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Archive for Dezember 2011

Syrien vor Sylvester 2011

Heftige Angriffe auf Flüchtlingslager bei der Ortschaft Jabal as Zawia in der Provinz Idlib, Syrien. Sicherheitskräfte stürmen die Sektion Literatur der Universität von Halepo. Iranische Ingenieure werden in Homs verschleppt, die im Kraftwerk von Jandar nahe Hasia tätig sind. Noch immer wird von der Opposition, den Aufständischen, eine Sicherheitszone für Idlib und Homs gefordert. Assad hat über mehr als 34 Ortschaften in der Provinz Idlib die Herrschaft, beziehungsweise Kontrolle, verloren. Gesetz Nummer 27 wurde erlassen. Der syrische Hausplan beträgt demnach für das Jahr 2012 anscheinend 1326,550 Milliarden Pfund (syrisch). 357 Milliarden daraus sollen für Investitionen ausgegeben werden und knapp 951 Milliarden für öffentliche Ausgaben. Ein weiteres, neu erlassenes Gesetz verhängt die Todesstrafe für jemand, der beim Waffenliefern erwischt wird – versteht sich, an die Aufständischen. Ansonsten drohen auch noch 15 Jahre Haft dafür. Der libanesische Korrespondent der Safir Zeitung scheint noch immer in syrischer Haft zu sein. Er wurde am Dienstag vergangener Woche verhaftet, und zwar im Stadtviertel Midan von Damaskus.

Neuer Charge d’Affairs des Außenministeriums der syrischen Botschaft in Washington wird Zouheir Jabbour vorerst sein. Washington wiederholte, dass ein Machtverzicht von Assad die einzige Lösung für das Problem in Syrien sei. Der Hamas-Chef Khaled Mashaal hat ein Problem mit Assad neuerdings, da letzterer bekanntlich noch immer nicht für wirkliche Reformen zu gewinnen ist. Der Versuch des Hisbollah Generalsekretärs Nasrallah Assad und Mashaal wieder an einen Tisch zu bringen, lief schief. Das französische Außenministerium verlangte von Moskau den eingereichten Resolutionsentwurf zu Syrien zu forcieren, wegen der zugenommenen Eskalation der Gewalt. Außerdem sei es unerhört, dass die syrischen Regimegegner mit dem Regime in puncto Gewalt auf eine Stufe gestellt würden in dem russischen Entwurf. Der Drusen führer Walid Dschumblad ist der Meinung, dass eine Sicherheitszone gleichbedeutend sei mit der Intervention ausländischer Truppen in der Region, wogegen er sich strikt ausspricht. Jedenfalls haben die syrischen Streitkräfte vorsorglich letzten Dienstag Kriegsübungen der Luftstreitkräfte durchgeführt – wobei auch der Einbruch fremder Kräfte von der See her geübt wurde. Im Gegensatz zu Dschumblad ist der Generalsekretär der Union syrischer Stämme, al Sayah, für einen Sicherheitskorridor, da ein solcher den Abgang der Assads beschleunigen würde.

Tunesien stellt in Aussicht, den syrischen Nationalrat demnächst anzuerkennen. Der syrische Botschafter in Tunesien wird spätestens dann herausgefordert sein, die syrische Botschaft in Tunis zu verlassen oder aber sich den Aufständischen anzuschließen. Die syrische Fahne der Unabhängigkeit haben einige aufständische syrische Streiter im tunesischen Karthago, wo sie  bereits mehrmals offiziell zum Essen eingeladen wurden, hochgehalten.

Syrien hat damit begonnen, Häftlinge in Militärlager zu bringen. Die Aufsichtspersonen, die von der Arabischen Liga versandt wurden, in Syrien mal nach dem Rechten zu sehen, dürfen allerdings nicht in militärisch sensiblen Bereichen Einblick halten. Folglich werden sie diese Gefangenen wahrscheinlich nicht zu Gesicht bekommen, um sie zu interviewien. Die Herren halten sich noch immer in Damaskus auf, dort, wo Regierungstreue vorrangig sind, anstatt umgehend zum Beispiel nach Homs zu fahren, wo gerade mal wieder eine große Anzahl von Menschen über Weihnachten ihr Leben ließen. Der Sprecher der Abgesandten sorgt sich um die Sicherheit der Delegation. Was erwartet der dort?  Wie vermehrt zu hören und zu lesen ist, wird diese Initiative der Arabischen Liga schon seit vor ihrem Beginn als gescheitert betrachtet. Letzteres, weil, was mit dem Assad-Regime ausgehandelt wurde, nicht weitgehend genug ist und derart dem Morden nur noch mehr Zeit eingeräumt  werden dürfte. Auch wenn, wie der libanesische Verteidigungsminister behauptet, aus seinem Land dem Libanon durch Al Qaida Waffen nach Syrien geschmuggelt werden, ist das Morden durch das Assad-Regime dennoch  zu beenden.

Schon beinahe unbemerkt hat der syrische Finanzminister Jleilati ein Dekret verfasst. Darin werden bewegliche und unbewegliche Vermögen des Generaldirektors der staatlichen syrischen Commerzbank, Herrn Durghams, sowie das von einigen Mitarbeitern vorsichtshalber beschlagnahmt (ungefähr 73 Milliarden Pfund). Der ehemalige Botschafter Syriens in Stockholm, Mouhammad Bassam Imadi, hat sich mit seiner Familie in die Türkei abgesetzt. Indes wurde vom syrischen Ministerpräsidenten Adel Safar per Gesetzerlass der Uni-Professor Ammar Nasser Agha zum Generaldirektor der staatlichen Gesellschaft für Außenhandel ernannt.

Eine Gruppe syrischer Frauen, die einer religiösen Gruppierung angehören (Qubaisiyat), haben sich von dieser distanziert, weil dieselbe das Assad-Regime stütze (http://youtu.be/SH7N_BawlT8). Ein bekannter Fernsehjournalist, Hani al Mulazi, hat aus Protest gegen das gewaltsame Vorgehen der syrischen Regierung gegen die Antiregime Protestanten seine Stelle beim staatlichen syrischen Fernsehen gekündigt.

