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Archive for Januar 2013

Oder: Weg vom Klein-klein!

 

Diesen Aufruf bezüglich der Krise, den die Überschrift darstellt, kann der Besucher Südzyperns dieser Tage auf schönem Blau in weißen Lettern auf großflächigen Plakaten oft sehen – gern auch entlang der Autobahn. Dahinter steckt Nikos Anastasiadis, der aussichtsreichste Kandidat, den Präsidentensessel am 17.02.2013 einzunehmen – was aber noch längst nicht ausgemachte Sache zu sein scheint.

 

Überhaupt sind die anstehenden Wahlen auf allen Kanälen, den lieben langen Tag, das Thema: wer hat wem welchen Vorwurf gemacht, wer zieht wen mit was in den politischen Dreck etc.

Während die allgemeine Aufmerksamkeit der Insulaner auf die anstehenden Wahlen gerichtet ist, werden vermehrt Bäume illegal geschlagen überall, auch, weil es kalt sein soll – leider gibt es davon nicht gerade viele.

Vor kurzem lag mal knapp 1 oder 2 Zentimeter Schnee irgendwo im Troodos-Gebirge von Zypern, woraufhin umgehend 2-3 Tage Schulferien ausgerufen wurden – der Kälte und eben des Schnees wegen. Wirklich putzig! Was die Bäume angeht, die illegal gefällt werden: wer dabei erwischt wird, muss mit einer Strafe rechnen, die leider nur 400€ hoch sein soll maximal.

Inzwischen ist der Frühling aber in voller Blüte hier auf Zypern, und nicht nur russische Touristen oder russiche Neuzugezogene wagen, ins kalte Nass zu springen. Das Wasser des Meeres scheint erträglich kalt zu sein, denn erstaunlich viele Leute wagen den Schritt hinein und bleiben relativ lang im blauen kalten Nass – brrrrr.

 

Für diejenigen, die sich gegen die Kälte nicht mehr so richtig zur Wehr setzen können in der zyprischen Gesellschaft, hat das Future World Centre im ersten Stock Prometheus Strasse 5 in Nikosia (Tel.:22873820) Altkleider zu vergeben. Ja, auch im reichen Zypern greift die neue Armut um sich, von der europaweit die Rede ist. Die Berichte über zunehmende Aggression und übel gelaunte Mitmenschen, die ihrem Frust Luft machen, mehren sich alarmierend. Vielleicht sollte der Eine oder die Andere von denen anstatt nach Altertümer graben gehen, um das Überleben zu sichern oder Frust abzulassen. Es wird immer lauter beklagt, dass es nicht genügend Jobs gibt. In Paphos zum Beispiel wurde Alt-Paphos (Paleopaphos) nun endlich ausgegraben, genauer: das Königreich von Paphos. Es ist auf das 2. Jahrhundert vor Christus zu datieren, wird gesagt. Einige recht interessante Bronzestatuen kamen ans Tageslicht.

In Zypern, so viel vorerst zur neuen Armut, ist das Brottosozialeinkommen um anscheinend 7% geschrumpft. Diese Zahlen dürften sich noch nach oben korrigieren, da Lohnkürzungen und Stilllegungen von Arbeitsplätzen (weil zumeist zuviel Angestellte eingestellt sind vom Staat) ansteht. Und weil wir schon dabei sind: Frauen verdienen in der Regel um 16.4% weniger als Männer in der Republik Zypern (siehe 2010 durchschnittlich ermittelter Wert europaweit).

 

Wie dem auch sei, dass Zypern ein Platz in Europa ist, auf dem schmutzige Gelder rein gewaschen werden, wird noch von allen maßgeblichen Parteien des Südens der Insel als Schmähung, ja, Beleidigung angesehen und abgetan. Das würde unter anderem deshalb von Politikern, wie einigen aus der BRD, hervorgebracht, da derart beabsichtigt werde, auf die zukünftig geförderten Erdgasvorräte, die bekanntlich vor Zypern zuhauf liegen sollen, sich einen überproportionalen Anteil zu sichern. Die Big Players, schreibt die nationalistische Ponti, würden noch darum ringen, wer das kleine Zypern letztlich in seinen Einflussbereich ziehen könne auf lange Sicht. Zum einen gäbe es den Block um Frankreich, dem Israel und Russland angehören sollen, zum anderen eben den um Deutschland, dem Holland, Dänemark, Luxemburg etc. zugehören.

