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Archive for Juni 2012

Ungeahnte Chancen

Dass Russland vor Kurzem die Hand im Spiel hatte beim Abschuss des türkischen Militärflugzeuges durch Syrien, ist für den türkischen Oppositionspolitiker Kemal Kilicdaroglu eine ausgemachte Sache.

Doch wohl nicht allein deswegen verlegt Ankara gerade verstärkt Militäreinheiten an die syrische Grenze. Sollten diese Einheiten gegen Damaskus nicht gebraucht werden, dann könnte ja vielleicht Bedarf bestehen, sie gegen aufsässige Kurden in der Region einzusetzen. Und dass ein Problem mit den Kurden im Land weiterhin besteht, zeigt sich derzeit an den vermehrt abgedruckten Beiträgen in den türkischen Tageszeitungen bezüglich der damaligen Ergreifung des vermeintlichen Kurdenführers Abdullah Öcalan, der sich einst in Syrien aufgehalten hatte: „Hätte Assad Öcalan nicht fortgeschickt (aus Syrien), wären wir einmarschiert!“ Im Jahr 1974 hat Ankara zur Genüge demonstriert auf Zypern, dass es derartige Drohungen auch umzusetzen versteht. Öcalan war also gezwungen, Anfang der 90er Jahre Syrien zu verlassen, ein Schritt, der seine Ergreifung irgendwo in Ostafrika nach einer kleineren Odyssee über Athen, Rom etc. herbeiführte und eine Inhaftierung in der Türkei, die bis zum heutigen Tag erfolgt.

 

Auf Seite 16 der Hürriyet vom 27.06.12 steht in großen Lettern mit einem Bild Erdogans darunter, der ganz entschlossen dreinblickt und die rechte Hand wie zum Schwur erhoben hat: „Wenn du dich näherst, bist du das Ziel!“ Gleich daneben auf gleicher Seite befindet sich ein Artikel von Sedat Ergin, der als Überschrift trägt: „Baschar Assad zu stürzen, egal wie, ist legal!“ Diese Aussage von ‚Erdogan besagt, wird in der Hürriyet gemutmaßt, dass Ankara die syrischen Oppositionellen oder Freiheitskämpfer oder Terroristen (je nach Ansicht) offiziell mit Waffen etc. unterstützt, was bislang, wenn dem überhaupt so war, lediglich inoffiziell geschah. Operationen des gefürchteten türkischen Geheimdienstes MIT in Feindesland sind da selbstverständlich mit inbegriffen. Die syrische Opposition, wie auf Zypernundmehr-News bereits berichtet wurde, hat in Istanbul ihr Hauptquartier schon seit Längerem aufgeschlagen.

 

Auf Seite 17 der zuvor erwähnten Ausgabe der Hürriyet beurteilt der Journalist Mehmet Y. Yilmaz die Aussagen Erdogans zum Abschuss des Flugzeugs des türkischen Militärs als eine „inoffizielle Kriegserklärung“. Er schreibt des Weiteren und zitiert den türkischen Premierminister Erdogan: „Die Einsatzregelung der türkischen Streitkräfte hat sich gemäß der neuen Bedingungen angepasst. Jedwedes militärisches Objekt, welches sich von Syrien aus in Richtung Türkei bewegt, wird als Gefahr eingestuft und als Ziel vom Militär angesehen. Wir warnen das syrische Regime, keine Fehler zu machen und die türkische Regierung nicht herauszufordern.“ Die südzyprische regierungsnahe Haravgi-Tageszeitung tönt mit Zitat von Assad: „Wir befinden uns im Krieg!“

 

In Zypern sind 30 Geier aus Kreta (Griffon Geier) eingetroffen, um die aussterbende Population vorort zu erhalten oder zu erweitern, ist zu lesen am 29.06.12 in der Cyprus Mail. Für die Zeit nach der EU-Präsidentschaft, wie wir unschwer erkennen können, wurde also endlich mal vorausschauend und mit Politik der Übersicht gesorgt – wenn auch eventuell vorerst nur symbolisch.

 

Der Vize-Präsident der parlamentarischen Gruppe der EU mit dem Namen Volkspartei, Herr Kassoulides, ein Zypriote, die für auswärtige Beziehungen mit zuständig ist, glaubt, dass die EU-Präsidentschaft Zyperns die EU näher an die Nachbarn im Süden heranführen wird. Fragt sich nur, in welchem Kontext das geschehen wird. Denn Ankara wird ziemlich sicher bei seiner Weigerung bleiben, die EU-Präsidentschaft Zyperns anzuerkennen und – was eigentlich undenkbar ist – wird seine im Süden der Türkei konzentrierten Militäreinheiten, wenn nicht gegen Syrien oder/und die Kurden im eigenen Lande, so doch zumindest als Drohkulisse in Richtung Nikosia und Brüssel gern installiert und eingesetzt wissen. ‚Dank‘ sei Assad und seinem ehemaligen Freund Xristofias!? Auch vor diesem Hintergrund plus der Tatsache, dass Zypern die EU-Präsidentschaft gleichzeitig als Bittsteller antritt, hätte Nikosia eventuell besser mehr Rückgrat gezeigt und wie von einem CDU-Politiker bereits gefordert, spät, aber nicht all zu spät, die Präsidentschaft kurzfristig abgesagt und dies als Gelegenheit genutzt, das Unmögliche möglich zu machen, indem auf die Forderungen des Nordens eingegangen worden wäre. So dass einer Vereinigung einfach nichts mehr im Weg stünde von griechisch-zyprischer Seite aus. Wie das Beispiel Deutschland zeigt, kann an einer Zweistaatlichkeit manchmal nicht vorbeigegangen werden. Die braucht es, um Respekt etc. zu demonstrieren – Anerkennung. Der Wandel von Angela Merkel kürzlich zeigt spätestens und erneut, dass Politikbetreiben flexibel-sein bedeutet. Im Lichte der bewaffneten Konflikte in der südosteuropäischen Region und der sich aufbauenden Spannungen, sind innerzyprische ideologische und anders geartete Zerwürfnisse aus vergangener Zeit mega-out. Brüssel, im Zuge der anstehenden Troika-Visiten, muss endlich gehörigen Druck auf die griechischsprachigen Insulaner ausüben, um einem bewaffneten Konflikt, der direkt oder indirekt die Zypernfrage tangieren könnte zukünftig, den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Manche Leute müssen offenbar zu ihrem Glück bewegt werden. Im Falle Südzyperns handelt es sich dabei auch um Leute, die sich schämen ein- oder zuzugeben, dass das Sprichwort: ‚wer anderen eine Grube gräbt, fällt irgendwann mal selbst hinein‘ bei ihnen der Fall geworden ist. Da hilft auch kein vermehrtes Aufstellen von Vogelfallen anstatt oder Verdrängen historischer Abläufe in Schulbüchern und Fernsehdiskussionen bezüglich des Erstschlages – oder angriffs, den man einst durchgeführt hat! Das deutsche Beispiel sollte genau hier dringend Schule machen. Die Franzosen hätten gerade die Chance, beim Eingestehen ihrer Schuld einst in Algerien etc. den Zyprern als Vorbild vorauszugehen. Der Türkei würden derartige Bekenntnisse das ihre nur erleichtern. Und wenn man sich schon als modern, demokratisch und transparent geriert im Westen, dann bitte sehr zum Beispiel anhand dieser Fragen den Beweis erbringen. Wenn nicht jetzt, wann dann?

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Löw ist geschlagen. Die Deutschen sind geschlagen. Savoir vivre hat über Austerität und Strebertum gesiegt. Gute Zeichen überm Sommerloch also.