Sogar die 3 katholischen Patriarchen in Syrien sind in einer Stellungsnahme kürzlich etwas von Assad in Distanz getreten – vorsichtshalber. Der Außenminister Qatars, al Thani, sprach vor noch nicht all zu langer Zeit davon, dass er das Syrien-Dossier beim UNO-Sicherheitsrat einbringen wolle. Anscheinend sind die arabischen Staaten da einstimmig seiner Meinung, wie er sagt. Frau Merkel hat sich dafür ausgesprochen, Assad vor dem Weltsicherheitsrat zu verurteilen.

Bedenklich stimmt jedoch vor allem und vor dem Hintergrund des Auszugs der USA aus dem Irak, dass Iran und Syrien ihre Außenhandelsbeziehungen über den Irak auszuweiten gedenken. Der inner-syrische Flugverkehr der staatlichen syrischen Fluggesellschaft hat indes zugenommen, wird berichtet.

Dass die Hamas ihre Drohung inzwischen realisiert hat, Damaskus zu verlassen, scheint erfolgt zu sein. Iran hat im Gegenzug gedroht, dann Geld und Waffenlieferungen an diese Organisation einzustellen. Die Hamas hat sich nun praktischer Weise sozusagen der Türkei und Qatar angedient. Die Immobilien der Hamas in Damaskus sollen bereits verkauft worden sein. So schnell geht das mit der Freundschaft. Die Hamas wird zukünftig ihr Hauptquartier in Kairo oder Qatar haben. Der ehemalig syrische Botschafter in den USA wurde von Assad zum Botschafter in China bestimmt. Das Handelsvolumen zwischen Syrien und dem Iran beträgt angeblich jährlich lediglich 400 Millionen Dollar.

Per Gesetzerlass wurde am 12.12.11 vom Informationsminister Syriens Herr Nidal Yousef zum Direktor des Fernseh- und Rundfunkinstitut bestimmt. Sein Vorgänger, Ramez Turjman wurde Generaldirektor der staatlichen Rundfunkanstalt. Gerüchte darüber, dass der Außenminister Mou’allem sein Amt niederlegen wollte, können noch nicht bestätigt werden. Angeblich habe ihm Assad diese Möglichkeit verweigert, der Situation wegen, in der sich das Land befindet.

Die kanadische Suncor Energy hat ihre Zusammenarbeit mit der General Petroleum Cooporation Syriens aufgekündigt. Iran und Syrien wollen auf Zölle zukünftig verzichten gegenseitig.

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Und hier ist unser Photo 2011.

Wir erlauben uns keinen Kommentar zu der Wahl unseres Bilds des Jahres 2011abzugeben und lassen anstatt Jean Ziegler das Wort mit seiner unveröffentlichten Rede, die prämiert wurde als beste Rede 2011.  

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Turbulente Zeiten. Wer steht zu wem und wann?

Der größte Teil der türkischen Bevölkerung darf getrost als Sunniten bezeichnet werden – auch wenn viele mit Religiosität ansonsten wenig am Hut haben. Doch wenn von türkischer Bevölkerung gesprochen wird, muss selbstverständlich etwas differenziert werden. Es gibt Kurden und so.

In Nordzypern wird ein Ableger der kurdischen PKK beschuldigt, dort auf diesem Inselteil neuerdings besonders aktiv zu sein. Der Außenminister Ozgürgün Nordzyperns leugnet indes jedwede Verbindung zu dieser Organisation (KCK) und spricht von Rufmord, den die Vatan Zeitung aus der Türkei ihm gegenüber betreibe.

Die Aleviten der Türkei sind nicht zu verwechseln mit den Aleviten in Syrien, die mit Assad dort an der Macht sind. Erstere, im Gegensatz zu Assad und Co, sind zwar überwiegend Kurden, irgendwie, aber halt Kurden mit dieser speziellen Variante in puncto Glauben, der irgendwo zwischen Islam und den Zarathustrieren Irans anzusiedeln sein soll.

Wie hier auf dieser Web-Seite vor noch nicht all zu langer Zeit berichtet wurde, haben die Aleviten im Norden Zypern neuerdings ein Problem, und zwar im Dachverband der türkisch-stämmigen Organisationen auf Nordzypern. Ihr Vorsitzender Huseyin Kurd ist der Meinung, dass alevitische Werte nicht mehr widergespiegelt würden in dieser Organisation (HAK), so dass es nahe gelegen wäre, besser auszutreten. Mal davon abgesehen, dass Tayyip Erdogan persönlich vor kurzem eingestanden hat, dass sich die Republik Türkei gegenüber ihren Bürgern alevitischen Glaubens in Dersim/Tunceli einst nicht korrekt verhalten habe und sich für die an ihnen begangenen Morde entschuldigte, kann die Türkei offensichtlich noch immer nicht einen Schlussstrich unter das Problem mit den Armeniern ziehen. Frankreich ist da gerade ziemlich kontraproduktiv unterwegs, was dieses Thema angeht. Morgen soll das französische Parlament nämlich darüber entscheiden, ob unter Strafe gestellt wird zu sagen, es habe kein Massaker an den Armeniern damals gegeben im Osmanischen Reich.