 

Wie also zu lesen ist, kreisen die wildesten Theorien und Verschwörungsvermutungen, bei denen schwerlich gesagt werden kann inzwischen, welche von ihnen der Wahrheit am Nächsten kommt – von jeder trifft wahrscheinlich ein bisschen zu. Ja, es soll sogar im Umlauf sein, dass die Türkei angeboten habe, für Südzypern ’sein‘ Erdgas zu fördern, da noch immer nicht – und auch nicht in absehbar naher Zukunft („2019“?) – klar gesagt werden kann, wann überhaupt mit der Förderung begonnen wird, geschweige denn wieviel Erdgas und -Erdöl überhaupt zu fördern vorhanden sein soll.

Die Karte Erdgasreichtum wird jedenfalls dennoch im Wahlkampf auf Zypern bereits kräftig ausgespielt, so vehement, dass einem der Verdacht kommt, der nicht ganz unbegründet sein soll, dass was auch immer irgendwann gefördert wird, schon längst verhökert worden ist von der Regierung und anderen.

Doch noch das eventuell Wichtigste in diesem Zusammenhang: ein ökonomischer oder finanzieller Haircut wird ausgeschlossen für Zypern, sagt u.a. auch der Chef der Zyprischen Zentralbank, Panikos Demetriades. Derzeit hat Zypern bei Moodys eine Caa2-Bewertung, was eine zu erwartende Schuldenlast gegenüber dem Bruttosozialprodukt von 140% dann wohl verständlicher erscheinen lässt – und das soll noch nicht das Ende der Negativ-Bewertung durch Moody sein für Zypern höchstwahrscheinlich, wird vermutet.

 

Blöde, dass Frankreich nun in Mali Truppen offiziell in den Krieg ziehen lässt. Lenkt gewiss einigermaßen erfolgreich von den finanziellen Problemen im Lande ab, der Misswirtschaft.

Bekanntlich hat Paris sich mit Investitionen in Griechenland seinerzeit gehörig verspekuliert, was wiederum auch Auswüchse auf Zypern zeitigt. Die französische Supermarktkette Carrefour in Zypern ist am Wanken. Doch nicht nur auf Zypern wankt Carrefour. Renault will auch nicht so recht. ‚Glücklicherweise‘ ist Renault nicht gerade die Automarke, die die Zyprer bevorzugten. Doch die Beteiligung von Total, dem Ölkonzern aus Frankreich, wäre da neuerdings noch in die Waagschale zu legen. Schließlich wollte Frankreich mit seinem Ölkonzern, und anderen Mitteln, den Einfluss Deutschlands in Europas Südosten etwas schmälern. Doch wenn die Grand Nation über dem Rhein im Herzen Afrikas und seinen Außenbezirken der französischen Großstädte immer ersichtlicher ums eigene Überleben strampeln muss, wird wenig Zeit bleiben, die – siehe Ponti-Tagezeitung – Verbündeten Russland und Israel zu flankieren im östlichen Mittelmeer gegen Deutschland und seine Verbündeten, auch, um die Türkei in ihre Schranken zu weisen.

 

Es sieht also nicht sonderlich gut aus für Zypern und sein neu zu wählendes Parlament. Anotnis Loizou schrieb in der Cyprus Weekly neulich von „Little Hitlers“, die im Öffentlichen Bereich arbeiteten. Bekanntlich ist es nicht unbedingt leicht, dem Amtsschimmel der zyprischen Variante die Sporen geben zu können. Viel eher muss andauernd aufgepasst werden, dass das Biest einem keinen Tritt ins Hinterteil gibt – nur viel Stroh und gutes Futter besänftigen dieses Beamten-Vieh scheinbar.

 

Wie ein Tritt in die Optik kommt einem mehr und mehr Larnaka vor. Die Stadt nimmt immer mehr nahöstliches Format an. Das muss nicht unbedingt schlecht sein oder negativ verstanden werden. Viele Touristen reisten ja Jahrzehnte nach Beirut, Kairo, Damaskus oder eben der Türkei, um diesen gewissen Beton-Chic zu genießen. Häuser, die ganz offensichtlich in bester Absicht und größtem Elan gebaut wurden und dann von der Zeit so wunderschön morbid angefressen werden. Anscheinend scheint LTB, ein mächtiger Tour-Operator, sich genau diese Region und Stadt als neue touristische Attraktion Zyperns ausgesucht zu haben. Vor dem Hintergrund des zuvor Gesagten scheint der Entschluss dieser Firma gewagt, auch wenn Larnaka durchaus noch mehr zu bieten hat.