Der Sommer ist endlich ausgebrochen, lässt keine weiteren klimatischen Einschränkungen mehr zu – zumindest hier auf Zypern. An erster Stelle im Tagesablauf steht hier gewiss bei Vielen die Frage: Vor oder nach dem Frühstück schwimmen gehen im Meer?

Hier am Maroni-Beach hat sich Einiges geändert. Vor ein Paar Jahren stand dort allein und verlassen noch ein großes Schiff ungefähr 30 Meter weit vom Strand entfernt, der nicht so viel Sand wie heutzutage hatte und schon gar nicht von einem Traktor mit Egge zurechtgekemmt wurde. Recht wenig Badefreudige fanden sich dort damals ein. Das griechische Militär verirrte sich dort glegentlich hin – tut es noch heute, um Manöver oder so etwas abzuhalten. Ein alter Mann war tagtäglich mit Buch in der Hand zu sehen auf einem der Felsen nah des Wassers. Schweigsamer Typ wars, ein Einheimischer.

Unweit vom Beach gibt es die Goulla. Da kann gut eingekauft werden, einer der einheimischen Bauernbetriebe kann derart unterstützt werden. Goulla ist gut besucht, und im Gegensatz zu anderen Lokalitäten, ist sie eigentlich immer ansprechbar und freundlich.

Und dann kamen die ersten Surfer an den Strand, das Schiff wurde weggeschafft, dann waren da plötzlich Camper, dann nahmen am Strand von Maroni die kleinen Schiffe zu, die unbedingt dort ins Wasser gelassen werden mussten. Heute morgen hatte ich den Eindruck, es könnte sich nun gar ein Waterskying etabliert haben – der Maroni-Beach heißt nun auch nicht mehr Maroni-Beach. Zwar bin ich dort nahezu täglich, doch den neuen Namen auf dem Schild, den kriege ich irgendwie nicht ins Hirn hinein.

Doch für alle, die es dennoch miterleben müssen, am 21. Juli 2012 ist endlich Beachparty. Überall in der Gegend hängen inzwischen Transparente, die die frohe Botschaft verkünden. Abends um 8.30 Uhr gehts los. Eintritt wird es auch kosten. Ich glaube, da stand was von 10 Euro. Das haben wir bestimmt dem Imbiss zu verdanken, der sich dort breit macht. Im Winter ist er oben an der Straße neuerdings. Im Sommer wirkt er unten am Beach mit Souflakia, Döner, Eis, anti-alkoholischen Getränke und selbstverständlich Bier. Liegestühle mit Sonnenschirm gibt es auch zu mieten. Keine Ahnung, was der Spaß kostet. Noch habe ich mich nicht drauf eingelassen. Noch beäuge ich all das missmutig. Wahrscheinlich braucht es noch eine Zeit, oder einen Besucher aus dem fernen Norden Europas, bis ich plötzlich die Vorzüge dieser Invasion am Maroni-Beach preise und gutheiße. Ähnlich geht es mir jedenfalls bereits am Mc Kensey Beach von Larnaka.

Ich finde es ganz gut, dass die Deutschen gestern im Halbfinalspiel gegen die Italiener verloren haben. Also wenn man so langweilig spielt und dreinguckt, hat man nichts anderes verdient. Außerdem haben bei den Italienern alle Spieler inbrünstig die Nationalhymne mit gesungen. Bei den Deutschen war das nicht der Fall. Die Deutschen mit ausländischen Wurzeln, wenn es mal so genannt werden darf, haben ihre Münder auch vor laufender Kamera nicht bewegt. Es scheint da offenbar ein Thema zu geben, welches, wie zum Beispiel Homosexualität unter Spielern oder Doping, nicht angerührt wird von den Massenmedien – noch nicht. Und was schon länger nicht verstanden wird von Vielen, ist, dass alle Welt in Deutschlands Mediensuppe diese Mannschaft und ihren Trainer so in den Himmel jubeln. Ja gehts noch langweiliger auf dem Platz? Die scheinen neuerdings mit dem Ball ins Tor laufen zu müssen – geben ab untereinander, bis sie in der Verteidigerkette des Gegners kleben wie Motten, immer wieder. Anscheinend darf keiner der von Löw getrimmten ELF vom 16er oder kurz dahinter herzhaft abziehen. Und dann diese ständigen Rückgaben auf den Torhüter. Das hätte man noch lauter ausbuhen müssen. Nee, nee, schon ganz gut, dass Savoir vivire gewonnen hat und die Kirche dergestalt im Dorf bleibt.

Schwül ist es hier in der Gegend von Maroni. Maroni ist auch nicht weit von dort, wo das Aldiana Hotel steht und das ist der Ort, wo überwiegend deutschsprachige Touristen Urlaub machen. Die Gegend ums Aldiana ist gar nicht so schlecht. Doch könnte dem schon so sein, dass sich der karge Charme der Landschaft sich nicht jedermann erschließt, und dass Herr oder Frau Tourist halt gern noch etwas MEHR erleben würden in der Nähe des Hotels. Das Aldiana liegt in der Pampa: Strand, Strand, Strand und schöne karge Landschaft, die den Meeresrand säumt. Einzigartig für den, der oder die es sehen kann und will. Doch keine Angst, das Angebot zieht langsam aber sicher an.

Ein Dorffest steht in Maroni demnächst auch an. 15 Euro Eintritt soll dafür bezahlt werden. Wen es interessiert, am 28.06.12 ist es so weit. Wahrscheinlich wird sich das Dorf von seiner besten Seite zeigen. “Ambelopoulia”, also Singvögel, werden eventuell als Leckerbissen gereicht, doch wenn, dann bestimmt unter der Hand. Weil hier in der Gegend soll es recht viel illegale Vogelfallen geben wie wahrscheinlich genau so viele Häuser zum Verkauf oder zur Miete. Und gebaut wird auch noch immer recht kräftig. Wie Pilse springen Häuser hier aus dem Grund. Man kann ihnen beim Wachsen zusehen, aber eine gewisse Aufmerksamkeit und Zeit braucht man dazu schon. Weil die Dinger haben irgendwie immer den gleichen Trick zu laufen. Da denkt man irgendwann: oh, das wird auch wieder eine Bauruine und steht nun für Jahre so kahl in der Landschaft wie hier, dort und an vielen anderen Orten. Und dann kommt man nach 15 oder 17 Monaten vorbei und sieht verwundert, dass diese Ruine ‚glücklicher Weise‘ nun doch nicht Ruine bleibt, sondern dass irgendjemand daran zu werkeln scheint. Meistens ist dem so. Aber es gibt durchaus auch Projekte, die in einem Zug sozusagen hochgezogen werden. Die sind aber die Ausnahme. In der Gegend um Maroni wurde wegen der EU-Präsidentschaft Zyperns, glaube ich, keine Verschönerung der Dörfer und Kleinstädte veranlasst von Seiten der Regierung. Zygi, das ist das Nachbardorf von Maroni, hat jedenfalls einen schönen neuen Hafen erhalten, der durchaus geeignet ist, mit Yacht, Kind und Maus anzulegen. Keine Ahnung, ob dort noch Anlegeplätze zu haben sind. Sieht aber danach aus. Zu groß, finden viele, ist er jedenfalls geraten, sodass in Zukunft sich noch einiges dort bewegen könnte. Es darf mit Spannung gewartet werden, wer sich dort noch einrichten wird. Denn irgendwo muss ja auf Grund des zu erwartenden Reichtums der Erdgasförderung in nächster Zukunft noch ein vergleichsweise günstige Anlage geschaffen werden am Meer.