Kontraproduktiv ist dieser Vorstoß aus mehreren Gründen. Zum einen hatte es den Anschein, als könnte sich Ankara in absehbarer Zeit zu einer Lösung des Uralt-Konflikts mit den Armeniern irgendwie durchringen demnächst. Und zweitens öffnen sich nun einige seltsamen Türchen durch diesen neu entstehenden diplomatischen Streit, die schlechtestenfalls zu dem einen oder anderen beinharten Konflikt woanders auf der Welt führen könnten – zum Beispiel in Syrien, Iran, Libanon. Denn die stolze Republik Türkei ist scheinbar nicht gewillt, mit so einem Affront Frankreichs zu leben. Sie ihrerseits wird nun Leute, die behaupten, Frankreich habe in Ruanda und Algerien seinerzeit keinen Massenmord begangen, einbuchten. Die diplomatischen Beziehungen liegen somit auf Eis demnächst zwischen Paris und Ankara. Die Zusammenarbeit in und wegen Syrien ist gefährdet. Die Frage ist also, warum gerade jetzt?

Dass die Kurden inzwischen aktiver als sonst sich an der Oberfläche bewegen, zeigt unter anderem auch die Lage im Irak. Dort, seit die USA vor einigen Tagen die Koffer gepackt hat, wird der Eindruck vermittelt, dass die kurdischen Provinzen des Irak eigentlich schon in einer Art Autonomie, ja, einem Staat im Staat leben – ihr Kurdistan demnächst ausrufen könnten. Der Widerhaken an dieser Sache ist allerdings der Glaube derselben. Denn die Kurden des Irak sind Sunniten und Schiiten. Die meisten unter ihnen sind allerdings Sunniten. Die Kurden im Iran sind überwiegend Sunniten, doch bekanntlich ist das iranische Regime unter Ahmedinejad ein schiitisches. Und Ahmedinejad ist eine der Mächte, nachdem, was Ankara inzwischen laut hörbar vermutet, welche der türkischen Variante der Hizbullah zu neuer Stärke und Einfluss verhilft. Das Problem ist, die Türkei scheint das Erstarken der Hizbullah im Südosten des Landes erst allmählich mit zukriegen. Genauer ist das der Fall, seit sich die Freundschaft der Türkei zu Syrien und dem Iran in Nichts aufzulösen begonnen hat. Dass der türkische Staat zu diesem Erstarken der Hizbullah seinerzeit sehr wohl auch beigetragen hat, als man diese Organisation gegen die PKK in den mehrheitlich von Kurden bewohnten Provinzen ziehen ließ, liegt vor der Zeit der AKP Erdogans und Güls und wird von den beiden daher auch nicht weiter als Hindernis für die nun betriebene Politik gesehen. Und diese ist, dass sich die ebenfalls eher schiitisch geprägte Hizbullah der Türkei mit der sunnitischen Mehrheit der Türkei und somit mit der Regierungspartei AKP anlegt. Versteht sich, dass diese Organisation nun nicht wie damals gegen die PKK mobilisiert werden kann von der Regierung – nicht bei dieser Lage. Und die Lage ist unter anderem und auf regionaler Ebene, dass Ankara entschlossen zu sein scheint, Qatar die Führung im Arabischen Raum streitig zu machen – oder zumindest so weit wahrgenommen werden möchte, dass es als wirkliche Alternative zu Qatar, Ägypten und vielleicht noch Saudi Arabien angesehen wird. Letzteres gerne auch vom so genannten Westen und anderen Players wie China, Indien, Brasilien etc.

Es steht also Einiges auf dem Spiel. Sarkozy könnte sich gedacht haben: Ach, was solls, die Wahlen müssen gewonnen werden und die Türkei will ich eh nicht in der EU. Die Merkel will das auch nicht. Außerdem haben wir eh noch eine historische offene Rechnung, nämlich Syrien. Die Türken haben uns unsere Position dort damals ziemlich vermasselt. Außerdem, könnte er denken, muss die Hizbullah im Libanon sowieso aufgemischt werden, irgendwie und bald. Und da liegt es doch nahe, dass die Türkei in die Presche springt, versteht sich, so, dass französische Hände sauber bleiben. Erdogan könnte denken: Euch zeig ichs. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo wir abrechnen können mit den arroganten Fratzen in Avrupa (Europa). Wir machen die Hizbullah bei uns in derTürkei zuerst klar und dann geht’s gleich weiter in Syrien und dem Libanon. Wäre doch gelacht, wenn wir es nicht schafften, in der Region einen sunnitischen Block zu schaffen – von Marokko bis nach Tscheschenien über die Türkei.

Es ist also sehr wahrscheinlich, dass eine Türkei, die vor noch nicht all zu langer Zeit mal schnell über die Grenze in den Irak gegangen ist, um einige PKK Terroristen mal wieder zu erledigen oder zu schnappen, und um ihre Positionen dort auszubessern und dergleichen, nun als nächsten Schritt nicht die PKK im Lande, sondern die viel größere Gefahr, die türkische Variante der Hizbullah, aufräumen geht. Die PKK und ihre Mitstreiter sind zwar nicht zu unterschätzen als Störfaktor. Doch sind viele unter ihnen wie eh und je untereinander viel zu zerstritten und am schnellen, eigenen Vorteil inzwischen eher interessiert.

Kann gut sein, dass Zypern davon mit blauem Auge davon kommt – wäre da nicht die andere Seite der Medaille: EU und die so genannte Krise. Zuletzt: Immer mehr Griechen gehen als Gastarbeiter in die Türkei. Beliebt ist sie unter ehemaligen Piloten der griechischen Armee, die nun für zivile Unternehmen der Türkei ihre Dienste eben dort anbieten. Wer tut was mit wem, wann?

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Hoechstes-Amt-Polemik

Also über das Jahr 2011 kann man ja sagen, was man will, aber nicht, dass es ein langweiliges Jahr gewesen wäre.

Havel ist darin gestorben. So auch der große Führer, der sich Schweizer Zahnärzte ins entfernte Nordkorea einfliegen ließ, um seine Lücken – wahrscheinlich in jeder Hinsicht – kaschieren zu lassen. Noch andere ‚Größen‘ sind gestrauchelt: Gaddafi, Ben Ali, Mubarak, Saleh etc.