Am Flughafen von Larnaka wird demnächst nämlich, ziemlich sicher nach den Wahlen, Gambling a la Las Vegas erlaubt. Lange war die Kirche dagegen, wie es sich geziemt. Inwieweit dieselbe nun mit profitieren wird am Spiel um Geld, wird sich noch zeigen. Doch Goldgräberstimmung ist in Larnaka am Flughafen schon länger ausgebrochen. Dazu muss nur an den am Flughafen gelegenen Beach namens MacKennsey gegangen werden, wo sich das Nachtleben schon seit einem Jahr und länger abspielt größtenteils. Das Areal hat wirklich Potential. Die Straßen dorthin werden bereits repariert und erweitert. Der Parkplatz dort ist groß und wird noch größer. Ob diese Entwicklung einer nahe gelegenen weiteren Attraktion der Stadt gefallen wird, den Flamingos, die zuhauf jeden Winter aufs Neue stolz im kniehohen Wasser vor der Moschee der Tante des Propheten Muhammad stehen und ein einzigartiges Bild abgeben, bleibt ebenfalls noch im Ungewissen.

 

Ungefähr ebenso ungewiss scheint der Verbleib der Briten in der EU. Cameron schießt derzeit um sich, hoffentlich endlich mal scharf. Ein Austritt der Briten aus der EU wird von Vielen schon lange nicht mehr wirklich bejammert. Die Extrawürste, die den Briten andauernd verabreicht werden und wurden, sind inzwischen zu kostspielig – sie bringen die Solidarität in der EU ziemlich offensichtlich durcheinander und haben indirekt–direkt einen erstrangigen psychologischen Beitrag geleistet, dafür, dass Solidarität in der EU mit das Blödeste geworden zu sein scheint, was ein Staat tun kann. Wenn die Briten gehen wollen, dann sollen sie doch gehen – bye-bye!

Es dürfte aber leider anders kommen, nämlich, dass die sich abzeichnenden Konflikte in Afrika und andernorts eine sogenannte konzertierte Aktion der 3 Bigplayers in Europa (Frankreich. Großbritannien und BRD) zwingend notwendig machen dürfte – dass daher die Sonderrchte der Briten noch eine lange Laufzeit haben werden und wahrscheinlich dazu führen, eine Art zweigleisige EU zu begründen. Eine derartige Entwicklung wird nicht ausbleiben können, denn die Politiken in Griechenland, Italien und Spanien (eigentlich auch Frankreich) zeigen, dass ein Retten aus dem (in zweifacher Hinsicht) verschuldeten Schlammassel eben dieser 3 europäischen Kern-Staaten Priorität haben wird – und sei es mit dem Umweg über Afrika!

 

Ebenso ist absehbar, dass die Russlandkarte nochmals neu zu spielen sein ist, nachdem sich vorheriges Szenario installiert haben wird. Warum in den Süden Europas vergebens zu viel Energie stecken, die nur mangelhaft an ein Fortkommen in der Zukunft und global glauben lässt, wo das mächtige Russland wiederholt anbietet, einen Korridor vom Pazifik bis zum Atlantik mit Europa (noch nicht mit den USA) zu errichten?

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Junge Talente

 

Seitdem, dass der zyprische Staat die finanzielle Hilfe der EU beantragen musste, sind die schlechten Nachrichten über das Land Tagesbrot in den Medien. Es hagelt Vorwürfe und Dementi von allen Seiten, und dazu kommen noch die demnächst stattfindenden Wahlen für einen neuen Präsidenten, die ebenfalls viel Druckerschwärze in negativer Form finden.

In diesem Artikel wollen wir hingegen von einer unglaublich positiven Seite Zyperns, und das im Bereich der Musik berichten. Vor kurzem fand nämlich das jährliche Konzert der Jungen Talente (Cyprus Young Strings Solists) im Strovolos Theater von Nikosia im Rahmen einers Wohltätigkeitsveranstaltung statt. Es gab mehrere Formationen. In der größeren Formation waren unter den mehrheitlich weiblichen Kindern auch einige Burschen zu finden, der Jüngste war sicher nicht älter als sieben/acht Jahre. Was die Solisten und kleineren Ensembles angeht, waren es durchweg alles exklusiv Mädchen, die ohne Noten, aus dem Gedächtnis spielten.

 Mir wurde zugetragen, dass die jüngste Solistin erst elf Jahre zählt. Erstaunlich war, wie selbstsicher und konzentriert diese jungen Menschen vortrugen. Sogar schwierige Kadenzen wurden fein abgestimmt der Violine entlockt,  die dazu gehörige Fingerfertigkeit war wirklich erstaunlich. Das zusammengestellte Programm ist durchaus als anspruchsvoll zu bezeichnen. Es  war gewiss nicht einfach und vor allem sehr facettenreich. Gespielt wurden, also, Sätze aus Vivaldis Konzerten, von Vitali und Pachelbel, Beethoven, Schubert, Händel und die äußerst schwierige Tarantella von Pablo de Sarasate – Paganini und Brahms durften nicht fehlen.