Ja, es ist heiß derzeit. So richtig schwül ist die Luft. Die Sonne knallt, die Katzen liegen unter Sträuchern und Bäumen, chronisch kranke Europäer aus dem Norden verlassen langsam aber sicher temporär ihre zweite Heimat Zypern. Der Konflikt in Syrien ist noch nicht spürbar angekommen, doch Vorkehrungen für einen demnächst eintreffenden Flüchtlingsstrom wurden offenbar getroffen. Diebstähle und Raubüberfälle haben rasant zugenommen, doch hier in Maroni und der näheren Umgebung scheint das Phänomen noch nicht spürbar angekommen zu sein. Die Stadt Pafos soll ganz schlimm betroffen sein davon und Agia Napa versucht offenbar gerade Pafos diesen ‚erstklassigen‘ Rang in der Verbrechensliste abzulaufen.

Ansonsten nichts wirklich Neues. Der Fischbestand des Meers scheint sich immer noch nicht vom vielen Fischen erholt zu haben. Fische sind beim Schwimmen keine zu sehen und wahrscheinlich auch daher so teuer in Restaurants zu haben, wie sonst selten wo in Europa. Neuerdings tritt man auch am Maroni-Beach auf seltsame Wesen im Wasser anstatt lustig bunter Fische, die sich dort im Meeressand eingerichtet haben – so mir geschehen. Diese Wesem hinterlassen einen ekelig stechenden Schmerz, aber keinen sichtbaren Stachel. Doch denjenigen, den die erwischen, zwingen sie für einige Stunden auf ‚mit-halber-Kraft-voraus‘ zu schalten. Stechmücken gibt es wenige dieses Jahr. Im Radio war zu hören, dass nächste Woche ein Krieg gegen Stechmücken geführt wird von Seiten der Gesundheitsbehörde, den man gewinnen wird. Keine Ahnung, ob das so eine wirklich gute Nachricht sein soll, wenn ich an das Gift denke, welches sich zu all den anderen Giften, die so gestreut werden auf den Feldern, wie zu sehen ist, addieren wird.

Pech gehabt!?

Gestern Kühe in Ställen stehen gesehen, wo ich keine Kuh reinstellen würde. Kein einziger Grashalm ist dort je wieder zu sehen, kommt einem bei dem Anblick der Anlage in den Sinn. Die Kühe werden wohl mit anderem Zeug als Gras gefüttert. Sahen ziemlich stark verdreckt aus, nicht sonderlich glückllich. Die armen Viehcher standen unweit eines Dorfes namens Kivisli, welches gar nicht so weit von Maroni entfernt ist. Das Dorf mit türkischem Namen, was durchaus selten ist im Süden, liegt ungefähr zwischen Maroni und den paar Windrädern, die gesehen werden können bei einem weiteren Dorf namens Klaudia, wenn man von Maroni Richtung Larnaka angefahren kommt. Doch so weit braucht nicht gefahren zu werden, um derartig schlecht gehaltene Rinder zu sehen. Maroni und seine Umgebung haben da leider Einiges zu bieten.

Erfreulich wenig Laubstaubsauber werden derzeit gerade in Betrieb gesetzt. Die waren ansonsten, genauer seit etwas mehr als einem Jahr, hier in der Gegend an einem Freitag oder Samstag der Standardlärm – der musste offenbar sein, gern auch ganz früh am Morgen und in nächster Nähe. Wahrscheinlich bewegt sich kein ungeliebtes Tierchen mehr durch das fürs Auge schön-getrimmte Grün in jenen Gärten und kein Blättchen liegt unschön auf dem Boden verdorrt, sodass der Sauger nicht zu Rat gezogen wird. Ein Lob daher der Wasserzufuhr per Schlauchsystem, die funktioniert. Und auch die Swimmingpools sind selbstverständlich trotzdem voll, und zwar bis zum Rand mit kostbarem Trinkwasser. Dieses Jahr wurde von der Regierung noch kein Aufruf so lanciert, dass unüberhörbar vernommen werden musste, Wasser einzusparen.

In die Cafes der Einheimischen sich zu setzen, scheint vielen Ausländern nicht leicht zu fallen. Es habe atmosphärisch keinen Vergleich mit Griechenland oder drüben im Norden. Die griechischen Zyprer kreieren eine etwas eigenbrödlerische Atmosphäre, wird gesagt, ihre Blicke können von Ausländern offenbar nicht immer so interpretiert werden, dass die sich animiert sähen, genau dort und nirgendswo anders einzukehren.

Am 25. Juli kann auch Theater auf dem Dorfplatz von Maroni geguckt werden. Eintritt soll angeblich nur für die Einwohner von Maroni kostenlos sein. Weitere Neuigkeiten zu Maroni und der Umgebung gibt es auf der Webseite: www. moroninews.com einzusehen. Diese kleine Monatszeitung ist eine sehr britisch dominierte Angelegenheit, die, nachdem, was die zahlreichen Werbebanners darin vermuten lassen, dazu angelegt zu sein scheint, wie eigentlich jede andere Zeitung in der Welt auch, abgesehen von der Neuigkeit, die es zu verbreiten gilt, auch Geld, Ansehen und Beziehungen einbringen soll.

Unweit von Maroni gibt es einen Schweinemastbetrieb, der je nach Stand des Windes die Geruchslage in der Stadt dominiert, hoffentlich nicht dann, wenn einige der Ferkel, Säue oder Eber gegrillt zum Eintritt von 15 Euro eventuell an jeder Ecke des Dorfes beim Fest am 28.06.12 zu haben sind. Löw und Schweinsteiger sollten mal die dran lassen, die nicht auf dem Grill landen, weil sie das Gitter ihres Stalles irgendwie durchbrochen haben – siehe Bartonelli.

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Gestern war es endlich so weit – die EU-Präsidentschaft der Republik Zypern war, was uns Journalisten angeht, eröffnet worden. Die dazugehörige Webseite www.cy2012.eu wurde vorgestellt.

Da saß ich nun in der Rikstrasse 12 von Nikosia, die nicht unbedingt leicht zu finden ist. Das Problem beginnt für jemand ohne Beifahrer schon damit, dass nirgends ein Schild zu sein scheint in der Rikstrasse, welches einem sagt, du bist in der Rikstrasse. Nachdem die Strasse, welche nach Limassol führt, verlassen worden ist, die Verlängerung der Makarious, sagt auch Nichts: so, und jetzt mein Freund befindest du dich in der Rik Nummer 12 oder 24. RIK ist bekanntlich der Name des staatlichen Fernsehsenders der Republik Zypren. Und da in etwa 400m oder etwas mehr auf der linken Straßenseite nach der Kreuzung oder am Anfang der Rikstrasse eine große eindrückliche Antenne zu sehen ist, steuerte ich darauf zu und vermutete in der Rikstrasse zu sein. Ja, ich fuhr sogar am Pförtner am Eingangstor des RIK-Senders vorbei ohne Kontrolle, und ihn ansprechen wollte ich nicht, weil in dem Moment war mir gerade entfallen, nach was ich denn eigentlich hätte fragen sollen. Veranstaltung um 11.30h hätte wahrscheinlich nicht viel weiter gebracht. Also fuhr ich in den Hof und durfte feststellen, dass Gäste sich ganz willkommen weit hinten im Gelände und ohne Überdachung abstellen dürfen. Das tat ich und begab mich zu Fuß in Richtung Pförtner. Auf dem Weg dorthin gab es zwar auf der linken Seite Gebäude, die aber irgendwie nicht so richtig einladend aussahen. Nichts, welches mir irgend etwas gesagt hätte, war daran geschrieben, und ins Cafe kam ich dann schon nicht mehr unweit des Pförtners, weil der war inzwischen aus seinem Kabuff herausgetreten und rief mir etwas zu mit unüberhörbar herrschaftlichem Ton. Es klang jedenfalls so, dass ich besser auf ihn zugehe als es wage, anstatt ins Cafe abzubiegen. Nicht etwa, dass mir der hohe Herr entgegengekommen wäre. Mit Händen in der Hüfte und auf seinem Podest entsprechend erhoben, blickte er auf mich hinieder. Immerhin hatte der Weg zum Pförtner bewirkt, dass zwischenzeitlich aus den Tiefen meines Kurzzeitgedächtnisses “to spiti tou dimosiografou” hervorgequolen war als an ihn zu richtende Frage. Leider verhaspelte ich mich schon beim ersten Versuch. Denn Griechisch sprechen, nein, das geht nicht wirklich. Also sagte ich es auf Englisch. Das verstand der Pförtner aber nicht. So riss ich mich zusammen und sagte es nochmals, diesmal langsamer und erneut auf Griechisch. Das Wort Journalist (dimosiografos) wollte einfach nicht rauskommen. Zuvor, auf dem Weg zum Pförtner, war das Thema meines Selbstgespräches, ob der Genitiv denn wohl so, wie ich dachte, richtig gebildet wird von mir oder nicht. Immerhin, der Pförtner verstand mich endlich, nachdem ich alle genitivistischen Schnörkel wegließ und drei Mal mich in “dimosiografou” vor seinem gestrengen Blick übte. Dann sagte ich nochmals „spiti“, was Haus bedeutet, und er sagte zu meiner Freude “estia”, also: Sitz der Journalisten oder so.