Wulff, der deutsche Leader der Nation, gezerrt ins derzeitige a-politische Rampenlicht, strauchelt. Erdogan in der Türkei strauchelt, doch eher aus gesundheitlichen Gründen. Versteht sich, Assad in Syrien, der darf leider noch weiter dahinstraucheln, weil seinen arabischen Brüdern von der Arabischen Liga der Erhalt dieses Machtmenschen noch immer mehr an Wert darzustellen scheint als hunderte Tote, die allein im Monat Dezember 2011 in Syrien zu beklagen sind, wegen der Unzufriedenheit der Leute dort mit dem eher unmenschlichen Assad-Regime.

Nach all den Namen, die hier nun bereits genannt wurden, ist also nicht zu erwarten, könnte der Eine oder die Andere unter Ihnen denken, dass Wulff das Handtuch wirft. Wenn der Herr Bundespräsident Wulff kein Machtmensch ist, dann wahrscheinlich eher einer, der den Dunstkreis von Macht und Prestige ziemlich sexy finden dürfte oder könnte? Macht gewiss Spaß, so durch die Welt kutschiert zu werden und von Allen strahlend als Bote deutscher Anständigkeit, deutschen Fortschritts und Arbeitstugend, die wahrscheinlich noch immer irgendwo besteht in der BRD und als Wert in der Welt sozusagen back home punktet, angehimmelt zu werden – Bundespräsidenten, nämlich, dürfen sich im Raum bevorzugter Behandlung an vorderster Stelle stehend vermuten. Bei derartig ausgezeichnetem Stand ist es gewiss schwer, sich für den Abgang vom Art Oberhäuptling der Nation zu entscheiden. Und wenn dem nicht so sein sollte, dann vielleicht doch, weil der Bundespräsident vor ihm ja einfach so gegangen ist – angeblich freiwillig.

Xristofias in Zypern hat den Absprung vom präsidialen Orte auch noch nicht geschafft. Von dem könnte sich Wulff zur Not beraten lassen, nach dem Motto: Wie sitzt man eine prekäre Situation als Präsident eines Landes aus? Zugegeben, Xristofias hat mehr Befugnisse im Amt als Wulff, doch Präsident, also Art Oberhäuptling, sind beide.

Was wäre eigentlich, wenn der vermeintlich einflussreichste Mann der Schweiz, der Herr Blocher von der SVP, nun auch noch hinter der Angelegenheit mit der SPV stünde? Ja, also von der Credite Suisse ist die Rede. Diese ehrenwerte Bank der Schweiz hat ziemlich emsig in Hedgfonds und seltsame Geldfonds investiert. Sie mauserte sich derart zu einer der größten Schattenbanken (SPV). Und die haben es mit der Transparenz nicht so. Dividenden institutioneller Investoren nach den Cayman-Inseln oder in andere Steuerparadiese finden gewisse Finanzregulatoren rein gar nicht lustig. Da gehen jährlich nämlich knapp 200 Millionen Euro verlustig, die sehr wohl die eine oder andere Steuerbehörde zu gerne eingezogen hätte. Dass Herr Blocher seine Finger nach der Basler Zeitung ausstreckt, ist inzwischen kein Geheimnis mehr. Nun, mögen Sie denken, so lange der Blocher nicht im FSB sitzt, sollte man den Guten gefälligst in Ruhe lassen. Das Financial Stability Board (FSB) mit Sitz in Basel, dem 24 Mitgliedsstaaten angehören, ist die Instanz, die im nächsten Jahr sich ernsthafter darum bemühen wird, dass darin auch Schweizer Banken eingebunden werden, sollten Sie nämlich noch wissen. Die Schweiz ist noch nicht einmal Partner einer Arbeitsgruppe der FSB, so dass undurchsichtige und zuweilen hoch-riskante Geldströme, die die Schweiz durchziehen – und sei es nur auf Bildschirmen – noch nicht wirklich transparenter gemacht werden können.

Doch, Sie haben es richtig erkannt, verehrte Leser, auch in der Schweiz, dem ruhigen Hafen im Herzen des Krisen gerüttelten Europas, rumort es. Stellen Sie sich Mal vor, es sind Wahlen und keiner geht hin? So ungefähr, vermuten wir, findet die SV Partei (SVP) der Schweiz ist der Vorstoß des schweizerischen Bundesrates zu bewerten, der heikle Initiativen für einen Volksentscheid neuerdings auf den Prüfstand stellen will. Also Volksentscheide wie derjenige: ist es z.B. gerechtfertigt beziehungsweise heikel, das Volk über den Bau einer Minarettes für eine Moschee im Ort des schweizerischen Kantons XY (ja oder nein) abstimmen zu lassen oder nicht etc.? Apropos: Straßburg, der Menschengerichtshof, hat sich diesbezüglich endgültig entschieden, und zwar für Folgendes der Basler Zeitung vom 20.12.11 zufolge: „… die Beschwerdeführer [haben] in ihren Klagen gegen die Schweiz nicht behauptet, dass der Verfassungszusatz mit dem Minarett-Bauverbot irgendeine konkrete Auswirkung auf sie haben könnte. Sie hätten lediglich gerügt, sie würden in ihren religiösen Überzeugungen verletzt. … sie [können] damit aber nicht als unmittelbare Opfer einer Verletzung der Europäischen Menschenrechtskonvention betrachtet werden. Auch eine indirekte oder potentielle Opferstellung sei zu verneinen. …“

Klingt manchem gewiss abgehoben, das Urteil aus Straßburg. Ähnlich abgehoben erscheint anderen vielleicht, dass demnächst die Elite in der Welt über den Atlantik und wahrscheinlich noch in andere Destinationen unter sich zu reisen gedenkt möglichst, und zwar in der C-Series-Jets der demnächst auf dem Markt erscheinenden Odyssee Airlines – Gerüchten zufolge. Da wird es einen Sitzplatz nur in der Business-Class und höher zu ergattern geben. Bombardier-Jets werden diese Flüge gewiss bombensicher in und zur Elite ermöglichen, wird jetzt bereits versprochen.