Die Symphonie Espagnole von Edouard Lalo hätte in der Interpretation zwar feuriger sein können, was dem Stück jedoch keinen Abbruch tat. Den Abend hindurch obsiegte mehr als nur ein Schimmer von Begeisterung der Musizierenden, die die Zuschauer mit sich riss. Begleitet wurden die jungen Künstlerinnen von Catalina Teican am Klavier. Die Leitung des Abends hatte der Musikprofessor der Talentschule, Matheos Kariolou. Er ist ein bekannter  Violinist, der bereits in verschiedenen europäischen Musikakademien wirkte und sich auf die Musik-Lehre speziell  für Kinder beruflich orientiert hat.

Bei einem solchen Konzert, fragt man, ob die Welt nicht doch noch in Ordnung ist. Junge Menschen sind doch nun mal die Zukunft eines Landes. Ich glaube und hoffe, dass einige dieser jungen Leute, die uns dort bezauberten mit ihrer Kunst, die Musik als Beruf wählen werden. Nicht nur Politiker und Wirtschaftsfachleute machen eine Nation groß bzw. aus. Es hat den Anschein, dass Zypern sich im internationalen Musik-Geschäft Sektion Klassik postieren will, ja, ohne rot zu werden zeigen kann. Alle Hoffnungen sind alles andere als verloren, sondern ein Quell nationalen Stolzes, finde ich, war hier dargeboten worden, der uns jenen Abend und den Glauben an ein Morgen verschönte.

Afrika 05 274

Doch dem nicht genug: Eine andere Art von hohem künstlerischem Genuss ist letztens die Opernaufführung der Metropolitan Opera von New York gewesen, die direkt übertragen in Limassols Rialto Theater auf der Leinwand miterlebt werden konnte – live. Donizettis „Maria Stuarda“. Der Ton war wider Erwarten ausgezeichnet, die Veranstaltung leider ungenügend besucht, doch der Genuss dennoch großartig.

Die Titelrolle wurde von der amerikanischen Mezzo-Sopranistin Joyce DiDonato gesungen, die Rolle der Königin Elisabeth von der südafrikanischen Sopranistin Elza van den Heever. In den männlichen Rollen glänzten – im wahrsten Sinne des Wortes – Matthew Polenzani, Joshua Hopkins und Matthew Rose. Joyce DiDonato und Elza van den Heever waren nicht nur großartige Sängerinnen, die ihre Rollen mit einer unglaublich modulierfähigen Stimme darboten, sondern auch ihr Spiel, die Mimik etc. waren hervorragend, einfach bestechend. Man fühlte sich vor der riesigen Leinwand mitten im Geschehen sitzend, in der Metropolitan selbst. Es war – und wird sein, da weitere Übertragungen geplant sind, ein unvergleichliches Erlebnis – eben Oper vom Feinsten.

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Merkel in Limassol

Dass immer mehr Portugiesen der mangelnd vorhandenen Arbeit in Portugal wegen ihre Koffer nach Angola packen, der einstigen portugiesischen Kolonie in Süd-Westafrika, ist inzwischen schon keine Neuigkeit mehr. Ebenso, dass China massiv in Afrika Geld investiert und Land aufkauft, seinen Rohstoffhunger dort gern und günstig befriedet. Dass Frankreich in seinem ehemaligen Herrschaftsgebiet Mali die Waffen neuerdings blitzen lässt, genauer, zum Einsatz bringt, weil im Norden Malis Islamisten das Land mehr oder minder übernommen haben und die Pforte zum Süden im Land dabei sind niederzureißen, ist die letzte Nachricht, die durchaus nicht wirklich verwundert. Dass der Islamismus der radikaleren Art in Afrika noch weitere Kreise ziehen wird, ist auch nicht verwunderlich, auch, weil er eine Gegenreaktion auf das Erbe der vorangegangenen Kolonialzeit durch die Europäer widerspiegelt – auch wenn diese Erkenntnis wenig gefällt. Viele Afrikaner glauben verstanden zu haben, dass dieser Kolonialismus noch immer nicht beendet wurde und lediglich unter anderem Namen und raffinierter bis zum heutigen Tag fortgesetzt wird: Exportblockaten, Entwicklungshilfe, die eher dem Westen hilft, unfaire Handelsverträge, toxische Müllexporte, Schrottlieferungen wie alte Computer, Autos, Nähmaschinen, Leerfischen der Fischgründe um Afrika, Waffenexporte, ohne Rücksicht auf innerafrikanische Befindlichkeiten, sondern ausgerichtet nach dem Rohstoffbedarf des Westens, Chinas, Indiens, der allgemeine Rassismus gegen Schwarze etc.