Ich war selbstverständlich daran vorbeigefahren. Das Örtchen kann nicht so ohne Weiteres gefunden werden, weil miserabel ausgeschildert. Straßennummernschilder an Häusern sind nun mal nicht die Regel auf Zypern. Und wenn es die gibt, kann es durchaus sein, dass sie so angebracht sind, dass dieselben eigentlich nur ein Insider oder der wahre Zufall entdecken kann.

 

Der Erste in den heiligen Räumen der Journalie in der Rikstrasse 12 war ich, 15 Minuten zu früh. Angekündigt wurde allerdings bereits kurz danach, und zwar einem Herrn in Schlips und Kragen links hinter mir in der Reihe sitzend, dass die letzte Fassung der Rede von Stefanos Stefanou leider nicht die Ausgedruckte, die ihm vorliege sei – wir hatten nämlich einen Reader erhalten und sogar ein Schlagwortheft, welches Fachtermina auf Griechisch wie auch Türkisch erklärte. Mir diese Nachricht ebenfalls netterweise zu übermitteln, blieb aus – ich hatte halt keinen schönen Anzug an. Die aktuelle Version könne, sagte sie ihm, aber von der Webseite, die gleich vorgestellt werde, heruntergezogen werden.

Kaum war die nette Dame verschwunden, baute sich ein Kameramann zwischen mir und der Leinwand auf, auf der ganz gewiss die Webseite der Präsidntschaft Zyperns vorgestellt werden sollte. Noch bevor er sich ganz entpackt hatte, sein Stativ stand bereits groß und mächtig vor meiner Linse, musste ich einfach irgendeine Bemerkung loswerden. Es trieb mich innerlich dazu, weil ich diese Unhöflichkeit – leider gleich wieder – mit dem eventuell vorhandenen Dienstpersonal-Ding verknüpfte. Letzteres soll besagen, dass Kinderlein von Dienstpersonal herangezogen – oder in einer Gesellschaft, wo es dieselben zuhauf überall gibt – eventuell ihr Leben lang glauben, dass alles, was etwas dünkler im Aussehen ist, übersehen werden könne, beziehungsweise zu Diensten steht und sich konform der Bedürfnisse eines solchen Kindes verhält. Es galt also die richtige Wortwahl zu finden. Ich entschloss mich für: “do you really think that…” und den Rest sagte ich nicht, sondern fuchtelte mit den Händen kurz zur Leinwand deutend. Stoisch und nicht sehr begeistert, packte der Herr Kameramann sein Stativ ohne eine Art Entschuldigung oder so was von sich zu geben und positionierte es 2 Reihen hinter mir. Na, geht doch, dachte ich mir.

 

Der schmucklose Raum, indem ich saß, besteht aus 13 Reihen und in jeder Reihe, sollte ich mich nicht verzählt haben, sind 13 Sitzmöglichkeiten angebracht. Inzwischen war her Stefanou mit geschwollener Brust angekommen. Er hatte, nun, da ich ihn zum ersten Mal live sah, die Aura eines Dorffußballstars, der sonntags auch der Pfarrrer der Gemeinde ist und von beiden sozialen Quellen der allgemeinen Anerkennung in vollen Zügen zu zehren scheint. Als erste Tat hielt er, gerade Platz genommen auf dem Podium, sein Handy in der Hand und die eine Hand vor dem Mund, damit ihm niemand aus der Zuschauerschaft, vermute ich, von den Lippen abliest. Zwei Frauen umgaben ihn. Eine hatte sich mir als die Mutti für Alles vorgestellt, als ich reingekommen war und sie fragte, ob sie den Laden heute schmeißen wird.

Dann recht pünktlich, manch böse Zunge würde sagen unzyprisch, war der kleine Saal im Haus der Journalisten zu einem Drittel, schätzte ich, mit Journalie gefüllt. Einige bekannte Fernsehgesichter waren sogar zu sehen. Zwei Deutsche konnte ich vernehmen. Ein Engländer schien auch unterwegs zu sein. Türkische Zyprer waren ebenfalls anwesend, die ohne Übersetzung auskamen, wie ich sehen konnte. Der Raum hat durchaus eine Art heimelige Ostalgie versprüht, könnte aus Ostberlin stammen. Die Wände sind in goldenem Farbton gehalten. Fenster kann ich gar keine erinnern, waren aber bestimmt vorhanden.

 

Als Stefanou fertig war, hat er zu meiner Verwunderung seiner Rede wegen, keinen Applaus erhalten. Niemand wollte sich dazu erniedrigen offensichtlich. Die Übersetzerin ins Englische, soll noch gesagt sein, hinkte verheerend hinterher. Der Herr, der nach Stefanou sprach und die Webseite der EU-Präsidentschaft der Republik Zypern der Journalie im Detail erklärte, hächelte in wahnsinnigem Tempo durchs Thema – ohne Rücksicht auf Verluste. Entsprechend abgehängt war die Übersetzerung, die eventuell von einem Blatt ablies in der Not. 2-3 Links konnte er zur Veranschaulichung, dessen, was er beabsichtigte zu sagen, allerdings nicht öffnen in seinem Vortrag, was er gut zu übergehen verstand. Er sprang thematisch einfach weiter. Bei dem Tempo war das denn eigentlich schon fast egal. Zuhause angekommen überprüfte ich die Links noch Mals. Die scheinen inzwischen zu funktionieren und brauchen auch nicht so zeitlich ewig lange, wie zum Zeitpunkt der Einführung, um sich zu öffnen. Es war zuweilen wie am Internet zuhause vor 15 Jahren: warten, warten, warten! Das gab der Präsentation ja durchaus auch was Sympathisches. Stefanou meinte, er sei stolz, die Präsidentschaft auszurichten und es werde alles ein Erfolg werden. Na, bei so viel Selbstsicherheit wünsche man auch noch viel Erfolg unterm lang und äußerst ‚klug‘ vor der Öffentlichkeit verneinten Gang unter den EU-Rettungsschirm. Ein geteiltes Land regiert nicht nur eine nordsüd-gesplittete EU, sondern ein finanziell Abhängiger regiert das System für den Zeitraum von 6 Monaten, welches ihn aushält. Yin-Yang auf Europäisch.