Bombensicher schien Herrn Wulff seinerzeit gewesen zu sein, den guten Herrn Maschmeyer mal schnell mit 42 Tausend und ein paar kleinen Zerquetschten Euro beim Vertreiben seines wahrheitsgemäßen Buches zu stützen. Der gute Maschmeyer steht zudem in Verbindung mit der so genannten Swiss-Life. Nun, „Besser die Wahrheit“, so heißt das Buch also, welches der edle Gönner, Spender oder Finanzier mit Wulff und Co auf den Markt für das Lesevolk gebracht haben. Die Leute werden das Ding wahrscheinlich wie die Doofen kaufen, wie man sagt. Ich glaube, Sarrazin und zu Guttenberg stehen mit ihren Literatur-Klöppern bestehend aus 2 Deckeln mit Papier dazwischen auf der Verkaufsliste ganz oben und demnächst dann Bekenntnisse eines Halbwahrheiten von sich gebenden Bundespräsidenten – im Vorfeld geschrieben (hoffentlich von ihm ), oder so, für die anstehende literarischen Karriere, die womöglich klug lanciert wurde mit Skandal im Amt und allem, was einen guten Roman eben auch noch ausmacht heutzutage.

Ja, nun stelle man sich mal vor, wer alles in deutschen Knästen sitzt, wegen Schwarzfahren, Urkundenfälschung, Diebstahl und anderen Delikten. Diese Vergehen können bekanntlich auch bereits bei wenig Aufsehen erregendem Wertgegenstand den Delinquenten gen Knast führen. Doch da der Herr zu Guttenberg in der EU-Kommission sein angekratztes Image anstatt aufpolieren darf, schlagen wir schon mal vor, den ehrenwerten Herrn Wulff vielleicht doch besser zu den United Nations oder, was gewiss auch recht gut passt, zum Roten Kreuz zu entlassen, wenn er denn entlassen wird, bzw. abzudanken geruht, wo er gewiss gute Figur als Geldeintreiber, was auch sonst, machen dürfte.

Als kommenden Bundespräsidentin wünschen wir uns endlich eine Frau, eine, die bestens keine scheinbar so genannt reinen deutschen Wurzeln hat, sondern eine mit Migrationshintergrund bestens ist. Jetzt, wo das Amt des Bundespräsidenten sozusagen beschädigt, besudelt, ja, aus dem Himmel geholt ist, kann doch wohl auch mal an so jemanden im höchsten Amt der Deutschen gedacht werden dürfen?

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Chorisma

Nein, statt „o“ soll im Titel dieses Artikels nicht „a“ stehen. Kein Fehler, der hier passierte, kein Trug.

So schön wäre es ja gewesen! Doch es sollte wohl nicht sein. Noch ist es irgendwie – und doch wahrscheinlich nie mehr.

Vom Glanz eines Politikers ist die Rede. Das Charisma eines Politikers war auch in der türkischen Zaman Tageszeitung vom 14.12.11 das Thema.
Wie so viele Worte, ist auch dieses griechischen Ursprungs. Dass Präsident Xristofias aus Zypern ein charismatischer Politiker deswegen ist, wer weiß das schon? Tayyip Erdogan indes, der soll so einer sein, und sogar die Liste derer anführen, komischer Weise, die am meisten wie auch am wenigsten davon haben auf der Welt – der türkischen  Zaman Tageszeitung zufolge.

Desweiteren wird in dem Artikel der Zaman befunden, dass das so eine Sache sei mit dem Charisma eines Politikers. Weil, wenn derjenige sich dasselbe ein- oder ansteckt, ohne, dass sich das Ansehen des Landes, welches er vertritt, aufbessert in der Welt, dann müsse doch etwas schief gegangen sein. Man wird sehen, ob diese Schieflage des türkischen Charisma demnächst, wenn der neue Verfassungsentwurf steht, darin oder dadurch zurecht gerückt wird.

Immerhin, wie zu lesen war, durften Teile der so genannten Zivilgesellschaft Vorschläge zum Verfassungsentwurf einreichen. Inwieweit diese dann Berücksichtigung finden, und ob sie angefordert wurden, ist hier leider nicht bekannt. Ebenso konnte gelesen werden, dass der Begriff „millet“ tunlichst gemieden werden sollte in der neuen Verfassung (Volkszugehörigkeit). Vielmehr sei angebracht, von „türkischer Gesellschaft“ anstatt zu sprechen (Türk toplumu). Und dass das Militär noch entschiedener unter die Kontrolle der vom Volk gewählten Vertreter zu geraten habe, ist ein weiterer Vorschlag, der vielen Vorschläge, die unterbreitet wurden.
An anderer Stelle in dem Artikel der Zaman ist zu lesen, dass die Oppositionspartei (CHP) gleichzeitig Mit-Besitzerin der Is Bankasi (Arbeitsbank) ist, was gegen die Verfassung schon seit Längerem verstoße und daher abgeschafft gehöre.

