal bitte den Joint aus dem

Schnabel, bevor du mir antwortest!“ Bekanntlich kann ein „bitte“ in einem Satz auch so ausgesprochen

werden, dass es einer eventuell verunsicherten und/oder verängstigten Person dabei kalt den Rücken

herunter laufen kann. Doch ich will mich da nicht festlegen. Es kommt, wie gesagt, nur eine Art Verdacht

auf, auch wegen dem, was in der Folge noch berichtet wird, unten.

„Da der ohnehin telefonieren will,“ schreibt Nagengast, „lotse ich ihn rasch zu jener Telefonzelle, die dem Polizeirevier am

nächsten liegt. Die paar Cent, die ich dem jungen Illegalen da zum Telefonieren spendiere, kann ich ja

vielleicht unter „vaterlandshilfe“ verbuchen, denke ich.“ Und während „der Afrikaner“ telefoniert,

geht Nagengast „rasch rüber zur Polizei, die umgehend reagiert“. Hurra! Guter Anscheißer, wie man zu

solchen Leuten in Wien sagen würde! Doch das reicht dem Anscheißer, Nagengast, im Korsett des

Redakteurs einer Tageszeitung, von der ich eigentlich dachte, dass Beiträge nochmals inhaltlich durchgecheckt

werden auf politische Korrektheit, nicht; und wie ein Berlusconi, oder wie all die Demagogen und

vermeintlich guten Redner, die Volkes Herz rühren wollen, begibt sich auch Nagengast zum großen Finale

des Weißwasch-Sauber-Artikels, nicht nur auf vaterländische, sondern auch auf völkische Höh und

schreibt, versteht sich, bereits all die Zeit auf Alemannisch: „Aber ich schau doch nicht zu, wie so ein komischer Vogel,

da seine Drogen importiert, offen damit herum läuft, seine Haftstrafe nicht antreten will, der Gesellschaft

auf der Tasche liegt, mir danach einen Haufen Mist erzählt und glaubt, ich bin so blöd und helfe ihm auch

noch weiter. Musst entschuldigen, aber da bist du bei mir an den Falschen geraten. An den ganz

Falschen… „

Ich denke, Beide – der namenlose Afrikaner und Nagengast – haben dringend eine

Resozialisierungsmaßnahme verdient. Mein Vorschlag: Gemeinsame Arbeit in einem Hospitz für eine

Woche! Das wird hoffentlich nachhaltig an ihrer Wahrnehmung nagen. Es ist sehr schade, dass

Rassismus in einer Zeitung wie der Oberrheinischen sich so verklauseliert und schlecht getarnt breit

kundtun darf!!!  

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Eine völlig andere Kultur-Event war der 2011 entstandene Film „Sharing an Island“. Direktion und Regie wurden von Schaffenden beider Seiten geteilt. Die Musik war komponiert und gespielt worden von lokalen, zyprischen Musikern. Die European University Cyprus“ in Nicosia stellte ihr Auditorium dem Rotary Club Nicosia und dem Rotaract Club desselben Clubs zur Verfügung, um diesen Film zu zeigen. Ein zahlreiches Publikum strömte herbei aus beiden Inselhälften, wie zu vermuten war.

Drei junge Griechisch-Zyprioten und drei türkische Zyprioten, beiderlei Geschlechts, wohnten für fünf Tage in einem Haus, besuchten verschiedene Sehenswürdigkeiten in beiden Teilen und diskutierten die Geschichte der Insel aus ihrer Perspektive. Es wurde der Versuch lanciert, Vorurteile in gemeinsamen Gesprächen abzubauen und durch die Darstellung tragischer Familienerlebnisse wurde klar gemacht, dass auf beiden Seiten Schuldige zu suchen sind. Fazit des Films ist wohl die Einsicht, dass durch diese persönlichen Kontakte das Verständnis für die andere Seite gestärkt und Vorurteile abgebaut werden könnten, und vielleicht dergestalt auch abgebaut wurden – wer weiß für wie lange.

Durch eine wirklichkeitsgetreuere und weniger ideologisch operierende Geschichtsschreibung und Vermittlung, sowie zahlreichere Kontakte -Nord/Süd – wäre ein besseres Verständnis des jeweils Anderen gewiss erreichbar. Es wird sich erst in einigen Jahren zeigen, ob ein solches Projekt die Menschen dazu bewegt hat, sich aktiver in die Bewältigung des Problems einzubringen – vor allem gilt es aber, die Lösung nicht ausschließlich den Politikern zu überlassen.

 

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Finanzielle Krise hin oder her, gesponsert wird Kultur immer noch auf Zypern. Ich rede von der Pharos Arts Foundation, die vor kurzem in ihren Räumen ein Violine/Klavier Konzert organisierte. Zwei junge Musikerinnen, die Koreanerin Hyeyoon Park (Violine) und die Armenierin, Nareh Arghamanyan (Klavier) hatten sich ein virtuoses Programm vorgenommen. Die Sonate No. 5 von Ludwig van Beethoven machte den Auftakt bevor die Stücke neueren Datums an die Reihe kamen: Maurice Ravel mit der Sonata in G-Dur, Karol Szymanowski mit „Three Myths“ und Sergej Prokofiev mit der Sonata No. 2 in D-Dur. Der gesamte Körper der Künstlerinnen spielte mit und dann diese unglaubliche Fingerfertigkeit; die eine wie sie die Violine-Saiten handhabte, manchmal schon aggressiv traktierte, und die andere wie ihre Finger über die Tasten glitten und hüpften. War von einem Laien nicht mehr nachvollziehbar. Der äußerst schnelle Wechsel von hartem Strich und Anschlag zu den romantisch sensibel anmutenden Passagen setzte ein Können und Umsetzungsvermögen voraus, welches viel Gespür für das Harmonische verlangt.

Hingegen darf nicht verschwiegen werden, dass der Violine die enormen Sprünge von Tief zu Hoch zu viele spitze, kreischende Töne entlockt wurden, die dem Ohr nicht immer schmeichelten.

Beide Musikerinnen haben mit renommierten Orchestern gespielt (um nur einige zu nennen: Berliner Philharmoniker, Züricher Tonhalle, Symphonie Orchester Berlin, Symphonie Orchester Tokio). Ebenso erhielten die beiden namhafte Preise. Im heutigen Musikbetrieb hier auf Zypern und in der Sparte Klassik, ist es nicht ein gängiges, dafür aber eindrucksvolles Konzert gewesen.

 

 

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