 

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Zyperns Sündenregister

Deutschland ist gestern ins Halbfinale bei der EM in Polen und der Ukraine vorgedrungen – nicht unbedingt durch überzeugende Leistung. Man bedenke, der Gegner namens Griechenland war doch ohne den Mittelfeldspieler Karougiannis angetreten. Das ist und war, als wäre Deutschlands Regierung ohne Merkel im ehemaligen Reichstag zur Abstimmung einer wichtigen Vorlage angetreten.Merkel, wie in den Zeitungen zu sehen war, genoss in Sieger-Prolo+Pose den Sieg der schwarz-weiß- gekleideten Nationalelf über die Lebenskünstler im helenistischen Blau sichtlich.

Ja, und da gäbe es ja noch diese Verwandten dieser Lebenskünstler vom südöstlichen Mittelmeer, die sich nicht in gleicher Art und Weise wie die Griechen in Philosophie und Medizin einen Namen einst machten. Die Rede ist von den Zyprern. Die letzteren scheinen irgendwie andere Befähigungen vermehrt zu pflegen. Ein Beispiel aus der Neuzeit: Der Handel mit getürkten Billets zur Olymiade in London diesen Sommer läuft unter anderen Destinationen auch über Zypern. 

Ungefähr um diese Zeit vor einem Jahr explodierte ja ein Munitionsdepot in der Ortschaft Mari auf Zypern. 13 Menschen kamen ums Leben. Ein Mitglied der griechischen Streitkräfte wird sich demnächst vor Gericht deswegen verantworten müssen vor Gericht. Griechenland konnte mit diesem Schritt eine Auslieferungen dieses Mitglieds des Militärs nach Zypern vermeiden. Doch dass nun zyprische Militärs und Andere, die ebenfalls Verantwortlichkeit bei dieser Schlamperei tragen und trugen, anscheinend straffrei ausgehen, ist ein Skandal zyprischer Sonderklasse. Die waren schließlich an dem Ereignis genau so verantwortlich beteiligt, wenn überhaupt, wie die Griechen. Sie haben offenbar das Glück, auf zyprischem Boden beheimatet zu sein, wo scheinbar eine etwas andere Rechtsansicht und – auslegung herrscht als andernorts. 

Dass dem so ist, zeigt sich auch an einigen anderen Stellen. 

Seit Jahren ist Zyperns Ruf lediert, um nicht zu sagen beschädigt. Denn auch die Republik Zypern, und nicht nur die bösen illegalen vom türkischen Teil (KKTC) der geteilten Insel, hat äußerst schlechte Noten bezüglich Frauen- und Menschenhandel. Nachlesbar sind diese Behauptungen in einem Gutachten des US State Departments, welches gerade raus kam. Es seien ungenügend wirksame Strafmaßnahmen für ein derartiges Delikt zur Abschreckung installiert auf der Insel  – noch immer! Das Ergebnis dieses Gutachtens findet durchaus Unterstützung, unter anderem durch die Zahl der Verhaftungen, die bislang auf diesem Feld erfolgten, obgleich das Problem ein ungeahntes Ausmaß haben dürfte, auch im griechischsprachigen Zypern und nicht nur im türkischen Teil. Es wurden lediglich 4 Personen verhaftet, 3e im Jahr 2010 und 1er 2011 – ein Witz! 12 Monate Knast wurden durchschnittlich verhängt. Derartig milde Strafen werden dieses kriminelle Klientel wahrscheinlich nicht sonderlich schrecken. Keine Kampagne sei bislang in die Wege geleitet worden von Seiten der Behörden, um bei zyprischen Männern mal so etwas wie ein Unrechtsgefühl beim Besuch unfreiwilliger Sexanbieterinnen oder -anbietern anzutrainieren, wird gerügt vom State Department. Nichts! Das ist wirklich wenig lustig, trotz des historisch-mythologischen Hintergrunds. Denn bekanntlich wurde Afrodite ja auf Geheiß von Zeus ins Bett anderer Männer befehligt, ja, auf dessen Geheiß sogar vermählt.

Ob Afrodite ein Opfer genannt werden kann, überlasse ich anderen zu beurteilen. Jedenfalls dürfte es einige geben, die wohl hoffen, nicht Opfer einer Rüge seitens des Europäischen Rats zu werden. Die Rede ist von denen, die in Zypern den Führerschein gemacht haben. Und die vermutlich ein Liedchen darüber singen können. Die Prüfungen, als markantestes Detail dieses unvergleichlich ungleichen Erlebnisses, werden so abgehalten, dass der Prüfling ganz alleine mit dem Prüfer im Auto fährt bei der Prüfung, somit auf Gedeih und Verderb dessen Willen und Beurteilung ausgesetzt ist. Doch das scheint es noch nicht einmal zu sein, was der Rat zu beklagen hat. Irgendeine Direktive des Europäischen Rats wurde nicht eingehalten, was es demnächst verunmöglichen könnte, in Zypern erworbene Führerscheine in der EU benutzen zu können so ohne Weiteres. Fahrprüfer und Berufsfahrer sollen nämlich endlich auf europäischen Standard gesetzt werden. Beim Augentest, ist zu erfahren von Betroffenen, liest der Prüfling mal schnell 2-3 Buchstaben oder Zahlen von einer Tafel ab, die in ungefähr 10m Entfernung hängt, und das wars. Erste Hilfekurs? Fehlanzeige!

Nicht viel besser sieht es für saisonale Arbeiter aus, die in Agenturen tätig sind, beklagt der Rat. Diese Menschen seien nicht ausreichend geschützt, deren Arbeiterrechte nicht annähernd zufriedenstellend gewährleistet – so auch in Schweden. Eigentlich hätte diese Direktive bereits zum 05.12.11 umgesetzt werden müssen. Und da wäre noch das Problem der Sklavenhaltung. Entschuldigung. Wir meinten selbstverständlich der Beschäftigung von Menschen, die nicht offiziell im Land leben, keine Papiere haben. Damit hat Zypern leider auch ein Problem, sonst hätte man, wie gefordert, die Direktive 2009/52/EC schon längst umgesetzt. Es ist halt nicht leicht, derartig leicht auszubeutende Arbeiter nicht auszubeuten. Die stehen doch eh an der Straße und bieten sich und ihre Dienste an. Die müssen doch froh sein, dass man sie überhaupt nimmt.

Doch nicht allein im Bausektor bedient man sich dieser Arbeitskraft, sondern gern auch in Haushalten. Zypern ist indes nicht allein bei dieser rühmlichen Behandlung von Menschen in Not und ohne Papiere. Dänemark, Irland und Großbritannien teilen die gleiche Schwäche. Es mangelt europaweit an entsprechend wirksamen Sanktionen beim Verstoß gegen europäische Richtlinien diesbezüglich. Auch bei diesem Punkt oder Thema steht eine Bestrafung Zyperns und der aufgeführten Länder bevor, sollten sie diese Direktive nicht umgehend umsetzen. Versteht sich, dass es noch 2-3 Zwischenschritte bedarf im Anklageverfahren, bis es dann endlich und wirklich zu einer Anklage kommt. Es verstreicht also viel Zeit und genau das dürfte auch der Grund sein, warum Länder wie Zypern es nicht eilig haben, Direktiven, die man als wenig genehm empfindet, gleich oder in unmittelbarer Zukunft umzusetzen. 