Wenn dem bei der CHP wirklich so ist, dünkt mich, ist dieser Sachverhalt mindestens so anrüchig, wie Präsident Wulffs – knurr, knurr – Problem, der mal schnell eine halbe Million Euro, wie sich vielleicht demnächst heraustellen könnte, als Ministerpräsident seinerzeit vom Schwager, wenn wir richtig informiert sind, auf sein Konto von dessen Frau hat überweisen lassen. Somit bestand zwar kein Geschäftsverhältnis mit dem Schwager, das wird noch immer verlautbart, doch anrüchig, wie das zuvor geschilderte Ding bei der CHP, ist es allemal – und das Wulff-Häuschen ist selbstverständlich dennoch legal finanziert worden derart. Die damalige Aussage des damaligen Ministerpräsidenten Wulff bezüglich einer anderen Angelegenheit vor einem Ausschuss, der Aufklärung haben wollte zu Wulffs Verhältnis zu dem zuvor genannten Spender, Schwager, Geschäftsmann, ließ ihn scheinbar ein offenbar unwichtiges Detail in seiner Finanz-Vita und dem Verhältnis zu dieser Person aussparen, nämlich die halbe Mille. Die Moral von dieser Geschicht: Wer anderen von Moral predigt in hohem Amt, braucht die selbe nicht in gleicher Weise… . Jedenfalls, der edle Spender oder Geldverleiher bzw. Schwager scheint nicht nur verwandschaftlich liiert zu sein mit dem Hause Wulff, er ist auch noch Besitzer der Air Berlin zufällig – Gleiches im gesellschaftlichen Rang gesinnt sich halt zu Gleichem oder so. Mit diesem Herrn, wie soll ich sagen, hat sich der ehrenwerte Herr Wulff und heutige Bundespräsident der BRD allerdings bereits erwischen lassen in der Vergangenheit. Soll ja vorkommen, wie sonst wird man auch Bundespräsident, mögen einge unter Ihnen hier vielleicht denken. Der edle Spender der halben Million konnte seinerzeit nämlich nicht mit ansehen, dass sein Verwandter und/oder Freund lediglich in der Economy-Class nach irgendwohin flog, und war dann so nett, das Ticket, versteht sich, zur Business-Class abzugraden. Was das nötige Charisma einer Amtsperson  angeht, hat Herr Untertan, also wir,  dafür völliges Verständnis, nur weiter so!

Wenn an dieser eben geschilderten Sache also wirklich so oder ähnlich was dran ist, wie man sagt, dann übertrifft das durchaus an Werfe, Chuzbe oder dergleichen das neu lancierte zu Guttemberg-Ding. Dessen Entouree hat ihm nämlich zum Danke der Aberkennung seiner blaublütig eingefärbten bzw. mit erworbenen Doktortitelschaft einen wahrscheinlich gut bezahlten Beratungsposten bei der EU-Komission klar gemacht – alte Seilschaften eben, wie sie ja auch einst im so genannten Osten schon bestanden.
Dorthin, zur EU-Komission, wenn hier nicht ganz gefehlt wird, wurde bereits schon ein badenwürttembergischer Charismatiker, also Politiker mit Charisma und guten Englischkenntnissen, hinbeordert, der eigentlich schon etwas Blaublütiges an sich hatte – Oettinger.

Eigentlich schade, dass Charisma – wie auch das Beispiel Erdogan bestens veranschaulicht -mit Geld, viel Geld, gern und zumeist zusammen hängt. In der Schweiz hat das liebe Geld und seine Verstrickungen den Herrn Zupiger indes das Charisma etwas verdunkelt, und zwar gestern, weil sonst hätten sie ihn wohl noch in den Bundesrat gewählt. Die SVP hat nun ganz uncharismatisch lediglich einen Vertreter im Bundesrat und schreit vergebens und laut, die Konkordanz sei dahin. Bekanntlich waren im Bundesrat stets zu gleichen Teilen von den 3 größten Parteien jeweils 2 Vertreter im Rat  anzutreffen – zwecks Konkordanz. Jetzt glänzt dort anstatt eines zweiten Kandidaten der SVP charismatisch gar eine Frau, wiederholtermaßen sogar, nämlich die Widmer-Schlumpf (ehemalig SVP) von der BDP.

Und dann erst der aufgehende Juristenstern zu Berlin als Justizsenator, der, kaum im Amt, gleich mit seltsamen Verkäufen als Notar seinerzeit nach dem Ostausverkauf, oder wie man die Periode nennen darf, sich nun verantworten soll.

Zuversichtlicher stimmt uns da gewiss, dass die Vermutung sich noch bewahrheiten könnte, dass genügend Geld aus Russland in Zypern angelegt ist – und sei es nicht immer sichtbar oder nachvollziehbar -, welches bei Bedarf gewiss das Charisma von Herrn Xristofias nächstes Jahr bei der EU-Präsidentschaft aufmöbeln wird, weil der Rubel, wie man gern sagt, bei Bedarf eben rollt. Siehe das Versprechen Russlands der EU mit einigen Milliarden oder Millionen demnaechst mal schnell aus der Finazpatsche zu helfen. Und das Putin ein charismatischer Fuehrer ist, ist doch wohl unbestritten. Bekanntlich hat sich auch viel Geld aus Griechenland und noch von anderswoher nach Zypern und seinen finanziellen Schlupflöchern verkrochen – ins Chorisma, so nennen wir das nun. Das Chorisma, so scheints, ist eine weitere essentielle Zutat zum Charisma neben der des Geldes. Wahrscheinlich erübrigt es sich, verehrte Leser, nach diesem Begriff des Chorisma zu googeln. Der wird hiermit einfach, wie so mancher Trug,  in die Welt gesetzt.
Choris bedeutet auf Griechisch „nichts, ohne“.

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Es ist eine Tatsache, dass sich in den letzten Jahren das Zyprische Symphonie Orchester gewaltig gesteigert hat und eine disziplinierte Einheit entstanden ist. Vor allem ist das dem deutschen Violinisten Wolfgang Schroeder, der seit 2005 als Konzertmeister fungiert, zuzuschreiben. Er richtet das Orchester sozusagen nach ‚international‘ zielstrebig aus. Aufführungen finden nicht nur in der Hauptstadt Nikosia statt, was früher üblich war, sondern auch in den wichtigsten Städten der Insel (Südteil).
So auch in der Hafenstadt Larnaka, wo vergangene Woche ein Beethoven-Abend besonderer Güte vor zahlreich erschienenem Publikum gegeben wurde, und zwar mit dem renommierten griechischen Dirigenten Alkis Baltas.