Vielmehr als das wundert also, dass im seit Monaten dahin dämmernden, aber halt doch an Intensität stetig steigenden Konflikt in Mali (so auch im Senegal, Gambia und Algerien, die noch verschwiegen werden) noch keine deutschen Soldaten, wie bereits vor Monaten besprochen in gewissen internationalen Organisationen, ihren Dienst durchführen. Westerwelle und Niebel führen mal wieder ihren uns allen bekannten Eiertanz auf, bezüglich wann, wie viel Bundeswehrsoldaten aktiv in den Konflikt mit einbezogen werden, wie von der BRD-Außenpolitik in Aussicht gestellt.

Zum Eiertanz war auch Frau Merkel gestern unterwegs. Sie hatte in Limassol, Zypern, ein Treffen der europäischen Konservativen besucht. Anastasiadis, der aussichtsreichste Kandidat den freiwerdenden Präsidentensessel in Nikosia zu beerben, hatte zu diesem Treffen gerufen.

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Die Medien in Zypern waren bewegt, als ob der Kaiser von China ankomme. Was eine starke Frau am ‚richtigen‘ Platz doch alles bewirken kann – Merkelismus?! Immer mehr scheint sich heraus zu kristallisieren, dass eine Verlängerung der Kanzlerinnenschaft Merkels für Europa – vielleicht weniger für Deutschland – geradezu notwendig ist. Sie scheint der geeignete Deckel auf dem Topf des Vereinigungsprozess‘ der EU zu sein, der diesen in nächster Zeit glaubhaft und real vorantreiben wird können – sie scheint die Zügel als, wie gern gesagt wird, “mächtigste Frau der Welt” inzwischen in der Hand zu halten. Irgendwo muss ein Karren schließlich seinen Lenker, seine Lenkerin haben. Und irgendwann muss der Eiertanz in Zypern, der seit über 20 Jahren geduldet und aufgeführt wird, ein Ende haben – oder zumindest beschnitten werden.
Der Besuch von Xristofias vor ein Paar Tagen in Beirut lässt allerdings befürchten, dass der Eiertanz eine Fortsetzung haben soll, dass Kreise, die inzwischen Hände ringend nach einer Lösung suchen für ihre in Zypern gelagerten Schwarzgelder, Xristofias unmissverständlich nach Beirut aufbrechen ließen, um die Sache klar zu machen. Offiziel war selbstverständlich die Rede von den Erdgasfeldern, die gemeinsam demnächst ausgehoben werden sollen. Die Nebenvereinbarungen, die nicht einsehbar sind, deren Inhalt dürfte es in sich haben, vermuten wir.

Merkel sagte in anderen Worten vor ihrer Abreise in Zypern: Keine Hilfsgelder für Zypern, so lange die russischen Gelder nicht übersichtlich in einen Topf geschüttet wurden. Zwar bestreitet die zyprische Regierung noch immer, dass Schwarzgelder aus Russland auf Zypern gelagert sind, die darauf warten im Zuge der Umstrukturierung durch Hilfeleistungen der EU, reingewaschen zu werden, doch liegen die Beweise, dass solche Gelder auf Zypern deponiert sind, zu offensichtlich auf dem Tisch. Nicht umsonst leben an die 50.000 und mehr Russen auf der Insel. Sinn würde machen, weil jeder macht ja mal einen Fehler und manche aus Selbstgeltungssucht und Arroganz etc., vorerst diejenigen Neu-Zyprioten einer Untersuchung zu unterziehen, die 10 Millionen Euro und MEHR in der Lage waren auf Zypern zu investieren, auch, doch wohl nicht nur, um einen zyprischen Pass zu erhalten. Dabei dürften interessante Zusammenhänge zu Tage treten, an deren Analyse aber nicht jeder interessiert ist.