Ja, und der Tourismus, wurde von Xristofias und den seinen von der AKEL an der Regierung vor kurzem verkündet, müsse nun wirklich nochmals gepuscht werden, und zwar Richtung Wachstum. Andernfalls könne man im hart umkämpften Markt nicht bestehen, auch wenn das Vaterland selbstverständlich ein schönes, ja, unvergleichlich schönes touristisches Ziel ist – und es den Kampf um Touristen eigentlich mit all den anderen Destinationen von Natur aus locker aufnehmen kann. So wurde es nicht gesagt, aber so könnte es verstanden werden, was gesagt wird. Und jetzt hat doch dieser Europäische Rat sich schon wieder eingemischt. Unglaublich, wo die Weste doch so weiß ist und die EU-Präsidentschaft Zyperns die zivilisatiorische Größe der Insulaner demnächst für alle, die es noch nicht wussten, gewiss unterstreichen wird. Obgleich, gestern war im türkischen Fernseher zu vernehmen, die Zyprer übernehmen die Präsidentschaft nicht in Völle. Gibt es so etwas denn? Offensichtlich ja, wahrscheinlich mit der Präsidentschaft Zyperns wird das gerade eingeführt – könnte mich hier aber täuschen. In Sachen Umweltschutz bezüglich der Mülldeponien scheint der Rat aber keine zyprischen Sonderwürste durchgehen lassen zu wollen. Ja. Die Saubermänner und -frauen aus Nikosia wurden ob ihrer ferkeligen Entsorgung ihres Mülls gerügt und eine Klage steht ins Haus. Kann denn so etwas sein, wo doch die schönsten Strände und das sauberste Meerwasser im ganzen Mittelmeer Zypern besitzt? Der Europarat sorgt sich offenbar, dass das bisschen Süßwasser, welches auf der Insel noch zu haben ist, verseucht werden könnte, wegen kursierender Ignoranz und Selbstüberhöhung derer an der Macht. Malta, Slowenien und Irland teilen dieses Mülldeponie-Manko mit Zypern. 

Es gibt eigentlich noch viel mehr zu tun in Zypern. So müssten die Zyprer wegen ihrer Lust am Essen von Singvögeln noch gerügt werden und der Art und Weise, wie sie diese Wesen ins Jenseits befördern (auffällig viele totgefahrene Igel liegen schon seit Längerem auf den Straßen überfahren und verquetscht. Ob das eine Art Zeitvertreib hier ist, Sport? Schlangen liegen leider auch oft rum, aber längst nicht so viele). Der Bau von Häusern und der Verkauf von Land muss dringend eingeschränkt werden. Raser auf den Straßen müssten konsequent und wirklich hart bestraft werden. Die Polizei müsste vor allem in den Städten die Raserei unterbinden. Motorradfahrer scheinen einen Freischein zu besitzen. Zypern müsste davon abgehalten werden, Geld in Russland aufzunehmen. Denn es ist ja für alle Beteiligten absehbar, dass die Schuld gegenüber Russland ins Unermessliche steigt und Moskau dafür gewiss ganz abmessbare Dinge will – zum Beispiel einen Hafen, wo man tun und lassen kann, was man will. Das Gespräch darüber läuft bereits. Doch wird es sich darauf beschränken lassen? 

Zuletzt: Dass die Führung der Republik Zypern in der Lage sein wird, die Präsidentschaft der EU für sechs lange Monate zu führen demnäcsht, wird anscheinend immer deutlicher in Frage gestellt unter Experten. In Brüssel auf Pressekonferenzen tauchen neuerdings Fragen, die in diese Richtung weisen vermehrt auf – zu spät finden wir. Derweil machen sich einige türkische Zyprioten auf den Weg nach Brüssel, um einige Tage vor der Übernahme der EU-Präsidentschaft durch die Republik Zypern gegen diese Präsidentschaft zu demonstrieren. Hühner werden noch immer in unzureichenden Gehegen  zum Eierlegen genötigt, beklagt der Europäische Rat und droht vor Gericht zu gehen. 

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Dass Zypern eventuell lieber bei den Russen sich mit Geld eindeckt, versteht der derzeitige Besucher der Insel, Herr Swoboda, nicht, war in der Haravgi, dem regierungsnahen Tagesblatt Zyperns, zu lesen. Swoboda bediente sich des Bildes einer Familie, um seinen Standpunkt zu verdeutlichen. Wenn in einer Familie jemand in Nöte gerate, sei es doch auch merkwürdig, meinte er, wenn der- oder diejenige sich dann an jemand außerhalb der Familie wenden würde, um Hilfe zu erhalten, anstatt ein Familienmitglied zu konsultieren oder eben die Familie.
Dieser Sachverhalt drücken einen gewissen Schmerz aus vor dem Hintergrund, dass Swoboda, Präsident der Sozial-Demokraten innnerhalb des Europäischen Parlaments, zuvor der Republik Zypern seine Unterstützung im Namen der EU ausgesprochen hat. Weil es ginge ja nicht, sagte er und dies wiederholt, dass die Türkei ein Land der EU (Zypern) nicht anerkenne; und schon gar nicht, dass es dessen Präsidentschaft nicht respektieren wolle. Die EU stehe bei diesem Thema ganz auf der Seite Zyperns, welches demnächst dieselbe repräsentiert.

Gewiss erinnern Sie noch den Artikel hier auf Zypernundmehr-News …. , indem Xristofias den Banker Orphanides gegenüber der Presse mit Worten klein macht. Orphanides hat sich nun in der Cyprus Mail vom 20.06. 12 endlich zu Wort gemeldet. Er beginnt mit der Aussage, dass Xristofias und die AKEL-Partei im letzten Jahr geradezu einen Krieg gegen den Bankensektor in Zypern geführt hätten. Als Ergebnis dessen sei eine Diffamierung des zprischen Bankensektors herausgekommen, die leider auch international wahrgenommen werde. Orphanides weist daraufhin, dass als er die Zentralbank verlassen hat, dort noch alles in Ordnung gewesen wäre. Jedenfalls sei es irreführend gewesen von Xristofias zu behaupten, dass Zyperns Ökonomie gesunken sei der Probleme der Banken wegen. Ebenso nicht zutreffend sei die Behauptung, dass der Rahmen, der zur Regulierung von der Zentralbank gesetzt worden war, inadequat gewesen wäre und dass er, Orphanides, derjenige sei, der den schlechten Zustand der Banken zu verantworten habe. Doch nicht alle in der AKEL seien der Meinung von Xristofias, wie zum Beispiel der Finanzminister Herr Kazmias.
Xristofias wisse doch, dass unter seiner Führung das Vertrauen der Investoren verloren gegangen sei. Und dass die Ökonomie bereits seit dem Mai 2011 am Schlauch hänge – lange vor der der Hair-cut-Entscheidung in Griechenland. “Indem”, greift Orphanides Xristofias des Weiteren an, “du die Korrekturmaßnahmen unserer europäischen Partner in den Wind geschlagen hast, blieb als einziges, was du erreichtest, vermehrter Zusammenbruch der Ökonomie, steigende Arbeitslosenzahlen in noch nie da gewesenem Niveau.

Deine Attacken gegen mich, wie auch von der Akel, haben mich nicht wirklich berührt. Mir lag daran, dem Land zu helfen.” Doch jetzt müsse er endlich reden, weil die Äußerungen von Xristofias wie auch der AKEL inzwischen dem Land großen Schaden brächten. Zu großes Misstrauen ist aufgekommen, welches die Arbeit aller davor an der Regierung Gewesenen zerstöre.