So quasi zum Einstieg wurden acht kurze Stücke des sehr jungen Beethoven mit dem drolligen Titel „Musik zu einem Ritterballet“ gespielt, wovon einige der Melodien aus dem deutschen Liedgut stammten und der Zuhörerschaft durchaus bekannt zu sein schienen. Darauf folgte das Konzert für Violine, Cello und Klavier in C Dur, op. 56, mit den Solisten Wolfgang Schroeder, dem deutschen Konzertmeister, dem Ersten Cellisten, einem Bulgaren, Petros Gospodinov, und der japanischen Pianistin Naoko Kariya. Das melodiöse Concerto, welches mit einem Thema abwechslungsweise bei einem Instrument beginnt, was anschließend von den andern beiden Solisten und vom Orchester aufgenommen wird, geht von Anfang bis zum Ende harmonisch durch. Die Unterstützung und Präzision des Orchesters war wirklich hervorragend und die Solisten erstklassig. Der geschmeidige Ton der Violine ergänzte das runde Volumen des Cello mit seinem sinnlich singenden Ton, begleitet von einem klaren Anschlag, teilweise weich gespielt im 2. Satz und mit dennoch faszinierend fester Tongebung und geradezu perlender Abfolge.

Den Schluss des Abends bildete die 7. Symphonie in A Dur, op. 92 von Beethoven. Der mir vorliegende Konzertführer schildert, dass diese Symphonie seit Wagner als „Apotheose des Tanzes“ bezeichnet wird. Nach einer großangelegten und kontrastreichen Einleitung ereignet sich, was der Beethoven-Biograph Walter Riezler den „Sieg der Sinfonie über die Alleinherrschaft des Rhythmus“ genannt hat. Nach einem fahlen a-moll-Akkord setzt nämlich ganz geheimnisvoll in den Bässen das Allegretto ein. Der Satz steigert sich zum strahlenden Glanz des vollen Orchesterkörpers zu eindringlicher Größe und endet im letzten Satz mit überschäumender Lebenskraft.

Das zyprische Symphonie Orchester hat sein Bestes gegeben und einen harmonisch sonoren Klang entwickelt, mit dem es verstand, uns Besucher freudig und recht beschwingt in eine bereits kühle Nacht zu entlassen.

 

Das Ciné Studio der Universität on Nikosia (früher Intercollege) zeigt stets experimentelle Filme oder solche, die ansonsten in den Kinos nicht auftauchen. Der Ort ist auch bei den Kulturinstituten vorort beliebt, die gerne Filme zeigen, die scheinbar bei Enthusiasten einer gewissen Kunstrichtung Anklang und ein gutes Echo haben. So geschehen auch kürzlich, als das Goethe Institut in seinen Räumen Workshops über die Arbeit von Pina Bausch veranstaltete und als Krönung im Ciné Studio den von Wim Wenders produzierten Hommage Film zeigte. Der nicht gerade kleine Saal war gefüllt von Menschen aller Altersklassen und jeglicher sozialer Schicht. Wim Wenders begann mit den Dreharbeiten noch zu Lebzeiten Pina Bauschs; fertig gestellt wurde der Streifen aber erst nach ihrem Tod. Er hat in wunderbarer Weise ihren Schaffensdrang hervorgehoben und die Teamarbeit vom Tanztheater Wuppertal mit den bunt aus allen Kontinenten stammenden Künstlern, als intensiv arbeitende Künstlergemeinschaft, die alle vom Tanz beseelt sind, aufs Eindrücklichste gezeigt. Gefilmt wurde auch außerhalb des Theaters, teilweise in der Landschaft, im Wald oder mitten im Verkehr der Stadt. Ein, finde ich, überzeugendes Bild wurde geschaffen von dieser Choreographin, die mit der Bewegung des Körpers Musik umzusetzen verstand und wusste, wie mit subtilen Mitteln eine Szene, das Anliegen plastisch dargestellt werden kann auf der Bühne. Pina Bausch ist ein Genie der Choreographie gewesen. Ein Lehrstück für viele ist sie, die sich mit modernem Tanz beschäftigen. Sie sollten sich an ihr öfters ausrichten, finde ich.

Bob de Walt

 

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Syrien – „matt!“

Nun, wie in der BZ gelesen werden kann, spricht angeblich der Regierungssprecher der CDU von einem nicht ganz ausschließbaren Militärschlag gegen Teheran. Doch, Eins nach dem Anderen! Also zuerst gilt es doch wohl, Syrien ‚zurechtzustutzen‘, dann Ägypten und Libyen ‚zu richten‘ und dann erst sollte mal an den Iran gedacht werden. Warum Syrien?

Es gibt in London die syrische Organisation für Menschenrechte, die tagtäglich mit finstersten Berichten aus Syrien seit geraumer Zeit aufwartet. Darum!

Zwar könnte gesagt werden, die syrische Regierung habe vorgestern 912 Oppositionelle freigelassen. Doch was belegt das schon, wenn andernorts gleich wieder 250 und mehr Menschen eingesammelt werden vom Regime (wie in Dael).

Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIZ) setzte sich in Saudi Arabien mit Syrien erneut an einen Tisch. Al Mou’allem der syroische Außenminister fordert, dass Syrien keinen „Unterwerfungsvertrag“ einzugehen habe bei den Verhandlungen mit der Arabischen Liga. Es müsse alles beidseitig ausgehandelt sein gefälligst. Ja, und die Beschlüsse der Arabischen Liga sind für Syrien eh Luft und der Waffenschmuggel nach Syrien sei zu unterbinden sowie die Finanzierung der Oppositionellen. Und dann bitte: „Schluss mit der Medienhetzte“ von al Jazeera und Al Arabia! Mit den Sanktionen der Arabischen Liga seien „die Fenster endgültig geschlossen worden“! Peinlich nur, dass der Video mit den verkohlten Leichen, die Mou’allim zeigte, einer ist, der schon vor Jahren im Libanon gezeigt worden sein soll. Also als Beweis der Untaten durchgeführt von den Aufständischen kann der nicht herhalten (siehe Futur TV). Außerdem liefert ja Russland Waffen an Syrien, wollte Herr Mou’allim womöglich vergessen zu erwähnen.