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Zyperns Piraten und Polizei

Die Polizei, dein Freund und Helfer. Diese Aussage trifft durchaus auch in der Republik Zypern zu – meistens. Doch dennoch lassen sich merkwürdige Dinge berichten. Von “Heldentaten” schreibt am 06.01.13 die griechisch-zyprische Alitheia-Tageszeitung, und meint damit die Beförderung von Polizisten wegen heldenhaftem Verhaltens im Dienst. Zuweilen scheint das Heldenhafte Auswüchse anzunehmen und beruflicher Ehrgeiz und Geltungssucht, ganz zu schweigen vom besseren Gehalt, zu Verstellungen von Tatsachen anzustacheln.
Kürzlich, nämlich, wurde vor dem Haus des Präsidenten der Republik eine Bombe gefunden. Komischerweise hätte die zwar gezündet werden können über Handy oder anderweitig ferngesteuert, doch die Art und Weise wie dieselbe zurückgelassen worden war und dann auch wo, ließ Fragezeichen im Kopf entstehen, war einfach zu seltsam. Nun scheint herausgekommen zu sein, dass übereifrige Polizisten dahinter stecken könnten, eben diejenigen, die die Bombe fanden und entschärften, um ihre Beförderung im Dienst zu befördern. Der Alitheia-Tageszeitung ist des Weiteren aufgefallen, dass diese Art der dienstlichen Beförderung vor allem vermehrt in der Amtszeit des noch regierenden Präsidenten Xristofias stattfindet im Vergleich zu den Präsidenten davor.

Auch im Süden der Insel, der Republik Zypern, nehmen Diebstahl und Raub in letzter Zeit etwas zu. Die Polizei hat immer öfters mit Verbrechen zu tun, die mit Drogen zu tun haben. Noch immer ist – glücklicher Weise – keine offene Drogenszene in den Städten (Limassol, Larnaka, Nikosia) anzutreffen, wie beispielsweise in Berlin, Basel oder Paris. Zürich scheint in Form eines Projekts die Erfahrung der Holländer mit der Freigabe von Haschisch demnächst auf sich nehmen zu wollen. Von derartigen Vorhaben sind die Regierenden der Republik Zypern – zum Glück – noch weit entfernt. Ein einziger Joint bringt bereits in erhebliche Schwierigkeiten, schlechtestenfalls sogar für einige Zeit in eines der Gefängnisse Zyperns.
Um so verwunderlicher, fanden wir, war neulich zu erfahren, dass der Drogenschmuggel nicht allein vom Norden in den Süden der Insel erfolgt, sondern auch umgekehrt. Ein Kurier wurde kürzlich an der Grenze mit Kokain (um die 60gr) und Grass erwischt, als er aus dem griechischen Teil in den türkischen Teil damit fahren wollte.
Die Zunahme der Diebstähle indes hat weniger mit dem steigenden Drogenkosum zu tun, als vielmehr mit der Finanzkrise und der Tatsache, dass immer mehr Mittellose aus der Türkei, Rumänien, Bulgarien und anderen Ländern nach Zypern kommen, um hier ihr Glück zu probieren. Die Chancen stehen, nach unserem Dafürhalten, für einen jungen, dynamischen und einigermaßen intelligente/n Kriminelle/n nicht unbedingt schlecht, hier irgendwie eine schnelle Mark, wie mal gesagt wurde, machen zu können. Die Insel ist klein und die ‚Arbeitsgebiete‘, wie ein Insider aus der Unterwelt uns wissen ließ, sind noch nicht klar und vollends abgesteckt. Es ging den Zyprern – hüben wie drüben – bis noch vor Kurzem relativ gut, so dass solche Aufteilungen nur halbherzig abgesteckt wurden. Das ändert sich allmählich.

Im Norden der Insel sind neuerdings auf der ersten Seite der türkischsprachigen Kibris-Tageszeitung, die meist gelesene im Norden, die Diebstähle und Raubzüge, die begangen werden zu lesen. Ein Indikator dafür, dass diese ‚Pest‘ wirklich unverhältnismäßig zugenommen hat. Besonders delikat ist der eine Fall, der den Diebstahl von Schafen im griechischen Teil der Insel angeht (Zypernundmehr berichtete bereits davon). Wir dachten, als wir vor ein paar Wochen erstmals davon hörten, es sei mal wieder eine propagandistische Attacke gewisser Kreise im Süden gegen den “illegalen” Staat im Norden.
Ein türkischer Zypriote hat demzufolge nahe Akincilar im Norden aus Ställen im nahegelegenen griechischen Zypern ungefähr 300 Schafe gestohlen, wurde gemeldet. Die Polizei im Norden Zyperns hat 7 Personen daraufhin festgenommen. Ein Teil der als gestohlen gemeldeten Schafe wurde von der Polizei, die alle Dörfer in der Region abklapperte im türkischen Teil, aufgefunden. 60 Tiere konnte aus dem Süden stammend identifiziert werden. Die Suche geht weiter. Den Schafsdieben war letzten Oktober 2012 die Polizei aus dem griechischsprachigen Süden unweit von Akincilar im türkischen Norden gefolgt und hatte dergestalt die Grenze gesetzeswidrig überschritten, als sie versuchte, dem 19 jährigen Coskun Alaslan aus dem türkischen Norden sein Handwerk zu legen.