Orphanides ergänzt: Er sei jedenfalls bis in den April 2012 in der Zentralbank tätig gewesen und bis zu jenem Zeitpunkt sei eigentlich insoweit alles noch ok gewesen mit den Banken. Lediglich eine Bank war etwas am Wanken, nämlich die Volksbank, aber nicht das ganze System.  “Die hatten Probleme Geld sich zu besorgen in der Höhe, wie von der EU verlangt. Das hatte mit den griechischen Bonds zu tun”. Doch jetzt mag er Xristofias daran erinnern, dass die Führung der Volksbank doch bitte sehr Günstlinge von Xristofias gewesen seien, die die Zentralbank angriffen. Und Günstlinge von Xristofias, die in die Zentralbank gehievt wurden von Xristofias, wollten Sonderkonditionen für die Voksbank erhalten. Er, Xristofias, müsse sich daran ganz gewiss noch erinnern, sagte Orphanides. Wenn ich deren Ansinnen gefolgt wäre damals, erklärt er des Weiteren, wäre die Lage gerade nochmal so schlimm im Lande.  Er schreibt indes, dass er mit Xristofias nur in einem Punkt übereinstimme: “mit deiner Entscheidung am 26.10.2011, inbezug auf den griechischen Schulden-Hair-Cut , das bekannte PSI (Private Sector Involvment) kreierte einen Verlust von ungefähr 2,5 Milliarden der Volksbank und einen totalen Verlust über 4 Milliarden für das zyprische Bankensystem.  Die Volksbank hätte kein Kapital gebraucht, wenn du nicht mit den Europäern im Oktober jenen Entscheid getroffen hättest… .” Desweiteren: “Keine Ahnung, was dich dazu trieb, diesen Entscheid zum griechischen Hair-Cut mitzutragen. Doch klar ist: Hättest du diesen Entscheid nicht unterstützt, oder zumindest Schutz für die zyprischen Banken nachgefragt, was du sehr wohl hättest tun können, und auf das du bestehen hättest müssen, hätte die Volksbank keine nicht zu bewältigenden Probleme gehabt. Und Aktionäre von zyprischen Banken hätten keine 4 Milliarden ihrer Investitionen verloren. Du persönlich, Herr Dimitris Xristofias, als der Staatsführer hattest das Recht, Grund und Verpflichtung, dein Land zu verteidigen, als die Entscheidung für einen Hair-cut gefällt wurde in Brüssel.”
Orphanides ist der Meinung, dass diese Angelegenheit gerichtlich untersucht gehört. Doch es sollten unabhängige Untersuchungen sein. Wie der Vorfall in Mari gezeigt habe, resümiert Orphanides, wird in Zypern nicht unbedingt immer unabhängig und objektiv untersucht. Zuletzt stellt er Xristofias noch die Frage: “Was wird bezweckt damit … dem zyprischen Bankensystem noch mehr Schaden zuzufügen? Wessen Interessen werden da bedient? Gewiss nicht die von Zypern.”

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Denk ich an Zypern, dann überkommt mich nicht Heine, nein, mich ergreift Freud im Sein.

Denk ich an die Ökonomie der Xristofias Regierung, empfinde ich leider bereits tiefstes Mitleid.

Wo bloß sind die Helden, die Türken wie Steinmetze zurechtschlagen?

Wo die Frauen, die Männern das Leben als Rudelführer vorsagen?

Ach Afrodite! Hast Du etwa Dein Inselchen, Dein zierlich Gürtelchen verlassen?

Nur weil so mancher Dein Erdgas plant mit anderen außer Dir zu verprassen?

Hört, da kommt jemand, die Troika schon und dies aus fernem Lande.

Die wird nun richten der Banken schlampig gehaltene Konten-Gerlanden.

Endlich ist Zypern auf richtigem Pfade, wird vereint sein und glücklich, weil die Präsidentschaft es vorsieht.

Und dann, seht doch nur, welch Gnade. Eroglu und Ankara sie sprechen also doch nach dem ersten Juli mit der EU, welch ein Deal.

Was schert uns da, dass Zypern angeblich darniederliegt, auf seine Weise Rückrat zeigt.

Hauptsache der Laden läuft, hauptsache Alles wird nicht total vergeigt!

Nun, auf ihr Leute seid wohl gemuts, denn Schulden machen, das tut auch gut.

Seht nach Hellas, wo die alten Garden Wahlen wieder überlebten.

Hinweggefegt kommunistisch gefärbter Neuaufbruch, hinein ins alte neoliberale Leben.

Denk ich an Zypern, denk ich an die Griechen.

Denk ich an die Griechen, denk ich an Besiegen.

Wer da wen besiegt im Südosten Europas, ist doch wohl klar.

Die Türken sinds mal wieder, die göttliche Himmelschar.

Diese Löser aller Konflikte von Deutschland bis nach Zypern.

Was wäre ein politischer Frühling Europas ohne diese Türken?

Ich bin der Meinung, Tsipras wär recht dumm, Regierungsverantwortung mit der Nea Dimokratia und dann auch noch der PASOK zu übernehmen.

Ja, kennt ihr denn keinen anderen Doofen in Konstantinopel, den ihr vor die Tür stellen könnt in den all zu dichten Nebel?

Doch was red ich da, wen interessiert das alles denn?

Die Hotels auf Zypern sind doch voll, wird vermeldet, das Hilton und das andere Hilton die kommenden 6 Monate allemal.

Welch Freud, gut Führung zu haben auf einer Insel die im Gelde schwimmt.

Wo Russen sich einkaufen und Kredite verleihen, dass einem der Hals recht dick anschwillt.

Ach quatsch, Rettungsschirm und so ein Zeug, nicht hier auf Zypern.

So spricht unser Xristofias, der weiß, was er sagt, denn der ist immer nüchtern.

Kommunismus a la Tsipras, den brauchen wir hier nicht.

Ist die AKEL nicht roter als rot wie das türkische Flagenrot im Morgenlicht?

Merkel? Kernel?

Nein, Merkel! Nicht Ferkel.

Nicht eure Enkel, die auch noch was abhaben wollen vom Kuchen.

Nein!

Dann schon eher ATA.

Was das bedeuten soll? Na, CoLA.

Nicht die zum trinken für die Enkel aus den Reden der Politiker.

Das sind die zu schützenden Arbeiter, meint Xristofias, in seinen Amtsstuben, seine größten Kritiker.

Die gilt es zufriedenzustellen, weiterhin und daher CoLA oder ATA.

Kurz: stetig steigende Gehälter der Verbeamteten, die nun auch in der vermeintlichen Krise bloß niemand anrühren soll.

Ist doch egal, wenn Brüssel wettert.

Ein Insulaner rückt von seiner Sache nicht ab, keinen Zoll.

Gut gemacht Xristofias, dich würd ich wählen, dürfte ich.

Und nun sind wir noch alle gespannt, welch Zugeständnisse und Pfründe, die in Athen, die eh schon die Taschen voll haben müssten, sich in nächster Zeit, sagen wir, einver-EU-lichen.

Wir freuen uns auf die Präsidentschaft derer, die wie Präsidenten eben, geführt werden auf allen Ebenen.

Und dass diese EU-Präsidentschaft Zyperns ein Erfolg auf ganzer Linie wird, das zeigen ja bereits die griechischen Wahlergebnisse.

Gut zu wissen, in einer Weltordnung zu leben, wo alles bereits wegen dem kleinsten Sonstwas aus den Fugen geraten kann.

Ihr schaut Europapokal und grillt die Steaks?

Die Chinesen haben Euch und der EU, überhaupt der Welt einen guten alten Rat:

Reißt Euer Haus zum Grillen der Steaks ab!