Und was predigt daraufhin der Generalsekretär der OIZ? Der syrische Konflikt müsse von Muslimen gelöst werden. Es gelte, die Sicherheit und Stabilität Syriens zu wahren. Man lehne eine Internationalisierung des syrischen Konfliktes ab. Dass Assad ausgerechnet aus dem Libanon eine Delegation muslimischer Gelehrter vorgestern empfing, um mit denen über die jüngsten Unruhen zu sprechen, lässt jedenfalls aufhören. Lezteteres, da diese Herrn die Beschlüsse der Arabischen Liga nämlich kritisieren. Sie brandmarken Assads Widersacher, als von den USA und den Zionisten geführte Leute.


Und so, wie die Engländer ihr Botschaftspersonal aus Teheran abberufen, hat selbiges Vorgehen nun auch Spanien in Syrien in die Wege geleitet, wie auch Südkorea und Indonesien. Letzteres Land lässt lediglich seinen Botschafter aus Sicherheitsgründen aus Damaskus abberufen.

Inzwischen werden anstatt 12 syrischen Personen 86 mit einem Einreiseverbot für die EU belegt. Es ist jedenfalls stark davon auszugehen, dass derartge Maßnahmen gestern beschlossen wurden – in Anwesenheit des Generalsekretärs der Arabischen Liga, Herrn Nabil al Arabi. Ebenso kommen zu den bereits geblockten 19 Firmen, die keine Geschäftchen mehr in der EU machen sollen dürfen, noch weitere 12e hinzu aus Syrien.

Außenminister William Hague der Briten sagte gestern beim Treffen der EU-Außenminister in Brüssel, dass der Iran beim Unterdrücken des syrischen Volkes aktiv beteiligt ist. Das behauptet unter anderen auch der Sekretär des Militärrats der Freien Syrischen Armee, Ammar al-Wawi. Der Grund sei die Zunahme Abtrünniger innerhalb der Armee. Freiwillige Kämpfer werden daher auch aus dem Irak (Muqtada al Sadr Gruppe) und dem Libanon (Hisbullah, Amal) rekrutiert.

Qatar Airways fliegt Damaskus ab sofort nicht mehr an. Die Emirates Airlines und die Etihad dürften die kommende Woche folgen. Keine Ahnung, ob die Turkish Airlines noch nach Syrien fliegt. Wir denken indes, dass wenn sogar der libanesische Wirtschaftsminister sagt, er finde die Sanktionen der Arabischen Liga zwar nicht gut, doch er werde sie mitumsetzen, dass Ankara dann wahrscheinlich seine Airline derzeit nicht nach Syrien fliegen lassen dürfte.
Angeblich hat Damaskus keine Gelder in der libanesischen Zentralbank gebunkert. Typisch ist, dass just zu diesem Moment, eher still und heimlich, ein U-Boot an Israel vermacht wird von Berlin, welches man mit Nuklearsprengköpfen ausstatten kann. Hurra! Gut gemacht!!! Und weil es so schön war, übernimmt die BRD selbstverständlich ein Drittel der Kosten – was auch sonst? Dieser Deal stammt aus der Schröderzeit (2005).

Indes ist an uns nicht spurlos vorbeigegangen, dass der Vorsitzende der Nationalen Demokratischen Initiative, der ehemalige syrische Informationsminister, der ein Alevit wie Assad ist, denselben aufforderte letzten Dienstag, die Regierung von Adel Al Safar aufzulösen, um eine neuen nationale Einheitsregierung zu bilden. Letzteres beinhaltete auch eine Krisenverwaltung.
Die syrische Sängerin Assala Nassri ließ verlautbaren aus Kairo, dass die, die Assad unterstützten, Verbrecher seien. Syrien sei nicht das Eigentum der Assads. Die syrischen Moslembrüder scheinen der Ansicht zu sein, dass die Türkei ein gutes Modell sei, und sprechen davon, nach dem Sturz Assads sich daran auszurichten.

Unterdessen scheint Russland ein Kriegsschiff in den Südosten Europas zu entsenden wollen. Ein Flugzeugträger und ein U-Boot-Zerstörer wurden bereits dorthin verlegt. Die russische Iswestija-Zeitung schreibt von Drohpotenzial gegen die NATO, welches derart aufgebaut werde. Die Türken berichten davon, dass Syrien Boden-Boden-Raketen vom Typ Scud an der Grenze zur Türkei (Qamischli und Deir al Zur) stationiert habe. Davutoglu, der türkische Außenminister, ließ schon mal wissen, dass die Türkei zu jedem denkbaren Szenarium bereit sei. Doch Ankara liege nichts an einer militärischen Intervention, was sich indes ändern könnte, wenn das Killen nicht aufhört in Syrien. Wirtschaftssanktionen seien daher schon mal angebracht. Die Strafmaßnahmen beinhalten: Aussetzen strategischer Zusammenarbeit mit Syrien, Einreiseverbot für syrische Offizielle und Unternehmer, die Dreck am Stecken haben, Einfrieren der Zusammenarbeit mit der syrischen Zentralbank, Sperrung der Bankkonten Assads und ein generelles Waffenlieferungsverbot aus dritten Ländern. Ein Syrer wurde in Sultan Ahmet/Istanbul erschossen, der wahrscheinlich aufgrund der Sanktionen der Türkei um sich zu ballern angefangen hatte eben dort.
Auch Saudi Arabien hat seine Staatsbürger aufgefordert, Syrien zu verlassen. Außenminister Lawrow Russlands spricht indes davon, dass ein Waffenembargo ungerecht sei, da die Aufständischen ja sonst übervorteilt würden.

Es ist das alles einem Schachspiel ähnlich. Wer bietet denn wohl demnächst wie und wo Schach? Und wer geht wann und wie matt?

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