Die gewöhnliche Polizei, wie auch die Drogen- und Anti-Schmuggel-Einheiten, haben daraufhin in Ställen und auf Wiesen Razzien durchgeführt, auch spät nachts, so genannte “Schock-Razzien”. Es werden noch über 200 Tiere gesucht. … .
Die 3 Polizisten, die damals aus dem Süden den Dieben hinterher gejagt waren in den Norden, wurden ebenfalls kurz in Haft genommen. Dieser Vorfall hatte eine kleine Krise ausgelöst zwischen den beiden Inselhälften.
Mehmet Levent schreibt nun in der nordzyprischen Afrika vom 07.01.2013:
“Wir hängen da mit drin… . Sind die Bullen aus dem Süden einem Türken hinterhergerannt? Wollten die den festnehmen, weil er etwa einige Dinge verbrochen hat? Der Helden Chor stimmt an: hat Geld aufgerissen, wahnsinn, das Ding wird gleich verdeckt!
Die verdammten Südler!
Türkenfeinde!
Deren Bullen haben unsere Grenze verletzt!

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Erinnern Sie noch …
Vor 3 Monaten gab es so eine Angelegenheit. Coskun Alaslan, wird er genannt, war mit seinem Auto drüben im Süden auf Spritztour, an der Grenze riefen die Grenzer aus dem Süden “Stop!” Doch Alaslan trat aufs Gas und kam davon. Daraufhin haben die Südler die Verfolgung aufgenommen, und ohne, dass sie sich dessen gewahr geworden waren, waren sie im Norden bei Lurumcina angekommen und versuchten den Typen – dennoch – vor seinem Haus zu verhaften. Die Dörfler dort verhinderten das und hätten die Bullen aus dem Süden fast gelyncht.
Die türkische Armee kam heran und hat das verhindert.
Die Bullen wurden verhaftet.
Teils in einem zivilen, teils in einem militärischen Verfahren wurden sie zu jeweils 5.000 TL verdonnert und dann freigelassen. Coskun Alaslan wurde – zu jenem Zeitpunkt – nicht gefragt, weshalb man ihn verfolgt habe und warum er verhaftet werden sollte. Der bekam keine Strafe – nichts. Im Gegenteil, zum Helden, der von denen aus dem Süden schlecht behandelt worden ist, wurde er hochstilisiert. Die hätten den fast zum Nationalhelden erhoben. Und dieser Nationalheld ist nun in Haft, hier im Norden. Die Polizei aus unserem Norden hat den – doch wirklich – in eine Zelle gesteckt. Und zwar habe er 60 Schafe gestohlen aus einem Bereich, der als erstgradig verbotenes Militärgelände klassifiziert ist und, weil er ohne Zoll zu bezahlen, Wertgegenstände eingeführt hat.
Haben Sie damit etwa ein Problem, dass der in den Knast geschickt wird? … .
Doch eine wichtige Frage bleibt bestehen: Wie konnte Coskun Alaslan in einem Gebiet, welches als erstrangig verboten eingestuft wird, 60 Schafe durchtreiben, die er gestohlen hat? Hat der etwa hokus-pokus gemacht? Wo keine Stechfliege fliegt, ohne dass türkische Soldaten das mitkriegten, hat der die etwa hypnotisiert? … . Dass der Feststellungsbeamte der Polizei, Leutnant Ali Tosun, sagt, aus dem Süden seien 350 Schafe entwendet worden, und es sich um ein organisiertes Verbrechen handelt, ist eine wirklich interessante Aussage!”
Das erinnert schon an die Chuzbe von Piraten vergangener Tage: entwischt der Polizei, die ihm in den Norden folgt und ist knapp 3 Monate erneut im Süden unterwegs, diesmal mit Auto – und rast davon, als man ihn stellen will.
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Der Außenminister des Nordens, Huseyn Özgürgün, da gerade die Rede von Piraten war, meinte, dass das Gerichtsurteil seines Landes nicht anerkannt werden solle, welches anordnete, dass die innerparteiliche Präsidentenwahl der UB-Partei des Nordens wegen Unregelmäßigkeiten noch einmal durchzuführen sei.