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Wenn es hier richtig verstanden wurde, ist das, was im letzten Beitrag auf Zypernundmehr-News prognostiziert wurde, nun wirklich daran Realität zu werden – Zypern geht unter den Hilfeschirm der EU. Im Radio laufen bereits die interessantesten Diskussionen darüber, ob man nicht auch, so wie Spanien, behandelt werden müsste unterm Schirm – zuvorkommend wollen wir es mal nennen. Nicht so jedenfalls, wie die Griechen: bevormundet. Schließlich ist Zypern ja nicht Griechenland oder die Türkei, wird gesagt. Die letztere ist bekanntlich nicht in der EU, aber musste vor einigen Jahren dennoch durch den IWF aus der finanziellen Klemme geholt werden. Was unsere Einschätzungen hier auf Zypernundmehr betrifft, ist es ziemlich wahrscheinlich, dass spätestens nachdem auch Holland und/oder Italien sich unter dem Hilfsschirm eingerichtet haben werden, die angeblich blühenden Landschaften, um mit Helmut Kohl zu sprechen, der Türkei, sich eventuell gezwungen sehen, wenn nicht die IWF, so dann jemand anderes, zum Beispiel die Republik China, um Geld anzufragen für die darniedergewirtschaftete Nation. Denn die Türkei, wie eigentlich jeder sehen kann, der sich die Bilanzen etc. anschaut, blüht auf Pump und auf Gnaden gewisser Blöcke: Europa, Russland, USA.

Die Skandale von Parteimitgliedern der führenden AK-Partei der Türkei summieren sich zusehends. Im noch als einigermaßen weltoffen zu nennenden Izmir wurde ein soeben innerparteilich gewählter Vorsitzender gestürzt, weil der eine Akte hat. In der Akte steht, er sei vorbestraft wegen Zollvergehen (1994). Und Vorbestrafte, heißt es im Gesetz, könnten in einer Partei nicht aktiv sein. Herr Akay (Saubermond) habe Tayyip Erdogan hereingelegt, wird behauptet. Dem soll er erzählt haben, dass seine Vorstrafe gelöscht worden sei und er umgerechnet knapp 16 Millionen Euro Strafe seinerzeit bezahlt habe. Das lässt uns jedenfalls verstehen, dass der feine Herr Akay der AK-Partei wahrscheinlich nicht einen einzigen Tag im Knast verbringen durfte – bislang.


Auf Zypernundmehr-News und dem Vorgänger http://Kleinasien.blogg.de konnte zum Beispiel am 27.09.04 unter dem Titel „Türkei trifft EU“ gelesen werden (siehe Archiv), dass die Türkei dringlichst die Kurdenfrage besser löste, ungefähr so dringlich ist dies nämlich, wie die Lösung der Zypernfrage. Leider hat Ankara sich in dieser ersteren Frage, finden wir, verkalkuliert. Ankara glaubt wirklich, so wie die Südzyprer, diese Frage aussitzen zu können. Eine Lösung wurde jedenfalls bislang weder hier noch dort wirklich angestrebt – so wirklich wirklich. Das könnte sich, vor dem Hintergrund der derzeitigen Kriege und Aufstände in der Region naher und mittlerer Osten plus Teile Afrikas, nun in der Türkei noch rächen – schon demnächst. Es war ja absehbar, dass so etwas ansteht, wie hier auf Zypernundmehr und dem Vorgänger wiederholt geschrieben wurde. Absehbar war, dass sich der Zorn der Kurden, der nicht ganz unberechtigt ist, zukünftig nicht vorrangig über die PKK artikuliert, sondern dass Formen des Widerstandes sich entwickeln werden, die wesentlich volksnaher sind. Die PKK mit ihrem verbrämten Sozialismus-Ding war nicht unbedingt jedermanns Sache. Und was an diesem Sozialismus öcalanscher Prägung schon immer gestört hat, war die Absenz von Religion und Gläubigkeit – wurde dann allerdings nachgebessert. Wie gesagt, man versuchte nachzubessern, doch überzeugend genug scheint das nicht gemacht worden zu sein innhalb der PKK. Kann ja auch nicht gelingen, wenn man Abdullah Öcalan, finden wir, etwas zu entrückt hoch, mögen wir es mal nennen, hängt, Art engelgleich.

Nun ist es also soweit. Die Islamisten, nicht etwa solche, die wie die AKP verdeckt operieren und vor allem ihr Schäfchen ins trockene bringen und dafür gerne etwas Demokratie einüben, formieren sich. Ja, gar formatiern tun sie die Köpfe im Südosten des Landes, und dies unerfreulich effektiv. Was hätte all die Zeit, wo man sich bereicherte in Ankara und die Kurden im Südosten weiterhin benachteiligte und mit Kleingeistigkeit abspeiste, alles geleistet werden können: Schulen, Krankenhäuser und nochmals Schulen hätten errichtet werden können – mächtige Sportvereine sogar, Kultur noch und nöcher. Man hat die Chance aber scheinbar lieber verpasst, um eine einigermaßen gut ausgebildete Jugend im Südosten heranwachsen zu lassen. Wahrscheinlich geschah das aus Angst davor, dann wahrhaft und wirklich in der nächsten Generation profunde Kritik und Einflussnahmen sich herangezogen zu haben. Das wollten und wollen einige Kreise in Ankara nicht, die ihre Rechnung jedoch nicht bis zu Ende gemacht haben.

Die Geburtenrate unter Kurden ist bekanntlich hoch. Der Analphabetismus ist ebenfalls sehr hoch. Die Frustration darüber, dass die aus dem Westen des Landes, gut ausgebildet und mit Taschen voll Geld in den Südosten und Osten des Landes kommen und dort eine Art Oberschicht aufziehen und alles aufkaufen, was nicht Nied und Nagel fest ist, ist indes besonders hoch. Und das braucht ein Ventil. Die AK-Partei, hat sich herausgestellt, kann dieses Ventil nicht sein, weil die ist der Steigbügelhalter dieser Eliten. Sie ist aber auch, ob sie es will oder nicht, der Steigbügelhalter für eine Entwicklung, die sich leider auch andernorts abzeichnet, in Ägypten, Lybien, Jemen, Sudan sowieso etc.

Die Azadi-Partei wird nun von den verarmten Massen im Südosten ins Rennen geschickt. Die PKK hat ausgedient. Sie konnte die Massen nie wirklich erreichen. Zu befürchten ist nun aber, dass die Azadi und andere Parteien, die im gleichen islamistischen Fahrwasser unterwegs sind, das ausdrücken, was die einfachen Leute dort unten als anständig und von Gott gegeben ansehen werden oder könnten. Sie haben den Kampf ums Recht schließlich in die Wiege gelegt bekommen und verstehen nun, seit dem Arabischen Frühling spätestens, dass das Heil wohl eine göttliche Wendung braucht. Die Azadi stützt sich auf einen in der Türkei vor Jahrzehnten verbotenen Vorläufer, nämlich der Bewegung des Scheich Sait. Eine weitere Linie der islamistischen Kämpfer ist die der Mustazaflar.

Wahrscheinlich ist der Zug inzwischen schon längst abgefahren, um die Türkei aus anstehenden Schwierigkeiten a la Lybien, Ägypten etc. vor allem aber wie im Yemen herauszuhalten. Dumm nur, dass Griechenland darniederliegt und Zypern auch. Inwieweit der türkische Südosten Europas demnächst in Flammen stehen könnte, Syrien hätte allen schon längst ein Signal sein sollen – und dann erst was in Israel seit Jahren abgeht -, hängt von vielen Faktoren ab, doch insbesondere davon, dass es der EU gelingt, Russland endlich ins Boot zu holen. Egal wie hoch die Konditionen sind, die Russland stellt, die EU muss darauf eingehen, wenn sie nicht vorzeitig untergehen will. Die zunehmende Anzahl der Übergriffe auf Flüchtlinge in verschiedensten Ländern der EU sind ein guter Barometer dafür, dass Europa von den Vorkommnissen in Nahost und Afrika keinesfalls ausgenommen ist. Jetzt muss die EU zeigen, dass sie das Geschehen, zusammen mit anderen Akteuren, so lenken kann, dass nicht alles den Bach herunter geht. Ende der kleinstaatlichen Gier – jetzt! Anfang einer weltumfassenden Verfassung, Regierung, Verbindlichkeit – besser noch gestern.

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