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Türkei

Während der Präsident der Republik Zypern und der oberste Mann in der Kirchenhierarchie Zyperns im Streit – mal wieder – liegen, erneuert der türkische Ministerpräsident Erdogan öffentlich und medienwirksam seine Ansicht, dass mindestens 3 Kinder in die Welt gesetzt gehörten von türkischen Familien. Der Auffassung ist er, da die Kraft der Nation zukünftig genau davon abhänge. Ein oder zwei Kinder, findet er, kämen einem Konkurs gleich. Mit 3 Kindern könnte zumindest der Standard gehalten werden, will sagen, mehr als 3 Kinder zu zeugen, wäre somit Pflicht eines jeden guten Bürgers der Türkei. 2012-12-06 11.34.10

Der Norden Zyperns hält sich an diese Vorgaben Erdogans auf seine Weise. So wird berichtet, dass nach der neulichen Zusammenkunft des Ministerrates – wie meistens – erneut Staatsbürgerschaften verliehen wurden, und zwar in lediglich einer Woche. Es ist davon auszugehen, dass die 13 erteilten Staatsbürgerschaften an ehemals türkische Staatsbürger verliehen wurden – die, nach türkischem Recht, ihre türkische Staatsbürgerschaft deswegen nicht ablegen müssen. Wir nehmen an, dass monatlich so um die 50 Staatsbürgerschaften im Norden Zyperns erteilt werden.

Im Ausstellen von Dokumenten ist auch Ankara ziemlich flink. Den kürzlich ausgestellten Fortschritts-Report der EU, der Ankara nicht gefiel, wurde geschwind mit einem eigenen ersetzt für die türkische Öffentlichkeit. Dort steht nun drin, was die Regierungspartei AKP alles an Errungenschaften geleistet hat, zwischen den Zeilen steht somit auch, dass Ankara sich von der EU schon längst nicht mehr in die Suppe spucken lässt – im Gegenteil. Knapp 152 Mrd. Exporterlöse wurden 2012 eingefahren von der Türkei. Zum Beispiel haben Exporte nach Libyen um 188% zugenommen. Dennoch: Die BRD und Großbritannien haben noch mehr exportiert.

Leider gibt es da noch diese dunkle Seite, die nicht zu erwähnen, halt unschön bliebe. In der Zaman Zeitung vom 02.01.13 wird daran erinnert, dass die Türkei inzwischen nach Russland das Land ist weltweit, welches die meisten Anklagen in Sachen Menschenrechtsverletzungen hat. Die Rede ist von inzwischen Rund 18.000 Fällen. Des Weiteren ist eine Kommission im Gespräch, die aushandeln soll, dass die Türkei bei einigen anhängigen Fällen beim Menschenrechtsgericht Geld bezahlt, allein, um die hohe Zahl von Fällen (18.000) zu schönen, also zu verkleinern.

Noch nicht ganz klar scheint zu sein, ob Abdullah Gül ein weiteres Mal Präsident der Republik Türkei sein wird können. Bislang hieß es, das türkische Gesetz lasse so etwas nicht zu. Inzwischen soll das türkische Verfassungs-Gericht zu diesem Punkt eine neue Auslegung herausgegeben haben. Wenn das zutrifft und Gül die Präsidentschaft erneut antritt, wäre der Ministerpräsident Erdogan dann schon bald arbeitslos?
Bekanntlich muss Erdogan seinen Posten demnächst räumen und die Rede war stets davon, dass er Gül als Präsidenten des Landes beerben werde.

Der Sprecher der zyprischen Regierung warnt, dass Anastasiadis und Lilikas gefährliche Vorschläge unterbreiteten bezüglich der Verhandlungen mit dem Norden, die derzeit auf Eis liegen. Beide sind aussichtsreichste Anwärter auf den demnächst frei werdenden Präsidentensitz der Republik Zypern. Xristofias, der Noch-Präsident, beschuldigte in seiner Neujahrsansprache – wie gewöhnlich – die Banken, das Unternehmertum und neuerdings auch die Kirche, die Krise vordringlich verursacht zu haben.
Nach dem, was in zyprischen Zeitungen zu lesen ist, wird immer häufiger nach der Kirche und ihrer Unterstützung der in Geldnöte geratenen Bevölkerung – wegen der Krise – gefragt. Die frommen Wünsche und Aufforderungen des Kirchenoberen zu sparen und genügsam zu sein, scheinen eher aufzustoßen als das Gemüt der darbenden Bevölkerung zu besänftigen.
Schon gut möglich, dass die vielleicht reichste Institution der Insel, die Kirche, ihre christliche Nächstenliebe demnächst wiederentdeckt und zum Beweis Gelder streut, ohne vordringlich gleich einen materiellen Gegenwert dafür zu erhalten. Doch das wird nur der Fall sein, wenn die Schäfchen zukünftig in diese Richtung noch mehr Druck und Erwartung aufbauen, was durchaus geschehen könnte.
Frohes 2013!

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